[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Challenge: Suspense – Joker, Inspiration von hier – fürs Team
Fandom: The Expendables 3
Titel: Nacht im Museum
Inhalt: Der Anfang vom Ende und für Barney bricht eine Welt zusammen.
Anmerkung: Hätte wahrscheinlich auch gut zur Angst-Tabelle gepasst, doch es ging mir eher darum, auf die „spannende“ Auflösung hinzuarbeiten. Hat nur bedingt geklappt. SPOILER FÜR EX3. So im weitesten Sinne.



Nacht im Museum

Das Museum wird in einer halben Stunde schließen und so wie Barney Conrad kennt, wird der bis zur letzten
Sekunde bleiben und versuchen, mit den Augen ein Loch in die Leinwände zu brennen. Es macht Barney nichts aus, so lange zu bleiben, er ist schließlich freiwillig mitgekommen.

Tool und Trench haben sich „geschickt aus der Affäre gezogen“, wie sie es nannten, und machen wahrscheinlich die Chreschtschatyk unsicher. Barney gönnt es ihnen von Herzen. Ihr letzter Fall hier in Kiev hat sie zu nah an den Abgrund geführt und während Tool sich nachts die Seele aus dem Leib schreit, weil ihm unsichtbare Soldaten die Brust in Fetzen schneiden, sucht Barney Zuflucht in seiner Insomnie, Trench am Boden einer Flasche und Conrad in Kunstmuseen.

„Schau dir das an“, murmelt Conrad wie aufs Stichwort. Er schnalzt geringschätzig und beugt sich näher an das Bild heran, als habe es ihm gerade ins Gesicht gespuckt. „Ein paar Vierecke und zwei Striche und jetzt hängt es in einem Museum.“

„Hm“, macht Barney. Er versteht nichts von Kunst (Sachen mit Totenschädeln findet er gut) und er hat Conrad immer schon für sein Interesse bewundert. Namen, Daten, Fakten, Conrad weiß alles, sogar welches Bild zu welchem Preis den Sammler wechselt. Woher bleibt sein Geheimnis und Barney bohrt nicht weiter nach.

Er fragt sich nur manchmal, ob Conrad seine Leidenschaft überhaupt liebt oder sie eher aus ganzem Herzen hasst.

„Pah. Amateur.“ Conrad knurrt und richtet sich wieder auf. Er wischt sich sogar die Hände an der Jeans ab und verzieht das Gesicht, als sei ihm plötzlich übel.

Barney lächelt schief. „Wenn du das sagst.“

Normalerweise hätte Conrad seinen Kommentar ignoriert und sich die nächsten zehn Minuten über den unausweichlichen Untergang der modernen Kunst ausgelassen, egal, ob ihm jemand zuhört oder nicht.

Doch jetzt fährt er blitzschnell herum und funkelt Barney hasserfüllt an. Innerhalb eines Herzschlags spannt Barney die Schultern an, stellt die Füße weiter auseinander und ballt die Faust schmerzhaft fest an der Seite und erst als er merkt, dass sein Atem immer schneller geht, fällt ihm auf, was er hier eigentlich macht.

Was hat er vor? Conrad mitten im Museum die Visage zu polieren?

Conrad hingegen fixiert ihn mit einem durchdringenden Blick und lächelt dann breit. „Der große Kunstkritiker Barney Ross hat wieder zugeschlagen“, sagt er, breitet die Arme aus und schlägt etwas fester als nötig gegen Barneys Schulter. „Komm schon, du Neandertaler. Suchen wir dir ein Tattoostudio, das dürfte eher deinem Geschmack entsprechen.“

Er hakt sich bei Barney unter und grinst, so als sei überhaupt nichts geschehen und alles in bester Ordnung. So als wäre Barney nicht nur hier, weil er gehofft hat, mit Conrad reden zu können, nachdem er ihn ein bisschen gnädig gestimmt hat.

Barney seufzt. Es hilft ja alles nichts.

„Wir müssen reden“, sagt er leise. Er bräuchte seine Stimme nicht einmal zu senken, sie sind die einzigen Besucher im Museum. Dass er es trotzdem tut, zeigt wahrscheinlich nur, wie sehr er das hier nicht will.

Conrad bleibt stehen und lässt ihn auf der Stelle los. Das Grinsen wirkt wie mit einem Messer in sein Gesicht hineingeschnitten und aus dem spöttischen Funkeln in seinen Augen ist ein wachsamer, eiskalter Blick geworden.

Er weiß anscheinend, was kommt, doch das macht die Sache nicht leichter.

„Wegen vorgestern“, fährt Barney umständlich fort und schaut zum ersten Mal eins der Gemälde an (ein großes, schwarzes Viereck, das so aussieht, als könne es ihn verschlucken).

Conrad sagt nichts. Wahrscheinlich denkt er genau wie Barney daran, wie unwirklich es ist, dass zwischen all dem Schlamm, dem Blut und den Handgranaten von vorgestern und dem Museum von heute nicht mehr als ein paar Stunden und zwei heiße Duschen liegen. „Wir müssen darüber reden.“

Es fällt ihm schwer, es zuzugeben, doch Barney hat Angst vor dem, was er gleich hören könnte. Wenn er ehrlich ist, dann ist Conrad schon seit ein paar Monaten nicht mehr ganz derselbe – wütender, großspuriger und ständig bemüht, ihre Partner zu übervorteilen. Erst vor zwei Wochen hat er sich mit einem Auftraggeber angelegt und ihm das Gesicht zu Brei geschlagen und nun diese Aktion von vorgestern…

Barney seufzt erneut. Vielleicht ist es seine Schuld. Vielleicht hätte er es verhindern können, wenn er ihn früher drauf angesprochen hätte, doch jetzt kann er sich nicht mehr raushalten.

„Gut“, sagt Conrad da. Er klingt bitterböse und Barney lässt den Kopf hängen. „Dann sprich dich aus. Scheinst ja eine Menge auf dem Herzen zu haben.“

„Conrad…“, murmelt Barney und es ist ihm egal, dass er bettelt. Er will nicht wahrhaben, dass sein Team womöglich auseinander brechen könnte.

Conrad ignoriert ihn, lächelt sein breites, bitteres Lächeln und klopft Barney auf die Schulter, genau dorthin, wo die Bandage das Loch in seinem Fleisch verdeckt.

„Weißt du was, Ross. Andere Menschen würden sich vielleicht bedanken, wenn man ihnen das Leben rettet. Aber du natürlich nicht, nein. Du musst mit Schuld und Sühne anfangen, nicht wahr, weil du nicht glücklich werden kannst, wenn du mal fünf Minuten lang nicht leidest!“

Den letzten Satz hat er ihm ins Gesicht geschrien und Barneys Ohren beginnen zu klingeln. Er zuckt zurück, kneift die Augen zusammen und atmet ein paar Mal tief durch. Verdammte Handgranaten. Nach ein paar Momenten hat er sich wieder im Griff und schaut zu Conrad hinüber, der das schwarze Quadrat anstarrt und so tut, als hätte er von Barneys Anfall gar nichts mitbekommen.

Weiter, peitsch Barney sich vorwärts. Du musst da durch.

„Die Waffe war nicht geladen“, murmelt Barney erschöpft. „Das wusstest du.“

„Einen Scheiß wusste ich“, faucht Conrad. „Alles, was ich wusste, war, dass der Typ zwei Knarren auf deinen Kopf gerichtet hatte. Sei doch einfach froh, dass du noch am Leben bist. Und bedank dich gefälligst!“

„Danke“, sagt Barney und Conrad stöhnt entnervt auf.

„Halts Maul!“

„Er war siebzehn, Conrad. Er hätte nicht geschossen.“

„Halt dein Maul, verdammt noch mal!“

Die Wachmänner am Eingang werden langsam auf sie aufmerksam und Barney wirft ihnen rasch ein beruhigendes Lächeln zu, ehe er Conrad wieder nach hinten zerrt. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, das Ganze an einem solch öffentlichen Ort zu klären, doch Barney wollte Conrad nicht vor dem ganzen Team bloßstellen – nicht vor Trench, der nie seine Meinung sagt und sich seinen Teil immer bloß denkt und nicht vor Tool, der Conrad noch nie leiden konnte.

Conrad reißt sich von ihm los, kaum, dass sie zwei Meter gegangen sind und starrt ihn hasserfüllt an.

„Wo ist dein verdammtes Problem, Ross“, faucht er. „Ich hab an dem Tag zwölf Männer erschossen, aber wegen dieses Bengels machst du mir nun die Hölle heiß?“

„Er hätte nicht geschossen“, wiederholt Barney. „Und das wusstest du.“

„Ich wusste gar nichts“, erwidert Conrad stur.

Sie kennen sich seit Jahren, haben schlimmste Zeiten zusammen durchgemacht und genau deswegen weiß Barney plötzlich, dass es längst zu spät ist.

„So arbeiten wir nicht. Niemals Kinder. Niemals Unschuldige. Das sind die Regeln.“

Die Wörter tun weh, als würde man ihm Zähne ziehen. Sein Brustkorb zieht sich plötzlich unangenehm eng zusammen. Sein ganzer Körper spürt, wie sie auseinanderbrechen, ein letztes Aufbäumen, bevor Conrad ihm endgültig entgleitet.

Er kann ihn nicht aufhalten.

Er will es gar nicht mehr.

Und Conrad versetzt ihm den Todesstoß, als er aufblickt und Barney trotzig in die Augen schaut.

„Das sind deine Regeln, du naiver Schwachkopf. Nicht meine.“

Dann dreht er sich um und geht, lässt Barney und all ihre gemeinsamen Jahre einfach stehen und eine große schwarze Welle bäumt sich vor Barney auf und verschlingt ihn ganz und gar.


Fünf Monate später schießt er Conrad drei Kugeln in die Brust und sieht zu, wie er in die Tiefe stürzt.

Er wird nie wieder richtig schlafen.

Date: 2014-08-23 08:16 am (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
Ach, ist das bedrückend. Barney kann einem schon leid tun, andererseits hat er aber auch wirklich einen derart kryptischen Moralkodex, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie jemand wie Stonebanks ("ich töte ihn vorsorglich, bevor er mich tötet, außer an Freitagen, da töte ich einfach alle, weil Menschen so unfassbar bescheuert sind, meine Güte, nur Idioten" I feel you, Conrad, honey, I really do) da überhaupt mithalten kann.

Was ich am allerallerallerallertragischsten finde von allen tragischen Dingen die jemals tragisch waren:
Alles, was ich wusste, war, dass der Typ zwei Knarren auf deinen Kopf gerichtet hatte.

Stonebanks will ihn beschützen, und dann macht Barney ihm die Hölle heiß, weil der Typ mit Schrödingers Knarren vielleicht noch nicht ganz volljährig war, und dann wundert er sich noch, dass Stonebanks es nicht ganz so geil findet, für sowas auch noch angeschissen zu werden. Ach herrje, Barney, es ist wirklich nicht einfach, mit dir befreundet zu sein, oder?

Suspense oder nicht ist mir jedenfalls relativ egal, denn mir gefällt es extra gut, wie du die Museumsumgebung dazu genutzt hast, Barneys Gefühle widerzuspiegeln ("ein großes, schwarzes Viereck, das so aussieht, als könne es ihn verschlucken") und diese Atmosphäre aber gleichzeitig dazu beiträgt, dass die Situation nicht so eskaliert, wie sie es vielleicht an einem ~privateren Ort getan hätte.

Und das Ende, hach, das Ende. Ich sehe schon alptraumartige Montagen aus verzerrter moderner Kunst und Schüssen vor mir. Hach.

Verdammte Handgranaten.
lbr I'm here for subtle shell shock.

Date: 2014-08-26 09:18 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich weiß ja nicht, worauf [livejournal.com profile] ayawinner hinauswill, aber mir kam der Gedanke durchaus, und ich wäre nicht abgeneigt ... Also, wenn Du unser Team mal bei der Kink-Tabelle vorwärts bringen willst ...

Date: 2014-08-26 09:30 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
"ich töte ihn vorsorglich, bevor er mich tötet, außer an Freitagen, da töte ich einfach alle, weil Menschen so unfassbar bescheuert sind, meine Güte, nur Idioten"
This!

(Es sollte mir zu denken geben, daß mir die Szene mit dem "mein Gott, es ist doch nicht so schwer, jemanden umzubringen" gefallen hat.)

Date: 2014-08-26 09:28 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Noch was, was ich unbedingt lesen mußte - mehr zu Barney und Stonebanks. Was für ein Potential für großes Drama ... Ganz ehrlich.

Da ich die beiden gerade erst vor einigen Stunden gesehen habe, kann ich sagen, daß Du sie exakt triffst. Vor allem Stonebanks, das ist Wahnsinn.

Er fragt sich nur manchmal, ob Conrad seine Leidenschaft überhaupt liebt oder sie eher aus ganzem Herzen hasst.
Das habe ich mich auch gefragt, gestern.

„Das sind deine Regeln, du naiver Schwachkopf. Nicht meine.“
Die ganze Auseinandersetzung nimmt einen richtig mit, aber das hier tut wirklich weh. Unglaublich, wie Du es schaffst, daß man hier mit den Charakteren (also v.a. mit Barney) mitleidet.

Es gab ja wenig zu lachen, kein Wunder, bei dem Thema, aber hier habe ich doch gelacht: Er versteht nichts von Kunst (Sachen mit Totenschädeln findet er gut)

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