[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Erato
Challenge: H/C - stimmlos (für mich)
Fandom: Teen Wolf
Wörter: ~1.600
Personen: Stiles, Scott, Kira
Warnung: ugh...traumatisierte Teenager?
Anmerkung: Und der Rest.

Er konnte sie nicht sehen, weil Scott die Sicht auf sie versperrte, aber Stiles spürte, wie sämtliche Anspannung aus Kira wich. Sie rutschte auf die Knie, und ihr Schwert machte knirschende Geräusche gegen Erde und Asphalt.

Scotts Augen waren lichterloh. So rot, als wäre der Wolf in seinem gesamten Körper ausgeblutet und hätte nichts Menschliches hinterlassen. Stiles hatte es gesehen. Gott, er hatte es gesehen.
„Ja“, entgegnete er und versuchte, seinen besten Freund gewinnend anzugrinsen.
„Nicht tot! Siehst du?“ Er fasste nach einer von Scotts blutigen, krallenbesetzten Händen und legte sie gegen seine eigene Schläfe, wo sein Haar schweißnass an seinem Schädel klebte. Er war sich sicher, dass Scott seinen aufgeregten Puls sehr gut wahrnahm.

„Ich war nicht da drin. Lydia hat.... sie hat mich angerufen, bevor du es getan hast. Offenbar ging die Zündung nur los, weil du mich angerufen hast. Welcher Mistkerl sich das auch immer ausgedacht hat.“

Scott schöpfte nach Atem. Zum ersten Mal seit Minuten, wie es schien.
„...Stiles...“, wiederholte er gebrochen. Seine Stimme war nur noch ein heiseres Krächzen. Kein Wunder bei all dem Gebrüll.

„Ich dachte...ich dachte...“

„Ich weiß. Ich musste in Deckung gehen, das ganze Ding flog kreuz und quer. Du kannst von Glück reden, dass du Kira dabei hattest, Alter, sonst...“

Weiter kam er nicht. Er hätte gerne einen Witz gemacht, am liebsten zwei. Scott auf die Schulter klopfen und weiter im Text. War doch nichts kaputtgegangen.

Aber sein bester Freund hockte auf ihm, Hüfte an Hüfte, und hörte nicht auf, mit den Fingern über Stiles' Haare zu fahren, ganz so, als würde er verschwinden, wenn er ihn eine Sekunde lang nicht berührte.
Sein bester Freund, gefangen zwischen Mensch und Ungeheuer – und das nur, weil er, Stiles, mal kurz nicht da gewesen war. Okay, das sollte er streichen. Dieses Mal war die ganze Sache, wennauch nur kurz, etwas mehr schief gegangen als sonst.

„Hey“, flüsterte er, und dann spürte er etwas Nasses auf seiner Wange landen.
Es wunderte ihn für einen kurzen Moment, dass die Tränen eines Alpha-Werwolfes nicht genauso rot wie seine Augen waren, aber das war vermutlich romantisierender Bullshit.
„Ist ja gut, Scotty. Alles ist gut, okay?“

Sein Freund schüttelte den Kopf, langsam und bebend wie ein kleiner Junge, den man irgendwo hatte stehen lassen.

Oh.

Er sah verlassen aus.

Unter seinen Schluchzern schwanden die Fänge zu normalen menschlichen Zähnen, wichen die Haare in Scotts Gesicht den normalen Schatten von Kummer und seine Stirn wurde wieder glatt und hübsch.

„Schon okay“, flüsterte Stiles und zog ihn fest an sich.

„Sag deinem Wolf, dass ich nicht mehr weggehe, okay? Er darf weiter auf mich aufpassen. Dürft ihr beide.“

Lange lagen sie da. Im Nachhinein wusste Stiles nicht mehr, ob es Minuten oder Stunden waren. Er lag mit dem Rücken zwischen Beton und Golem-Innereien, und hielt seinen Freund fest an sich gedrückt, streichelte ihm den Hinterkopf und Rücken.
Er war sich bewusst, dass sie die Zeit brauchten.
Immerhin, sie waren alle lebendig aus der Sache herausgekommen. Bis jetzt.

Scott hatte das Gesicht in Stiles' T-Shirt vergraben und atmete, vom Weinen hicksend, in seine Brust.

Stiles fasste nach Kiras Hand, als sie heranrutschte, ihm mit feuchtem Gesicht einen Kuss auf die Stirn gab und Scotts Rücken zu streicheln begann.



„Sind sie normal?“

Im Dunkeln glühten zwei rote Ringlein vor ihm auf.

„Ja, auch wenn ich normal echt ein doofes Wort finde.“
Scott schluckte und ließ seine Augen wieder ausgehen. Wie wenn der Wind eine Kerze ausblies.

Seine Stimme war, was nicht ganz so normal war. Es wirkte ein wenig, als hätte er sie heute verloren. Stiles hatte Kamillentee in seinen besten Freund gekippt. Es hatte sich eh getroffen – niemandem von ihnen war nach Abendessen zumute gewesen.

„Sie hasst mich“, murmelte Scott irgendwann in die Stille hinein. Es war dunkel, um sein Gesicht zu sehen, aber Stiles konnte hören, wie der Junge seine Wange in das Kissen presste und tiefen Atem einsog.

„Tut sie nicht.“
Kaum hatte Stiles das geflüstert, spürte er seinen Freund wieder näher an sich rutschen, den Kopf unter seinem Kinn vergraben, und er konnte nicht anders, als die Arme um ihn zu legen und ihn näher an sich zu ziehen. Scotts Atem kitzelte ihn am Hals. Er wagte nicht, sich zu beschweren.

„Wirklich, tut sie nicht. Sie wirkte nur ein bisschen....erschöpft. So wie du?“

Okay, vielleicht hatte es Stiles selbst auch mitgenommen, wie hinter ihm eine Lagerhalle explodiert war, kaum, dass er sein Handy von sich geworfen und nach draußen gehechtet war.
Aber das war kein Vergleich gewesen zu dem Bild, welches sich ihm danach geboten hatte, und das er nun nie wieder würde vergessen können.

„Morgen gehen wir zu ihr und reden in Ruhe. Oder du alleine, das ist wahrscheinlich besser. Und jetzt solltest du dir erstmal eine Mütze Schlaf genehmigen.“

Er tätschelte Scotts Schulter, und dann, als er das Beben, welches durch den Körper des Werwolfes lief, fühlte, streichelte er vorsichtig die kurzen, zerzausten Haare.

Scott erwiderte nichts. Er drängte sich ihm nur noch näher entgegen.

Sie lagen lange schweigend beieinander, bis Stiles hören konnte, wie Scotts unregelmäßiges Schniefen zum gequälten, holprigen Atem wurde, den ein oberflächlich Schlummernder an den Tag legte.
Wenn er die Augen schloss, hörte er den ohrenbetäubenden Lärm des Hauses, das hinter ihm zu Schutt und Asche zerfiel. Er hörte dumpf das Heulen eines Werwolfes, das ihn tief bis ins Mark erschütterte, das Blut in seinen Adern gefrieren ließ, ihn zu Schweißausbrüchen trieb-

Die blau leuchtende Anzeige von Scotts neuem Radiowecker zeigte 3 Uhr 27 an, als Stiles aus wirren Träumen hochschreckte.
Sein Körper war schweißgebadet und seine Blase drückt unangenehm.
Oh mann.

Er versuchte, sich aus dem Griff seines Freundes zu ziehen und schaffte es gerade mal, beide Beine aus dem Bett zu schwingen und aufzustehen, als Scott mit scharf eingezogenem Atem die Augen aufriss.

Das rote Leuchten blendete Stiles.

„Hey, alles gut“, wisperte er, als Scott mit den Händen über den Fleck auf den Laken fuhr, auf dem Stiles eben noch gelegen hatte.
„Ich geh nur auf Klo, okay?“

„Stiles“, quiekte Scott leise, noch immer grauenhaft stimmlos.
„Du gehst nirgends alleine hin!“ Im Zimmer wurde es kurz dunkel, wenn der Werwolf blinzelte, schlaftrunken und offensichtlich nicht so ganz anwesend.

„Scott, das Badezimmer ist fünf Meter entfernt. Im wahrsten Sinne des Wortes.“

„Nein“, murmelte sein Freund, und war schon dabei, sich aus der Bettdecke zu schälen.

„Nein.“

Es klang ein wenig wie vorhin, als er gedacht hatte, dass...

Stiles konnte ihn neben sich im Dunkeln fühlen. Irgendetwas war gewaltig falsch, dass sein bester Freund dicht neben ihm stand, während er, Stiles, seinen Schwanz über der Toilette auspackte und versuchte, sich zu konzentrieren. Gott, er hatte schon als kleiner Junge nicht gekonnt, wenn jemand zugesehen hatte.

Vielleicht hatte es damit zu tun, dass Scott noch halb schlief. Andererseits...
Stiles schluckte.
Irgendetwas in Scott war heute definitiv kaputtgegangen. Unwiederbringlich. Irreparabel. Und Stiles fühlte, wie es ihm einen Knoten in den Hals schob, an dem er kaum vorbeiatmen konnte.

Scott trat ans Waschbecken und drehte den Wasserhahn ein klein wenig auf.
Das Plätschern half.

Während Stiles sein Geschäft erledigte, sah er seinem Freund dabei zu, wie der sein Gesicht im Spiegel betrachtete und das Glühen aus seinen Augen zwang.

„Du weißt, wir können das nicht machen.“
Stiles wagte erst zu sprechen, als er sich wieder eingepackt und die Spülung betätigt hatte. Er trat neben Scott und wusch sich unter dem Wasserstrahl die Hände.

„Ich weiß genau, was du sagen wirst, was du tun wirst. Aber Scott, wir können nicht immer überall zusammen hingehen. Wir können nicht...“

Weil es lächerlich war. Weil doch letztlich nichts geschehen war.
Stiles konnte nicht weitersprechen. Da war Scotts Hand an seiner, nachdem er das Wasser abgedreht hatte, fuhr über die feuchte Haut.

„Vergiss es“, flüsterte er vorsichtig.
„Komm.“

Er versuchte, es sich andersherum vorzustellen. Eine Welt, in der es Scott nicht mehr gab. Eine Welt, in der er dachte, Scott hätte es in Millionen Teile zerrissen. Es bereitete ihm einen eiskalten Schauer quer über seinen Rücken, der direkt in seine Brust, in seinen Magen schoss und ihm das Gefühl gab, sich auf der Stelle übergeben zu müssen.

Er kletterte neben Scott zurück ins Bett und fasste selbst nach ihm, um gegen diese Übelkeit anzukämpfen, schlang die Arme um ihn und drückte ihn sachte gegen sich.
Scott seufzte – ein tiefes, tonloses Seufzen, wie ein eingeklemmter Atemzug.
Sein Gesicht verharrte dicht bei Stiles' und als er blinzelte, glühten seine Augen wieder auf.

Stiles schluckte.

„Schon okay. Komm her.“

Das Alpha-Rot verschwamm ein wenig in der Finsternis.

„Komm her.“

Dann berührten sich ihre Lippen, langsam und schreckhaft, bewegten sich gegeneinander. Es hatte nichts sexuelles an sich – zum ersten Mal seit Ewigkeiten – sondern bediente sich dem uralten Konzept der absoluten Nähe. Stiles überlegte für den Bruchteil einer Sekunde, ob er sich ausziehen sollte, um Sott mehr Fläche zur Witterung zu bieten, mehr Geruch, mehr Haut, mehr Beweis dafür, dass er tatsächlich noch lebte. Alles, was er wollte, war, dass sein Freund ihm das glaubte und vergaß, was heute passiert war.

Scott ließ langsam von ihm ab und rutschte dankbar tiefer. Seine kleine, warme Zunge fuhr über Stiles' Hals, wo es kitzelte, immer und immer wieder, als wollte er Teile der Haut abtragen. Es machte leise, schmatzende Geräusche in der Dunkelheit. Es war die Art des Wolfes in Scott, sicherzugehen, dass es seinem Rudelmitglied gutging. Dass es noch hier war.

Stiles senkte den Kopf und drückte einen Kuss gegen Scotts Wange.

Sein Freund schlief sehr viel später wieder ein, ein Ohr über Stiles' Herz gelegt, zwei Finger und Daumen an Stiles' Handgelenk, um den Puls dort nachzufühlen.
Es wirkte nicht wie sehr erholsamer Schlaf, doch immerhin war es Schlaf.

Stiles träumte von Explosionen, von Erdriesen, von Kiras blitzendem Schwert, von den roten, blutenden Augen eines Werwolfes ohne Stimme.

Aber er war nicht allein.

Date: 2014-08-17 08:04 pm (UTC)
luinaldawen: (Default)
From: [personal profile] luinaldawen
Tut das. NIE wieder! Und damit meine ich dich, Wino, und Rei!! NIE WIEDER! Ihr könnt gerne jeden umbringen. Aber trennt diese beiden. NIE WIEDER!
Gah! GAH!
Oh Gott! ich habe keine Worte hierfür. Scott! Das arme Baby! Ich kann absolut verstehen, dass er nicht damit klarkommt, was da passiert ist. Er braucht Stiles doch!
Und die arme Kira kann einem auch Leidtun ._.
Keine Worte...
Aber ich könnte die "nie wieder"-Challenge über dieses Erlebnis schreiben. Das war einfach too much ;_; Ich will mehr Schokolade!

Ähm... ich sollte vielleicht mal wieder erwähnen, dass du eine Göttin bist, wenn es um h/c und angst geht!

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios