Fluff - Familienkisten - fürs Team
Aug. 7th, 2014 03:43 amTeam: Thalia
Challenge: Fluff – Familienkisten – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Strandurlaub
Inhalt: modern family!AU, Billy ist etwa sieben Jahre alt und fährt mit Barney und Lee an den Strand.
Anmerkung: für
tristraine und
ayawinner. Es ist so zum Kotzen zuckrig, ich hab wahrscheinlich Löcher in allen Zähnen.
Strandurlaub
Lee ist schon mit weniger Ausrüstung in Kriegsgebiete gefahren, ach was, er hat ganze Umzüge mitgemacht, bei denen weniger Zeug zu transportieren war, als jetzt von diesem kleinen Hotel aus bis zum Strand.
Er umfasst den Griff des weißblauen Sonnenschirms erneut, klemmt sich den Strandball unter den gleichen Arm, hebt die Tasche mit den Handtüchern vom Boden auf und überlegt gerade, wie er den Picknickkorb auf seine Schultern bekommt, ohne wieder alles abstellen zu müssen, als endlich die Tür des Aufzugs aufgeht und Billy wie ein geölter Blitz nach draußen schießt.
Barney folgt ihm in gemächlicherem Tempo. Er trägt das scheußlichste Hawaiihemd, das Lee je gesehen hat, und dazu buntgestreifte Badehosen und schwarze Badelatschen.
„Du könntest nicht mehr wie ein Tourist aussehen, und wenn du dir ein Schild umhängen würdest“, knurrt Lee ihm zu.
„Sagt der Mann, der einen Sonnenschirm auf dem Rücken trägt“, antwortet Barney gut gelaunt und ignoriert Lees bitterbösen Blick.
„Halt die Klappe“, sagt er und deutet mit dem Kinn auf den Picknickkorb. „Nächstes Mal geh ich ohne euch.“
Bevor Barney irgendetwas erwidern kann, kommt Billy angeflitzt und bleibt unruhig zappelnd vor ihnen stehen.
„Tut mir Leid, Lee“, sagt er. „Ich hätte beinah meine Kamera vergessen!“
Seine Kamera ist ein billiges schwarzes Einweggerät mit einer gelben Papphülle, das Barney im hoteleigenen Souvenirladen erstanden hat, als klar wurde, dass keiner von ihnen daran gedacht hatte, einen eigenen Fotoapparat mitzunehmen. Lee hofft, dass dieses Ding sein Versprechen hält und tatsächlich „wasserdicht bis zu einer Tiefe von 1 m“ ist, sonst wird ihr ganzer Urlaub von enttäuschten braunen Augen verfolgt werden. Wieso Barney nicht gleich eine gute Kamera geholt wird, wird Lee sowieso auf ewig ein Rätsel bleiben und er wird gleich morgen irgendwo einen sinnvollen Fotoapparat auftreiben.
Wenn man nicht alles selbst macht, denkt Lee.
„Das wäre natürlich eine Katastrophe gewesen“, sagt er und muss grinsen, als Billy die Stirn runzelt. „Komm her, du kannst deinen Ball tragen.“
„Aber dann kann ich keine Fotos aus dem Weg machen!“, protestiert Billy. Er sieht so empört aus, als hätte Lee ihm vorgeschlagen, in den nächsten zwei Wochen nur im abgedunkelten Hotelzimmer zu sitzen und Matheaufgaben zu machen.
Lee seufzt erneut. Wenn das so weiter geht, werden sie etwa im Oktober am Meer ankommen.
„Tja, dann wirst du wohl am Strand nicht Ball spielen können, Kleiner.“
„Aber…“ Billys Gesicht verzieht sich und Lee kann förmlich sehen, wie es in seinem Kopf arbeitet. Ein Schauspiel für die Götter, wirklich.
„Billy“, sagt Barney da. „Wir gehen heute nicht das letzte Mal zum Strand. Und du solltest Lee helfen, er trägt sowieso schon so viele Sachen.“
„Wieso eigentlich“, murmelt Lee, doch bevor er Barneys breitem Idiotengrinsen die Antwort geben kann, die es verdient (einen Schlag in den Nacken!), kommt Billy angerannt und nimmt ihm den Ball ab.
„Ich helf dir“, strahlt er, als sei nie etwas gewesen, macht auf dem Absatz kehrt und rennt auf den Ausgang zu.
Sie haben doch alle einen Knall, denkt Lee und starrt dem Burschen ein wenig fassungslos hinterher, bis Barney ihm einen Stoß gegen die Schulter gibt.
„Beweg dich endlich. Oder vertragen Engländer keine Sonne?“
Lee hasst ihn ein bisschen in diesem Moment und beschließt, ihn beizeiten mit dem Schirm zu erstechen.
----------
Es ist erstaunlich leer an diesem Strand, findet Lee, als er seinen Blick von der Veranda der Strandbar aus über Sand, Wasser und Leute schweifen lässt. Eigentlich hatte er damit gerechnet, in einem riesigen Wust aus Badetüchern, dem Geschrei hysterischer Eltern und Sandförmchen unterzugehen, doch es sind kaum ein Dutzend Familien anwesend und die meisten davon sind so mit sich selbst beschäftigt, dass er nicht gezwungen ist, in dieser gottlosen Hitze auch noch Smalltalk zu halten.
Er lässt sich auf einen der Hocker fallen, doch bevor er sich zur Bar umdreht, schaut er noch einmal in Richtung des Wassers. Natürlich ist es völlig schwachsinnig, sich Sorgen zu machen, er weiß, dass Barney auf den Jungen aufpasst, solange er hier an der Bar sitzen wird. Doch trotzdem spürt er die Unruhe hinter seinen Rippen erst verschwinden, als er Barneys entdeckt, dessen stark tätowierter Rücken wie eine Werbetafel zwischen all den braungebrannten Leibern hervorsticht. Billy, der in seinem orangen T-Shirt mit dem Findet-Nemo-Druck aussieht wie eine bemalte Schiffsboje, tappst vor ihm am Ufer entlang und hält seine kleine Kamera fest auf den Boden gerichtet.
Lee sieht sich schon fünfzig Bilder von Sand ins Familienalbum kleben.
Zeit für ein Bier.
Er dreht sich zur Theke um und sein Blick fällt auf die hübscheste Frau, die er je gesehen hat. Sie grinst ihn spöttisch an und deutet auf ein Schild auf dem Tresen.
„Eigentlich herrscht hier T-Shirt-Pflicht“, erklärt sie ihm. Lee starrt sie an, doch bevor er irgendetwas erwidern kann, wird ihr Grinsen noch ein bisschen breiter. „Aber für dich mach ich gerne eine Ausnahme.“
Er begreift nicht sofort, was die Bardame meint, doch als der Groschen endlich fällt, schnaubt er bloß und schüttelt den Kopf.
Selbstverständlich wird er nicht rot.
Das kommt nur von der Hitze.
„Was bekommst du?“, fragt sie weiter und streicht ihr schwarzes Haar zurück. Sie hat eine Kette aus hellgelben Blumen darin eingeflochten und strahlt ihn immer noch verschmitzt an. Ihr Trinkgeld muss umwerfend sein.
„‘n Bier. Bitte“, murmelt Lee und schaut angestrengt auf seine Knie. Er ist zu alt für solche Späße. Er kann sich nicht mal daran erinnern, wann er das letzte Mal in einer Bar saß und mit jemandem geflirtet hat. Irgendwann mal, noch bevor Billy zu ihnen kam und wahrscheinlich bevor Barney in sein Leben gestolpert ist, hat er sowas wahrscheinlich gemacht.
Lee lächelt ein wenig wehmütig bei dem Gedanken daran und schaut erst auf, als ein kühles Bier vor ihm abgestellt wird.
„Hier, bitteschön.“
Er nickt der Bardame freundlich zu und wendet seinen Blick wieder zum Strand. Barney liegt mittlerweile unter ihrem Sonnenschirm und liest in seinem grässlichen Roman, während Billy daneben hockt und eine Sandburg auftürmt, die langsam die Ausmaße des Eiffelturms annimmt. Hoffentlich fällt sie gleich um und begräbt das scheußliche Buch unter sich, denkt Lee und genießt das erste Bier in diesem Urlaub.
Die Kellnerin beugt sich nach einer Weile neben ihn und folgt seinem Blick.
„Welcher ist deiner?“, fragt sie und obwohl Lee normalerweise nur einsilbige Antworten geben würde, kann er sich jetzt nicht dazu durchringen. Er hat schließlich Urlaub, fünf Minuten Ruhe und gerade das beste Bier der Welt getrunken.
„Der da. An dem blauen Schirm“, sagt er. Die Frau folgt seiner ausgestreckten Hand und beginnt, sanft zu lächeln.
„Süßer Kerl. Beide“, sagt sie und zwinkert Lee verschwörerisch zu. Er hat keine Ahnung, was er jetzt schon wieder verpasst hat, doch er hat auch keine Zeit darüber nachzudenken, denn er sieht plötzlich, wie Billy aufspringt und mit großen Schritten auf die Bar zugeeilt kommt. Sand spritzt hinter seinen kleinen grünen Schuhen auf, doch es stört niemanden.
„Lee!“, ruft er, als er noch gute zehn Meter entfernt ist.
„Junge, ich bin nicht taub!“, brüllt Lee zurück, knallt Geld auf den Tresen und steht auf, um das nasse, sandbedeckte Kind in Empfang zu nehmen. Er hört das glockenhelle Lachen der Kellnerin hinter ihm, doch ehe er darauf eingehen kann, haben sich zwei kalte Kinderhände auf seine Unterarme gelegt. Ganz automatisch geht Lee in die Knie, um auf einer Augenhöhe mit Billy zu sein.
„Lee, kommst du? Komm schnell, gleich ist es weg!“ Billy japst aufgeregt nach Luft und versucht, ihn mit sich zu zerren, was natürlich zum Scheitern verurteilt ist.
„Was ist weg?“, fragt Lee. Er grinst ein bisschen, als er sieht, wie verzweifelt Billy ist, so als würde Lee gerade das achte Weltwunder verpassen.
„Die Qualle!“, sagt Billy. „Die ist da vorne im Wasser! Barney hat gesagt, ich darf nicht alleine hingehen und ich soll dich fragen!“
Sein Freund ist ein gottverdammter Mistkerl, denkt Lee und als er den Blick zum Sonnenschirm lenkt, sieht er, dass Barney tatsächlich die Frechheit besitzt, ihm fröhlich zuzuwinken.
Das wird er ihm heimzahlen, schwört er sich. Mit Zinsen.
„Leeeeeee, komm schon!“
Ächzend steht Lee auf. „Na dann komm, Junge. Gehen wir deine Qualle suchen.“
----------------
„Das bringt nichts“, sagt Barney, kaum, dass sie fünf Minuten Fußweg hinter sich haben. Lee bleibt stehen, legt die Tasche und den Ball ab, während Barney den Sonnenschirm an die kleine Mauer aus Backsteinen lehnt, die die städtische Hauptstraße begrenzt.
Hinter ihnen geht langsam die Sonne unter und taucht die Häuser in malerisches rosa Licht. Außer ihnen ist niemand unterwegs, doch die Restaurants links und rechts von ihnen sind voll besetzt.
Lee wollte eigentlich auch längst beim Essen sitzen, damit der Junge nicht zu spät ins Bett kommt, doch die fünfzehn Sandburgen, die an keinem anderen Tag dieses Urlaubs („Zum Beispiel morgen!“) gebaut werden konnten, sowie Lees etwas ausgearteter Mittagsschlaf haben diesen Plan ins Wasser fallen lassen.
Die Konsequenzen trotten nun auf kurzen, müden Beinen hinter ihnen her.
„Du hättest mich wecken sollen“, murmelt Lee, während sie darauf warten, dass Billy zu ihnen aufschließt. „Wir hätten viel früher gehen sollen, der Kleine schafft es ja nicht mal mehr bis zum Hotel.“
Barney lächelt. „Du sahst aus, als könntest du den Schlaf gebrauchen. Außerdem sind wir im Urlaub. Wir können ausschlafen.“
„Pah“, macht Lee, doch dann sagt er nichts mehr, weil Billy endlich bei ihnen ist. Er reibt sich die Augen mit beiden Fäusten und gähnt, während er die letzten Meter zu ihnen stolpert.
„Ich bin schon da“, murmelt er. „Wir können weitergehen.“
„Klar“, sagt Lee. „Aber ich wollte heute nicht draußen übernachten. Komm her, Junge.“
Billy protestiert tatsächlich ein bisschen und sagt, dass er groß genug ist, um selber zu laufen, doch kaum hat Lee ihn hochgehoben, legt Billy den Kopf auf seiner Schulter ab und ist innerhalb von Sekunden eingeschlafen.
„Hab ich doch gleich gesagt“, murmelt Lee und wuschelt dem Jungen durch die Haare. „Aber auf mich hört sowieso niemand.“
„Hm?“, sagt Barney. „Hast du was gesagt?“ Er grinst, während er sich den Sonnenschirm über die Schulter legt und den Rest ihrer Sachen aufhebt. Gerade als sich Lee fragt, wie er den Strandball auch noch tragen will, fängt Barney an, den Ball vor sich her zu kicken.
Breit grinsend natürlich, weil dieser Idiot an allem Spaß hat.
Lee verdreht die Augen und stapft stur in Richtung Hotel und, dass er während des zehnminütigen Fußmarsches ab und zu den Ball zu Barney zurückkickt, liegt nur daran, dass der kein bisschen zielen kann.
Der Ort um sie herum versinkt langsam in Dunkelheit und als sie endlich ihr Hotelzimmer betreten, blitzen am Himmel bereits die ersten Sterne auf.
Lee legt Billy vorsichtig auf seinem Bett ab. Er überlegt, ob er ihn noch einmal aufwecken sollte, damit er sich die Zähne putzt, doch weil das wahrscheinlich damit enden würde, dass sich der Junge in der Badewanne einrollt, um weiterzuschlafen, lässt er es bleiben und zieht ihm lediglich die Schuhe aus.
Als er die Decke über ihn breitet, öffnet Billy kurz die Augen.
„Lee?“
„Ich denke, du schläfst längst, Kleiner“, murmelt Lee und setzt sich auf die Bettkante. Billy lächelt und greift nach seiner Hand.
„Die Qualle war cool.“
„Hm“, macht Lee.
„Können wir morgen noch eine suchen?“
Lee hatte eigentlich darauf gehofft, nie wieder eine Qualle sehen zu müssen, vor allem nicht in zwanzig Zentimeter Entfernung von Billys Schienbeinen, doch der Junge schaut ihn so flehentlich an, dass Lee nur seufzend nickt.
„Klar doch. Jetzt wird aber erst einmal geschlafen.“
„Okay. Gute Nacht, Lee.“
„Gute Nacht, Billy.“
„Sagst du Barney auch gute Nacht von mir?“
„Sicher.“
Zufrieden mit sich und der Welt und allen Quallen darin, rollt Billy sich auf die andere Seite und schläft sofort wieder ein. Lee bleibt noch einen Moment lang bei ihm sitzen und horcht auf seine tiefen Atemgeräusche, dann steht er auf und schleicht auf Zehenspitzen in das angrenzende Zimmer hinüber.
Im Badezimmer hängt Barney die letzten nassen Handtücher auf, doch Lee hat keine Lust, ihm zu helfen, und tritt auf den kleinen Balkon hinaus.
Die kleine Stadt unter ihnen ist gesprenkelt mit hellgelben, roten und grünen Lichtpunkten und Lee glaubt, das Klirren von Gläsern und das leise Lachen heiterer Urlauber zu hören. Der Wind trägt das sanfte Rauschen des Meeres mit sich und die Luft schmeckt nach Salz und seltsamerweise nach Sonnenmilch.
Gehört wahrscheinlich zu einem Urlaub dazu, denkt Lee, stützt die Arme aufs Geländer und holt ein paar Mal tief Luft.
Nach einer Weile klackt es hinter ihm und als Lee sich umdreht, sieht er, wie Barney im Türrahmen steht.
Er hält die billige Kamera in den Händen und die dünnen Vorhänge umwehen ihn wie Meerschaum.
Lee verdreht die Augen. „Was treibst du da?"
„Das nennt man ein Foto machen, du Genie“, erklärt Barney. „Du siehst gut aus mit deinem weißen Hemd.“
„Hm“, macht Lee und wendet den Blick wieder auf die Dächer der Stadt. „Ich werde trotzdem nicht wieder den Schirm tragen.“
Barney lacht, tritt nach draußen und berührt Lee sanft an der Schulter. „Komm schon, du Spinner. Lass uns den Zimmerservice rufen.“
„Man gönnt sich ja sonst nichts“, antwortet Lee und lässt sich mit ins Zimmer ziehen.
Challenge: Fluff – Familienkisten – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Strandurlaub
Inhalt: modern family!AU, Billy ist etwa sieben Jahre alt und fährt mit Barney und Lee an den Strand.
Anmerkung: für
Strandurlaub
Lee ist schon mit weniger Ausrüstung in Kriegsgebiete gefahren, ach was, er hat ganze Umzüge mitgemacht, bei denen weniger Zeug zu transportieren war, als jetzt von diesem kleinen Hotel aus bis zum Strand.
Er umfasst den Griff des weißblauen Sonnenschirms erneut, klemmt sich den Strandball unter den gleichen Arm, hebt die Tasche mit den Handtüchern vom Boden auf und überlegt gerade, wie er den Picknickkorb auf seine Schultern bekommt, ohne wieder alles abstellen zu müssen, als endlich die Tür des Aufzugs aufgeht und Billy wie ein geölter Blitz nach draußen schießt.
Barney folgt ihm in gemächlicherem Tempo. Er trägt das scheußlichste Hawaiihemd, das Lee je gesehen hat, und dazu buntgestreifte Badehosen und schwarze Badelatschen.
„Du könntest nicht mehr wie ein Tourist aussehen, und wenn du dir ein Schild umhängen würdest“, knurrt Lee ihm zu.
„Sagt der Mann, der einen Sonnenschirm auf dem Rücken trägt“, antwortet Barney gut gelaunt und ignoriert Lees bitterbösen Blick.
„Halt die Klappe“, sagt er und deutet mit dem Kinn auf den Picknickkorb. „Nächstes Mal geh ich ohne euch.“
Bevor Barney irgendetwas erwidern kann, kommt Billy angeflitzt und bleibt unruhig zappelnd vor ihnen stehen.
„Tut mir Leid, Lee“, sagt er. „Ich hätte beinah meine Kamera vergessen!“
Seine Kamera ist ein billiges schwarzes Einweggerät mit einer gelben Papphülle, das Barney im hoteleigenen Souvenirladen erstanden hat, als klar wurde, dass keiner von ihnen daran gedacht hatte, einen eigenen Fotoapparat mitzunehmen. Lee hofft, dass dieses Ding sein Versprechen hält und tatsächlich „wasserdicht bis zu einer Tiefe von 1 m“ ist, sonst wird ihr ganzer Urlaub von enttäuschten braunen Augen verfolgt werden. Wieso Barney nicht gleich eine gute Kamera geholt wird, wird Lee sowieso auf ewig ein Rätsel bleiben und er wird gleich morgen irgendwo einen sinnvollen Fotoapparat auftreiben.
Wenn man nicht alles selbst macht, denkt Lee.
„Das wäre natürlich eine Katastrophe gewesen“, sagt er und muss grinsen, als Billy die Stirn runzelt. „Komm her, du kannst deinen Ball tragen.“
„Aber dann kann ich keine Fotos aus dem Weg machen!“, protestiert Billy. Er sieht so empört aus, als hätte Lee ihm vorgeschlagen, in den nächsten zwei Wochen nur im abgedunkelten Hotelzimmer zu sitzen und Matheaufgaben zu machen.
Lee seufzt erneut. Wenn das so weiter geht, werden sie etwa im Oktober am Meer ankommen.
„Tja, dann wirst du wohl am Strand nicht Ball spielen können, Kleiner.“
„Aber…“ Billys Gesicht verzieht sich und Lee kann förmlich sehen, wie es in seinem Kopf arbeitet. Ein Schauspiel für die Götter, wirklich.
„Billy“, sagt Barney da. „Wir gehen heute nicht das letzte Mal zum Strand. Und du solltest Lee helfen, er trägt sowieso schon so viele Sachen.“
„Wieso eigentlich“, murmelt Lee, doch bevor er Barneys breitem Idiotengrinsen die Antwort geben kann, die es verdient (einen Schlag in den Nacken!), kommt Billy angerannt und nimmt ihm den Ball ab.
„Ich helf dir“, strahlt er, als sei nie etwas gewesen, macht auf dem Absatz kehrt und rennt auf den Ausgang zu.
Sie haben doch alle einen Knall, denkt Lee und starrt dem Burschen ein wenig fassungslos hinterher, bis Barney ihm einen Stoß gegen die Schulter gibt.
„Beweg dich endlich. Oder vertragen Engländer keine Sonne?“
Lee hasst ihn ein bisschen in diesem Moment und beschließt, ihn beizeiten mit dem Schirm zu erstechen.
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Es ist erstaunlich leer an diesem Strand, findet Lee, als er seinen Blick von der Veranda der Strandbar aus über Sand, Wasser und Leute schweifen lässt. Eigentlich hatte er damit gerechnet, in einem riesigen Wust aus Badetüchern, dem Geschrei hysterischer Eltern und Sandförmchen unterzugehen, doch es sind kaum ein Dutzend Familien anwesend und die meisten davon sind so mit sich selbst beschäftigt, dass er nicht gezwungen ist, in dieser gottlosen Hitze auch noch Smalltalk zu halten.
Er lässt sich auf einen der Hocker fallen, doch bevor er sich zur Bar umdreht, schaut er noch einmal in Richtung des Wassers. Natürlich ist es völlig schwachsinnig, sich Sorgen zu machen, er weiß, dass Barney auf den Jungen aufpasst, solange er hier an der Bar sitzen wird. Doch trotzdem spürt er die Unruhe hinter seinen Rippen erst verschwinden, als er Barneys entdeckt, dessen stark tätowierter Rücken wie eine Werbetafel zwischen all den braungebrannten Leibern hervorsticht. Billy, der in seinem orangen T-Shirt mit dem Findet-Nemo-Druck aussieht wie eine bemalte Schiffsboje, tappst vor ihm am Ufer entlang und hält seine kleine Kamera fest auf den Boden gerichtet.
Lee sieht sich schon fünfzig Bilder von Sand ins Familienalbum kleben.
Zeit für ein Bier.
Er dreht sich zur Theke um und sein Blick fällt auf die hübscheste Frau, die er je gesehen hat. Sie grinst ihn spöttisch an und deutet auf ein Schild auf dem Tresen.
„Eigentlich herrscht hier T-Shirt-Pflicht“, erklärt sie ihm. Lee starrt sie an, doch bevor er irgendetwas erwidern kann, wird ihr Grinsen noch ein bisschen breiter. „Aber für dich mach ich gerne eine Ausnahme.“
Er begreift nicht sofort, was die Bardame meint, doch als der Groschen endlich fällt, schnaubt er bloß und schüttelt den Kopf.
Selbstverständlich wird er nicht rot.
Das kommt nur von der Hitze.
„Was bekommst du?“, fragt sie weiter und streicht ihr schwarzes Haar zurück. Sie hat eine Kette aus hellgelben Blumen darin eingeflochten und strahlt ihn immer noch verschmitzt an. Ihr Trinkgeld muss umwerfend sein.
„‘n Bier. Bitte“, murmelt Lee und schaut angestrengt auf seine Knie. Er ist zu alt für solche Späße. Er kann sich nicht mal daran erinnern, wann er das letzte Mal in einer Bar saß und mit jemandem geflirtet hat. Irgendwann mal, noch bevor Billy zu ihnen kam und wahrscheinlich bevor Barney in sein Leben gestolpert ist, hat er sowas wahrscheinlich gemacht.
Lee lächelt ein wenig wehmütig bei dem Gedanken daran und schaut erst auf, als ein kühles Bier vor ihm abgestellt wird.
„Hier, bitteschön.“
Er nickt der Bardame freundlich zu und wendet seinen Blick wieder zum Strand. Barney liegt mittlerweile unter ihrem Sonnenschirm und liest in seinem grässlichen Roman, während Billy daneben hockt und eine Sandburg auftürmt, die langsam die Ausmaße des Eiffelturms annimmt. Hoffentlich fällt sie gleich um und begräbt das scheußliche Buch unter sich, denkt Lee und genießt das erste Bier in diesem Urlaub.
Die Kellnerin beugt sich nach einer Weile neben ihn und folgt seinem Blick.
„Welcher ist deiner?“, fragt sie und obwohl Lee normalerweise nur einsilbige Antworten geben würde, kann er sich jetzt nicht dazu durchringen. Er hat schließlich Urlaub, fünf Minuten Ruhe und gerade das beste Bier der Welt getrunken.
„Der da. An dem blauen Schirm“, sagt er. Die Frau folgt seiner ausgestreckten Hand und beginnt, sanft zu lächeln.
„Süßer Kerl. Beide“, sagt sie und zwinkert Lee verschwörerisch zu. Er hat keine Ahnung, was er jetzt schon wieder verpasst hat, doch er hat auch keine Zeit darüber nachzudenken, denn er sieht plötzlich, wie Billy aufspringt und mit großen Schritten auf die Bar zugeeilt kommt. Sand spritzt hinter seinen kleinen grünen Schuhen auf, doch es stört niemanden.
„Lee!“, ruft er, als er noch gute zehn Meter entfernt ist.
„Junge, ich bin nicht taub!“, brüllt Lee zurück, knallt Geld auf den Tresen und steht auf, um das nasse, sandbedeckte Kind in Empfang zu nehmen. Er hört das glockenhelle Lachen der Kellnerin hinter ihm, doch ehe er darauf eingehen kann, haben sich zwei kalte Kinderhände auf seine Unterarme gelegt. Ganz automatisch geht Lee in die Knie, um auf einer Augenhöhe mit Billy zu sein.
„Lee, kommst du? Komm schnell, gleich ist es weg!“ Billy japst aufgeregt nach Luft und versucht, ihn mit sich zu zerren, was natürlich zum Scheitern verurteilt ist.
„Was ist weg?“, fragt Lee. Er grinst ein bisschen, als er sieht, wie verzweifelt Billy ist, so als würde Lee gerade das achte Weltwunder verpassen.
„Die Qualle!“, sagt Billy. „Die ist da vorne im Wasser! Barney hat gesagt, ich darf nicht alleine hingehen und ich soll dich fragen!“
Sein Freund ist ein gottverdammter Mistkerl, denkt Lee und als er den Blick zum Sonnenschirm lenkt, sieht er, dass Barney tatsächlich die Frechheit besitzt, ihm fröhlich zuzuwinken.
Das wird er ihm heimzahlen, schwört er sich. Mit Zinsen.
„Leeeeeee, komm schon!“
Ächzend steht Lee auf. „Na dann komm, Junge. Gehen wir deine Qualle suchen.“
----------------
„Das bringt nichts“, sagt Barney, kaum, dass sie fünf Minuten Fußweg hinter sich haben. Lee bleibt stehen, legt die Tasche und den Ball ab, während Barney den Sonnenschirm an die kleine Mauer aus Backsteinen lehnt, die die städtische Hauptstraße begrenzt.
Hinter ihnen geht langsam die Sonne unter und taucht die Häuser in malerisches rosa Licht. Außer ihnen ist niemand unterwegs, doch die Restaurants links und rechts von ihnen sind voll besetzt.
Lee wollte eigentlich auch längst beim Essen sitzen, damit der Junge nicht zu spät ins Bett kommt, doch die fünfzehn Sandburgen, die an keinem anderen Tag dieses Urlaubs („Zum Beispiel morgen!“) gebaut werden konnten, sowie Lees etwas ausgearteter Mittagsschlaf haben diesen Plan ins Wasser fallen lassen.
Die Konsequenzen trotten nun auf kurzen, müden Beinen hinter ihnen her.
„Du hättest mich wecken sollen“, murmelt Lee, während sie darauf warten, dass Billy zu ihnen aufschließt. „Wir hätten viel früher gehen sollen, der Kleine schafft es ja nicht mal mehr bis zum Hotel.“
Barney lächelt. „Du sahst aus, als könntest du den Schlaf gebrauchen. Außerdem sind wir im Urlaub. Wir können ausschlafen.“
„Pah“, macht Lee, doch dann sagt er nichts mehr, weil Billy endlich bei ihnen ist. Er reibt sich die Augen mit beiden Fäusten und gähnt, während er die letzten Meter zu ihnen stolpert.
„Ich bin schon da“, murmelt er. „Wir können weitergehen.“
„Klar“, sagt Lee. „Aber ich wollte heute nicht draußen übernachten. Komm her, Junge.“
Billy protestiert tatsächlich ein bisschen und sagt, dass er groß genug ist, um selber zu laufen, doch kaum hat Lee ihn hochgehoben, legt Billy den Kopf auf seiner Schulter ab und ist innerhalb von Sekunden eingeschlafen.
„Hab ich doch gleich gesagt“, murmelt Lee und wuschelt dem Jungen durch die Haare. „Aber auf mich hört sowieso niemand.“
„Hm?“, sagt Barney. „Hast du was gesagt?“ Er grinst, während er sich den Sonnenschirm über die Schulter legt und den Rest ihrer Sachen aufhebt. Gerade als sich Lee fragt, wie er den Strandball auch noch tragen will, fängt Barney an, den Ball vor sich her zu kicken.
Breit grinsend natürlich, weil dieser Idiot an allem Spaß hat.
Lee verdreht die Augen und stapft stur in Richtung Hotel und, dass er während des zehnminütigen Fußmarsches ab und zu den Ball zu Barney zurückkickt, liegt nur daran, dass der kein bisschen zielen kann.
Der Ort um sie herum versinkt langsam in Dunkelheit und als sie endlich ihr Hotelzimmer betreten, blitzen am Himmel bereits die ersten Sterne auf.
Lee legt Billy vorsichtig auf seinem Bett ab. Er überlegt, ob er ihn noch einmal aufwecken sollte, damit er sich die Zähne putzt, doch weil das wahrscheinlich damit enden würde, dass sich der Junge in der Badewanne einrollt, um weiterzuschlafen, lässt er es bleiben und zieht ihm lediglich die Schuhe aus.
Als er die Decke über ihn breitet, öffnet Billy kurz die Augen.
„Lee?“
„Ich denke, du schläfst längst, Kleiner“, murmelt Lee und setzt sich auf die Bettkante. Billy lächelt und greift nach seiner Hand.
„Die Qualle war cool.“
„Hm“, macht Lee.
„Können wir morgen noch eine suchen?“
Lee hatte eigentlich darauf gehofft, nie wieder eine Qualle sehen zu müssen, vor allem nicht in zwanzig Zentimeter Entfernung von Billys Schienbeinen, doch der Junge schaut ihn so flehentlich an, dass Lee nur seufzend nickt.
„Klar doch. Jetzt wird aber erst einmal geschlafen.“
„Okay. Gute Nacht, Lee.“
„Gute Nacht, Billy.“
„Sagst du Barney auch gute Nacht von mir?“
„Sicher.“
Zufrieden mit sich und der Welt und allen Quallen darin, rollt Billy sich auf die andere Seite und schläft sofort wieder ein. Lee bleibt noch einen Moment lang bei ihm sitzen und horcht auf seine tiefen Atemgeräusche, dann steht er auf und schleicht auf Zehenspitzen in das angrenzende Zimmer hinüber.
Im Badezimmer hängt Barney die letzten nassen Handtücher auf, doch Lee hat keine Lust, ihm zu helfen, und tritt auf den kleinen Balkon hinaus.
Die kleine Stadt unter ihnen ist gesprenkelt mit hellgelben, roten und grünen Lichtpunkten und Lee glaubt, das Klirren von Gläsern und das leise Lachen heiterer Urlauber zu hören. Der Wind trägt das sanfte Rauschen des Meeres mit sich und die Luft schmeckt nach Salz und seltsamerweise nach Sonnenmilch.
Gehört wahrscheinlich zu einem Urlaub dazu, denkt Lee, stützt die Arme aufs Geländer und holt ein paar Mal tief Luft.
Nach einer Weile klackt es hinter ihm und als Lee sich umdreht, sieht er, wie Barney im Türrahmen steht.
Er hält die billige Kamera in den Händen und die dünnen Vorhänge umwehen ihn wie Meerschaum.
Lee verdreht die Augen. „Was treibst du da?"
„Das nennt man ein Foto machen, du Genie“, erklärt Barney. „Du siehst gut aus mit deinem weißen Hemd.“
„Hm“, macht Lee und wendet den Blick wieder auf die Dächer der Stadt. „Ich werde trotzdem nicht wieder den Schirm tragen.“
Barney lacht, tritt nach draußen und berührt Lee sanft an der Schulter. „Komm schon, du Spinner. Lass uns den Zimmerservice rufen.“
„Man gönnt sich ja sonst nichts“, antwortet Lee und lässt sich mit ins Zimmer ziehen.
Edit weil Rechtschreibung Schmechtschreibung
no subject
Date: 2014-08-07 05:38 am (UTC)Außerdem:
Lee sieht sich schon fünfzig Bilder von Sand ins Familienalbum kleben.
*snorts*
no subject
Date: 2014-08-07 05:39 am (UTC)Es ist noch früh und ich bin in Eile ...
no subject
Date: 2014-08-07 12:25 pm (UTC)Ich bin auch normalerweise kein Fan von Stories mit Kindern, aber hier passt es irgendwie so schön zu all den Figuren? Schwer zu erklären, warum gerade dieser Actionfilm solch mütterliche Instinkte in mir auslöst. xDD
no subject
Date: 2014-08-07 07:53 am (UTC)HACH FLUFFIGER FAMILY FLUFF THE GREATNESS
Ich liebe ja schon allein den ersten Satz echt hardcore, obwohl Lee vermutlich wirklich kein Maßstab ist für Umzüge, what with "ah scheiße, mein Haus ist explodiert und alles, was ich noch habe, sind diese zugelaufene Frau und ein Auto"
... ach nein, warte, das war Transporter. Mein allerliebster Lieblingssatz ist aber eh:Lee sieht sich schon fünfzig Bilder von Sand ins Familienalbum kleben.
Und "ich habe seit Jahrtausenden nicht mehr geflirtet how do I life"-Lee gefällt mir auch erstaunlich gut.
UND BARNEY IM HAWAIIHEMD DER SCHEUSSLICHE ROMANE LIEST UND LEE ÄRGERT UND ZIMMERSERVICE BESTELLT
MORE LIKE KILL ME NOW
„Du siehst gut aus mit deinem weißen Hemd.“
„Hm“, macht Lee
HAHAHHAAHA LEE nimm ein Kompliment als Kompliment an und nicht als versteckter Kofferträgerüberredungsversuch MANN XD
ZZZZZZUUUCCCCKKKKKKEEEEEERRRRRRRRR ♥
no subject
Date: 2014-08-08 10:31 am (UTC)Und ja, Lee ist einfach keine Komplimente gewöhnt, obwohl Barney ihm ständig welche macht, denn Lee glaubt nicht, dass die ernst gemeint sind sondern immer damit enden, dass er Schirme tragen oder als erster durch ein Minenfeld kriechen muss. Die Balance stimmt da einfach nicht (außerdem wird er sehr schnell verlegen, denn wenn er schon nicht mit der Bardame flirten kann, dann mit Barney erst recht nicht).
no subject
Date: 2014-08-10 06:37 pm (UTC)So, so perfekt! (Oh, ich merke, wie mir die Worte ausgehen - vielleicht weil ich gerade in einem Berg Zuckerguss gefangen bin).
Kannst du eine kleine Fortsetzung schreiben? Wie Billys Loveinterest das Familienfotoalbum angucken "darf"? Mit dem stolzen Barney? Und Lee im Hintergrund Messer schärft und Waffen reinigt? Einfach, weil er sich danach fühlt?
no subject
Date: 2014-08-10 08:13 pm (UTC)IN GENAU DEM MOMENT, WO DAS LOVE INTEREST DIE FOTOS VOM URLAUB ANSCHAUT. DAWWWWw. Ja, okay, ich glaube, ich muss diese Fortsetzung schreiben, das ist zu niedlich, um das nicht zu machen. XDDD