25. H/C: (sich) aufopfern - für mich
Aug. 5th, 2014 02:08 pmTeam: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - sich aufopfern (für mich)
Titel: Zu den Sternen und zurück II
Fandom: Digimon Adventure (semi-AU)
Charaktere: Yamato, Hikari, (Taichi)
Words: 1933
Warnings: slightly OoC | unbetaed, uncorrected
Contiuation: Teil 1
Kommentar: Es ist ziemlich schwer, etwas zu schreiben, wenn man sich so unmotiviert fühlt, etwas überhaupt anzufangen. Wenn man dann auch noch ständig unterbrochen wird, ist es noch viel schwieriger. Aber ich kämpfe dagegen an.
Zu den Sternen und zurück (Teil 2)
"Du bist nicht verrückt."
Yamato wäre echt glücklich darüber, wenn sein toter bester Freund endlich aus seinem Kopf verschwinden würde. Wie sollte er sich da auf irgendetwas konzentrieren? Mittlerweile hatte er sich ja schon versucht klarzumachen, dass die Stimme die er hörte, einfach nur von seiner Sehnsucht nach Tai projeziert wurde. Er konnte dessen Tod halt einfach nicht verarbeiten, aber gerade konnte er nicht behaupten, dass er das Geschnatter in seinen Ohren wirklich vermisst hatte. Das hatte ihn schon immer genervt.
Ohne Taichi war es manchmal aber auch einfach zu still.
"Kannst du mir einen Gefallen machen? Können wir Hikari besuchen gehen? Ich will wissen, ob es ihr gut geht. Du warst ewig nicht mehr bei ihr."
Da hatte die Taichi-Stimme durchaus Recht. Takeru war häufiger bei Hikari. Er selbst war nie so der Gesellschaftstyp gewesen. Auch da war immer sein bester Freund die treibende - oder in den meisten Fällen, die ziehende - Kraft gewesen.
Yamato musste schmunzeln, als er sich daran erinnerte, wie oft Taichi ihn an der Hand durch die Gegend gezogen hatte, weil er vor lauter Euphorie der Meinung war, es ginge nicht schnell genug. Vor Taichis Enthusiasmus hatte es selten ein Entrinnen gegeben.
Alles, was er jetzt tun müsste, wäre die Stimme zu ignorieren. Das fand ja doch nur alles in seinem Kopf statt.
"Du kannst mich nicht einfach ignorieren, Yamato. Bitte, bitte, bitte, bitte. Sie wird sich freuen, dich zu sehen. Es muss auch nicht lang sein, nur ein bisschen. Ein klitzekleines Bisschen."
Yamato schloss die Augen und versuchte weiter Taichi jetzt schon so eindringliche Stimme zu ignorieren. Es musste doch möglich sein, dass er seinen besten Freund irgendwie ausblenden konnte.
Das helle, so vertraute Lachen Taichis folgte auf dem Fuß. "Du bist echt witzig, Yamato. Seit wann hat das denn jemals funktioniert. Du weißt genau, dass du mich nicht ignorieren kannst. Wir sind nicht umsonst beste Freunde. Und jetzt komm schon! Nur zehn Minuten. Es ist von hier doch nur ein Katzensprung!"
Taichi begann ihn wirklich zu nerven. Er musste noch so viel zu tun. Bald waren wieder Prüfungen und er musste ins Training. Er hatte es in letzter Zeit wieder etwas mehr schleifen lassen, aber wenn er da nicht dahinter war, dann würde er nie sein Ziel erreichen. Und sie hatten ja darum gekämpft, dass die Welt einen Fortbestand hatte.
"Lenk nicht ab. Lernen kannst du später auch noch. Du bist immer so ein Einsiedler und ein Langweiler. Das schadet dir nicht..."
"GEH aus meinem Kopf raus! Meine Gedanken gehen dich gar nichts an!" Yamato atmete tief durch und wieder hatte waren Blicke von einigen Passanten auf ihn gerichtet. Als er das merkte, eilte er schnell weiter und versuchte die Verlegenheit zu vertreiben. Das begann wirklich peinlich zu werden und er hatte es immer schon gehasst, öffentlich blamiert zu werden.
"Das ist schwer. Ich hör nun einmal alles, was du denkst..."
"Fein! Du hast gewonnen. Ich geh Hikari besuchen, aber BITTE HALT DIE KLAPPE!" Er hielt das nicht mehr aus. Wie sollte er seine Trauer und den Verlust seines besten Freundes verwinden, wenn dieser seinen Kopf auf den Kopf stellte? Da! Er dachte schon beinahe so bescheuert wie Taichi.
"Das war jetzt fies... und du brauchst auch nicht um mich trauern, ich bin schließlich hier."
Am besten er ließ sich einliefern.
"Yamato?"
Er fühlte sich nicht gerade wohl, als Frau Yagami ihm öffnete und ihn so überrascht und ungläubig ansah. Wahrscheinlich gab er auch ein unmögliches Bild ab. Aber er rang sich ein Lächeln ab und nickte. "Guten Tag, Frau Yagami. Ist... ist vielleicht Hikari zu Hause?"
Er bekam ein freundliches Lächeln zurück und wurde eingelassen. "Das ist nett, dass du sie besuchen kommst. Sie ist in ihrem Zimmer. Ich sage ihr, dass du sie sehen willst."
"Sag Mum, dass ich sie lieb habe. Das hört sie gern."
"Das werd ich nicht!", zischte Yamato. Warum konnte Taichi nicht einfach die Klappe halten. Etwas unsicher, blieb er im Flur stehen und kurze Zeit später kam Hikaris Mutter zurück. "Sie kommt gleich. Magst du vielleicht etwas zu trinken?"
"Nein, Danke. Wie geht es Ihnen?", fragte er höflich nach, einfach um Taichi zu zeigen, dass er durchaus kooperationsfähig war, wenn er nur die Klappe hielt. Er brauchte keinen Souffleur, der ihm ständig einsagte, was er zu tun oder zu lassen hatte.
"Du bist heute aber wirklich grumpig drauf."
"Das ist nett, dass du fragst. Mir geht es gut, danke." Yamato hätte beinahe Taichi angegiftet, der fast zeitgleich mit Frau Yagami zu sprechen begonnen hatte. Wie das geendet hätte, wollte er gar nicht wissen.
Sein Lächeln wurde angespannter und er war froh, als Hikari endlich auftauchte.
"Yamato. Das ist... eine ziemliche Überraschung." Sie sah nicht erfreut aus. Er konnte es ihr nicht verdenken. Er hatte einige sehr bescheuerte Dinge zu ihr gesagt.
"Was hast du zu ihr gesagt?", fragte Taichis Stimme in seinem Kopf und er schüttelte sie gleich wieder ab und versuchte sich auf Taichis Schwester zu konzentrieren.
"Ich weiß. Komme ich ungelegen?"
"Nein", klang Hikari zuerst noch unsicher, dann bekam er aber ein leichtes Lächeln und sie bekräftigte noch einmal: "Nein, wirklich nicht."
"Okay." So wirklich wusste er nicht, was er jetzt hier sollte und er vermied es auch, sie wirklich direkt anzusehen.
"Gehen wir in mein Zimmer." Das war vielleicht keine so schlechte Idee und Yamato folgte ihr auch gleich durch die Wohnung, die so viele Erinnerungen ausbuddelte, dass es fast noch mehr wehtat, als Taichis Stimme in seinem Kopf.
"Ich werde nicht lange bleiben", versprach er und schloss leise hinter sich die Zimmertüre.
"Das wundert mich nicht. Ich habe nicht gerechnet, dass du jemals wieder hier auftauchst." Das wäre er auch nicht, wenn er nicht diese lästige Stimme in seinem Kopf hätte.
"Jetzt hör auf, auf mir rumzuhacken."
"Gehts dir gut? Du siehst irgendwie blass aus." Yamato wollte sich ein Lächeln abringen, aber das verunglückte kläglich.
"Darf ich mich setzen."
"Bitte - du siehst ohnehin so aus, als würdest du jeden Augenblick zusammenbrechen."
Yamato nahm sich den Schreibttischstuhl und setzte sich. Er sah eine ganze Weile auf seine Hände und die Stille hatte die Möglichkeit sich tonnschwer zwischen ihnen zu legen. Es war eine absolut beschissene Idee gewesen, hierher zu kommen. Wahrscheinlich war er wirklich schon dem Wahnsinn verfallen.
"Es tut mir Leid, was ich zu dir gesagt habe", meinte er schließlich und sah zu Hikari auf, die sich aufs Bett gesetzt hatte. Es war lange her, dass er sie so richtig angesehen hatte, stellte er dabei fest, aber als sich ihre Blicke kreuzten, wandte er seinen Blick doch wieder ab.
"Bist du deswegen hergekommen?", fragte sie skeptisch und Yamato schüttelte den Kopf. Er hatte einfach nur die Möglichkeit genutzt.
"Aber es tut mir wirklich Leid."
"Entschuldigung akzeptiert."
Was anderes hätte er auch gar nicht von ihr gedacht. Sie war wirklich ein wundervoller Mensch. Er konnte verstehen, warum sein Bruder sie so sehr mochte. Hübsch und intelligent war eine Seltenheit.
"Baggerst du gerade meine Schwester an? Lass ja die Finger von ihr, hörst du? Dafür hab ich dich nicht gebeten, herzukommen." Taichis warnenden Stimme, die wieder einmal so viel Schwachsinn laberte, dass es einem Kopfschmerzen bereitete, brachte Yamato zu Zähneknirschen.
"Alles okay? Du wirkst irgendwie fertig." Hikari klang jetzt noch wesentlich besorgter und für einen Moment wollte er ihr diese Sorge zerstreuen. Aber dann entschied er sich für Ehrlichkeit.
"Nein. Es ist nichts okay. Ich glaube, ich leide unter Wahnvorstellungen und sie werden immer schlimmer."
"Wahnvorstellungen?"
"Ich höre Taichis Stimme. Deshalb bin ich hier. Er geht ist mir so auf den Geist gegangen, dass ich herkomme, dass ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Er macht mich einfach wahnsinnig." Verzweifelt rieb er sich über das Gesicht. "Ich weiß nicht, was ich tun soll..."
"Zum Arzt gehen?", fragte Hikari schließlich leise.
"Ich war vorhin bei Jyou..."
"Jyou ist noch kein Arzt." Das war wahr und Yamato seufzte.
"Er meinte, ich soll es ignorieren und meinen Kopf auf Tumore checken lassen. Aber du weißt ja am besten, wie dein Bruder war. Es ist nicht einfach, nicht auf den Schwachsinn zu reagieren, den er die ganze Zeit so labert." Yamato lehnte sich zurück und fuhr sich nochmal durch die Haare.
"Und du bist dir sicher, dass es nicht nur... Erinnerungen sind? Euch beide hat immer ein besonders starkes Band verbunden." Als Yamato wieder aufsah, merkte er, dass Hikari ihn aufmerksam ansah. Leicht schüttelte er den Kopf.
"Er reagiert auf meine Gedanken und auf das, was in meiner Umgebung passiert. Ganz so als würde er mich die ganze Zeit verfolgen. Vorhin hatte ich sogar das Gefühl, ihn zu sehen." Wenn er wirklich verrückt wurde, konnte er seine Karriere vergessen. Und wie er sie vergessen konnte. Die nahmen keine Verrückten auf und Menschen mit Gehirntumoren noch viel weniger.
"Jetzt stell dich doch nicht so an, Yamato. Du bist kerngesund, vielleicht ein bisschen untergewichtig, aber wirklich, dir fehlt nichts. Und ich passe schon auf, dass du nicht so bald auf der Todesliste landest. Da gehörst du nämlich noch lange nicht hin."
Etwas hoffnungsvoll sah er zu Hikari. "Bitte sag mir, dass du das gehört hast."
Aber Hikari schüttelte den Kopf. "Was hat er denn gesagt?"
"Dass ich kerngesund bin..."
Zweifelnd wurde er von Hikari angesehen, die zurückhaltend meinte: "Das ist doch gut, oder? Dann ersparst du dir es, ins Krankenhaus zu fahren."
"Du glaubst mir nicht. Jyou hat mich genauso angesehen. Glaube mir, ich wäre auch glücklicher, wenn es irgendwen anderen getroffen hätte. Ihn ständig zu hören..." Yamato unterbrach sich, als Hikari aufstand und ihm eine Hand auf die Schulter legte.
"Es ist schwer zu glauben, aber du warst immer ein ehrlicher Mensch. Du hättest keinen Grund, dir so etwas irres auszudenken. Ich helfe dir, so gut ich kann." Yamato war berührt von so viel Verständnis. Gerade von Hikari, der er wirklich schwer vor den Kopf gestoßen hatte.
"Danke. Aber... das kann ich nicht annehmen. Er war schließlich dein Bruder. Ich möchte es dir nicht antun, ständig an ihn erinnert zu werden."
Das leise Lachen überraschte und irritierte Yamato. "Darum brauchst du dir wirklich keine Gedanken machen, Yamato. Du weißt doch selbst am besten, dass das unmöglich ist." Sie ließ wieder von dem besten Freund ihres verstorbenen Bruders ab. "Am besten wir gehen das ganze Mal rational an."
Yamatos Blick wurde skeptischer. "Rational? Was ist daran rational, dass ich Stimmen höre, die keiner sonst wahrnimmt."
"Du glaubst du leidest unter Halluzinationen und das Problem kann man rational angenehm. Ich denke also, du solltest es nicht mehr versuchen zu ignorieren, sondern lieber versuchen, mehr herauszufinden." Yamato dachte darüber nach, während Hikari schon weitersprach: "Hast du zum Beispiel mal gefragt, warum er zu dir spricht? Wie kommt es, dass er nur mit dir sprechen kann oder will? Horch ihn doch einfach mal ein bisschen aus."
"Ich komme mir aber dämlich vor. Auf der Straße haben sie mich auch ganz blöd angekuckt, wenn er mir besonders auf die Nerven gefallen ist." Und er wollte eigentlich keine Wiederholungen.
Hikari lächelte aufmuntern. "Wir kriegen das schon wieder hin. Du hattest Taichi ja zu Lebzeiten auch gut unter Kontrolle. Ich glaube also, dass du es diesmal auch schaffen wirst. Und ich denke, ich spreche auch für die anderen, wenn ich sage, dass wir alle hinter dir stehen. Du musst das nicht allein durchstehen."
Ein Sache, die ihm nie wirklich in den Kopf gegangen war. Sie hatten zwar soviel gemeinsam durchgestanden, aber immer noch fiel es ihm verdammt schwer, Hilfe anzunehmen, wo gerade bei Hikari noch einmal sehr deutlich wurde, dass sie mit ihm auch durchs Feuer gehen würde.
Nur war das kein Krieg gegen böse, größenwahnsinnige Digimon, die die Welt zerstören wollten. Vielleicht machte das den Unterschied.
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - sich aufopfern (für mich)
Titel: Zu den Sternen und zurück II
Fandom: Digimon Adventure (semi-AU)
Charaktere: Yamato, Hikari, (Taichi)
Words: 1933
Warnings: slightly OoC | unbetaed, uncorrected
Contiuation: Teil 1
Kommentar: Es ist ziemlich schwer, etwas zu schreiben, wenn man sich so unmotiviert fühlt, etwas überhaupt anzufangen. Wenn man dann auch noch ständig unterbrochen wird, ist es noch viel schwieriger. Aber ich kämpfe dagegen an.
Zu den Sternen und zurück (Teil 2)
"Du bist nicht verrückt."
Yamato wäre echt glücklich darüber, wenn sein toter bester Freund endlich aus seinem Kopf verschwinden würde. Wie sollte er sich da auf irgendetwas konzentrieren? Mittlerweile hatte er sich ja schon versucht klarzumachen, dass die Stimme die er hörte, einfach nur von seiner Sehnsucht nach Tai projeziert wurde. Er konnte dessen Tod halt einfach nicht verarbeiten, aber gerade konnte er nicht behaupten, dass er das Geschnatter in seinen Ohren wirklich vermisst hatte. Das hatte ihn schon immer genervt.
Ohne Taichi war es manchmal aber auch einfach zu still.
"Kannst du mir einen Gefallen machen? Können wir Hikari besuchen gehen? Ich will wissen, ob es ihr gut geht. Du warst ewig nicht mehr bei ihr."
Da hatte die Taichi-Stimme durchaus Recht. Takeru war häufiger bei Hikari. Er selbst war nie so der Gesellschaftstyp gewesen. Auch da war immer sein bester Freund die treibende - oder in den meisten Fällen, die ziehende - Kraft gewesen.
Yamato musste schmunzeln, als er sich daran erinnerte, wie oft Taichi ihn an der Hand durch die Gegend gezogen hatte, weil er vor lauter Euphorie der Meinung war, es ginge nicht schnell genug. Vor Taichis Enthusiasmus hatte es selten ein Entrinnen gegeben.
Alles, was er jetzt tun müsste, wäre die Stimme zu ignorieren. Das fand ja doch nur alles in seinem Kopf statt.
"Du kannst mich nicht einfach ignorieren, Yamato. Bitte, bitte, bitte, bitte. Sie wird sich freuen, dich zu sehen. Es muss auch nicht lang sein, nur ein bisschen. Ein klitzekleines Bisschen."
Yamato schloss die Augen und versuchte weiter Taichi jetzt schon so eindringliche Stimme zu ignorieren. Es musste doch möglich sein, dass er seinen besten Freund irgendwie ausblenden konnte.
Das helle, so vertraute Lachen Taichis folgte auf dem Fuß. "Du bist echt witzig, Yamato. Seit wann hat das denn jemals funktioniert. Du weißt genau, dass du mich nicht ignorieren kannst. Wir sind nicht umsonst beste Freunde. Und jetzt komm schon! Nur zehn Minuten. Es ist von hier doch nur ein Katzensprung!"
Taichi begann ihn wirklich zu nerven. Er musste noch so viel zu tun. Bald waren wieder Prüfungen und er musste ins Training. Er hatte es in letzter Zeit wieder etwas mehr schleifen lassen, aber wenn er da nicht dahinter war, dann würde er nie sein Ziel erreichen. Und sie hatten ja darum gekämpft, dass die Welt einen Fortbestand hatte.
"Lenk nicht ab. Lernen kannst du später auch noch. Du bist immer so ein Einsiedler und ein Langweiler. Das schadet dir nicht..."
"GEH aus meinem Kopf raus! Meine Gedanken gehen dich gar nichts an!" Yamato atmete tief durch und wieder hatte waren Blicke von einigen Passanten auf ihn gerichtet. Als er das merkte, eilte er schnell weiter und versuchte die Verlegenheit zu vertreiben. Das begann wirklich peinlich zu werden und er hatte es immer schon gehasst, öffentlich blamiert zu werden.
"Das ist schwer. Ich hör nun einmal alles, was du denkst..."
"Fein! Du hast gewonnen. Ich geh Hikari besuchen, aber BITTE HALT DIE KLAPPE!" Er hielt das nicht mehr aus. Wie sollte er seine Trauer und den Verlust seines besten Freundes verwinden, wenn dieser seinen Kopf auf den Kopf stellte? Da! Er dachte schon beinahe so bescheuert wie Taichi.
"Das war jetzt fies... und du brauchst auch nicht um mich trauern, ich bin schließlich hier."
Am besten er ließ sich einliefern.
"Yamato?"
Er fühlte sich nicht gerade wohl, als Frau Yagami ihm öffnete und ihn so überrascht und ungläubig ansah. Wahrscheinlich gab er auch ein unmögliches Bild ab. Aber er rang sich ein Lächeln ab und nickte. "Guten Tag, Frau Yagami. Ist... ist vielleicht Hikari zu Hause?"
Er bekam ein freundliches Lächeln zurück und wurde eingelassen. "Das ist nett, dass du sie besuchen kommst. Sie ist in ihrem Zimmer. Ich sage ihr, dass du sie sehen willst."
"Sag Mum, dass ich sie lieb habe. Das hört sie gern."
"Das werd ich nicht!", zischte Yamato. Warum konnte Taichi nicht einfach die Klappe halten. Etwas unsicher, blieb er im Flur stehen und kurze Zeit später kam Hikaris Mutter zurück. "Sie kommt gleich. Magst du vielleicht etwas zu trinken?"
"Nein, Danke. Wie geht es Ihnen?", fragte er höflich nach, einfach um Taichi zu zeigen, dass er durchaus kooperationsfähig war, wenn er nur die Klappe hielt. Er brauchte keinen Souffleur, der ihm ständig einsagte, was er zu tun oder zu lassen hatte.
"Du bist heute aber wirklich grumpig drauf."
"Das ist nett, dass du fragst. Mir geht es gut, danke." Yamato hätte beinahe Taichi angegiftet, der fast zeitgleich mit Frau Yagami zu sprechen begonnen hatte. Wie das geendet hätte, wollte er gar nicht wissen.
Sein Lächeln wurde angespannter und er war froh, als Hikari endlich auftauchte.
"Yamato. Das ist... eine ziemliche Überraschung." Sie sah nicht erfreut aus. Er konnte es ihr nicht verdenken. Er hatte einige sehr bescheuerte Dinge zu ihr gesagt.
"Was hast du zu ihr gesagt?", fragte Taichis Stimme in seinem Kopf und er schüttelte sie gleich wieder ab und versuchte sich auf Taichis Schwester zu konzentrieren.
"Ich weiß. Komme ich ungelegen?"
"Nein", klang Hikari zuerst noch unsicher, dann bekam er aber ein leichtes Lächeln und sie bekräftigte noch einmal: "Nein, wirklich nicht."
"Okay." So wirklich wusste er nicht, was er jetzt hier sollte und er vermied es auch, sie wirklich direkt anzusehen.
"Gehen wir in mein Zimmer." Das war vielleicht keine so schlechte Idee und Yamato folgte ihr auch gleich durch die Wohnung, die so viele Erinnerungen ausbuddelte, dass es fast noch mehr wehtat, als Taichis Stimme in seinem Kopf.
"Ich werde nicht lange bleiben", versprach er und schloss leise hinter sich die Zimmertüre.
"Das wundert mich nicht. Ich habe nicht gerechnet, dass du jemals wieder hier auftauchst." Das wäre er auch nicht, wenn er nicht diese lästige Stimme in seinem Kopf hätte.
"Jetzt hör auf, auf mir rumzuhacken."
"Gehts dir gut? Du siehst irgendwie blass aus." Yamato wollte sich ein Lächeln abringen, aber das verunglückte kläglich.
"Darf ich mich setzen."
"Bitte - du siehst ohnehin so aus, als würdest du jeden Augenblick zusammenbrechen."
Yamato nahm sich den Schreibttischstuhl und setzte sich. Er sah eine ganze Weile auf seine Hände und die Stille hatte die Möglichkeit sich tonnschwer zwischen ihnen zu legen. Es war eine absolut beschissene Idee gewesen, hierher zu kommen. Wahrscheinlich war er wirklich schon dem Wahnsinn verfallen.
"Es tut mir Leid, was ich zu dir gesagt habe", meinte er schließlich und sah zu Hikari auf, die sich aufs Bett gesetzt hatte. Es war lange her, dass er sie so richtig angesehen hatte, stellte er dabei fest, aber als sich ihre Blicke kreuzten, wandte er seinen Blick doch wieder ab.
"Bist du deswegen hergekommen?", fragte sie skeptisch und Yamato schüttelte den Kopf. Er hatte einfach nur die Möglichkeit genutzt.
"Aber es tut mir wirklich Leid."
"Entschuldigung akzeptiert."
Was anderes hätte er auch gar nicht von ihr gedacht. Sie war wirklich ein wundervoller Mensch. Er konnte verstehen, warum sein Bruder sie so sehr mochte. Hübsch und intelligent war eine Seltenheit.
"Baggerst du gerade meine Schwester an? Lass ja die Finger von ihr, hörst du? Dafür hab ich dich nicht gebeten, herzukommen." Taichis warnenden Stimme, die wieder einmal so viel Schwachsinn laberte, dass es einem Kopfschmerzen bereitete, brachte Yamato zu Zähneknirschen.
"Alles okay? Du wirkst irgendwie fertig." Hikari klang jetzt noch wesentlich besorgter und für einen Moment wollte er ihr diese Sorge zerstreuen. Aber dann entschied er sich für Ehrlichkeit.
"Nein. Es ist nichts okay. Ich glaube, ich leide unter Wahnvorstellungen und sie werden immer schlimmer."
"Wahnvorstellungen?"
"Ich höre Taichis Stimme. Deshalb bin ich hier. Er geht ist mir so auf den Geist gegangen, dass ich herkomme, dass ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Er macht mich einfach wahnsinnig." Verzweifelt rieb er sich über das Gesicht. "Ich weiß nicht, was ich tun soll..."
"Zum Arzt gehen?", fragte Hikari schließlich leise.
"Ich war vorhin bei Jyou..."
"Jyou ist noch kein Arzt." Das war wahr und Yamato seufzte.
"Er meinte, ich soll es ignorieren und meinen Kopf auf Tumore checken lassen. Aber du weißt ja am besten, wie dein Bruder war. Es ist nicht einfach, nicht auf den Schwachsinn zu reagieren, den er die ganze Zeit so labert." Yamato lehnte sich zurück und fuhr sich nochmal durch die Haare.
"Und du bist dir sicher, dass es nicht nur... Erinnerungen sind? Euch beide hat immer ein besonders starkes Band verbunden." Als Yamato wieder aufsah, merkte er, dass Hikari ihn aufmerksam ansah. Leicht schüttelte er den Kopf.
"Er reagiert auf meine Gedanken und auf das, was in meiner Umgebung passiert. Ganz so als würde er mich die ganze Zeit verfolgen. Vorhin hatte ich sogar das Gefühl, ihn zu sehen." Wenn er wirklich verrückt wurde, konnte er seine Karriere vergessen. Und wie er sie vergessen konnte. Die nahmen keine Verrückten auf und Menschen mit Gehirntumoren noch viel weniger.
"Jetzt stell dich doch nicht so an, Yamato. Du bist kerngesund, vielleicht ein bisschen untergewichtig, aber wirklich, dir fehlt nichts. Und ich passe schon auf, dass du nicht so bald auf der Todesliste landest. Da gehörst du nämlich noch lange nicht hin."
Etwas hoffnungsvoll sah er zu Hikari. "Bitte sag mir, dass du das gehört hast."
Aber Hikari schüttelte den Kopf. "Was hat er denn gesagt?"
"Dass ich kerngesund bin..."
Zweifelnd wurde er von Hikari angesehen, die zurückhaltend meinte: "Das ist doch gut, oder? Dann ersparst du dir es, ins Krankenhaus zu fahren."
"Du glaubst mir nicht. Jyou hat mich genauso angesehen. Glaube mir, ich wäre auch glücklicher, wenn es irgendwen anderen getroffen hätte. Ihn ständig zu hören..." Yamato unterbrach sich, als Hikari aufstand und ihm eine Hand auf die Schulter legte.
"Es ist schwer zu glauben, aber du warst immer ein ehrlicher Mensch. Du hättest keinen Grund, dir so etwas irres auszudenken. Ich helfe dir, so gut ich kann." Yamato war berührt von so viel Verständnis. Gerade von Hikari, der er wirklich schwer vor den Kopf gestoßen hatte.
"Danke. Aber... das kann ich nicht annehmen. Er war schließlich dein Bruder. Ich möchte es dir nicht antun, ständig an ihn erinnert zu werden."
Das leise Lachen überraschte und irritierte Yamato. "Darum brauchst du dir wirklich keine Gedanken machen, Yamato. Du weißt doch selbst am besten, dass das unmöglich ist." Sie ließ wieder von dem besten Freund ihres verstorbenen Bruders ab. "Am besten wir gehen das ganze Mal rational an."
Yamatos Blick wurde skeptischer. "Rational? Was ist daran rational, dass ich Stimmen höre, die keiner sonst wahrnimmt."
"Du glaubst du leidest unter Halluzinationen und das Problem kann man rational angenehm. Ich denke also, du solltest es nicht mehr versuchen zu ignorieren, sondern lieber versuchen, mehr herauszufinden." Yamato dachte darüber nach, während Hikari schon weitersprach: "Hast du zum Beispiel mal gefragt, warum er zu dir spricht? Wie kommt es, dass er nur mit dir sprechen kann oder will? Horch ihn doch einfach mal ein bisschen aus."
"Ich komme mir aber dämlich vor. Auf der Straße haben sie mich auch ganz blöd angekuckt, wenn er mir besonders auf die Nerven gefallen ist." Und er wollte eigentlich keine Wiederholungen.
Hikari lächelte aufmuntern. "Wir kriegen das schon wieder hin. Du hattest Taichi ja zu Lebzeiten auch gut unter Kontrolle. Ich glaube also, dass du es diesmal auch schaffen wirst. Und ich denke, ich spreche auch für die anderen, wenn ich sage, dass wir alle hinter dir stehen. Du musst das nicht allein durchstehen."
Ein Sache, die ihm nie wirklich in den Kopf gegangen war. Sie hatten zwar soviel gemeinsam durchgestanden, aber immer noch fiel es ihm verdammt schwer, Hilfe anzunehmen, wo gerade bei Hikari noch einmal sehr deutlich wurde, dass sie mit ihm auch durchs Feuer gehen würde.
Nur war das kein Krieg gegen böse, größenwahnsinnige Digimon, die die Welt zerstören wollten. Vielleicht machte das den Unterschied.