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Team: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - Alptraum/Halluzination (fürs Team)
Titel: Zu den Sternen und zurück I
Fandom: Digimon Adventure (semi-AU)
Charaktere: Yamato, Sora, Jyou
Words: 1423
Warnings: slightly OoC | unbetaed, uncorrected

Kommentar: Mit den News, dass im Frühjahr 2015 Taichi und seine Freunde zurückkehren werden (sollte es wirklich wahr sein), hat sich das nie vergessene Fandom wieder etwas präsenter zurückgeschlichen und es kam ein brauchbares Plotbunny um die Ecke gehüpft. Ähnliche Geschichten existieren sicher wie Sand am Meer, aber ich hatte trotzdem das Bedürfnis, es umzusetzen.

Zu den Sternen und zurück (Teil 1)

Verstaubt stand der Koffer mit seiner alten Gitarre in der Ecke. Er hatte sie eigentlich verkaufen wollen, hatte es dann aber nicht mehr über das Herz gebracht. Im Grunde genommen war er schon froh, dass er es überhaupt schaffte, sich jeden Morgen aus dem Bett zu quälen.
Yamato hatte sich auch oft überlegt, ob er sie nicht besser verräumen sollte, jetzt, wo er nicht mehr spielte - und nie mehr spielen würde. Es wäre wirklich besser, wenn er sie verkaufen würde.
Mit einem Seufzen lehnte er sich in seinem Schreibtischstuhl zurück und sah aus dem Fenster. Weg aus der Ecke, in der sein altes Instrument langsam unter einer dicken Staubschicht begraben wurde. Er musste sich auf sein Studium konzentrieren, sonst würde er nie dort ankommen, wo er hinwollte: zu den Sternen.
"Da wo du jetzt bist...", hallte es in seinem Kopf wieder und er schnaufte leise. Er glaubte nicht an den Himmel oder die Hölle, aber er wünschte es sich für Taichi, dass er nun in einer besseren Welt lebte.
Frustriert warf Yamato seinen Stift auf den Notizblock und rieb sich über das Gesicht, bevor er aufstand und sich auf sein Bett warf. Seine Hand griff automatisch ans Fensterbrett, wo er seine Mundharmonika platziert hatte und betrachtete sie im gelblichen Licht seiner Deckenleuchte. Heute war wieder so ein abend wo sein Kopf voll von seinem besten Freund war. Er hatte schon gewusst, als er von der Katastrophe erfahren hatte, dass er niemals, in seinem ganzen Leben nicht, darüber hinwegkommen würde. Es war ein viel zu großer Verlust.

"Spiel etwas für mich."
Yamato fuhr hoch, aber selbstverständlich war sein Zimmer leer und trotzdem klingelten die Worte in seinen Ohren. Taichi. Es war Taichis Stimme gewesen.
Sein Herz raste.
Das war doch verrückt! Wurde er verrückt? Große Verluste konnten Menschen in den Wahnsinn treiben. War das nun bei ihm der Fall?
Er sollte schlafen. Viel schlafen! Das tat er ohnehin zu wenig. Er war schlichtweg übermüdet und sein Gehirn hatte ihm einen Streich gespielt. Das musste es sein!
Yamato zwang sich, tief durch zu atmen, sah sich im Raum noch einmal um, aber konnte nichts verdächtiges feststellen. Er legte behutsam seine Mundharmonika wieder aufs Fensterbrett, bevor er aufstand und ins Badezimmer verschwand. Im Spiegel grüßte ihn ein blasses Gesicht mit müden blauen Augen. Er streckte sich selbst die Zunge raus, als er das kalte Wasser aufdrehte und sich das Gesicht wusch.
Anschließend packte er seinen Rucksack, zog sich seine Jacke an und verschwand aus der Wohnung.
Sora war weniger begeistert, als er so spät noch auftauchte. Der Blumenladen ihrer Eltern hatte natürlich schon geschlossen und auch sie war eigentlich schon bereit dazu, schlafen zu gehen. Aber sie ließ Yamato natürlich ein und in ihrem Zimmer schloss sie ihn sanft in die Arme.
"Entschuldige", meinte er leise."Ich habe es zu Hause nicht mehr ausgehalten."
Sora winkte ab. Wie immer eigentlich. Wahrscheinlich hatte sie schon erwartet, dass er bald wieder aufkreuzen würde. Dass er sich eine Auszeit nahm und sich wenigstens bei ihr blicken ließ.
Er hatte eigentlich auch kaum eine andere Wahl. Wenn er nicht auftauchte, war es Sora, die zu ihm kam. Nur um zu sehen, dass er eh noch lebt, wie sie es so fein ausdrückte.
"Du warst jetzt eine Weile nicht da. Meine Mutter hat den Futon wieder verräumt", meinte sie leise und gähnte. "Wenn es dich nicht stört, können wir uns das Bett teilen." Yamato war sich nicht sicher, ob er das wollte, aber er nickte. Besser als der Boden, besser als allein sein, besser als die ganze Nacht zu grübeln. So hatte er wenigstens die Gelegenheit, sich auf etwas anderes zu konzentrieren.

In der Nacht träumte er von Taichi und es war gar nicht beabsichtigt, dass er mit Sora in den Armen erwachte. Glücklicherweise schlief sie noch und er konnte sich davonschleichen. Er hatte unglaublich gut geschlafen, besser als er es erwartet hätte. Jetzt fehlte eigentlich nur noch, dass er nicht mehr ständig an Taichi dachte und es endlich hinter sich brachte. Aber er bekam die Schuldgefühle einfach nicht los. Er konnte nicht vergessen.
Wie auch? Taichi war ein wundervoller Mensch gewesen. So lebensfroh und energiegeladen. Er hatte Ambitionen besessen, einen elan, an den er selbst nie herangekommen. Aber er hatte sich immer ein wenig mitreißen lassen. Taichi hatte ihn motiviert, ihn angetrieben.
Das Leben ohne ihn war wesentlich schwerer - das hatte er schnell festgestellt.
"Aber du hältst dich hervorragend."
Yamato drehte sich um und blinzelte, dann kratzte er sich am Ohr.
Er wurde wirklich verrückt. Keine Frage. Er hörte Taichi lachen und für einen Moment hatte er wirklich das Gefühl gehabt, ihn sogar zu sehen! Das war doch wirklich absurd.
Er presste seine Lippen zusammen und atmete tief durch.
"Gehen wir frühstücken? Ich hab hunger."
Yamato schüttelte den Kopf. "Ich muss zur Uni", flüsterte er leise und kam sich etwas dämlich vor, dass er auf die Stimme in seinem Kopf antwortete. Taichi war tot! Mausetot! Er würde nie wieder zurückkommen! Da halfen auch keine Selbstgespräche.
"Wir haben doch aber noch Zeit. Die erste Vorlesung startet erst in zwei Stunden. Oh bitte, Yamato!"
"Halt die Klappe!", brach es aus Yamato heraus und irgnorierte, dass er gerade von einigen Passanten seltsam angestarrt wurde. Er musste seinen Kopf frei bekommen. Das war doch nicht normal. Es war zwei Jahre her! Seit zwei Jahren lag Taichi unter der Erde! Tot! Er kam nie wieder zurück!
"Yamato?"
Er begann zu zittern und schüttelte den Kopf. Dann begann er zu laufen. Er lief zur U-Bahn und versuchte die Stimme - Taichis Stimme - aus seinen Kopf zu bekommen. Eine halbe Stunde später klingelte er an der Tür eines großen Hauses. Er klingelte verzweifelt, bis ihm schließlich jemand die Türe aufmachte.
"Jyou!", rief Yamato erleichtert und fiel ihm um den Hals. "Gott sei Dank bist du da!" Er hatte noch gar nicht registriert, dass der Medizinstudent noch gar nicht richtig bei ihm war. "Du musst mir helfen."
"Komm erst mal rein. Möchtest du einen Kaffee?", fragte Jyou müde und schloss hinter dem Blondschopf die Türe, nachdem sich Yamato endlich von ihm gelöst hatte.

"Ich höre Stimmen...", erklärte Yamato, als sie in der Küche beim Esstisch Platz genommen hatte und Yamato einen Kaffee vor sich hatte, den er eigentlich gar nicht wollte. Aber als er zugesagt hatte, hatte es für ihn wie eine tolle Idee geklungen. Etwas zum Wachwerden.
"Du hörst Stimmen", wiederholte Jyou irritiert und Yamato nickte.
Dann schüttelte er den Kopf. Das war alles unglaublich absurd. Und Lächerlich.
"Du hörst keine Stimmen?"
"Nein, also ja, schon. Ich hörer EINE Stimme, die nicht da sein sollte." Yamato hob seinen Blick aus der pechschwarzen Flüssigkeit in der Keramiktasse und sah den ältesten in ihrer Freundesgruppe an. "Ich höre Taichis Stimme."
"Du hörst Taichis Stimme."
"Das hab ich doch gerade gesagt."
"Entschuldige... ich habe die ganze Nacht gelernt." Jyou trank die Tasse leer und Yamato merkte, wie dessen Gedankenräder arbeiteten. "Seit wann hörst du Taichis Stimme? Ich meine, kann es nicht sein, dass es einfach Erinnerungen sind? Ihr wart schließlich beste Freunde."
Yamato schüttelte den Kopf. "Bevor ich zu dir gefahren bin, wollte er frühstücken gehen, weil meine erste Vorlesung erst später beginnen würde." Als Taichi starb, waren sie noch nicht auf der Universität gewesen. Da hatte Yamato noch Zweifel gehabt, ob er es überhaupt selbst auf eine renomierte Universität schaffen würde. Geschweigedenn Taichi, der sich aber echt ins Zeug gelegt hatte, um etwas zu erreichen.
"Hmm..." Jyou starrte in seine leere Tasse. "Ich weiß nicht, ob ich dir da helfen kann. Ich meine, ich bin kein Therapeut. Vielleicht... vielleicht hast du das alles einfach noch nicht verarbeitet."
Yamato presste die Lippen zusammen und schob Jyou seine eigene Tasse hin. "Ich bin nicht bekloppt. Außerdem kann ich mir keine Therapie leisten. Die Universität ist teuer genug." Er musste sich also ohne behelfen.
Jyou atmete tief durch. "Dann versuch es zu ignorieren. Aber wenn es schlimmer wird, solltest du dich untersuchen lassen. Vielleicht ist es auch ein Tumor. Das kann schon mal vorkommen, dass Menschen mit einem Gehirntumor Dinge hören und sehen, die für andere nicht wahrnehmbar sind. Bewusstseinserweiternde Drogen nimmst du ja nicht, oder?"
"Jyou!"
Abwehrend hob er müde die Hände. "Ich hab ja nur gefragt. Vielleicht solltest du dich so oder so untersuchen lassen. Einfach um sicher zu gehen. Wenn man es früh genug erkennt, ist es einfacher, ihn zu entfernen."
Yamato schüttelte den Kopf. "Geh schlafen. Es tut mir Leid, dass ich dich gestört habe." Das hatte keinen Sinn. Er fühlte sich nicht krank, hatte in letzter Zeit noch nicht einmal bedenkliche Kopfschmerzen gehabt. Er bezweifelte also stark, dass er einen Tumor hatte und bevor sich Jyou jetzt in etwas hineinsteigerte, brach er das lieber ab.
Er würde einfach versuchen, die Stimme zu ignorieren, die sich als Taichi ausgab. Bestimmt wollte ihn irgendwer einfach nur Ärgern. Er musste sich einfach nur beschäftigt halten, ein wenig unter Leute gehen. Dann ging es bestimmt wieder vorbei.
Hoffte er.

Date: 2014-08-02 12:26 pm (UTC)
From: [identity profile] nebel-kraehe.livejournal.com
Jetzt bin ich gespannt wie's weitergeht! Ob Tai vielleicht doch irgendwie noch da ist oder ob Yamato wirklich durchdreht... Ich mag, dass er sich bei Verdacht auf Wahnsinn erstmal an Jyou wendet *g*. Und obwohl ich kein Yamato/Sora-Shipper bin, hat mir das mit dem fortgeräumten Futon irgendwie weh getan.
Sehr schöner, geheimnisvoller Anfang. Freue mich auf mehr :)

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