[identity profile] ayawinner.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Challenge: Romanze/Intimität - "Wo bist du (gewesen)?"
Titel: -
Fandom: Tatort Stuttgart
Charaktere: Victor de Man, Thorsten Lannert/Chris Gabriel
Warnungen: ungebetat, pointless
Anmerkungen: cuteasfuckactually (auf Tumblr) hat sich de Man und Lannert im Museum gewünscht. Ich hoffe, das trifft in etwa ihre Vorstellungen. Es ist leider nicht besonders romantisch geworden.

„‚Grand nu assis‘“, liest de Man (Victor, verbessert Chris Gabriel sich innerlich, denn er darf sich hier keine Fehler erlauben, noch nicht einmal in Gedanken) von der Beschreibung des Gemäldes vor. Chris hat ihn nicht kommen gehört, oder hat es nicht bemerkt, weil er zu sehr versucht hat, möglichst gelassen vor dem Bild stehen zu bleiben, als habe er nicht gerade außerordentlich kindisch in der Herrentoilette mit seinem Chef in Hamburg telefoniert. Und das nur, weil Victor ihm derart plötzlich am Morgen eröffnet hat, dass sie nach Frankfurt fahren würden, dass Chris keinem Menschen Bescheid geben konnte.

Das sind Anfängerfehler, und er begeht sie nur, weil sein Chef darauf besteht, über jeden einzelnen Schritt Victors (de Mans) von Chris (von Lannert) persönlich in Kenntnis gesetzt zu werden.

Oder vielleicht begeht er sie, weil Victor ihn ständig aus der Fassung bringt.

„Was meinst du?“, fragt Victor, als wolle er wirklich Chris‘ laienhafte Einschätzung eines Werks – und er wirft einen kurzen Blick auf die Beschreibung – aus den 1950er Jahren.

Chris tritt einen Schritt zurück, um einen besseren Blick auf das Gemälde zu bekommen, und stößt dabei gegen Victor, der ihm vollkommen unnötigerweise mit einer Hand im Kreuz hilft, die Balance zu bewahren. Und sie dann nicht mehr wegnimmt, die Hand, denn Victor de Man hat ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Besitzbekundungen.

Chris lässt sich nichts anmerken, weder, dass diese leichten Zuneigungen zwischen ihnen ihn immer noch überraschen, noch, dass er das Kribbeln, das sie auslösen, schon fast begrüßt. Wenn Victor nämlich abgesehen von seiner Bereitschaft, mit ihm Kunstmuseen zu besuchen, noch etwas an Chris schätzt, dann dessen Professionalität.

„Ein bedrückendes Bild“, kommentiert Chris schließlich, wohlweislich, dass er nicht einmal versuchen muss, Victor kunsthistorisches Wissen vorzugaukeln, das er nicht besitzt. Deshalb fragt er: „Ein Italiener?“

„Ein Schweizer“, sagt Victor und schiebt Chris mit sanftem Druck im Rücken zum nächsten Gemälde, in dem Chris nichts erkennen kann.

„Wo warst du vorhin?“, fragt Victor ihn plötzlich, im gleichen leisen Konversationston, in dem er bisher all ihre Unterhaltungen im Museum bestritten hat. Chris bemüht sich, nicht unterbewusst eine Verteidigungshaltung einzunehmen, denn er hat nichts falsch gemacht; jedenfalls nichts, wovon Victor weiß.

„Auf der Toilette“, antwortet er, in einem Ton, von dem er hofft, dass er Gleichgültigkeit ausdrückt und nicht die genervte subtile Anfeindung, die Victor so hasst an Menschen und die er Chris kaum verzeihen würde.

Aber Victor brummt nur etwas, das „aha“ oder „ach so“ oder etwas ganz anderes bedeuten könnte und schiebt Chris weiter, ohne etwas zu dem Bild zu sagen, vor dem sie gerade gestanden haben.

„Dieses Jahr gibt es wirklich keine interessanten Sonderausstellungen mehr“, sagt er, während sie durch die Ausstellung gehen und Victor allenfalls ein paar Sekunden vor diesem oder jenem Ausstellungsstück stehenbleibt, „und die Sammlung habe ich schon so oft gesehen.“

(Häufige Geschäftsreisen nach Frankfurt am Main steht in der Akte, die Lannert auswendig gelernt hat.)

„Jetzt erzähl‘ mir nicht, es langweilt dich“, sagt Chris gespielt empört, und Victor schmunzelt.

„Ich sage dir nur, dass wir beim nächsten Mal etwas anderes machen können.“

Victor beugt sich derart verschwörerisch zu ihm, dass Chris das Innuendo kaum entgehen kann. Er hebt spöttisch eine Augenbraue und versichert Victor, dass er nichts gegen Kunstmuseen einzuwenden hat.

Das scheint Victor eine Zeit lang zu amüsieren, aber er läuft nach wie vor schneller durch die Ausstellung, als Chris es von ihm gewöhnt ist, und deshalb wundert es Chris auch wenig, als er schließlich sagt: „Ich möchte, dass du mir Bescheid sagst, wenn du weggehst.“

Chris weiß nicht, ob er peinlich berührt dreinschauen soll oder nicht, oder ob er sich gar echauffieren soll, denn auf diese Weise rügt man allenfalls ein Kind. Er setzt an, sich zu beschweren, aber Victor kommt ihm (natürlich) zuvor: „Ich nehme dich nicht nur mit, weil ich deine Gesellschaft so mag, weiß du.“

Es sollte Chris aufregen, dass Victor ihn gleichzeitig herabsetzen und ihm schmeicheln kann. Stattdessen nickt er pflichtbewusst.

„Ich hab es verstanden“, sagt er. Und: „Es wird nicht wieder vorkommen.“

Darauf strahlt Victor, als habe Chris ihm eine unendlich große Freude bereitet. Er kann das gut, dieses Vertreterlachen, bei dem sich jeder gleich für jede noch so unwichtige Kleinigkeit geadelt fühlt. Manchmal fragt sich Chris, ob Victor eine genau so präzise angelegte Rolle spielt wie er selbst.

„Ich glaube“, sagt Victor, „wir haben jetzt alles gesehen.“

Chris unterlässt es, ihn darauf hinzuweisen, dass sie ein ganzes Stockwerk komplett ausgelassen haben, und lässt sich stattdessen unverändert sanft zum Ausgang schieben. Draußen scheint die Sonne, und Victor blinzelt einige Male dagegen, während Chris schon die Sonnenbrille aufsetzt.

„Wir haben noch etwas Zeit“, sagt Victor, konkretisiert ihre Pläne für den Tag aber nicht weiter. Chris (Lannert) bewundert es fast, wie strikt Victor Sympathie auf einer privaten und Vertrauen auf einer geschäftlichen Ebene trennt. Aber Chris Gabriel drängt sich nicht auf, also fragt er nicht weiter nach.

„Worauf hast du Hunger?“, fragt Victor, und fügt unnötig hinzu: „Ich lade dich ein.“

Natürlich tut er das.

Date: 2014-08-23 05:51 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Wegen Spoiler habe ich [livejournal.com profile] nessaniels Geschichte noch nicht gelesen, aber ich bin der Inspiration hierher gefolgt und da ist mir aufgefallen, daß ich beim ersten Lesen nicht kommentiert hatte, weil ich gerade auf dem Sprung war.

Es sollte Chris aufregen, dass Victor ihn gleichzeitig herabsetzen und ihm schmeicheln kann.
Dabei wollte ich unbedingt loswerden, daß diese Geschichte die Zwiespältigkeit des Verhältnisses der beiden ausgesprochen gut einfängt. Deshalb hast Du vermutlich auch das Gefühl, daß es nicht besonder romantisch geworden ist - aber das ist genau das, was hier paßt.

Und daß ich nicht nur, aber vor allem hier - Er kann das gut, dieses Vertreterlachen, bei dem sich jeder gleich für jede noch so unwichtige Kleinigkeit geadelt fühlt. - de Man wirklich vor mir gesehen habe.

Magst Du Deine Tatort-Geschichten eigentlich auch noch bei tatort_fandom verlinken? Wäre schade drum, wenn diese Perlen untergehen, vor allem weil es doch so wenig zu Stuttgart (und Hamburg) gibt!

Date: 2014-08-24 03:35 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Das ist natürlich auch eine Idee :) Mache ich mit den Münster-Sachen ja auch immer, alleine schon um die Leute nicht zu nerven (obwohl, so viel ist es in letzter Zeit dann auch wieder nicht ...)

Date: 2014-08-29 08:27 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Aww man ich kann nicht glauben, dass ich das hier noch nicht kommentiert habe, verflixt. xD

Ganz großes Kino ist mein Urteil und ich bin SO NEIDISCH, dass du die beiden so perfekt drauf hast. Victor ist herrlich bedrohlich, Chris ist nervös und verzaubert, hat Angst und ist gleichzeitig fasziniert und das ist sowas von hundertpro deren Dynamik, hach, aya, einfach nur PERFEKT OKAY.

„Ich glaube“, sagt Victor, „wir haben jetzt alles gesehen.“ Chris unterlässt es, ihn darauf hinzuweisen, dass sie ein ganzes Stockwerk komplett ausgelassen haben, und lässt sich stattdessen unverändert sanft zum Ausgang schieben.

Das ist mit Abstand mein liebster Absatz, glaub ich. Er fasst diesen Zwiespalt aus Angst und Anziehung zwischen den beiden perfekt zusammen. <333

Date: 2014-10-01 12:45 am (UTC)
From: [identity profile] jolly-rotten.livejournal.com
ICH FREU MICH SO ÜBER VICCY/CHRIS VON DIR DU HAST JA KEINE AHNUNG! DAS IST ALLES SO WUNDERBAR ICH WEI? GAR NICHT WAS ICH SAGEN SOLL! OOPS DA BIN ICH WOHL AUF DIE CAPSLOCK TASTE GEFALLEN UND KOMME NICHT MEHR HOCH. SO WAS.

Du hast beide - aber vor allem Viccy - so gut drauf, es ist so genial. <3<3<3<3

I LOVE YOU!

Date: 2014-10-04 11:00 am (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Hallo, Mod hier :D

Ich habe beim Gegenzählen gesehen, dass [livejournal.com profile] nessaniel deine Geschichte für einen Inspirationsjoker benutzt hat.
(Hier: http://120-minuten.livejournal.com/974481.html )
Du hattest die Geschichte aber nicht mit Inspirations getaggt.

Für die Punkte ist nun wichtig, ob der Post von dir auch wirklich als Inspiration angedacht war.
Daher würde ich dich bitten, mit inspiration nachzutaggen oder mir kurz Bescheid zu geben, wenn du es lieber nicht so gehabt hättest.

Danke <3

Date: 2014-10-04 04:29 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Ahh sorry, ich wollte nicht für Verwirrung sorgen! Danke für deine Mühen, tsutsumi. <3

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