Team: Kalliope
Challenge: Hurt/Comfort - „Wann hast du das letzte Mal geschlafen?“
Titel: Aufbruch in neue Welten
Fandom: AU (Star Trek/historische Personen)
Charaktere: James Cook/Joseph Banks
Wörter: 1570
Warnung: ohne Beta
Anmerkungen: Captain Cook findet heraus, was Banks nachts den Schlaf raubt. Teil 1, Teil 2. (Die nicht zwingend gelesen sein müssen, um die Geschichte zu verstehen, auch, wenn es mich natürlich freuen würde :D) Dafür habe ich glaube ich endlich das Prinzip von hurt-comfort verstanden. :D
4:23.
Captain Cook seufzte leise, als sein Blick auf das Display fiel, welches die Uhrzeit anzeigte. Eigentlich hatte er „nur noch diese eine Karte fertig machen wollen.“ Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass er sich über seine Arbeit so vergessen würde, dass er bis in die frühen Morgenstunden arbeiten würde. Ergeben lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und streckte sich lautstark, um seine mitgenommenen Muskeln zu entspannen. In wenigen Stunden begann schon wieder seine Schicht auf der Brücke, jetzt noch einmal zu versuchen zu schlafen erschien ihm witzlos. Er kapitulierte, auf der Akademie hatte er mehr als nur eine Nacht durchgemacht. Mit genügend Kaffee würde er diesen Tag schon überstehen. Und genau diesen beabsichtigte er sich jetzt zu holen.
Natürlich befand sich auf seinem Zimmer ein Replikator, aber die Endeavour besaß den Luxus eines Kasinos, in dem ihr Schiffskoch für frische Speisen sorgte. Als Cook sein Kommando angetreten hatte, war es ihm wichtig gewesen, einen gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum für die Crew zu haben, in dem frische Nahrung, als Ergänzung zu den allen zustehenden Replikatorrationen, zubereitet wurde. Und zu seiner Freude stand dort auch immer eine heiße Kanne Kaffee bereit. Schon als er auf der Akademie studiert hatte, hatte er sich insgeheim gefragt, was es damit auf sich hatte, dass so viele Kapitäne ohne ihre Tasse Kaffee nicht lebensfähig waren und nun konnte er selbst kaum noch ohne. Cook brachte seine vom Sitzen etwas zerknitterte Kleidung in Ordnung, griff sich das Datapad, welches auf seinem Schreibtisch lag und verließ sein Zimmer.
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Das Kasino war dunkel als er es betrat. Um diese unchristliche Zeit schien niemand außer ihm auf den Beinen zu sein. „Computer – Licht!“ Mit einem mechanischen Piepen schaltete sich wenige Sekunden später automatisch die Beleuchtung des Aufenthaltsraumes ein. Gedankenverloren lief Cook hinter die Theke, wo er wie erhofft eine dampfende Kanne Kaffee vorfand. Er schenkte sich eine Tasse ein und ging zu einem der Tische, als er aus der Ecke des Raumes ein Ächzen hörte und vor Schreck zusammenzuckte, sodass er beinahe seinen Kaffee verschüttet hätte.
„Himmelherrgott, Banks, wollen Sie schuld an meinem Herzinfarkt sein?! Was in aller Welt treiben Sie hier im Dunkeln?“
An einem der Tische saß Joseph Banks, halb in sich zusammengesunken, den Kopf auf beide Hände gestützt und eine dampfende Tasse vor sich. Seine dunkelbraunen, halblangen Haare waren wie üblich zu einem Zopf gebunden, doch bei Weitem nicht so penibel und ordentlich, wie man es von dem jungen Mann gewohnt war, einige Strähnen hatten sich aus dem Zopf gelöst und hingen ihm wirr in die Stirn.
Cook kam näher und musterte sein Crewmitglied kritisch. „Herrje, Banks, Sie sehen schrecklich aus!“, stellte er äußerst nonchalant fest, „Darf ich?“ Er deutete auf den Platz gegenüber und Banks nickte schwach.
„Na, vielen Dank“, knurrte er bitter, doch seine Stimme klang leise und kläglich. Von allen Menschen an Bord war der Captain der Letzte, dem er hatte begegnen wollen. Es war kein Geheimnis, dass er und Cook so ihre Differenzen hatten. Banks stammte aus einer wohlhabenden Familie und war sozusagen in der „High Society“ aufgewachsen. Die trockene, teilweise etwas rabiate Art ihres Navigators stieß ihm häufiger sauer auf und Cook ließ auch keine Gelegenheit aus, ihn zu triezen. Schlimm genug, dass er an Raumkrankheit litt. Seit er das Schiff betreten hatte, war es mal besser, mal schlechter gewesen, aber die letzten Tage hatte er die reinste Hölle durchlebt. Sie hatten schon lange keinen festen Boden mehr unter den Füßen gehabt und allmählich sehnte er sich nach einem Landgang. Sein Kopf dröhnte und sein Magen drehte sich ihm bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit um.
„Nun reden Sie schon, Banks, oder haben Sie ihre Zunge verschluckt? Was treiben Sie mitten in der Nacht in diesem Zustand hier? Sie sehen aus, als sollten Sie lieber das Bett hüten...“ Cook sah ihn mit wachen Augen auffordernd an. Banks schüttelte schwach den Kopf und bereute diese Bewegung sofort wieder. „Liegen macht es auch nicht besser. Lassen Sie mich einfach alleine. Bitte.“
Der Ältere hob kritisch eine Augenbraue und blieb für einen Augenblick regungslos sitzen, in dem er ihn einfach nur ansah. Schließlich brach er in schallendes Gelächter aus. „Ah, ich verstehe. Raumkrankheit, nicht wahr?“, stellte er breit grinsend fest.
Banks seufzte leise und verbarg das Gesicht in den Händen. Niemand an Bord wusste, dass er unter Raumkrankheit litt, außer ihrem Schiffsarzt Dr. Solander und diesem hatte er absolute Schweigepflicht auferlegt. Und dann hatte ausgerechnet Cook ihn hier gefunden. Konnte es eine größere Demütigung geben? Er konnte sich schon vorstellen, was er sich jetzt würde anhören müssen: Dass er ein kleiner, verwöhnter Junge war, der in den weiten des Weltraumes nichts zu suchen hatte; dass er ein jämmerlicher Versager war, ein Weichei, so wie er ihn immer eingeschätzt hatte. Banks tat immer so, als läge ihm nichts an der Art, wie Cook ihn behandelte, aber insgeheim wollte er ebenso als Teil der Crew akzeptiert werden, wie jeder andere. Man konnte gegen Cook sagen was man wollte, aber er war ein fähiger Mann auf seinem Gebiet und auch, wenn er sich gegen die Bezeichnung „Wissenschaftler“ wehrte, so war er doch genau das. Und kein schlechter obendrein. Banks war derzeitig jedoch so körperlich und mental am Ende, dass er das Gefühl hatte, dass jedes böse Wort ihm noch näher gehen würde als gewöhnlich.
„Ich würde Sie bitten, das mit Diskretion zu behandeln, Captain“, sagte Banks und seine Stimme hatte beinahe etwas Verzweifeltes.
Cook runzelte die Stirn. „Das nimmt Sie ja wirklich mit, oder?“ Er beugte sich vor und schlug Banks kollegial auf die Schulter. „Kommen Sie, Junge, das ist kein Grund, sich zu schämen. Raumkrankheit kommt in den besten Familien vor. Das geht vorbei.“
Banks antwortete nicht und nippte stattdessen an seiner Tasse, angewidert verzog er das Gesicht, als er den Inhalt herunter schluckte. Cook beugte sich vor, um daran zu riechen und schnellte zurück, als sei er gegen eine unsichtbare Wand geprallt. „Pfui, das stinkt ja bestialisch. Kein Wunder, dass Ihnen schlecht ist, bei diesem Gesöff. Da würde sich mir auch der Magen umdrehen. Wo haben Sie das her, zur Hölle?“
„Dr. Solander. Er meinte, dass es mir helfen würde.“
Der Ältere schüttelte den Kopf. „Schwachsinn. Es wäre mir neu, dass es einen Trank gegen Raumkrankheit gäbe.“ Er sah den jungen Mann vor sich genau an und als dieser seinen Blick nicht erwiderte, streckte er die Hand aus und legte sie unter dessen Kinn, damit er gezwungen war, aufzusehen. „Wann haben Sie das letzte Mal geschlafen?“, fragte er sanfter als Banks es ihm zugetraut hatte.
Er überlegte kurz, bevor er mit den Schultern zuckte. „Vor zwei oder drei Tagen?“ Selbst, wenn er sich hinlegte, fand er keine Ruhe, dann schien sich das Bett um ihn herum zu drehen und das war beinahe noch unangenehmer als wenn er aufrecht saß. Cook schüttelte den Kopf und leerte den Rest seines Kaffees in einem Zug, bevor er aufstand. „Kommen Sie“, forderte er Banks auf und reichte ihm die Hand. „Ich bringe Sie zu ihrem Zimmer und schicke Ihnen anschließend Dr. Solander vorbei, damit er Ihnen ein Schlafmittel verabreicht. Sie brauchen jetzt erst einmal Ruhe.“
Banks sah ihn für einen Moment irritiert an. Er hatte vieles erwartet, aber nicht diese plötzliche Freundlichkeit. Zwar zweifelte er nicht daran, dass ihr Captain sich um das Wohlergehen seiner Crew sorgte, er hatte den jedoch eher groben Mann bisher nie so fürsorglich erlebt. Im ersten Moment widerstrebte es ihm, so einfach nachzugeben und sich wie ein Knabe ins Bett bringen zu lassen, als der Schwindel ihn jedoch beim Versuch aufzustehen erneut überfiel ergriff er doch dankbar die Hand, welche ihm dargeboten wurde. Sie fühlte sie rauh und männlich an, hatte jedoch auch etwas Starkes und beinahe Beschützendes.
Cook legte einen Arm um den Jüngeren, um ihn zu stützen und führte ihn langsam aus dem Kasino heraus. Er hatte schon viele Formen von Raumkrankheit gesehen, die meisten litten jedoch unter weniger starken Symptomen. Joseph Banks hatte wohl das große Pech zu den zehn Prozent der Menschen zu gehören, die davon schlimmer betroffen waren. Der Captain half Banks, den Gang hinunter in den Turbolift zu gehen, um ihn auf eines der oberen Decks zu seinem Quartier zu bringen und bestand darauf, bei ihm zu bleiben, bis dieser sich hingelegt hatte.
Banks starrte stoisch aus dem Fenster, während er sich seinem Hemd entledigte und Cook eine – zugegeben recht attraktive, wenn auch ziemlich bleiche Brust – offenbarte.
„Ich erzähle Ihnen mal etwas“, fing Cook an, welcher leger an Banks Schreibtisch lehnte und mit dem Modell eines Schiffes spielte, welches sich darauf befunden hatte. „Ich kannte mal einen Jungen, dessen größter Traum es war, ins All zu fliegen. Und obwohl er sich auf der Akademie als talentiert herausstellte, versagte er immer wieder im Training, wenn es um die Schwerelosigkeit ging. Bei seinem ersten Flug sah er nahezu nichts von den Sternen, weil er sich die meiste Zeit auf der Toilette in seiner Kabine eingeschlossen hatte.“
Der Botaniker lächelte gequält bei dem Gedanken. „Klingt merkwürdig vertraut. Was ist aus dem Jungen geworden?“
Cook schmunzelte geheimnisvoll und stellte das Schiffsmodell wieder zurück an seinen Platz, bevor er näher kam und so dicht vor Banks stehen blieb, dass dieser seinen Atem spüren konnte. „Ein Kapitän der Sternenflotte.“ Er legte ihm noch einmal beruhigend die Hand auf die Schulter, bevor er sich zum gehen wandte. „Ich schicke Ihnen sofort Dr. Solander vorbei. Schlafen Sie gut. Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus.“
no subject
Date: 2014-07-30 08:37 pm (UTC)Hast Du :)
Ich kann h/c nie widerstehen ... vor allem in der weniger dramatischen Variante, also ohne lebensbedrohliche Verletzungen etc.
SeeRaumkrankheit reicht völlig ;)no subject
Date: 2014-07-31 10:30 am (UTC)no subject
Date: 2014-08-01 04:28 pm (UTC)* Natürlich ohne daß ich das damals schon so benannt hätte.
no subject
Date: 2014-08-02 10:43 am (UTC)Der arme Banks ._. Aber ich finde es total süß von Cook, dass er sich da um ihn kümmert und sogar ein kleines Stück von sich selbst mit ihm teilt. Oder wenigstens den Eindruck erweckt, wer weiß, ob er es nicht nur gesagt hat, um Banks zu beruhigen. XD Aber selbst wenn: Das macht es nicht weniger niedlich! ♥
Mehr! :D