[identity profile] ayawinner.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Challenge: Fluff - Wärmflasche
Titel: Gewitter mit Starkregen
Fandom: Tatort (Hamburg)
Charaktere: Cenk Batu, sein Vater.
Warnungen: ungebetat.
Anmerkungen: Ich war noch nie in der Türkei. Keine Ahnung, wie da die Straßen oder der ÖPNV sind. Man möge mir verzeihen.

Es gibt eine lange Liste von Dingen, die Cenk eher weniger gerne mag, und „streikende Taxifahrer“ bahnt sich langsam aber sicher den Weg in die Top 10, während er eine schlecht ausgebaute Straße irgendwo in der westlichen Schwarzmeerregion entlangläuft und sich schräg hinter ihm am bedrohlich dunkler werdenden Himmel ein Gewitter zusammenbraut. Er hat einen Großteil der Hoffnung, trocken im Ferienhaus seines Vaters anzukommen, eigentlich schon aufgegeben, aber er geht trotzdem ein bisschen schneller, als er von Fern ein leises Grollen hört.

Der ungemütliche Teil seiner Reise hatte eigentlich erst an der letzten Station der vertrackten Busroute angefangen, die sein Vater ihm in mehreren SMS aufs Handy geschickt hatte und die ihm erst dank eines freundlichen Herrn an der Tourist-Information am Flughafen vollständig einigermaßen klar wurde. Es war auch wirklich alles gut gegangen; er hatte zügig an jeder Umsteigestation seine Anschlussverbindung bekommen und war mühelos in einem kleinen Ort „ganz in der Nähe“ (laut SMS) des Ferienhauses angekommen.

Zugegeben: Wegen der extrem hohen Luftfeuchtigkeit und der fast unerträglichen Hitze in den klapprigen Regionalbussen würde er die Reise bisher auch nicht unbedingt als angenehm bezeichnen, aber selbst der stickigste Bus ist immer noch entschieden besser gewesen als diese schier endlose Straße. Zumal ihm seine Reisetasche über der Schulter auch langsam zu schwer wird und er sowieso schon so durchgeschwitzt ist, dass auch der größte Regenguss (der ihm auf jeden Fall noch bevorsteht, denn das Grollen kommt näher und näher, und er zieht unwillkürlich den Kopf ein) die Sache nicht mehr wirklich verschlimmern kann.

Aber es muss doch auch nicht sein.

Natürlich fängt es genau in diesem Moment an zu regnen. Nicht als feiner Nieselregen, sondern direkt mit großen, schweren Tropfen, die gar nicht erst auf der Straße verdampfen, sondern innerhalb weniger Minuten riesige Pfützen bilden und Cenks Turnschuhe hoffnungslos durchnässen.

Cenk bleibt stehen, seufzt, wirft seine Reisetasche auf den Boden (denn das Wasser von unten kann auch nicht schlimmer sein als das von oben, und das meiste in der Tasche muss er am Ende sowieso trocknen) und zieht die Schuhe und Strümpfe aus. Barfuß zu laufen ist zwar auch nicht das Ideale, aber doch besser als bei jedem Schritt unangenehm schmatzende, aufgeweichte Textiltreter.

Er bindet die Schuhe an die Reisetasche und läuft störrisch weiter, während um ihn herum sintflutartige Regenfälle herunterkommen. Ihm fällt ein, dass er sich vielleicht wegen des Gewitters sorgen sollte, aber er kann sich auch nicht mehr erinnern, was man überhaupt bei Gewitter auf offener Straße machen soll. Hinlegen? Weglaufen? Beten? Er ist eben doch ein Stadtkind, und wenn das Auto seines Vaters nicht in der Werkstatt wäre, hätte er für die Strecke auch einen wunderbaren Faradayschen Käfig und insgesamt wesentlich weniger Probleme gehabt.

Mittlerweile ist es merklich abgekühlt; Cenk ist unendlich dankbar dafür, denn trotz des reißenden Sturzbachs auf der Straße ist das Laufen so viel angenehmer und er hat das Gefühl, besser voranzukommen. Seine Reisetasche wiegt allerdings mittlerweile mindestens das Doppelte und er erwägt ernstlich die Anschaffung eines speziell beschichteten Hartschalenkoffers für die nächste Türkeireise, wenn die Witterungsverhältnisse in dieser angeblich idyllischen Urlaubsregion häufiger derart widrig sind.

Er schnaubt amüsiert. Beschichteter Hartschalenkoffer. Was für ein Proletengedanke. Er verbringt eindeutig zu viel Zeit mit Uwe.

Wegen des vielen Regenwassers in seinen Augen hätte er fast die Abzweigung übersehen, weil er aber auch zu faul ist, wieder ein Stück zurück zu laufen, um auf die richtige Straße zu kommen, geht er kurzerhand querfeldein. Duschen muss er ja eh. Viel schlimmer kann es auch nicht mehr werden. Und Barfußlaufen soll auch gesund sein für die Füße, hat er mal gehört. Vermutlich auch von Uwe, dem heimlichen Barfußpfadfetischisten.

(Cenk hat keine Ahnung, was Uwe in seiner Freizeit macht, aber er kann ihn sich erschreckend gut als Outdoormenschen vorstellen. Barfußpfad. Trimm-dich-Pfad. Die ganze Pseudo-Natur-Nerd-Palette für Städter.)

Der Regen hört fast genau in dem Moment auf, in dem Cenk die Stufen zur Veranda erklimmt, auf der sein Vater schon mit dem typischen sorgenvollen Elternblick auf ihn wartet.

„Hallo, baba“, sagt er mit einem schiefen Grinsen und versucht, sich nicht vorzustellen, was für ein jämmerliches Bild er wohl abgeben muss, so vollkommen durchnässt und verdreckt, wie er dasteht.

Sein Vater mustert ihn zwar von oben bis unten, strahlt aber schon bald übers ganze Gesicht und schließt Cenk fest in die Arme.

„Ich dachte schon, ich müsste dich mit dem Boot suchen kommen“, sagt sein Vater scherzhaft und nimmt ihm die schwere Reisetasche ab. „Du hast fürchterliches Wetter mitgebracht.“

„Sorry“, antwortet Cenk, während er bestmöglich versucht, den Dreck von seinen Füßen nicht überall auf dem Boden zu verteilen. Sein Vater sieht ihm eine Weile zu, schüttelt dann aber lächelnd den Kopf und zieht Cenk am Arm quer über den blütenreinen Fliesenboden, auf dem er unschöne Fußabdrücke hinterlässt, und lässt ihn mitsamt durchnässter Reisetasche im Badezimmer allein.

„Und wenn du wieder wie ein Mensch aussiehst, mache ich dir einen Tee und vielleicht eine Wärmflasche“, ruft er durch die Tür, und Cenk muss lachen.

„Es sind mindestens 30 Grad draußen, baba.“

Sein Vater ignoriert ihn vollkommen und ruft zurück: „Wir wollen doch nicht, dass du dich erkältest.“

Cenk seufzt, zieht umständlich die nasse Kleidung aus und tritt unter die heiße Dusche. Bevor er sich noch erkältet.

Date: 2014-07-25 05:21 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich habe die ganze Zeit überlegt, wie die Wärmflasche hier wohl unterzubringen sein wird, das Ende ist einfach genial! Willkommen zuhause *snicker*

Und außerdem natürlich das hier:
Ihm fällt ein, dass er sich vielleicht wegen des Gewitters sorgen sollte, aber er kann sich auch nicht mehr erinnern, was man überhaupt bei Gewitter auf offener Straße machen soll. Hinlegen? Weglaufen? Beten? Er ist eben doch ein Stadtkind
<3

Und was Uwe in Cenks Freizeit zu suchen hat, weiß ich ganz genau ... ;)

Ich bin furchtbar hinterher mit kommentieren, aber ich lese immer mit Freude mit! In meiner knappen freizeit bin ich dabei, über die Crossover-Idee nachzugrübeln ...

Date: 2014-07-28 11:50 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
What time is it?
Kiwi drückt sich vorm Schlafengehen-Time!

Weißt du, was ich an dieser Fanfic vor allem anderen bewundere? Dass du es schaffst, so viele Gedanken, Anspielungen und so viel Charakterisierung unterzubringen, obwohl Cenk nichts anderes macht als über einen Weg zu stiefeln. DAS IST SO UMWERFEND, wie machst du das, ehrlich jetzt. Die Wechsel zwischen seiner Gedankenwelt und dem patschnassen türkischen Schlammpfad, den er entlangstapft, sind so fließend und perfekt!

Der freundliche Herr an der Touri-Info war bestimmt sofort in Cenk verknallt und deshalb so freundlich, oder. Ja, hab ich mir gedacht. xDD

Er bindet die Schuhe an die Reisetasche und läuft störrisch weiter,
DIESES MENTALE BILD! VON CENK. BARFUSS. MIT EINEM SEINER HÜBSCHEN PULLIS ANGETAN UND SEINER HELLEN JEANS UND WIE ER DA BARFUSS WEITERLÄUFT Q_Q Das lässt mein Herz in tausend Stücke zerbrechen, denn in Hamburg wäre ihm so etwas bestimmt nicht eingefallen, da steht er viel zu sehr unter Spannung, als dass er mit bloßen Füßen irgendwo langlaufen würde (vielleicht mal auf Uwes Terasse, okay, ABER HIER, WENN ER ZU SEINEM BABA GEHT, IST ER ENTSPANNT GENUG DAFÜR, HACH... okay, ich interpretiere wahrscheinlich zu viel da hinein aber OH MEIN GOTT. Schönes Bild. Wirklich schönes schönes Bild.

Er verbringt eindeutig zu viel Zeit mit Uwe.
Das ist solch ein schöner Satz und er kam so unerwartet und hat mir das Herz erfreut. Sagt man nicht immer, dass man Ticks und sprachliche Angewohnheiten von Leuten übernimmt, die man gern hat? HIER SIND ES EBEN HARTSCHALENKOFFER-DENKMUSTER. DAS IST MINDESTENS GENAU SO SCHÖN. <333

(Cenk hat keine Ahnung, was Uwe in seiner Freizeit macht, aber er kann ihn sich erschreckend gut als Outdoormenschen vorstellen. Barfußpfad. Trimm-dich-Pfad. Die ganze Pseudo-Natur-Nerd-Palette für Städter.)
Falls du dir noch nicht ausgiebig selbst auf die Schulter geklopft hast für diese EINS A WIEDERGABE VON CENKS STIMME, dann mach ich das jetzt, denn WOW ja, genau so würde er denken und genau so würde er das ausdrücken. NERDPALETTE AWWWW. Uwe, dieser Spießer. Mir gefällt es auch, dass du das in Klammern geschrieben hast, es wirkt nämlich dadurch so, als würde Cenk das gar nicht so bewusst denken wollen, aber Uwe schiebt sich immer wieder zwischen seine Gedanken und JAHA SO MAG ICH MEINE PÄRCHEN. <333 UNFÄHIG UND STUR <3

und versucht, sich nicht vorzustellen, was für ein jämmerliches Bild er wohl abgeben muss, so vollkommen durchnässt und verdreckt, wie er dasteht.
Das ist voll okay, Cenk. ICH stelle mir das liebendgern vor. Was für eine Verschwendung von nassen Shirts auf schönen Menschen.

„Ich dachte schon, ich müsste dich mit dem Boot suchen kommen“, sagt sein Vater scherzhaft
CENKS BABA IST DER DADLIEST DAD TO EVER DAD. WAS FÜR EIN ... PAPA-SPRUCH, ECHT. XDDD Gott ist das süß und sie sind so herzig und lieb und GENAU SO FLUFFIG WIE MAN SIE HABEN WILL, HACH AYA WAS FÜR EINE TOLLE GESCHICHTE, WIRKLICH. Q_Q All the fluff.

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