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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Kalliope
Challenge: h/c - Sich (auf)opfern
Fandom: Prince of Tennis
Charaktere: diverse
Wörter: 1013

Teil 1, Teil 2


Es stellte sich schnell eine Routine ein. Eine beänstigende Routine. Die Lehrer waren bemüht, alles relativ normal weiterlaufen zu lassen und wie durch ein Wunder tauchte sogar das eine oder andere Elternteil auf, aber es änderte nichts daran, dass sie im Grunde nur Flüchtlinge waren, die alles verloren hatten.
Fuji schaffte es tagsüber recht gut, jede Gedanken an seine Eltern und seine Geschwister zu verdrängen. Die Nächte waren es, die ihm zu schaffen machten, so wie jedem anderen. Wenn alles ruhig war, oder es wenigstens sein sollte. Irgendwo waren aber immer Stimmen zu hören. Schritte. Wütende Auseinandersetzungen. Das leise Schluchzen in ihrem Zelt oder draußen. Das Rascheln der Decken, wenn jemand sich umdrehte.
Manchmal wurden welche abgeholt, weil sie einmal zu auffällig gehustet hatten. Oft tauchten sie nach ein paar Tagen wieder auf, aber nicht immer.
Die beiden, die das ganze am wenigstens auszumachen schien, waren Inui und Yanagi, die die meiste Zeit zusammenhockten und ihre Daten verglichen. Oder Wege fanden, alle anderen zu beschäftigen. Es war ziemlich merkwürdig, wie schnell alle begonnen hatten, sich auf diese beiden zu verlassen. Atobe hatte sich in den ersten Tagen sowieso vollkommen zurückgezogen und wurde nur langsam wieder mehr er selbst. Selbst Sanada wirkte beinahe erleichtert, als Atobe sich nach ein paar Tagen beim Frühstück darüber beschwerte, was denen denn einfallen würde, ihm etwas anderes als Blue Mountain-Kaffee vorzusetzen.
Als Eiji ihn fragte, was das sei, wirkte Atobe derart pikiert, dass einige anfingen zu lachen. „Wenn diese... Situation überstanden ist, werde ich euch auf mein Landhaus einladen, damit ihr endlich mal richtige Esskultur kennenlernt.“
„Gibt es da Tennisplätze?“, fragte Sanada mäßig interessiert.
„Selbstverständlich.“
„Gut.“
„So wie du dein Training vernachlässigst, wärst du kein würdiger Gegner.“
„Aber du?“
Fuji sah zu Yukimura, der sich bisher mit Yanagi unterhalten hatte, nun aber wachsam zu werden schien. Bevor es auch nur anfangen konnte, zu eskalieren, meinte er leise: „Wir sollten uns alle wieder mehr um unser Training kümmern. Mehr als Unterricht hat man uns hier nicht zu bieten und das hier ist zu provisorisch, als das wir uns wirklich beschäftigen könnten.“
„Wir sollen trainieren? Hier?“, fragte Sengoku ungläubig und schüttelte den Kopf. „Wie sollen wir das denn anstellen?“
„Kaidoh schafft es doch auch.“
„Der zählt nicht, der ist nicht normal.“ Kamio, der sonst ungewohnt still neben Shinji saß und diesen seine Monologe führen ließ, hielt wie immer mit seiner Meinung nicht hintern Berg.
„Fsshuuuu, was hast du gesagt?“
„Ruhe!“ Sanada war aufgestanden und jeder verstummte sofort.
Atobe dagegen sah auf seine Fingernägel. „Ich sollte vielleicht so weit einschränken, dass die Einladung nur für diejenigen gilt, die in der Lage sind, sich zivilisiert zu benehmen. Was den Kreis gleich sehr viel kleiner macht.“
„Das gilt auch für dich! Wir sitzen sowieso viel zu viel untätig herum!“
Auf eine bizarre Art und Weise war das sogar ganz lustig, musste Fuji feststellen. Ihm war derart langweilig geworden, dass er für jedwede Ablenkung und vor allem Abwechslung sehr dankbar war.
„Ich denke, es schadet nicht, wenn wir wieder trainieren. Stellt euch vor, dass alles hier ist vorbei und alle anderen haben noch trainiert und nur wir nicht, das wäre total peinlich. Oder welche der Typen, die nachts hier einbrechen wollen, schaffen es und wir sind nicht fit genug, abzuhauen, dann werden wir auch welche von denen...“
„Bitte... WAS?“ Es hatte ein paar Sekunden gedauert, bis die Tragweite von Shinjis Gemurmel bei allen einsickerte und es war Atobe, der ihn jetzt unterbrochen hatte. Bevor Shinji allerdings direkt wieder anfangen konnte, spezifizierte Sanada: „Hier wollten welche einbrechen?“
„Jede Nacht. Hört ihr das nicht?“ Wie wenig es Shinji gefiel, so rüde unterbrochen worden zu sein, hörte man ihm jetzt an und seine dunklen Augen waren beinahe abfällig auf die anderen gerichtet.
„Ich habe etwas gehört...“, murmelte Fuji. „Aber ich wusste nicht, was es war.“
„Dass waren anderen Flüchtlinge. Sie verstehen nicht, warum sie hier nicht reingelassen werden“, erklärte Kamio, „Wir haben uns mal hingeschlichen. Es sind ziemlich viele.“
Damit hatte er auch Yukimuras Aufmerksamkeit. „Warum kommen sie denn nachts?“
„Sie sind immer da. Aber Nachts kommen die Lieferungen, weil es dann ruhig im Lager ist. Tagsüber ist die Stimmung... schlecht.“
„Ja, das haben wir gemerkt.“
„Ich bin beeindruckt.“
„Shinji... wir müssen das alles nicht noch schlimmer machen.“
Fuji sah zu Eiji und Inui. Wie üblich war Inui mit seinen Daten beschäftigt, aber Eiji wirkte ernsthaft besorgt. Warum genau, konnte Fuji aber nicht sagen. Vielleicht waren es die Neuigkeiten, vielleicht die Gesamtsituation... vielleicht auch die gerade sehr angespannte Atmosphäre. Das alles würde jeden nervös machen.
„Das beste, was wir machen können ist, uns irgendwie beschäftigt zu halten und uns nicht beunruhigen zu lassen.“ Yukimura nahm man seine Worte sogar ab. Sanada und er wirkten sogar ziemlich ruhig. Neben Inui und Yanagi, die vermutlich sowieso schon längst Bescheid gewusst hatten.
Abrupt stand Atobe auf. „Dann sollten wir das tun. Ore-sama zieht es vor, dies auf eine zivilisierte Art zu tun. Wer mir Gesellschaft leisten möchte, dem steht es frei, das zu tun.“
„Besser als herumsitzen, ist es auf jeden Fall.“ Fuji stand auf und er sah, dass die anderen dasselbe taten. Bis zum Unterricht hatten sie noch genug Zeit, es war ihm ganz Recht, wenn sie diese vernünftig nutzten. Und nicht damit verschwendeten, nur ihren Gedanken nachzuhängen.
Inui war derjenige, der nun auf Atobe zuging.
„Wetten wir, er hat schon furchtbare Trainingspläne für uns alle?“, murmelte Eiji, klang aber tatsächtlich hoffnungsvoll. Vermutlich war ihm alles Recht um von dem Verlust seiner Familie und Oishis abgelenkt zu werden.
„Ich fürchte eher, dass wir bald Zeugen eines kleinen Machtkampfes werden. Das könnte interessant werden.“ Es waren zu viele Alphatiere auf zu engem Raum. Und vor allem mit zu wenig Leuten. Irgendjemand würde da unweigerlich auf der Strecke bleiben, im Moment aber schienen alle damit einverstanden, das Kommando vorerst Atobe zu überlassen. Fuji glaubte jedoch nicht, dass es so bleiben würde, und dann... dann würde es Opfer geben.

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