[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: Angst - Atemlos (für mich)
Titel: Hilferuf
Fandom: Original
Charaktere: Carsten
Words: 606
Warnings: unbetaed, uncorrected
Continuation: 1, 2, 3, 4

Kommentar: Endlich gehts weiter. Aber ich befürchte, ich hab meine Blockade immer noch nicht ganz überwunden. Vielleicht liegt es auch an der Hitze.

Hilferuf

Skeptisch beobachtete Carsten die Polizisten, die sich in seinem Haus umsahen. "Können Sie mir noch sagen, welchen Wagen ihre Frau fuhr?", fragte der Ermittler und er antwortete fast ein wenig mechanisch: "Einen blauen VW Taigun." Den hatten sie erst vor einem Jahr gekauft und er war noch nicht abbezahlt. Eigentlich war das auch so eine Anschaffung, die er besser nicht getan hätte. Ein alter Polo hätte es auch gemacht, als Ersatz für den anderen kaputten PKW.
"Mach Sie sich keine Sorge. Vielleicht hat sie einfach bei einer Freundin übernachtet und jemand hat sich einen bösen Scherz mit ihnen erlaubt." Carsten sah den Beamten finster an. Er glaubte nicht eine Sekunde an einen Scherz. In seinen Gedanken versuchte er immer noch herauszufinden, woher er soviel Geld nehmen sollte, Was er auf die Schnelle tun konnte, um so viel Geld flüssig zu machen. Banken hatten das ja auch nicht eben in der Filiale liegen. Morgen... morgen... wem war so ein enges Terminfester eingefallen?
"Finden Sie lieber Anna. Lebendig." Carsten musste sich wirklich zusammenreißen, nicht irgendwie auszurasten. Er sollte sich am besten selbst auf die Suche machen. Er bezweifelte, dass ihm irgendwer so viel Geld geben würden. Aber solange die Polizisten hier waren, konnte er auch nicht weg.
Er hätte auch gar keine Ahnung, wo er suchen sollte.
Nur periphär bekam Carsten mit, wie eine Fahndung nach Annas Wagen durchgegeben wurde. Anna...
Das hatte sie nicht verdient. Wenn er besser zu seiner Frau gewesen wäre, wenn er sich mehr bemüht hätte - bestimmt wäre ihr all das erspart geblieben. Wer wusste schon, was sie durchleiden musste? Das war alles seine Schuld!
"Wir melden uns wieder bei Ihnen, Herr Rosenstein." Abwesend nickte Carsten auf die Verabschiedung der Polizisten und merkte gar nicht, dass seine Augen das Hochzeitsfoto fixiert hatten, das an der Wand hing. Anna, seine geliebte Anna. Das war doch alles ein schrecklicher Alptraum und doch... war es erschreckend wahr. Anna war in Gefahr nur weil irgendjemand glaubte, er hätte Kohle. Wann hatte das angefangen, dass er sich und alle anderen blendete? Dass er vorgab mehr zu sein und mehr zu haben, als eigentlich war? Wann hatte er begonnen, sich derartig selbst zu belügen und damit auch Anna?
Carsten wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als er sich aus seiner Starre löste und nach seiner Frühlingsjacke griff. Die Bank hatte noch offen - vielleicht konnte er etwas erreichen.
Die Reifen quietschten als er aus der Einfahrt rausgefahren war und durchstartete. Sein Atem kam stoßweise und ihm begann Schweiß auf die Stirn zu treten. Er bekam viel zu wenig Luft. Die ganze Situation!
Er wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn, sah sich nervös um. Anhaltspunkte, Hinweise. Beinahe wäre er über rot gefahren.
Wie konnte sich ein Leben derartig schnell ändern? Carsten verstand das nicht. Es schnürte ihm die Luft ab, die Sorge um Anna und darum, wie sein Leben weitergehen sollte, wenn er sie nicht retten konnte. Was machte er dann? Es war doch alles seine Schuld!
Atemlos stellte er das Auto irgendwie auf dem Kundenparkplatz der Bank ab und sprang aus dem Wagen. Passanten sahen ihn skeptisch an, als er in die Bank stürzte, wie ein wildgewordener Bankräuber. Bankraub... das wäre natürlich auch eine Idee gewesen.
Es fehlte nur einiges dazu. Das einzige, was er hatte, war die Verzweiflung. Davon hatte er massig.
"Ich möchte zu Herrn Henning."
"Tut mir Leid... der ist gerade..."
"Bitte! Es ist dringend!"
Carsten wusste nicht, was die Bankangstellte in ihm gesehen hatte. Er wusste nicht, wie er gerade aussah. Aber es schien gereicht zu haben, dass sie nachgab. "Bitte nehmen Sie einen Augenblick Platz, ich werde sehen, was sich tun lässt."

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