Hurt/Comfort- Sich (auf)opfern (für mich)
Jul. 19th, 2014 04:12 amTeam: Erato
Challenge: Hurt/Comfort- Sich (auf)opfern (für mich)
Fandom: Digimon 2/AU
Kommentar: jo...http://120-minuten.livejournal.com/949204.html
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Ken war jemand, der sich selbst für zurückhaltend hielt. Für traditionell, konservativ. Vielleicht bestenfalls noch: bemüht.
Daisuke kannte ihn so, und er kannte auch Yolei. Er kannte das Problem.
Aber er kannte auch einen anderen Ken.
Einen Ken, der nicht wirklich wusste, wie er Leute dazu bringen konnte, ihn zu mögen. Einen Ken, der seinen Marktwert- ob in der Schule, im Beruf, als Sohn, als Ehemann, Vater, Geliebter- immer beweisen musste. Wenn er nicht der Beste war, war er so gut wie Nichts, und selbst wenn er der Beste war, war es noch immer nicht gut genug.
Es war niemals gut genug.
Daisuke hatte den Verdacht, dass nicht ein Ausbruch von bösartigem Egoismus Ken dazu gebracht hatte, erst Yolei zu heiraten, mit ihr drei Kinder in die Welt zu setzen, und dann zu realisieren, dass er eine Lüge lebte. Auf eine gewisse Art war es auch keine Lüge gewesen. Traditionelle Werte, Familie, waren für ihn wirklich wichtig.
Dass er auch schwul war, war sein Fehler im System.
Dass er es überhaupt so lange geschafft hatte, sich selbst und andere vom Gegenteil zu überzeugen, war wieder einmal ein Beweis, was für ein unglaubliches Talent Ken darin zu Tage brachte, so zu sein, wie er glaubte, dass andere ihn haben wollten:
Perfekt.
Unter seinen geschliffenen Umgangsformen, seiner Gewissenhaftigkeit, seinem Talent und Können war er schutzlos und verletzlich. Seine andere Seite- die dunkle, aggressive, triebgesteuerte, die aus ihm herausbrach wie aus einem Vulkan, wenn er das Gefühl hatte anonym zu sein-... das war etwas, für das er sich schämte. Nach dem ersten Kontakt damit, der in seiner Heftigkeit ihn und alle Beteiligten gründlich erschreckt hatte, hatte er versucht sie völlig aus seinem Leben auszumerzen. So zu tun, als existierte sie nicht.
Er hatte nie gelernt, einen Weg zu finden mit dieser Leidenschaft, dieser Wucht richtig umzugehen. Es war nicht Egoismus gewesen, erst eine Frau zu heiraten... sondern seine hilflose, stille Freundlichkeit.
Wenn er schon einen dunklen Drang hatte, wollte er ihn so befriedigen, dass er niemanden damit störte. Er wollte wirklich ein guter Vater sein. Ein guter Mann der Gesellschaft.
Daisukes Meinung nach -war- er ein guter Vater und ein guter Mann.
Er war einfach zu nett. Sein Gefühl für sich selbst, sein eigener Wille, sein Selbstbewusstsein war so zart, so sachte, dass man glauben konnte, es sei nicht existent.
Ken opferte sich auf, für alle die eine Erwartung hatten. Er war eine willige Fläche für das, was Menschen von ihm wollten, weil er glaubte, dass sein eigener Wille gefährlich war oder unerwünscht, oder einfach nicht von Bedeutung.
Sich von Yolei zu trennen war keine Bösartigkeit, sondern ein erster Schritt in eine gesündere Richtung- für ihn, für sie, einfach alle. Irgendwann, die Hoffnung hatte Daisuke zumindest, würde sie das vielleicht doch verstehen.
Dann konnten sie alle vielleicht wieder Freunde sein.
Irgendwann.
Genau so wie früher.
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