[identity profile] somali77.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Erato
Challenge: Hurt/Comfort- Albtraum/Halluzinationen (für mich)
Fandom: Digimon 2/AU
Kommentar: mehr dazu- http://120-minuten.livejournal.com/949454.html

~

Er war in einer Toilette.

Einer schmutzigen, unendlich großen, öffentlichen Toilette voller dunkler Winkel und Verzweigungen, in der er feststeckte wie in einem Labyrinth und er war völlig verzweifelt, weil er sich nicht erinnern konnte wie er dorthin gekommen war... und wo er seine Hosen verloren hatte. Sicher suchten sie schon nach ihm... Jeden Augenblick konnte ihn ein Kollege aus der Arbeit so sehen, und dann? Zum Beispiel dieser Kerl von der Streife...

Ein niederrangiger, zweitklassiger Polizist einer anderen Abteilung... mit seinem breitknochigen Körperbau und dem anzüglichen, wissenden Blick aus kleinen Augen-... er wusste irgendwas. Ken spürte das. Er spürte es in der Art, wie er ihn ansah. Wie er ihn grüßte, wie er sofort aufhörte mit Kollegen zu tuscheln, wenn er bemerkte wie er in den Raum kam-...

Hatte er ihm nicht schon einmal, auf der Toilette im Revier so... obszön zugelächelt?

Hatte er nicht verheißungsvoll sein Becken ein wenig weiter nach vorn geschoben, so dass Ken gar nichts anderes mehr übrig geblieben war, als seitlich auf seinen Schwanz zu starren-... seinen beeindruckenden, dicken, wundervollen, harten-... oh Gott, war das Sperma, das ihm da die Schenkel hinunter lief?

Mit wem hatte er-... er konnte sich nicht erinnern! War er vergewaltigt worden?

Eine hohle, säuselnde Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte ihm gehässig zu, ob man es Vergewaltigung nennen konnte, wenn er es so sehr wollte. Und wenn er ehrlich war, spürte er sehr genau, wie er wollte. Mit jeder Faser, in jeder Zelle. Er konnte sich nicht mehr verstecken. Er versuchte, die Bilder von sich zu schütteln, durch erschreckende Fantasien strampelnd und nach Luft schnappend an die Oberfläche der Vernunft durchzudringen, aber immer wieder tauchte irgendetwas seinen Kopf unter. Sammy.

Es war sein Bruder, sein toter Bruder, der ihn mit dem Kopf in ein schwarzes Meer abwärts stieß. Meckerndes Lachen hallte in seinen Gehörgängen wieder.

„Du bist zu nichts gut!“, rief er, und es klang als stünde er in einem gigantischen, leeren Gewölbe, wo der Ton von überall her auf ihn wiederhallte.

„Du bist zu nichts gut!“, heulte Yolei. Er war im Vorzimmer der Paartherapeutin, und seine Frau, die Mutter seiner drei Kinder, schlug ihm weinend, verzweifelt mit ihren Fäusten auf die Brust, „Ich hasse dich! Seit wann weißt du es?! Seit wann weißt du das schon?! Wie kannst du uns nur so was antun?!“

Die Welt geriet aus den Fugen. Er war wieder elf und doch einunddreißig und alle Facetten dazwischen-... das Meer der Dunkelheit floss durch seine Adern, flutete seinen Verstand, tat sich unter ihm auf wie ein gähnendes, schwarzes Loch. Er sah sich wieder umringt von all den Wesen die er jemals gequält hatte, sah sich gefesselt an einem Pfeiler hängen, dem ewigen Phallussymbol, an einem Ort an den er eigentlich wirklich hingehörte, sah sich zwischen Angst und Verzweiflung und wohliger Selbstvernichtungsgier alle entsetzlichen Strafen erwarten, die man sich nur erdenken konnte, weil er wusste, dass er es verdient hatte: er war böse, er war unwürdig, er verdiente, er wollte es-...

Davis-... da war auf einmal Davis vor ihm. Daisuke- jung, mit Googles und Handschuhen, erwachsen mit den etwas kürzeren Haaren, den Stoppeln am Kinn und den sanften, seelenvollen Augen-... Davis, wie er viel zu jung und in Ketten von einem Felsen hing- Davis, wie er ihn ansah, Davis, wie er ihm ins Ohr keuchte, mit ihm Sex hatte, Davis unter dem er lag, den er anflehte- Davis- Davis- Davis-...

„Schh...“

Mit einem Ruck wachte er auf. Etwas Warmes drückte sich an seine Wange. Er zuckte zusammen- es war ein verfluchter Plastikbecher mit Motomiya- Takeaway- Nudeln.

Daisuke drückte ihm sehr diskret und unauffällig die Lippen auf die schweißnasse Schläfe.

„Hey... du hast schon wieder im Schlaf so gestöhnt. Wars ein guter oder ein übler Traum?“

Ken ächzte. Nach dem ersten Schreck schlang er beide Arme um seinen Freund. Im Moment schienen sie allein im Krankenzimmer zu sein, also-... was zur Hölle.

Daisuke drückte ihn, hielt ihn fest.

„Tut mir leid, dass ich´s nicht eher geschafft habe“, flüsterte er, „Ich weiß nicht, wie ich das je wieder gut machen kann... du hast meinem Sohn das Leben gerettet“

Ken schüttelte leicht den Kopf. Bitte nicht. Er konnte jetzt kein Lob ertragen. Nicht das noch.

„War doch... selbstverständlich“, flüsterte er.

~


Date: 2014-07-20 01:09 pm (UTC)
From: [identity profile] nebel-kraehe.livejournal.com
Nachdem das letzte Kapitel so fluffig und schön war ("...Sie sind nett", war n wünderschönes Ende), tut das hier umso mehr weh. Kens Trauma und sein Selbsthass und die zerbrochene Ehe mit Yolei und dass er immer noch keine Freundlichkeit/Dankbarkeit erträgt... wieder mal perfekt umgesetzt ;_;

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