luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Kalliope
Challenge: h/c - „Wann hast du das letzte Mal geschlafen?“
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Nathalie, Simone
Anmerkung: Irgendwie fehlt hier der Comfort... den liefer ich im nächsten Teil nach. Die beiden Damen hatten ihre eigenen Pläne.
Wörter: 1299


Eher lustlos drehte Nathalie ihren Cocktail auf dem Tisch hin und her. Es war unfair, dass sie so still und überhaupt mies gelaunt war, aber sie konnte es nicht ändern. Was sie hätte ändern können war, dass ausgerechnet Simone es abbekam. Das hatte sie nicht verdient.
Aber sie hatte so lange keine Zeit gehabt, da fühlte sie sich einfach verpflichtet, sie endlich wieder zu treffen.
„Sag mal... wann hast du das letzte Mal geschlafen?“, fragte Simone nun und als Nathalie sie ansah, wurde ihr klar, dass sie sie schon länger forschend angestarrt haben musste. Nicht, dass das nötig wäre, um ihre Augenringe zu sehen. Ihre generelle Erschöpfung.
„Definiere schlafen...“
„Sieben Stunden mindestens ohne Unterbrechung.“
„Keine Ahnung. Muss zwei Wochen hersein.“ Vielleicht. Vielleicht auch mehr. Es fühlte sich wie mehr an. Aber ihr war erst vor zwei Wochen siedend heiß klargeworden, dass ihr die Zeit für ihre Bachelorarbeit davonlief. Viel zu schnell. Und sie bei weitem noch nicht so viel geschafft hatte, wie sie gemusst hätte. Das konnte daran liegen, dass Sabine inzwischen etwas zu ernsthaft mit Stephan ausging. Liebeskummer war scheiße.
„Du machst dich kaputt“, stellte Simone fest. „Und du solltest nach Hause gehen und schlafen.“
„Kann nicht schlafen. Meine scheiß Bachelorarbeit schreibt sich noch von alleine... Und als ob du besser wärst, wenn ne Klausur ansteht.“
Diesen Punkt eingestehend hob Simone beide Hände. „Touché. Aber ich schleppe dabei nicht noch den Liebeskummer meines Lebens mit mir rum.“
Autsch... irgendwie tat das weh. Dabei sollte sie wohl froh sein, dass Simone sich nicht in Gedanken so viel mit ihr beschäftigte wie sie sich mit Sabine.
„In einer Woche ist der Abgabetermin. Mir fehlen noch ein Kapitel und das Fazit. Und die Korrektur. Glaub mir, in einer Woche falle ich ins Koma. Mindestens.
„Du weißt, dass ich gerne mal alles gegenlese, oder?“
„Ja.“ Ein Gähnen unterbrach sie und mit einer gemurmelten Entschuldigung fuhr sie fort: „Wenn noch Zeit ist, komme ich gerne darauf zurück. Liang liest es auf jeden Fall, vielleicht noch Oliver. Ich fürchte, für mehr bleibt keine Zeit.“ Sie nahm einen Schluck des pappsüßen Zeugs, das sie bestellt hatte. Es war einer der wenigen Cocktails hier, die sie noch nicht kannte und hatte schon festgestellt, dass es dabei auch gerne hätte bleiben können. Aber er war teuer und sie würde ihr Geld nicht einfach in den Ausguss kippen lassen, wenn sie davon ebenso gut betrunken werden konnte. Vielleicht konnte sie dann endlich mal vernünftig schlafen.
Simone schüttelte leicht den Kopf. Ihre Miene konnte Nathalie dabei nicht deuten. Wollte sie es überhaupt? Sie legte schon jedes Wort und jede Geste von Sabine auf die Goldwaage, da musste sie das nicht noch bei der Frau tun, mit der sie ganz sicher inzwischen zusammen wäre, würde sie nicht immer noch ihre Gefühle für ihre beste Freundin mit sich herumschleppen.
„Das hat so keinen Sinn. Trink aus, wir zahlen.“
„Hä?“
„Ich bringe dich nach Hause und dann gehst du ins Bett. Wenn du deine Bachelorarbeit versaust, weil du dir keine richtigen Pausen gönnst, wirst du dich hinterher nur ärgern.“
„Ich mache doch keine Pause!“
„Nein. Du sitzt hier rum, besäufst dich und grübelst. Das ist keine Pause. Das ist... dumm.“
„Ich grübel nicht!“
„Doch, das tust du. Wir sitzen hier seit einer halben Stunde und haben noch keine zehn Worte miteinander gewechselt.“
„Inzwischen schon.“
„Das zählt wohl kaum. Ich werde mir das hier nicht länger anschauen und deine Mitbewohner werden mir was erzählen, wenn du morgen noch fertiger bist als ohnehin schon.“
„Die merken das doch nicht mal...“ Sabine hatte doch nur noch ihre Studium und Stephan im Kopf. Gut, eher ihr Studium. Der arme Stephan kam erst an zweiter Stelle, was wohl der Grund war, warum sie noch nicht wirklich zusammen waren.
Nathalie hatte nicht einmal etwas gegen Stephan. Er war zwar etwas schräg, aber damit passte er eigentlich gut in ihre Truppe. Und er tat Sabine ganz offensichtlich gut. Richtig gut. Das Problem war aber... sie war eifersüchtig. Verdammt eifersüchtig. Das ganze Gerede in Filmen, dass man nur will, dass der Andere glücklich wird... das traf auf sie nicht zu. Sie wollte nicht, dass Sabine mit Stephan glücklich wurde, sondern mit ihr! Sie war wütend auf sich selbst, weil sie so fühlte und ebenso wütend auf Sabine, weil die einfach nicht kapierte, was sie ihr antat. Was ihr entging.
„Du tust es schon wieder...“ Simones Stimme klang müde. Resigniert.
„Sorry...“
„Los, trink auf. Ich kann das nicht mehr mit ansehen.“
Sie hatte Simones Abend versaut. Toll gemacht. Um es nicht noch schlimmer zu machen leerte Nathalie ihr Glas, schwor sich, das Zeug nie wieder zu bestellen und bezahlte dann bei Simones Kollegin. Die sah zwar etwas verwirrt zwischen ihnen hin und her, aber mit etwas Glück, würde das verpatzte Treffen nicht der nächste Klatsch werden. Keiner wusste schließlich, dass sie beide auf Frauen standen. Oder? Sie fragte nicht nach, sondern sah nur zu, wie die beiden Frauen noch ein wenig plauderten. Irgendwas über das nächste Wochenende und den Dienstplan. Musste Simone da arbeiten? Nathalie hatte gar nicht daran gedacht, zu fragen.
„Sie schläft mit offenen Augen“, hörte sie jemanden lachen. Die Kollegin. Sabine stimmte ein. „Ich sollte sie wirklich heimbringen.“
„Ja, tu das. Wir sehen uns morgen. Kommt gut heim, ihr beiden.“
„Danke“, murmelte Nathalie und Simone zog sie von ihrem Stuhl hoch.
Erst draußen sprach Simone sie dann wieder an. „Du bist mit dem Bus, oder?“
„Ja. Hör mal, du musst nicht mitkommen. Ich finde den Weg wohl alleine.“
Wirklich glücklich wirkte Simone damit nicht. „Okay... sicher?“
„Ganz sicher. Ich gehe auch direkt ins Bett, versprochen.“
„Na gut... aber ich warte noch, bis der Bus kommt. Lass mich eben mein Fahrrad holen.“
Das stand nicht weit weg, daher ging Nathalie einfach mit. „Er müsste in zehn Minuten am Domplatz sein.“ Zum Glück war es noch nicht so spät, dass die Busse zu richtig miesen Zeiten fuhren.
„Gut. Das schaffen wir locker.“
Was keine Kunst war, die Cocktailbar lag nur ein paar Minuten entfernt. Nathalie war froh, dass es nicht so weit war. Der pappsüße Cocktail zeigte etwas zu viel Wirkung für ihren Geschmack und die Müdigkeit schlug voll zu. Vermutlich lag es am Alkohol, anders konnte sie es sich nicht erklären. Es waren noch einige Leute unterwegs, die meisten wirkten aber eher, als würden sie ihren Abend gerade erst beginnen wollen. „Sorry, dass ich dir den Abend versaut habe“, murmelte sie, als sie die Haltestelle erreicht hatten und benutzte Simone einfach als Stütze, sobald diese ihr Rad abgestellt hatte.
„Das ist kein Problem. Wir treffen uns einfach, wenn du deine Bachelorarbeit los bist. Oder ausgeschlafen hast.“
„Übermorgen? Auf einen Kaffee?“
Das leise Lachen war durch den Körperkontakt mehr zu spüren als zu hören. „Kaffee klingt nach einer guten Idee. Ich muss morgen arbeiten, aber bis zum Mittag bin ich dann ausgeschlafen.“
„Super. Dann treffen wir uns einfach hier und sehen dann weiter. Zeit... können wir ja noch klären.“ Das würde jetzt etwas eng werden, der Bus rumpelte schon über das Kopfsteinpflaster und kam zum Stehen.
Simone schob sie hin. „Los, steig ein! Und schreib mir, wenn du daheim bist.“
„Bist du jetzt nicht etwas übervorsichtig?“
„Na und? Ich mache mir eben Sorgen...“
Nathalie wusste nicht, was sie aus den Worten, auf diesem Tonfall machen sollte. Aber jetzt konnte sie da ohnehin nicht weiter drüber nachdenken. Zu müde. Den Kopf zu voll. Also umarmte sie Simone kurz und fest und stieg dann ein. Durch das Fenster begegnete sie noch einmal Simones Blick und hatte mit einem Mal das Gefühl, dass sie hier gerade gewaltigen Mist baute.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios