Team: Erato
Challenge: Angst - "Nie wieder." (für mich)
Fandom: Teen Wolf
Personen/Pairings: Stiles/Scott, Malia, Derek, Lydia, Erwähnung aller anderen
Wörter: ~1.700
Warnung: noch immer düstere AU, dark, smut, angedeuteter character death, apokalyptisch(?)
Anmerkung: Letzter Teil zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.
Ich hab lang überlegt, wie das Ende sein soll und konnte mich letztlich nicht gegen die angsty Variante wehren. Alles andere wäre vermutlich zu unrealistisch gewesen. Es tut mir auch sehr leid, dass alle anderen Figuren hinten anstehen mussten. Andernfalls wäre das ein Buch geworden. Und bitte: Ich weiß, es ist schwer, aber lest bis zum Ende.
Malia kehrt kurz vor Einbruch der Dämmerung zurück. Die Spraydosen stecken in den großen Taschen ihrer schwarzen Jeans und ihre Augen stechen blau in die Finsternis.
Stiles wacht aus dem Halbschlaf auf und spürt, wie Scott, der eng an ihn gedrängt liegt, den Kopf hebt und ihr zunickt, wartet, bis sie sich neben Lydia legt und es wieder still wird.
Er kämpft mit Gewalt eine Panikattacke, die ihm die Kehle hinaufzusteigen versucht wie Sodbrennen, nieder und schmiegt sich noch enger an seinen besten Freund an, bis er wieder einschlafen kann. Mit einer Hand, die über seine Haare streichelt, fällt es nicht ganz so schwer.
Die Rebellen lauern dieser Tage.
Man lässt Hunde, die als Straßenköter getarnt wenigstens kurze Strecken zurücklegen können, Botschaften im Fell tragen. Wer Glück hat, einen Werwolf in der Gruppe zu haben, macht aus ihm einen ganz eigenen Fernmelder. Es hat mit den Navajo-Funkern im Pazifikkrieg funktioniert und wie es aussieht, haben die Menschen bislang nicht den Code der Werwölfe knacken können. Er ist so speziell, dass ihn nur geborene Werwölfe beherrschen. Selbst Scott steht davor wie ein Analphabet.
Die Menschen. Stiles muss ab und an darüber lachen, wie sehr er sich inzwischen von seiner eigenen Spezies absondert. Die Menschen ist ein Synonym geworden für den Wahnsinn des Backlash, diese Kreaturen, die seit etwa zwei Jahren an der Macht und in den Gerichtshöfen sitzen, die ein lebensfeindliches Gesetz nach dem anderen abnicken, geschrieben mit den geifernden Händen von radikalen, alten, weißen Männern, die sich ein Jahrzehnt zu lange bedroht gefühlt haben. Verbot von Abtreibung und Verhütung, die Illegalisierung von allem, was nicht der Heterosexualität entspricht, von allem, was nicht Mensch ist. Stiles fühlt sich, als sei er in einem schrägen Marvel-Paralleluniversum gelandet.
Nein, er ist kein Mensch mehr.
Er ist Schatten, ein Mann ohne Namen, der Teil seines Rudels, der es an seine Sterblichkeit erinnert, ein Anker und- ja, so kitschig es auch klingt – Geliebter.
Die Straßen sind voll von den Schmierereien der Rebellen.
NIE WIEDER! sprühen sie an die Geschäfte, Hauswände, über alberne Werbeplakate für Dunkin' Donuts. Malia lässt sich von ihren nächtlichen Streifzügen nicht abhalten, egal wie sehr Stiles sie bittet, es zu lassen, weil die Gefahr, aufgegriffen und wieder eingesperrt zu werden, zu groß ist.
Manchmal sitzt das Rudel im Unterschlupf vor Lydias Laptop und sieht sich eine der offiziellen Ansprachen des neuen Präsidenten an.
„Bürger Amerikas müssen nun zusammenhalten, um die Sicherheit für alle zu gewährleisten“, sagt er in nuschelndem Texaner Akzent und hält sich dabei für sehr würdevoll.
„Die Sicherheit aller unserer Familien. Unserer Frauen. Und vor allem unserer Kinder. Wir können und dürfen nicht zulassen, dass unser Staat und unsere Demokratie von Terroristen jeglicher Art bedroht werden.“
Andere sprechen eine direktere Sprache. Sie nennen die Rebellen Unmenschen, Bastarde, Tiere. Seitdem trägt Stiles diese Bezeichnung für sich mit. Er fühlt sich geadelt.
Es ist ein wenig, als würde man wieder am Anbeginn der Zeit aufschlagen. Menschen gegen Tiere. Zivilisation gegen Triebe, sagen sie. Vernunft gegen Natur. Rationalität gegen Instinkt. Glaube gegen Heidentum.
Es treibt Stiles zur Weißglut, bis er sich mit Schweineblut übergießen, laut heulend nackt durch die Straßen tanzen, seinen Werwolffreund zärtlich an sich ziehen und ihn demonstrativ vor aller Augen vögeln will. Einfach nur, um noch mehr zu protestieren.
Er ist sich jedoch bewusst, dass es um so viel mehr als seine Sturheit geht.
In den Gefangenenlagern sterben Menschen und übernatürliche Wesen.
Das hier ist so viel mehr.
Er denkt an die Konzentrationslager der Nazis, an die Gefangenenlager der Japaner, an die Camps in Kalifornien. Geschichte sollte sich nicht wiederholen.
Nie wieder.
Nie wieder.
Natürlich ist es Lydia, die es irgendwann ausspricht. Sie hat die Haare zu einem strengen französischen Zopf geflochten und ihre Gesichtszüge sind mit einem Mal hart und verletzlich zugleich.
„Euch ist klar, dass das ein Kampf auf verlorenem Posten ist.“ Sie verzichtet darauf, die Stimme am Ende zu einer Frage zu erheben.
„Werkreaturen, Druiden, Wendigos und alle zum Trotz. Die haben Bomben. Die haben Atomwaffen.“
„Wir können nicht nichts tun“, erwidert Scott und senkt frustriert den Kopf vor ihr.
„Ich sage, wir kämpfen“, mischt sich Malia ein und verschränkt die Arme, weil das einzige, vor dem sie jemals im Leben wirklich geflüchtet ist, Mathematik in der Schule war.
„Wer aussteigen möchte, soll das machen. Ist doch klar. Niemand muss das hier tun.“
Scott schaut auf von seinem Platz auf dem Boden im immerdunklen Unterschlupf und der Blick seiner Augen bleibt für einen Moment an Derek hängen.
„Ihr habt schon genug verloren.“
Niemand geht.
Es ist die Nacht vor dem Putschversuch, als Stiles sich endlich traut, Scott diese eine Frage ins Ohr zu flüstern. Er hasst sich ein klein wenig dafür, dass er es nicht früher geschafft hat. Bi hin oder her, das ist nichts, was du mal eben deinen besten Freund fragst.
Es stellt sich heraus, dass er sich nicht die geringsten Sorgen hätten machen brauchen.
Scott empfängt ihn warm und weich. Seine Augen flackern auf in der Finsternis, als Stiles ihn anfasst und dann tief küsst, als er beginnt, sich zwischen seinen Schenkeln zu reiben. „Zur Hölle mit allem“, flüstert Stiles gegen Scotts Brust.
„Zur Hölle mit allen. Zur Hölle mit der Welt. Zur Hölle, Mann.“
Was er meint, aber nicht sagen kann: Zur Hölle mit uns.
Er kommt, als Scott vor Erregung zu zittern und wimmern beginnt und dabei wie die schönste Symphonie klingt, stößt ihm frenetisch und unrhythmisch zwischen die Beine und Pobacken, eine Hand an seinem Schwanz. Er schwitzt und winselt und keucht dabei, fühlt sich wie ein dreckiges, unvernünftiges Tier und ist so stolz darauf.
Danach hält er Scott. Oder Scott ihn, das macht keinen großen Unterschied. Sie betasten einander wie blind, fühlen das Leben unter ihren Fingerspitzen summen.
Man verbringt die Dämmerung vor der Apokalypse nicht mit so etwas Unwichtigem wie Schlaf. Nur mit Liebe.
Die Werwölfe heulen von allen Seiten.
Rauch steigt auf und es wird bald klar, dass aus den Kapseln ein Gasgemisch mit Eisenhut austritt. Scott und die anderen reißen die Gasmasken vor ihre Gesichter und ihre Krallen fahren blitzschnell hervor.
Stiles spürt Allison an seiner Seite und sieht vor sich das Weiße Haus, an dem er nie zuvor gewesen ist. Nicht mal auf einem dämlichen Schulausflug. Es steht ehrwürdig vor ihm und stummt wie die blinde Kraft der falschen Demokratie, die in ihm wohnt.
Hubschrauber kreisen über ihnen, es kracht und rattert um sie herum.
Auf allen Seiten fallen Werkreaturen zu Boden, fauchen, stehen wieder auf. Allison, Chris, Deaton und die anderen Druiden erheben Panzerfäuste und schießen einen der Helikopter ab. Er beginnt, sich um seine eigene Achse zu drehen und schwebt hernieder, kollidiert mit der schönen weißen Wand des Hauses und zerschellt in mehrere schlammig grüne Teile.
Für einen kurzen Augenblick sieht es aus, als hätten sie die Oberhand.
Stiles springt vom Schutzpunkt unter seinem Jeep hervor und sprintet los. Neben ihm setzen sich Derek und Malia in Bewegung, beide lebende Schutzschilde vor dem Kugelhagel und schmerzhafte Erinnerungen daran, dass Stiles trotz allem so ekelhaft menschlich ist.
Im grauen Rauch erkennt er vor sich Scott und Isaac, beide die Köpfe erhoben und heulend. Stiles fragt sich, wie er es rechtzeitig zu Lydia und Cora ins Innere des Gebäudes schaffen soll um mit ihnen die Sicherheitssysteme herunterzufahren, das Haus verletzlich und schutzlos zu machen. Er hat sie das letzte Mal vor einer halben Stunde gesehen und seitdem nichts mehr über das Walkie Talkie gehört, das Derek bei sich trägt. Sie stehen kurz davor, dieses verfluchte Gebäude unter ihre Kontrolle zu bringen. Es ist kein Sieg, das weiß jeder, aber es ist immerhin ein Symbol. Etwas, für das es sich lohnt, anschließend wahrscheinlich für immer in irgendwelchen Lagern zu versauern.
Stiles wollte nie ein Held sein.
Es ist nichts, was man sich aussucht. Es kommt über einen.
Die restlichen beiden Helikopter hängen wie gigantische Libellen in der Luft. Der Wind ihrer Rotoren drückt Äste umliegender Bäume zu Boden, schlägt Wellen in den Rasen. Stiles kann tatsächlich den Soldaten, die an den offenen Einstiegen hängen, in die Augen sehen, wenn er sich anstrengt. Von Tier zu Mensch.
Seltsam wird es erst, als er bemerkt, dass die Hubschrauber beide langsam abdrehen, dass die Soldaten, die neben ihnen am Boden gegen Rebellen gekämpft haben, sich zurückziehen.
Seine Brust krampft sich zusammen.
„Scott“, schreit er durch das Brausen der Helikopter.
„Scott!“
Sein Freund dreht sich zu ihm um und reißt sich die Maske vom Kopf. Seine Augen sind blutrot.
„Hier passiert irgendwas!“, brüllt Stiles über den Wind.
„Und es gefällt mir nicht!“
Das ist der Moment, in dem Derek an seine Schulter fasst, so fassungslos, dass er darüber vergisst, die Krallen einzuziehen und durch Stiles' schwarze Jacke aus Segeltuch sticht.
Über dem Schmerz hebt Stiles den Blick und sieht die Schatten am Himmel.
Nie wieder, denkt er in dem Augenblick ohne es zu wollen.
So viele Dinge. Nie wieder.
Zur Hölle mit uns.
Er hört Lydias markerschütternden Schrei durch Dereks Walkie Talkie, als die Jets schon beinahe über ihnen sind.
Schwarze Klumpen fliegen aus geöffneten Klappen der Jägerflugzeuge, unförmige Eier, die sich in der Luft drehen.
Stiles spürt, wie sein bester Freund nach ihm fasst, nach seinen Händen, seine Armen, ihn nahe an sich heranzieht. Alles geschieht ganz langsam und leise.
Er klammert sich an Scott, fühlt Derek nach seinen Schultern greifen. Es ist okay, denkt er. Er ist nicht allein.
Scott presst seine Wange gegen die von Stiles, drückt ihn so sehr gegen sich, dass es schmerzt.
„Ich lieb' dich!“, flüstert er heiser.
Alles wird heiß und rot und zornig.
Dann ist da nichts mehr.
Stiles wacht schreiend auf.
„Hey, Stiles, alles okay? Es ist fast vier Uhr morgens.“
„Ja, sorry, ich musste nur... ich konnte nicht.“
„Du klingst vollkommen fertig. Ist alles in Ordnung? Soll ich vorbeikommen?“
„Nein, schon okay, schon- es ist nur- Alter, ich hatte einen wirklich, wirklich lebhaften Alptraum. Einen verdammt langen Traum.“
„So wie...damals? Wie beim Nogitsune?“
„Nein, anders. Es war... okay, du darfst mich jetzt nicht auslachen, aber es war, als würde ich in die Zukunft sehen. Alter, und was für eine.“
„Ich würde dich nie auslachen. Und nach allem, was wir so durch haben, glaube ich sofort, dass du grade eine Vision hattest.“
„Es ist nur... Was macht man damit? Ich meine, wie geht man mit sowas um? Ich will nicht jammern, aber es war ein wirklich, wirklich beschissener Traum.“
„Ich denke, man kann nur versuchen alles zu tun, damit er sich nicht bewahrheitet.“
„Hm.“
„Ich komm rüber, okay? Bin in fünf Minuten da.“
„Okay. Danke, Kumpel.“
ENDE
Challenge: Angst - "Nie wieder." (für mich)
Fandom: Teen Wolf
Personen/Pairings: Stiles/Scott, Malia, Derek, Lydia, Erwähnung aller anderen
Wörter: ~1.700
Warnung: noch immer düstere AU, dark, smut, angedeuteter character death, apokalyptisch(?)
Anmerkung: Letzter Teil zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.
Ich hab lang überlegt, wie das Ende sein soll und konnte mich letztlich nicht gegen die angsty Variante wehren. Alles andere wäre vermutlich zu unrealistisch gewesen. Es tut mir auch sehr leid, dass alle anderen Figuren hinten anstehen mussten. Andernfalls wäre das ein Buch geworden. Und bitte: Ich weiß, es ist schwer, aber lest bis zum Ende.
Malia kehrt kurz vor Einbruch der Dämmerung zurück. Die Spraydosen stecken in den großen Taschen ihrer schwarzen Jeans und ihre Augen stechen blau in die Finsternis.
Stiles wacht aus dem Halbschlaf auf und spürt, wie Scott, der eng an ihn gedrängt liegt, den Kopf hebt und ihr zunickt, wartet, bis sie sich neben Lydia legt und es wieder still wird.
Er kämpft mit Gewalt eine Panikattacke, die ihm die Kehle hinaufzusteigen versucht wie Sodbrennen, nieder und schmiegt sich noch enger an seinen besten Freund an, bis er wieder einschlafen kann. Mit einer Hand, die über seine Haare streichelt, fällt es nicht ganz so schwer.
Die Rebellen lauern dieser Tage.
Man lässt Hunde, die als Straßenköter getarnt wenigstens kurze Strecken zurücklegen können, Botschaften im Fell tragen. Wer Glück hat, einen Werwolf in der Gruppe zu haben, macht aus ihm einen ganz eigenen Fernmelder. Es hat mit den Navajo-Funkern im Pazifikkrieg funktioniert und wie es aussieht, haben die Menschen bislang nicht den Code der Werwölfe knacken können. Er ist so speziell, dass ihn nur geborene Werwölfe beherrschen. Selbst Scott steht davor wie ein Analphabet.
Die Menschen. Stiles muss ab und an darüber lachen, wie sehr er sich inzwischen von seiner eigenen Spezies absondert. Die Menschen ist ein Synonym geworden für den Wahnsinn des Backlash, diese Kreaturen, die seit etwa zwei Jahren an der Macht und in den Gerichtshöfen sitzen, die ein lebensfeindliches Gesetz nach dem anderen abnicken, geschrieben mit den geifernden Händen von radikalen, alten, weißen Männern, die sich ein Jahrzehnt zu lange bedroht gefühlt haben. Verbot von Abtreibung und Verhütung, die Illegalisierung von allem, was nicht der Heterosexualität entspricht, von allem, was nicht Mensch ist. Stiles fühlt sich, als sei er in einem schrägen Marvel-Paralleluniversum gelandet.
Nein, er ist kein Mensch mehr.
Er ist Schatten, ein Mann ohne Namen, der Teil seines Rudels, der es an seine Sterblichkeit erinnert, ein Anker und- ja, so kitschig es auch klingt – Geliebter.
Die Straßen sind voll von den Schmierereien der Rebellen.
NIE WIEDER! sprühen sie an die Geschäfte, Hauswände, über alberne Werbeplakate für Dunkin' Donuts. Malia lässt sich von ihren nächtlichen Streifzügen nicht abhalten, egal wie sehr Stiles sie bittet, es zu lassen, weil die Gefahr, aufgegriffen und wieder eingesperrt zu werden, zu groß ist.
Manchmal sitzt das Rudel im Unterschlupf vor Lydias Laptop und sieht sich eine der offiziellen Ansprachen des neuen Präsidenten an.
„Bürger Amerikas müssen nun zusammenhalten, um die Sicherheit für alle zu gewährleisten“, sagt er in nuschelndem Texaner Akzent und hält sich dabei für sehr würdevoll.
„Die Sicherheit aller unserer Familien. Unserer Frauen. Und vor allem unserer Kinder. Wir können und dürfen nicht zulassen, dass unser Staat und unsere Demokratie von Terroristen jeglicher Art bedroht werden.“
Andere sprechen eine direktere Sprache. Sie nennen die Rebellen Unmenschen, Bastarde, Tiere. Seitdem trägt Stiles diese Bezeichnung für sich mit. Er fühlt sich geadelt.
Es ist ein wenig, als würde man wieder am Anbeginn der Zeit aufschlagen. Menschen gegen Tiere. Zivilisation gegen Triebe, sagen sie. Vernunft gegen Natur. Rationalität gegen Instinkt. Glaube gegen Heidentum.
Es treibt Stiles zur Weißglut, bis er sich mit Schweineblut übergießen, laut heulend nackt durch die Straßen tanzen, seinen Werwolffreund zärtlich an sich ziehen und ihn demonstrativ vor aller Augen vögeln will. Einfach nur, um noch mehr zu protestieren.
Er ist sich jedoch bewusst, dass es um so viel mehr als seine Sturheit geht.
In den Gefangenenlagern sterben Menschen und übernatürliche Wesen.
Das hier ist so viel mehr.
Er denkt an die Konzentrationslager der Nazis, an die Gefangenenlager der Japaner, an die Camps in Kalifornien. Geschichte sollte sich nicht wiederholen.
Nie wieder.
Nie wieder.
Natürlich ist es Lydia, die es irgendwann ausspricht. Sie hat die Haare zu einem strengen französischen Zopf geflochten und ihre Gesichtszüge sind mit einem Mal hart und verletzlich zugleich.
„Euch ist klar, dass das ein Kampf auf verlorenem Posten ist.“ Sie verzichtet darauf, die Stimme am Ende zu einer Frage zu erheben.
„Werkreaturen, Druiden, Wendigos und alle zum Trotz. Die haben Bomben. Die haben Atomwaffen.“
„Wir können nicht nichts tun“, erwidert Scott und senkt frustriert den Kopf vor ihr.
„Ich sage, wir kämpfen“, mischt sich Malia ein und verschränkt die Arme, weil das einzige, vor dem sie jemals im Leben wirklich geflüchtet ist, Mathematik in der Schule war.
„Wer aussteigen möchte, soll das machen. Ist doch klar. Niemand muss das hier tun.“
Scott schaut auf von seinem Platz auf dem Boden im immerdunklen Unterschlupf und der Blick seiner Augen bleibt für einen Moment an Derek hängen.
„Ihr habt schon genug verloren.“
Niemand geht.
Es ist die Nacht vor dem Putschversuch, als Stiles sich endlich traut, Scott diese eine Frage ins Ohr zu flüstern. Er hasst sich ein klein wenig dafür, dass er es nicht früher geschafft hat. Bi hin oder her, das ist nichts, was du mal eben deinen besten Freund fragst.
Es stellt sich heraus, dass er sich nicht die geringsten Sorgen hätten machen brauchen.
Scott empfängt ihn warm und weich. Seine Augen flackern auf in der Finsternis, als Stiles ihn anfasst und dann tief küsst, als er beginnt, sich zwischen seinen Schenkeln zu reiben. „Zur Hölle mit allem“, flüstert Stiles gegen Scotts Brust.
„Zur Hölle mit allen. Zur Hölle mit der Welt. Zur Hölle, Mann.“
Was er meint, aber nicht sagen kann: Zur Hölle mit uns.
Er kommt, als Scott vor Erregung zu zittern und wimmern beginnt und dabei wie die schönste Symphonie klingt, stößt ihm frenetisch und unrhythmisch zwischen die Beine und Pobacken, eine Hand an seinem Schwanz. Er schwitzt und winselt und keucht dabei, fühlt sich wie ein dreckiges, unvernünftiges Tier und ist so stolz darauf.
Danach hält er Scott. Oder Scott ihn, das macht keinen großen Unterschied. Sie betasten einander wie blind, fühlen das Leben unter ihren Fingerspitzen summen.
Man verbringt die Dämmerung vor der Apokalypse nicht mit so etwas Unwichtigem wie Schlaf. Nur mit Liebe.
Die Werwölfe heulen von allen Seiten.
Rauch steigt auf und es wird bald klar, dass aus den Kapseln ein Gasgemisch mit Eisenhut austritt. Scott und die anderen reißen die Gasmasken vor ihre Gesichter und ihre Krallen fahren blitzschnell hervor.
Stiles spürt Allison an seiner Seite und sieht vor sich das Weiße Haus, an dem er nie zuvor gewesen ist. Nicht mal auf einem dämlichen Schulausflug. Es steht ehrwürdig vor ihm und stummt wie die blinde Kraft der falschen Demokratie, die in ihm wohnt.
Hubschrauber kreisen über ihnen, es kracht und rattert um sie herum.
Auf allen Seiten fallen Werkreaturen zu Boden, fauchen, stehen wieder auf. Allison, Chris, Deaton und die anderen Druiden erheben Panzerfäuste und schießen einen der Helikopter ab. Er beginnt, sich um seine eigene Achse zu drehen und schwebt hernieder, kollidiert mit der schönen weißen Wand des Hauses und zerschellt in mehrere schlammig grüne Teile.
Für einen kurzen Augenblick sieht es aus, als hätten sie die Oberhand.
Stiles springt vom Schutzpunkt unter seinem Jeep hervor und sprintet los. Neben ihm setzen sich Derek und Malia in Bewegung, beide lebende Schutzschilde vor dem Kugelhagel und schmerzhafte Erinnerungen daran, dass Stiles trotz allem so ekelhaft menschlich ist.
Im grauen Rauch erkennt er vor sich Scott und Isaac, beide die Köpfe erhoben und heulend. Stiles fragt sich, wie er es rechtzeitig zu Lydia und Cora ins Innere des Gebäudes schaffen soll um mit ihnen die Sicherheitssysteme herunterzufahren, das Haus verletzlich und schutzlos zu machen. Er hat sie das letzte Mal vor einer halben Stunde gesehen und seitdem nichts mehr über das Walkie Talkie gehört, das Derek bei sich trägt. Sie stehen kurz davor, dieses verfluchte Gebäude unter ihre Kontrolle zu bringen. Es ist kein Sieg, das weiß jeder, aber es ist immerhin ein Symbol. Etwas, für das es sich lohnt, anschließend wahrscheinlich für immer in irgendwelchen Lagern zu versauern.
Stiles wollte nie ein Held sein.
Es ist nichts, was man sich aussucht. Es kommt über einen.
Die restlichen beiden Helikopter hängen wie gigantische Libellen in der Luft. Der Wind ihrer Rotoren drückt Äste umliegender Bäume zu Boden, schlägt Wellen in den Rasen. Stiles kann tatsächlich den Soldaten, die an den offenen Einstiegen hängen, in die Augen sehen, wenn er sich anstrengt. Von Tier zu Mensch.
Seltsam wird es erst, als er bemerkt, dass die Hubschrauber beide langsam abdrehen, dass die Soldaten, die neben ihnen am Boden gegen Rebellen gekämpft haben, sich zurückziehen.
Seine Brust krampft sich zusammen.
„Scott“, schreit er durch das Brausen der Helikopter.
„Scott!“
Sein Freund dreht sich zu ihm um und reißt sich die Maske vom Kopf. Seine Augen sind blutrot.
„Hier passiert irgendwas!“, brüllt Stiles über den Wind.
„Und es gefällt mir nicht!“
Das ist der Moment, in dem Derek an seine Schulter fasst, so fassungslos, dass er darüber vergisst, die Krallen einzuziehen und durch Stiles' schwarze Jacke aus Segeltuch sticht.
Über dem Schmerz hebt Stiles den Blick und sieht die Schatten am Himmel.
Nie wieder, denkt er in dem Augenblick ohne es zu wollen.
So viele Dinge. Nie wieder.
Zur Hölle mit uns.
Er hört Lydias markerschütternden Schrei durch Dereks Walkie Talkie, als die Jets schon beinahe über ihnen sind.
Schwarze Klumpen fliegen aus geöffneten Klappen der Jägerflugzeuge, unförmige Eier, die sich in der Luft drehen.
Stiles spürt, wie sein bester Freund nach ihm fasst, nach seinen Händen, seine Armen, ihn nahe an sich heranzieht. Alles geschieht ganz langsam und leise.
Er klammert sich an Scott, fühlt Derek nach seinen Schultern greifen. Es ist okay, denkt er. Er ist nicht allein.
Scott presst seine Wange gegen die von Stiles, drückt ihn so sehr gegen sich, dass es schmerzt.
„Ich lieb' dich!“, flüstert er heiser.
Alles wird heiß und rot und zornig.
Dann ist da nichts mehr.
Stiles wacht schreiend auf.
„Hey, Stiles, alles okay? Es ist fast vier Uhr morgens.“
„Ja, sorry, ich musste nur... ich konnte nicht.“
„Du klingst vollkommen fertig. Ist alles in Ordnung? Soll ich vorbeikommen?“
„Nein, schon okay, schon- es ist nur- Alter, ich hatte einen wirklich, wirklich lebhaften Alptraum. Einen verdammt langen Traum.“
„So wie...damals? Wie beim Nogitsune?“
„Nein, anders. Es war... okay, du darfst mich jetzt nicht auslachen, aber es war, als würde ich in die Zukunft sehen. Alter, und was für eine.“
„Ich würde dich nie auslachen. Und nach allem, was wir so durch haben, glaube ich sofort, dass du grade eine Vision hattest.“
„Es ist nur... Was macht man damit? Ich meine, wie geht man mit sowas um? Ich will nicht jammern, aber es war ein wirklich, wirklich beschissener Traum.“
„Ich denke, man kann nur versuchen alles zu tun, damit er sich nicht bewahrheitet.“
„Hm.“
„Ich komm rüber, okay? Bin in fünf Minuten da.“
„Okay. Danke, Kumpel.“
ENDE
no subject
Date: 2014-07-14 09:01 pm (UTC)Scheiße, es ist Teen Wolf... die würden das wirklich bringen!
Hast du mich mit dem Ende (also dem Traum-Ende) vielleicht erschreckt. Du kannst sie doch nicht einfach sterben lassen! ._. Scott und Stiles... ich rede mir jetzt einfach ein, dass das wirklich nur ein Traum war und in dem Universum nienienie passieren wird. Sie leben alle ihr happily ever after. *nick* So weit es da halt möglich ist.
no subject
Date: 2014-07-15 04:11 am (UTC)Eben drum! xD Außerdem gibt es im Fandom so viel Magic!Stiles, da fällt das hier kaum noch auf xD
Nein, ich kann sie ja auch nicht sterben lassen ;_; Kennst du das, das man im Traum nie sterben kann? Man wacht immer auch, in dem Moment - oder es fängt ein neuer Traum an. So musst du dir das hier auch vorstelllen. Ich mochte den Gedanken, des "Es ist nicht wirklich passiert, aber die Chanchen, alles genau so eintreffen kann, stehen erstaunlich gut". Außerdem haben wir doch in Inception gelernt, dass man im Traum nie weiß, wie man irgendwo gelandet ist -letztlich weiß Stiles auch nicht mehr, wie er am Anfang der Geschichte in dem Lager gelandet ist. :D
Alles. Ist. Gut. <>__<>
Danke für's Lesen *flausch* *-*
no subject
Date: 2014-07-16 12:34 pm (UTC)Das ist... alles. Fuck. Trotz der Werwölfe ist das Szenario einfach viel zu... nahe dran. Und das "es war ein Traum"-Ende hämmert das noch mal wirklich gut nach hause.
Und von dem allgemeinen Unwohlsein, das ein "Wirklich weit sind wir nicht mehr weg, schon wieder" verursacht, abgesehen: Oh wow. Es passt so. Allison und Stiles, die einander brauchen um die anderen zu retten, ah, ich liebe Team ups der beiden. Und wie du die Erwachsenen eingebaut hast und dann die wunderbaren Kleinigkeiten, die Stiles im vorletzten Teil erfährt sind so herzerwärmend, es tut fast weh.
Wunderbar, wieviel besser die Welt auf einmal aussieht, je mehr Rudel zusammen ist: Stiles alleine tut nur weh, mit Allison keimt Hoffnung auf und sobald Stiles und Scott sich wiederhaben, ist alles nur noch halb so schlimm.
Und jetzt... bin ich weiter ein bisschen overwhelmed und setze mich in die Sonne. Das... brauch ich jetzt. Danke dafür.^^
no subject
Date: 2014-07-25 07:32 pm (UTC)Vielen lieben Dank für's Lesen, freut mich, dass es dir gefallen hat *-*
Ich liebe Stallison-Action auch total gerne... ich wünschte, davon hätten wir noch mehr zu sehen bekommen....;_;
Und ja, icch arbeite immer nach dem Motto: Wenn Skittles beisammen sind, geht es irgendwie. Weswegen 3b auch so schlimm war teilweise. ._.