[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Erato
Challenge: H/C- "Tut es sehr weh?" (Für mich)
Fandom: Teen Wolf
Personen/Pairings: Scott/Stiles, Derek, alle anderen vom Hippie-Rudel
Wörter: ~1.500
Warnung: immer noch düstere AU, dark, wenn auch sehr viel fluffiger als die anderen Teile
Anmerkung: Fortsetzung zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4. Das hier ist der vorletzte Teil. Viel Comfort. Es wurde Zeit.

Floating down as colors fill the light
We look up from the ground in fields of paperwhite
And floating up you pass us in the night
A future gazing out a past to overwrite


Stiles wünscht sich Eis, das er im Bett essen kann.
Oder eine Packung Reese's Peanut Butter Cups.
Oder zumindest Kaffee.
Morgens scheint die Sonne verhalten und in hellen Lichtstrichen durch die verbarrikadierten Fenster, so dass man Sonnenstäubchen vor den Augen tanzen sehen kann.
Die Martins waren so lange nicht mehr in diesem Häuschen, dass es von innen und von außen ganz vergessen und staubig aussieht.

Die ersten vierundzwanzig Stunden hat Scott durchgeschlafen. Wie tot möchte Stiles im Gedanken anfügen, aber die Worte tun ihm zu sehr weh und er lässt es bleiben. Er ist nicht von der Seite seines besten Freundes gewichen. Nicht, dass er gekonnt hätte. Nach der Befreiungsaktion ist ihm ein ganzen Gebirge von Anspannung von den Schultern gerutscht und er ist einfach neben Scott auf das Bett zwischen die Kissen gefallen.

Es ist Morgen und von außerhalb des Elternschlafzimmers dringen geschäftige Geräusche. Geschirr klappert. Man hört Malia mit Allison reden.

Scott liegt an Stiles gedrängt, die Stirn gegen dessen Brust gedrückt und beide Arme um ihn geschlungen, als sei der ein gigantischer Teddybär.
Im Halbdunkeln zucken seine Nasenflügel und als er die Augen öffnet, weil knarrend die Tür zum Schlafzimmer aufgeht, macht er ein halb ersticktes Geräusch tief in seiner Kehle.
Stiles spürt, wie er unwillkürlich einen Arm fester um seinen Freund legt.

Derek lauert in seiner Hale'schen Art einen Augenblick zu lang im Türrahmen, ehe er reinkommt, auf dem Nachttisch zwei dampfende Becher mit Flüssigkeit abstellt (Kaffee! jubiliert Stiles' Geruchssinn) und sich auf den Stuhl daneben setzt. Sein Blick ist ruhig und ernst.
„Was ist los?“, flüstert Stiles ihm zu während er Scott beruhigend über den Rücken streicht, während der mit winzigen, wimmernden Geräuschen seine Nase gegen Stiles' T-Shirt drückt.

„Ich wollte nach euch sehen“, entgegnet Derek und schaut sehr, sehr lange auf Scott herab.

Es ist mittlerweile etwa 40 Stunden her, dass sie in Nevada in den Jeep gestiegen und mit Vollgas abgehauen sind. Aber die Art, wie Scott das Gesicht verzieht, verrät, dass die Wirkung des Eisenhuts noch immer anzuhalten scheint.

„Hey“, wispert Stiles vorsichtig. Er stützt sich langsam einen Ellenbogen auf und streicht Scott wirre Strähnen aus dem Gesicht.
„Tut es...tut es noch sehr weh?“

Scotts Haare rascheln am Bettzeug, als er langsam den Kopf schüttelt. Wie immer ist er ein kolossal schlechter Lügner. Selbst Derek bemerkt das. Im Dämmerlicht des Raumes beugt er sich vor und seine gute Hand fasst nach dem Oberarm seines Alphas.

Stiles schlägt sie weg, bevor er darüber nachdenken kann.

„Ich hab gesagt, du brichst ihm nicht den Arm!“, faucht er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Alles in ihm schreit für eine Sekunde auf. Er kennt Dereks Methoden, er hat sie vor Jahren gesehen, und verdammt, ein winziger Teil in Stiles traut Derek sogar zu, dass er versuchen könnte, seine Prügellehrermethoden noch immer an Scott anzuwenden, auch wenn der inzwischen sein Alpha ist.
„Das hatte ich auch gar nicht vor“, erwidert Derek ärgerlich.

„Ich will doch nur...“

Für eine Sekunde ist es, als ob die Rollen vertauscht sind. Derek sitzt vorsichtig und mit erhobener Hand da, fokussiert Stiles, der sich halb über Scott geworfen hat, um eben diese Hand wegzuschlagen, der eine unendliche Anspannung in allen seinen Gliedern spürt.

Quälend langsam legt Derek die Hand auf Scotts dünnen Bizeps und Stiles' Blick lässt erst von ihm ab, als er die schwarzen Schmerzadern über den Arm des Betas pulsieren sieht.

Scott atmet wohlig tief ein.

Zum ersten Mal seit der Nacht in Nevada sind seine Augen klar und seinem Körper entweicht eine Anspannung, die Stiles bis eben nicht einmal gespürt hat.
Mit trockenen Lippen schaut er zu Derek hinauf.

„Danke.“



Danach geht es endlich bergauf. Es ist, als ob Scott seinen eigenen Führungsstil an sich selbst beweist: Sanftes Anstupsen statt brutalem „Zuckerbrot und Peitsche“. So schuldig er Derek dabei zugesehen hat, wie der mit blassem Gesicht und beladen mit seinem Schmerz wieder abgezogen ist, umso besser scheint er sich fortan zu fühlen.

Was bleibt, ist unendliche Erschöpfung.

Und etwas anderes, etwas, das Stiles vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben in einem anderen Licht sieht.

Die Art, wie er es nicht wagt, seinem besten Freund von der Seite zu weichen. Wie er schützend die Arme um ihn legt, wenn Scott schweißgebadet aus einem Alptraum aufwacht, wie er selbst verschwitzt aufwacht, weil er im Schlaf sieht, wie er zu spät zur Rettung kommt. Die Art, mit der Scott sich nicht gegen den tierischen Instinkt wehren kann, zärtlich kitzelnd über Stiles' Kehle zu lecken, um sie beide zu beruhigen. Wie er die Nase an Stiles' Hals, an seinen Schläfen entlangfahren lässt.
Es ist auf eine angenehme Weise ansteckend. Stiles ist so eng mit Scott befreundet, dass er nichts dabei findet, eng aneinandergekuschelt im selben Bett zu schlafen (und das, seit er denken kann). Er hat nicht so ganz geahnt, dass es noch viel, viel inniger werden könnte.

„Tut es noch weh?“, fragt er am späten Nachmittag, als Scott in die nächste Wachphase gleitet, und er genießt, wie das dünne Lichte die fahlen Wangen seines Freundes streichelt.
„Nein, nicht mehr“, sagt Scott mit inzwischen fast gar nicht mehr heiserer Stimme. Und er beugt sich über Stiles und küsst ihn auf Stirn. Und dann auf die Schläfe.

Und dann auf den Mund.

Stiles kann sich nicht erinnern, wann er sich zuletzt so wohl gefühlt hat.

„Können wir noch ein bisschen schlafen?“, flüstert Scott dann vorsichtig, als ob nicht er der Alpha ist.
„Nur noch ein bisschen?“
Er schlingt sich um Stiles herum, als dieser die Arme wieder um ihn legt und ihn zurück in die warme Bettdecke wickelt.
„Na klar“, wispert Stiles.
„Wir können schlafen solange du willst.“

„Nein.“
Scott schluckt gegen ihn.
„Können wir nicht.“

„Okay, vielleicht können wir das nicht. Aber wenigstens noch ein bisschen.“

„Nur noch ein bisschen.“

Sein Freund wiederholt es noch einige Male mit der Unbewusstheit, die ein Tiger an den Tag legt, der ununterbrochen in einem Käfig auf- und abläuft.


Der Rest des Rudels gibt sich Mühe, sie beide zurück in die Welt der Lebenden zu führen. Die Stille des Sees, an dem das Wochenendhaus der Martins liegt, hilft ihnen dabei. Stiles erfährt so viele, kleine und schöne Dinge.

Zum Beispiel: Sein Vater hat Malia in der Zwischenzeit das Angeln beigebracht.
Chris kann die leckersten Spaghetti der Welt kochen. Isaac kann so lange „toter Mann“ im Wasser machen, bis er dabei einschläft.
Derek kann sich mit Kira stundenlang über Weltliteratur unterhalten.
Melissa nimmt Lydia inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit in die Arme, an der nie jemand gezweifelt hätte.

Für einige Tage sind sie eine mittelgroße Hippie-Kommune. Tagsüber werden die Ex-Häftlinge aufgepeppelt, Wunden mit Creme eingesalbt, Haare geflochten, Bärte gestutzt, in der Dämmerung schwimmt man eine Runde durch den See.

An einem Abend, als es dunkel wird, findet Stiles Scott am Steg mit Beinen, die hinab ins Wasser baumeln und mit federleichten Bewegungen Kreise im Wasser ziehen, als würde er der Natur eine Botschaft zumorsen.
Er hat etwas, was Stiles dachte, nie wieder an seinem Werwolffreund zu finden: Eine Gänsehaut – und er legt ihm schnell seinen alten Lacrosse-Hoodie um die Schultern.

Es ist beinahe eine Woche her, dass sie hier Unterschlupf gesucht haben. In der Dunkelheit der schützenden Räume hat man bereits Pläne geschmiedet. Große Pläne.

„Seit wann musst du dich immer um mich kümmern?“, fragt Scott leise lachend, als Stiles sich hinter ihn setzt und zwischen seine Beine in die Arme zieht.

„Machst du Witze? Ich hab mich früher immer um dich gekümmert.“ Er wuschelt ihm durch das gestutzte Haar. Scotts Frisur erinnert ihn an die, die er trug, als er von Peter gebissen wurde. Sie ist ganz weich.

„Früher war ich noch kein Alpha-Werwolf.“

„Pff, du bist immer noch mein Scott. Natürlich muss man sich mal um dich kümmern.“
Stiles grinst schief und drückt dieses Grinsen von hinten in Scotts Schulter wie einen Stempel.

Er bekommt keine Antwort.
Sie sitzen aneinandergekuschelt in der hereinbrechenden Finsternis, bis sie Glühwürmchen über den See schweben sehen.

Vielleicht das letzte Mal.

Für einen kurzen Augenblick spielt Stiles mit dem Gedanken, Scott darum zu bitten, all die großen Pläne fallen zu lassen. Wen interessiert die Welt, wenn sie alle dabei haben, die sie brauchen? Es wäre ein Leichtes, sich bis in die kanadischen Wälder durchzuschlagen und sich ein geheimes Lager zu bauen. Man kann nicht jeden retten.

Aber das geht gegen die Natur eines Werwolfs, der schon mit sechzehn fest davon überzeugt war, jeden retten zu müssen.
Und Stiles muss sein, wo er ist.

Also umfasst er Scott enger, bis er das Zittern durch dessen Körper spüren kann, das nicht davon herrührt, dass er friert.
„Tut es sehr weh?“, flüstert er und meint nicht die längst vergangenen Nachwirkungen des Eisenhuts.

In der Ferne schreit eine Eule und ein Fuchs ruft, und zum ersten Mal seit langem scheint Scott es nicht zu bemerken. Sein Wolf ist müde, unendlich müde.

Er legt den Kopf auf Stiles' Schulter ab und schweigt lange.
Bis seine Wangen nass sind.

„Ja“, gibt er irgendwann erstickt zu.

„Ja.“

(To be continued)

Date: 2014-07-13 01:24 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Das ist so schön ;__; *_*
Ich brauche davon noch ungefähr zehn Kapitel mehr. *sobs* Scott tut mir so leid und Stiles tut mir so leid und alle tun mir so leid und ich bin so froh, dass sie jetzt wenigstens alle zusammen sind!

Und Protective!Stiles! *__* PROTECTIVE!STILES!!!!
Ich würde gerne was kohärentes dazu sagen, aber PROTECTIVE!STILES! *Kurzschluss im Gehirn* *_* *dümmlich grins*

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios