13. H/C: Notaufnahme - für mich
Jul. 12th, 2014 01:26 pmTeam: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - Notaufnahme
Titel: Adlerauge
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Thiel, Nadeshda, Boerne (kurzauftritt Alberich)
Words: 1850
Warnings: unbetaed, uncorrected
Continuation: Teil 1
Kommentar: Ich übe noch. Es ist nur ganz wenig H mit noch weniger C und irgendwie beginnt sich das wie Kaugummi zu ziehen. Abgesehen davon habe ich das Gefühl, dass die Charaktere nicht richtig greifen. Aber naja - mal sehen, ob ich es beim nächsten Mal besser hinkriege.
Adlerauge
"Danke, Nadeshda", sagte Thiel und rieb sich über das Gesicht. Das hieß, er musste von vorne anfangen in seinen Ermittlungen und er hasste das ungemein, wenn so etwas passierte. Warum hielten sich eigentlich die Mörder immer für so unglaublich schlau? 'Es gibt keinen perfekten Mord.' Boernes Worte, die er oft genug zu hören bekam. Manchmal zog er ihn gerne damit auf, aber im Grunde hat er ja Recht. Wer nach der Wahrheit gräbt, wird sie auch finden und irgendwann macht jeder Fehler.
Nur dass ihre liebe Frau Staatsanwältin Klemm ungeduldig ist und das war durchaus verständlich. Ihm wäre es auch lieber gewesen, er könnte den Fall schneller abschließen.
Mit einem schwermütigen Seufzen erhob er sich entschlossen. Die Arbeit machte sich nicht allein. Er musste die Sachen noch einmal durchgehen, die sie am Tatort gefunden hatten - vielleicht fand er dort noch eine Spur. Oder eine Möglichkeit, wo er den Täter finden könnte.
Wenige Stunden später - das Wetter hatte tatsächlich in Regen umgeschlagen, während er und Nadeshda akribisch an dem Fall gearbeitet hatten - kam er zu der Erkenntnis, dass es nichts auffälliges gab. Der Täter war sehr gründlich vorgegangen.
Nachdenklich sah Thiel die ganzen Mitgliedsausweise des Toten an. "Am besten sehen wir uns den Clubs um", murmelte er leise und rief dann seine Kollegin, um sich mit ihr zu besprechen. So wie es aussah, war Peter Birnhofer, der Tote, in sämtlichen Clubs von Münster unterwegs gewesen - alleine würde es einfach zu lange untersuchen.
Während sich Nadeshda die Mitgliedsausweise auch noch einmal durchsah, fragte sie leise: "Vertragen Sie sich eigentlich wieder mit Boerne?"
Thiel riss die Frage ein wenig aus dem Konzept und er begann an zu stammeln, bevor er sich wieder unter Kontrolle hatte und eine flüssige Gegenfrage stellen konnte: "Wieso fragen Sie?"
"Ach, nur so..." Nadeshda hielt dabei die ganze Zeit ihren Blick auf die einzelnen Karten gerichtet, bevor sie sich wieder aufrichtete und lächelte. "Die hier sehen sehr vielversprechend aus. Sie sollten sich dort umhören. Ich erledige die anderen." Irritiert sah Thiel seiner Kollegin nach, bevor er ihr nachrief: "Ah und Nadeshda, versuchen Sie diskret vorzugehen!"
"Schon klar", erwiderte sie und schloss die Verbindungstüre zu ihren Büros. Erst dann sah sich Thiel die Mitgliedskarten an und sprang auf.
"Nadeshda?", sah er in ihr Büro. Das konnte doch nicht wirklich ihr Ernst sein, dass sie ihm die ganzen Clubs für Schwule zugeschoben hatte.
"Ja?", fragte sie unschuldig, ihre Hand am Telefonhörer.
Er sah sie an und entschied sich um. "Nicht so wichtig. Rufen Sie mich an, sobald sie etwas herausgefunden haben."
"Ja, Chef."
Thiel schloss die Türe wieder und nahm die Mitgliedsausweise. Vielleicht sollte er doch noch einmal mit Boerne sprechen. Der war in den gehobenen Kreisen ja fast überall Mitglied und wollte sich doch ohnehin immer an den Ermittlungen beteiligen. Da bekam er jetzt die Möglichkeit.
"Guten Tag, Frau Haller. Ist Boerne hier?", grüßte Thiel die Assistentin des Professors und erwiderte ein leichtes Lächeln, als sie ihn freundlich zurückgrüßte.
"Er ist hinten in seinem Büro", erwiderte sie und machte dann weiter damit - was auch immer sie gerade da machte. Er war ohnehin nur sehr ungerne hier im rechtsmedizinischen Institut.
Durch das Fenster von Boernes Büro sah er auch schon den Gesuchten, aber er zögerte noch wirklich zu klopfen. Wie so oft sah der Rechtsmediziner sehr nachdenklich auf. Er fragte sich ein wenig, was er da gerade auf dem Bildschirm hatte.
Dann rang er sich durch, klopfte kurz und trat ein. "Boerne? Stör ich gerade."
Deutlich erschrocken richtete sich der Professor auf und bevor Thiel noch einen Blick auf den Monitor werfen konnte, hatte Boerne schon das Fenster geschlossen.
"Was kann ich für Sie tun?" Thiel beobachtete, wie sich Boerne in sehr fast ein wenig snobischen Art etwas vorlehnte und seine Hände faltete. Der abwartende Blick machte es Thiel nicht einfacher. Frank wusste einfach nicht, wie er das am Besten zur Sprache brachte.
Dann beschloss er, erst einmal den neuen Ermittlungsstand dem Professor mitzuteilen: "Die Verdächtigen aus dem Fall vor einem Jahr, haben alle ein wasserdichtes Alibi. Nadeshda hat gerade vorhin die letzte Bestätigung erhalten."
Boerne lehnte sich zurück. "Das heißt, wir brauchen einen neuen Verdächtigen."
"Exakt."
"Was hat das mit mir zu tun? Ich habe Ihnen bereits alle Berichte gegeben."
Thiel hatte geahnt, dass das eine schwere Geburt werden würde. Aber da musste er wohl durch.
"Herr Birnhofer... also der Tote war Mitglied in mehreren Clubs. Sie kennen sich doch damit aus, wo sich die schicken Leute herumtreiben. Vielleicht..."
"Mein lieber Herr Thiel", erhob sich Boerne auf den Tisch gestützt und Thiel wusste, dass er Runde eins verloren hatte. "Sie waren es doch, der eine strikte Trennung von der Rechtsmedizin und den Ermittlungsarbeiten haben wollten. Und waren es nicht auch Sie, der darauf bestanden hat, dass ich mich aus allem raushalte. Also bitte" Boerne winkte Richtung Türe, während er sich wieder setzte. "Machen Sie Ihre Arbeit. Sie brauchen mich dazu ja nicht."
"Mensch Boerne, jetzt stellen Sie sich doch nicht so an", versuchte es Thiel auf andere Art. "Sie wissen doch, wie das ist. Sie können nicht meine Authorität untergraben und erwarten, dass ich das stillschweigend zulasse." Er sagte ja eh oft genug nichts und drückte beide Augen zu, wenn Boerne mal wieder etwas nicht ganz so legales machte, nur um mehr herauszufinden. Immer noch reichlich nervös spielte er mit den Mitgliedsausweisen.
"Also erstens einmal habe ich sicher nicht Ihre Authorität untergraben. Ich habe nur angemerkt, dass..."
"Sie brauchen es nicht zu wiederholen", unterbrach ihn Thiel ungehalten. "Ich weiß, was Sie gesagt haben." Und es war nicht in Ordnung gewesen. Schon gar nicht vor der Staatsanwältin.
"Wenn Sie das wissen, sollte Ihnen doch klar sein, dass es nichts mit ihrer Authorität zu tun hat. Fakt ist, dass es Ihnen oft an Benehmen in solchen Kreisen mangelt. Angesichts Ihrer Herkunft ist das nicht sonderlich überraschend. Es ist vollkommen klar, dass Sie hier einen Experten brauchen, einen, der das nötige Feingefühl besitzt." Die arrogante Art, wie Boerne sich zurücklehnte und an die Decke sah, das Näschen hochgestreckt gen Himmel, ließ Thiel wieder Zweifel aufkommen, ob er Boerne wirklich in die Ermittlungen einbinden wollte.
"Und Sie sind jetzt der Experte, oder wie?", fragte er giftig. Sie kannte sich jetzt schon lange genug, dass er wusste, dass es einfach Boernes Art war und er es sich nicht so zu Herzen nehmen sollte. Aber immer wenn Boerne so anfing, fühlte er sich persönlich angegriffen. Der Professor hatte ein Gespür dafür, dass er sich wie der letzte Dreck fühlte und das hatte er nun wirklich nicht notwendig.
"Mehr wohl als jeder andere, den Sie kennen, meinen sie nicht?" Es war genau diese Großkotzige Art, die Thiel im Moment besonders provozierte. Er fühlte sich ohnehin schon die ganze Zeit etwas mies und da brauchte er wirklich niemanden, der auf seinem Gemüt zusätzlich rumtrampelte.
"Ich glaube, ich habe es mir anders überlegt", erwiderte er nun etwas frostig. "Und denken Sie an den Installateur", erinnerte er noch daran, dass seine Dusche tropfte. Vielleicht gab es ja doch eine Alternative.
"Warten Sie, Thiel." Kurz bevor er das Büro verlassen konnte, war Boerne aufgesprungen und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Als er zu dem Größeren aufsah, begegnete er einem musternden Blick, der ihm irgendwie unangenehm war. Als würde der Professor irgendwas suchen.
Als es ihm zuviel wurde, schob er die Hand von seiner Schulter und verließ das Büro. "Haben Sie Schmerzen? Geht es Ihnen nicht gut?" Thiel fragte sich, woher Boerne diese Annahme hatte, aber antwortete sofort: "Mir gehts gut."
"Das sieht aber anders aus... jetzt bleiben Sie doch stehen." Thiel stoppte mit einem entnervten Seufzen.
"Mir geht es gut", bekräftigte er nochmal und sah Boerne wieder an.
Einen Augenblick entstand Schweigen zwischen ihnen und Thiel war schon fast wieder bereit, seinen Weg zum Ausgang fortzusetzen als Boerne ihm ein Lächeln schenkte und meinte: "Ich muss noch eine Besorgung machen. Wenn Sie wollen, nehme ich Sie mit."
Da es draußen schüttete, war sogar ein gutes Angebot.
"Meinetwegen. Aber beeilen Sie sich. Ich hab nicht ewig Zeit", gab er nach.
Wie immer wenn Boerne fuhr, war Thiel recht angespannt und aufmerksam. Wenn ihn jemand gefragt hätte, er hätte durchaus zugegeben, dass der Professor ein miserabler Autofahrer war. Abgesehen davon, dass er konsequent zu schnell fuhr, waren die Vorträge, die er während der Fahrt hielt gespikt mit Seitenblicken, die nicht auf das achteten, was auf der Straße passierte.
Thiel konnte gar nicht zählen, wie oft der andere schon bei Rot über eine Ampel gerast war, während er selbst sich als Beifahrer im Auto befunden hatte. Und wie oft er schon allen Himmelsmächten gedankt hatte, dass er heil wieder zu Hause angekommen war.
"Könnten Sie bitte etwas langsamer fahren?", fragte Thiel schließlich leise und merkte erst jetzt, dass es ungewöhnlich still im Auto war. Er war so mit seinen Gedanken beschäftigt gewesen, dass er gar nicht gemerkt hatte, dass der Professor irgendwann begonnen hatte, die Klappe zu halten. Ein weiteres Indiz, dass dafür sprach, dass sie im Moment nicht gerade gut aufeinander zu sprechen waren. Neben den ganzen spitzen Bemerkungen und die Distanz, die Boerne zu ihm hielt. Nicht unbedingt im räumlichen Sinne, aber Thiel war kein Idiot. Er merkte doch, dass zwischen ihnen dicke Luft herrschte und wahrscheinlich auch nur wegen des öffentlichen Rauswurfs - der wiederum in den Augen des Hauptkommissars durchaus gerechtfertigt war.
Netterweise ging Boerne tatsächlich etwas vom Gas, aber wirklich besser fühlte er sich dadurch auch nicht. Vielleicht lag es ja auch am nicht-konsumierten Frühstück und dem abscheulichen Wetterumschwung. Es schüttete immer noch wie aus Eimern und der Scheibwischer fuhr so schnell über die Scheiben, dass es ihn ganz schwindlig werden ließ. Deshalb hatte er begonnen einfach nur aus der Seite rauszusehen, wo er auch nicht allzuviel erkennen konnte.
"Wo fahren wir eigentlich hin?", fragte er schließlich leise und rieb sich seine stechende Seite. Ihm war gerade erst aufgefallen, dass sie falsch abgebogen waren. Das Präsidium lag in der anderen Richtung.
"Das werden Sie noch früh genug erfahren", erwiderte Boerne gelassen und Thiel sah ihn skeptisch an. Aber er hakte nicht nach. Er konnte sich von dort immer noch ein Taxi rufen.
Schließlich hielt Boerne vor dem Krankenhaus und Thiel konnte sich nicht verkneifen zu fragen: "Was wollen wir denn da?"
"Kommen Sie mit", winkte Boerne und stopfte seinen Arztausweis in die Windschutzscheibe, bevor er ausstieg. Thiel stieg ebenfalls aus und nur der kurze Weg vom Auto in den Haupteingang des Spitals zu laufen, ließ seine Seite nur noch mehr stechen. Da konnte es Frank überhaupt nicht gebrauchen, dass Boerne ihn jetzt auch noch hetzte: "Wo bleiben Sie denn?"
"Sie haben meine Frage nicht beantwortet", schnappte Thiel nach Luft und verfluchte sich, dass es ihm im Moment so miserabel ging. Schlechter noch als gestern oder heute Morgen. Aber er folgte dem Professor, der mit einer Schwester sprach. Kurz danach tönte aus den Lautsprechern auch schon: "Doktor Reuters bitte in die Notaufnahme."
Thiel sah sich um. "Boerne, was wollen wir hier?" Aber scheinbar schien der Professor auf dem Ohr taub zu sein, denn er sah sich nur suchend um, bis sich sein Gesicht erhellte. Offenbar kam da die Person, die er gesucht hatte.
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - Notaufnahme
Titel: Adlerauge
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Thiel, Nadeshda, Boerne (kurzauftritt Alberich)
Words: 1850
Warnings: unbetaed, uncorrected
Continuation: Teil 1
Kommentar: Ich übe noch. Es ist nur ganz wenig H mit noch weniger C und irgendwie beginnt sich das wie Kaugummi zu ziehen. Abgesehen davon habe ich das Gefühl, dass die Charaktere nicht richtig greifen. Aber naja - mal sehen, ob ich es beim nächsten Mal besser hinkriege.
Adlerauge
"Danke, Nadeshda", sagte Thiel und rieb sich über das Gesicht. Das hieß, er musste von vorne anfangen in seinen Ermittlungen und er hasste das ungemein, wenn so etwas passierte. Warum hielten sich eigentlich die Mörder immer für so unglaublich schlau? 'Es gibt keinen perfekten Mord.' Boernes Worte, die er oft genug zu hören bekam. Manchmal zog er ihn gerne damit auf, aber im Grunde hat er ja Recht. Wer nach der Wahrheit gräbt, wird sie auch finden und irgendwann macht jeder Fehler.
Nur dass ihre liebe Frau Staatsanwältin Klemm ungeduldig ist und das war durchaus verständlich. Ihm wäre es auch lieber gewesen, er könnte den Fall schneller abschließen.
Mit einem schwermütigen Seufzen erhob er sich entschlossen. Die Arbeit machte sich nicht allein. Er musste die Sachen noch einmal durchgehen, die sie am Tatort gefunden hatten - vielleicht fand er dort noch eine Spur. Oder eine Möglichkeit, wo er den Täter finden könnte.
Wenige Stunden später - das Wetter hatte tatsächlich in Regen umgeschlagen, während er und Nadeshda akribisch an dem Fall gearbeitet hatten - kam er zu der Erkenntnis, dass es nichts auffälliges gab. Der Täter war sehr gründlich vorgegangen.
Nachdenklich sah Thiel die ganzen Mitgliedsausweise des Toten an. "Am besten sehen wir uns den Clubs um", murmelte er leise und rief dann seine Kollegin, um sich mit ihr zu besprechen. So wie es aussah, war Peter Birnhofer, der Tote, in sämtlichen Clubs von Münster unterwegs gewesen - alleine würde es einfach zu lange untersuchen.
Während sich Nadeshda die Mitgliedsausweise auch noch einmal durchsah, fragte sie leise: "Vertragen Sie sich eigentlich wieder mit Boerne?"
Thiel riss die Frage ein wenig aus dem Konzept und er begann an zu stammeln, bevor er sich wieder unter Kontrolle hatte und eine flüssige Gegenfrage stellen konnte: "Wieso fragen Sie?"
"Ach, nur so..." Nadeshda hielt dabei die ganze Zeit ihren Blick auf die einzelnen Karten gerichtet, bevor sie sich wieder aufrichtete und lächelte. "Die hier sehen sehr vielversprechend aus. Sie sollten sich dort umhören. Ich erledige die anderen." Irritiert sah Thiel seiner Kollegin nach, bevor er ihr nachrief: "Ah und Nadeshda, versuchen Sie diskret vorzugehen!"
"Schon klar", erwiderte sie und schloss die Verbindungstüre zu ihren Büros. Erst dann sah sich Thiel die Mitgliedskarten an und sprang auf.
"Nadeshda?", sah er in ihr Büro. Das konnte doch nicht wirklich ihr Ernst sein, dass sie ihm die ganzen Clubs für Schwule zugeschoben hatte.
"Ja?", fragte sie unschuldig, ihre Hand am Telefonhörer.
Er sah sie an und entschied sich um. "Nicht so wichtig. Rufen Sie mich an, sobald sie etwas herausgefunden haben."
"Ja, Chef."
Thiel schloss die Türe wieder und nahm die Mitgliedsausweise. Vielleicht sollte er doch noch einmal mit Boerne sprechen. Der war in den gehobenen Kreisen ja fast überall Mitglied und wollte sich doch ohnehin immer an den Ermittlungen beteiligen. Da bekam er jetzt die Möglichkeit.
"Guten Tag, Frau Haller. Ist Boerne hier?", grüßte Thiel die Assistentin des Professors und erwiderte ein leichtes Lächeln, als sie ihn freundlich zurückgrüßte.
"Er ist hinten in seinem Büro", erwiderte sie und machte dann weiter damit - was auch immer sie gerade da machte. Er war ohnehin nur sehr ungerne hier im rechtsmedizinischen Institut.
Durch das Fenster von Boernes Büro sah er auch schon den Gesuchten, aber er zögerte noch wirklich zu klopfen. Wie so oft sah der Rechtsmediziner sehr nachdenklich auf. Er fragte sich ein wenig, was er da gerade auf dem Bildschirm hatte.
Dann rang er sich durch, klopfte kurz und trat ein. "Boerne? Stör ich gerade."
Deutlich erschrocken richtete sich der Professor auf und bevor Thiel noch einen Blick auf den Monitor werfen konnte, hatte Boerne schon das Fenster geschlossen.
"Was kann ich für Sie tun?" Thiel beobachtete, wie sich Boerne in sehr fast ein wenig snobischen Art etwas vorlehnte und seine Hände faltete. Der abwartende Blick machte es Thiel nicht einfacher. Frank wusste einfach nicht, wie er das am Besten zur Sprache brachte.
Dann beschloss er, erst einmal den neuen Ermittlungsstand dem Professor mitzuteilen: "Die Verdächtigen aus dem Fall vor einem Jahr, haben alle ein wasserdichtes Alibi. Nadeshda hat gerade vorhin die letzte Bestätigung erhalten."
Boerne lehnte sich zurück. "Das heißt, wir brauchen einen neuen Verdächtigen."
"Exakt."
"Was hat das mit mir zu tun? Ich habe Ihnen bereits alle Berichte gegeben."
Thiel hatte geahnt, dass das eine schwere Geburt werden würde. Aber da musste er wohl durch.
"Herr Birnhofer... also der Tote war Mitglied in mehreren Clubs. Sie kennen sich doch damit aus, wo sich die schicken Leute herumtreiben. Vielleicht..."
"Mein lieber Herr Thiel", erhob sich Boerne auf den Tisch gestützt und Thiel wusste, dass er Runde eins verloren hatte. "Sie waren es doch, der eine strikte Trennung von der Rechtsmedizin und den Ermittlungsarbeiten haben wollten. Und waren es nicht auch Sie, der darauf bestanden hat, dass ich mich aus allem raushalte. Also bitte" Boerne winkte Richtung Türe, während er sich wieder setzte. "Machen Sie Ihre Arbeit. Sie brauchen mich dazu ja nicht."
"Mensch Boerne, jetzt stellen Sie sich doch nicht so an", versuchte es Thiel auf andere Art. "Sie wissen doch, wie das ist. Sie können nicht meine Authorität untergraben und erwarten, dass ich das stillschweigend zulasse." Er sagte ja eh oft genug nichts und drückte beide Augen zu, wenn Boerne mal wieder etwas nicht ganz so legales machte, nur um mehr herauszufinden. Immer noch reichlich nervös spielte er mit den Mitgliedsausweisen.
"Also erstens einmal habe ich sicher nicht Ihre Authorität untergraben. Ich habe nur angemerkt, dass..."
"Sie brauchen es nicht zu wiederholen", unterbrach ihn Thiel ungehalten. "Ich weiß, was Sie gesagt haben." Und es war nicht in Ordnung gewesen. Schon gar nicht vor der Staatsanwältin.
"Wenn Sie das wissen, sollte Ihnen doch klar sein, dass es nichts mit ihrer Authorität zu tun hat. Fakt ist, dass es Ihnen oft an Benehmen in solchen Kreisen mangelt. Angesichts Ihrer Herkunft ist das nicht sonderlich überraschend. Es ist vollkommen klar, dass Sie hier einen Experten brauchen, einen, der das nötige Feingefühl besitzt." Die arrogante Art, wie Boerne sich zurücklehnte und an die Decke sah, das Näschen hochgestreckt gen Himmel, ließ Thiel wieder Zweifel aufkommen, ob er Boerne wirklich in die Ermittlungen einbinden wollte.
"Und Sie sind jetzt der Experte, oder wie?", fragte er giftig. Sie kannte sich jetzt schon lange genug, dass er wusste, dass es einfach Boernes Art war und er es sich nicht so zu Herzen nehmen sollte. Aber immer wenn Boerne so anfing, fühlte er sich persönlich angegriffen. Der Professor hatte ein Gespür dafür, dass er sich wie der letzte Dreck fühlte und das hatte er nun wirklich nicht notwendig.
"Mehr wohl als jeder andere, den Sie kennen, meinen sie nicht?" Es war genau diese Großkotzige Art, die Thiel im Moment besonders provozierte. Er fühlte sich ohnehin schon die ganze Zeit etwas mies und da brauchte er wirklich niemanden, der auf seinem Gemüt zusätzlich rumtrampelte.
"Ich glaube, ich habe es mir anders überlegt", erwiderte er nun etwas frostig. "Und denken Sie an den Installateur", erinnerte er noch daran, dass seine Dusche tropfte. Vielleicht gab es ja doch eine Alternative.
"Warten Sie, Thiel." Kurz bevor er das Büro verlassen konnte, war Boerne aufgesprungen und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Als er zu dem Größeren aufsah, begegnete er einem musternden Blick, der ihm irgendwie unangenehm war. Als würde der Professor irgendwas suchen.
Als es ihm zuviel wurde, schob er die Hand von seiner Schulter und verließ das Büro. "Haben Sie Schmerzen? Geht es Ihnen nicht gut?" Thiel fragte sich, woher Boerne diese Annahme hatte, aber antwortete sofort: "Mir gehts gut."
"Das sieht aber anders aus... jetzt bleiben Sie doch stehen." Thiel stoppte mit einem entnervten Seufzen.
"Mir geht es gut", bekräftigte er nochmal und sah Boerne wieder an.
Einen Augenblick entstand Schweigen zwischen ihnen und Thiel war schon fast wieder bereit, seinen Weg zum Ausgang fortzusetzen als Boerne ihm ein Lächeln schenkte und meinte: "Ich muss noch eine Besorgung machen. Wenn Sie wollen, nehme ich Sie mit."
Da es draußen schüttete, war sogar ein gutes Angebot.
"Meinetwegen. Aber beeilen Sie sich. Ich hab nicht ewig Zeit", gab er nach.
Wie immer wenn Boerne fuhr, war Thiel recht angespannt und aufmerksam. Wenn ihn jemand gefragt hätte, er hätte durchaus zugegeben, dass der Professor ein miserabler Autofahrer war. Abgesehen davon, dass er konsequent zu schnell fuhr, waren die Vorträge, die er während der Fahrt hielt gespikt mit Seitenblicken, die nicht auf das achteten, was auf der Straße passierte.
Thiel konnte gar nicht zählen, wie oft der andere schon bei Rot über eine Ampel gerast war, während er selbst sich als Beifahrer im Auto befunden hatte. Und wie oft er schon allen Himmelsmächten gedankt hatte, dass er heil wieder zu Hause angekommen war.
"Könnten Sie bitte etwas langsamer fahren?", fragte Thiel schließlich leise und merkte erst jetzt, dass es ungewöhnlich still im Auto war. Er war so mit seinen Gedanken beschäftigt gewesen, dass er gar nicht gemerkt hatte, dass der Professor irgendwann begonnen hatte, die Klappe zu halten. Ein weiteres Indiz, dass dafür sprach, dass sie im Moment nicht gerade gut aufeinander zu sprechen waren. Neben den ganzen spitzen Bemerkungen und die Distanz, die Boerne zu ihm hielt. Nicht unbedingt im räumlichen Sinne, aber Thiel war kein Idiot. Er merkte doch, dass zwischen ihnen dicke Luft herrschte und wahrscheinlich auch nur wegen des öffentlichen Rauswurfs - der wiederum in den Augen des Hauptkommissars durchaus gerechtfertigt war.
Netterweise ging Boerne tatsächlich etwas vom Gas, aber wirklich besser fühlte er sich dadurch auch nicht. Vielleicht lag es ja auch am nicht-konsumierten Frühstück und dem abscheulichen Wetterumschwung. Es schüttete immer noch wie aus Eimern und der Scheibwischer fuhr so schnell über die Scheiben, dass es ihn ganz schwindlig werden ließ. Deshalb hatte er begonnen einfach nur aus der Seite rauszusehen, wo er auch nicht allzuviel erkennen konnte.
"Wo fahren wir eigentlich hin?", fragte er schließlich leise und rieb sich seine stechende Seite. Ihm war gerade erst aufgefallen, dass sie falsch abgebogen waren. Das Präsidium lag in der anderen Richtung.
"Das werden Sie noch früh genug erfahren", erwiderte Boerne gelassen und Thiel sah ihn skeptisch an. Aber er hakte nicht nach. Er konnte sich von dort immer noch ein Taxi rufen.
Schließlich hielt Boerne vor dem Krankenhaus und Thiel konnte sich nicht verkneifen zu fragen: "Was wollen wir denn da?"
"Kommen Sie mit", winkte Boerne und stopfte seinen Arztausweis in die Windschutzscheibe, bevor er ausstieg. Thiel stieg ebenfalls aus und nur der kurze Weg vom Auto in den Haupteingang des Spitals zu laufen, ließ seine Seite nur noch mehr stechen. Da konnte es Frank überhaupt nicht gebrauchen, dass Boerne ihn jetzt auch noch hetzte: "Wo bleiben Sie denn?"
"Sie haben meine Frage nicht beantwortet", schnappte Thiel nach Luft und verfluchte sich, dass es ihm im Moment so miserabel ging. Schlechter noch als gestern oder heute Morgen. Aber er folgte dem Professor, der mit einer Schwester sprach. Kurz danach tönte aus den Lautsprechern auch schon: "Doktor Reuters bitte in die Notaufnahme."
Thiel sah sich um. "Boerne, was wollen wir hier?" Aber scheinbar schien der Professor auf dem Ohr taub zu sein, denn er sah sich nur suchend um, bis sich sein Gesicht erhellte. Offenbar kam da die Person, die er gesucht hatte.
no subject
Date: 2014-07-12 12:34 pm (UTC)Für mich greifen die Charaktere schon. O.K., Thiel ist ein wenig schwankend in seinem Verhalten ... aber das kann ich gut nachvollziehen. Zum einen geht es ihm nicht gut, aber zum anderen (und vor allem) ist er sich über seine Gefühle für Boerne unklar. Und das meine ich hier erst mal völlig unromantisch und platonisch. Das paßt sehr gut zur Caonon-Beziehung der beiden, denn ich bin mir sicher, daß Boerne Thiel oft vor allem nervt und provoziert, aber eben nicht nur. Ich glaube, daß er zumindest Boernes Arbeit zu würdigen weiß (auch wenn er das nie zugeben würde, weil er denkt, daß Boerne sich sowieso schon zu viel einbildet). Und daß es da noch eine andere Ebene gibt, eine Art Vertrautheit oder aneinander-gewöhnt-sein (da kommt man nicht drum rum nach so vielen Jahren). Und Zuneigung, auch wenn man die im Canon nun wirklich sehr selten durchschimmern sieht ;) Und oft eher in den Momenten, in denen die beiden wirklich ernsthaft streiten - so ein Streit wie in "Satisfaktion" belastet einen nicht (so sehr), wenn einem der andere gleichgültig ist.
Und Boerne ist auch sehr treffend. Einerseits ehrlich gekränkt, aber andererseits auch willens, wieder nachzugeben. Und mit einem (Adler)Auge für Thiels gesundheitliches Wohlergehen ;)
Der Aufbau der Geschichte ist super, vor allem das Ende, wie man beim Lesen relativ spät kapiert, was los ist und warum und wohin die zwei unterwegs sind. Aber immer noch schneller als Thiel, der, glaube ich, selbst am Ende noch keinen Verdacht geschöpft hat ;)
Während sich Nadeshda die Mitgliedsausweise auch noch einmal durchsah, fragte sie leise: "Vertragen Sie sich eigentlich wieder mit Boerne?"
Thiel riss die Frage ein wenig aus dem Konzept und er begann an zu stammeln, bevor er sich wieder unter Kontrolle hatte und eine flüssige Gegenfrage stellen konnte: "Wieso fragen Sie?"
"Ach, nur so..." Nadeshda hielt dabei die ganze Zeit ihren Blick auf die einzelnen Karten gerichtet, bevor sie sich wieder aufrichtete und lächelte.
Nadeshda <3 Vor allem, wenn man dann weiterliest ...
Vielleicht sollte er doch noch einmal mit Boerne sprechen. Der war in den gehobenen Kreisen ja fast überall Mitglied und wollte sich doch ohnehin immer an den Ermittlungen beteiligen. Da bekam er jetzt die Möglichkeit.
Manchmal kann Thiel schon gemein sein ;) Aber den Gedankengang kann ich mir bei ihm super vorstellen.
und machte dann weiter damit - was auch immer sie gerade da machte.
Und das erst! :)
Wie immer wenn Boerne fuhr, war Thiel recht angespannt und aufmerksam. Wenn ihn jemand gefragt hätte, er hätte durchaus zugegeben, dass der Professor ein miserabler Autofahrer war. Abgesehen davon, dass er konsequent zu schnell fuhr, waren die Vorträge, die er während der Fahrt hielt gespikt mit Seitenblicken, die nicht auf das achteten, was auf der Straße passierte.
Oh ja. Daß die zwei noch nicht ernsthaft zu Schaden gekommen sind, wundert mich wirklich. Zumal Boerne oft ausgesprochen abgelenkt zu sein scheint, wenn Thiel nehben ihm sitzt ...
Hach, das Ende ist super und der Cliffhänger auch! Und jetzt bin ich langsam wirklich *sehr* neugierig, was Boerne nun gesagt hat, um Thiel so aufzubringen ... Und wie es weiter geht! Zumindest ahne ich schon, welches Prompt Du als nächstes verwenden wirst ;)
no subject
Date: 2014-07-12 12:49 pm (UTC)Danke für die vielen Blumen und dass du neugierig darauf bist, was da noch kommen wird. Ich finde es interessant, wenn sich jemand, der so nah am Fandom ist, sich wirklich die Zeit nimmt, konstruktive Kritik bzw die eigene Sicht auf die Dinge zu geben.
Ich bin mir manchmal immer noch recht unsicher, ob das, was ich mir da vorstelle, wirklich umsetzbar ist. Aber sehr wahrscheinlich (nachdem du mich ja so erfolgreich infiziert hast), wirds noch eine andere Geschichte auch geben. Vielleicht... mal sehen. ^.~
no subject
Date: 2014-07-12 01:02 pm (UTC)Hehe ... das mache ich auch manchmal! Fand ich tota spannend, als ich zu schreiben angefangen habe und gemerkt habe, daß man das machen kann - also die Dinge, die man (noch) nicht weiß, einfach weglassen. Manchmal fällt mir dann beim Schreiben drei Kapitel später nochmal was dazu ein und das kann dann noch ganz spannend werden, manchmal bleibt es aber auch einfach so.
Aber sehr wahrscheinlich (nachdem du mich ja so erfolgreich infiziert hast), wirds noch eine andere Geschichte auch geben. Vielleicht... mal sehen. ^.~
:D