Team: Erato
Challenge: H/C - Alptraum/Halluzination (für mich)
Fandom: Teen Wolf
Wörter: ~1.400
Personen/Pairings: Stiles/Scott, Allion+Derek; Allison/Derek, Erwähnung von allen anderen
Warnung: immer noch düstere AU, dark, Erwähnung von Gewalt und Folter
Anmerkung: Fortsetzung zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.
Rückblickend kann sich Stiles nicht daran erinnern, ob am Steuer seines Jeeps jemals jemand anderes gesessen hat, als er selbst, sein Vater und Scott. Er traut anderen Menschen nicht, dass sie die Bedürfnisse seines Autos befriedigen können – den zweiten Gang ganz vorsichtig einzulegen, die Kupplung etwas später kommen zu lassen. Die meisten haben doch von Gangschaltung keine Ahnung.
Aber wenn irgendjemand neben seinem Vater und Scott sich Stiles' Urvertrauen erarbeitet hat, dann ist es Allison. Sie lenkt den Jeep sicher und ruhig über den ausgestorbenen Highway.
Neben ihr sitzt Derek und hat seit Stunden nichts gesagt. An der Art, wie sein Kopf immer wieder gegen die Fensterscheibe gerollt ist, hat verraten, dass er ununterbrochen eingeschlafen ist. Jetzt aber sitzt er aufrecht wie im Schulunterricht und blinzelt immer wieder in den Seitenspiegel, in dem der orangerote Sonnenaufgang reflektiert wird.
Stiles betrachtet ihn zögerlich von der Rückbank, wo er halb auf, halb neben Scott sitzliegt. Scott, der selbst jetzt noch wirkt wie tot.
„Er ist immer noch ganz kalt“, murmelt Stiles.
Er fasst nach Scotts Hand, die kühl wie Metall ist und schiebt sie weiter unter die Decke, in die er ihn gewickelt hat. Dann hält er seinem besten Freund prüfend den Zeigefinger unter die Nase und holt erleichtert Luft, als er den steten Atemstrom spüren kann.
„Er lag seit Wochen zwischen Eisenhut und Eberesche. Gib ihm Zeit“, sagt Derek ohne sich nach hinten umzuwenden.
„Es ist ein Wunder, dass er nicht tot ist.“
Er stützt den rechten Arm auf der Lehne ab und streicht sich gedankenverloren mit der bandagierten Hand, an der drei Finger fehlen, über die Stirn. Er hat nicht viele Worte darüber verloren, vor allem dann nicht, als er Allisons Blick auf sich gesehen hat.
„Es sind nur Finger“, hat er gesagt.
„Jetzt wissen sie, dass sie uns nicht nachwachsen.“ Und vielleicht ist sie als Bogenschützin diejenige, die den Verlust am ehesten verstehen kann.
Stiles seufzt leise. Er wickelt sich aus der lästigen Sicherheitsweste und tritt sie in den Fußraum, zieht die Beine an sich heran und wickelt sich mit in die Decke ein. Scott zuckt, als er die Arme von der Seite um ihn legt und sich an ihn schmiegt. Wenn ihm nur warm genug ist, kann Scotts Körper sich wahrscheinlich auch viel besser heilen.
„Ich könnte....“, schlägt Derek von vorn vor und jetzt schaut er doch über seine Schulter. Seine gesunde Hand macht eine schnelle, abknickende Bewegung.
„Um den Heilungsprozess anzustoßen.“
„Nein“, bellt Stiles ihm entgegen.
„Denkst du nicht, dass er schon genug durchgemacht hat? Wir werden ihm bestimmt nicht noch den Arm brechen.“
„Er würde es wahrscheinlich gar nicht merken“, entgegnet Derek mit erhobenen Augenbrauen.
„Ich hab nein gesagt!“
Stiles hat gar nicht gewusst, dass er einen Werwolf anknurren kann. Aber so ist das, wenn man sich zu lange mit Wölfen umgeben hat – über kurz oder lang übernimmt man gewisse Verhaltensmuster.
„Denk auch nur dran und ich säbel dir höchstpersönlich noch einen Finger ab!“
Er spürt Allisons zögernden Blick aus dem Rückspiegel auf sich und versucht ihn zu ignorieren.
Stattdessen fasst er nach seiner Wasserflasche und zerrt ein Taschentuch hervor, tränkt es mit Flüssigkeit und tupft vorsichtig das Gesicht seines besten Freundes ab. Während Scotts Hände ganz kalt sind, glüht seine Stirn. Es ist, als ob er in einem Eisenhutfieber steckt. Stiles kann nur raten, dass der Körper auf die Substanz wie auf Krankheitserreger reagiert; mit erhöhter Temperatur und Schwellungen. Er wünscht sich, dass statt Derek Melissa im Auto wäre, weil sie wüsste, was zu tun wäre. Weil Stiles ihr Gewissheit über den Zustand ihres Sohnes wünscht.
Ein Autokorso hätte ihn am meisten beruhigt.
Doch nach dem Ausbruch und dem Chaos am A-Lager ist das ein Luxus, den man sich nicht leisten kann. Stiles erinnert sich mit Schauern an die Nacht zurück, daran, dass er, Allison und die Gefangenen eingekesselt gewesen sind, daran, dass sie nur entkommen konnten, weil wie aus dem Nichts Alan Deaton und Chris Argent aufgetaucht sind und das Feuer auf die Soldaten eröffnet haben.
Alles, was folgte, ist pures Chaos gewesen.
Draußen vor dem Tor haben Melissa und sein Vater gestanden, haben fassungslos auf Scott gestarrt. Isaac, Malia und Lydia sind mit ihnen mitgegangen, Kira und Noshiko in die andere Richtung, wo Mister Yukimuras Wagen auf sie gewartet hat. Stiles weiß, dass Lydia vorgehabt hat, etwa eine Meile westlich in das Auto ihrer Mutter umzusteigen.
Vier Autos, die in vier verschiedene Richtungen flüchten. Aus Angst, abgehört zu werden, hat niemand sein Handy eingeschaltet.
Das schlechte Gewissen brennt in Stiles' Magen wie ein scharfes Gericht, das er nicht verdauen kann. Er hat die McCalls getrennt. Weil er sich geweigert hat, Scott loszulassen. Es ist seine Schuld, dass Melissa nicht weiß, wann sie ihren Sohn wiedersehen wird. Es ist seine Schuld, dass er nicht weiß, wann er seinen Vater wiedersehen wird.
Zaghafte Bewegungen neben ihm holen ihn aus den Gedanken zurück.
Er spürt Spannung durch den Körper, gegen den er lehnt, gehen und fühlt, wie Scott sich an die Oberfläche seines Bewusstseins kämpft.
Was folgt, ist erschrecktes Zucken. Scott reißt gerötete Augen auf – die inzwischen Gott sei Dank dafür abgeschwollen genug sind – und sein Blick ist leer und panisch.
„Alles ist gut, Scott“, sagt Stiles leise und schnell.
„Du bist in Sicherheit, alle sind in Sicherheit. Alles ist gut.“
Panik kriecht ihm den Rücken hinauf, als er bemerkt, dass sein Freund gar nicht darauf zu hören scheint. Der Wagen schlingert kurz auf der Straße, weil Allison einen winzigen Moment zu lange in den Rückspiegel sieht und offenbar versucht, die Gefahr des Momentes abzuschätzen. Auch ein verwundeter Werwolf ist ein Werwolf.
Scott drückt sich gegen die metallene Wand des Jeeps und seine Augen bleiben unfokussiert und rot – werwolfrot – an Stiles hängen.
„Du...“, keucht er, und er ist so heiser, dass seine Stimme nur gebrochen durch seine Lippen dringt.
„Du...Stiles?“
Es ist eine Frage, welche die gesamte Realität anzweifelt. Vielleicht bewirkt zu viel Eisenhut Halluzinationen. Vielleicht denkt Scott, dass er sich seinen Freund nur einbildet.
Stiles erhebt ganz langsam die Hände um zu zeigen, dass er keine Gefahr darstellt. Allisons und Dereks Augen ruhen auf ihm, auf Scott und mit einem Mal hat er das Gefühl, dass ihm die Brust zugeschnürt wird.
„Stiles“, murmelt Derek von vorne.
„Es ist der Wolf, verstehst du?“
Aus den Augenwinkeln sieht er Allison nicken und allein der Gedanke, dass Scott irgendwo da drin ist, in dieser Werwolfschale, die noch immer zittert und schmerzt und die versucht, Klauen auszufahren, die wegen Eisenhut und Eberesche noch nicht nachwachsen konnten, bricht ihm das Herz.
„Der kennt mich auch“, flüstert er und fasst vorsichtig nach Scotts Schultern.
Der Alpha entblößt spitze Zähne, halb ausgefahren, wie in einem Energiesparmodus, und wie von einem Welpen, aber scharf genug, um Stiles die Kehle auszubeißen, wenn sie wollten.
Für einen Augenblick hält Stiles die Luft an.
„Ich bin's, Scott“, wispert er, zieht seine Lippen auseinander und entblößt harmlose Menschenzähne direkt vor Scotts Nase.
„Und ich bin echt.“
Das ist Lektion eins: Ein Wolf will immer an deiner Schnauze, an deinen Zähnen deinen Geruch aufnehmen. Es gehört zur Interaktion. Es beruhigt ihn.
Und es funktioniert. Scott erstarrt für einen Augenblick, dann schnuppert er. Dann blinzelt er langsam das rote Glühen aus seinen müden, entzündeten Augen.
„Stiles.“
Es ist keine Frage. Es ist etwas, was ein Erwachender sagt.
Stiles grinst unbeholfen.
„Hi, Scotty. Und bevor du fragst: Es geht ihnen allen gut. Okay?“
Er kennt ihn doch. Das wäre seine erste Frage gewesen.
„Derek sitzt hier, Allison ist da, Lydia, Kira, Noshiko, Malia, Isaac. Wir haben alle rausgeholt. Okay?“
Scott sieht ihn lange mit leicht geöffneten Lippen an. In seinem Kopf arbeitet es fieberhaft, ganz so, als müsste er sich gegen eine neue Ohnmacht zur Wehr setzen. Ein langer, schwerer Atemzug entfährt ihm und der ganze Junge sackt auf der Stelle zusammen. Stiles zieht ihn unter der Decke näher an sich heran und legt die Arme so fest um ihn, als könnte er ihn damit vom Rest der Welt abschirmen.
Er sagt etwas, das Scott schon viel zu lange nicht mehr von ihm gehört hat:
„Ich hab dich.“
Und an der Art, wie Scott ihn anschaut, sich an ihn klammert, die Nase in Stiles' Halsbeuge legt wie in alten Tagen, in denen er davon gesprochen hat, sich Stiles' Geruch einzuprägen, begreift Stiles, dass es Rettung in letzter Sekunde war. Dass es womöglich eine Frage von Stunden gewesen wäre, bis...
Er schnieft unwillkürlich und zieht die Decke enger um Scott, während der an ihm hängt wie ein Koalabär an einem Baum. Stiles spürt, wie sein bester Freund sogar die Beine um seine Hüften legt und ihn näher an sich heranzieht und einfach nur atmet – stoßend, dann flacher.
Und er hält ihn fest, nahe bei sich, bis es sich anfühlt, als würden ihre Pulse zu einem verschmelzen. Er spürt, wie die Wärme in diesen Körper zurückkehrt. Er spürt, wie Wunden anfangen zu verheilen.
Als die Sonne vollständig aufgegangen ist und Allison sich eine Sonnenbrille aufsetzt, um beim Blick in den Rückspiegel nicht geblendet zu werden, sieht sie ein eingeschlafenes Knäuel aus zwei jungen Männern, die womöglich selbst eine Explosion nicht mehr auseinander brächte.
Sie lächelt. Dann fasst sie nach Dereks gesunder Hand.
(To be continued)
Challenge: H/C - Alptraum/Halluzination (für mich)
Fandom: Teen Wolf
Wörter: ~1.400
Personen/Pairings: Stiles/Scott, Allion+Derek; Allison/Derek, Erwähnung von allen anderen
Warnung: immer noch düstere AU, dark, Erwähnung von Gewalt und Folter
Anmerkung: Fortsetzung zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.
Rückblickend kann sich Stiles nicht daran erinnern, ob am Steuer seines Jeeps jemals jemand anderes gesessen hat, als er selbst, sein Vater und Scott. Er traut anderen Menschen nicht, dass sie die Bedürfnisse seines Autos befriedigen können – den zweiten Gang ganz vorsichtig einzulegen, die Kupplung etwas später kommen zu lassen. Die meisten haben doch von Gangschaltung keine Ahnung.
Aber wenn irgendjemand neben seinem Vater und Scott sich Stiles' Urvertrauen erarbeitet hat, dann ist es Allison. Sie lenkt den Jeep sicher und ruhig über den ausgestorbenen Highway.
Neben ihr sitzt Derek und hat seit Stunden nichts gesagt. An der Art, wie sein Kopf immer wieder gegen die Fensterscheibe gerollt ist, hat verraten, dass er ununterbrochen eingeschlafen ist. Jetzt aber sitzt er aufrecht wie im Schulunterricht und blinzelt immer wieder in den Seitenspiegel, in dem der orangerote Sonnenaufgang reflektiert wird.
Stiles betrachtet ihn zögerlich von der Rückbank, wo er halb auf, halb neben Scott sitzliegt. Scott, der selbst jetzt noch wirkt wie tot.
„Er ist immer noch ganz kalt“, murmelt Stiles.
Er fasst nach Scotts Hand, die kühl wie Metall ist und schiebt sie weiter unter die Decke, in die er ihn gewickelt hat. Dann hält er seinem besten Freund prüfend den Zeigefinger unter die Nase und holt erleichtert Luft, als er den steten Atemstrom spüren kann.
„Er lag seit Wochen zwischen Eisenhut und Eberesche. Gib ihm Zeit“, sagt Derek ohne sich nach hinten umzuwenden.
„Es ist ein Wunder, dass er nicht tot ist.“
Er stützt den rechten Arm auf der Lehne ab und streicht sich gedankenverloren mit der bandagierten Hand, an der drei Finger fehlen, über die Stirn. Er hat nicht viele Worte darüber verloren, vor allem dann nicht, als er Allisons Blick auf sich gesehen hat.
„Es sind nur Finger“, hat er gesagt.
„Jetzt wissen sie, dass sie uns nicht nachwachsen.“ Und vielleicht ist sie als Bogenschützin diejenige, die den Verlust am ehesten verstehen kann.
Stiles seufzt leise. Er wickelt sich aus der lästigen Sicherheitsweste und tritt sie in den Fußraum, zieht die Beine an sich heran und wickelt sich mit in die Decke ein. Scott zuckt, als er die Arme von der Seite um ihn legt und sich an ihn schmiegt. Wenn ihm nur warm genug ist, kann Scotts Körper sich wahrscheinlich auch viel besser heilen.
„Ich könnte....“, schlägt Derek von vorn vor und jetzt schaut er doch über seine Schulter. Seine gesunde Hand macht eine schnelle, abknickende Bewegung.
„Um den Heilungsprozess anzustoßen.“
„Nein“, bellt Stiles ihm entgegen.
„Denkst du nicht, dass er schon genug durchgemacht hat? Wir werden ihm bestimmt nicht noch den Arm brechen.“
„Er würde es wahrscheinlich gar nicht merken“, entgegnet Derek mit erhobenen Augenbrauen.
„Ich hab nein gesagt!“
Stiles hat gar nicht gewusst, dass er einen Werwolf anknurren kann. Aber so ist das, wenn man sich zu lange mit Wölfen umgeben hat – über kurz oder lang übernimmt man gewisse Verhaltensmuster.
„Denk auch nur dran und ich säbel dir höchstpersönlich noch einen Finger ab!“
Er spürt Allisons zögernden Blick aus dem Rückspiegel auf sich und versucht ihn zu ignorieren.
Stattdessen fasst er nach seiner Wasserflasche und zerrt ein Taschentuch hervor, tränkt es mit Flüssigkeit und tupft vorsichtig das Gesicht seines besten Freundes ab. Während Scotts Hände ganz kalt sind, glüht seine Stirn. Es ist, als ob er in einem Eisenhutfieber steckt. Stiles kann nur raten, dass der Körper auf die Substanz wie auf Krankheitserreger reagiert; mit erhöhter Temperatur und Schwellungen. Er wünscht sich, dass statt Derek Melissa im Auto wäre, weil sie wüsste, was zu tun wäre. Weil Stiles ihr Gewissheit über den Zustand ihres Sohnes wünscht.
Ein Autokorso hätte ihn am meisten beruhigt.
Doch nach dem Ausbruch und dem Chaos am A-Lager ist das ein Luxus, den man sich nicht leisten kann. Stiles erinnert sich mit Schauern an die Nacht zurück, daran, dass er, Allison und die Gefangenen eingekesselt gewesen sind, daran, dass sie nur entkommen konnten, weil wie aus dem Nichts Alan Deaton und Chris Argent aufgetaucht sind und das Feuer auf die Soldaten eröffnet haben.
Alles, was folgte, ist pures Chaos gewesen.
Draußen vor dem Tor haben Melissa und sein Vater gestanden, haben fassungslos auf Scott gestarrt. Isaac, Malia und Lydia sind mit ihnen mitgegangen, Kira und Noshiko in die andere Richtung, wo Mister Yukimuras Wagen auf sie gewartet hat. Stiles weiß, dass Lydia vorgehabt hat, etwa eine Meile westlich in das Auto ihrer Mutter umzusteigen.
Vier Autos, die in vier verschiedene Richtungen flüchten. Aus Angst, abgehört zu werden, hat niemand sein Handy eingeschaltet.
Das schlechte Gewissen brennt in Stiles' Magen wie ein scharfes Gericht, das er nicht verdauen kann. Er hat die McCalls getrennt. Weil er sich geweigert hat, Scott loszulassen. Es ist seine Schuld, dass Melissa nicht weiß, wann sie ihren Sohn wiedersehen wird. Es ist seine Schuld, dass er nicht weiß, wann er seinen Vater wiedersehen wird.
Zaghafte Bewegungen neben ihm holen ihn aus den Gedanken zurück.
Er spürt Spannung durch den Körper, gegen den er lehnt, gehen und fühlt, wie Scott sich an die Oberfläche seines Bewusstseins kämpft.
Was folgt, ist erschrecktes Zucken. Scott reißt gerötete Augen auf – die inzwischen Gott sei Dank dafür abgeschwollen genug sind – und sein Blick ist leer und panisch.
„Alles ist gut, Scott“, sagt Stiles leise und schnell.
„Du bist in Sicherheit, alle sind in Sicherheit. Alles ist gut.“
Panik kriecht ihm den Rücken hinauf, als er bemerkt, dass sein Freund gar nicht darauf zu hören scheint. Der Wagen schlingert kurz auf der Straße, weil Allison einen winzigen Moment zu lange in den Rückspiegel sieht und offenbar versucht, die Gefahr des Momentes abzuschätzen. Auch ein verwundeter Werwolf ist ein Werwolf.
Scott drückt sich gegen die metallene Wand des Jeeps und seine Augen bleiben unfokussiert und rot – werwolfrot – an Stiles hängen.
„Du...“, keucht er, und er ist so heiser, dass seine Stimme nur gebrochen durch seine Lippen dringt.
„Du...Stiles?“
Es ist eine Frage, welche die gesamte Realität anzweifelt. Vielleicht bewirkt zu viel Eisenhut Halluzinationen. Vielleicht denkt Scott, dass er sich seinen Freund nur einbildet.
Stiles erhebt ganz langsam die Hände um zu zeigen, dass er keine Gefahr darstellt. Allisons und Dereks Augen ruhen auf ihm, auf Scott und mit einem Mal hat er das Gefühl, dass ihm die Brust zugeschnürt wird.
„Stiles“, murmelt Derek von vorne.
„Es ist der Wolf, verstehst du?“
Aus den Augenwinkeln sieht er Allison nicken und allein der Gedanke, dass Scott irgendwo da drin ist, in dieser Werwolfschale, die noch immer zittert und schmerzt und die versucht, Klauen auszufahren, die wegen Eisenhut und Eberesche noch nicht nachwachsen konnten, bricht ihm das Herz.
„Der kennt mich auch“, flüstert er und fasst vorsichtig nach Scotts Schultern.
Der Alpha entblößt spitze Zähne, halb ausgefahren, wie in einem Energiesparmodus, und wie von einem Welpen, aber scharf genug, um Stiles die Kehle auszubeißen, wenn sie wollten.
Für einen Augenblick hält Stiles die Luft an.
„Ich bin's, Scott“, wispert er, zieht seine Lippen auseinander und entblößt harmlose Menschenzähne direkt vor Scotts Nase.
„Und ich bin echt.“
Das ist Lektion eins: Ein Wolf will immer an deiner Schnauze, an deinen Zähnen deinen Geruch aufnehmen. Es gehört zur Interaktion. Es beruhigt ihn.
Und es funktioniert. Scott erstarrt für einen Augenblick, dann schnuppert er. Dann blinzelt er langsam das rote Glühen aus seinen müden, entzündeten Augen.
„Stiles.“
Es ist keine Frage. Es ist etwas, was ein Erwachender sagt.
Stiles grinst unbeholfen.
„Hi, Scotty. Und bevor du fragst: Es geht ihnen allen gut. Okay?“
Er kennt ihn doch. Das wäre seine erste Frage gewesen.
„Derek sitzt hier, Allison ist da, Lydia, Kira, Noshiko, Malia, Isaac. Wir haben alle rausgeholt. Okay?“
Scott sieht ihn lange mit leicht geöffneten Lippen an. In seinem Kopf arbeitet es fieberhaft, ganz so, als müsste er sich gegen eine neue Ohnmacht zur Wehr setzen. Ein langer, schwerer Atemzug entfährt ihm und der ganze Junge sackt auf der Stelle zusammen. Stiles zieht ihn unter der Decke näher an sich heran und legt die Arme so fest um ihn, als könnte er ihn damit vom Rest der Welt abschirmen.
Er sagt etwas, das Scott schon viel zu lange nicht mehr von ihm gehört hat:
„Ich hab dich.“
Und an der Art, wie Scott ihn anschaut, sich an ihn klammert, die Nase in Stiles' Halsbeuge legt wie in alten Tagen, in denen er davon gesprochen hat, sich Stiles' Geruch einzuprägen, begreift Stiles, dass es Rettung in letzter Sekunde war. Dass es womöglich eine Frage von Stunden gewesen wäre, bis...
Er schnieft unwillkürlich und zieht die Decke enger um Scott, während der an ihm hängt wie ein Koalabär an einem Baum. Stiles spürt, wie sein bester Freund sogar die Beine um seine Hüften legt und ihn näher an sich heranzieht und einfach nur atmet – stoßend, dann flacher.
Und er hält ihn fest, nahe bei sich, bis es sich anfühlt, als würden ihre Pulse zu einem verschmelzen. Er spürt, wie die Wärme in diesen Körper zurückkehrt. Er spürt, wie Wunden anfangen zu verheilen.
Als die Sonne vollständig aufgegangen ist und Allison sich eine Sonnenbrille aufsetzt, um beim Blick in den Rückspiegel nicht geblendet zu werden, sieht sie ein eingeschlafenes Knäuel aus zwei jungen Männern, die womöglich selbst eine Explosion nicht mehr auseinander brächte.
Sie lächelt. Dann fasst sie nach Dereks gesunder Hand.
(To be continued)
no subject
Date: 2014-07-10 06:19 pm (UTC)Und Derek! Seine Finger! Gah! Ihn und Allison habe ich bisher nie anders als in einer Art gegenseitigem Respekt gesehen... aber ich bin sehr gespannt, wo du das noch hinführst.
Ich nehme ALLES! Mach sie nur endlich wieder glücklich! So glücklich wie es nach sowas eben noch geht...
no subject
Date: 2014-07-10 07:47 pm (UTC)Jaa, ich weiß, Dallison ist ein rares Ding, aber ich mag's sehr gerne. Man muss es ja auch gar nicht romantisch sehen :)
Danke für's Durchhalten <3
no subject
Date: 2014-07-10 08:44 pm (UTC)Ich kann alles ertragen, wenn Stiles und Scott nur endlich wieder zusammen sind. Du darfst sie nie wieder trennen, okay??! ;___; Nicht mal für zwei Sätze. Sie müssen bitte aneinander kleben bleiben für immer.
Das ist wunderschön und so schrecklich und bitter und allein bei dem Gedanken, was sie Scott alles angetan haben, will man gleichzeitig in Tränen ausbrechen und Amok laufen.
Protective!Stiles, der einen Werwolf anknurrt, damit der die Hand wegnimmt ist irgendwie das entzückendste was ich je gelesen habe ... ;___;
*weint eine Runde*
Und Allison. Hach Allison. Es ist so schön, dass man den letzten Blick aus ihrer Perspektive hat. Und natürlich Dallison. *_* Subtle wonderful Dallison.
Ich will jetzt auch eine Geschichte über sie beiden. Möglichst nach der Befreiungsaktion! òó Nicht vorher während sie Derek torturen ... *wein*
Du bist grausam aber dennoch meine Göttin. <3333 Das ist alles wundervoll und entsetzlich und schmerzhaft und schön und ich hätte gerne noch zehn Kapitel mehr davon - und mindestens acht davon darf Scott in Stiles Armen liegen und sich puscheln lassen.
Ach ja:
„Der kennt mich auch“, flüstert er
WIR SCHREIBEN VIEL ZU WENIG ÜBER STILES UND SCOTTS WOLF! Und ich bin froh, dass du hier einen Anfang machst! *___*
(Haben wir schon genug darüber geredet ??? Ich glaube nicht!)
no subject
Date: 2014-07-11 05:57 pm (UTC)Awww danke *__*
Du bist grausam aber dennoch meine Göttin
Ooh, darf ich mir das einrahmen? o///O
Nein, ich glaube nicht, dass wir schon großartig darüber geredet haben *g* Bei mir scheitert das immer daran, dass ich mir nie ganz einig werde, wie ich den Wolf behandeln soll. Ob nun als extra Persönlichkeit (so á la Doctor Jekyll und Mr. Hyde) oder als eine besonders animalische Persönlichkeitsseite von Scott, die in erster Linie aus Urinstinkten besteht. Hm. Schwierig *g*
In jedem Fall aber kennt Scotts innerer Wolf Stiles genauso gut und würde ihn auf jeden Fall genauso beschützen. Das steht völlig außer Frage. :D