[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: Angst - verpasste Gelegenheit (für mich)
Titel: Nächtliche Heimkehr
Fandom: Original
Charaktere: Carsten, Anna
Words: 395
Warnings: unbetaed, uncorrected

Kommentar: Ich kämpfe gerade gegen eine massive Schreibblockade an, was gar nicht so leicht ist. Ich habe es mir jetzt also in den Kopf gesetzt, aus der Angst-Tabelle eine Geschichte zu machen. Leider fällt mir es wirklich schwer, überhaupt etwas getippt zu kriegen - also mal sehen, ob ich es wirklich schaffe.


Nächtliche Heimkehr

Leise kam Carsten nach Hause. Er wusste, er war spät und er wusste, dass er seine Frau wieder einmal gekränkt hatte. Ihre Ehe war nicht mehr, was sie einmal gewesen war. Sie waren jung gewesen und sie waren gewarnt worden, diesen Schritt übereilt zu machen. Am Anfang war es noch purer Trotz gewesen, der sie zusammengeschweißt hatte. Sie hatten sich gezwungen, die Probleme wegzuschweigen und aus dem Weg zu räumen.
Der Mittvierziger konnte nicht einmal sagen, wann sie angefangen hatten, so abgestumpft zu werden. Sie hatten sich aneinander gewöhnt. Respektierten einander.
Und doch hatte er jetzt nach zwanzig Jahren einen großen Fehler begangen. Einen, von dem er wusste, dass es das Leben, das sie sich aufgebaut hatten, unwiderruflich zerstören konnte. Soviel Verständnis konnte er von Anna gar nicht erwarten. Aber er musste es ihr sagen.
"Du bist spät. Ich habe das Essen in den Kühlschrank gestellt." Annas Stimme klang müde und Carsten tat der Anblick seiner Frau in der Seele weh. Ahnte sie etwas oder war es nur, weil er wieder nicht angerufen hatte. Irgendwann hatte sie begonnen, sich nicht mehr darüber aufzuregen. Generell waren in den letzten Jahren ihre Konfrontationen auf ein Minimum gesunken.
Er musste es ihr sagen. Sie um Verzeihung bitten, egal, wie schwer es war.
Carsten schluckte und öffnete seinen Mund.
Dann sah Anna auf und ihn verließ der Mut. Er lächelte. "Entschuldige, mein Schatz. Ich wollte pünktlich Schluss machen, aber du weißt ja, wie das ist. Die Leute rufen immer kurz vor Feierabend an. Es war ein guter Kunde, ich musste mich sofort darum kümmern." Seine Worte klangen in seinen Ohren hohl. Aufgesetzt. Ganz so war es nicht gewesen.
Aber er konnte ihr die Wahrheit nicht ins Gesicht sagen. Nicht heute Abend noch. "Ich werde mir etwas aufwärmen." Aber eigentlich hatte er keinen Hunger. Dennoch gab er auf dem Weg zum Geschirrschrank Anna einen sanften Kuss auf die Wange. Das Klimpern im ansonsten stillen Haus fühlte sich lästig laut an. Carstens Nerven lagen blank. Er musste es ihr sagen.
"Mach das. Ich bin schon müde und gehe ins Bett. Gute Nacht." Er sah Annas Lächeln nicht, aber er wusste, dass sie sich um eins bemüht hatte. Und er wusste, dass er seine Chance verpasst hatte, reinen Tisch zu machen.
Ein leises, schermütiges Seufzen entwich ihm und er räumte den Teller wieder zurück in den Schrank. Er hatte wirklich keinen Hunger.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios