Team: Erato
Challenge: Suspense - Dunkelheit/ohne Licht (für mich)
Fandom: Teen Wolf
Personen: Stiles, Allison, alle Yukimuras, Lydia, Isaac...und ja: Scott
Warnung/Genre: nach wie vor AU, dark, Erwähnung von Gewalt und Folter, Schießereien
Anmerkung: Fortsetzung zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Ich weiß nicht, ob das wirklich Suspense geworden ist. Zudem ergibt es irgendwie Sinn, allerdings nur, wenn man nicht zu genau hinschaut. So ähnlich wie beim Canon. Und ja: Ich mach es wieder gut, es wird Comfort kommen. Versprochen.
Wörter: ~2.000
Der Sand ist überall. Er klebt zwischen Stiles' Fingern am Angstschweiß fest, hängt zwischen seinen Wimpern, in seinen Haaren und sogar, wenn Stiles das richtig empfindet, irgendwo in seiner Unterhose. Feiner Wüstensand landet überall. Stiles hat vor zehn Minuten aufgehört, ihn sich immer wieder abzuklopfen. Er liegt bäuchlings neben Allison auf einer winzigen Anhöhe und spürt die Restwärme des Tages sekundenschnell verfliegen.
Dunkelheit wallt über Nevada wie ein sie zudeckender Schleier.
Allison kaut auf ihrer Unterlippe und späht durch ihren Feldstecher. Von hier aus kann man den Haupteingang zum A-Lager sehen. Er ist hell erleuchtet von den Scheinwerfern, die man an den Stacheldrahtzäunen befestigt hat. Schweigend vergleichen Allison und Stiles die Zeit auf ihren Armbanduhren und schauen mit klopfenden Herzen dabei zu, wie Ken Yukimuras Wagen kurz vor dem Lichtkegel der Scheinwerfer hält, wie er aussteigt und wild gestikulierend mit den Soldaten am Tor zu diskutieren beginnt.
Stiles schluckt.
Es ist, als ob er auf einen epischen Orchestertusch oder so etwas gewartet hat, einen dramatischen Akkord, der den Beginn ihrer mit voller Absicht unbenannten Operation einleitet.
Aber alles, was er hört, ist das Zirpen von Grillen und das Rauschen des Blutes in seinen Ohren.
Mister Yukimura ist ein ziemlich guter Schauspieler für einen Geschichtsprofessor, findet Stiles. Zumindest sieht es so aus. Seine Haare sind wirr, seine Augen groß, er wirkt verrückt genug, um als jemand durchzugehen, der abends kurz nach Sonnenuntergang von Sehnsucht getrieben danach verlangt, Frau und Tochter zu sehen.
„Sie lachen ihn aus“, flüstert Allison, während sie jede einzelne Bewegung der Menschen am Tor genauestens verfolgt.
Stiles schnaubt.
„Nicht mehr lange.“
Es ist mühselig für ihn, die Bewegungen in der Ferne zu verfolgen. Die Ausrüstung hat nicht für zwei Ferngläser gereicht und die Dunkelheit erschwert die Sinne zunehmend. Aber es hilft nichts. Dunkelheit wird ihnen auf der Flucht nachher eine gute Freundin sein und der rationale Teil in Stiles hofft, dass sie bald mindestens eine Werkreatur dabei haben, die ihnen mit ihrem integrierten Nachtsichtgerät behilflich sein wird. Der irrationale Teil ist mit Gewalt zum Schweigen gebracht.
„Klinisch und emotionslos“, hat Allison vorhin gesagt, als sie den Jeep in etwa einer halben Meile Entfernung haben stehenlassen. Stiles hat sie umarmt und tief Atem geschöpft.
„Das hat mir meine Mutter beigebracht. Wir schaffen das, okay?“
Allison blinzelt drei Mal schnell.
„Miss Morell“, murmelt sie. Sie muss Bewegung am vereinbarten Seiteneingang, der ihnen halb zugewandt ist, ausgemacht haben.
„Das Zeichen.“
Sie springt auf die Füße und fasst nach Stiles' Arm, um ihn hochzuziehen. Das Gewicht einer vollen Wasserflasche, der schusssicheren Weste seines Vaters, die ihm viel zu weit ist, einer Pistole und einem Gewehr verstärken die Erdanziehungskraft.
Zwanzig Minuten.
Die Zeit läuft.
Der Sand erschwert das Laufen und Stiles stolpert in der Dunkelheit immer wieder über Geröll und Steine und Sukkulenten. Allison fasst nach seiner Hand und hält sie. Der Weg zum Seiteneingang am A-Lager ist kurz, aber schweißtreibend. Das Gitter mit dem silbernen Stacheldrahtzaun wirkt aus der direkten Nähe mit einem Mal noch höher. Miss Morell verschwindet in ihrer schwarzen Lederkluft beinahe vollends in der Dunkelheit. Neben ihr liegt ein Soldat mit dem Gesicht nach unten im Sand.
„Der Alarm ist überbrückt“, sagt sie schnell und leise.
„Trödelt nicht!“
Als ob jemals daran zu denken wäre.
Das Lager ist so klein, dass man selbst von hier aus Mister Yukimuras Stimme hören kann. Er klingt, als würde er weinen, wirft Worte auf Koreanisch und Japanisch dazwischen, während ihn mehrere fremde Stimmen gleichzeitig beschwichtigen, bedrohen und auslachen. Allison zieht Stiles ins Innere des Areals. Direkt hinter dem Tor verwischt sie mit dem Stiefel eine Linie, die sich schwarz vom Eigengrau der Nacht abhebt: Eine Barriere aus Ebereschenpulver.
Der Mangel an technischen Möglichkeiten lässt nur eine Taktik zu: Pure Geschwindigkeit. Sie rasen über den Vorplatz, weichen den Lichtkegeln aus und Stiles hofft, oh er hofft so sehr, dass die Wachen einfach zu beschäftigt mit Mister Yukimura sind und ihnen den Rücken zuwenden. Es bleiben nur die beiden in den Hof gerichteten Sicherheitskameras, von denen Stiles hofft, dass gerade niemand zu sehr hinschaut. Gott, dieser Plan ist so suizidal, Stiles ist beinahe stolz auf sich, wie sehr er seine Handschrift trägt.
Sie erreichen die Hauptbaracke und Allison zerrt aus der Tasche an ihrem Gürtel einen Dietrich hervor. Die Dunkelheit lässt das Werkzeug beinahe vor ihren Augen verschwinden und Stiles zählt mit rasendem Herzen die Sekunden, die sie braucht, um das Schloss zu knacken, steht mit dem Rücken zu ihr gewandt und späht mit gezückter Pistole in die Finsternis.
Die Tür öffnet sich und Stiles ist froh, dass man sich zumindest hier keine großen Umstände mit Codes, Fingerabdrücken oder anderen Späßen gemacht hat.
Auch wenn das A-Lager ein Hochsicherheitstrakt ist, man merkt, dass es ebenso schnell und behelfsmäßig aus dem Boden gestampft wurde wie das B-Lager. Sogar der Schnitt ist identisch.
Im Inneren brennen wenige Lampen. Ihr Surren erfüllt die Luft. An der Mitte des Ganges scheint helleres Licht aus einem offenen Raum in die Halle. Von drinnen erklingen müde Stimmen. Es muss das Kabuff der Wärter sein. Auf Zehenspitzen pirschen Allison und Stiles sich vorwärts, im Abstand von mehreren Metern das Siegel weiterer Ebereschenbannkreise brechend.
Sekunden vergehen, in denen die Stille immer lauter wird.
Komm schon, denkt Stiles und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Wir haben keine Zeit, komm schon!
Als ob sie auf seine Gedanken gewartet hätten, öffnen sich mit einem lauten und metallischen Klacken sämtliche Zellenschlösser im Gang. Melissa und Stiles' Vater haben es offenbar endlich in den Kontrollraum am anderen Ende des Lagers geschafft.
Jetzt gibt es kein Zögern mehr.
„Was zur Hölle war das?“, ertönt aus dem beleuchteten Zimmer. Allison stürzt los, ihre Kanone im Anschlag und Stiles rennt unkoordiniert hinter ihr her. Sein Herz klopft ihm von unten an den Kehldeckel.
Wie aufgescheuchte Tiere kommen ihnen die Wärter entgegen – müde, entblößte Gesichter, die so menschlich sind, dass sie Stiles aufrichtig erschrecken. Allison entsichert ihre Waffe, schießt und in der Wucht des Kugelhagels fallen die Männer zur Seite wie Bowlingkegel.
Stiles kann sich nicht darum kümmern – er darf sich nicht darum kümmern, darf nicht darüber nachdenken, was für ein seltsames Lager das ist, in dem Zellentüren zentral verriegelt werden, aber die Eingangstür der Baracken kinderleicht zu knacken sind, und was das für eine Geschichte an Ausbruchsversuchen beinhaltet. Er reißt eine Zellentür nach der anderen auf und schaut hinein.
Fremde Menschen schauen ihn vollkommen perplex an, springen von Pritschen, reißen die Augen auf und erheben die Hände mit krallenlosen Fingern in einem verzweifelten Versuch, sich zu verteidigen.
„Das ist eine Befreiungsaktion“, ruft Stiles ihnen entgegen, lässt es über den Gang hallen.
„Haut ab, solange ihr könnt, haut ab! Scott?“
Sein Herz hüpft mit jeder Sekunde höher und in seinen Gliedern schreit bei jeder Tür, die nicht seinen besten Freund enthüllt, bodenlose Angst. Angst, dass er Scott nicht mehr finden wird, nicht in einer Zelle. Auf der anderen Seite des Ganges ahmt Allison ihn mit Feuereifer nach. Stiles hat keine Zeit, auf seine Uhr zu schauen, aber er hat das Gefühl, von den zwanzig Minuten, die der Alarm überbrückt werden kann ohne die Zentralalarmanlage auszulösen, schon viel zu viele vergangen sind.
Der Gang füllt sich mit Geräuschen. Menschen rennen, humpeln, schleichen verwirrt aus ihren Zellen.
„Allison!“
Stiles dreht sich nach der Stimme um. Er würde sie überall, zwischen Millionen anderer Stimmen wiedererkennen.
Lydias Haare sind fettig und wirr. Die Frau trägt einen schwarzen Anzug mit der Nummer 13 am Revers und sie sieht so dünn aus, dass er Angst hat, sie könne jeden Moment einknicken. Allison stürzt auf sie zu und legt stützend einen Arm um sie.
„Wo sind die anderen?“, ruft Stiles.
„Lydia, wo sind sie?“
„Nicht hier!“ Lydia schüttelt den Kopf und hustet trocken gegen ihre Schulter.
„Es gibt zwei Nebenhallen, die Durchgänge sind dort drüben. Seid vorsichtig, da sind auch Wärter!“
„Ich lass dich nicht mehr allein“, ruft Allison.
„Du kommst mit mir! Stiles!“
„Ich nehme den rechten, ihr den linken!“
Inmitten des Getümmels versucht Stiles sich zu konzentrieren. Über allem hämmert die Angst in seiner Brust. Er entsichert seine Waffe und schlägt den Nebengang ein.
„Scott!“, schreit er und fühlt seine Stimme brechen.
Soldaten kommen ihm entgegen und Stiles reißt wie Allison eben die Waffe hoch und schießt. Er fühlt das Metall in seinen Händen zittern. Kugeln schlagen in Wände und den Boden ein. Es sind nur drei Männer, aber sie stehen noch immer und greifen nach den Kanonen an ihren Gürteln. Stiles presst die Zähne aufeinander und feuert weiter, bis er sie endlich, endlich erwischt hat. Sie machen hässliche Geräusche, als sie auf dem Boden aufschlagen – Geräusche von Blut und Knochen.
Stiles reißt die nächsten nunmehr offenen Türen auf.
„Scott! Scott, wo bist du?“
Um ihn herum erscheinen Gestalten wie Geister, halten sich verwirrt an den Türen ihrer Zellen fest, blinzeln in das Licht.
„Wo ist Scott?“, schreit Stiles sie an, doch sie schütteln hilflos den Kopf.
Panik packt ihn am Nacken. Sein Atem geht in Stößen. Er klammert sich an die Waffe, mit der er eben Menschen getötet hat und Scott ist nicht da. Scott ist nicht da, Scott ist nicht da, Scott ist nicht da-
„Stiles!“
Sein Kopf fliegt herum und da steht Malia im Gang, leichenblass wie ein Gespenst und mit glühenden blauen Augen. Hinter ihr taucht humpelnd ein großer Mann auf, von dem sich Stiles zuerst fragt, wer das ist. Seine Haare sind abrasiert und sein Gesicht von so tiefen Narben durchzogen, dass Stiles im Adrenalinrausch erst jetzt erkennt, dass es Isaac ist.
Die Augen des Beta flackern golden an und aus, als wäre in seinem Kopf ein Wackelkontakt. Er hebt den Kopf und stößt ein markerschütterndes Heulen aus.
Was dann passiert, lässt Stiles das Blut in den Adern gefrieren. Nicht auf die schlechte Art, nein.
Von allen Seiten und aus den anderen Gängen antwortet man ihm. Wolfsgeheul, das Knurren von Kojoten, seelenzerstörendes Banshee-Schreien und das Schnarren von Kreaturen, die Stiles zuvor noch nie gehört hat, erfüllen die Luft, bringen die Wände zum Vibrieren.
Aber unter ihnen fehlt eine Antwort.
„Ich geh nicht ohne Scott!“, schreit Stiles Malia und Isaac an.
„Wo ist er?“
„Hier!“, ruft es hinter ihm.
Kira steht neben einer Tür. Sie hat einen Arm um ihre Mutter gelegt, die Stiles ebenso wenig erkennen würde wie Isaac, wenn er nicht wüsste, dass es nur Noshiko Yukimura sein kann. Ihre Haare sind schneeweiß.
Atemlos rast er auf die Tür neben den beiden zu und reißt sie auf.
„Scott!“, ruft er in die Dunkelheit hinein.
„Scott?“
Es kommt keine Antwort. Stiles tritt in die Zelle hinein. Es dauert, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnen und das flirrende Licht, das vom Gang hereinscheint, ist keine große Hilfe.
Die gesamte Zelle stinkt nach Eisenhut. Stiles schluckt.
„Scott?“
Er hört ein leises Röcheln. Seine Stiefel scharren gegen etwas, das sich unter den Sohlen wie Sand anfühlt. Noch ein Bannkreis aus Eberesche. Stiles zerstört sie zornig. Hinten in der Ecke sieht er einen schwarzen Fleck, eine zusammengekauerte Gestalt.
Als Stiles näherkommt und ihr ganz sachte die Hand auf die Schulter legt, wimmert sie.
Es ist Scott.
Seine Augen sind zugeschwollen, vermutlich vom Dampf des Eisenhutes, und Stiles ist sich sicher, dass über dem Gestank der Pflanze auch die Werwolfnase seines Freunde nicht funktioniert.
„Ich bin's!“, flüstert er leise.
„Und ich hol dich hier raus, okay? Wir schaffen dich hier raus!“
Scott erwidert nichts. Er wimmert nur noch einmal, als Stiles ihn mühselig auf die Schulter zieht. Er kann nicht einmal auf den Beinen stehen. Als Stiles ihn in das Licht des Ganges schleift, erkennt er erst das Ausmaß des Schadens. Scotts Lippen sind blau angelaufen, sein Kopf hängt kraftlos zur Seite herab. Es ist, als wäre er nur halb bei Bewusstsein, als würde keiner seiner Sinne mehr funktionieren, weil sie alle betäubt vom Gift sind.
Inmitten des Chaos flüchtender Menschen begreift Stiles, dass man seinen besten Freund ganz offenbar nicht einfach nur festgehalten hat. Man hat versucht, ihn ganz langsam und systematisch umzubringen.
Er weiß nicht, wie es sich für einen Werwolf anfühlt, wenn blinder Zorn jegliche Form von gesundem Verstand übermannt. Aber die Art, wie der Saum seines Gesichtsfeldes vor Wut rot und dann weiß wird, ist wahrscheinlich ähnlich.
Niemand nimmt ihm ungestraft Scott weg. Niemand. Niemand. Niemandniemandniemandniemandniemand.
Einen Lidschlag später gellen ohrenbetäubend die Alarmsirenen los.
Als die Gruppe der Inhaftierten und Befreier auf den Vorplatz drängt, wird sie von Soldaten empfangen.
Stiles hebt seine Waffe und feuert Kopfschüsse ab.
(To be continued)
Challenge: Suspense - Dunkelheit/ohne Licht (für mich)
Fandom: Teen Wolf
Personen: Stiles, Allison, alle Yukimuras, Lydia, Isaac...und ja: Scott
Warnung/Genre: nach wie vor AU, dark, Erwähnung von Gewalt und Folter, Schießereien
Anmerkung: Fortsetzung zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Ich weiß nicht, ob das wirklich Suspense geworden ist. Zudem ergibt es irgendwie Sinn, allerdings nur, wenn man nicht zu genau hinschaut. So ähnlich wie beim Canon. Und ja: Ich mach es wieder gut, es wird Comfort kommen. Versprochen.
Wörter: ~2.000
Der Sand ist überall. Er klebt zwischen Stiles' Fingern am Angstschweiß fest, hängt zwischen seinen Wimpern, in seinen Haaren und sogar, wenn Stiles das richtig empfindet, irgendwo in seiner Unterhose. Feiner Wüstensand landet überall. Stiles hat vor zehn Minuten aufgehört, ihn sich immer wieder abzuklopfen. Er liegt bäuchlings neben Allison auf einer winzigen Anhöhe und spürt die Restwärme des Tages sekundenschnell verfliegen.
Dunkelheit wallt über Nevada wie ein sie zudeckender Schleier.
Allison kaut auf ihrer Unterlippe und späht durch ihren Feldstecher. Von hier aus kann man den Haupteingang zum A-Lager sehen. Er ist hell erleuchtet von den Scheinwerfern, die man an den Stacheldrahtzäunen befestigt hat. Schweigend vergleichen Allison und Stiles die Zeit auf ihren Armbanduhren und schauen mit klopfenden Herzen dabei zu, wie Ken Yukimuras Wagen kurz vor dem Lichtkegel der Scheinwerfer hält, wie er aussteigt und wild gestikulierend mit den Soldaten am Tor zu diskutieren beginnt.
Stiles schluckt.
Es ist, als ob er auf einen epischen Orchestertusch oder so etwas gewartet hat, einen dramatischen Akkord, der den Beginn ihrer mit voller Absicht unbenannten Operation einleitet.
Aber alles, was er hört, ist das Zirpen von Grillen und das Rauschen des Blutes in seinen Ohren.
Mister Yukimura ist ein ziemlich guter Schauspieler für einen Geschichtsprofessor, findet Stiles. Zumindest sieht es so aus. Seine Haare sind wirr, seine Augen groß, er wirkt verrückt genug, um als jemand durchzugehen, der abends kurz nach Sonnenuntergang von Sehnsucht getrieben danach verlangt, Frau und Tochter zu sehen.
„Sie lachen ihn aus“, flüstert Allison, während sie jede einzelne Bewegung der Menschen am Tor genauestens verfolgt.
Stiles schnaubt.
„Nicht mehr lange.“
Es ist mühselig für ihn, die Bewegungen in der Ferne zu verfolgen. Die Ausrüstung hat nicht für zwei Ferngläser gereicht und die Dunkelheit erschwert die Sinne zunehmend. Aber es hilft nichts. Dunkelheit wird ihnen auf der Flucht nachher eine gute Freundin sein und der rationale Teil in Stiles hofft, dass sie bald mindestens eine Werkreatur dabei haben, die ihnen mit ihrem integrierten Nachtsichtgerät behilflich sein wird. Der irrationale Teil ist mit Gewalt zum Schweigen gebracht.
„Klinisch und emotionslos“, hat Allison vorhin gesagt, als sie den Jeep in etwa einer halben Meile Entfernung haben stehenlassen. Stiles hat sie umarmt und tief Atem geschöpft.
„Das hat mir meine Mutter beigebracht. Wir schaffen das, okay?“
Allison blinzelt drei Mal schnell.
„Miss Morell“, murmelt sie. Sie muss Bewegung am vereinbarten Seiteneingang, der ihnen halb zugewandt ist, ausgemacht haben.
„Das Zeichen.“
Sie springt auf die Füße und fasst nach Stiles' Arm, um ihn hochzuziehen. Das Gewicht einer vollen Wasserflasche, der schusssicheren Weste seines Vaters, die ihm viel zu weit ist, einer Pistole und einem Gewehr verstärken die Erdanziehungskraft.
Zwanzig Minuten.
Die Zeit läuft.
Der Sand erschwert das Laufen und Stiles stolpert in der Dunkelheit immer wieder über Geröll und Steine und Sukkulenten. Allison fasst nach seiner Hand und hält sie. Der Weg zum Seiteneingang am A-Lager ist kurz, aber schweißtreibend. Das Gitter mit dem silbernen Stacheldrahtzaun wirkt aus der direkten Nähe mit einem Mal noch höher. Miss Morell verschwindet in ihrer schwarzen Lederkluft beinahe vollends in der Dunkelheit. Neben ihr liegt ein Soldat mit dem Gesicht nach unten im Sand.
„Der Alarm ist überbrückt“, sagt sie schnell und leise.
„Trödelt nicht!“
Als ob jemals daran zu denken wäre.
Das Lager ist so klein, dass man selbst von hier aus Mister Yukimuras Stimme hören kann. Er klingt, als würde er weinen, wirft Worte auf Koreanisch und Japanisch dazwischen, während ihn mehrere fremde Stimmen gleichzeitig beschwichtigen, bedrohen und auslachen. Allison zieht Stiles ins Innere des Areals. Direkt hinter dem Tor verwischt sie mit dem Stiefel eine Linie, die sich schwarz vom Eigengrau der Nacht abhebt: Eine Barriere aus Ebereschenpulver.
Der Mangel an technischen Möglichkeiten lässt nur eine Taktik zu: Pure Geschwindigkeit. Sie rasen über den Vorplatz, weichen den Lichtkegeln aus und Stiles hofft, oh er hofft so sehr, dass die Wachen einfach zu beschäftigt mit Mister Yukimura sind und ihnen den Rücken zuwenden. Es bleiben nur die beiden in den Hof gerichteten Sicherheitskameras, von denen Stiles hofft, dass gerade niemand zu sehr hinschaut. Gott, dieser Plan ist so suizidal, Stiles ist beinahe stolz auf sich, wie sehr er seine Handschrift trägt.
Sie erreichen die Hauptbaracke und Allison zerrt aus der Tasche an ihrem Gürtel einen Dietrich hervor. Die Dunkelheit lässt das Werkzeug beinahe vor ihren Augen verschwinden und Stiles zählt mit rasendem Herzen die Sekunden, die sie braucht, um das Schloss zu knacken, steht mit dem Rücken zu ihr gewandt und späht mit gezückter Pistole in die Finsternis.
Die Tür öffnet sich und Stiles ist froh, dass man sich zumindest hier keine großen Umstände mit Codes, Fingerabdrücken oder anderen Späßen gemacht hat.
Auch wenn das A-Lager ein Hochsicherheitstrakt ist, man merkt, dass es ebenso schnell und behelfsmäßig aus dem Boden gestampft wurde wie das B-Lager. Sogar der Schnitt ist identisch.
Im Inneren brennen wenige Lampen. Ihr Surren erfüllt die Luft. An der Mitte des Ganges scheint helleres Licht aus einem offenen Raum in die Halle. Von drinnen erklingen müde Stimmen. Es muss das Kabuff der Wärter sein. Auf Zehenspitzen pirschen Allison und Stiles sich vorwärts, im Abstand von mehreren Metern das Siegel weiterer Ebereschenbannkreise brechend.
Sekunden vergehen, in denen die Stille immer lauter wird.
Komm schon, denkt Stiles und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Wir haben keine Zeit, komm schon!
Als ob sie auf seine Gedanken gewartet hätten, öffnen sich mit einem lauten und metallischen Klacken sämtliche Zellenschlösser im Gang. Melissa und Stiles' Vater haben es offenbar endlich in den Kontrollraum am anderen Ende des Lagers geschafft.
Jetzt gibt es kein Zögern mehr.
„Was zur Hölle war das?“, ertönt aus dem beleuchteten Zimmer. Allison stürzt los, ihre Kanone im Anschlag und Stiles rennt unkoordiniert hinter ihr her. Sein Herz klopft ihm von unten an den Kehldeckel.
Wie aufgescheuchte Tiere kommen ihnen die Wärter entgegen – müde, entblößte Gesichter, die so menschlich sind, dass sie Stiles aufrichtig erschrecken. Allison entsichert ihre Waffe, schießt und in der Wucht des Kugelhagels fallen die Männer zur Seite wie Bowlingkegel.
Stiles kann sich nicht darum kümmern – er darf sich nicht darum kümmern, darf nicht darüber nachdenken, was für ein seltsames Lager das ist, in dem Zellentüren zentral verriegelt werden, aber die Eingangstür der Baracken kinderleicht zu knacken sind, und was das für eine Geschichte an Ausbruchsversuchen beinhaltet. Er reißt eine Zellentür nach der anderen auf und schaut hinein.
Fremde Menschen schauen ihn vollkommen perplex an, springen von Pritschen, reißen die Augen auf und erheben die Hände mit krallenlosen Fingern in einem verzweifelten Versuch, sich zu verteidigen.
„Das ist eine Befreiungsaktion“, ruft Stiles ihnen entgegen, lässt es über den Gang hallen.
„Haut ab, solange ihr könnt, haut ab! Scott?“
Sein Herz hüpft mit jeder Sekunde höher und in seinen Gliedern schreit bei jeder Tür, die nicht seinen besten Freund enthüllt, bodenlose Angst. Angst, dass er Scott nicht mehr finden wird, nicht in einer Zelle. Auf der anderen Seite des Ganges ahmt Allison ihn mit Feuereifer nach. Stiles hat keine Zeit, auf seine Uhr zu schauen, aber er hat das Gefühl, von den zwanzig Minuten, die der Alarm überbrückt werden kann ohne die Zentralalarmanlage auszulösen, schon viel zu viele vergangen sind.
Der Gang füllt sich mit Geräuschen. Menschen rennen, humpeln, schleichen verwirrt aus ihren Zellen.
„Allison!“
Stiles dreht sich nach der Stimme um. Er würde sie überall, zwischen Millionen anderer Stimmen wiedererkennen.
Lydias Haare sind fettig und wirr. Die Frau trägt einen schwarzen Anzug mit der Nummer 13 am Revers und sie sieht so dünn aus, dass er Angst hat, sie könne jeden Moment einknicken. Allison stürzt auf sie zu und legt stützend einen Arm um sie.
„Wo sind die anderen?“, ruft Stiles.
„Lydia, wo sind sie?“
„Nicht hier!“ Lydia schüttelt den Kopf und hustet trocken gegen ihre Schulter.
„Es gibt zwei Nebenhallen, die Durchgänge sind dort drüben. Seid vorsichtig, da sind auch Wärter!“
„Ich lass dich nicht mehr allein“, ruft Allison.
„Du kommst mit mir! Stiles!“
„Ich nehme den rechten, ihr den linken!“
Inmitten des Getümmels versucht Stiles sich zu konzentrieren. Über allem hämmert die Angst in seiner Brust. Er entsichert seine Waffe und schlägt den Nebengang ein.
„Scott!“, schreit er und fühlt seine Stimme brechen.
Soldaten kommen ihm entgegen und Stiles reißt wie Allison eben die Waffe hoch und schießt. Er fühlt das Metall in seinen Händen zittern. Kugeln schlagen in Wände und den Boden ein. Es sind nur drei Männer, aber sie stehen noch immer und greifen nach den Kanonen an ihren Gürteln. Stiles presst die Zähne aufeinander und feuert weiter, bis er sie endlich, endlich erwischt hat. Sie machen hässliche Geräusche, als sie auf dem Boden aufschlagen – Geräusche von Blut und Knochen.
Stiles reißt die nächsten nunmehr offenen Türen auf.
„Scott! Scott, wo bist du?“
Um ihn herum erscheinen Gestalten wie Geister, halten sich verwirrt an den Türen ihrer Zellen fest, blinzeln in das Licht.
„Wo ist Scott?“, schreit Stiles sie an, doch sie schütteln hilflos den Kopf.
Panik packt ihn am Nacken. Sein Atem geht in Stößen. Er klammert sich an die Waffe, mit der er eben Menschen getötet hat und Scott ist nicht da. Scott ist nicht da, Scott ist nicht da, Scott ist nicht da-
„Stiles!“
Sein Kopf fliegt herum und da steht Malia im Gang, leichenblass wie ein Gespenst und mit glühenden blauen Augen. Hinter ihr taucht humpelnd ein großer Mann auf, von dem sich Stiles zuerst fragt, wer das ist. Seine Haare sind abrasiert und sein Gesicht von so tiefen Narben durchzogen, dass Stiles im Adrenalinrausch erst jetzt erkennt, dass es Isaac ist.
Die Augen des Beta flackern golden an und aus, als wäre in seinem Kopf ein Wackelkontakt. Er hebt den Kopf und stößt ein markerschütterndes Heulen aus.
Was dann passiert, lässt Stiles das Blut in den Adern gefrieren. Nicht auf die schlechte Art, nein.
Von allen Seiten und aus den anderen Gängen antwortet man ihm. Wolfsgeheul, das Knurren von Kojoten, seelenzerstörendes Banshee-Schreien und das Schnarren von Kreaturen, die Stiles zuvor noch nie gehört hat, erfüllen die Luft, bringen die Wände zum Vibrieren.
Aber unter ihnen fehlt eine Antwort.
„Ich geh nicht ohne Scott!“, schreit Stiles Malia und Isaac an.
„Wo ist er?“
„Hier!“, ruft es hinter ihm.
Kira steht neben einer Tür. Sie hat einen Arm um ihre Mutter gelegt, die Stiles ebenso wenig erkennen würde wie Isaac, wenn er nicht wüsste, dass es nur Noshiko Yukimura sein kann. Ihre Haare sind schneeweiß.
Atemlos rast er auf die Tür neben den beiden zu und reißt sie auf.
„Scott!“, ruft er in die Dunkelheit hinein.
„Scott?“
Es kommt keine Antwort. Stiles tritt in die Zelle hinein. Es dauert, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnen und das flirrende Licht, das vom Gang hereinscheint, ist keine große Hilfe.
Die gesamte Zelle stinkt nach Eisenhut. Stiles schluckt.
„Scott?“
Er hört ein leises Röcheln. Seine Stiefel scharren gegen etwas, das sich unter den Sohlen wie Sand anfühlt. Noch ein Bannkreis aus Eberesche. Stiles zerstört sie zornig. Hinten in der Ecke sieht er einen schwarzen Fleck, eine zusammengekauerte Gestalt.
Als Stiles näherkommt und ihr ganz sachte die Hand auf die Schulter legt, wimmert sie.
Es ist Scott.
Seine Augen sind zugeschwollen, vermutlich vom Dampf des Eisenhutes, und Stiles ist sich sicher, dass über dem Gestank der Pflanze auch die Werwolfnase seines Freunde nicht funktioniert.
„Ich bin's!“, flüstert er leise.
„Und ich hol dich hier raus, okay? Wir schaffen dich hier raus!“
Scott erwidert nichts. Er wimmert nur noch einmal, als Stiles ihn mühselig auf die Schulter zieht. Er kann nicht einmal auf den Beinen stehen. Als Stiles ihn in das Licht des Ganges schleift, erkennt er erst das Ausmaß des Schadens. Scotts Lippen sind blau angelaufen, sein Kopf hängt kraftlos zur Seite herab. Es ist, als wäre er nur halb bei Bewusstsein, als würde keiner seiner Sinne mehr funktionieren, weil sie alle betäubt vom Gift sind.
Inmitten des Chaos flüchtender Menschen begreift Stiles, dass man seinen besten Freund ganz offenbar nicht einfach nur festgehalten hat. Man hat versucht, ihn ganz langsam und systematisch umzubringen.
Er weiß nicht, wie es sich für einen Werwolf anfühlt, wenn blinder Zorn jegliche Form von gesundem Verstand übermannt. Aber die Art, wie der Saum seines Gesichtsfeldes vor Wut rot und dann weiß wird, ist wahrscheinlich ähnlich.
Niemand nimmt ihm ungestraft Scott weg. Niemand. Niemand. Niemandniemandniemandniemandniemand.
Einen Lidschlag später gellen ohrenbetäubend die Alarmsirenen los.
Als die Gruppe der Inhaftierten und Befreier auf den Vorplatz drängt, wird sie von Soldaten empfangen.
Stiles hebt seine Waffe und feuert Kopfschüsse ab.
(To be continued)
no subject
Date: 2014-07-09 07:19 am (UTC)Oh Gott...
Oh Gott...
Ich kommentier gleich richtig, wenn mein Herz aufhört durch meine Rippen zu hämmern...
Oh Gott...
no subject
Date: 2014-07-10 05:09 pm (UTC)*flausch*
no subject
Date: 2014-07-09 09:55 am (UTC)Wir lesen uns später nochmal x_X
Okay. Jetzt gehts wieder. Und ich flehe dich an, schreib schnell weiter! BITTE! Es ist so unglaublich dramatisch ;_; Stiles! Allison! Wie sie Lydia trifft! Gah! Mein Herz! ;_;
Und Scott... Großer Gott, Scott!
Bei Isaac wollte ich ja schon anfangen zu heulen, bei Scott hats mich dann aber echt verlassen. Da musst du eine ganze Menge wieder gutmachen, ich hoffe, das ist dir klar! ;______; Also fang gefälligst mal damit an, sonst sitze ich hier irgendwann heulend im Wohnzimmer meiner Eltern und erschrecke sie damit zu Tode XD
no subject
Date: 2014-07-10 05:13 pm (UTC)Nein, nicht deine Eltern erschrecken! óò Ich hab weitergeschrieben, ich mach es wieder gut ;_; Du kennst mich doch - je doller ich draufhaue, desto mehr tröste ich hinterher :D
no subject
Date: 2014-07-10 05:12 pm (UTC)Und die ganze Angst, dass Scott und Stiles sich vielleicht nicht wieder sehen ... und die ganze Angst als Scott nicht antwortet .... GOOOOOTT.
*weint*
KAMILLETEE REICHT DA AUCH NICHT MEHR !!!!