Fluff - Familienkisten - fürs Team
Jul. 7th, 2014 10:59 pmTeam: Thalia
Challenge: Fluff – Familienkisten – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Schrecklich mit Truthahn
Inhalt: Was machen Barney und Lee an Thanksgiving? Trinken und sich bedauern, natürlich.
Anmerkung: Wow. Ich kann keinen Fluff. WOW. *geht wieder Leute foltern*
Schrecklich mit Truthahn
„Ich kapier diesen Feiertag nicht“, sagt Lee zum ungefähr fünften Mal und Barney kann sich nur mit Mühe davon abhalten, erneut die Augen zu verdrehen. Ihm wird noch schwindlig, wenn das so weiter geht.
„Ist eben ein Tag für Familien“, murmelt er und dreht das lauwarme Dosenbier in seiner Hand hin und her. Es wäre natürlich klüger, wenn er gar nichts mehr sagen würde, damit Lee sich in seinem Schwachsinn nicht auch noch bestätigt sieht, doch Barney hat keine Lust mehr auf dieses blöde Schweigen zwischen ihnen, das nur vom Regen, der gegen die Fensterscheiben kracht, unterbrochen wird.
„Hmpfh!“, macht Lee. „Dann sollten die Mamis und Papis und ihre Brut den Tag freibekommen und jeder vernünftige Mensch macht normal weiter, ist das wirklich so schwer?“
„Das ist…normalerweise genau das, was passiert.“
„Nein, ist es nicht!“, knurrt Lee zurück und er klingt auf einmal so wütend, dass sich Barney fragt, ob ihn ein langjähriges Trauma mit Thanksgiving verbindet. „Normalerweise bringen sich die Leute, die Familie haben, am reich gedeckten Tisch fast um und der Rest der Bevölkerung wird daran erinnert, wie einsam und allein sie sind und fühlt sich schrecklich! Die spinnen, diese Amerikaner!“
Barney kann nicht anders und lacht. „Sicher, dass du nicht nur was projizierst, Christmas? Schreckliche Kindheit gehabt?“
Statt einer Antwort wirft Lee die Bierdose nach ihm.
Barney fängt sie mit einem Grinsen auf. „Noch eins, Schatz?“, säuselt er und steht hastig auf, als Lee sich nach neuen Wurfgeschossen umsieht. „Ganz ruhig, ich geh ja schon.“
Als Barney die Küche betritt, bemerkt er, dass der Regen stärker geworden ist und schlagartig hört er auf zu lächeln.
Auf dem schmalen Küchentisch zu seiner Rechten liegen zwei Sandwiches in durchgeweichtes graues Papier gewickelt, die Lee von der Tankstelle mitgebracht hat. Barney stellt die Dosen daneben und versucht, nicht dran zu denken, wie jammervoll dieses Bild ist.
Nicht, dass sein eigener Kühlschrank, der neben einer halben Packung Eier bloß noch eine Banane enthält, einen besseren Anblick geboten hätte, doch immerhin steht da auch das Bier.
Als er die Dosen von ihren Plastikringen befreit, hält er kurz inne und gesteht sich ein, dass die ganze Nummer hier ziemlich albern ist.
Er feiert kein Thanksgiving. Er feiert nicht mal Weihnachten (außer um bei Lee anzurufen und einen dummen Witz mit seinem Nachnamen zu reißen) und seine letzten drei Geburtstage hat er auf verschiedenen Missionen verbracht (einmal gefesselt in einem stockfinsteren Keller in Toronto, dann im knöcheltiefen Schlamm in irgendeinem nepalesischen Sumpf und schließlich im eiskalten Wasser der Baffin-Bucht, als das Flugzeug abgestürzt ist) und bisher hat ihm das auch nie etwas ausgemacht.
Und dann hatte Billy ihn gefragt, ob er die letzte Novemberwoche frei bekommen könne, er wolle gern zu seiner Familie nach Norden fahren, der Feiertage wegen. Natürlich nur, wenn gerade keine Mission anstehe, Sir, das gehe selbstverständlich vor oder ständen irgendwelche Teamtraditionen über Thanksgiving an, an denen er sich beteiligen könne, da würde er selbstverständlich auch mitmachen.
Barney hatte ihn angeschaut wie ein Auto („Ein ganz besonders blödes“, hatte Lee im Nachhinein gesagt) und Billy mit ein paar kurzen, abgehackten Sätzen mitgeteilt, dass es keine… Teamtradition gebe, und er könne selbstverständlich zu seiner Familie fahren und er solle bitte seine Mutter grüßen.
„Äh… selbstverständlich, Sir“, hatte Billy daraufhin geantwortet und war mit einem schiefen Grinsen und einem Nicken davon gestiefelt.
Seitdem kann Barney an nichts anderes mehr denken, als an knusprig gebackene Truthähne, goldene Novembersonnen, buntgefärbtes Laub, und Billy, der im Kreis seiner Lieben an einem reich gedeckten Tisch sitzt und ein schönes, breites Lächeln auf dem Gesicht trägt, weil er rundherum glücklich und zufrieden ist.
Barney starrt auf das Dosenbier in seiner Hand und auf die matschigen Sandwiches und merkt, dass er sich in seinem ganzen Leben noch nie so schrecklich gefühlt hat.
„Hey, bist du tot?!“
Barney zuckt zusammen und fährt herum. Es ist mittlerweile fast dunkel in der Küche, doch er kann sehen, wie Lee im Türrahmen lehnt und ihn mit einem Blick betrachtet, der für Barneys Geschmack viel zu wissend ist.
„Hast du dich verlaufen, du seniler alter Sack?“, fragt er und macht einen Schritt auf ihn zu, um Barney das Bier aus der Hand zu nehmen. „Nichts kann man dich machen lassen.“
„Halt die Klappe“, murmelt Barney halbherzig und reißt mühsam den Blick von den schmutzigen Kaffebechern im Spülbecken los.
Lee erwidert nichts mehr sondern schnappt sich eins der Sandwiches und für einen kurzen Moment lang wünscht sich Barney, dass Lee ihm sagen würde, dass alles halb so wild sei, dass er sich nicht so anstellen solle, immerhin habe er Lee, und überhaupt, dieses ganze Familiending sei doch überhaupt nicht ihr Stil.
Und Barney würde knurrend abwinken und sagen, dass er weiß, dass er die Gelegenheit für dieses „Familiending“ schon mindestens dreimal verpasst hat und es ist ja auch nicht so, als gönne er Billy seinen Urlaub nicht, doch er vermisst ihn so, so sehr und sobald er das gesagt hätte, würde Lee ihn mitleidig anstarren, ihm auf die Schulter klopfen und ihm sagen, dass er der sentimentalste Vollidiot ist, der Lee je untergekommen ist.
Aber Lee bleibt stumm und verlässt die Küche, weil er vermutlich genau weiß, dass Barney lieber nichts zugeben will, um noch ein bisschen länger so tun zu können, als gehe es ihm gar nicht so miserabel.
Seufzend wirft Barney einen letzten Blick aus dem Fenster und macht sich auf den Rückweg ins Wohnzimmer.
Er hat kaum den Flur erreicht, als es an der Tür klingelt. Barney zuckt zusammen, lässt sein Bier fallen, hechtet zur Kommode. Er zieht die Pistole, noch ehe er richtig registriert hat, was er da tut und erst als Lee plötzlich vor ihm steht und ihn mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtet, fällt ihm auf, wie sehr sein Herz rast.
„Wow“, sagt Lee mit einem anerkennenden Pfeifen. „Es ist kein Wunder, dass du keine Freunde hast, wenn du jeden erschießt, der hier vorbeikommt.“
„Ach, sei still“, erwidert Barney und nimmt betont langsam die Waffe herunter, doch Lee lacht bloß schallend und schiebt sich an ihm vorbei, um die Haustür zu öffnen.
Er braucht überhaupt nicht so cool zu tun, findet Barney, er kann schließlich sehen, dass Lee ein Wurfmesser im Ärmel verborgen hält, dieser alte Heuchler.
Während er die Schublade aufzieht, um die Pistole zu verstauen, klingelt es wieder, und Lee murmelt irgendetwas davon, dass er dem Störenfried ein drittes Nasenloch verpassen wird.
„Außerdem ist heute Thanksgiving, verdammt noch mal!“, faucht er, als er die Tür aufreißt.
Davor steht Billy.
Barney fühlt, wie sein Herz kurzzeitig stehen bleibt.
„H-hi“, stammelt Billy, wischt sich mit dem Ärmel das Wasser aus dem Gesicht und lächelt schief. „Ich…ähm…störe ich?“ Er leckt sich über die Lippen und stellt den Fuß auf, als wolle er am liebsten sofort wieder wegrennen. Sein grüner Rucksack ragt über seiner Schulter hervor und er trägt die bunte Strickjacke, von der beständig Wasser auf den Boden tropft.
„Junge“, flüstert Barney heiser, räuspert sich hastig und geht mit riesigen Schritten auf ihn zu. „Was machst du denn hier?“
Billy öffnet und schließt den Mund ein paar Mal und legt die Stirn in Falten, er lächelt unsicher und zuckt dann die Schultern, als sei ihm plötzlich alles egal.
„Ich…ich habs nicht mehr ausgehalten. Bei meiner Familie, mein ich“, murmelt er und starrt auf seine Schuhe. Bevor Barney irgendetwas erwidern kann, schnaubt Lee voller Unglauben.
„Und da dachtest du, es seine eine gute Idee, ausgerechnet hierher zu kommen?“
Falls das überhaupt möglich ist, sinkt Billy noch ein Stückchen weiter in sich zusammen und Barney verdreht die Augen.
„Hör nicht auf ihn, er hasst Thanksgiving“, sagt er hastig und schlägt Lee gegen die Schulter, was ihm bloß einen entnervten Blick beschert. „Komm rein, Bursche, du holst dir noch den Tod!“
Kaum hat er das gesagt, kommt er sich plötzlich albern vor. Billy ist Söldner, genau wie sie alle, er hat Schlimmeres überstanden als das bisschen Regen da draußen – und trotzdem. Barney will, dass er sich sicher fühlt.
„Ich will nicht stören, wirklich nicht“, protestiert Billy, doch da packt Lee ihn plötzlich am Ärmel und zieht ihn in die Wohnung.
„Was willst du hier denn stören“, erklärt er schnaubend. „Dieser Hornochse da suhlt sich doch eh nur in Selbstmitleid!“
„Und du bist die pure Lebensfreude oder was“, knurrt Barney zurück und er sieht aus dem Augenwinkel, wie Billy sich mühevoll das Grinsen verbeißt.
Ein paar Minuten später steht Billy unter der Dusche, Barney wirft seine klatschnassen Sachen in die Waschmachine und Lee telefoniert lautstark mit einem Pizzaservice. Der Regen prasselt fröhlich gegen die Jalousien, in der Küche und im Wohnzimmer scheint es plötzlich viel heller zu sein („Du hast ja auch endlich das Licht angeschaltet, du Trottel“, meint Lee) und das leise Rumoren im Badezimmer ist das Schönste, was Barney je gehört hat.
Er hat keine Ahnung, was Billy dazu veranlasst hat, so überstürzt von seiner Familie aufzubrechen und es ist ihm auch herzlich egal, denn die Hauptsache ist, dass der Junge jetzt bei ihm ist.
Normale Menschen würden sich wahrscheinlich schämen, doch als Billy in buntgestreiften Boxershorts und einem von Barneys alten T-Shirts aus dem Badezimmer kommt und sich mit einem Handtuch die Haare abtrocknet, kann Barney nicht anders als wie ein Irrer zu grinsen.
„Alles gut?“, fragt er leise.
Billy lächelt schief. „Jetzt ja.“
„Das ist… gut.“
Bevor Barney irgendetwas noch dämlicheres sagen kann, poltert Lee in den Flur. „Nichts ist gut, ihr Idioten“, knurrt er und wirft anklagend das Handy auf die Kommode. „Wir haben nichts zu essen und das Bier ist auch fast alle. Schönes Thanksgiving!“
Billy grinst. „Was das angeht… ich hab ein paar Sachen mitgebracht.“
Er hebt seinen Rucksack vom Boden auf, schlägt die Klappe zurück und zieht eine Plastikdose nach der anderen hervor, bis er ein kleines Fort aus verpackten Kartoffeln, Soße, Fleisch, Gemüse, Brötchen, Reis, Nudeln und einer Truthahnkeule auf dem Fußboden aufgebaut hat.
Barney und Lee starren ihn mit offenem Mund an. „Hast du ein Restaurant überfallen?“, fragt Lee, während er den Inhalt einer Dose betrachtet, als habe er noch nie so viel Mais auf einem Haufen gesehen.
Billys Grinsen gefriert für einen Moment. „N-nein“, murmelt er und starrt auf seine Hände. „Meine… meine Großmutter hat mir den Rucksack vollgestopft, während ich mit meinem Vater gestritten habe.“
„Hm“, macht Barney. Er weiß nicht, was er sonst sagen soll und legt Billy nur die Hand auf die Schulter. Ein kleines Lächeln ist der Dank, dann scheint Billy zu bemerken, dass er immer noch halbnackt und inmitten von Feiertagsessen in Barneys Flur kniet.
Hastig springt er auf, presst den fast leeren Rucksack an die Brust und verkündet, dass er sich rasch anziehen wird. Dann verschwindet er mit langen Schritten im Bad und schlägt die Tür hinter sich zu.
Barney und Lee schauen ihm nach.
„Ich habs doch gesagt“, murmelt Lee. „Dieser Feiertag ist schrecklich.“
„Hm“, erwidert Barney und grinst.. „Aber immerhin schrecklich mit Truthahn.“
Challenge: Fluff – Familienkisten – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Schrecklich mit Truthahn
Inhalt: Was machen Barney und Lee an Thanksgiving? Trinken und sich bedauern, natürlich.
Anmerkung: Wow. Ich kann keinen Fluff. WOW. *geht wieder Leute foltern*
Schrecklich mit Truthahn
„Ich kapier diesen Feiertag nicht“, sagt Lee zum ungefähr fünften Mal und Barney kann sich nur mit Mühe davon abhalten, erneut die Augen zu verdrehen. Ihm wird noch schwindlig, wenn das so weiter geht.
„Ist eben ein Tag für Familien“, murmelt er und dreht das lauwarme Dosenbier in seiner Hand hin und her. Es wäre natürlich klüger, wenn er gar nichts mehr sagen würde, damit Lee sich in seinem Schwachsinn nicht auch noch bestätigt sieht, doch Barney hat keine Lust mehr auf dieses blöde Schweigen zwischen ihnen, das nur vom Regen, der gegen die Fensterscheiben kracht, unterbrochen wird.
„Hmpfh!“, macht Lee. „Dann sollten die Mamis und Papis und ihre Brut den Tag freibekommen und jeder vernünftige Mensch macht normal weiter, ist das wirklich so schwer?“
„Das ist…normalerweise genau das, was passiert.“
„Nein, ist es nicht!“, knurrt Lee zurück und er klingt auf einmal so wütend, dass sich Barney fragt, ob ihn ein langjähriges Trauma mit Thanksgiving verbindet. „Normalerweise bringen sich die Leute, die Familie haben, am reich gedeckten Tisch fast um und der Rest der Bevölkerung wird daran erinnert, wie einsam und allein sie sind und fühlt sich schrecklich! Die spinnen, diese Amerikaner!“
Barney kann nicht anders und lacht. „Sicher, dass du nicht nur was projizierst, Christmas? Schreckliche Kindheit gehabt?“
Statt einer Antwort wirft Lee die Bierdose nach ihm.
Barney fängt sie mit einem Grinsen auf. „Noch eins, Schatz?“, säuselt er und steht hastig auf, als Lee sich nach neuen Wurfgeschossen umsieht. „Ganz ruhig, ich geh ja schon.“
Als Barney die Küche betritt, bemerkt er, dass der Regen stärker geworden ist und schlagartig hört er auf zu lächeln.
Auf dem schmalen Küchentisch zu seiner Rechten liegen zwei Sandwiches in durchgeweichtes graues Papier gewickelt, die Lee von der Tankstelle mitgebracht hat. Barney stellt die Dosen daneben und versucht, nicht dran zu denken, wie jammervoll dieses Bild ist.
Nicht, dass sein eigener Kühlschrank, der neben einer halben Packung Eier bloß noch eine Banane enthält, einen besseren Anblick geboten hätte, doch immerhin steht da auch das Bier.
Als er die Dosen von ihren Plastikringen befreit, hält er kurz inne und gesteht sich ein, dass die ganze Nummer hier ziemlich albern ist.
Er feiert kein Thanksgiving. Er feiert nicht mal Weihnachten (außer um bei Lee anzurufen und einen dummen Witz mit seinem Nachnamen zu reißen) und seine letzten drei Geburtstage hat er auf verschiedenen Missionen verbracht (einmal gefesselt in einem stockfinsteren Keller in Toronto, dann im knöcheltiefen Schlamm in irgendeinem nepalesischen Sumpf und schließlich im eiskalten Wasser der Baffin-Bucht, als das Flugzeug abgestürzt ist) und bisher hat ihm das auch nie etwas ausgemacht.
Und dann hatte Billy ihn gefragt, ob er die letzte Novemberwoche frei bekommen könne, er wolle gern zu seiner Familie nach Norden fahren, der Feiertage wegen. Natürlich nur, wenn gerade keine Mission anstehe, Sir, das gehe selbstverständlich vor oder ständen irgendwelche Teamtraditionen über Thanksgiving an, an denen er sich beteiligen könne, da würde er selbstverständlich auch mitmachen.
Barney hatte ihn angeschaut wie ein Auto („Ein ganz besonders blödes“, hatte Lee im Nachhinein gesagt) und Billy mit ein paar kurzen, abgehackten Sätzen mitgeteilt, dass es keine… Teamtradition gebe, und er könne selbstverständlich zu seiner Familie fahren und er solle bitte seine Mutter grüßen.
„Äh… selbstverständlich, Sir“, hatte Billy daraufhin geantwortet und war mit einem schiefen Grinsen und einem Nicken davon gestiefelt.
Seitdem kann Barney an nichts anderes mehr denken, als an knusprig gebackene Truthähne, goldene Novembersonnen, buntgefärbtes Laub, und Billy, der im Kreis seiner Lieben an einem reich gedeckten Tisch sitzt und ein schönes, breites Lächeln auf dem Gesicht trägt, weil er rundherum glücklich und zufrieden ist.
Barney starrt auf das Dosenbier in seiner Hand und auf die matschigen Sandwiches und merkt, dass er sich in seinem ganzen Leben noch nie so schrecklich gefühlt hat.
„Hey, bist du tot?!“
Barney zuckt zusammen und fährt herum. Es ist mittlerweile fast dunkel in der Küche, doch er kann sehen, wie Lee im Türrahmen lehnt und ihn mit einem Blick betrachtet, der für Barneys Geschmack viel zu wissend ist.
„Hast du dich verlaufen, du seniler alter Sack?“, fragt er und macht einen Schritt auf ihn zu, um Barney das Bier aus der Hand zu nehmen. „Nichts kann man dich machen lassen.“
„Halt die Klappe“, murmelt Barney halbherzig und reißt mühsam den Blick von den schmutzigen Kaffebechern im Spülbecken los.
Lee erwidert nichts mehr sondern schnappt sich eins der Sandwiches und für einen kurzen Moment lang wünscht sich Barney, dass Lee ihm sagen würde, dass alles halb so wild sei, dass er sich nicht so anstellen solle, immerhin habe er Lee, und überhaupt, dieses ganze Familiending sei doch überhaupt nicht ihr Stil.
Und Barney würde knurrend abwinken und sagen, dass er weiß, dass er die Gelegenheit für dieses „Familiending“ schon mindestens dreimal verpasst hat und es ist ja auch nicht so, als gönne er Billy seinen Urlaub nicht, doch er vermisst ihn so, so sehr und sobald er das gesagt hätte, würde Lee ihn mitleidig anstarren, ihm auf die Schulter klopfen und ihm sagen, dass er der sentimentalste Vollidiot ist, der Lee je untergekommen ist.
Aber Lee bleibt stumm und verlässt die Küche, weil er vermutlich genau weiß, dass Barney lieber nichts zugeben will, um noch ein bisschen länger so tun zu können, als gehe es ihm gar nicht so miserabel.
Seufzend wirft Barney einen letzten Blick aus dem Fenster und macht sich auf den Rückweg ins Wohnzimmer.
Er hat kaum den Flur erreicht, als es an der Tür klingelt. Barney zuckt zusammen, lässt sein Bier fallen, hechtet zur Kommode. Er zieht die Pistole, noch ehe er richtig registriert hat, was er da tut und erst als Lee plötzlich vor ihm steht und ihn mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtet, fällt ihm auf, wie sehr sein Herz rast.
„Wow“, sagt Lee mit einem anerkennenden Pfeifen. „Es ist kein Wunder, dass du keine Freunde hast, wenn du jeden erschießt, der hier vorbeikommt.“
„Ach, sei still“, erwidert Barney und nimmt betont langsam die Waffe herunter, doch Lee lacht bloß schallend und schiebt sich an ihm vorbei, um die Haustür zu öffnen.
Er braucht überhaupt nicht so cool zu tun, findet Barney, er kann schließlich sehen, dass Lee ein Wurfmesser im Ärmel verborgen hält, dieser alte Heuchler.
Während er die Schublade aufzieht, um die Pistole zu verstauen, klingelt es wieder, und Lee murmelt irgendetwas davon, dass er dem Störenfried ein drittes Nasenloch verpassen wird.
„Außerdem ist heute Thanksgiving, verdammt noch mal!“, faucht er, als er die Tür aufreißt.
Davor steht Billy.
Barney fühlt, wie sein Herz kurzzeitig stehen bleibt.
„H-hi“, stammelt Billy, wischt sich mit dem Ärmel das Wasser aus dem Gesicht und lächelt schief. „Ich…ähm…störe ich?“ Er leckt sich über die Lippen und stellt den Fuß auf, als wolle er am liebsten sofort wieder wegrennen. Sein grüner Rucksack ragt über seiner Schulter hervor und er trägt die bunte Strickjacke, von der beständig Wasser auf den Boden tropft.
„Junge“, flüstert Barney heiser, räuspert sich hastig und geht mit riesigen Schritten auf ihn zu. „Was machst du denn hier?“
Billy öffnet und schließt den Mund ein paar Mal und legt die Stirn in Falten, er lächelt unsicher und zuckt dann die Schultern, als sei ihm plötzlich alles egal.
„Ich…ich habs nicht mehr ausgehalten. Bei meiner Familie, mein ich“, murmelt er und starrt auf seine Schuhe. Bevor Barney irgendetwas erwidern kann, schnaubt Lee voller Unglauben.
„Und da dachtest du, es seine eine gute Idee, ausgerechnet hierher zu kommen?“
Falls das überhaupt möglich ist, sinkt Billy noch ein Stückchen weiter in sich zusammen und Barney verdreht die Augen.
„Hör nicht auf ihn, er hasst Thanksgiving“, sagt er hastig und schlägt Lee gegen die Schulter, was ihm bloß einen entnervten Blick beschert. „Komm rein, Bursche, du holst dir noch den Tod!“
Kaum hat er das gesagt, kommt er sich plötzlich albern vor. Billy ist Söldner, genau wie sie alle, er hat Schlimmeres überstanden als das bisschen Regen da draußen – und trotzdem. Barney will, dass er sich sicher fühlt.
„Ich will nicht stören, wirklich nicht“, protestiert Billy, doch da packt Lee ihn plötzlich am Ärmel und zieht ihn in die Wohnung.
„Was willst du hier denn stören“, erklärt er schnaubend. „Dieser Hornochse da suhlt sich doch eh nur in Selbstmitleid!“
„Und du bist die pure Lebensfreude oder was“, knurrt Barney zurück und er sieht aus dem Augenwinkel, wie Billy sich mühevoll das Grinsen verbeißt.
Ein paar Minuten später steht Billy unter der Dusche, Barney wirft seine klatschnassen Sachen in die Waschmachine und Lee telefoniert lautstark mit einem Pizzaservice. Der Regen prasselt fröhlich gegen die Jalousien, in der Küche und im Wohnzimmer scheint es plötzlich viel heller zu sein („Du hast ja auch endlich das Licht angeschaltet, du Trottel“, meint Lee) und das leise Rumoren im Badezimmer ist das Schönste, was Barney je gehört hat.
Er hat keine Ahnung, was Billy dazu veranlasst hat, so überstürzt von seiner Familie aufzubrechen und es ist ihm auch herzlich egal, denn die Hauptsache ist, dass der Junge jetzt bei ihm ist.
Normale Menschen würden sich wahrscheinlich schämen, doch als Billy in buntgestreiften Boxershorts und einem von Barneys alten T-Shirts aus dem Badezimmer kommt und sich mit einem Handtuch die Haare abtrocknet, kann Barney nicht anders als wie ein Irrer zu grinsen.
„Alles gut?“, fragt er leise.
Billy lächelt schief. „Jetzt ja.“
„Das ist… gut.“
Bevor Barney irgendetwas noch dämlicheres sagen kann, poltert Lee in den Flur. „Nichts ist gut, ihr Idioten“, knurrt er und wirft anklagend das Handy auf die Kommode. „Wir haben nichts zu essen und das Bier ist auch fast alle. Schönes Thanksgiving!“
Billy grinst. „Was das angeht… ich hab ein paar Sachen mitgebracht.“
Er hebt seinen Rucksack vom Boden auf, schlägt die Klappe zurück und zieht eine Plastikdose nach der anderen hervor, bis er ein kleines Fort aus verpackten Kartoffeln, Soße, Fleisch, Gemüse, Brötchen, Reis, Nudeln und einer Truthahnkeule auf dem Fußboden aufgebaut hat.
Barney und Lee starren ihn mit offenem Mund an. „Hast du ein Restaurant überfallen?“, fragt Lee, während er den Inhalt einer Dose betrachtet, als habe er noch nie so viel Mais auf einem Haufen gesehen.
Billys Grinsen gefriert für einen Moment. „N-nein“, murmelt er und starrt auf seine Hände. „Meine… meine Großmutter hat mir den Rucksack vollgestopft, während ich mit meinem Vater gestritten habe.“
„Hm“, macht Barney. Er weiß nicht, was er sonst sagen soll und legt Billy nur die Hand auf die Schulter. Ein kleines Lächeln ist der Dank, dann scheint Billy zu bemerken, dass er immer noch halbnackt und inmitten von Feiertagsessen in Barneys Flur kniet.
Hastig springt er auf, presst den fast leeren Rucksack an die Brust und verkündet, dass er sich rasch anziehen wird. Dann verschwindet er mit langen Schritten im Bad und schlägt die Tür hinter sich zu.
Barney und Lee schauen ihm nach.
„Ich habs doch gesagt“, murmelt Lee. „Dieser Feiertag ist schrecklich.“
„Hm“, erwidert Barney und grinst.. „Aber immerhin schrecklich mit Truthahn.“
no subject
Date: 2014-07-09 07:27 pm (UTC)Bester Satz und allerbester Einschub!
Ich finde es fluffig genug. Um nicht zu sagen, genau das richtige Maß an Fluff, ohne (zu) kitschig zu werden :)
no subject
Date: 2014-07-11 11:59 am (UTC)no subject
Date: 2014-07-19 02:41 pm (UTC)Ich bin einfach nicht auf "Beziehungskisten" - "Familienkisten" gekommen *facepalm*
no subject
Date: 2014-07-09 10:47 pm (UTC)DENN
EXPENDABLES FLUFF UND ICH BIN SO GLÜCKLICH WEIL KEINER STIRBT...!!! NOCH NICHT MAL FAST!! ALSO!! WOW!!!
Naja, ok, es ist trotzdem irgendwie betrübend und dabei aber gleichzeitig fluffig, und ich komme nicht dahinter, wie das zusammenpasst, aber es ist jedenfalls ganz wundervoll!
Ich mag es, wie Lee mal eben das Nicht-Amerikaner-Sein vorschiebt als Ausrede für seine schlechte Stimmung, obwohl das ganz offensichtlich nicht der Grund ist, und es ist so herrlich traurig, dass Barney auffällt, wie untraditionell ihr Thanksgiving ist und dass er fast schon meint, das sei der Grund, warum Billy nicht bei ihnen bleibt, sondern lieber zu seiner "echten" Familie fährt und awwwww oh gosh babies ;__;
(Es läutet an der Tür und Barney fährt erst mal halb mitm Panzer vor, ahahahahaahah epic XD)
die Hauptsache ist, dass der Junge jetzt bei ihm ist.
;_____________; DAS IST SO SCHÖN DAS IST SO SCHÖN DAS IST SO SCHÖN
„Hast du ein Restaurant überfallen?“, fragt Lee
Nee, Lee, er hat eben auffer Tanke gehalten.
ACH FEIERTAGS-FLUFF IST WUNDERVOLLER FLUFF ♥