[identity profile] mrsmoriarty.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Team: Kalliope
Challenge: Fluff – Akzeptanz

Fandom: Soko Wien/Donau
Charaktere: Carl Ribarski/ Helmuth Novak

Wörter: ca. 1500

Titel: Just married

Anmerkung: Carl und Helmuth wagen nach Jahren endlich den entscheidenden Schritt in den Ehestand. Nur von den Kollegen der Soko Wien weiß keiner Bescheid. Wie werden diese reagieren, wenn sie das Geheimnis ihrer Kollegen lüften? (Bitte entschuldigt mein schlechtes Wienerisch, aber wer die Serie kennt, kann sich hoffentlich halbwegs vorstellen, was ich im Kopf hatte.)



„Sie haben Post!“ Oberst Otto Dirnberger von der Soko Wien runzelte die Stirn und sah auf die Uhr. Eine Viertelstunde vor dem offiziellen Feierabend. Wer schrieb ihm da noch E-Mails? Er war ja selbst nur noch hier, weil er eine verschlampte Akte sucht. Er öffnete sein Postfach und stutzte. Eine Anfrage vom Wiener Standesamt, zehnter Bezirk, das ein Führungszeugnis von Ribarski wollte. Warum kümmerte sich das Standesamt um seine Mitarbeiter? Und überhaupt, er würde jedenfalls keine persönlichen Daten von Carl herausgeben, ohne vorher die Rechtmäßigkeit dieser Aktion überprüft zu haben. Das roch doch alles ein bisschen zu sehr danach, als ob da irgend so ein hinterwäldlerischer Bürohengst seine unterdrückte Fremdenfeindlichkeit ausleben musste.
Zehn Minuten und zwei Warteschleifen weiter, machte Dirnberger den entsprechenden Beamten zur Schnecke. „Sie werdn mia unter keinen Umständn meinen Mitarbeiter ausweisn lassn, bloß wal Sie an Problem mit die Deutschn ham. Der Major is a wichtigs Mitglied in meim Team und wenn Ihr sonst nix zu tun habt, da drübn dann-“ Am anderen Ende der Leitung war man ihm ins Wort gefallen und Dirnberger brach ab. Eine Weile lauschte er und sein wütender Gesichtsausdruck wich einem überraschtem. „Aha. Joa. Na, da schau her. Entschuldigens den Ausbruch, konnt ja keiner wissen, dass…Ja, danke, schönen Feierabend noch!“
Er legte auf, lehnte sich in seinem Ledersessel zurück und drehte seinen Kugelschreiber zwischen den Fingern. „Diese zwa Halunken!“ Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen. Er beantwortete kurz die Mail und lehnte sich dann aus der Bürotür. „Penny? Holns mal den Wohlfarth und kommens in mein Büro. Aber passns auf, dass unser Starsky und Hutch nix mitkriegen!“ Penny grinste und fragte nach: „Ham die zwei was ausgefressn?“
Dirnberger schüttelte den Kopf. „Na, i mein schon, ach…Sie müssn mia an Sekt und a paar Krapferl besorgen! Ich vermut amal für nächsten Freitag!“
Es war schon beinahe erstaunlich leicht gewesen, den Morgen frei zu bekommen. Helmuth hatte das sofort ausgenutzt und musste sich nun ein wenig beeilen, sich noch halbwegs passabel herzurichten und stand fluchend im Bad und rasierte sich, während Carl schon im Anzug in der Tür lehnte und ihm zusah.
Der grauhaarige Mittvierziger war meistens recht adrett gekleidet, aber der dunkle Leinenanzug mit dem hellblauen Hemd, den er momentan trug, stand ihm besonders gut. Sie waren sich einig gewesen, auf Krawatten zu verzichten, schon allein weil es August und brütend heiß war. Carls blaue Augen wirkten ob der Kleiderauswahl noch strahlender als sonst, aber er spielte nervös mit dem Haustürschlüssel herum und wirkte auch sonst etwas nervöser, als er sich offensichtlich geben wollte. Er beobachtet seinen Partner aufmerksam und fasste sich schließlich ein Herz: „Du musst das nicht tun, das weißt du, oder?“
Helmuth hielt kurz inne und sah ihn genervt am. „Komm, her auf mit dem Scheiß, du bist doch net irgend so a illegale Rumänin, die an mei Erbe will. I will des doch genauso wie du!“
Aber Carl schien nicht gänzlich überzeugt. „Ich mein ja nur, wenn dir das irgendwie zu viel ist oder zu bürgerlich oder…ich kann mich auch ganz allein um ´ne Aufenthaltsverlängerung kümmern!“
„Joa, is recht, Herr Major“, grinste Helmuth, während er sich den Rest des Rasierschaums aus dem Gesicht wischte. „Aber wenn du eh hier bleibn willst und du und i eh zusammn bleiben wolln, dann könn mers a glei offiziell machen!“
Es war jetzt ungefähr anderthalb Jahre her, dass sie beide sich eingestanden hatten, was sie für einander empfanden und ein Jahr und fünf Monate, dass Carl bei ihm eingezogen war. Was hieß eingezogen, der Deutsche hatte noch immer seine Junggesellenbude im siebten Bezirk, aber wirklich oft zu Hause war er nicht mehr. Helmuth hatte nach der Scheidung von seiner Frau nie eine andere Wohnung gesucht, sodass sie mehr als genug Platz hatten und sie verbrachten ohnehin einen Großteil ihrer Arbeits- und Freizeit miteinander. Es wusste niemand so wirklich von ihrer Beziehung, außer ein paar Freunden. Auf dem Revier hatten sie Stillschweigen bewahrt. Sie hielten beide nicht allzu viel von Affären am Arbeitsplatz und trotz aller Aufklärung musste man eingestehen, dass die Polizei nicht der toleranteste Ort war, was gleichgeschlechtliche Beziehungen betraf.
Helmuth und Carl waren ja eine Weile selbst von ihrer Zuneigung zueinander überrascht gewesen. Beide waren nie der Typ gewesen, der sich leidenschaftlich in Affären stürzte, schon gar nicht mit anderen Männern, aber egal ob es jetzt der Gewöhnung, dem Schicksal oder einer lange unterdrückten Leidenschaft geschuldet war, irgendwann hatten sie beide nicht mehr ohne einander gekonnt und dann hatte sich alles ganz natürlich gegeben.
Als Carl vor zwei Monaten Post von der Ausländerbehörde erhalten hatte, war der nächste Schritt vorherbestimmt gewesen. Carl war erfolgreicher Polizist und aus dem deutschen Nachbarland noch dazu, es wäre also nicht wirklich notwendig gewesen, aber ihnen war beiden klar, wenn sie es jetzt nicht taten, würden sie es nie wieder tun.
Also hatten sie sich zusammen gesetzt, eine Weile schlimm herum gedruckst und dann schließlich beschlossen, es zu wagen. Es hatte nicht viele Formulare gebraucht und innerhalb weniger Wochen hatten sie einen Termin beim Standesamt. Beide waren noch immer ein wenig überrumpelt, wie schnell der Tag auf einmal da gewesen war, aber Carl schien entgegen seinem sonstigen Wesen auf einmal viel unsicherer als Helmuth.
Der bemerkte das nur zu gut. Er knöpfte sich die letzten Knöpfe des schwarzen Hemdes zu, das er sich extra für diese Gelegenheit gekauft hatte, zog seine silberne Armbanduhr an und klopfte Carl im Vorbeigehen auf die Schulter. „Ich tu dir hier kanen Gefalln oder so, Carl. Mia is des vermutlich wichtiger als dir, das is dir klar, oder?“
Carl schnaubte, grinste dabei aber ein wenig. „Ja. Klar!“ Helmuth warf sich sein Leinenjackette über und hielt Carl die Tür auf.
„Na, ehrlich! Und jetz komm. Du musst heut noch a anständiges Mädel aus mir machen!“ Lachend stiegen sie die Treppen hinunter und fuhren in Helmuths braunem Opel zum Amt.
Die Zeremonie war eigentlich nicht der Rede wert. Sie hatten niemanden eingeladen und der Standesbeamte machte seine Sache anrührend, aber kurz. Im Grunde waren es nur zwei Unterschriften, selbst auf das theatralische „Ja, ich will!“ hatten sie verzichtet. Aber als sie ihren Bund mit einem kurzen, sanften Kuss besiegelten, konnte keiner von beiden verhehlen, dass ihre Herzen ein wenig schneller klopften und das Grinsen, mit dem sie schließlich als angetraute Ehepartner das Standesamt verließen, sprach Bände.
Als sie vor dem Revier aus dem Auto stiegen, hielten sie kurz inne und sahen sich über das Autodach hinweg an. „Gehen wir heute Abend zum Italiener?“, fragte Carl und schenkte Helmuth ein strahlendes Lächeln. „Klar“, erwiderte dieser, bevor beide versuchten, sich wieder möglichst cool zu geben. Nur zu gerne hätten sie den Tag anders verbracht, aber es war ohnehin schon seltsam genug, dass sie sich einen halben Tag freinahmen und sie hatten nicht noch mehr Aufmerksamkeit erregen wollen.
Als sie das Büro betraten, war es erstaunlich voll. Das gesamte Team war schon da und Carl stöhnte. „Na toll, das sieht doch direkt nach Überstunden aus. Wenn die Beck da ist, kann die nächste Leiche nicht weit sein!“ Sie betraten den Konferenzraum und Applaus brandete auf.
Beide standen vollkommen perplex da, während Wohlfarth einen Sektkorken knallen ließ und die anderen noch immer klatschten. Penny kam auf sie beide zu und zog sie gleichzeitig in eine Umarmung. „Mensch, ihr zwei, ich freu mich so für euch beide! Warum habts ihr denn nix erzählt?!“ Carl schloss die Augen. Am Anfang hatten sie ja mit Entdeckung gerechnet, aber als die Wochen vergangen waren, waren sich unvorsichtiger geworden und nun überhaupt nicht mehr auf so etwas vorbereitet.
Helmuth war rot angelaufen. „Wie habts ihr denn des schon wieder rausgefundn?“ Penny lachte. „Mia san hier bei der Polizei, du Blitzmerker, des is unser Job!“
„Ha, ha. Nein ernsthaft, hat man hier denn überhaupt kein Privatleben?“ Aber Dirnberger mischte sich ein: „Geh, Ribarski, jetzt sans halt net so. Mia freun uns doch alle! Gönnens uns den Spaß!“
Carl lächelte schicksalsergeben. Es blieb ihm ja auch nicht viel anderes übrig, wenn sogar der eigene Chef in der Verschwörung mit drin hing. Also beschloss er, die Peinlichkeit zu überspielen und sich stattdessen ein Lachsbrötchen vom Tablett zu nehmen. Dankenswerterweise musste ob seines Kauens Helmuth die unangenehmen Fragen beantworten, sodass Carl die Sache beinahe schon genießen konnte.
Sein Wiener Kollege war umso erleichterter als schließlich der Anruf kam, dass sie doch noch einen Mordfall bekamen, der gelöst werden musste. „Na, endlich“, seufzte Helmuth und Penny zog die Stirn in Falten. „Ach geh, so schlimm wars doch gar net! Is ja net so, als ob ma a riesn Hochzeitsparty draus gmacht hättn.“
„Stimmt a wieder!“ Zu dritt verließen sie das Revier, dicht gefolgt von der Spurensicherung und der Gerichtsmedizinerin. Carl und Helmuth gönnten sich zwei Minuten Ruhe, bevor sie das Auto starteten, in denen sie einander nur anstarrten und dann in schallendes Gelächter ausbrachen. „Das haben wir ja sehr subtil hinbekommen, Kollege!“, lachte Carl, woraufhin Helmuth meinte: „Es hätt schlimmer kommen können, net wahr!“ Carl nickte und Helmuth trat aufs Gas.
Das Scheppern der Blechdosen auf dem Asphalt war beinahe so laut, wie das Lachen der versammelten Kollegen, als Helmuth fluchend ausstieg, um Dosen und das Schild, das in großen roten Buchstaben „Just married“ verkündete, von der Stoßstange seines Autos zu entfernen.

Date: 2014-07-06 08:09 pm (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
Als Wienerin musste ich das einfach lesen! XD
Ich kenn zwar die Serie nicht, aber das ist gut geschrieben und sehr einfühlsam erzählt. (Wegen des grottigen Wienerischen musst du dich nicht schämen - es würden ohnehin nur Wiener und solche die es können, erkennen ^.~ und so schlimm ist es nicht.)
Ich fand die Geschichte sehr toll und auch, dass du versucht hast, die Eigenart des Sprechens umzusetzen.

Date: 2014-07-07 09:07 am (UTC)
From: [identity profile] turwaith.livejournal.com
Wheee! Und wieder eines meiner liebsten OTPs! Du hast die Szene sehr humorvoll geschrieben und trotzdem war genügend fluff dabei, dass einem das Herz aufgeht! Sehr schön! Ich bin begeistert! :)

Date: 2014-07-07 09:58 am (UTC)
servena: (amber)
From: [personal profile] servena
Also für mich klang das Wienerisch ganz gut, aber ich hab ja auch keine Ahnung davon! Und das Ende war ja wohl herrlich. ;D

Date: 2014-07-07 03:09 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Hey, Mod hier. Ich würde gerne den Fandom-tag hierfür anlegen.
"Soko Wien/Donau", ist das die offizielle Bezeichnung? :)

Date: 2014-07-07 08:17 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Alles klar, ist erstellt, ("soko wien/donau"), du kannst jetzt nachtaggen :)

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