Angst: Trennung (für's Team)
Jul. 2nd, 2014 10:23 pmTeam: Kalliope
Challenge: Angst - Trennung
Fandom: Historische Personen, Philosophie
Charaktere: Hannah Arendt/Martin Heidegger
Wörter: 750
Anmerkung: Martin Heidegger und Hannah Arendt, beide große Philosophen des 20.Jahrhunderts, lernten sich an der Marburger Universität kennen und lieben. Als 1933 die Nazis an die Macht kommen, tritt Heidegger der NSDAP bei, um einen Lehrstuhl an der Universität Freiburg zu erhalten. Arendt, selbst jüdischer Herkunft, emigriert ins Ausland. Die Story ist ein kurzer One-Shot über eine mögliche Verabschiedung der beiden.
Titel: Die Banalität von Sein und Zeit
„Und grüßen Sie mir Ihre liebe Frau!“ Martin drehte den Schlüssel im Schloss seiner Bürotür und hob beiläufig die Hand zum Gruß. Gerade war er von einem Mittagessen mit dem Dekan zurückgekehrt und wollte nun noch seine Korrespondenz ordnen, bevor er sich ins wohlverdiente Wochenende verabschiedete.
Die Sonnenstrahlen der späten Mittagssonne fielen schräg durch die vergilbten Vorhänge und für einen Augenblick war Martin geblendet. Strammen Schrittes ging er zu seinem Schreibtisch und ließ sich seufzend in seinen Ledersessel fallen. Die Gespräche hatten ihn angestrengt. Die Zahl der minderbemittelten Idioten, die Zugang zur Universität erhielten, stieg seit dem politischen Machtwechsel erschreckend an. Nun, immerhin war er jetzt in der wunderbaren Situation, zumindest an seinem Lehrstuhl dem ein wenig entgegen wirken zu können.
Er lehnte sich zurück, ließ den Blick durch sein Büro schweifen und zuckte zusammen. In den Schatten neben der Tür stand eine Gestalt und beobachtete ihn. Sein Herz begann schneller zu schlagen. War er in letzter Zeit irgendjemand Wichtigem auf die Füße getreten?
Dann erkannte er die Frauengestalt, die langsam auf ihn zutrat. „Hannah! Was um alles in der Welt tust du hier? Du hast hier keinen Zugang! Wenn sie dich erwischen-“
Hannah lächelte müde und unterbrach ihn. „Ach, Martin! Noch immer so besorgt, dich mit den Obrigkeiten anzulegen? Hat dich der Ruf nach Freiburg nicht etwas beruhigt? Aber mach dir keine Gedanken, ich habe noch ein paar Freunde in der akademischen Welt und in ein paar Minuten bin ich weg.“
Es lag kein Vorwurf in ihrer Stimme, aber der Schmerz und die Enttäuschung waren unüberhörbar. Martin schluckte und benetzte seine Lippen, bevor er fragte: „Was wirst du jetzt tun?“
Er sah ihr nicht direkt in die Augen, sondern fixierte einen Punkt leicht links daneben, wo sich immer kleine Grübchen bildeten, wenn sie lächelte. Er erinnerte sich, wie oft er diese Fältchen geküsst hatte und musste den Drang bekämpfen, seine Hand nach ihr auszustrecken.
Hannah musste sein kurzes Zucken bemerkt haben, denn sie kam erneut ein paar Schritte auf ihn zu und legte eine Hand auf seine Wange. Mit der anderen strich sie ihm sanft über sein ausdünnendes Haar. „Ich gehe fort, Martin“, sagte sie und er glaubte, eine Spur von Bedauern zu hören.
„Wohin?“ Er verachtete sich dafür, wie heiser seine Stimme klang. Sie sah ihn an, bis er schließlich nicht anders konnte und doch zu ihr aufblickte.
„Das kann ich dir nicht sagen.“ Die Worte waren wie ein Stich in sein Herz, aber Martin wagte nicht, etwas einzuwenden. Hannah seufzte.
„Das kannst du mir nicht ernsthaft übel nehmen! Als du angefangen hast, für diesen Lehrstuhl zu buckeln, hast du eine Entscheidung für dein Wohl getroffen und nun muss ich eine für meins treffen.“
Martin murmelte leise: „Ich weiß.“ Aber eine Entschuldigung brachte er nicht über die Lippen. Wie hätte er sich auch für das entschuldigen können, was er ihnen beiden angetan hatte? Er hatte den ultimativen Verrat begangen. Er hatte sie verraten, ihre Ideale, ihre Liebe. Keine Worte der Welt konnten das ungeschehen machen.
Hannah lächelte sanft. „Ist schon gut, Martin. Ich weiß, du konntest nicht anders.“
Er schnaubte. „Andere konnten auch anders handeln.“ Selbsthass sprach aus seinen Worten, aber Hannah ging nicht darauf ein.
„Aber du nicht!“, erwiderte sie. „Ich kann nicht sagen, dass ich vergessen kann, was geschehen ist, aber sei versichert, dass ich dir nichts nachtrage. Nicht mehr.“
Sie schwiegen. Eine Weile standen sie einander nur gegenüber. Dann atmete Hannah tief durch. „Leb wohl, Martin!“ Sie legte beide Hände auf seine Schultern und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen, den er nicht zu erwidern wagte. Dann zupfte sie kurz ihreBluse zurecht und wandte sich zum Gehen. Sie war schon halb zur Tür hinaus, als Martins Stimme sie zurückhielt. „Hannah…ich hoffe, du findest dein Glück. Wo immer du auch hingehst!“ Sie hob eine Augenbraue und nickte dann. Sie überlegte kurz, straffte dann die Schultern und verließ dann mit schnellen, kurzen Schritten das Büro.
Noch lange konnte Martin das Klackern ihrer Absätze auf den Fließen des Instituts hören. Als es schließlich nicht mehr vernehmbar war, blieb Martin weiter sitzen. Er stützte den Kopf in die Hände und wusste nicht recht, was er nun mit sich anfangen sollte. Er saß noch da, als schließlich die Sonne hinter den ersten Hausdächern verschwand.
no subject
Date: 2014-07-02 08:42 pm (UTC)Ich wusste bisher nicht, wie sehr ich Philosophen-Fics brauchte!!!!
I love you
no subject
Date: 2014-07-07 07:03 pm (UTC)