[identity profile] ayawinner.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Challenge: Fluff - Akzeptanz
Titel: Quiche Lorraine
Fandom: The Transporter
Charaktere: Frank Martin & Inspektor Tarconi
Wörter: 1136
Warnungen: keine, außer: unbetaed!
Anmerkungen: Ein Versuch, aromantischen(/asexuellen) Fluff zu schreiben, um meinen eigenen Transporter-Headcanon zu bedienen. Deshalb vermutlich nicht ganz typisch fluffig.

Frank hatte gelernt, selbst in den abwegigsten Situationen mit mehr oder weniger diskreten Anmachversuchen zu rechnen. Es gab da offenbar etwas an ihm, das die Menschen unheimlich anzog. Er wusste nicht, ob er eine besondere Ausstrahlung hatte, oder ob es einfach nur daran lag, dass kampfsporttrainierte Körper im Allgemeinen immer sehr gut ankamen. Wenn er über die Sprüche nachdachte, die er in seinem Leben schon gehört hatte, schien es eine Mischung aus beidem zu sein. Sie sagten ihm auch, er sei einfach charmant, er sei der geborene Gentleman, und überhaupt verzaubere sein Lächeln (vorgeblich) die Welt.

Frank hielt nicht besonders viel von diesen Sprüchen.

Er kannte sie außerdem langsam auswendig.

Manchmal sah er die Menschen an und wusste genau, welche der Standardfloskeln er zu erwarten hatte. Daher überraschte es ihn auch wenig, dass Inspektor Tarconi – der zwar immer dezent, aber nie besonders subtil gewesen war – ihn eines Tages nach einer weiteren Routinebefragung bezüglich seiner Anwesenheitszeiten und seines Fahrverhaltens zum Essen einlud.

Es wunderte Frank auch nicht mehr, dass die Menschen ihn ab einem gewissen Zeitpunkt für homosexuell hielten. Dass er sich bei Tarconi in dieser Richtung komplett verrannt hatte, war ihm schon früh klar geworden. Es war einfach keine gute Idee, einem Franzosen, der über Mädchen und Wein plappernd Franks Haus durchstreifte und ihn dabei immer wieder verstohlen anschaute, zu erzählen, er habe es noch nie ausprobiert, für ein Mädchen zu kochen.

Die Menschen wollten ihn vermutlich absichtlich falsch verstehen.

Tarconi hatte also gegrinst und ihm erklärt, er würde am Wochenende einige Zutaten mitbringen und Frank beweisen, dass die Quiche Lorraine nach dem Rezept seiner „Maman“ besser sei als „dieses Stück Pappe, das sie für die Touristen zubereiten in Lothringen“. Und das, obwohl seine Maman nicht aus Lothringen stamme! Was sie also machen würden, beschloss Tarconi, war ein Rendezvous.

Frank sah sich nicht in der Lage, das Angebot auszuschlagen. Er hatte den Inspektor ebenso zu schätzen gelernt wie dessen Kochkünste, in deren Genuss er dank großzügiger Spenden von vermeintlich Übriggebliebenem schon häufiger gekommen war. Mit seiner quirligen Art stand Tarconi zwar im krassen Gegensatz zu Frank, sorgte dafür aber auch bei jedem ihrer Treffen für eine angeregte Unterhaltung – und angeregte Unterhaltungen schätzte Frank über alle Maßen, erst recht dann, wenn sie mit Menschen stattfanden, die seine wenigen humoristischen Bemerkungen tatsächlich als solche verstanden.

Das Wochenende kam und verbreitete den durchdringenden Geruch von gebratenem Speck, Porree und Zwiebeln in jedem Winkel von Franks Haus. Mit seinem Angebot, bei irgendetwas zu helfen, hatte er schon beinahe Tarconis mediterran aufschäumenden Zorn auf sich gezogen und wurde unter Gezeter mit einem Apéritif an den Esstisch verbannt, wo ihm nichts anderes übrig blieb, als Tarconi bei der Arbeit zuzusehen.

„Ihr Ausländer wisst doch nicht, wie man kocht“, proklamierte Tarconi lautstark, während er die Backform aus dem Ofen nahm. „Du bist aus England, mein Freund! Sag mir, welche kulinarischen Köstlichkeiten aus England kommen.“

Er wartete Franks Antwort nicht ab.

„Keinerlei Köstlichkeiten kommen aus England! Ich sage es dir: Ihr Ausländer habt keine Kultur. Ihr kommt nach Frankreich und man muss euch die Kultur erst mühsam beibringen.“

Frank lachte in sein Apéritifglas. Eine schöne französische Kultur hatte er bisher kennen gelernt. Nutzlose Diebe, Kofferbomber – kriminelle Idioten. Das einzig Gute, das sie ihm eingebracht hatte, war die sich langsam entwickelnde Freundschaft mit Tarconi. Er hoffte nur, dass diese Freundschaft nicht auf einem Missverständnis beruhte.

„Ich kann auch ein bisschen kochen. Noch bin ich nicht verhungert.“

Frank sah den Inspektor, der sich in gespieltem Staunen umgedreht hatte, herausfordernd an.

„Das ist nicht wahr, mein Freund. Es ist nicht wahr. Nein, sieh mich nicht so an. Ich sehe in deinen Kühlschrank und mir wird ganz anders. Ich sehe in deinen Vorratsschrank und mich überkommt das Verlangen, für dein Seelenheil zu beten. Das, was du tust, ist allenfalls überleben, aber bestimmt nicht kochen.“

Tarconi begann, die angebratene Mischung in der Backform zu verteilen. Es roch hervorragend und Frank hob kurzerhand seine Esstischverbannung auf, um Tarconi bei der Arbeit zuzuschauen. Tarconi tat missbilligend, aber Frank wusste, dass er heimlich sehr stolz darauf war, Franks Interesse geweckt zu haben.

„Was passiert als nächstes damit?“, fragte Frank, als Tarconi gerade eine weitere Zutatenmischung in die Backform goss.

„Na, was glaubst du? Wir stellen es in den Backofen, etwa so.“ Er stellte die Form zurück in den noch heißen Ofen und schloss die Tür. „Und jetzt warten wir. Du hast vermutlich Hunger, sonst wärst du nicht schon vorwitzig hergekommen. Aber du musst dich noch gedulden, mein Freund, eine solche kulinarische Einmaligkeit braucht nun mal seine Zeit. Wir warten eine halbe, eine dreiviertel Stunde. Währenddessen können wir noch etwas trinken, was meinst du?“

Tarconi zwinkerte ihm verschwörerisch zu und Frank kam sich schäbig vor bei diesem so genannten ‚Rendezvous‘, obwohl doch Tarconi bisher keinerlei weitere Andeutungen gemacht hatte. Möglicherweise bildete er sich alles nur ein; möglicherweise beruhte alles auf einer Art französischer Gastlichkeit, die er bisher aus Mangel an Freundschaften noch nicht kennen gelernt hatte. In diesem Fall würde er sich wohl bis auf die Knochen blamieren, aber das war immer noch besser, als einen gutmeinenden Menschen in die Irre zu führen.

Ehe er sich versah waren sie an den Esstisch zurückgekehrt und hatten mit einem weiteren Glas Anisette angestoßen. Tarconi betrachtete in einem seltenen Moment des Schweigens die Maserung auf Franks Esstisch, und Frank beschloss, die Gelegenheit zu nutzen.

„Hör mal, was ich darüber gesagt habe, für Mädchen zu kochen…“

Tarconis Lachen unterbrach ihn.

„Ist es das, worüber du dir den ganzen Abend schon den Kopf zerbrichst?“ Frank war nicht bewusst gewesen, dass es so offensichtlich gewesen war. „Keine Sorge, ich habe es schon verstanden: Du hast kein Interesse.“

Frank sah betreten weg. „Es ist komplizierter“, sagte er nach einer Weile.

„Natürlich ist es komplizierter. Mit euch Ausländern ist es immer so kompliziert! Mein Freund, du wohnst schon einige Zeit hier, du hast keine Freundin, du hast keinen Freund; die Frauen im Supermarkt erzählen mir, du seist charmant und freundlich, aber abweisend, und ich muss dir gleich sagen, dass die Männer mir gar nichts erzählen, was vermutlich daran liegt, dass sie Angst haben, du würdest sie verprügeln mit deiner Preisboxerstatur.“

Tarconi fuchtelte aufgebracht mit beiden Händen in der Luft herum und brachte Frank damit zum Lachen. Die Zwanglosigkeit zwischen ihnen überraschte ihn immer wieder.

„Aber ich komme nicht hierher, um dich zu verführen mit meinen 60 Jahren“, fuhr Tarconi fort. „Ich komme hierher, weil du aussiehst, als könntest du Gastlichkeit vertragen, und weil ich es als meine heilige Pflicht sehe, dir Kultur beizubringen. Du kannst dich also entspannen und diesen verflucht guten Anisette genießen, bis die Quiche fertig ist.“

Frank wurde erst bewusst, wie angespannt er den ganzen Abend gewesen sein musste, als die gesamte Anspannung von ihm abfiel. Das war vielleicht die einfachste Unterhaltung gewesen, die er jemals mit einem vermeintlichen ‚Rendezvouspartner‘ geführt hatte, und er war unendlich dankbar dafür.

Date: 2014-07-03 09:38 am (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Okayokay, ich hab dich ja schon in Skype zugeschrien, aber mir sind jetzt noch siebzig Millionen Sachen aufgefallen, die ich einfach nur großartig finde. Und weil ich faul bin und keine Bindewörter benutzen kann, bekommst du jetzt eine öde bulletin-list full of stuff I ADORE!

1. Der erste Absatz. xDDDDDD Mal davon abgesehen, dass es einfach nur absolut brillant ist, wie elegant du beschrieben hast, was alles an Frank so ziemlich wundervoll, faszinierend und attraktiv ist (DU FANGIRL XDDDDD), ist es super, dass Frank einfach nicht checkt, was genau es ist, eben weil er asexuell/aromantisch ist und sich darunter nichts vorstellen kann. PRECIOUS LITTLE BABY BOY. <333

2. erst recht dann, wenn sie mit Menschen stattfanden, die seine wenigen humoristischen Bemerkungen tatsächlich als solche verstanden. Aww, Frank ó.ò Es ist nicht leicht, wenn man so saucool ist, wie du, ich versteh das schon. *seufz* Es ist klasse, mit wie wenig Worten du klarmachst, warum Frank den Inspector mag, obwohl sie ja tatsächlich nicht zusammen passen, hach. <333 FRIENDS ARE GREAT, BRB SINGING A SONG ABOUT THE BEAUTY OF FRIENDSHIP.

3. Ihr Ausländer habt keine Kultur. Ihr kommt nach Frankreich und man muss euch die Kultur erst mühsam beibringen.“ RACIST FRENCH PEOPLE FOR THE WIN XDDDDD

4. Das Wochenende kam und verbreitete den durchdringenden Geruch von gebratenem Speck, Porree und Zwiebeln in jedem Winkel von Franks Haus. SUCH BEAUTIFUL PROSE YOU ARE PERFECT HERE LEMME LOVE YOU KASJDHJAS UGHS! Solch eine bezaubernde Überleitung, hach.

5. Mir ist beim fünften Lesen dann auch mal aufgefallen, wie sehr sich Franks Unruhe und seine Befürchtung, dass er gleich alles verderben wird, durch die ganze Story zieht und das ist wundervoll! Man fiebert so sehr mit, eben weil auch nicht ganz klar wird, welche Ziele Tarconi verfolgt (außer seinem ästhetischen Befinden was Gutes zu tun, weil Frank fucking pretty to look at ist xD) und dann ist am Ende alles gut und sie sind best friends und awww der Inspector ist so charming und genau das, was Frank braucht, hach Q__Q

6.was vermutlich daran liegt, dass sie Angst haben, du würdest sie verprügeln mit deiner Preisboxerstatur.“
HOW ABOUT THAT AU THOUGH. WHERE BARNEY AND LEE ARE BOXING CHAMPIONS. I MEAN. ISN'T THAT A THING THE WORLD NEEDS.

Date: 2014-10-04 06:30 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich sehe in deinen Kühlschrank und mir wird ganz anders. Ich sehe in deinen Vorratsschrank und mich überkommt das Verlangen, für dein Seelenheil zu beten.
:D

Ich hab' die Transporter-Filme nicht gesehen, aber v.a. Tarconi wird unglaublich lebendig beim Lesen. Und wie es sich für Fluff gehört, ist das einfach schön zu lesen, ich fühle mich am Ende jedesmal besser :)

Date: 2014-10-15 07:36 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Bei den 120_Minuten Geschichten lese ich immer auch mal in Sachen rein, dir ich noch gar nicht kenne. Funktioniert nicht immer, aber wenn es gut geschrieben ist, braucht man die Vorlage gar nicht zu kennen :)

Manchmal schaffe ich es dann auch, mal was von den Vorlagen zu schauen - letztes Jahr habe ich dann tatsächlich ein paar Folgen Robin Hood geschaut. Aber die ffs dazu waren besser ;)

Transporter kommt dann dran, wenn ich es endlich geschafft habe Ex1 und Ex2 zu schauen ...

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