[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Challenge: Fluff – Unerwartete Hilfe – fürs Team
Fandom: Rocky (Rocky II)
Titel: Wenn es reicht
Inhalt: Rocky tut alles für seine Adrian. Und sie tut noch viel mehr für ihn. (spielt während des zweiten Films, während Rocky im Schlachthaus und Adrian im Tierladen arbeitet).
Anmerkung: für [livejournal.com profile] ayawinner. Sie weiß warum. Die Kurve zum Fluff hab ich nur ganz haarscharf bekommen, sorry.



Wenn es reicht

Es ist so seltsam, wirklich, wie er sich immer weiter verletzt, obwohl er seit Monaten nicht mehr im Boxring steht. Er ist gesund, sein Gesicht ist vollständig verheilt, er kann seine Hände wieder bewegen – bis auf den kleinen Finger natürlich, der immer noch ab und zu aus dem Gelenk springt und dann wie ein kleiner weißer Ast von Rockys rechter Hand absteht, bis er ihn geistesabwesend wieder einrenkt und weiter seinen dünnen Kaffee trinkt.

„Vielleicht sollte ich mir ein Gummiband um den Finger wickeln, weißt du“, sagt er dann mit einem Grinsen, wenn er ihren Blick einfängt. „Dann schnippt er von alleine wieder zurück und ich bleibe nirgendwo hängen. Vielleicht frage ich heute auf der Arbeit mal nach, ob sie ein Band für mich haben, nachher landet mein kleiner Finger noch in einer Leberwurst, stell dir das mal vor!“

Man könnte es für einen Witz halten, einen seiner typischen fröhlichen Sprüche, doch Adrian kennt ihn mittlerweile zu gut. Sein Lächeln ist ein bisschen zu breit, er zieht kaum merklich die Schultern hoch und presst die Arme fester an den Körper. Er verkrampft sich beim bloßen Gedanken an die Arbeit in der Fabrik und Adrians Herz zerbricht in tausend kleine Teile.

„Ich mag es“, sagt sie leise. Rocky hält inne, schaut sie mit großen Augen an. „Dein Finger“, fährt sie fort und lächelt ihm über die billige Marmelade hinweg zu. „Er passt zu dir.“

Es dauert ein paar Augenblicke – und dann strahlt Rocky übers ganze Gesicht, sagt ihr, dass Adrian das Beste ist, was ihm je passiert ist, und alles ist für ein paar Minuten perfekt und gut und so wie es sein sollte.

Aber dieses Gefühl hält nur bis zum Abend, wenn er nach Hause kommt, mit hängenden Schultern und leerem Blick, der nur kurz aufflackert, wenn er sie begrüßt.

„Du solltest mich nicht umarmen, weißt du“, sagt er leise, als er die Nase in ihrem Haar vergräbt und sie entgegen seiner Worte noch ein bisschen fester an sich drückt. „Ich rieche nicht so gut, wirklich, es heißt ja immer, Schweine sollen so saubere Tiere sein, aber anscheinend nur, wenn sie noch leben, tote Schweine stinken ganz schön…Hoffentlich bekommt der Tiger auf meiner Jacke keinen Hunger, weißt du, dann beißt der mich noch auf dem Heimweg…Was für eine Schlagzeile, stell dir das vor, ‚Italienischer Hengst von Tiger gefressen‘. Das könntest du an die Tür des Tierladens hängen, das wär doch was…“

Sie schweigt und hebt die Arme ein bisschen höher, um dem Tiger auf der Jacke über den Kopf zu streicheln, damit der nicht auf blöde Ideen kommt.

Nach einer Weile macht Rocky sich von ihr los, grinst schief und geht langsam durch die immer noch leeren Zimmer in Richtung Bad und als er die Tür hinter sich schließt – nachdem er sich bei Butkus entschuldigt hat, dass er ihn von seinem Schlafplatz in der Badewanne vertreiben muss, aber Rocky muss duschen und du magst die Seife doch sowieso nicht, oder Butkus? – da beschließt Adrian, dass es reicht.

Ihr Mann, ihr Rocky, darf nicht mehr traurig und müde und hoffnungslos sein. Er darf nicht mehr voller Angst auf seinen Boxsack starren, wenn er glaubt, dass sie es nicht sieht und er darf nicht mehr von irgendwelchen bösen Männern auf der Straße angepöbelt werden.

Wie gerne würde sie hinausgehen und diesen Männern mit der Hand ins Gesicht schlagen. Niemand darf ihrem Ehemann wehtun, kein Tiger, kein Mensch, und wenn sie nur ein bisschen größer und nicht ganz so schwanger wäre, dann würde sie es tun.

Adrian seufzt und streichelt über ihren dicken Bauch. Sie kann sich nicht prügeln und sie kann auch Rocky nicht erlauben, wieder boxen zu gehen, auch wenn sie weiß, wie viel es ihm bedeutet.
Sie hat zu viel Angst: um ihn, um sich selbst (denn sie wird kaputt gehen, wenn er nicht mehr bei ihr ist, das weiß sie), um das Baby in ihrem Bauch, davor, dass Rocky immer wieder aufsteht und davor, dass er irgendwann einfach liegen bleibt und an dieser lähmenden Angst, die weder vor noch zurückkann, wird sie eines Tages ersticken.

Nein, sie kann ihm nicht erlauben, wieder in den Ring zu steigen.

Aber das heißt nicht, dass sie ihm nicht helfen kann, und so geht sie am nächsten Tag ein bisschen früher aus dem Tierladen weg und besucht die Stadtbibliothek.

Als Rocky heimkommt, wartet sie schon auf ihn.

„Hey, Adrian, ich bin zuhause, ich hab auch noch alle Finger, wirklich“, sagt er, als er die Haustür aufmacht, doch als er sie auf der Treppe sitzen sieht, hält er sofort inne. „Ist das nicht ein bisschen unbequem?“, fragt er vorsichtig, und er will zu ihr stürzen, als sie sich langsam aufrichtet, doch sie hält ihn mit einer ungeduldigen Handgeste zurück.

„Adrian?“ Er ist vollends verwirrt, doch sie kann darauf keine Rücksicht nehmen. Sie hat den ganzen Nachmittag vorm Spiegel verbracht, sie hat geübt und geübt, und auch wenn ihr das Herz bis zum Hals klopft und ihre Hände schweißnass sind, holt sie tief Luft.

„Was…“, fängt sie an, und räuspert sich hastig. „Was ist grün und klopft an der Tür?“

Rocky starrt sie an.

Es ist totenstill.

„Ein Klopfsalat“, sagt sie und für einen kurzen Moment glaubt sie, dass sie die Pointe verdorben hat.

Es dauert fünf Sekunden, in denen Adrian die Luft anhält, und dann bricht Rocky in röhrendes Gelächter aus.

„KLOPFSALAAAAAT!“, schreit er, so laut, dass Adrian zusammenzuckt und Buktus laut bellend aus dem Schlafzimmer angerannt kommt. Rocky lacht und lacht, er reißt sich den Hut vom Kopf, trommelt auf seine Oberschenkel und rutscht an der immer noch halb offen stehenden Haustür nach unten auf den Boden, Buktus springt um ihn herum, schaut zwischen Rocky und Adrian hin und her und bellt und bellt, das ganze Haus scheint zu beben vor lauter Fröhlichkeit.

Adrian hält sich am Treppengeländer fest und lächelt, bis ihr die Lippen wehtun. Langsam steigt sie die Stufen hinab und geht auf Rocky zu, der nach Luft japsend und mit hochrotem Gesicht auf dem Boden liegt.

„Geht es dir gut?“, fragt sie leise und Rocky grinst und steht mühsam auf.

„Ich liebe dich“, antwortet er, dann packt er sie um die Taille und schließt sie fest in die Arme. „Und du liebst mich auch, und du erzählst mir Witze, das hat noch niemand für mich gemacht, weißt du.“

Sie weiß das, und es erfüllt sie mit Stolz, dass sie ihn zum Lachen bringen kann. Er gehört ihr, das darf niemand sonst und als sie sich an ihn schmiegt und seinen rasenden Herzschlag spürt, weiß sie, dass alles wieder gut werden wird.

Irgendwie.
-Ende



Liebe Mods, ich bräuchte ein Rocky tag!
Dankeee =D

Date: 2014-07-02 02:46 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
ICH HABE WIRKLICH VERSUCHT, EINEN ANSTÄNDIGEN KOMMENTAR ZU SCHREIBEN, WIRKLICH, ICH HABE ES SOOOO AAAARG VERSUCHT, ABER ES GEHT EINFACH NICHT, MIR IST NUR ZU CAPSLOCK UND KEYSMASH ZUMUTE WEIL DIE BEIDEN SO ZAUBERHAFT NIEDLICH SIND, ES MACHT MICH TOTAL FERTIG.

Eine Liste an Dingen, die ich an dieser Fic liebe:
- alles

Rambling Rocky ist mein favourite, das hatten wir ja schon, und dass er bei dir auch noch so ungekünstelt auf deutsche ramblet, macht mich unsagbar glücklich. (Ich will das jetzt gar nicht auf Deutsch gucken, weil ich Angst hab, dass es "offiziell" nicht so unglaublich zauberhaft ist wie bei dir.) Und fast noch mehr liebe ich es, dass er schwafelt und schwafelt, um alles zu überspielen, und sie ihn trotzdem sofort durchschaut (und ihn mit so wenigen Worten glücklich macht, awwww OH GOTT).

und sie entgegen seiner Worte noch ein bisschen fester an sich drückt
ICH FANGE GLEICH AN ZU WEINEN

und wenn sie nur ein bisschen größer und nicht ganz so schwanger wäre, dann würde sie es tun
Das liebe ich auch, denn ich bin fest überzeugt, dass sie das wirklich machen würde. Es tut ihr schließlich mindestens genauso weh wie Rocky, und dann noch viel mehr, weil es Rocky weh tut, wenn die Leute so hämisch sind, und weil er doch sowieso schon so unglücklich ist.

UND SIE IST SO ZAUBERHAFT, erwähnt ich das schon, ICH LIEBE DAS, WIE ZAUBERHAFT SIE BEI DIR IST, UND WIE NATÜRLICH, UND WIE STARK UND SCHÜCHTERN UND LIEBEVOLL UND

Ach ♥ Sie kann nur so wenig machen, aber sie tut so viel für ihn, ach.

Eine wunderschöne Charakterstudie. Es ist so eine unfassbar niedliche Idee mit dem Witz, die Figuren sind spot-on, und das kann ich mir ganz genau so im Canon vorstellen.

Und dann auch noch für mich :'( :') Danke ♥

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