[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - "Wann hast du das letzte Mal geschlafen?" (für mich)
Titel: Sleepless
Fandom: Original (Lost)
Charaktere: Lee "Pei" Yeung, Lee Kim
Words: 928
Warnings: unbetaed, uncorrected (wie immer)

Kommentar: Der Charakter stammt aus einem RPG von [livejournal.com profile] luinaldawen und mir.

Sleepless

Seit Tagen fühlte er sich wie betäubt. Eigentlich war es nun schon einige Wochen, aber vor wenigen Tagen hatten seine Hoffnungen einen Todesstoß erlitten. Yeung konnte gar nicht Beschreiben, wie sich das anfühlte. Nachvollziehen konnten das nur die Menschen, denen es ähnlich erging. Vollkommen am Boden zerstört, vor den Trümmern dessen, was man einmal sein Leben genannt hatte.
Erschöpft strich er sich über die Schläfen und rieb sich kurz seine Augen. Er ging an den Kühlschrank, nur um festzustellen, dass er eigentlich vorgehabt hatte, einkaufen zu gehen. Bevor er sich einen Dienst angehängt hatte. Freiwillig.
Er hätte ja auch noch weiter gearbeitet, aber er war schon volle vierundzwanzig Stunden im Dienst gewesen und hatte davor nur einen halben Tag Unterbrechung gemacht. Die Arbeit im Krankenhaus zehrte an seinen Kräften, aber es war das Einzige, was ihm geblieben war. Es war das Einzige, das ihn irgendwie am Funktionieren hielt.
"Ich habe mich schon gefragt, wann du wieder nach Hause kommst..."
Es überraschte ihn, die Stimme seiner Cousine zu hören, aber er war zu müde, um wirklich verärgert darüber zu reagieren. Früher hätte er sein Temperament ihr gegenüber nicht gezügelt. Es hätte so einiges gegeben, dass er ihr gerne an den Kopf geworfen hätte. Stattdessen nahm er sich eine Flasche Wasser und trank einen kleinen Schluck daraus, ehe er leise fragte: "Was willst du?"
Er hatte keine Lust auf Gesellschaft und wäre er nicht so unglaublich müde, er hätte sie einfach rausgeschmissen. Das war schließlich seine Wohnung und nur weil er bei seiner Verwandtschaft Ersatzschlüssel deponiert hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass sie uneingeschränktes Zutrittsrecht besaßen.
"Du siehst echt scheiße aus, Yeung, hat dir das in letzter Zeit schon mal jemand gesagt?" Die Worte waren keinesfalls bösartig gewesen, viel mehr unendlich besorgt - und wachsam. Yeung zuckte nur mit den Schultern. Er wollte gar nicht darauf eingehen. Kim sah gewiss nicht besser aus, wenn sie mit geringen Pausen quasi achtundvierzig Stunden Patienten versorgen musste. Und gezwungen war, durchaus auch mal zu lächeln und freundlich zu sein. Das war dreimal so anstrengend, wenn man sich nicht danach fühlte.
"Wann hast du eigentlich das letzte Mal geschlafen? Ich meine, so richtig und nicht die Nickerchen, die du zweifelsfrei im Krankhaus zwischendurch mal eingelegt hast." Erneut zuckte Yeung mit den Schultern, nicht gewillt, ihr wörtlich Rede und Antwort zu stehen, wenn sie uneingeladen und unerwünscht hier aufgetaucht war. Er sah nicht einmal ein, sie in irgendeiner Weise zu bewirten.
"Gesprächig bist du ja heute nicht..."
"Sag endlich, warum du hier bist und dann verzieh dich." Es war das erste Mal seit sie auf sich aufmerksam gemacht hatte, dass Yeung seiner Cousine einen Blick zuwarf. Seine braunen Augen sahen Kim scharf an und kurz flackerte in ihnen ein schwaches Feuer, das deutlich anzeigte, wie ernst er seine Worte meinte.
"Wie großzügig. Aber so einfach wirst du mich nicht los, Zombieauge." Kims Blick war herausfordern. "Ich würde dich ja auf nette Weise fragen, aber irgendwie glaube ich nicht, dass ich da großartig zu dir durchdringen würde."
Yeung schnaufte. "Die Antwort lautete Nein, egal, was du von mir willst." Es war seit seiner Rückkehr aus New York schon einige Male vorgekommen, dass Kim ihn irgendwohin schleifen wollte. 'Raus aus dem Haus und weg von der Arbeit.' Auch wenn er gar keinen Bedarf darin gesehen hatte, etwas anderes zu tun, als zu arbeiten. Er hatte sich für seinen Partner... Ex-Partner... den Arsch aufgerissen und war ihm überall hingefolgt. Hatte ihn nach besten Wissen und Gewissen unterstützt und versucht, dass sie glücklich werden konnten.
Und was hatte es ihm gebracht?
Er wurde verlassen. Für immer.
"Deine Augen tränen..."
Flüchtig wischte sich Yeung darüber und wandte sich von seiner Cousine ab. Auch das noch! Seine betäubten Nerven waren einfach überreizt, wann immer er die Kopie des Zeitungsartikels vor Augen hatte. Der Idiot hatte Selbstmord begangen! Von wegen, er bräuchte nur eine Auszeit!
"Hau ab, ich hab in sechs Stunden Bereitschaftsdienst", brachte er mit belegter Stimme hervor und spürte die Wut in sich hochkochen. Die Schuld, die er sich an Soichirous Tod gab, obgleich er wahrscheinlich nichts hätte tun können.
Er fühlte sie ohnmächtig.
"Was du brauchst, ist nicht nur Schlaf. Du bist urlaubsreif, Yeung. Das sehen wir alle so."
"Oh bitte erspar mir diese Belehrungen. Falls du es vergessen hast, bin ich hier der Mediziner." Und er hatte es ganz allein geschafft.
"Ja, aber du bist nicht nur Arzt, du bist auch Mensch." Kim erhob sich vom ihrem Platz beim Esstisch und legte Yeung eine Hand auf Schulter. "Ich möchte im Dezember nach Deutschland fliegen. Angeblich soll es in Hamburg ganz tolle Weihnachtsmärkte geben und das alles besonders nett anzusehen sein. Ich würde ja allein fliegen, aber meine Eltern erlauben das nicht. Da du ohnehin Urlaub brauchst, kannst du ja mitkommen."
Hamburg? Deutschland... Europa? Hatte Kim einen Knall? Niemals wieder hatte er vor einen Flughafen von innen zu sehen, geschweigedenn in ein Flugzeug zu steigen.
"Ich erinnere dich daran, dass ich unter krankhafter Höhenangst leide. Such dir einen anderen Deppen." Er sah Kim an, die ihm eine süffisantes Lächeln schenkte.
"Geh schlafen und denk drüber nach." Sie zwinkerte. "Ich werde nicht locker lassen, also überleg dir schon mal bessere Gründe, um mich zu überzeugen. Wir werden ja dann sehen, wer den größeren Sturschädel hat."
Yeungs Blick bekam etwas fassungsloses, bevor er seine Cousine finster anstarrte. "Vergiss es und jetzt raus!" Lachend verschwand Kim und als Yeung sich mit knurrendem Magen ins Bett begab, fiel ihm auf, dass der unerwartete Besuch Kims doch ein wenig heilend war... wenn auch nicht lange genug, um ihm einen ruhigen Schlaf zu schenken.

Date: 2014-07-02 01:44 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Das ist wundervoll. UND WIRKLICH EINE ANDERE ART VON LIEBESKUMMER, URGHS Q_Q Mir gefällt die versteckte Wut in praktisch jeder von Yeungs Handlungen und Kims resolute Art, die trotzdem liebevoll und besorgt ist. Hach, die beiden. CAN YOU BE HAPPY PLEASE Q_Q

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