h/c: Erschöpfung
Jul. 1st, 2014 01:17 pmTeam: Kalliope
Challenge: h/c - Erschöpfung (mental oder körperlich)
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Sabine, Stephan
Anmerkungen: Die kleine Szene spielt lange nach dem Zeitraum zu dem ich normalerweise schreibe, also nicht wundern. =) Der Rest sollte wieder früher angesiedelt sein.
Wörter: 1079
Die Angst hatte sich ein schönes Nest gebaut und schien sich sehr wohlzufühlen. Zwischendurch schlief sie, aber immer dann, wenn man es nicht brauchen konnte, hob sie träge den Kopf und versetzte den ganzen Körper in Alarmbereitschaft. Würde sie jemand danach fragen, wie sich genau Angst äußerte, Sabine könnte einen ausführlichen Bericht liefern.
Noch nie hatte sie eine Prüfung derart gefürchtet wie die, die sie in einer halben Stunde erwartete. Und sie war nicht die einzige, der der Arsch auf Grundeis ging. Es war schönstes Wetter, aber ihre Leidensgenossen sahen aus, als wäre die Zombieapokalypse ausgebrochen. Tiefe Augenringe, das eine oder andere verweinte Gesicht, Anspannung. Keiner sprach. Nicht laut jedenfalls. Ein paar Meter von ihr entfernt flüsterten ein paar Kommilitonen miteinander und glichen Notizen ab.
Gerade kam eine junge Frau aus dem Gebäude und sah aus, als würde sie jede Sekunde zusammenbrechen. Sabine ging zu ihr. „Ines... alles klar? Wie ist es gelaufen?“
Sekundenlang starrte Ines sie einfach nur an. Dann fuhr sie sich müde mit einer Hand durch die Haare. „Ich habe bestanden. So gerade eben... Du... sorry... ich weiß, ich hatte versprochen, dass wir hiernach einen Kaffee trinken gehen aber...“ Sie schien nach Worten zu suchen. „Ich bin total durch. Ich warte hier noch mit dir und fahre dann heim, ist das okay?“
„Klar. Du kannst auch jetzt ruhig schon fahren. Ich bin eh beschissene Gesellschaft.“ Eigtlich wollte sie nichts lieber als jemanden bei sich haben, der ihr noch ein wenig die Hand hielt, aber Ines jetzt hierzubehalten erschien ihr nichts anderes als verantwortungslos zu sein. Die Zombies aus The Walking Dead sahen lebendig aus, verglichen mit ihr.
„Wirklich?“
„Klar. Ich schreibe dir, sobald ich fertig bin und dann schauen wir, wann wir beide wieder brauchbar sind und gehen etwas trinken.“
„Sicher?“ Hoffnung erhellte Ines Gesicht ein wenig. Nur ein wenig.
„Ganz sicher. Ab mit dir, bevor wir hier an dir unsere Praxis auffrischen müssen.“
Es half, sich auf jemand anderen zu konzentrieren, stellte Sabine wieder einmal fest, als Ines sie fest umarmte, „Viel Glück“, flüsterte und Richtung Fahrradständer davonschlich. Hoffentlich kam sie heil zu Hause an... Sabine war sich ziemlich sicher, dass Ines in der letzten Nacht ebenso viel Schlaf bekommen hatte, wie sie selbst. Nämlich gar keinen.
Sie sah auf ihre Uhr. Eine Viertelstunde noch... nicht mal mehr. Da konnte sie auch genausogut schon mal reingehen. An einer Rauchwolke vorbei, in der drei Prüflinge nochmal die Köpfe zusammensteckten, einer der gerade rausgestolpert kam und nicht so aussah, als ob er es geschafft hätte. Wieso hatte sie sich nochmal für ein Medizinstudium entschieden? Selbst wenn sie diesen Prüfungsmarathon jetzt überstand, das bedeutete ja nicht, dass sie ausgelernt hatte. Danach wurde es nochmal richtig hart.
Sie musste den Verstand verloren haben.
Vor dem Büro ihres Prüfers war niemand. Drinnen hörte sie leise Stimmen, die Prüfung war in vollem Gange. Zwanzig Minuten müsste sie gleich durchhalten. Zwanzig Minuten in denen jeder Mist abgefragt werden könnte. Das Bedürfnis nach einer Zigarette wurde beinahe übermächtig. Dabei hatte sie seit drei Jahren keine mehr angerührt.
Unruhig begann sie, den Flur auf und ab zu tigern. Sie hätte Stephan erlauben sollen, mitzukommen. Wirklich. Aber nach ihrem Wutausbruch gestern konnte sie ihn wohl kaum bitten, herzukommen. Sie hatte ihn doch gewarnt! Ihre Mitbewohner hatten ihn gewarnt! In Prüfungsphasen war sie ein Pulverfass, jeder wusste das! Wieso hatte der Idiot sie auch in der Bibliothek genervt? Ausgerechnet da? Dass sie zusammen waren, bedeutete doch nicht, dass für ihn Sonderregeln galten!
Sie hätte sich nicht so aufregen dürfen. Er hatte ihr doch nur helfen wollen. Immerhin hatte er die Prüfung schon vor einem Jahr abgelegt. Und bestanden natürlich. Dafür war er aber auch zwei Wochen vorher nicht ansprechbar gewesen, was einer jungen Beziehung normalerweise nicht guttat, aber unter Medizinstudenten galten in der Hinsicht sicher andere Regeln. Zumindest wenn sie sich daneben Liang und Oliver ansah, die beide an ihrer Masterarbeit bastelten und trotzdem massig Zeit füreinander hatten.
Als die Tür aufging, zuckte Sabine heftig zusammen, aber es war nur Thomas, der rauskam. „Hey“, grüßte er sie etwas zu leise um wirklich gut drauf zu sein.
„Hey. Wie ists gelaufen?“
„Ganz gut. Ich denke, ich habe bestanden. Sie besprechen das gerade“, fügte er überflüssigerweise hinzu.
„Es wird schon geklappt haben. Marianne wartet draußen auf dich.“
Sein Gesicht hellte sich etwas auf. „Wenn ich bestanden habe, hab ich versprochen, sie zum Essen einzuladen, weil ich so wenig Zeit für sie hatte.“
„Und wenn nicht?“
„Dann zahlt sie.“ Er lachte.
„Ich schulde meinen Mitbewohnern auch noch ein Essen... die mussten echt viel mitmachen in den letzten Wochen.“
Ein nervöses Lächeln und Schweigen. Es gab nichts, worüber man weiter redne könnte, dafür kannten sie sich nicht gut genug und nach Smalltalk war keinem.
Dann wurde Thomas wieder reingerufen. Lange dauerte es nicht, aber sein Strahlen sagte alles. „Glückwunsch“, murmelte Sabine und wünschte sich, sie hätte etwas gegessen, so flau war ihr gerade im Magen. Was, wenn sie gleich einfach umkippte? Aber ganz sicher hätte sie jede Mahlzeit einfach in genau diesem Moment wieder ausgekotzt.
Man bat sie noch, einen Augenblick zu warten, dann war es so weit.
Hinterher konnte sie sich beim besten Willen nicht mehr an die Fragen erinnern. Alles verschwamm miteinander. Die Gesichter der Prüfer und der Beisitzer, das Büro selbst... sie wusste nur noch, dass es ein recht lockeres Gespräch gewesen war. Ob das bei dieser Prüfung normal war oder ob man einfach nur Schiss hatte, sie würde sonst die Nerven verlieren, wusste Sabine nicht.
Eine halbe Stunde später war sie wieder im Freien und fummelte ihr Handy aus der Jackentasche. Sie hatte Ines versprochen, sich bei ihr zu melden... Jemand legte ihr eine Hand auf den Arm und das Handy war vergessen. „Wie wars?“, fragte Stephan und Sabine brach einfach in Tränen aus. Ganz sicher erschreckte sie ihn damit zu Tode, aber es war ihr egal. Ihre Nerven lagen blank, sie hatte mindestens zwei Tage nicht geschlafen, kaum gegessen und mehr Koffein in der Blutbahn als gesund sein konnte. Die ganze Anspannung fiel von ihr ab und alles war sie noch tun konnte, war zu heulen und sich dabei von Stephan festhalten zu lassen.
Darin war er ziemlich gut, wie sie irgendwann merkte, als die Tränen versiegten. Er war warm, seine Umarmung fest... und er war einfach da. Obwohl sie so furchtbar zu ihm gewesen war. „Ich habe bestanden“, flüsterte sie. „Ich habe bestanden...“
Challenge: h/c - Erschöpfung (mental oder körperlich)
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Sabine, Stephan
Anmerkungen: Die kleine Szene spielt lange nach dem Zeitraum zu dem ich normalerweise schreibe, also nicht wundern. =) Der Rest sollte wieder früher angesiedelt sein.
Wörter: 1079
Die Angst hatte sich ein schönes Nest gebaut und schien sich sehr wohlzufühlen. Zwischendurch schlief sie, aber immer dann, wenn man es nicht brauchen konnte, hob sie träge den Kopf und versetzte den ganzen Körper in Alarmbereitschaft. Würde sie jemand danach fragen, wie sich genau Angst äußerte, Sabine könnte einen ausführlichen Bericht liefern.
Noch nie hatte sie eine Prüfung derart gefürchtet wie die, die sie in einer halben Stunde erwartete. Und sie war nicht die einzige, der der Arsch auf Grundeis ging. Es war schönstes Wetter, aber ihre Leidensgenossen sahen aus, als wäre die Zombieapokalypse ausgebrochen. Tiefe Augenringe, das eine oder andere verweinte Gesicht, Anspannung. Keiner sprach. Nicht laut jedenfalls. Ein paar Meter von ihr entfernt flüsterten ein paar Kommilitonen miteinander und glichen Notizen ab.
Gerade kam eine junge Frau aus dem Gebäude und sah aus, als würde sie jede Sekunde zusammenbrechen. Sabine ging zu ihr. „Ines... alles klar? Wie ist es gelaufen?“
Sekundenlang starrte Ines sie einfach nur an. Dann fuhr sie sich müde mit einer Hand durch die Haare. „Ich habe bestanden. So gerade eben... Du... sorry... ich weiß, ich hatte versprochen, dass wir hiernach einen Kaffee trinken gehen aber...“ Sie schien nach Worten zu suchen. „Ich bin total durch. Ich warte hier noch mit dir und fahre dann heim, ist das okay?“
„Klar. Du kannst auch jetzt ruhig schon fahren. Ich bin eh beschissene Gesellschaft.“ Eigtlich wollte sie nichts lieber als jemanden bei sich haben, der ihr noch ein wenig die Hand hielt, aber Ines jetzt hierzubehalten erschien ihr nichts anderes als verantwortungslos zu sein. Die Zombies aus The Walking Dead sahen lebendig aus, verglichen mit ihr.
„Wirklich?“
„Klar. Ich schreibe dir, sobald ich fertig bin und dann schauen wir, wann wir beide wieder brauchbar sind und gehen etwas trinken.“
„Sicher?“ Hoffnung erhellte Ines Gesicht ein wenig. Nur ein wenig.
„Ganz sicher. Ab mit dir, bevor wir hier an dir unsere Praxis auffrischen müssen.“
Es half, sich auf jemand anderen zu konzentrieren, stellte Sabine wieder einmal fest, als Ines sie fest umarmte, „Viel Glück“, flüsterte und Richtung Fahrradständer davonschlich. Hoffentlich kam sie heil zu Hause an... Sabine war sich ziemlich sicher, dass Ines in der letzten Nacht ebenso viel Schlaf bekommen hatte, wie sie selbst. Nämlich gar keinen.
Sie sah auf ihre Uhr. Eine Viertelstunde noch... nicht mal mehr. Da konnte sie auch genausogut schon mal reingehen. An einer Rauchwolke vorbei, in der drei Prüflinge nochmal die Köpfe zusammensteckten, einer der gerade rausgestolpert kam und nicht so aussah, als ob er es geschafft hätte. Wieso hatte sie sich nochmal für ein Medizinstudium entschieden? Selbst wenn sie diesen Prüfungsmarathon jetzt überstand, das bedeutete ja nicht, dass sie ausgelernt hatte. Danach wurde es nochmal richtig hart.
Sie musste den Verstand verloren haben.
Vor dem Büro ihres Prüfers war niemand. Drinnen hörte sie leise Stimmen, die Prüfung war in vollem Gange. Zwanzig Minuten müsste sie gleich durchhalten. Zwanzig Minuten in denen jeder Mist abgefragt werden könnte. Das Bedürfnis nach einer Zigarette wurde beinahe übermächtig. Dabei hatte sie seit drei Jahren keine mehr angerührt.
Unruhig begann sie, den Flur auf und ab zu tigern. Sie hätte Stephan erlauben sollen, mitzukommen. Wirklich. Aber nach ihrem Wutausbruch gestern konnte sie ihn wohl kaum bitten, herzukommen. Sie hatte ihn doch gewarnt! Ihre Mitbewohner hatten ihn gewarnt! In Prüfungsphasen war sie ein Pulverfass, jeder wusste das! Wieso hatte der Idiot sie auch in der Bibliothek genervt? Ausgerechnet da? Dass sie zusammen waren, bedeutete doch nicht, dass für ihn Sonderregeln galten!
Sie hätte sich nicht so aufregen dürfen. Er hatte ihr doch nur helfen wollen. Immerhin hatte er die Prüfung schon vor einem Jahr abgelegt. Und bestanden natürlich. Dafür war er aber auch zwei Wochen vorher nicht ansprechbar gewesen, was einer jungen Beziehung normalerweise nicht guttat, aber unter Medizinstudenten galten in der Hinsicht sicher andere Regeln. Zumindest wenn sie sich daneben Liang und Oliver ansah, die beide an ihrer Masterarbeit bastelten und trotzdem massig Zeit füreinander hatten.
Als die Tür aufging, zuckte Sabine heftig zusammen, aber es war nur Thomas, der rauskam. „Hey“, grüßte er sie etwas zu leise um wirklich gut drauf zu sein.
„Hey. Wie ists gelaufen?“
„Ganz gut. Ich denke, ich habe bestanden. Sie besprechen das gerade“, fügte er überflüssigerweise hinzu.
„Es wird schon geklappt haben. Marianne wartet draußen auf dich.“
Sein Gesicht hellte sich etwas auf. „Wenn ich bestanden habe, hab ich versprochen, sie zum Essen einzuladen, weil ich so wenig Zeit für sie hatte.“
„Und wenn nicht?“
„Dann zahlt sie.“ Er lachte.
„Ich schulde meinen Mitbewohnern auch noch ein Essen... die mussten echt viel mitmachen in den letzten Wochen.“
Ein nervöses Lächeln und Schweigen. Es gab nichts, worüber man weiter redne könnte, dafür kannten sie sich nicht gut genug und nach Smalltalk war keinem.
Dann wurde Thomas wieder reingerufen. Lange dauerte es nicht, aber sein Strahlen sagte alles. „Glückwunsch“, murmelte Sabine und wünschte sich, sie hätte etwas gegessen, so flau war ihr gerade im Magen. Was, wenn sie gleich einfach umkippte? Aber ganz sicher hätte sie jede Mahlzeit einfach in genau diesem Moment wieder ausgekotzt.
Man bat sie noch, einen Augenblick zu warten, dann war es so weit.
Hinterher konnte sie sich beim besten Willen nicht mehr an die Fragen erinnern. Alles verschwamm miteinander. Die Gesichter der Prüfer und der Beisitzer, das Büro selbst... sie wusste nur noch, dass es ein recht lockeres Gespräch gewesen war. Ob das bei dieser Prüfung normal war oder ob man einfach nur Schiss hatte, sie würde sonst die Nerven verlieren, wusste Sabine nicht.
Eine halbe Stunde später war sie wieder im Freien und fummelte ihr Handy aus der Jackentasche. Sie hatte Ines versprochen, sich bei ihr zu melden... Jemand legte ihr eine Hand auf den Arm und das Handy war vergessen. „Wie wars?“, fragte Stephan und Sabine brach einfach in Tränen aus. Ganz sicher erschreckte sie ihn damit zu Tode, aber es war ihr egal. Ihre Nerven lagen blank, sie hatte mindestens zwei Tage nicht geschlafen, kaum gegessen und mehr Koffein in der Blutbahn als gesund sein konnte. Die ganze Anspannung fiel von ihr ab und alles war sie noch tun konnte, war zu heulen und sich dabei von Stephan festhalten zu lassen.
Darin war er ziemlich gut, wie sie irgendwann merkte, als die Tränen versiegten. Er war warm, seine Umarmung fest... und er war einfach da. Obwohl sie so furchtbar zu ihm gewesen war. „Ich habe bestanden“, flüsterte sie. „Ich habe bestanden...“
no subject
Date: 2014-07-02 04:41 pm (UTC)no subject
Date: 2014-07-02 07:48 pm (UTC)Ich spame hier auch eher Kurzgeschichten aus dem Universum. Es baut sich um eine WG auf, die sich nach einer OS vor ein paar Jahren total selbstständig gemacht hat. XD
Es freut mich riesig, dass es dir gefällt! *-*