Im Silbermond
Jan. 15th, 2014 05:05 pmFandom: Teen Wolf
Challenge: Blut, Schweiß und Tränen (hier also jetzt die Tränen )
Pairing: Sterek angedeutet
Wörter: 2272
Warnung: nüx
Anmerkung: Additionell zum vorherigen Eintrag. Tsu meinte, dass es doch zu viele Fragen ohne Antworten gewesen wären. Ich hoffe das verdeutlicht das ganze etwas. (Ich hoffe das ergibt überhaupt Sinn... <.< )
Das ende is leider misslungen. :/
Regungslos kauerte er auf dem untersten Ast einer verzweigten Kastanie und lauschte in die Stille der Nacht hinein. Seine Armbrust lag bereit auf Anschlag, zusätzliche Bolzen trug er im Köcher auf dem Rücken.
Silber. Einfach, aber wirkungsvoll.
Wolkenverhangen hing ein kräftiger Silbermond am Himmel und tauchte den Wald in gespenstische Lichtspiele. Auch ohne ihn hatten sich seine Augen längst an die Dunkelheit gewöhnt, doch wirklich viel sah er trotzdem nicht.
Er seufzte.
Wie sehr er dieses Gewarte doch hasste. Am liebsten hätte er sich eine Zigarette angesteckt um wenigstens etwas zu tun zu haben, doch dann hätte er genauso gut einen blinkenden Pfeil mit Neonlampen auf sich richten können. Chris würde ihn töten, wenn er das mitbekäme.
Seufzend ließ er de Kopf gegen den dicken Stamm fallen.
„Nicht grad das beste Fleckchen zum Sterne begucken, mh?“
Stiles erschrak so heftig, dass ihm fast die Armbrust aus der Hand fiel – und er gleich hinterher. Panisch krallte er sich am Ast fest, während seine Augen nach der Ursache der Stimme suchten.
Nicht lange und er sah sie: Einen Ast über sich, mit geblekten Zähnen.
Routiniert zog er seine Waffe nach oben und zielte – wer hätte gedacht, dass sie ausgerechnet ihm vor die Mündung laufen würde!?
Doch sie zeigte sich nicht im geringsten beeindruckt. Stattdessen sprang sie grazil wie eine Turnerin vom Ast und strich ein paar Schritte vom Baum weg – die Bestie sprach aus jeder ihrer Bewegungen. Sie wusste, dass Stiles nicht abdrücken würde, solange sie sich ruhig verhielt.
„Du bist kein Hunter.“ bemerkte sie nur trocken. Provokativ leckte sie sich einen der vorstehenden Eckzähne sauber, ihr Mund war immer noch mit Blut verschmiert.
In dem Moment lichteten sich die Wolken und das kräftige Silberlicht erhellte sie deutlich.
„Du bist einer dieser naiven Weltverbesserer, die glauben mit ein bisschen Waffengedrohe und guten Worten kann man jeden Lykaner wieder zu Sinnen bringen.“ Sie lachte schrill auf. „Und gleichzeitig gibst du vor zu denken, du seist besser als alle Werwölfe zusammen.“
Stiles behielt sie scharf im Auge.
„Dabei stinkst du selbst wie ein ganzes Rudel. Oder...“ Sie umkreiste den Baum in kleinen Trippelschritten, aber immer in Stiles Schießwinkel. „zumindest wie ein Alpha.“ Sie klackte mit den Zähnen.
Stiles selbst unterdrückte den Drang, die Augen zu verdrehen. Jeder verdammte Wolf sprach ihn auf seinen Geruch an – oder besser: Auf den Geruch seiner Lederjacke. Was zur Hölle hatte Derek damit gemacht, raufgepinkelt!? Seit sechs Jahren war sie nun schon in seinem Besitz und -
„Was willst du?“ Er hatte keine Zeit sich in Gedanken zu verrennen.
Sie lächelte nur süffisant. „Ist das nicht einleuchtend?“ Doch als Stiles nicht reagierte sprach sie schließlich weiter: „Du gehörst in diese Gegend – du gehörst in das hiesige Rudel!“ Sie fauchte. „Bring mich zu deinem Alpha!“
Sie sah den Warnschuss vor ihre nackten Füße nicht kommen. Als sie wieder hochschaute, war Stiles aus dem Baum heraus und stand keine zwei Meter vor ihr – die Armbrust nachgeladen und zum Schuss bereit.
„Tut mir leid Missy,“ er schoss noch einmal, „aber ich gehöre in kein Rudel!“ - und noch einmal. Verdutzt starrte sie ihn an - dann fauchte sie ohrenbetäubend: „Lügner!“ Stiles hätte fast geglaubt, das Fauchen auch von hinter sich zu hören, als sie sich ohne Übergang plötzlich auf alle viere fallen ließ und noch einmal deutlich aggressiver aus tiefster Kehle grollte.
Verwirrte schaute Stiles ob der plötzlichen Angriffsstellung zu ihr hinüber – wappnete sich innerlich schon gegen einen Angriff – da fühlte er den warmen Luftzug an seinem Bein. Keine Sekunde später hörte er es erneut hinter sich grollen.
Resigniert ließ er seine Waffe sinken. „Na ganz klasse.“ Er war keine Feststellung, Nur reine
Resignation.
Doch niemand ging darauf ein. Stattdessen fauchte noch es einmal markerschütternd neben Stiles und der brauchte gar nicht erst hinzusehen, so schnell war die Wölfin im Dickicht des Waldes verschwunden.
Dann war es wieder still.
Einen Moment lang standen sie einfach nur da. Regungslos und fast geräuschlos.
Er konnte Scotts aufgebrachten Atem neben sich rasseln hören. Auch ohne hinzugucken wusste Stiles, dass er mit seinem inneren Wolf rang. Immer noch.
Trotzdem blieben beide stumm.
Schließlich war es Stiles, der als erstes zu sprechen anfing: „Soviel zum Thema 'Werwolf fangen'.“ Genervt machte er fuchtelnde Geste seiner weggerannten Beute hinterher. „Chris wird sich bedanken, ey!“
Doch Scott zeigte sich deutlich unbeeindruckt. Stattdessen trat er mit wenigen Schritten und auf nur zwei Beinen um einige Meter entfernt vor Stiles ins fahle Mondlicht, die Augen im leuchtenden Werwolf-braun. „Was soll der Scheiß?“
Sofort hielt hob Stiles wieder seine Waffe.
Er wusste selbst nicht, wer mehr von dieser Geste geschockt war – Scott oder er selbst – doch unbeirrt hielt er die Mündung seiner Armbrust weiterhin auf Scott gerichtet.
Der drehte nur resigniert den Kopf zur Seite. „Und sowas nennt sich Freundschaft.“
„Ach ja? Komische Art von dir das zu zeigen.“ Stiles blieb völlig emotionslos. Zumindest wollte er das gern. Dass es innerlich in ihm tobte, musste er ja keinem sagen, richtig?
„Ich bin es nicht, der die Waffe hält!“ Scotts nüchterne Feststellung traf unvermittelt so tief, das Stiles schlagartig die Armbrust sinken ließ. Er hatte recht.
Wortlos starrten sie sich wieder an – anscheinend wusste keiner so recht, was er sagen sollte. Oder womit anzufangen.
Schließlich hielt Stiles die Stille nicht mehr aus: „Ist selten, dass der Wolf vor dir dich nicht sofort angreifen will. Normalerweise wäre ich jetzt schon blutüberströmt.“
„Schön, dass ich dir mal Abwechslung verschaffe in deinem blutrünstigen Alltag.“ Scotts brummen klang so beleidigt, dass selbst Stiles einen Moment lang Schuldgefühle packten.
Doch genauso schnell schüttelte er sie wieder ab. „Auf das Spiel geh' ich nicht ein, tut mir leid. Ich hab einen ehrbaren Job und das weißt du auch!“
„Ehrbar!?“ Hätte Stiles ihn nicht schon länger gekannte, hätte er Scott wahrscheinlich in diesem Moment für eine Sirene oder irgendwie sowas gehalten, so hoch kreischte sein ehemals bester Freund das eine Wort. „Was ist an Werwölfen jagen bitte ehrbar!? Du bist ein Hunter, um Himmelswillen! Du tötest quasi dein eigenes Rudel!“
„ICH HABE KEIN RUDEL!“
Der Ausbruch traf Scott genauso überraschend wie Stiles selbst.
Doch nach einem Moment der geschockten Stille fasste letztes sich schnell wieder und setzt noch einmal deutlich ruhiger an: „Ich habe kein Rudel. Denn als ich 17 wurde, haben mir mein damaliger Alpha und mein sogenannter bester Freund mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass ich nicht dazu gehöre.“
Fast schon mit Genugtuung konnte er sehen, wie Scott ihm gegenüber sichtbar schluckte. Und warum auch nicht?
„Als 'mein Rudel' in der tiefsten Scheiße ever stand und der ultimative Endkampf bevorstand, wurde ich von dir und von Derek mit so deutlichem Nachdruck davon gejagt, dass ich sogar heute noch Schmerzen habe.“ Unwillkürlich musste er dem Drang widerstehen, sich an die Bissnarbe an der Schulter zu fassen. Es brannte. Er spürte sie so heiß und die Ironie die von ihr ausging, dass ihm fast die Tränen kamen.
Alpha bissen nur eine Person jemals in diese Stelle – als Markierung. Ihm jedoch wurde damit deutlich gemacht, dass man ihn nicht haben wollte.
„Wir wollten dich schützen, Herrgott nochmal! Er mehr als ich es wohl jemals können würde!“ verzweifelt warf Scott die Hände in die Luft und drehte ihm dabei schwungvoll den Rücken zu.
Trotzdem ließ Stiles nicht nach: „Ihr habt eine komische Art, das zu zeigen.“ Die Verachtung in seiner Stimme war von ganz allein gekommen.
Scott hingegen schien zu resignieren: „Was hätten wir denn sonst machen sollen; dich anbinden!? Was glaubst du, warum er dich ausgerechnet an diese Stelle gebissen hat?“
Stiles stockte. Bitte was?
Doch Scott überging es einfach.
„Und du glaubst, du bist besser?“
Stiles hörte es fast gar nicht, so leise sprach der Andere in die entgegengesetzte Richtung. Dann drehte er sich allerdings wieder um, um seinem nächsten Vorwurf besser Nachdruck zu verleihen: „Du, der sich gleich dem nächstbesten Hunter anschließt? Um dich an anderen rächen zu können, für was wir dir angeblich angetan haben?“
„Angeblich!?“ Stiles war kurz davor seine Armbrust wieder hoch zu reißen – und diesmal auch abzufeuern. Stattdessen warf er sie mit einem kräftigen Satz auf den Waldboden neben sich. Er wollte nichts tun, was er später bereute.
Und alles was mit einer Armbrust und Scott zusammenhing würde er unweigerlich bereuen.
Trotzdem überging er es. „Was hätte ich sonst tun sollen? Die Hände in den Schoß legen?“
„Nein, stattdessen ziehst du los und schießt unschuldige Werwölfe ab!“
Das wiederum brachte Stiles dann doch auf die Palme: „Ich habe nicht einen einzigen Wolf oder sonstwas getötet, seit ich mit Chris zusammen arbeite!“ verteidigte er sich sofort. „Du hast anscheinend immer noch nicht verstanden, dass dein Schwiegervater kein üblicher Hunter, sondern seit Jahren als Werwolfpolizei unterwegs ist! - Ach was erklär' ich dir das überhaupt?“ Nun war es Stiles, der sich genervt abwandte. Aber nur ein Stückchen. Damit er Scott immer noch wütende Blicke zuwerfen konnte.
Nicht, dass der das nicht auch machte.
„Und warum bist du jetzt plötzlich wieder hier?“ Scott war deutlich anzuhören, dass er schon gar keine Lust mehr auf das Gespräch hatte.
„Hat sich so ergeben.“ Stiles genauso wenig.
Scotts abfälliges Prusten kam so laut, dass es kurzzeitig im Wald widerhallte. „Stiles, wir haben seit mehr als fünf Jahren nichts von dir gehört und jetzt stehst du plötzlich wieder hier und alles was du dazu zu sagen hast, ist 'Hat sich so ergeben'!? Willst du mich verarschen!?“
Nun hatte Stiles völlig die Lust verloren: „Ist nicht so, dass ihr in der Zeit großes Interesse daran gezeigt hättet, wie es mir geht oder was ich so mache.“
„Ja wie denn auch, wenn du alle Kontakte abbrichst, deine Telefonnummer sperrst und sogar deine E-Mail-Adresse löschst!“
Doch auch für diese Antwort hatte Stiles nur ein müdes Lachen übrig. „Ja klar. - Ich telefoniere seit ich weggegangen bin jeden Abend mit meinem Vater. Jeden Abend, seit sechs gottverdammten Jahren frage ich ihn, ob es irgendwas neues gibt in der Stadt, von den Wölfen und von dir! Nicht einmal hat er mir erzählt, dass du dich erkundigt hättest, wie es mir geht und ob ich noch lebe! Nicht ein beschissenes einziges mal!“
„Woher sollte ich denn das wissen! Denkst du ich kann hellsehen!? Mein Leben ist ein einziges Chaos seit Alisson schwanger geworden ist!“ Stiles hätte fast gelacht, so sehr klang Scott plötzlich nach hysterischem Waschweib.
Doch der Ausbruch änderte alles. Wie mit einem Zauberspruch löste sich mit einem mal die ganze Atmosphäre.
Was auch immer Stiles eben noch angestaut hatte – es war weg.
Scott schien es nicht anders zu gehen.
Um so entspannter sahen sie sich nun stumm an.
„Und was ist mit Derek?“
Nun gefror Stiles doch. „Was soll mit ihm sein?“
„Willst du ihn nicht wenigstens einmal sehen?“
Er schwieg. Er schmollte – hatte darauf keine Antwort! Nur eine: „Was bringt das, wenn er mich nicht sehen will.“
Daraufhin stand Scott für einen kurze Moment der Mund offen. „Das kannst du nicht ernst meinen! Siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht oder tust du nur so?“
Auf diese Aussage hin musste Stiles erst mal kurz stoppen. Was hatte Scott da eben gesagt?
Nichtsdestotrotz wischte er den Gedanken schnell mit einer wirschen Handbewegung weg: „Erzähl keine Märchen.“ brummte er.
Scott richtete sich auf – die offensichtliche Beleidigung geflissentlich übergehend: „Ich weiß zumindest, dass du ihm nicht egal bist.“ Bedächtig fing er Stiles Blick ein und hielt ihm einen Moment lang überlegen stand, bis Stiles selbst sich abwendete. „Ach, und warum hat er mich dann verstoßen?“
„WEIL ER DICH LIEBT, verdammt nochmal!“ der Ausbruch erwischte Stiles so überraschend dass er kurzzeitig innehalten musste. Doch genauso schnell fing er sich wieder: „Ja, klar. Komische Art das zu zeigen.“
Fast hätte er schwören können, dass Scott mit den Augen gerollt hätte. Aber nur fast. Scott tat sowas nicht, richtig?
„Stiles, er rennt seit über fünf Jahren jeden Tag zur Polizeistation und versucht irgendetwas über dich raustzufinden. Er sucht jeden Abend die näheren Wälder ab, in der Hoffnung, irgendwo eine Spur von dir zu erhaschen.“ Scotts klang inzwischen so eindringlich dass Stiles nichts anderes mehr tun konnte als ihn mit großen Augen anzustarren.
„Du fehlst hier, siehst du das denn nicht ein?“
-:-
Scott hatte so lange auf ihn eingeredet, bis irgendwann Argent besorgt via Funk nachgefragt hatte, ob bei Stilles alles in Ordnung sei, weil von ihm seit längerem nichts gekommen war.
Er hatte knapp bestätigt, ihm die Position der fliehenden Wölfin durchgegeben und sich dann ausgeklinkt. Als er wieder hoch sah, war Scott verschwunden.
Stumm starrte er in die Nacht hinein.
Alles war still. Nicht mal ein Tier raschelte irgendwo.
Fast hätte er geglaubt, dass er wieder allein war. Aber nur fast
Das kräftige Knacken hinter ihm bewies ihm das Gegenteil.
Ohne sich umzusehen, wusste er was zu sehen war.
Da wurde es auch schon warm an seinem Rücken.
Keine Sekunde später konnte Stiles ein kräftige Herz an seiner Schulter schlagen spüren und die markante Körperform eines Mannes drückte sich gegen seinen Rücken, das Becken unmissverständlich an seines gedrückt. Eine Nase strich so sanft durch seine Haare, dass ihm unweigerlich ein Schauer über die Arme lief. Tief sog er den vertrauten Geruch ein.
Kein von ihnen sprach.
Stiles hörte nur ein dumpfes, anhaltendes grollen, das so kraftvoll war, dass er selbst es tief in seinen Rücken hinein vibrieren fühlte.
Schließlich hielt Stiles es nicht mehr aus.
„Hallo Derek.“
Challenge: Blut, Schweiß und Tränen (hier also jetzt die Tränen )
Pairing: Sterek angedeutet
Wörter: 2272
Warnung: nüx
Anmerkung: Additionell zum vorherigen Eintrag. Tsu meinte, dass es doch zu viele Fragen ohne Antworten gewesen wären. Ich hoffe das verdeutlicht das ganze etwas. (Ich hoffe das ergibt überhaupt Sinn... <.< )
Das ende is leider misslungen. :/
Regungslos kauerte er auf dem untersten Ast einer verzweigten Kastanie und lauschte in die Stille der Nacht hinein. Seine Armbrust lag bereit auf Anschlag, zusätzliche Bolzen trug er im Köcher auf dem Rücken.
Silber. Einfach, aber wirkungsvoll.
Wolkenverhangen hing ein kräftiger Silbermond am Himmel und tauchte den Wald in gespenstische Lichtspiele. Auch ohne ihn hatten sich seine Augen längst an die Dunkelheit gewöhnt, doch wirklich viel sah er trotzdem nicht.
Er seufzte.
Wie sehr er dieses Gewarte doch hasste. Am liebsten hätte er sich eine Zigarette angesteckt um wenigstens etwas zu tun zu haben, doch dann hätte er genauso gut einen blinkenden Pfeil mit Neonlampen auf sich richten können. Chris würde ihn töten, wenn er das mitbekäme.
Seufzend ließ er de Kopf gegen den dicken Stamm fallen.
„Nicht grad das beste Fleckchen zum Sterne begucken, mh?“
Stiles erschrak so heftig, dass ihm fast die Armbrust aus der Hand fiel – und er gleich hinterher. Panisch krallte er sich am Ast fest, während seine Augen nach der Ursache der Stimme suchten.
Nicht lange und er sah sie: Einen Ast über sich, mit geblekten Zähnen.
Routiniert zog er seine Waffe nach oben und zielte – wer hätte gedacht, dass sie ausgerechnet ihm vor die Mündung laufen würde!?
Doch sie zeigte sich nicht im geringsten beeindruckt. Stattdessen sprang sie grazil wie eine Turnerin vom Ast und strich ein paar Schritte vom Baum weg – die Bestie sprach aus jeder ihrer Bewegungen. Sie wusste, dass Stiles nicht abdrücken würde, solange sie sich ruhig verhielt.
„Du bist kein Hunter.“ bemerkte sie nur trocken. Provokativ leckte sie sich einen der vorstehenden Eckzähne sauber, ihr Mund war immer noch mit Blut verschmiert.
In dem Moment lichteten sich die Wolken und das kräftige Silberlicht erhellte sie deutlich.
„Du bist einer dieser naiven Weltverbesserer, die glauben mit ein bisschen Waffengedrohe und guten Worten kann man jeden Lykaner wieder zu Sinnen bringen.“ Sie lachte schrill auf. „Und gleichzeitig gibst du vor zu denken, du seist besser als alle Werwölfe zusammen.“
Stiles behielt sie scharf im Auge.
„Dabei stinkst du selbst wie ein ganzes Rudel. Oder...“ Sie umkreiste den Baum in kleinen Trippelschritten, aber immer in Stiles Schießwinkel. „zumindest wie ein Alpha.“ Sie klackte mit den Zähnen.
Stiles selbst unterdrückte den Drang, die Augen zu verdrehen. Jeder verdammte Wolf sprach ihn auf seinen Geruch an – oder besser: Auf den Geruch seiner Lederjacke. Was zur Hölle hatte Derek damit gemacht, raufgepinkelt!? Seit sechs Jahren war sie nun schon in seinem Besitz und -
„Was willst du?“ Er hatte keine Zeit sich in Gedanken zu verrennen.
Sie lächelte nur süffisant. „Ist das nicht einleuchtend?“ Doch als Stiles nicht reagierte sprach sie schließlich weiter: „Du gehörst in diese Gegend – du gehörst in das hiesige Rudel!“ Sie fauchte. „Bring mich zu deinem Alpha!“
Sie sah den Warnschuss vor ihre nackten Füße nicht kommen. Als sie wieder hochschaute, war Stiles aus dem Baum heraus und stand keine zwei Meter vor ihr – die Armbrust nachgeladen und zum Schuss bereit.
„Tut mir leid Missy,“ er schoss noch einmal, „aber ich gehöre in kein Rudel!“ - und noch einmal. Verdutzt starrte sie ihn an - dann fauchte sie ohrenbetäubend: „Lügner!“ Stiles hätte fast geglaubt, das Fauchen auch von hinter sich zu hören, als sie sich ohne Übergang plötzlich auf alle viere fallen ließ und noch einmal deutlich aggressiver aus tiefster Kehle grollte.
Verwirrte schaute Stiles ob der plötzlichen Angriffsstellung zu ihr hinüber – wappnete sich innerlich schon gegen einen Angriff – da fühlte er den warmen Luftzug an seinem Bein. Keine Sekunde später hörte er es erneut hinter sich grollen.
Resigniert ließ er seine Waffe sinken. „Na ganz klasse.“ Er war keine Feststellung, Nur reine
Resignation.
Doch niemand ging darauf ein. Stattdessen fauchte noch es einmal markerschütternd neben Stiles und der brauchte gar nicht erst hinzusehen, so schnell war die Wölfin im Dickicht des Waldes verschwunden.
Dann war es wieder still.
Einen Moment lang standen sie einfach nur da. Regungslos und fast geräuschlos.
Er konnte Scotts aufgebrachten Atem neben sich rasseln hören. Auch ohne hinzugucken wusste Stiles, dass er mit seinem inneren Wolf rang. Immer noch.
Trotzdem blieben beide stumm.
Schließlich war es Stiles, der als erstes zu sprechen anfing: „Soviel zum Thema 'Werwolf fangen'.“ Genervt machte er fuchtelnde Geste seiner weggerannten Beute hinterher. „Chris wird sich bedanken, ey!“
Doch Scott zeigte sich deutlich unbeeindruckt. Stattdessen trat er mit wenigen Schritten und auf nur zwei Beinen um einige Meter entfernt vor Stiles ins fahle Mondlicht, die Augen im leuchtenden Werwolf-braun. „Was soll der Scheiß?“
Sofort hielt hob Stiles wieder seine Waffe.
Er wusste selbst nicht, wer mehr von dieser Geste geschockt war – Scott oder er selbst – doch unbeirrt hielt er die Mündung seiner Armbrust weiterhin auf Scott gerichtet.
Der drehte nur resigniert den Kopf zur Seite. „Und sowas nennt sich Freundschaft.“
„Ach ja? Komische Art von dir das zu zeigen.“ Stiles blieb völlig emotionslos. Zumindest wollte er das gern. Dass es innerlich in ihm tobte, musste er ja keinem sagen, richtig?
„Ich bin es nicht, der die Waffe hält!“ Scotts nüchterne Feststellung traf unvermittelt so tief, das Stiles schlagartig die Armbrust sinken ließ. Er hatte recht.
Wortlos starrten sie sich wieder an – anscheinend wusste keiner so recht, was er sagen sollte. Oder womit anzufangen.
Schließlich hielt Stiles die Stille nicht mehr aus: „Ist selten, dass der Wolf vor dir dich nicht sofort angreifen will. Normalerweise wäre ich jetzt schon blutüberströmt.“
„Schön, dass ich dir mal Abwechslung verschaffe in deinem blutrünstigen Alltag.“ Scotts brummen klang so beleidigt, dass selbst Stiles einen Moment lang Schuldgefühle packten.
Doch genauso schnell schüttelte er sie wieder ab. „Auf das Spiel geh' ich nicht ein, tut mir leid. Ich hab einen ehrbaren Job und das weißt du auch!“
„Ehrbar!?“ Hätte Stiles ihn nicht schon länger gekannte, hätte er Scott wahrscheinlich in diesem Moment für eine Sirene oder irgendwie sowas gehalten, so hoch kreischte sein ehemals bester Freund das eine Wort. „Was ist an Werwölfen jagen bitte ehrbar!? Du bist ein Hunter, um Himmelswillen! Du tötest quasi dein eigenes Rudel!“
„ICH HABE KEIN RUDEL!“
Der Ausbruch traf Scott genauso überraschend wie Stiles selbst.
Doch nach einem Moment der geschockten Stille fasste letztes sich schnell wieder und setzt noch einmal deutlich ruhiger an: „Ich habe kein Rudel. Denn als ich 17 wurde, haben mir mein damaliger Alpha und mein sogenannter bester Freund mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass ich nicht dazu gehöre.“
Fast schon mit Genugtuung konnte er sehen, wie Scott ihm gegenüber sichtbar schluckte. Und warum auch nicht?
„Als 'mein Rudel' in der tiefsten Scheiße ever stand und der ultimative Endkampf bevorstand, wurde ich von dir und von Derek mit so deutlichem Nachdruck davon gejagt, dass ich sogar heute noch Schmerzen habe.“ Unwillkürlich musste er dem Drang widerstehen, sich an die Bissnarbe an der Schulter zu fassen. Es brannte. Er spürte sie so heiß und die Ironie die von ihr ausging, dass ihm fast die Tränen kamen.
Alpha bissen nur eine Person jemals in diese Stelle – als Markierung. Ihm jedoch wurde damit deutlich gemacht, dass man ihn nicht haben wollte.
„Wir wollten dich schützen, Herrgott nochmal! Er mehr als ich es wohl jemals können würde!“ verzweifelt warf Scott die Hände in die Luft und drehte ihm dabei schwungvoll den Rücken zu.
Trotzdem ließ Stiles nicht nach: „Ihr habt eine komische Art, das zu zeigen.“ Die Verachtung in seiner Stimme war von ganz allein gekommen.
Scott hingegen schien zu resignieren: „Was hätten wir denn sonst machen sollen; dich anbinden!? Was glaubst du, warum er dich ausgerechnet an diese Stelle gebissen hat?“
Stiles stockte. Bitte was?
Doch Scott überging es einfach.
„Und du glaubst, du bist besser?“
Stiles hörte es fast gar nicht, so leise sprach der Andere in die entgegengesetzte Richtung. Dann drehte er sich allerdings wieder um, um seinem nächsten Vorwurf besser Nachdruck zu verleihen: „Du, der sich gleich dem nächstbesten Hunter anschließt? Um dich an anderen rächen zu können, für was wir dir angeblich angetan haben?“
„Angeblich!?“ Stiles war kurz davor seine Armbrust wieder hoch zu reißen – und diesmal auch abzufeuern. Stattdessen warf er sie mit einem kräftigen Satz auf den Waldboden neben sich. Er wollte nichts tun, was er später bereute.
Und alles was mit einer Armbrust und Scott zusammenhing würde er unweigerlich bereuen.
Trotzdem überging er es. „Was hätte ich sonst tun sollen? Die Hände in den Schoß legen?“
„Nein, stattdessen ziehst du los und schießt unschuldige Werwölfe ab!“
Das wiederum brachte Stiles dann doch auf die Palme: „Ich habe nicht einen einzigen Wolf oder sonstwas getötet, seit ich mit Chris zusammen arbeite!“ verteidigte er sich sofort. „Du hast anscheinend immer noch nicht verstanden, dass dein Schwiegervater kein üblicher Hunter, sondern seit Jahren als Werwolfpolizei unterwegs ist! - Ach was erklär' ich dir das überhaupt?“ Nun war es Stiles, der sich genervt abwandte. Aber nur ein Stückchen. Damit er Scott immer noch wütende Blicke zuwerfen konnte.
Nicht, dass der das nicht auch machte.
„Und warum bist du jetzt plötzlich wieder hier?“ Scott war deutlich anzuhören, dass er schon gar keine Lust mehr auf das Gespräch hatte.
„Hat sich so ergeben.“ Stiles genauso wenig.
Scotts abfälliges Prusten kam so laut, dass es kurzzeitig im Wald widerhallte. „Stiles, wir haben seit mehr als fünf Jahren nichts von dir gehört und jetzt stehst du plötzlich wieder hier und alles was du dazu zu sagen hast, ist 'Hat sich so ergeben'!? Willst du mich verarschen!?“
Nun hatte Stiles völlig die Lust verloren: „Ist nicht so, dass ihr in der Zeit großes Interesse daran gezeigt hättet, wie es mir geht oder was ich so mache.“
„Ja wie denn auch, wenn du alle Kontakte abbrichst, deine Telefonnummer sperrst und sogar deine E-Mail-Adresse löschst!“
Doch auch für diese Antwort hatte Stiles nur ein müdes Lachen übrig. „Ja klar. - Ich telefoniere seit ich weggegangen bin jeden Abend mit meinem Vater. Jeden Abend, seit sechs gottverdammten Jahren frage ich ihn, ob es irgendwas neues gibt in der Stadt, von den Wölfen und von dir! Nicht einmal hat er mir erzählt, dass du dich erkundigt hättest, wie es mir geht und ob ich noch lebe! Nicht ein beschissenes einziges mal!“
„Woher sollte ich denn das wissen! Denkst du ich kann hellsehen!? Mein Leben ist ein einziges Chaos seit Alisson schwanger geworden ist!“ Stiles hätte fast gelacht, so sehr klang Scott plötzlich nach hysterischem Waschweib.
Doch der Ausbruch änderte alles. Wie mit einem Zauberspruch löste sich mit einem mal die ganze Atmosphäre.
Was auch immer Stiles eben noch angestaut hatte – es war weg.
Scott schien es nicht anders zu gehen.
Um so entspannter sahen sie sich nun stumm an.
„Und was ist mit Derek?“
Nun gefror Stiles doch. „Was soll mit ihm sein?“
„Willst du ihn nicht wenigstens einmal sehen?“
Er schwieg. Er schmollte – hatte darauf keine Antwort! Nur eine: „Was bringt das, wenn er mich nicht sehen will.“
Daraufhin stand Scott für einen kurze Moment der Mund offen. „Das kannst du nicht ernst meinen! Siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht oder tust du nur so?“
Auf diese Aussage hin musste Stiles erst mal kurz stoppen. Was hatte Scott da eben gesagt?
Nichtsdestotrotz wischte er den Gedanken schnell mit einer wirschen Handbewegung weg: „Erzähl keine Märchen.“ brummte er.
Scott richtete sich auf – die offensichtliche Beleidigung geflissentlich übergehend: „Ich weiß zumindest, dass du ihm nicht egal bist.“ Bedächtig fing er Stiles Blick ein und hielt ihm einen Moment lang überlegen stand, bis Stiles selbst sich abwendete. „Ach, und warum hat er mich dann verstoßen?“
„WEIL ER DICH LIEBT, verdammt nochmal!“ der Ausbruch erwischte Stiles so überraschend dass er kurzzeitig innehalten musste. Doch genauso schnell fing er sich wieder: „Ja, klar. Komische Art das zu zeigen.“
Fast hätte er schwören können, dass Scott mit den Augen gerollt hätte. Aber nur fast. Scott tat sowas nicht, richtig?
„Stiles, er rennt seit über fünf Jahren jeden Tag zur Polizeistation und versucht irgendetwas über dich raustzufinden. Er sucht jeden Abend die näheren Wälder ab, in der Hoffnung, irgendwo eine Spur von dir zu erhaschen.“ Scotts klang inzwischen so eindringlich dass Stiles nichts anderes mehr tun konnte als ihn mit großen Augen anzustarren.
„Du fehlst hier, siehst du das denn nicht ein?“
-:-
Scott hatte so lange auf ihn eingeredet, bis irgendwann Argent besorgt via Funk nachgefragt hatte, ob bei Stilles alles in Ordnung sei, weil von ihm seit längerem nichts gekommen war.
Er hatte knapp bestätigt, ihm die Position der fliehenden Wölfin durchgegeben und sich dann ausgeklinkt. Als er wieder hoch sah, war Scott verschwunden.
Stumm starrte er in die Nacht hinein.
Alles war still. Nicht mal ein Tier raschelte irgendwo.
Fast hätte er geglaubt, dass er wieder allein war. Aber nur fast
Das kräftige Knacken hinter ihm bewies ihm das Gegenteil.
Ohne sich umzusehen, wusste er was zu sehen war.
Da wurde es auch schon warm an seinem Rücken.
Keine Sekunde später konnte Stiles ein kräftige Herz an seiner Schulter schlagen spüren und die markante Körperform eines Mannes drückte sich gegen seinen Rücken, das Becken unmissverständlich an seines gedrückt. Eine Nase strich so sanft durch seine Haare, dass ihm unweigerlich ein Schauer über die Arme lief. Tief sog er den vertrauten Geruch ein.
Kein von ihnen sprach.
Stiles hörte nur ein dumpfes, anhaltendes grollen, das so kraftvoll war, dass er selbst es tief in seinen Rücken hinein vibrieren fühlte.
Schließlich hielt Stiles es nicht mehr aus.
„Hallo Derek.“