Fandom: Original
Challenge: Hysterie
Wörter: 797
Genre: Humor
Handlung: Protagonist ist von seiner Familie gestresst.
Kommentar: Zuerst hatte ich überhaupt keine Idee, aber jetzt hab ich meine gesammelten Sinnlosigkeiten wenigstens auf genügend Wörter verteilt…
Von gefangenen Wespen, gelösten Mathematikproblemen und weiteren Unwichtigkeiten
Ich betrete die Wohnung und das Chaos bricht aus. Das ist wirklich so. Jedes Mal. Es ist, als wenn die ganze Familie den lieben langen Tag ruhig vor sich hingedöst hätte, nur um wie wild loszukreischen wenn ich wieder da bin – und mich eigentlich ganz entspannt direkt wieder an den Computer fläzen will.
Die Geschwister sind schon da und ziehen nun jedes für sich an einem meiner beiden Hosenbeine. Mama kommt auch schon angerannt und will mich mit irgendwelchen unwichtigen Details aus ihrem Leben zuquatschen. Papa ist selbst gerade nach Hause zurückgekehrt, der hat sicherlich auch so einiges zu erzählen.
„Weißt du waaaaaaas?“, quäkt die vierjährige Chantelle, „ich hab eine neues Puppe! Die musst du dir unbedingt sofort ansehen! Komm, spiel mit mir!“. Wow, ich bin begeistert. Das muss ich jetzt unbedingt haben. Schließlich kann so ein Puppenspiel ein siebzehnjähriges männliches Wesen wie mich ungemein aufheitern. Da geh ich fest von aus.
„Heute hab ich eine Weschpe gefangen, die war scho grosch!“, plappert Simon, mein Bruder. Wie immer mit vollem Mund.
Können kleine Geschwister denn gar nicht verstehen, dass ihre großen Brüder gegen etwas Freizeit nichts einzuwenden hätten? Also ich würde jetzt eigentlich gerne mal dieses Drabble schreiben, dass mir schon seit einer halben Stunde im Kopf rumgeistert. Aber nein. Immerfort heißt es nur: „Ich hab heute beim Abtrocknen geholfen!“ oder „Du glaubst es nicht, aber heute hab ich eine Nacktschnecke gefunden!“. Doch, glaub ich.
Wieso muss meine Familie nur so… hysterisch sein? Ein bisschen Entspannung täte auch mal ganz gut. Glaubt mir. Aber ihr hört mir ja nicht zu, ich weiß schon.
Da kommt Papa und umarmt mich. Als wenn wir uns seit Wochen nicht gesehen hätten. „Aaron, die Küchenuhr funktioniert wieder! Ich habe neue Batterien gekauft! Schau sie dir an!“ Als wenn ich noch nie im Leben eine funktionierende Küchenuhr gesehen hätte. Obwohl, so oft wie die stehen bleibt, bekomm ich den Fall tatsächlich recht selten zu Gesicht.
„Herr Peters hat erzählt, dass seine Tochter jetzt chinesisch lernt. Auf so einer Gesamtschule. Wär das nicht was für dich?“ Mein Vater ist wirklich die größte Klatschtante von der Welt. Und nein, ich wollte Französisch lernen. Ehrlich. Das war mein freier, kranker Wille. Aber jetzt will ich dieses winzigkleine Drabblechen aufschreiben, danke.
Und jetzt fängt Mama auch wieder zu labern an. Vorhin hat sie mir wohl schon mal irgendwas mitteilen wollen, aber da hab ich wegen dem Krach, denn Chantelle und Simon veranstaltet haben, kein Wort verstanden.
„Stell dir nur vor, eines der großen Rätsel der Mathematik wurde gelöst! Soll ich dir erklären wie…“, und diese Frage war ganz allein rhetorisch. Natürlich fängt sie, ohne eine Antwort abgewartet zu haben, an, mir so viel, wie sie selbst von der Thematik verstanden hat, zu erklären. Und das ist leider Gottes eine ganze Menge. Sie ist ja nicht umsonst Matheprofessorin an der Uni. Das macht sie auch wirklich toll. Aber ich habe leider keinen Nerv für Mathe. Keinen einzigen. Ich will doch bloß dieses Drabb… „Ja und außerdem gibt es da jetzt diesen ganz tollen Artikel in der neuesten Geo, den musst du unbedingt mal lesen! Ich hab dir schon die betreffenden Seiten ausgerissen und dir die wichtigsten Stellen gelb angestrichen. Das was ironisch gemeint sein könnte, hab ich mit rosa Punkten unterlegt und bei den Sachen, die mich stutzig gemacht haben, hab ich hellgrüne Fragezeichen daneben gemalt. Und wenn du noch Interesse hast, da läuft heute so eine Doku über die Galapagosinseln im Ersten…“
Es wär ja alles gar nicht so schlimm, wenn sich meine Mama nur und ausschließlich für Mathe interessieren würde. Aber seltsamerweise interessiert sie sich für alles. Sei es die Schriftsprache der Maya, das Artenreichtum in unseren heimischen Seen oder die Herkunft unserer Nahrungsmittel. Und mir versucht sie das alles auch noch beizubringen. Echt ätzend. Dabei würde ich jetzt echt wirklich übelst krass total immens furchtbar gern diesen verdammten Geschichtsansatz, der…
„Ach, eine Sache wär da noch. Die ist total wi…“, will Mama sagen, aber weiter kommt sie schon gar nicht mehr. „WAS IST DENN JETZT SCHON WIEDER? Ihr quasselt mich seit einer halben Stunde mit euren unglaublich wichtigen und einmaligen Erlebnissen zu und jetzt fällt dir noch was ein? Vergiss es! Ich brauch jetzt ein bisschen Zeit zum schreiben, danke!“, schreie ich sie an. Sie will etwas erwidern, aber da knalle ich ihr auch schon die Tür meines Zimmers vor der Nase zu. Ich schalte meinen Computer an und nehme meine – zwar furchtbar gereizte, aber auch unglaublich produktive – „Wenn-schon-der-ganze-Tag-total-beschissen-war-dann-will-ich-wenigstens-das-längste-Wort-der-120-Minuten-Challenge-geschrieben-haben“-Stimmung an. Mama setzt noch einmal an, will mir noch einmal etwas durch die geschlossene Zimmertür zubrüllen: „Weißt du, es ist was ganz, ganz tolles…“, doch in diesem Moment stopfe ich mir Oropax in die Ohren und bekomme den Rest ihrer Ausführungen nicht mehr mit: „passiert. Der Verlag hat sich gemeldet, die wollen dein Manuskript drucken!“
Challenge: Hysterie
Wörter: 797
Genre: Humor
Handlung: Protagonist ist von seiner Familie gestresst.
Kommentar: Zuerst hatte ich überhaupt keine Idee, aber jetzt hab ich meine gesammelten Sinnlosigkeiten wenigstens auf genügend Wörter verteilt…
Von gefangenen Wespen, gelösten Mathematikproblemen und weiteren Unwichtigkeiten
Ich betrete die Wohnung und das Chaos bricht aus. Das ist wirklich so. Jedes Mal. Es ist, als wenn die ganze Familie den lieben langen Tag ruhig vor sich hingedöst hätte, nur um wie wild loszukreischen wenn ich wieder da bin – und mich eigentlich ganz entspannt direkt wieder an den Computer fläzen will.
Die Geschwister sind schon da und ziehen nun jedes für sich an einem meiner beiden Hosenbeine. Mama kommt auch schon angerannt und will mich mit irgendwelchen unwichtigen Details aus ihrem Leben zuquatschen. Papa ist selbst gerade nach Hause zurückgekehrt, der hat sicherlich auch so einiges zu erzählen.
„Weißt du waaaaaaas?“, quäkt die vierjährige Chantelle, „ich hab eine neues Puppe! Die musst du dir unbedingt sofort ansehen! Komm, spiel mit mir!“. Wow, ich bin begeistert. Das muss ich jetzt unbedingt haben. Schließlich kann so ein Puppenspiel ein siebzehnjähriges männliches Wesen wie mich ungemein aufheitern. Da geh ich fest von aus.
„Heute hab ich eine Weschpe gefangen, die war scho grosch!“, plappert Simon, mein Bruder. Wie immer mit vollem Mund.
Können kleine Geschwister denn gar nicht verstehen, dass ihre großen Brüder gegen etwas Freizeit nichts einzuwenden hätten? Also ich würde jetzt eigentlich gerne mal dieses Drabble schreiben, dass mir schon seit einer halben Stunde im Kopf rumgeistert. Aber nein. Immerfort heißt es nur: „Ich hab heute beim Abtrocknen geholfen!“ oder „Du glaubst es nicht, aber heute hab ich eine Nacktschnecke gefunden!“. Doch, glaub ich.
Wieso muss meine Familie nur so… hysterisch sein? Ein bisschen Entspannung täte auch mal ganz gut. Glaubt mir. Aber ihr hört mir ja nicht zu, ich weiß schon.
Da kommt Papa und umarmt mich. Als wenn wir uns seit Wochen nicht gesehen hätten. „Aaron, die Küchenuhr funktioniert wieder! Ich habe neue Batterien gekauft! Schau sie dir an!“ Als wenn ich noch nie im Leben eine funktionierende Küchenuhr gesehen hätte. Obwohl, so oft wie die stehen bleibt, bekomm ich den Fall tatsächlich recht selten zu Gesicht.
„Herr Peters hat erzählt, dass seine Tochter jetzt chinesisch lernt. Auf so einer Gesamtschule. Wär das nicht was für dich?“ Mein Vater ist wirklich die größte Klatschtante von der Welt. Und nein, ich wollte Französisch lernen. Ehrlich. Das war mein freier, kranker Wille. Aber jetzt will ich dieses winzigkleine Drabblechen aufschreiben, danke.
Und jetzt fängt Mama auch wieder zu labern an. Vorhin hat sie mir wohl schon mal irgendwas mitteilen wollen, aber da hab ich wegen dem Krach, denn Chantelle und Simon veranstaltet haben, kein Wort verstanden.
„Stell dir nur vor, eines der großen Rätsel der Mathematik wurde gelöst! Soll ich dir erklären wie…“, und diese Frage war ganz allein rhetorisch. Natürlich fängt sie, ohne eine Antwort abgewartet zu haben, an, mir so viel, wie sie selbst von der Thematik verstanden hat, zu erklären. Und das ist leider Gottes eine ganze Menge. Sie ist ja nicht umsonst Matheprofessorin an der Uni. Das macht sie auch wirklich toll. Aber ich habe leider keinen Nerv für Mathe. Keinen einzigen. Ich will doch bloß dieses Drabb… „Ja und außerdem gibt es da jetzt diesen ganz tollen Artikel in der neuesten Geo, den musst du unbedingt mal lesen! Ich hab dir schon die betreffenden Seiten ausgerissen und dir die wichtigsten Stellen gelb angestrichen. Das was ironisch gemeint sein könnte, hab ich mit rosa Punkten unterlegt und bei den Sachen, die mich stutzig gemacht haben, hab ich hellgrüne Fragezeichen daneben gemalt. Und wenn du noch Interesse hast, da läuft heute so eine Doku über die Galapagosinseln im Ersten…“
Es wär ja alles gar nicht so schlimm, wenn sich meine Mama nur und ausschließlich für Mathe interessieren würde. Aber seltsamerweise interessiert sie sich für alles. Sei es die Schriftsprache der Maya, das Artenreichtum in unseren heimischen Seen oder die Herkunft unserer Nahrungsmittel. Und mir versucht sie das alles auch noch beizubringen. Echt ätzend. Dabei würde ich jetzt echt wirklich übelst krass total immens furchtbar gern diesen verdammten Geschichtsansatz, der…
„Ach, eine Sache wär da noch. Die ist total wi…“, will Mama sagen, aber weiter kommt sie schon gar nicht mehr. „WAS IST DENN JETZT SCHON WIEDER? Ihr quasselt mich seit einer halben Stunde mit euren unglaublich wichtigen und einmaligen Erlebnissen zu und jetzt fällt dir noch was ein? Vergiss es! Ich brauch jetzt ein bisschen Zeit zum schreiben, danke!“, schreie ich sie an. Sie will etwas erwidern, aber da knalle ich ihr auch schon die Tür meines Zimmers vor der Nase zu. Ich schalte meinen Computer an und nehme meine – zwar furchtbar gereizte, aber auch unglaublich produktive – „Wenn-schon-der-ganze-Tag-total-beschissen-war-dann-will-ich-wenigstens-das-längste-Wort-der-120-Minuten-Challenge-geschrieben-haben“-Stimmung an. Mama setzt noch einmal an, will mir noch einmal etwas durch die geschlossene Zimmertür zubrüllen: „Weißt du, es ist was ganz, ganz tolles…“, doch in diesem Moment stopfe ich mir Oropax in die Ohren und bekomme den Rest ihrer Ausführungen nicht mehr mit: „passiert. Der Verlag hat sich gemeldet, die wollen dein Manuskript drucken!“
no subject
Date: 2007-08-24 04:29 pm (UTC)Gut, ich nehme an, das kennen wir alle... (Außer das Ende. MIIIIST!)
Aber es ist einfach herrlich. - Und ich stehe auf "gesammelte Sinnlosigkeiten". Hach, ich mag diesen Ideenreichtum, angefangen bei den Nacktschnecken und aufgehört bei dem Wort.^^
Ernsthaft, herrlich. - Es klingt schwer nach Frustabbau, aber... er funktioniert auch für die Leser insofern... Danke.^^
Und die Pointe ist einfach zu schön.^^
no subject
Date: 2007-08-24 04:36 pm (UTC)Bei mir zu Hause ist auch manchmal so ein Chaos und die Pointe würd ich auch gern mal erleben, also da bist du nicht die einzige...
Und dieser Ideenreichtum - den hab ich immer dann, wenn mir sonst nichts ordentrliches einfällt. Mir macht es einfach furchtbar Spaß, mir solche sinnlosen Details auszudenken^^
no subject
Date: 2007-08-24 07:22 pm (UTC)Und ich stehe auf solche sinnlosen Details (fast mehr als auf sinnige Geschichten *hust*), also... Wenigstens einer freut sich, wenn dir sonst nichts ordentliches einfällt. - Das ist doch schon mal... aufmunternd, oder? XD
no subject
Date: 2007-09-01 05:40 pm (UTC)Du hast die Stimmung auf jeden Fall ganz wunderbar getroffen, gefällt mir wirklich, wirklich gut. Und der Hauptchara heißt Aaron, das ist mir von vornherein sympathisch *g*
Und die Pointe betreffend kann ich mich
no subject
Date: 2007-09-02 05:40 pm (UTC)