Autor: Jenchan
Challenge: Funkenflug
Titel: Der erloschene Funke
Fandom: Original
Charaktere: Clair
Wörter: ~860
Warnings: dark | unbetaed, unkorrigiert
Kommentar: @.@ Es ist GANZ anders geworden. Es ist etwas gänzlich anderes geworden, was ich ursprünglich zu dieser Challenge gedacht hatte. Da ist nichts mehr übrig geblieben von dem Klischee, das mir als erstes in den Sinn gekommen ist.
Ich finde es auch ein bisschen schade, dass die Geschichte formulierungstechnisch nicht so tief greift, wie ich es gerne hätte. Aber ich weiß auch, wenn ich es nicht geschrieben hätte, hätte mich der Gedanke noch wochenlang verfolgt.
Der erloschene Funke
Benommen und orientierungslos erwachte Clair auf einer Wiese. Das Gras war weich und noch feucht vom Frühtau. Ihr ganzer Körper fühlte sich schwammig an. Sie hatte Durst und Kopfweh.
Schlimmer noch, stellte sie geistig schließlich fest, sie hatte einen Filmriss. Sie konnte sich nicht daran erinnern, was gestern passiert war oder besser ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr.
Dabei war sie sich ganz sicher, dass sie nicht zuviel getrunken hatte. Soviel Geld hatte sie auch gar nicht dabei gehabt.
Nur langsam nahm sie ihre Umgebung auf. Der Park, in dem sie erwacht war, war ihr auf den ersten Blick vollkommen unbekannt. Wo zur Hölle war sie? Erst als sie sich aufsetzte, nahm sie die anderen Schmerzen in ihrem Körper wahr. Sie durchzuckten das taube, schwammige Gefühl wie grelle Blitze in einem heftigen Gewitter.
Unter Ächzen stand sie auf und klopfte sich etwas zittrig möglicherweise vorhandenen Staub von der Kleidung. Die war auf jeden Fall ruiniert. Grasflecken waren eine hässliche Angelegenheit, abgesehen davon würde sie sich wohl immer an diesen Morgen erinnern, wenn sie die Kleidungsstücke in die Hand nahm.
Ihr Gedanken begannen zu wandern und dann waren sie wieder weg. Irritiert blinzelte Clair als sie feststellte, dass sie einfach nur dumm in der Gegend herumstand. Sie sollte nach Hause. Wie spät war es überhaupt?
Instinktiv griff sie nach ihrem Handy, nur um festzustellen, dass es nicht da war, wo sie vermutete. Seltsam. Sie steckte sich immer ihr Handy ein, wenn sie fortging. Es dämmerte ihr langsam, dass etwas passiert war. Etwas unglaublich schreckliches war passiert, von dem sie nie gedacht hatte, dass es ihr passieren könnte. Sie war eine erfahrene Partygängerin. Sie kannte die Schauergeschichten und Gefahren und hatte sich immer gut unter Kontrolle gehabt.
Dennoch stand sie nun hier in einem Park bei Tagesanbruch, hatte Schmerzen im Unterleib und im Kopf und konnte sich an nichts erinnern.
Panik und Entsetzen machte sich in ihr breit, als sie die Anzeichen in ihrem Kopf zusammensetzte. Gehetzt sah sie sich um und in ihrem Kopf dröhnte nur noch ein Satz: Oh Gott, was sollte sie jetzt tun?
Clair hatte sich verändert. Jener Morgen hatte sie unwiderruflich verändert. Nachdem sich die Panik gelegt hatte, hatte sie befunden, dass sie nicht zur Polizei gehen konnte. Nein, eine Anzeige machte überhaupt keinen Sinn. Es war nur peinlich und vor allem demütigend. Sie hatte sich erinnert, an den Artikel in der Zeitung, in der ein Opfer von KO-Tropfen nach dem Täter fahnden ließ. Sie hatte noch weniger Anhaltspunkte. Sie konnte sich schlichtweg an nichts erinnern.
Also war sie heimgefahren und hatte sich dort fast eine Stunde lang unter Tränen geschrubbt und geputzt und war dann schlafen gegangen, in der Hoffnung, dass der Alptraum, in dem sie sich gerade befand, ein Ende nehmen würde.
Nach ein paar Stunden war sie wieder erwacht und die Situation hatte sich kaum geändert, nur dass ihre Gedanken etwas klarer waren. Viel zu klar.
Die nächsten Tage und Wochen ging sie jeglicher Frage nach ihrem Befinden aus dem Weg. Sie versuchte den Menschen immer noch mit einem freundlichen Lächeln zu begegnen, aber es war schwieriger geworden. Sehr viel schwieriger, sich normal zu verhalten und eigentlich blieb sie jetzt doch lieber für sich.
Sie hatte eine gewisse Paranoia entwickelt und war befangen, wenn Männer sie ansprachen oder sie generell mit welchen zu tun hatte.
Sie war shoppen gegangen und hatte sich vollkommen neu eingekleidet. Wo sie vorher gesehen werden wollte, war dieser Drang nun vollkommen abgestorben. Ihr Kopf war einfach nur voll von dem grauenhaften Morgen, an dem sie festgestellt hatte, dass sie ein Opfer geworden war.
Apathisch sah Clair in das Feuer, das die Funken tief in die schwarze Nacht schleuderte. Sie registrierte es kaum. Sie sah nur, wie ihre Kleidung und ein paar andere Sachen, die sie aus ihrem Leben verbannen wollte, den Flammen zum Opfer fielen. Sie wurden zerfressen und zerlegt, bis nur noch ein Häufchen Asche übrig war. Gedanklich streckte Clair ihre Hand aus und wollte in das warme Feuer greifen. Es war ein kuscheliger Gedanke und sie fragte sich, ob sich so wohl Motten fühlten, wenn sie Licht sahen.
Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Wärme, die das Feuer abstrahlte. Sie fühlte sich seltsam entspannt und friedlich. Mehr als es in letzter Zeit der Fall gewesen war. Vielleicht lag es an der Geste, an dem Statement, das sie mit diesem Feuer setzte. Oder einfach damit, dass sie sich wirklich entschieden hatte.
Die Wohnung war dunkel und still. Es war eiskalt. Jemand hatte die Heizung ausgesellt und die Fenster waren gekippt. Es war eine durchaus seltsame Vorgehensweise im Winter.
Die zwei Polizisten sahen sich genau um. Der Vermieter hatte ihnen die Türe geöffnet. Der Briefkasten der Bewohnerin wurde nicht mehr geleert und nachdem er auch keine Miete mehr erhalten hatte und niemand an die Türe ging, egal wie oft er auch geklingelt hatte, hatte er die Polizei alarmiert.
Die Einsatzkräfte ahnten bereits, was sie finden würden, wenn sie weiter gingen. Das Wohnzimmer war leer. Alles war aufgeräumt, nur auf dem Tisch lag ein Blatt Papier und was zuerst aussah, wie ein Stift.
Es war die letzte Hinterlassenschaft, die Clair der Welt gelassen hatte: Ein Brief und den positiven Schwangerschaftstest.
P.S.: *kleinlaut* Frohes neues Jahr.
Challenge: Funkenflug
Titel: Der erloschene Funke
Fandom: Original
Charaktere: Clair
Wörter: ~860
Warnings: dark | unbetaed, unkorrigiert
Kommentar: @.@ Es ist GANZ anders geworden. Es ist etwas gänzlich anderes geworden, was ich ursprünglich zu dieser Challenge gedacht hatte. Da ist nichts mehr übrig geblieben von dem Klischee, das mir als erstes in den Sinn gekommen ist.
Ich finde es auch ein bisschen schade, dass die Geschichte formulierungstechnisch nicht so tief greift, wie ich es gerne hätte. Aber ich weiß auch, wenn ich es nicht geschrieben hätte, hätte mich der Gedanke noch wochenlang verfolgt.
Der erloschene Funke
Benommen und orientierungslos erwachte Clair auf einer Wiese. Das Gras war weich und noch feucht vom Frühtau. Ihr ganzer Körper fühlte sich schwammig an. Sie hatte Durst und Kopfweh.
Schlimmer noch, stellte sie geistig schließlich fest, sie hatte einen Filmriss. Sie konnte sich nicht daran erinnern, was gestern passiert war oder besser ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr.
Dabei war sie sich ganz sicher, dass sie nicht zuviel getrunken hatte. Soviel Geld hatte sie auch gar nicht dabei gehabt.
Nur langsam nahm sie ihre Umgebung auf. Der Park, in dem sie erwacht war, war ihr auf den ersten Blick vollkommen unbekannt. Wo zur Hölle war sie? Erst als sie sich aufsetzte, nahm sie die anderen Schmerzen in ihrem Körper wahr. Sie durchzuckten das taube, schwammige Gefühl wie grelle Blitze in einem heftigen Gewitter.
Unter Ächzen stand sie auf und klopfte sich etwas zittrig möglicherweise vorhandenen Staub von der Kleidung. Die war auf jeden Fall ruiniert. Grasflecken waren eine hässliche Angelegenheit, abgesehen davon würde sie sich wohl immer an diesen Morgen erinnern, wenn sie die Kleidungsstücke in die Hand nahm.
Ihr Gedanken begannen zu wandern und dann waren sie wieder weg. Irritiert blinzelte Clair als sie feststellte, dass sie einfach nur dumm in der Gegend herumstand. Sie sollte nach Hause. Wie spät war es überhaupt?
Instinktiv griff sie nach ihrem Handy, nur um festzustellen, dass es nicht da war, wo sie vermutete. Seltsam. Sie steckte sich immer ihr Handy ein, wenn sie fortging. Es dämmerte ihr langsam, dass etwas passiert war. Etwas unglaublich schreckliches war passiert, von dem sie nie gedacht hatte, dass es ihr passieren könnte. Sie war eine erfahrene Partygängerin. Sie kannte die Schauergeschichten und Gefahren und hatte sich immer gut unter Kontrolle gehabt.
Dennoch stand sie nun hier in einem Park bei Tagesanbruch, hatte Schmerzen im Unterleib und im Kopf und konnte sich an nichts erinnern.
Panik und Entsetzen machte sich in ihr breit, als sie die Anzeichen in ihrem Kopf zusammensetzte. Gehetzt sah sie sich um und in ihrem Kopf dröhnte nur noch ein Satz: Oh Gott, was sollte sie jetzt tun?
Clair hatte sich verändert. Jener Morgen hatte sie unwiderruflich verändert. Nachdem sich die Panik gelegt hatte, hatte sie befunden, dass sie nicht zur Polizei gehen konnte. Nein, eine Anzeige machte überhaupt keinen Sinn. Es war nur peinlich und vor allem demütigend. Sie hatte sich erinnert, an den Artikel in der Zeitung, in der ein Opfer von KO-Tropfen nach dem Täter fahnden ließ. Sie hatte noch weniger Anhaltspunkte. Sie konnte sich schlichtweg an nichts erinnern.
Also war sie heimgefahren und hatte sich dort fast eine Stunde lang unter Tränen geschrubbt und geputzt und war dann schlafen gegangen, in der Hoffnung, dass der Alptraum, in dem sie sich gerade befand, ein Ende nehmen würde.
Nach ein paar Stunden war sie wieder erwacht und die Situation hatte sich kaum geändert, nur dass ihre Gedanken etwas klarer waren. Viel zu klar.
Die nächsten Tage und Wochen ging sie jeglicher Frage nach ihrem Befinden aus dem Weg. Sie versuchte den Menschen immer noch mit einem freundlichen Lächeln zu begegnen, aber es war schwieriger geworden. Sehr viel schwieriger, sich normal zu verhalten und eigentlich blieb sie jetzt doch lieber für sich.
Sie hatte eine gewisse Paranoia entwickelt und war befangen, wenn Männer sie ansprachen oder sie generell mit welchen zu tun hatte.
Sie war shoppen gegangen und hatte sich vollkommen neu eingekleidet. Wo sie vorher gesehen werden wollte, war dieser Drang nun vollkommen abgestorben. Ihr Kopf war einfach nur voll von dem grauenhaften Morgen, an dem sie festgestellt hatte, dass sie ein Opfer geworden war.
Apathisch sah Clair in das Feuer, das die Funken tief in die schwarze Nacht schleuderte. Sie registrierte es kaum. Sie sah nur, wie ihre Kleidung und ein paar andere Sachen, die sie aus ihrem Leben verbannen wollte, den Flammen zum Opfer fielen. Sie wurden zerfressen und zerlegt, bis nur noch ein Häufchen Asche übrig war. Gedanklich streckte Clair ihre Hand aus und wollte in das warme Feuer greifen. Es war ein kuscheliger Gedanke und sie fragte sich, ob sich so wohl Motten fühlten, wenn sie Licht sahen.
Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Wärme, die das Feuer abstrahlte. Sie fühlte sich seltsam entspannt und friedlich. Mehr als es in letzter Zeit der Fall gewesen war. Vielleicht lag es an der Geste, an dem Statement, das sie mit diesem Feuer setzte. Oder einfach damit, dass sie sich wirklich entschieden hatte.
Die Wohnung war dunkel und still. Es war eiskalt. Jemand hatte die Heizung ausgesellt und die Fenster waren gekippt. Es war eine durchaus seltsame Vorgehensweise im Winter.
Die zwei Polizisten sahen sich genau um. Der Vermieter hatte ihnen die Türe geöffnet. Der Briefkasten der Bewohnerin wurde nicht mehr geleert und nachdem er auch keine Miete mehr erhalten hatte und niemand an die Türe ging, egal wie oft er auch geklingelt hatte, hatte er die Polizei alarmiert.
Die Einsatzkräfte ahnten bereits, was sie finden würden, wenn sie weiter gingen. Das Wohnzimmer war leer. Alles war aufgeräumt, nur auf dem Tisch lag ein Blatt Papier und was zuerst aussah, wie ein Stift.
Es war die letzte Hinterlassenschaft, die Clair der Welt gelassen hatte: Ein Brief und den positiven Schwangerschaftstest.
P.S.: *kleinlaut* Frohes neues Jahr.