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[identity profile] schwarze-elster.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Autor: Elster
Challenge: Bestandsaufnahme (und ein Hauch vom Mistelzweig)
Fandom: Sherlock (BBC)
Genre: 5+1
Wörter: rund 1200
Anmerkungen: Viel zu spät. Mir bleibt nur, um Verzeihung zu bitten und zu meiner Verteidigung anzuführen, dass wir zurzeit einen Dreijährigen im Haushalt haben und ich auf einen Weihnachtsmarkt entführt wurde. Liebe Grüße und ein weihnachtlicher Lestrade für [livejournal.com profile] tsutsumi

Fünf Weihnachtsfeiern, die Sherlock Holmes ruinierte
und die eine, die trotz seiner Anwesenheit ganz in Ordnung war

1.
Greg Lestrade hatte eigentlich nicht vor gehabt, Sherlock zur Betriebsweihnachtsfeier einzuladen. Eigentlich. Aber der Mann hatte nun einmal gerade im Büro gesessen, als Jones mit der Wer-bringt-was-Liste rumgegangen war, und war für seine Verhältnisse kaum ausfällig geworden, als Lestrade in zu den Einzelheiten des letzten Falls befragt hatte. Eine Mischung aus Triumpfgefühl über die Verhaftung des Täters und die Verhinderung eines weiteren Mordes, sowie eine allgemeine Anwandlung von vorweihnachtlichem Altruismus hatten Greg dazu bewogen doch zu fragen.

Sherlock war zugegebener Maßen ein unerträglicher Schnösel und ein vermutlich nicht ganz ungefählicher Wahnsinniger, aber er hatte in den wenigen Monaten, in denen Lestrade mit ihm gearbeitet hatte, mehr Fälle gelöst als Lestrades Team im ganzen letzten Jahr. Und vielleicht würde seine Anwesenheit auf der Feier dazu beitragen, die Differenzen mit einigen von Lestrades Kollegen aus dem Weg zu räumen.

Der absolute Irrsinn dieses Gedankens wurde Lestrade in der Sekunde nachdem er Sherlock die Teilnahme angeboten hatte bewusst und damit die Gewissheit, einen schweren Fehler begangen zu haben. Ihm blieb noch eine weitere Sekunde, tiefe Reue zu empfinden und mit aller Kraft zu hoffen, dass Sherlock ablehnen würde, dann wurde seine Hoffnung durch ein etwas verwirrt wirkendes Nicken zerschlagen.

Und damit hatte das Verhängnis seinen Lauf genommen, alles Folgende geschah mit der ehernen Unausweichlichkeit einer griechischen Tragödie. Die knappe halbe Stunde, in der Sherlock in eine Aura eisiger Überlegenheit gehüllt in einer Ecke Stand als wäre eine Weihnachtsfeier einfach etwas, das man eben einfach über sich ergehen lassen musste, war nur die Ruhe vor dem Sturm. Es folgte Lestrades unglücklicher Versuch, das das drohende Schicksal abzuwenden, indem er versuchte, Sherlock in ein Gespräch zu verwickeln. Ironischerweise entlud sich dadurch der Orkan aus peinlichen Beobachtungen, politisch inkorrekten Meinungen und schmutzigen Geheimnissen, die sich offenbar in dem sozial gehandicapten Genie angestaut hatten. Und das nicht gerade leise und auf mysteriöse Weise umfassend genug, um auch wirklich jeden Anwesenden zu beleidigen.

Diese Weihnachtsfeier erklärt jedenfalls, warum Lestrades Karriere seit seiner Beförderung zum DI zum absoluten Stillstand gekommen ist.


2.
Die Weihnachtsfeier, die Sherlock im Jahr darauf ruinierte, war zum Glück keine, an der Lestrade in irgendeiner Form beteiligt war, sondern die eines Verdächtigens, und somit kann Lestrade der Angelegenheit eine gewisse Komik abgewinnen. Der Mord selbst war relativ simpel gewesen: Schrotgewehr im Wald, aber die forensischen Spuren mager und der Kreis der Verdächtigen groß, reich und mit einer bunten Vielzahl an Motiven.

Sherlock stürmte die Weihnachtsfeier mit der ihm eigenen arroganten Selbstverständlichkeit, griff sich ein Champagnerglas, setzte sein falschestes Lächeln auf und verschwand zwischen den Smokings und Cocktailkleidern, während Lestrade mit den etwas verspätet herbeigeeilten Security-Kräften verhandeln durfte.

Über die Einzelheiten der folgenden Geschehnisse ist er sich dementsprechend nicht sicher, aber er stellt sich gern vor, wie Sherlock sich zum Grüppchen um den Immobilienmillionär gesellte, und anfing unangenehme Fragen zu stellen. Einen Teil des Gespräches konnte Lestrade dann über die plötzlich eintretende Stille hinweg sogar hören, Fragen wie ‚und ist es nicht wahr, dass Andrews als Mitwisser um den Immobilienschwindel eine Gefahr für Sie war?‘ und Aussagen wie ‚Ihr Geliebte wusste, dass Andrews an diesem Nachmittag auf die Jagd gehen wollte.‘

Sherlock hinterließ die Party in gedämpfter Stimmung und den Initiator zerstört. Sein einziger Kommentar, als er auf dem Weg hinaus an Lestrade vorbeistürmte, war ein gereiztes ‚Er ist es nicht.‘


3.
Das dritte Jahr ihrer Bekanntschaft war das Jahr in dem Sherlock rückfällig wurde und am ersten Weihnachtsfeiertag aus unerfindlichen Gründen mit einem untypisch strahlenden Lächeln und mit einer Menge Kokain im Blut, die selbst einem 90er-Jahre-Popstar das Wasser in die Augen getrieben hätte.

Er scherzte mit Lestrades verblüffter Frau, verteilte Geschenke an die noch verblüffteren Kinder und verschwand wieder, bevor Lestrade sich zu einer definitiven Reaktion durchringen konnte. Der Rest des Abends war getrübt von dem unangenehmen Gefühl, Normalität vorgaukeln zu müssen, während sich hinter den Kulissen eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes zusammenbraut.


4.
Sherlock zu Weihnachten zu sich nachhause einzuladen war so ziemlich das Letzte, was Lestrade wollte, aber nachdem er mit mehr oder weniger großer Anteilnahme Sherlocks erneute Rehabilitation mitverfolgt hatte, war es einigermaßen schwer für ihn, sein Gewissen davon zu Überzeugen, dass Sherlocks Anruf am Weihnachtsmorgen nichts zu bedeuten hatte. Es ging zwar um alte Fälle, die sich Sherlock mit in die Feiertage genommen hatte, war also oberflächlich professionell, aber es beschwor dann doch zu sehr das Bild von Sherlock herauf, der an Weihnachten allein in seiner Wohnung saß und über Mord und Totschlag nachdachte.

Selbst Sherlock zeigte immerhin ab und zu Interesse daran von seinen Mitmenschen wenn schon nicht akzeptiert, dann doch wenigstens bestaunt zu werden und Lestrade war sentimental und Optimist und ein hoffnungsloser An-das-Gute-im-Menschen-Glauber und zumindest die Kinder waren ganz entzückt von dem mysteriösen Fremden, der ihnen letztes Jahr tolle Geschenke gebracht hatte…

Kurz gesagt, Lestrade war selbst schuld, dass zum Weihnachtsessen ein vor sich hin brütender Sherlock mit am Tisch saß und seinen Rosenkohl mit ruchloser Präzision aufspießte, nur um ihn dann wieder fallen zu lassen und lustlos in der Bratensoße herumzuschieben. Er taute etwas auf, als Jenny ihn zu einem Diebstahl befragte, den Lestrade vor kurzem mal erwähnt hatte.

Lestrade war erleichtert, dass es nicht um Mord ging.

Lestrade war weniger erleichtert, dass Jenny anfing mit Sherlock zu flirten. Es war sicherlich weniger Sherlocks sporadischer Charme, als gewisse Ressentiments gegenüber Greg, die sie dazu veranlassten. Sherlock selbst hatte hier eher symbolischen Charakter, was aber nicht hieß, dass Lestrade nicht verärgert war. Verärgert und auch verstört.

Nicht so verstört allerdings, wie Sherlock selbst wirkte, als er nach einer gefühlten Ewigkeit bemerkte, dass mit ihm geflirtet wurde. Er verabschiedete sich dann mit einer an Panik grenzenden Hast, die aber den Haussegen auch nicht unbedingt gerade rücken konnte.


5.
Das Weihnachten darauf zu ruinieren verlangte zugegebenermaßen kein großes Talent. Greg und Jenny waren an einem Punkt, der sich stark nach dem Ende der Wir-versuchen-es-nocheinmal-Phase anfühlte und sie waren bei Jennys Eltern zu Besuch. Die Stimmung war dergestalt, dass Gregs Neigung zum Workaholic und Jennys Untreue Themen waren, die man besser aus dem Bewusstsein strich und nicht im Entferntesten aufs Parkett brachte.

In Anbetracht des letztes Weihnachtsfestes war Sherlock als Thema also doppelt tabu.

Seine SMS ‚Habe Schmuggler gefunden, könnte Hilfe brauchen.‘ kam demnach etwas ungelegen.


+1
Zu sagen, dass Sherlock die bewusste Weihnachtsfeier im folgenden Jahr nicht ruinierte, wäre ein bisschen dick aufgetragen. Aber sie war alles in allem definitiv ein atypisches Ereignis. Zum einen war es Sherlocks Weihnachtsfeier. Oder doch zumindest Johns Weihnachtsfeier in Sherlocks und Johns Wohnung mit Sherlock als einem der Gastgeber.

Und vielleicht ist Greg nach Jahren und Jahren auch einfach abgestumpft und nicht mehr in der Lage Sherlocks Unausstehlichkeit objektiv zu bewerten. Es bleibt der befriedigende Gedanke, dass Lestrade von Jenny und dem Sportlehrer wusste, bevor Sherlock es ihm an den Kopf warf. Es bleibt die hoffnungsschwangere Verblüffung, dass Sherlock nicht nur eine Handvoll Menschen gefunden hat, die seine Bemerkungen über sich ergehen lassen, sondern dass er sich auch noch entschuldigt hat. Es bleibt die Sache mit Molly und dem Mistelzweig.

Die Geschichte hat gezeigt, dass der Mensch sich mit allem abfinden kann, wenn es alltäglich wird: Krieg, Hunger, Pest und katastrophale beratende Detektive.


Date: 2013-12-20 06:31 am (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Awwww, ich maaaaaag Geschichten, in denen Lestrade Sherlock lieb gewinnt. Also, "lieb gewinnt" wie "Ich gewöhne mich an seine Schrecklichkeit und er ist vielleicht nicht mehr ganz so schrecklich zu mir."
Und ich mag das head canon, dass Lestrade die Sache mit dem Sportlehrer schon vorher wusste. Ich meine, natürlich wusste er es vorher - wieso habe ich da nicht früher dran gedacht.

Außerdem mag ich den Gedanken an einen zugekifften, manischen Sherlock, der die Kinder mit Geschenken überhäuft. Wahrscheinlich sollte mich diese Vorstellung nicht so amüsieren, weil - naja, Drogen und und so.

Dankeschön <3

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