[identity profile] gobbolina.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Autor: Gobbolina
Challenge: 1.) Eine warme, flauschige Wolldecke 2.) Schneeflocken 3.) "Warum hast du 'ja' gesagt?"
Fandom: Original
Genre: kitschige Romantik
Wörter: 947
Musikalische Untermalung: Hero Soundtrack
Anmerkungen: Völlig spannungsfrei, etwas kitschig, nicht gebetat. Ich hoffe ihr mögt's trotzdem. ;)


Luke warf einen kurzen Blick durch die Verandatür. Ja, da saß er, in der Kälte. Ziemlich unvernünftig, da würde er sich noch den Tod holen bei den Temperaturen. Er zog sich eine Jacke an, nahm die Kuscheldecke vom Sofa und ging damit ins Freie. Jamie saß mit dem Rücken zu ihm und stieß Rauchwolken aus wie eine kleine Dampflok. Luke legte dem Jüngeren die Decke um die Schultern und setzte sich dann neben ihn auf die Stufen. „Rauchen ist ungesund“, merkte er an und zog seine Schachtel Kippen aus der Jackentasche, nur um sich ebenfalls eine anzustecken. „Und das von dir“, konterte Jamie mit seinem üblichen frechen Grinsen. „Dabei rauchst du viel mehr als ich.“ Luke zuckte nur gleichmütig mit den Schultern, als er den Qualm einsog. „Ich teere nur die Straße für den Teufel.“ Das Feuerzeug wanderte wieder in die Jackentasche. Es war wirklich kalt, Luke froren beinahe die Finger ab. Aber dass er sich beinahe den Arsch abfror ließ er sich nicht anmerken. Nur gut, dass er Jamie die Decke gebracht hatte, denn der saß nur im Pullover draußen, und bedankte sich für das Stück Stoff. Luke schüttelte den Kopf über so viel Leichtsinn. „Nächstes Mal zieh dir was an, bevor du raus gehst. Ich will dich nicht pflegen müssen, nur weil du dir eine Erkältung einfangen musst“, brummelte er. Sein Gegenüber zog die Decke vor der Brust zusammen, so dass nur noch sein Kopf und die Hand mit der Zigarette rausschauten. „Tu nicht immer so, als wäre ich noch ein kleines Kind.“ Er schmollte ein wenig und Luke musste lächeln. Auch mit Anfang 30 hatte Jamie die Kindlichkeit, die ihn ausmachte, nie ganz ablegen können. Und dafür liebte er den Kleinen.

Einen kurzen Moment lang saßen sie schweigend nebeneinander. Kein Laut war zu hören, außer gelegentlich ein Auto auf der Straße, die nur wenige Meter vor ihrem Haus verlief. Der Schnee ließ die Nacht heller erscheinen, ebenso wie die Weihnachtsbeleuchtung der umliegenden Häuser. Schließlich durchbrach Jamie die friedliche Stille. „Hat sie noch viel Theater gemacht?“ Ihre kleine Tochter. Luke verneinte. „Ist ganz schnell eingeschlafen.“ Das Schlitten fahren früher am Tag hatte das kleine Mädchen ganz schön müde gemacht, so dass der übliche Kampf ums Schlafen gehen heute ausnahmsweise einmal ausgeblieben war. Dann schwiegen sie wieder und pusteten noch mehr Zigarettenqualm in die eisig kalte Luft. Es war nicht windig, aber trotzdem spürte Luke, wie die Kälte in seine Haut fuhr. Wieder drinnen würde er sich erst mal einen schön heißen Kaffee machen.

„Sieh mal, es schneit“, sagte Jamie auf einmal leise. Schon wieder, dachte Luke. Hatten sie noch nicht genug Schnee? Der Kleine teilte seine Meinung allerdings nicht. Fasziniert beobachtete er wie vereinzelte Schneeflocken vom Himmel fielen. Und Luke beobachtete Jamie. Er sah immer noch so jung aus, beinahe wie ein Kind. Zu seinem Ärger musste Luke feststellen, dass er selber langsam kleine Fältchen um die Augen bekam. Auch die ersten grauen Haare zeigten sich. Und der Kleine? Der war genetisch gesegnet. Schnee fiel ihm auf die dunklen Haare und bildeten einen starken Kontrast. Luke erinnerte sich an das erste mal, als sie beide hier zusammen im Schnee saßen. Dass das schon zehn Jahre her sein sollte... Die Zeit verging so schnell. Und wieder einmal stellte er fest, dass er wirklich unverschämtes Glück gehabt hatte.

Jamie schien sich beobachtet zu fühlen, denn er wandte Luke den Kopf zu und blickte ihn fragend an. Immer noch dieser Blick, der einem das Herz erweichen konnte. „Was ist“, wollte der Kleine wissen und riss Luke damit aus seinen Gedanken. Dieser lächelte und drückte seine Kippe auf der Verandastufe aus. „Eigentlich nichts.“ Jamie blickte skeptisch drein. „Irgendwie kaufe ich dir das nicht ab.“ „Dann lass es eben.“ Freundlich wie immer, aber er meinte es nicht böse. Jamie hatte seine Zigarette ebenfalls aufgeraucht und drückte sie in den Schnee. Prompt bekam er zu hören: „Lass die bloß nicht da liegen, Leslie bekommt sonst einen Anfall.“ Egal wie alt ihr Sohn war, Leslie konnte es nicht ausstehen, dass er oder Jamie rauchten. Schließlich war das höchst ungesund. „Keine Sorge, ich nehme sie noch mit rein.“ Er kuschelte sich tiefer in die Decke. „Ist dir auch nicht kalt? Willst du mit drunter“, wollte er wissen, aber Luke schüttelte den Kopf. „Passt schon“, war die knappe Antwort.

Er atmete einmal tief ein und dann wieder aus, so dass sich vor seinem Gesicht eine besonders große Kondenswolke bildete. Dann schaute er Jamie an und fragte unvermittelt: „Warum hast du damals eigentlich 'Ja' gesagt?“ Der Kleine legte den Kopf schief. „Was meinst du?“ Luke veränderte seine Sitzposition. Er spürte, wie ihm die Kälte langsam in die Glieder kroch. „Warum hast du mich geheiratet?“ „Weil....“ Kurzes Schweigen. Jamie schien zu überlegen, eher er anfing zu lächeln und Lukes Frage beantwortete. „Weil ich verrückt nach dir war.“ Luke sagt nichts. Und der Kleine fuhr fort: „Was hätte ich denn anderes sagen können als 'Ja'? Ich habe dich so sehr geliebt. Genau so wie ich dich heute noch liebe.“ Trotz seines ungeheuer stark ausgeprägten Selbstbewusstseins hatte Luke sich in den vergangenen zehn Jahren öfter gefragt, womit er Jamie eigentlich verdient hatte, wo er sich doch aufführen konnte wie das größte Arschloch auf Gottes Erde. Die letzten zehn Jahre waren nicht immer einfach gewesen, und trotzdem waren sie beide immer noch zusammen. „Wieso fragst du?“ „Lass gut sein. Außerdem... Du redest ganz schönen Blödsinn.“ Luke knuffte dem Kleinen gegen den Arm. Dann küsste er ihn. „Und jetzt komm mit rein, sonst erfrierst du mir noch. Außerdem müssen wir noch die Geschenke einpacken.“


Date: 2013-12-19 06:35 pm (UTC)
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Ach wie schön, das strahlt so richtige Weihnachtsflauschigkeit aus :)

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