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Autor: Jenchan
Titel: Ein Feierabend zu zweit
Challenge: #1 Geschenkpapier, #2 Kalte Hände
Fandom: Original (Tracy)
Charaktere: Tracy und ihr Partner
Wörter: 2029
Warnings: unbetaed, unkorrigiert
Continuation: Advent 2010 | Valentinstag 2011 | Sommerchallenge 2011 | Advent 2011 | Spam-Party 2012 | Advent 2012 | Sommerchallenge 2013 / 1 | Sommerchallenge 2013 / 2

Kommentar: Ich bin ziemlich unzufrieden damit, aber ich hatte die Idee schon seit Anfang Dezember. Leider scheine ich doch etwas sehr eingerostet zu sein. Ich hoffe dennoch, ich kann irgendwem damit den 17. Dezember versüßen.

Ein Feierabend zu zweit

Tracy war noch nie hier gewesen. Sie wusste auch nicht ganz, was sie nun geritten hatte, spontan hier aufzutauchen, aber sie war einfach in die Bahn gestiegen, die sie hierher bringen würde. Sie hatte heute nach Feierabend einfach das Bedürfnis gehabt, ihren Freund zu sehen.
Bisher war es ja immer so gewesen, dass er sie abgeholt hatte, oder sie sich irgendwelche Treffpunkte im Vorfeld ausmachten. Auch wenn sie natürlich wusste, wo er wohnte, so hatte sich bisher nie die Gelegenheit ergeben, dass sie auch hierher kam.
Und jetzt stand sie vor seiner Wohnungstüre und schob ihre Hände tief in die ihre Manteltaschen. Draußen war es eisig kalt und sie spürte kaum noch ihre Nase. Das war der Nachteil, wenn man zu dieser Jahreszeit im Handel arbeiten musste. Man stand im Dunkeln auf und ging im Dunkeln nach Hause. Und Nacht war immer die kälteste Zeit vom Tag.
"Hi...", grüßte sie ihren Partner und bekam erst jetzt Herzklopfen und Skrupel. War es wirklich okay, ihn einfach so zu stören? Hätte sie vorher anrufen sollen? Obwohl sie sich ein Lächeln abrang, spürte sie nun schwere Verlegenheit über sich hereinbrechen, zumal er wirklich sehr überrascht wirkte. Und das nicht unbedingt positiv.
"Äh... hi." Er runzelte die Stirn und fügte dann nach einer Kunstpause hinzu: "Das ist ja mal ne Überraschung. Dabei ist doch noch gar nicht Weihnachten."
Tracy presste die Lippen zusammen. Das war eine wirklich seltsam anmutende Situation und eigentlich hatte sie sich in seiner Gegenwart nie derartig befangen gefühlt.
"Lässt du mich rein?", fragte sie, als sich wieder Stille zwischen ihnen ausbreitete. "Ich meine, du musst nicht. Ich kann auch wieder nach Hause fahren. Nur hier stehen ist... milde ausgedrückt eiskalt."
Das entlockte ihm ein richtiges Lächeln und er trat zur Seite. "Natürlich darfst du reinkommen. Du bist hier immer willkommen."
Dass es für den ersten Moment nicht so gewirkt hatte, ließ Tracy unkommentiert und trat in die deutlich wärmere Wohnung. Im Vorraum, während er hinter ihr leise die Türe schloss, zog sie sich ihre Schuhe aus. Sie hatte die Stiefel immer noch, die er extra zur Reperatur gebracht hatte und jedes Mal, wenn sie die ansah, wurde ihr ganz warm ums Herz.
"Was verschafft mir die Ehre?", fragte er und Tracy spürte seinen Blick auf sich, während sie sich die Handschuhe auszog, sie in die Manteltasche stopfte und den Mantel anschließend an einem Garderobehaken aufhing.
"Ich hasse Weihnachten...", antwortete sie nach einem Moment und klang dabei zurückhaltend grummelig. Der Tag war wirklich anstrengend gewesen. Die Leute drehten von Jahr zu Jahr mehr durch.
Und es half nicht gerade, dass die Aussage ihn scheinbar auch noch amüsierte. "Oje, war es so schlimm?", fragte er, immer noch mit dem Lachen in der Stimme, aber die Arme, die er von hinten um sie schlang, stimmten Tracy versöhnlich. Sie lehnte sich an seine breite Brust und schloss die Augen. Sie ließ sich ganz und gar in die Umarmung sinken und sich von ihm festhalten.
"Du hast ja keine Ahnung... Weihnachten ist die Hölle...", seufzte sie erschöpft.
"Leider hab ich nicht damit gerechnet, dass du vorbeikommst. Sonst hätte ich heute noch Milch und Kakao eingekauft." Seine Hände wanderten über ihre Arme und hielten dann ihre Hände fest. Erst jetzt merkte sie, wie kalt ihr eigentlich war, während er sanft über ihre Haut massierte.
"Du bist ja ganz durchgefroren. Ich kann dir aber nur Kaffee anbieten." Tracy verzog leicht das Gesicht.
"Das ist nicht notwendig. Ich... es tut mir Leid, dass ich einfach so vorbeikomme. Du willst sicher auch deinen Feierabend genießen..." Sie hatte die Augen geschlossen und dachte daran, wie fürsorglich er immer zu ihr war. Sie hatte sich in den letzten zwei Jahren richtig daran gewöhnt, von ihm verwöhnt zu werden. Es war irgendwie nicht gerade fair von ihr, dass sie eine solche Behandlung nun voraussetzte.
Er allerdings drückte sie etwas fester an sich. "Mit dir ist der Feierabend gleich um einiges schöner. Du kannst dich im Bad etwas frisch machen und ich sehe mal in der Küche nach, ob ich nicht etwas für dich auftreiben kann. Und dann legen wir gemeinsam die Füße hoch und lassen Weihnachten Weihnachten sein." Aus seinem Mund klangen solche Pläne immer besonder gut und Tracy spürte, wie die Erschöpfung nur noch vehementer an ihrer Kraft zog.
"Mmmh... klingt nach einem tollen Abend." Und das war, was sie jetzt besonders brauchte.
"Na, dann komm mal mit", schob er sie vorsichtig tiefer in die Wohnung und kurz darauf stand sie in einem kleinen Badezimmer. Dort ließ er sie zurück und schloss hinter ihr die Türe.
Tracy sah sich um und irgendwie - auch wenn ihr eigenes Badezimmer gemütlicher und größer war - mochte sie diesen Raum. Sie war jetzt auch ein wenig neugierig auf die restliche Wohnung, der sie bis eben keine Aufmerksamkeit widmen hatte können. Also hielt sie ihren Aufenthalt im Badezimmer eher kurz und trat wieder in den Flur hinaus. Sie hatte nun drei Türen zur Auswahl und sie entschied sich für die nächstgelegene. Dahinter fand sich das Wohnzimmer. Was sie allerdings sah, ließ sie erstaunt die Augenbrauen hochziehen.
Auf dem kleinen Wohnzimmertisch und rundherum lag eine ganze Menge Geschenkpapier. Sowohl zugemachte Rollen also auch Papierkügelchen. Und natürlich Geschenkbänder. Nur keine Geschenke. Und er war auch nicht da.
Hinter der nächsten Türe fand sie die Küche, aber sie riskierte nur einen kurzen Blick, denn auch da war er nicht zu finden. Die Küche sah im Gegenzug zum Wohnzimmer auch gleich sehr viel ordentlicher aus. Also hatte sie ihn scheinbar doch bei irgendetwas unterbrochen.
Hinter der dritten Türe fand sie ihn schließlich. "Da bist du", meinte sie erleichtert. Seine Reaktion ließ sie allerdings wieder die Augenbrauen heben. Erschrocken hatte er die offene Schranktüre zugeknallt und stand jetzt davor, als würde aus dem Schrank eine versteckte Affäre springen können. Aber das war absurd. Wenn er wirklich Frauenbesuch gehabt hätte, hätte er sie doch bestimmt abgewimmelt.
Irritiert schüttelte sie den Gedanken wieder ab. "Ich sollte vielleicht doch lieber wieder gehen", merkte sie allerdings an, als er sie immer noch einfach nur geschockt anstarrte.
"Nein. Bleib. Bitte", wehrte er sofort auf, rührte sich aber nicht von der Stelle.
"Aber ich störe dich offensichtlich."
"Tust du nicht."
Tracy warf ihm darauf nur einen skeptischen Blick zu und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Tust du wirklich nicht! Ich... hab einfach nur nicht damit gerechnet..."
"Das ist offensichtlich. Deshalb werde ich jetzt einfach nach Hause fahren, wie ich es von Anfang an hätte tun sollen", beharrte Tracy. Es war ein Fehler gewesen, dass sie hier aufgekreuzt war und auch wenn die Beziehung schon weit länger hielt als die vorangegangenen, so wollte sie nicht riskieren, doch in Verhaltensmuster zurückzufallen, die ihre Partnerschaft sabotierte.
Sie wollte sich gerade abwenden, als er nun doch endlich seinen Posten am Schrank aufgab und auf sie Zutrat. Er griff nach ihrer Hand und sah sie direkt an. Ernst meinte er: "Geh nicht. Ich hab dich gerne hier, auch wenn ich nicht damit gerechnet habe."
Ihre Blicke trafen sich und Tracy spürte, wie sich ihre Herzschlag erhöhte und ihr wieder ganz warm wurde. Schließlich seufzte sie. "Ich möchte dich aber wirklich von nichts abhalten."
"Ich weiß. Aber bis Weihnachten ist noch etwas Zeit." Er schenkte ihr ein leichtes Lächeln, dass nach einem Moment etwas fröhlicher wurde. "Ich habe eine brilliante Idee", merkte er an. "Du pflanzt dich einen Moment vor den Fernseher und ich werde zusehen, dass ich noch etwas Milch und Kakaopulver besorge. Und dann machen wir uns zusammen auf dem Sofa gemütlich und entspannen uns ein wenig. Was hältst du davon?"
Tracy ließ sich das durch den Kopf gehen und grinste dann leicht. "Ich glaube, ich habe eine bessere Idee", meinte sie und trat etwas näher.
"So? Welche denn?"
Immer noch sahen sie sich tief in die Augen und Tracy wusste einfach, dass sie durchaus mal auf heiße Schokolade verzichten konnte. Eigentlich reichte ihr schon, dass sie bei ihm sein konnte.
Sie stellte sich ein wenig auf ihre Zehenspitzen und lockte ihn in einen liebevollen Kuss, den sie aber bald auch wieder löste. "Die Arbeit war anstrengend - was hältst du davon, wenn wir einfach etwas eher ins Bett gehen?" Das Versprechen oder eher das Angebot, das in dieser Frage mitschwang, war eindeutig und einen Moment leckte er sich nachdenklich über die Lippen.
"Das klingt auch gut", meinte er dann leise und Tracy genoss den folgenden Kuss umso mehr.

Tracy war etwas irritiert, als sie am nächsten Morgen die Augen aufschlug. Es konnte noch nicht sehr spät sein, da es draußen noch dunkel war, dennoch war die andere Hälfte vom Bett bereits leer. Sie hatte ausgezeichnet geschlafen und ihr Kopf fühlte sich immer noch etwas schwammig vor Schlaftrunkenheit.
Sie griff nach ihrer Uhr und runzelte die Stirn. Fünf Uhr früh war eine äußerst unchristliche Zeit. Sie hatte ja schließlich auch noch gut drei Stunden Zeit, bevor sie wieder zur Arbeit musste. Etwas weniger, wenn sie noch einen Abstecher bei sich zu Hause machen wollte.
Zu unruhig um noch einmal einzuschlafen, schob sie ihre Beine aus dem Bett und stand leise auf. Um nicht vollkommen nackt durch die Wohnung laufen zu müssen, wickelte sie sich die Decke um und begann sich dann auf die Suche nach ihrem Partner zu machen. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass der überhaupt nicht in der Wohnung war.
Irgendwie bekam sie gerade ein Deja vù. Dabei hatte sie gestern eigentlich keine Probleme mit ihren Stiefeln gehabt. Sie hatte gestern nicht einmal mehr die Kraft gehabt, sich richtig über alles aufzuregen. Dazu hatte sie es zu sehr genossen, was sie letztlich angeleiert hatte.
Tracy stieß ein leises Seufzen aus und beschloss, dass sie genausogut duschen gehen konnte. Dennoch wäre es ihr durchaus Recht gewesen, wenn er ihr eine Nachricht hinterlassen hätte.

Eine halbe Stunde später war er immer noch nicht zurück und Tracy begann sie ihre Gedanken zu machen. Hatte er mitunter schon zur Arbeit müssen? Sie mochte es ganz und gar nicht, wenn sie mit ihm einschlief, aber das Bett leer war, wenn sie wieder erwachte. Und heute war es noch dazu besonders früh.
Sie hatte sich nach dem Duschen in den großen, flauschigen Bademantel gehüllt, den sie im Badezimmer gefunden hatte, und steuerte nun die Küche an. Sie könnte ja einfach mal sehen, was es hier so zum Essen gab. Kaffee wäre jetzt zum Frühstück mitunter auch ganz erträglich, auch wenn sie den wirklich nicht gerne trank.
Aber vielleicht fand sie ja doch auch noch anderes, was ihr mehr zusagte.
Sie hatte gerade damit begonnen, die ersten Schränke aufzumachen, als sich der Schlüssel im Schloss der Wohnungstüre umdrehte. Sofort legte sie ihren Plan, Frühstück zu suchen, ad acta und trat in den Flur heraus. Dort schlüpfte er gerade aus den Schuhen und hing seine Winterjacke auf, bevor er eine Tasche und zwei Tüten nahm, die ihm auch gleich fast wieder aus der Hand fielen, als er sie bemerkte.
"Gott! Tracy. Musst du mich so erschrecken?", fragte er und Tracy trat auf ihn zu.
"Musst du dich immer aus dem Bett schleichen?", fragte sie im Gegenzug und legte eine Hand auf seine Wange. Die war rot und eiskalt. "Und warum verlässt du überhaupt so früh das Haus? Ich hätte wirklich nichts dagegen gehabt, wenn ich neben dir aufwachen hätte können."
Entschuldigend hob er die Tüten in seiner linken Hand hoch. "Frühstück mit der Option auf heiße Schokolade." Dann reichte er ihr die Tasche. "Und ich dachte, du könntest vielleicht Wäsche zum Wechseln brauchen. Du hast doch nachher Dienst, nicht wahr?"
Verwirrt nahm Tracy die Tasche entgegen und sah hinein, bevor sie ihm wieder einen Blick zuwarf. Er zuckte mit den Schultern.
"Ich wusste nicht ganz, was du gerne anziehen möchtest, also hab ich dir einige Sachen mitgenommen. Du kannst dich in Ruhe anziehen, dann mache ich schon mal unser Essen fertig."
Immer noch etwas neben sich, schüttelte Tracy leicht den Kopf und gab ihm schließlich einen Kuss auf die kalte Wange. "Du bist echt unglaublich. Ich möchte dich gar nicht wieder hergeben."
Er grinste leicht und in seinen Augen standen deutlich die tiefen Gefühle geschrieben, die er ihr entgegenbrachte. "Wie gut, dass ich bei dir bleiben möchte."
Tracy lächelte glücklich. Das war wirklich gut - und so war auch Weihnachten wieder um einiges erträglicher.

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