Autor: Jenchan
Challenge: Der Herbst ist da! vom 9.10.2012 (mit diesem Bild).
Zusätzliche Schreibaufgabe von
der_jemand: 2 X-Chromosome, die sich kennen sollen + Cupcakes
Titel: Ein Pot voll Cupcakes
Fandom: Original
Charaktere: Hildegard, Clarice-Kiara
Wörter: 1500
Warnings: Generationenkonflikt | unbetaed, unkorrigiert
Kommentar: Ich habe mir nach der diesjährigen Sommerchallenge ein neues Ziel gesteckt. Ich finde es wahnsinnig schade, dass sich in den letzten Jahren die Beteiligung außerhalb der Sommerchallenge so reduziert hat. Dabei finde ich es immer wieder total krass, wie liberal hier die Regeln sind.
Und es gibt so unendlich viele Challenges!
Aus diesem Grund habe ich damit angefangen, einfach mal Motivationspropaganda zu machen und versuche da etwas Leben reinzubringen! Das manifestiert sich in dem Versuch, folgende Aktion durchzusetzen, bei der jeder für sich mitmachen kann, wie er möchte: Pro Beitrag gibts einen Punkt und bei fünf Punkten darf man sich eine Geschichte wünschen. (Weil manchmal braucht man einfach etwas mehr Motivation.)
Ein Pot voll Cupcakes
Leise raschelten die Blätter im Wind. Es war früh morgens und die Sonne hatte es noch nicht über den Horizont geschafft. Vom Boden stieg weißer, feuchter Nebel auf und das schummrige Dämmerlicht machte es schwer, viel zu erkennen. Trotzdem hatte sich Hildegard auf den Weg in den Wald gemacht, der unweit von ihrem Haus begann. Er lag auf einem steilen Hügel und war auf ihre alten Tage nicht mehr ganz so leicht zu erreichen. Aber der Herbst war angebrochen. Der Boden war feucht und es war noch nicht zu kalt. Das Gras war noch grün und ihre jahrelange Erfahrung ließ sie mit Sicherheit sagen, dass heute ein sehr guter Tag war, Pilze sammeln zu gehen.
Das tat man am besten in den frühen Morgenstunden, wenn die Welt noch in einer gruseligen Ruhe lag. Wo viele einfach noch schliefen, eingewickelt in die warmen Decken. Sie hatten unlängst anfangen müssen zu heizen, weil es in der Nacht einfach unsagbar kalt geworden war.
Sie spürte diese Temperaturschwankungen ebenfalls. Ihre müden alten Knochen vertrugen das harsche Klima immer weniger. Man sollte halt einfach nicht alt werden.
Schnaufend bildete sich vor Hildes Mund immer wieder ein weißes Dunstwölkchen, während sie Schritt für Schritt den kleinen Berg hinaufstieg. Es wurde nur langsam heller, aber sie kam ja auch nur langsam voran. Sie war über achzig Jahre alt. Da musste sie es nun wirklich nicht mehr eilig haben. Sie würde auch so noch genügend Pilze finden, denn sie hatte schon festgestellt: Außer ihr gab es in der Umgebung kaum noch Menschen, die sich das antaten. Pilzesuchen war so "out of fashion", würde ihre Enkelin sicher sagen. Aber das Pilzragout liebte sie trotzdem. Oder wenn es mal wieder geröstete Eierschwammerln gab.
In den Supermärkten war das alles sündhaft teuer und Hildegard verstand einfach nicht, warum man diese Zutaten kaufen musste, wenn man einen Wald hatte, in dem sie haufenweise wuchsen. Hier gab es die gängigsten Speisepilze und so frisch gesammelt war das doch wesentlich besser, als die Supermarktware.
Aber das war halt ihre Meinung. Und was wussten schon alte Leute vom Leben?
Bewaffnet mit ihrem kleinen Körbchen hatte sie nun endlich den Wald erreicht und begann sich gleich ein wenig umzusehen. Das grüne Grad roch feucht und frisch und zwischen den bunten Blättern, die sich bereits am Boden gesammelt hatten, sah sie tatsächlich Pilze sprießen. Die Witterung die letzten Tage war auch wirklich äußerst begünstigend gewesen.
Clarice-Kiara schaltete grummelnd ihren Wecker aus. Es war noch viel zu früh und es waren Ferien. Aber sie hatte viel vor. Sie wollte heute backen. Sie war am Vortag sogar extra zum Einkaufen mitgefahren, obwohl das so verdammt langweilig war. Außerdem bekam sie ja doch selten etwas besonderes gekauft. Sie hätte ihrer Mutter auch einfach sagen können, was sie brauchte, aber sie vertraute nicht darauf, dass dann das richtige dabei war. Wahrscheinlich würde dann irgendwas im Wagen landen, nur weil es GÜNSTIG war. Aber sie brauchte ganz bestimmte Dinge.
Beim Einkaufen hatte es darüber auch heftige Diskussionen gegeben. Ihre Mutter verstand einfach nicht die WICHTIGKEIT von richtige Produkten. Es hatte einen Grund, warum das Zeug so teuer war. Marken entstanden ja nicht zum Spaß und man musste eben da auf die Qualität und nicht den Preis achten.
Immer noch ärgerte sie sich darüber, dass die ältere Generation da überhaupt keine Einsicht zeigte. Ja, sie war erst sechzehn, aber das hieß doch nicht, dass sie keine Ahnung hatte! Die Welt hatte sich verändert, alte Ansichten galten heute einfach nicht mehr. Man musste sich anpassen und konnte nicht immer nach altmodischen, ausgedienten Regeln handeln. Ihre Eltern mussten das wirklich noch lernen!
Energisch schrubbte sie sich die Zähne und wusch sich dann noch einmal das Gesicht, bevor sie sich anzog und anschließend dezent schminkte. Sie brauchte etwas, bis sie sich für eine modische Frisur entschieden hatte, die perfekt zu ihrem Outfit und ihrem Vorhaben passte. Das musste alles mit Stil passieren, sonst war das nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Performance war einfach wichtig! Wer wusste schon, was passieren würde und deshalb musste man einfach immer gut aussehen.
Erst als sie also mit sich rundum zufrieden war, lief sie eilig die Treppe hinunter. In der Küche stieß sie dann beinahe mit ihre Großmutter zusammen. "Woah. Oma!", warnte Ricki und hatte gerade noch bremsen können. "Immer stehst du im Weg."
Hildegard stellte ihren Korb voller Pilze auf den Tisch und sah zu ihrer Enkelin. "Guten Morgen, Clara", sagte sie betont. Ihre faltigen Wangen waren gerötet und sie hatte sich auch noch nicht aus ihrer warmen Jacke geschält. Draußen war es wirklich kalt und sie war nun mehrere Stunden unterwegs gewesen. Sie war ein bisschen müde, aber jetzt hieß es erst einmal Frühstück zu machen.
"Ach Oma. Ich heiße Clarice, nicht Clara. Du kannst mich auch Ricki nennen oder Kira, wenn dir das leichter fällt." Clarice schenkte ihr ein versöhnliches Lächeln, das Hildegard nicht unbedingt half.
Sie fragte sich, wie ihre Tochter nur auf so einen seltsamen Namen gekommen war und warum sich das Mädchen für diesen Namen nicht in Grund und Boden schämte. Aber das war ja nicht ihre Sache. Viel bedenklicher fand sie die fehlende Höflichkeit. Hätte sie seinerzeit so mit ihrer Mutter gesprochen, sie hätte schon drei Ohrfeigen bekommen. Wie sich die Zeiten doch geändert hatten.
"Wenn man einen Raum betritt, grüßt man, junge Dame", merkte Hildegard schließlich an und knöpfte sich nun doch mit ihren schon recht zittrigen Händen die Jacke auf. Sie war zwar ein noch recht gesunder Mensch, aber das Alter und die schwere Arbeit, die sie in jungen Jahren lange hatte tun müssen, zeigten heute ihre kleinen Auswirkungen. Das Leben hatte es ihr nicht immer leicht gemacht und oft und gerne wünschte sie sich etwas mehr Verständnis dafür.
Schließlich war es unter anderem ihrer Generation zu verdanken, dass es ihrer Gesellschaft nun so gut ging. Es war enttäuschend, dass es die Jugend von heute nicht zu schätzen wusste.
Clarice hingegen mochte es so gar nicht, dass sie von ihrer Oma angemeckert wurde. Sie war doch nicht unfreundlich gewesen und es ist doch klar, dass sie ihrer Großmutter einen guten Morgen wünschte. Warum musste man das auch noch extra sagen.
"Ich mach heute Cupcakes", lenkte Ricki schließlich ab und ließ das Thema einfach unter den Tisch fallen und schnappte sich vom Haken auch schon die berüschte Schürze, die sie sich schnell umband. Ihre Kleidung musste ja jetzt nicht unbedingt schmutzig werden.
Dann begann sie auch schon die Zutaten rauszuräumen, die sie dafür extra gekauft hatte und ging im Geist noch einmal alles durch. Unzufrieden verzog sie das Gesicht. Sie bildete sich ein, da fehlte irgendwas. Also nahm sie schließlich ihr Smartphone zur Hand und rief sich die Rezeptseite auf, auf denen sie die Cupcakes gefunden hatte. Konzentriert studierte die Zutatenliste. Dann bekam sie eine Nachricht und die sie auch sofort beantwortete.
Hildegard beobachtete das einen Moment, was ihre Enkelin jetzt trieb, während sie langsam die Pilze aus ihrem Korb sortierte, um eine Bestandsaufnahme zu machen. "Du möchtest Kuchen backen?"
"Na, ich mache Cupcakes", korrigierte Clarice ohne vom Handy aufzukucken.
Hildegard sah sie verständnislos an. "Sieh mich bitte an, wenn du mit mir redest." Als das junge Mädchen aufsah, fragte sie erneut: "Du willst einen bestimmten Kuchen backen?"
Clarice seufzte. "Kennst du keine Cupcakes? Das ist kein Kuchen. Hier ich zeigs dir!" Daraufhin kam Ricki mit ihrem Handy zur ihrer Oma und zeigt ihr ein Bild von einem Cupcake.
"Du backst kleine Törtchen."
"Also eigentlich sind das Cupcakes. Das ist kein Kuchen und keine Torte. Das ist auch kein Muffin. Es sind eben Cupcakes", beharrte Clarice. Dann seufzte sie. "Aber wie es aussieht, habe ich eine Zutat vergessen."
Hildegard ließ es auf sich beruhen. Dann waren das eben Cupcakes, auch wenn es aussah wie ein Törtchen. "Was brauchst du denn noch?" Für einen Kuchen oder ein Törtchen standen alle Zutaten schon beisammen.
"Ich habe die Glasur vergessen. Da gibt es doch ganz eigene Packungen, die muss man nur zusammenrühren. Voll easy. Aber ich hab gestern nicht daran gedacht." Und ohne Glasur konnte sie einige nicht dekorieren. Und das war einfach bescheuert. Aber sie konnte jetzt auch nicht mehr einkaufen fahren. Dann war ihr ganzer Zeitplan hinüber.
"In unserer Zeit gab es so etwas noch nicht. Wir haben die Tortenglasuren selbst hergestellt", meinte Hildegard schließlich und war wieder dazu übergangen die Pilze weiter aus ihrem Körbchen zu räumen.
Auf die Meldung hin sah Ricki ihre Großmutter prüfend an, während sich ihre Gedankenräder in Bewegung setzten. Das war... vielleicht gar nicht so blöd. Ihre Oma hatte doch eh den ganzen Tag Zeit. "Du Omi...", setzte sie schließlich an und lächelte süß. "Du magst mir nicht zufälligerweise zeigen, wie das geht?"
Hildegard sah zu ihrer Enkelin und erwiderte schließlich das Lächeln leicht. "Gerne. Aber zuerst gibt es Frühstück." Und dann musste sie auch bald mit dem Mittagessen beginnen.
"Du bist die Beste", schenkte Clarice der alten Dame eine Umarmung und begann dann vergnügt die Cupcakes vorzubereiten. Die Glasur kam sowieso erst ganz zum Schluss. Das würden die allerbesten Cupcakes werden, die sie jemals gemacht hatte!
Challenge: Der Herbst ist da! vom 9.10.2012 (mit diesem Bild).
Zusätzliche Schreibaufgabe von
Titel: Ein Pot voll Cupcakes
Fandom: Original
Charaktere: Hildegard, Clarice-Kiara
Wörter: 1500
Warnings: Generationenkonflikt | unbetaed, unkorrigiert
Kommentar: Ich habe mir nach der diesjährigen Sommerchallenge ein neues Ziel gesteckt. Ich finde es wahnsinnig schade, dass sich in den letzten Jahren die Beteiligung außerhalb der Sommerchallenge so reduziert hat. Dabei finde ich es immer wieder total krass, wie liberal hier die Regeln sind.
Und es gibt so unendlich viele Challenges!
Aus diesem Grund habe ich damit angefangen, einfach mal Motivationspropaganda zu machen und versuche da etwas Leben reinzubringen! Das manifestiert sich in dem Versuch, folgende Aktion durchzusetzen, bei der jeder für sich mitmachen kann, wie er möchte: Pro Beitrag gibts einen Punkt und bei fünf Punkten darf man sich eine Geschichte wünschen. (Weil manchmal braucht man einfach etwas mehr Motivation.)
Ein Pot voll Cupcakes
Leise raschelten die Blätter im Wind. Es war früh morgens und die Sonne hatte es noch nicht über den Horizont geschafft. Vom Boden stieg weißer, feuchter Nebel auf und das schummrige Dämmerlicht machte es schwer, viel zu erkennen. Trotzdem hatte sich Hildegard auf den Weg in den Wald gemacht, der unweit von ihrem Haus begann. Er lag auf einem steilen Hügel und war auf ihre alten Tage nicht mehr ganz so leicht zu erreichen. Aber der Herbst war angebrochen. Der Boden war feucht und es war noch nicht zu kalt. Das Gras war noch grün und ihre jahrelange Erfahrung ließ sie mit Sicherheit sagen, dass heute ein sehr guter Tag war, Pilze sammeln zu gehen.
Das tat man am besten in den frühen Morgenstunden, wenn die Welt noch in einer gruseligen Ruhe lag. Wo viele einfach noch schliefen, eingewickelt in die warmen Decken. Sie hatten unlängst anfangen müssen zu heizen, weil es in der Nacht einfach unsagbar kalt geworden war.
Sie spürte diese Temperaturschwankungen ebenfalls. Ihre müden alten Knochen vertrugen das harsche Klima immer weniger. Man sollte halt einfach nicht alt werden.
Schnaufend bildete sich vor Hildes Mund immer wieder ein weißes Dunstwölkchen, während sie Schritt für Schritt den kleinen Berg hinaufstieg. Es wurde nur langsam heller, aber sie kam ja auch nur langsam voran. Sie war über achzig Jahre alt. Da musste sie es nun wirklich nicht mehr eilig haben. Sie würde auch so noch genügend Pilze finden, denn sie hatte schon festgestellt: Außer ihr gab es in der Umgebung kaum noch Menschen, die sich das antaten. Pilzesuchen war so "out of fashion", würde ihre Enkelin sicher sagen. Aber das Pilzragout liebte sie trotzdem. Oder wenn es mal wieder geröstete Eierschwammerln gab.
In den Supermärkten war das alles sündhaft teuer und Hildegard verstand einfach nicht, warum man diese Zutaten kaufen musste, wenn man einen Wald hatte, in dem sie haufenweise wuchsen. Hier gab es die gängigsten Speisepilze und so frisch gesammelt war das doch wesentlich besser, als die Supermarktware.
Aber das war halt ihre Meinung. Und was wussten schon alte Leute vom Leben?
Bewaffnet mit ihrem kleinen Körbchen hatte sie nun endlich den Wald erreicht und begann sich gleich ein wenig umzusehen. Das grüne Grad roch feucht und frisch und zwischen den bunten Blättern, die sich bereits am Boden gesammelt hatten, sah sie tatsächlich Pilze sprießen. Die Witterung die letzten Tage war auch wirklich äußerst begünstigend gewesen.
Clarice-Kiara schaltete grummelnd ihren Wecker aus. Es war noch viel zu früh und es waren Ferien. Aber sie hatte viel vor. Sie wollte heute backen. Sie war am Vortag sogar extra zum Einkaufen mitgefahren, obwohl das so verdammt langweilig war. Außerdem bekam sie ja doch selten etwas besonderes gekauft. Sie hätte ihrer Mutter auch einfach sagen können, was sie brauchte, aber sie vertraute nicht darauf, dass dann das richtige dabei war. Wahrscheinlich würde dann irgendwas im Wagen landen, nur weil es GÜNSTIG war. Aber sie brauchte ganz bestimmte Dinge.
Beim Einkaufen hatte es darüber auch heftige Diskussionen gegeben. Ihre Mutter verstand einfach nicht die WICHTIGKEIT von richtige Produkten. Es hatte einen Grund, warum das Zeug so teuer war. Marken entstanden ja nicht zum Spaß und man musste eben da auf die Qualität und nicht den Preis achten.
Immer noch ärgerte sie sich darüber, dass die ältere Generation da überhaupt keine Einsicht zeigte. Ja, sie war erst sechzehn, aber das hieß doch nicht, dass sie keine Ahnung hatte! Die Welt hatte sich verändert, alte Ansichten galten heute einfach nicht mehr. Man musste sich anpassen und konnte nicht immer nach altmodischen, ausgedienten Regeln handeln. Ihre Eltern mussten das wirklich noch lernen!
Energisch schrubbte sie sich die Zähne und wusch sich dann noch einmal das Gesicht, bevor sie sich anzog und anschließend dezent schminkte. Sie brauchte etwas, bis sie sich für eine modische Frisur entschieden hatte, die perfekt zu ihrem Outfit und ihrem Vorhaben passte. Das musste alles mit Stil passieren, sonst war das nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Performance war einfach wichtig! Wer wusste schon, was passieren würde und deshalb musste man einfach immer gut aussehen.
Erst als sie also mit sich rundum zufrieden war, lief sie eilig die Treppe hinunter. In der Küche stieß sie dann beinahe mit ihre Großmutter zusammen. "Woah. Oma!", warnte Ricki und hatte gerade noch bremsen können. "Immer stehst du im Weg."
Hildegard stellte ihren Korb voller Pilze auf den Tisch und sah zu ihrer Enkelin. "Guten Morgen, Clara", sagte sie betont. Ihre faltigen Wangen waren gerötet und sie hatte sich auch noch nicht aus ihrer warmen Jacke geschält. Draußen war es wirklich kalt und sie war nun mehrere Stunden unterwegs gewesen. Sie war ein bisschen müde, aber jetzt hieß es erst einmal Frühstück zu machen.
"Ach Oma. Ich heiße Clarice, nicht Clara. Du kannst mich auch Ricki nennen oder Kira, wenn dir das leichter fällt." Clarice schenkte ihr ein versöhnliches Lächeln, das Hildegard nicht unbedingt half.
Sie fragte sich, wie ihre Tochter nur auf so einen seltsamen Namen gekommen war und warum sich das Mädchen für diesen Namen nicht in Grund und Boden schämte. Aber das war ja nicht ihre Sache. Viel bedenklicher fand sie die fehlende Höflichkeit. Hätte sie seinerzeit so mit ihrer Mutter gesprochen, sie hätte schon drei Ohrfeigen bekommen. Wie sich die Zeiten doch geändert hatten.
"Wenn man einen Raum betritt, grüßt man, junge Dame", merkte Hildegard schließlich an und knöpfte sich nun doch mit ihren schon recht zittrigen Händen die Jacke auf. Sie war zwar ein noch recht gesunder Mensch, aber das Alter und die schwere Arbeit, die sie in jungen Jahren lange hatte tun müssen, zeigten heute ihre kleinen Auswirkungen. Das Leben hatte es ihr nicht immer leicht gemacht und oft und gerne wünschte sie sich etwas mehr Verständnis dafür.
Schließlich war es unter anderem ihrer Generation zu verdanken, dass es ihrer Gesellschaft nun so gut ging. Es war enttäuschend, dass es die Jugend von heute nicht zu schätzen wusste.
Clarice hingegen mochte es so gar nicht, dass sie von ihrer Oma angemeckert wurde. Sie war doch nicht unfreundlich gewesen und es ist doch klar, dass sie ihrer Großmutter einen guten Morgen wünschte. Warum musste man das auch noch extra sagen.
"Ich mach heute Cupcakes", lenkte Ricki schließlich ab und ließ das Thema einfach unter den Tisch fallen und schnappte sich vom Haken auch schon die berüschte Schürze, die sie sich schnell umband. Ihre Kleidung musste ja jetzt nicht unbedingt schmutzig werden.
Dann begann sie auch schon die Zutaten rauszuräumen, die sie dafür extra gekauft hatte und ging im Geist noch einmal alles durch. Unzufrieden verzog sie das Gesicht. Sie bildete sich ein, da fehlte irgendwas. Also nahm sie schließlich ihr Smartphone zur Hand und rief sich die Rezeptseite auf, auf denen sie die Cupcakes gefunden hatte. Konzentriert studierte die Zutatenliste. Dann bekam sie eine Nachricht und die sie auch sofort beantwortete.
Hildegard beobachtete das einen Moment, was ihre Enkelin jetzt trieb, während sie langsam die Pilze aus ihrem Korb sortierte, um eine Bestandsaufnahme zu machen. "Du möchtest Kuchen backen?"
"Na, ich mache Cupcakes", korrigierte Clarice ohne vom Handy aufzukucken.
Hildegard sah sie verständnislos an. "Sieh mich bitte an, wenn du mit mir redest." Als das junge Mädchen aufsah, fragte sie erneut: "Du willst einen bestimmten Kuchen backen?"
Clarice seufzte. "Kennst du keine Cupcakes? Das ist kein Kuchen. Hier ich zeigs dir!" Daraufhin kam Ricki mit ihrem Handy zur ihrer Oma und zeigt ihr ein Bild von einem Cupcake.
"Du backst kleine Törtchen."
"Also eigentlich sind das Cupcakes. Das ist kein Kuchen und keine Torte. Das ist auch kein Muffin. Es sind eben Cupcakes", beharrte Clarice. Dann seufzte sie. "Aber wie es aussieht, habe ich eine Zutat vergessen."
Hildegard ließ es auf sich beruhen. Dann waren das eben Cupcakes, auch wenn es aussah wie ein Törtchen. "Was brauchst du denn noch?" Für einen Kuchen oder ein Törtchen standen alle Zutaten schon beisammen.
"Ich habe die Glasur vergessen. Da gibt es doch ganz eigene Packungen, die muss man nur zusammenrühren. Voll easy. Aber ich hab gestern nicht daran gedacht." Und ohne Glasur konnte sie einige nicht dekorieren. Und das war einfach bescheuert. Aber sie konnte jetzt auch nicht mehr einkaufen fahren. Dann war ihr ganzer Zeitplan hinüber.
"In unserer Zeit gab es so etwas noch nicht. Wir haben die Tortenglasuren selbst hergestellt", meinte Hildegard schließlich und war wieder dazu übergangen die Pilze weiter aus ihrem Körbchen zu räumen.
Auf die Meldung hin sah Ricki ihre Großmutter prüfend an, während sich ihre Gedankenräder in Bewegung setzten. Das war... vielleicht gar nicht so blöd. Ihre Oma hatte doch eh den ganzen Tag Zeit. "Du Omi...", setzte sie schließlich an und lächelte süß. "Du magst mir nicht zufälligerweise zeigen, wie das geht?"
Hildegard sah zu ihrer Enkelin und erwiderte schließlich das Lächeln leicht. "Gerne. Aber zuerst gibt es Frühstück." Und dann musste sie auch bald mit dem Mittagessen beginnen.
"Du bist die Beste", schenkte Clarice der alten Dame eine Umarmung und begann dann vergnügt die Cupcakes vorzubereiten. Die Glasur kam sowieso erst ganz zum Schluss. Das würden die allerbesten Cupcakes werden, die sie jemals gemacht hatte!
no subject
Date: 2013-10-06 05:23 pm (UTC)und bei fünf Punkten darf man sich eine Geschichte wünschen
Wer bei wem?
no subject
Date: 2013-10-06 06:55 pm (UTC)Das gibt mir auch Ansporn, mehr zu schreiben.
Aber generell dürfen sich natürlich auch eigene Gruppen bilden, die das Konzept übernehmen wollen. Das ist ja alles nix offizielles, sondern nur ein zusätzlicher Anreiz, nicht bis zur nächsten Sommerchallenge einzuschlafen XD
no subject
Date: 2013-10-10 11:43 am (UTC)Oh Gott, der Anfang ist so Herbst! Schöner Generationenkonflikt und schön, wie der eindeutig bei beiden nur auf "in meiner Welt funktioniert es so" beruht. Und, yay, mit gebackenen Süßwaren kann man schließlich alles lösen! <3
Dankeschön!
no subject
Date: 2013-10-10 06:40 pm (UTC)Ich hoffe, du hast deine beiden X-Chromosomen wirklich genossen ^^