[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Fandom: Robin Hood AU
Challenge: Personen: Held wider Willen (für mich)
Pairing/Personen: Guy of Gisborne/Allan A Dale, Robin Hood, Djaq, Marian, der Sheriff von Nottingham
Wörter: ~ 1.500
Warnung: Blut und Gewalt
Anmerkung: Zum Ende der Sommer-Challenge hin hört die Geschichte zwar nicht auf, aber für den Abschluss wollte ich dann doch so eine Art abschließende Erzählung zu den beiden. The story never ends <3 Wie immer starke innere Perspektive, man bekommt leider nicht so viel von außen mit.


Das Messer in seinem Bauch hat nicht zum Plan gehört.
Lächerlich.
Das ist tatsächlich das erste Wort, welches Guy denkt, als er langsam an sich hinunterschaut und fasziniert betrachtet, wie sein blütenweißes Hemd sich rund um den schwarzen Griff des Butterfly-Messers langsam tiefrot verfärbt.

Irgendwo schreit eine Frau theatralisch auf. Warum denn nur, fragt er sich, er wurde doch gerade erstochen. Nicht sie. Er blinzelt mehrere Male und schaut wieder auf. Um ihn herum ist die Gesellschaft des piekfeinen Galaabends in Schweigen und entsetztes Kreischen verfallen. Da stehen sie alle, die Geblendeten und Geprellten; Typen und Weiber, die mit Vaisey und John Prince unter einer Decke stecken, oder die von nichts wissen. Oder die vorgeben, von nichts zu wissen. Hood, der bis eben dort vorne noch seine Rede schwang, steht der Mund offen. Er sieht ehrlich betroffen aus.

Ein wasserdichter Plan. Marian und er, Guy, gehen als Teilnehmer zu diesem Galaabend. Little John spielt Security. Djaq und Will schleusen sich als Cateringhelfer ein. Allan kellnert. Die Veranstaltung entern, all die Pläne und Briefe und E-Mails zwischen Vaisey und Prince und Winchester und wie sie alle heißen, mit dem Beamer an die Wand werfen. Den ganzen Betrug aufdecken. Nottingham und seine Bewohner retten. Glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben.

Von wegen wasserdichter Plan. Nirgends war die Rede von Messern.

„Es ist vorbei“, schreit Hood entsetzt auf und vor ihm verschränkt Vaisey Sheriff mit zorngebleckten Zähnen die Arme und grinst.
„Das war es wert“, knurrt er und nickt dem Schrank von Mann, dem Besitzer des Messers und der gegen den selbst Guy klein wird, anerkennend zu.

Guy spürt, wie seine Beine langsam nachgeben. Er stürzt zur Seite und spürt, dass Marian neben ihm ist, geistesgegenwärtig nach ihm fasst und versucht, ihn zu stützen.
„Das war es wert?“, ereifert sich Robin.
„Einen Unschuldigen ermorden? Deinen ehemaligen Untergebenen?“
Sheriff zuckt mit den Achseln und schaut betrübt;
„Es war Notwehr. Er hat mich bedroht.“

„Djaq!“, ruft Marian John zu, der bärtig und ratlos vor ihnen steht und aussieht, als würde er seine eigenen Kiefer zermalmen.
„Hol Djaq! Kann hier nicht endlich jemand einen Krankenwagen rufen?!“
Sie hilft Guy, sich auf den kalten Fußboden zu setzen und Guy muss fast lachen, als er sich bei dem Gedanken erwischt, dass es das letzte Mal sein könnte, dass er sich irgendwo hinsetzt.

Plötzlich ist Allan an seiner anderen Seite.
Eigentlich, denkt Guy, könnte es alles nicht besser sein. Sie haben ihr Ziel erreicht. Sheriff und Prince sind enttarnt. Alle machen sich Sorgen. Da sind Marian und Allan. Da ist Allan. Man könnte eigentlich zufrieden sein.

Als er das nächste Mal blinzelt, ist ihm kalt. Plötzlich liegt er auf dem Rücken und um ihn herum herrscht ziemlicher Tumult. Aus der Ferne erklingen Sirenen, Gäste in wallenden Abendkleidern und Designer-Anzügen taumeln um ihn herum. Irgendwo verprügelt Little John den Security-Menschen mit dem Messer. Much brüllt Vaisey an. Guy friert. Marian streicht ihm zärtlich einzelne Haarsträhnen aus der Stirn. Allan drückt irgendwas auf ihn und er tut ihm damit sehr weh.

Aber Schmerz ist gut. Schmerz zeigt, dass er noch am Leben ist.

„Ich schwör dir, wenn du jetzt abkratzt-“
Allans Stimme klingt heiser und spröde. Er beißt sich auf die Unterlippe und Guy sieht erst jetzt, dass Allan die Ärmel seines weißen Hemdes hochgekrempelt hat, dass es aber nichts geholfen hat. Der Mann sieht aus wie ein Metzger nach der Arbeit.

„Das wäre sehr klischeehaft“, murmelt Djaq neben ihm und lächelt aufmunternd.

„Guy ist ein wandelndes Klischee!“, erwidert Allan und er versucht zu lachen, aber was hinauskommt, ist tatsächlich ein Schluchzen.

Guy liegt da und blinzelt in die Gesichter dieser Menschen, von denen er dachte, dass sie ihn eigentlich nicht leiden können. Aber selbst Hood ist dabei, selbst Much, Himmel, sogar Kate stehen da und sehen aus, als wären sie sehr...traurig.

Das Leben, denkt er, hat niemals gutes Timing. Er erinnert sich an die Zeit der Trennung, diese farblosen Monate und daran, dass es ihm in der Zeit überhaupt nichts ausgemacht hätte, wenn ihm jemand ein Messer in die Eingeweide gejagt hätte. Aber nun, da es soweit ist, knallen die Farben und Lichter Flecken in sein Gesichtsfeld und er will nicht gehen.

Er will nicht gehen.

„Djaq“, murmelt er.
„Was meinst du? Ist es angebracht, euch Lebewohl zu sagen?“

Oh Gott, er will nicht gehen.

Er spürt die Hände auf seinem Bauch zittern wie Espenlaub. Tränen laufen Allan die Wangen hinunter, in den Bart hinein, und Guy findet plötzlich den Kontrast zwischen den geröteten Augen und der blauen Iris darin wunderschön. Allan schüttelt heftig den Kopf. Djaq beißt sich auf die Unterlippe.

„Der Notarzt ist gleich da“, sagt Djaq stattdessen und lächelt steif. Weil Djaq versucht, sich nie negativ auszudrücken. Was ihr Gesichtsausdruck sagt, ist: Ich bin nicht sicher. Vielleicht. Und: Es tut mir leid.

Guy lässt den Kopf auf den Boden sinken. Der Marmor unter ihm ist kühl. Allans zitternde Finger versuchen, das Leben wieder in ihn hineinzudrücken.
Ich bin der Held, denkt Guy und lacht spöttisch in sich hinein. Der Held wächst über sich hinaus, er nimmt Risiken auf sich, zu denen er früher nie bereit gewesen wäre. Der Held rettet seine Welt.

Der Held stirbt immer zum Schluss.

„Ich will kein Held sein“, murmelt er seufzend und plötzlich fühlt es sich an, als würde er die Luft, die er dabei ausatmet, nicht mehr einatmen können.

„Was redet er da?“, hört er Robin sagen.
„Ist er etwa schon im Delirium?“

„Allan“, murmelt Guy. In seinem Mund schmeckt es nach Blut.

Oh Gott, er will nicht gehen.
„Allan!“

Scheiß drauf. Wenn er schon sterben muss, will er diese hässlichen drei Worte wenigstens dieses eine Mal sagen. Nur für den Fall, dass Allan, dieser Idiot, es bislang nicht gemerkt hat.
Weil Helden so etwas tun. Auf dem Totenbett, blutspuckend.

Aber da ist keine Luft mehr zum Atmen.
Allan ist da – sein gequälter Gesichtsausdruck ist verzerrt – und er streicht mit einer blutverschmierten Hand über Guys Wange. Es fühlt sich taub an.

Guy öffnet die Lippen und setzt zum Sprechen an.
Dann wird es hell und laut und orangefarben.

Und er fällt.


~

Das erste, was er spürt, ist die Atemmaske auf seiner Nase und über seinem Mund.
Die Luft ist stickig und warm, viel zu warm. Aber er spürte, dass er atmet.

Er spürt, dass er noch da ist.
Es ist der Schmerz, welcher ihn davon überzeugt.

~

Er hätte sich gewünscht, dass das erste Gesicht eines bekannten Menschen, welches er nach seinem Fall sieht, nicht zu Robin Hood gehört.

Vermutlich aber kann man nicht alles haben.

Hood lehnt am Türrahmen und hackt irgendetwas in sein schmuddeliges Smartphone hinein.

„Hab ihm Bescheid gesagt“, nuschelt er und grinst unbeholfen.

„Gisborne, du alter melodramatischer Scheißer!“

Er vergräbt die Hände den Taschen seines dunkelgrauen Hoodies und schüttelt den Kopf. Aber sein Blick ist weich.

„Du hast einigen einen Wahnsinnsschrecken eingejagt.“

Dann hämmern Schritte im Gang, werden lauter und dröhnen. Guy ist so froh, dass er überhaupt noch hören kann, dass er sehen kann, wie Allan wie ein Derwisch durch die Tür fegt und von Hood zurückgehalten werden muss.

~

Dies ist nicht das Ende, soviel ist sicher.

Als er endlich wieder allein atmen darf – frische, kühle Luft atmen darf – weiß Guy, dass es nur ein Übergang zu einer anderen Lebensgeschichte ist. Statt Spionagethriller nun Soap Opera, das nur allzu menschliche Wer-mit-wem. Er möchte es verspotten, aber im Moment gefällt ihm der Gedanke. Mit Allan auf der Couch lümmeln, ihm beim Gitarrespielen zuhören und sich beim Mariokart von ihm von der Regenbogenpiste drängen lassen. Dieses ganze Gedöns.

Vaisey und Konsorten sind hinter Gittern. Ein versuchter Mord obendrauf auf Geldwäsche, veruntreute Einnahmen, illegale Absprachen. Ein hübscher Gulasch an ekelhafter L'état c'est moi-Attitüde. Prince und er.

Er setzt sich etwas aufrechter hin und lässt sich von Allan ein Kissen hinter den Rücken stopfen. Die Wunde tut immer noch weh.

Allan klimpert auf seiner Gitarre herum und ab und zu schaut eine neugierige Schwester oder ein Patient vom Gang aus herein.

„Ich weiß genau, was du sagen wolltest“, sagt Allan wie beiläufig und stimmt eine Saite nach.
„Neulich, als du abgetreten bist.“

„Achja?“

Guy versucht, aus dem Fenster zu sehen.

„Woher?“

Allan zuckt mit den Schultern, aber er sagt nichts und zupft gedankenverloren Akkorde.

Es sind diese drei verdammten Worte. Wie ein Fluch, den Guy in seiner vermeintlichen Todesminute beschworen hat und die nun zwischen ihnen schweben wie die Atome eines viel zu schweren Gases. Das ist das Ende. Das ist der Anfang.

Und dann spielt Allan die Melodie von dieser einer Ballade, die einzige, mit der er Guys Penthouse je beschallt hat, dafür umso öfter.

Er kann die Worte des Sängers hören.

Love me wherever you are.

Und es ist das Klügste und Raffinierteste, was Alla A Dale je getan hat.

Er schaut auf und grinst.

Ja. Genau das.

Guy greift nach ihm und küsst ihn tief.

Date: 2013-09-30 10:16 pm (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
AAAAwwww!
Ich find die beiden schnuffig - genauso wie die ganze AU!
Vielleicht - ganz vielleicht vergreifst du dich weiterhin an ihnen ^^
Es war eine wundervolle Geschichte.

Date: 2013-09-30 10:34 pm (UTC)
From: [identity profile] akira-san13.livejournal.com
aaaaaw! *-*
DAS is mal ein Showdown! *mein armes Herz*
armer Guy! Aber *-*
sry, mindblown... 1:

Date: 2013-10-02 06:59 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
*seufz*

The story never ends <3
Zum Glück :)

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios