[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Nutellasalat
Challenge: Situationen – Rachefeldzug – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Zerschlagen
Inhalt: Billy liegt im Krankenhaus und Lee sinnt auf Rache an denjenigen, die seinen Ziehsohn dort hingebracht haben.
Warnung: Blut und Gewalt und Lee kommt sehr psycho rüber
Anmerkung: für[livejournal.com profile] rei17, weil sie Recht hat und ich ihr hunderttausend Wörter comfort schulde.


Zerschlagen

Als man sie endlich zu dem Jungen ließ, sah Barney aus, als gehöre er ebenfalls ins Bett und an den Tropf. Er war bleich, unkonzentriert und fahrig. Den Kaffee, den Lee ihm gebracht hatte, ließ er unberührt erkalten und trotzdem zitterten seine Hände, als er das Formular für die Krankenversicherung ausfüllen musste.
Lee schnaubte und klaubte ihm den Stift aus den Händen. „Soll ich mal um Ruhe bitten, damit du deinen Namen buchstabieren kannst?“, fragte er, doch nicht mal das brachte Barney zum Lächeln. Vielleicht sollte er Lacy nach ein paar Beruhigungspillen fragen, er hatte immerhin keine Lust, diesen riesigen Idioten auch noch auf ein Bett zu hieven, das mit Sicherheit unter ihm zusammenbrechen würde. Doch bevor er darüber nachdenken konnte, wie er Barney ein paar Tabletten unterjubeln sollte, wurden sie ausgerufen.
Der Junge war von Kopf bis Fuß verbunden und das gelbe Licht der Nachttischlampe ließ ihn aussehen wie eine Mumie. Sein Gesicht war jedoch weiß wie der Tod, doch da die Hälfte seines Blutes wahrscheinlich auf Barneys Hemd geklebt hatte, war das nicht weiter verwunderlich. Lacy, die sie hereingeführt hatte, überprüfte den Schlauch, der zu Billys Nase führte und nickte dann ein paar Mal.
Barney sank wie ein Bleigewicht auf den einzigen Stuhl neben dem Bett.
„Wie schlimm ist es?“, fragte Lee.
„Ziemlich übel“, sagte Lacy und Barney keuchte. „Er hat überall Quetschungen und Prellungen, sein Handgelenk und das Schlüsselbein sind gebrochen, sowie ein paar Finger und zwei Rippen. Die Schnittwunde an der Stirn erforderte Stiche, die Nase war zertrümmert und er wird einige Wochen nicht laufen können.“
Das war in der Tat ziemlich übel, schoss es Lee durch den Kopf. Und es würde sehr lange dauern. Aber es war vielleicht ganz gut, wenn der Kleine eine Zeitlang von der Straße weg war.
Der Plan, der Lee vorschwebte, erforderte freie Bahn.
Und Feuerzeugbenzin.
„Würdet ihr mir jetzt endlich sagen, was passiert ist?“
Lacy riss ihn aus seinen Gedanken.
„Er wurde verprügelt“, antwortete Barney. „Soweit wir wissen.“
„Habt ihr die Polizei benachrichtigt?“
Barney schüttelte den Kopf und Lee fühlte sich bemüßigt, ihm die Hand auf die Schulter zu legen.
„Wird nicht nötig sein“, sagte er leise. Barney verkrampfte sich.
„Was hast du vor?“
„Was meinst du, was ich vorhabe? Dass ich rausgehe, die Typen suche und sie in kleine Fetzen schneide? Wir haben wichtigere Probleme. “
Das war exakt das, was er vorhatte und wenn Barney nicht so völlig mit den Nerven am Ende gewesen wäre, hätte er Lees Scharade auf der Stelle durchschaut.
Doch so seufzte er bloß augenverdrehend und strich zaghaft über die Bettdecke.
Besser für ihn.
Einzig Lacy warf ihm einen misstrauischen Blick zu, aber Lee lächelte sein breitestes Gewinnerlächeln und dann half ihm der Junge aus der Patsche.
Er erwachte mit einem langgezogenen, halblauten Stöhnen, komplett mit flatternden Lidern und hochgerissenen Händen.
„B-brny…?“
Natürlich war Barney sofort an seiner Seite, flüsternd, streichelnd, tröstend.
„Ist gut, Junge, Billy, ich bin da, alles gut. Du bist sicher, bleib ruhig, es wird alles gut…“
Lee hätte sich am liebsten ebenfalls auf den Jungen geworfen, doch er sammelte alles, was er an Kraft hatte, und blieb stehen, wo er war.
Das hier, das war Barneys Ding.
Sein Ding, war, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passierte.
Trotzdem trat er einen Schritt näher und schaute auf den zerschlagenen, völlig verzweifelten Jungen hinab, der sich an Barneys Hand festklammerte, als sei sie eine Lebenslinie. Als er Lees Blick auffing, grinste er erleichtert, was sein lädiertes Gesicht noch weiter in Mitleidenschaft zog.
„Du hättest gehen sollen, Kleiner“, murmelte Lee und wow, das klang sogar in seinen eigenen Ohren herzlos. Er überlegte, wie er das wieder gutmachen sollte, doch es war bereits zu spät.
Billy fror fest, richtete seine blutunterlaufenen Augen auf Lee – und brach in Tränen aus.
„E-es tut mir s-so L-leid…“ würgte er hervor, hustend und spuckend, weil er keine Luft durch seine fest verbundene Nase bekam. „Dad… Lee… bitte… ich hab’s nicht geschafft…ich habs versucht…“ Er wand sich hin und her, krümmte sich und keuchte, bis Barney ihn mit Gewalt zurück in die Kissen drücken musste.
Lacy murmelte etwas von „wahrscheinlich noch unter Schock“ und „Christmas, ich reiß dir den Arsch auf, wenn du das nochmal machst“ und drehte ein Ventil an dem Tropf auf, bis Billy tatsächlich aufhörte, zu zucken und nur noch stumm vor sich hin weinte, während Lacy die Kanülen in seinem Arm überprüfte.
Barney streichelte ihm sanft über den Rücken und warf Lee über die Schulter hinweg einen beinah enttäuschten Blick zu.
„Ich hab bisher gedacht, dass dein großes Maul nur dich eines Tages ins Grab bringt, doch jetzt scheint es, dass du ihn gleich mitreißt“, murmelte er ihm aus dem Mundwinkel zu.
Lee biss die Zähne aufeinander. Er war vollkommen nutzlos und beschissen in solchen Situationen, hatte er ja gewusst. Doch dass der den Jungen zum Heulen brachte, nur weil er ihm sagte, dass er sich nicht wegen eines gottverdammten Motorrads mit ein paar Idioten anlegen sollte…
„Ich gehe“, knurrte er, doch Barney verdrehte die Augen.
„Lee, verdammt noch mal!“, sagte er lauter als beabsichtigt und Lacy, die sich immer noch an Billys Armen zu schaffen machte, zischte wütend. Hastig senkte er die Stimme. „Ich weiß, dass du das nicht so gemeint hast, aber der Junge ist gerade ein bisschen langsam, also benutz einmal in deinem Leben dein Gehirn und mach ihm das nicht noch schwerer. Bitte.“
Barney sagte ‚Bitte‘, was ein sicheres Anzeichen dafür war, dass er es wirklich vergeigt hatte. Er stopfte die Fäuste in die Hosentasche. „Hab ich etwa gesagt, dass ich nicht wieder komme?“, knurrte er. „Ich muss im Hafen anrufen, ich werde in einer halben Stunde erwartet. Mach dir nicht ins Hemd, Ross. Ich bin gleich wieder da, um Händchen zu halten.“
Barney öffnete den Mund, doch er sagte nichts und schüttelte nur den Kopf. „Beeil dich. Wird Zeit, dass er dir das Hemd vollsabbert.“
Lee brachte ein halbherziges Grinsen zustande, dann verließ er das Krankenzimmer mit hastigen Schritten und suchte sich eine ruhige Ecke in einem der Seitengänge. Es war kaum beleuchtet, doch draußen kündigte sich bereits der Sonnenaufgang an. Herrgott, wie lang hatten sie hier gesessen?
Als Lee sein Handy hervorkramte, hatte er den Hafen bereits aus seinen Gedanken verbannt. Stattdessen tippte er Tools Nummer ein und als sich nur die Mailbox meldete, hinterließ er folgende Nachricht:
„Hey Tool. Tut mir Leid wegen des aufgebrochenen Schlosses in deinem kleinen Scheißladen. Ich werde es ersetzen, wenn ich Lust dazu habe. Außerdem habe ich all die Tapes deiner Überwachungskameras mitgenommen, ich muss nämlich wissen, wer meinem Sohn auf die Fresse gehauen hat – in deinem Hinterhof, lieber Tool – und sie aufspüren und zur Strecke bringen. Das schwöre ich.“
Damit klappte er das Handy zu und verließ mit langen Schritten das Krankenhaus.
Es würde eine lange Nacht werden.

Date: 2013-10-10 12:42 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Ah, Lee, du bist so herrlich wunderbar unfähig. Bezaubernd. ...Und, ja, psychotisch, aber nicht wirklich mehr als im canon, also... Denke ich ne Runde darüber nach, was ich daran eigentlich so niedlich finde und was das über mich aussagt. ;)

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