[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Nutellasalat
Challenge: Kleidung – Halloween-Kostüm – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Ist das dein Ernst
Inhalt: modern!family-AU. Billy ist etwa sieben Jahre alt und hat einen Lieblingsfilm, der seine Ersatzdaddies kirre macht. Und dann ist auch noch Halloween…
Anmerkung: Ich habe den Trailer für Expendables 2 angeschaut und Youtube befand es für sinnvoll, mir dieses Video zu verlinken. Ich weise also jegliche Schuld von mir.



Ist das dein Ernst

Der Junge war komplett traumatisiert, soviel stand fest. Lees Hände waren immer noch dick verbunden wegen der Brandblasen, Barneys rechter Arm steckte in einem starren, schmutzig-weißen Gips und er hatte ständig Kopfschmerzen.
Die ersten paar Tage in Lees düsterer kleiner Wohnung verbrachten sie also damit, sich mit Schmerzmitteln vollzustopfen und abwechselnd nachts in Billys provisorisches Zimmer zu stürmen, um den Jungen aus seinen Alpträumen zu schütteln.
Wenn er wach war, die großen hellen Augen voll mit ungläubiger Leere, dann sprach er kein Wort, nickte nur ab und zu und streifte durch die Wohnung, als suche er nach Monstern im Schrank oder in den dunklen Spalten hinter den Türen.
Es wurde so schlimm, dass Barney überlegte, einen Ausflug ins Krankenhaus zu riskieren, obwohl das glatter Selbstmord gewesen wäre, wie ihm Lee in einer Lautstärke mitteilte, die seinen Schädel beinah zum Platzen brachte.
Doch bevor er sein Leben aufs Spiel setzen konnte, kam Billy eines späten Abends ins Wohnzimmer geschlichen, einen fadenscheinigen Teddybären im Arm.
Sie hatten bereits die Schlafcouch ausgeklappt, Barney las und Lee schaute sich die Wiederholung des letzten Baseballspiels an. Barney legte das Buch weg (es war eh grässlich, Lee hatte überhaupt keinen Geschmack) und bemühte sich, um ein freundliches Lächeln, auch wenn sein Gesicht immer noch aussah, als habe ihm jemand ein Bügeleisen reingeschlagen.
„Hey Kleiner. Kannst du nicht schlafen?“
Ein zögerliches Kopfschütteln.
„Na dann… komm her?“
Barney klopfte neben sich auf die dünne Matratze und rückte ein Stückchen näher an Lee heran. Der verdrehte die Augen, murmelte irgendetwas von „Hat ein ganzes Zimmer für sich allein und kriecht auf diesen halben Quadratmeter Couch“, doch er rutschte soweit es ging an den Rand und warf dem Jungen einen aufmunternden Blick zu. „Na, hüpf schon rein.“
Billy zögerte und zog nach einem tiefen Luftholen etwas hinter seinem Rücken hervor
„Hm? Was ist das?“, fragte Barney und Billy legte das Ding in seine ausgestreckte linke Hand.
Es war ein schwarzes Videoband mit einem gelben Sticker in der Mitte, auf dem eine kleine Maus mit blauem Zauberhut und roter Robe abgebildet war. Sie warf ein paar glitzernde Sternchen über den roten verschnörkelten Walt Disney Home Video-Schriftzug und darüber stand ARIELLE DIE KLEINE MEERJUNGFRAU in schwarzen Großbuchstaben.
Barney blinzelte verwirrt und sah Billy an, der am Ohr seines Teddybären herumzupfte.
„Wo hast du das her?“, fragte er sanft, doch Billy schüttelte nur den Kopf und gab keine Antwort. Hilflos wandte er sich an Lee, der genau so planlos schien wie Barney.
„Ist das von dir?“
„Na klar“, gab Lee knurrend zurück. „Solchen Kram hab ich immer neben meinen Porn – vergiss es. Von mir hat er es jedenfalls nicht.“
Es war ja im Endeffekt auch völlig egal, wo er die Kassette herhatte, dachte Barney, gab schließlich nur einen plausiblen Grund, warum er sie gerade jetzt herangeschleppt hatte.
„Möchtest du den Film mit uns gucken?“
So schnell hatte er noch nie jemanden nicken sehen, doch das war nichts im Vergleich zu der Geschwindigkeit, mit der Billy plötzlich auf die Couch krabbelte und es sich mehr auf als neben Barney gemütlich machte.
„Das wäre entschieden“, murmelte Barney, dann hielt er Lee das Video entgegen. „Kannst du sowas überhaupt abspielen?“
„Falls es dir nicht aufgefallen ist, ich lebe nicht im Mittelalter, du verdam… du… Blödmann!“, knurrte Lee, während er die dünne Sofadecke zurückschlug. Barney brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass er ziemlich genau im Mittelalter lebte, gerade weil er noch einen funktionierenden Videorekorder besaß.
Es dauerte eine Weile, bis Lee das Band eingelegt hatte, er konnte immerhin kaum etwas greifen, doch gerade als Barney selbst aufstehen wollte, flimmerte plötzlich ein körniges Schwarzweiß-Bild über den Fernseher.
„Na, wer sagt’s denn“, murmelte Lee und kroch zurück auf die Couch.
Es liefen ein paar Vorschauen für andere Filme, doch sie schenkten dem kaum Beachtung und nutzten die Zeit, um sich auf dem Sofa zu drapieren. Es war wirklich winzig (erst gestern früh war Barney aufgewacht, nur um festzustellen, dass Lee halb auf ihm lag und den Schlaf der Gerechten schlief) und mit zwei breitschultrigen Männern und einem kleinen Jungen wurde es regelrecht unmöglich, all die Beine und Arme unterzubringen. Doch pünktlich zu Beginn des Films lagen sie halbwegs gemütlich da.
„Worum geht’s eigentlich?“, fragte Lee leise, während der schwarze Hintergrund sich langsam in graue Wolken verwandelte.
„Keine Ahnung“, antwortete Barney. „Es heißt ‚Die kleine Meerjungfrau‘, also ist es wahrscheinlich ein Märchenfilm oder sowas.“
„Hm.“
Billy sagte nichts, sondern verfolgte mit aufmerksamem Blick die Geschehnisse auf dem Bildschirm. Es fing harmlos genug an, mit ein paar Möwen, die über ein graublaues Meer hinweg glitten, und Delphinen, die elegante Bögen durch die Wellen schlugen.
Danach kam ein großes Segelschiff in Sicht und obwohl Barney nicht viele Cartoons in seinem Leben gesehen hatte, merkte er, dass die Animation recht gut war. Vielleicht würde es ganz nett werd-
„Singen die etwa?!“

Sie sangen tatsächlich.
Sie sangen und sangen und sangen und immer wenn das junge Mädchen mit den roten Haaren ins Bild kam, stöhnte Lee auf, als habe er einen Schlag in den Magen erhalten.
„Ist das wirklich für Kinder?“, fragte er nach ein paar Minuten, als klar wurde, dass die Meerjungfrau wohl kaum mehr anziehen würde als ein Muschelbustier und Barney zuckte die Schultern.
Lee schüttelte fassungslos den Kopf und als die Tintenfischdame auftauchte, zuckten seine Hände, als wolle er Billy die Augen zuhalten. Doch er ließ es bleiben und Barney hätte schwören können, dass er ihn lachen hörte, als die Krabbe von dem neurotischen Koch verfolgt wurde. Er warf einen Blick auf Billy, der schweigend zwischen ihnen hockte und seinen Teddy umklammert hielt, doch ihm machten Lees dauernde Kommentare anscheinend nichts aus.
Ein paar Minuten später murmelte Lee „Jetzt küss sie halt!“ und er klang dabei so genervt, dass Barney laut lachen musste. „Die Krabbe tut doch schon, was sie kann“, meinte er gutgelaunt, doch Lee schnaubte empört.
„Macht ihren Job nicht sonderlich gut“, urteilte er und verschränkte tatsächlich die Arme vor der Brust, als sei er enttäuscht von dem singenden Schalentier. „Wie heißt der Typ nochmal?“
„Erik.“
„Was fürn dämli-“
Er unterbrach sich und riss den Kopf herum und auch Barney klappte der Mund auf, als er völlig verblüfft den Blick auf Billy richtete.
„Was hast du gesagt?“, fragte Lee mit beinah ehrfürchtiger Stimme.
„Der Prinz heißt Erik“, antwortete Billy ruhig, während er weiterhin wie gebannt auf den Bildschirm starrte. „Und die Krabbe heißt Sebastian.“
Lee und Barney starrten sich an. Das waren die ersten Worte, die Billy seit dem Friedhofsbesuch gesagt hatte, und er klang völlig normal.
„Sebastian, hm“, machte Lee, doch er musste sich räuspern, weil ihm mittendrin die Stimme brach. „Na gut, warum nicht. Gibt schlimmere Namen für ‘ne Krabbe…“
Barney fiel eine tonnenschwere Last vom Herzen. Sogar sein Kopfweh schien auf einmal nachzulassen und das idiotisch breite Grinsen sollte er bis zum Ende des Films nicht mehr loswerden.

Billy schlief in dieser Nacht mit ihnen auf dem Sofa, was dafür sorgte, dass Lee und Barney kein Auge zu taten, doch der Junge wachte nicht ein einziges Mal auf oder weinte im Schlaf. Dafür hätte Barney auch auf Stacheldraht gepennt.
Sie schauten den Film am nächsten Tag noch einmal und Barney stellte ein paar Fragen zu den Figuren, die Billy völlig gelassen beantwortete. Es klang jedes Mal wie Musik in seinen Ohren, es war großartig und zauberhaft und wenn es dazu einen gelbblauen Fisch und ein Mädchen mit grüner Flosse brauchte, dann sollte es so sein.
Ein drittes, viertes und fünftes Mal folgte. Als Barney einwarf, dass im Fernsehen ein anderer Kinderfilm lief, den man vielleicht auch einmal ausprobieren könnte, wurde Billy augenblicklich blass und ließ den Kopf hängen.
Bevor er eine Entschuldigung stammeln konnte (denn er hatte es nun wirklich nicht darauf angelegt, den Jungen wegen eines Cartoons zum Weinen zu bringen), hatte sich Lee das Video geschnappt und es eingelegt.
„Komm, Triton“, sagte er zu Barney und er klang genau so lange erschöpft, bis Billy ein heiteres Lachen ausstieß und erwartungsvoll auf die Couch krabbelte. Danach lächelte er geradezu liebevoll und schüttelte den Kopf.

Ziemlich bald hatte sich der Film in ihren zerbrechlichen Alltag eingeschlichen. Als sie nach zwei Monaten endlich umziehen konnten, hatten sie es geschafft, das Pensum auf zweimal die Woche runterzuschrauben (zumindest, wenn Lee und Barney mitschauen mussten).
Das Video zeigte mittlerweile deutliche Gebrauchsspuren. Die ersten fünfzehn Minuten waren bloß noch weißschwarzer Schnee bis König Triton wütend von seinem Thron aufstand – oder aufschwamm – und nach seiner fehlenden Tochter brüllte. Billy schien es nicht zu stören, doch Barney brach jedes Mal der Schweiß aus, wenn sie das Video in den Rekorder schoben.
Als das Band schließlich den Geist aufgab, war Billy Gott sei Dank schon eingeschlafen. Lee trug ihn ins Bett und Barney verbrachte den folgenden Tag in der Kinderabteilung von drei verschiedenen Videoläden, wo er sich den misstrauischen, bohrenden Blicken der Mitarbeiter und sechzehn Müttern mit Kleinkindern mehr als bewusst war.
Als er den Laden verließ, war er mit den Nerven völlig am Ende. Doch er hatte den Film gefunden und zwei Tage danach führten Lee und Billy eine Diskussion darüber, ob König Triton nicht vielleicht ein bisschen zu hart war, als er Arielles Versteck in die Luft gejagt hatte. Dass Lee Billy vorher mehrmals ermahnt hatte, sein Zimmer aufzuräumen, spielte dabei selbstverständlich keine Rolle.

Ein paar Wochen später hatten sie Billy endlich an der örtlichen Grundschule angemeldet und Barney mühte sich von früh bis spät ab, einen Job zu finden. Nach einem weiteren erfolglosen Tag kam er heim und fand Lee in der Küche vor.
Kochend – und summend.
Barney blieb im Türrahmen stehen und ganz langsam löste sich der Knoten in seiner Brust, den er seit dem gescheiterten Vorstellungsgespräch mit sich herumschleppte.
„Summst du gerade ‚Unter dem Meer‘ ?“
Lee schrie auf und fegte die Pfanne vom Herd.
„Was zur gottverdammten Hölle fällt dir gehirnamputiertem Scheißkerl ein, dich dermaßen anzuschleichen!“, brüllte er in atemberaubender Geschwindigkeit und funkelte Barney wütend an.
Barney hob entschuldigend die Hände.
Nachdem er seinen Lachanfall überwunden hatte.
„Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich selbstverständlich geklopft, Prinzessin.“
„Fick dich doch“, murmelte Lee und ja, es war niedlich, dass er wie besessen fluchte, wenn der Junge nicht in Hörweite war. Barney hütete sich jedoch, ihm das zu sagen.
„Sing ruhig weiter, im Übrigen. Ganz tolle Stimme.“
„Eigentlich würde ich mich darüber ärgern“, erwiderte Lee grinsend, „doch du hast das Lied schließlich erkannt, hm?“
„Ah. Touché.“
„Bastard. Und jetzt mach dich nützlich und wisch die Soße auf.“

„Der Junge will was?!“
„Naja… es ist immerhin Halloween…“
Lee sah aus, als hätte er noch nie einen dermaßen absurden Vorschlag gehört.
„Er will aber nicht die Prinzessin sein, oder? Das ist viel zu kalt! Es ist Anfang November!“
Barney grinste. „Nein, nein. Er möchte Hans sein.“
„Hans? Wer ist Hans?“
„Na, der Prinz.“
„Erik. Du meinst Erik.“
„Stimmt. Jedenfalls, er hat gefragt, ob wir mitkommen. Die Schule richtet eine Halloweenparty für die Eltern aus und es besteht Kostümpflicht.“
„Das muss ein Scherz sein. Du verarschst mich doch.“
„Nein.“
„Und wen willst du darstellen?“
„Ich dachte an den Koch. Ich könnte meine Arbeitskleidung anziehen, das spart uns wenigstens ein Kostüm.“
„Hm. Und ich?“
„… Wie wärs mit der Krabbe? Du wirst immerhin genau so rot, wenn du wütend wirst… Ja, ungefähr so wie jetzt…“

- Ende


Und falls das noch nicht kitschig genug war: Dads singing Disney

Date: 2013-10-10 01:19 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Barney brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass er ziemlich genau im Mittelalter lebte, gerade weil er noch einen funktionierenden Videorekorder besaß.
♥ ♥ ♥

Okay, du hattest sowas von recht, ich habe noch NIE so etwas perfektes gelesen. Es ist unendlich kitschig und bezaubernd und lustig und ich zerfließe hier zu einer Pfütze von Glückseeligkeit. Ich muss den Film echt mal gucken.
Oh verdammt, darf ich dir die ganze Fic hier hin kopieren? Nur um dir zu zeigen, wie verliebt ich bin?
Hans!
Und es gibt schlimmere Namen für Krabben als Sebastian! OMG!

Date: 2015-08-01 10:25 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
*ROFL*

Wieso kannte ich das denn noch nicht? Klasse :D Ich liebe es. Und das Video dazu macht es nur noch besser ...

Eigentlich suche ich nach einer Inspirationsgeschichte. Für einen Joker. Und prokrastiniere das eigentliche Schreiben. 8Und noch mehr das Arbeiten. Eigentlich müßte ich noch was tun.)

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