34. Orte: Folterkammer - fürs Team
Sep. 30th, 2013 07:04 amTeam: Nutellasalat
Autor: Jenchan
Challenge: Orte - Folterkammer
Titel: Grausame Praktiken
Fandom: Original (Warfare)
Charaktere: Dr. Lee Yeung
Words: ~830
Warnings: Kriegsthema | unbetaed, unkorrigiert
Kommentar: Lee Yeung ist ein Koreaner, der ein kleines Temperamentproblem hat, aber im Grunde seines Herzens ein überfürsorglicher Schnuffel ist. Dieses Settig ist ein AU, das sich gemeinsam mit
luinaldawen in einem RPG wiederfindet. Es spielt allerdings zeitlich davor.
Grausame Praktiken
Yeung konnte es immer noch nicht fassen. Er hatte es geschafft. Er spürte immer noch jeden seiner Muskeln. Er hatte hart schuften müssen, um so weit zu kommen. Viel härter als jeder andere Soldat in der koreanischen Armee.
Innerlich spuckte er auf die Kommandanten und insbesondere auf die Regierung. Das Land litt unter dem Krieg, der nun schon elf Jahre dauerte. Yeung konnte sich nicht vorstellen, dass irgendwer auf der Welt für gut und gerechtfertig befand, was hier passierte. Hier in dem Land, das einstmals eigentlich sehr fortschrittlich gewesen war. Nun litt es an Armut und hinter jeder Ecke lauerten Grausamkeiten, die sich kaum in Worte fassen ließen. Er hatte sie gesehen, während er auf den kargen Äckern wie ein Schwein geschuftet hatte, angetrieben von den Wachen, die jede Nachlässigkeit mit äußerster Härte bestraften.
Ihre eigenen Männern. Koreanische Bürger - versklavt und geschunden.
Aber das war es ihm Wert gewesen. Er war auf groteske Weise sogar stolz darauf. Es war die Bedingung des Oberkommandos gewesen, dafür dass er studieren ging. Dafür, dass er dem Militär als Soldat insofern den Rücken kehrte, indem er die Schulbank drückte, um ins medizinische Corps wechseln zu können. Korea hatte schon zu Anfang des Krieges begonnen, willenlose Drohnen heranzuziehen. Soldaten, die nichts weiter kannten als blinden gehorsams.
Vielleicht war er dazu zu intelligent oder zu dumm gewesen. Er hatte sich dem jedenfalls nie unterwerfen können. Und er hatte dafür gebüßt. Für jedes einzelne Mal, wo er den Mund aufgemacht hatte und Dinge gesagt hatte, die keiner von den Bastarden hören wollte. Für jede Weigerung, die er nicht hatte aufhalten können. Er hatte immer wieder Widerstand geleistet, obgleich er genau gewusst hatte, was passieren würde.
Und doch war er immer ein Kämpfer geblieben. Er hatte die Strafen ertragen und war für seine persönlichen Wünsche eingestanden. Seit er denken konnte, hatte er nie etwas anderes gewollt, als anderen Menschen zu helfen. Er wollte niemanden töten, foltern oder demütigen. Er wollte Wunden heilen.
Die Jahre des Kriegs und der Ausbildung hatten ihn darin nur bestärkt und egal, was für Schmerzen er dafür ertragen hatte müssen, er war dafür eingestanden.
Jetzt konnte er endlich die Früchte dieser Tortur ernten. Er hatte das Staatsexamen geschafft und erhielt seinen Doktortitel. Dass er mit seinen einundzwanzig Jahren dafür eigentlich sehr jung war, wusste er nicht. Er kannte sich mit anderen Ländern nicht aus und Schulbildung war in diesem Land eigentlich nicht mehr vorhanden. Wie sollte auch, wenn alle Männer mit wenigen Ausnahmen im Grunde Soldaten waren? Er würde diese Logik der Regierung nie verstehen und er wollte sich auch gar nicht darum bemühen.
"Herzlichen Glückwunsch, Doktor Lee. Hier haben Sie ihr neues Einsatzgebiet. Doktor Hyung wird Sie einweisen." Yeung nahm die Befehle entgegen, nachdem ihm die offizielle Bescheinung eines Doktortitels ausgehändigt worden war. Ein Blick wanderte über die Zeilen. Er brauchte nicht viel davon lesen - es hatte im Grunde nur ein Wort gereicht: Yangsan.
Jeder kannte das Gefangenenlager dort. Es galt als Endstation für alle Häftlinge und war mit einer der grausamsten Orte, die in Korea existierten. Aber er würde sich nicht beschweren. Er war weg von der Front und offiziell kein Soldat mehr. Er hatte zwar immer noch einen militärischen Rang, aber als Arzt wurde nicht riskiert, dass er sein Leben riskierte.
Außerdem gab es dort wirklich mehr als genug Menschen, denen er helfen konnte. Es dauerte auch nicht allzu lange, bis ihn der leitende Arzt eingewiesen hatte und ihm zeigte, wo er alles finden konnte. "Ihre Aufgabe wird sich vorerst darauf beschränken, die Verhöre zu überwachen. Die Liste der zu verhörenden Gefangenen finden Sie hier. Wenn Sie sich daran gewöhnt haben und gute Arbeit leisten, werden Sie zusätzlich in der Woche einige Visiten übernehmen. Soweit alles klar? Dann zeige ich ihnen jetzt, wo sich die Verhörräume befinden."
Verhörräume. Yeung schnaufte leise, als sie den ersten betraten. Er konnte sich durchaus denken, was da nun auf ihn zukam. Das waren nicht nur einfach Kämmerchen mit einem Tisch und unbequemen Stühlen. Nein - das hier waren ausgeklügelte Folterkammern. Der muffig-feuchte Geruch untermalte diesen Gedanken nur.
"Denken Sie immer daran, Doktor Lee: Nur ein lebender Gefangener kann Antworten liefern. Als seien Sie achtsam - die Kommandaten mögen es nicht, wenn die Gefangenen, in den Verhörräumen sterben." Yeung wollte kotzen, als er darauf hingewiesen wurde, dass er von nun an dafür zuständig sein würde, das Leiden anderer Menschen zu verlängern. Aber er hatte es doch nicht anders gewollt. Was hatte er auch erwartet, wenn ein Militär bereit war, einen Soldaten als Arzt ausbilden zu lassen? Und er hatte keine andere Wahl. Er musste irgendwie das Beste daraus machen, denn nichts und niemand würde ihn noch einmal dazu bringen, an die Front zu gehen und jetzt würde es auch niemanden mehr geben, der ihn körperlich züchtigen musste. Er hatte die Jahre der Schmerzen nun endlich hinter sich und er würde sich bemühen, dass er in seiner Funktion als Arzt nichts tat, um diesen Posten wieder zu verlieren.
Seine Hände sollten nur noch heilen - nicht mehr töten.
Autor: Jenchan
Challenge: Orte - Folterkammer
Titel: Grausame Praktiken
Fandom: Original (Warfare)
Charaktere: Dr. Lee Yeung
Words: ~830
Warnings: Kriegsthema | unbetaed, unkorrigiert
Kommentar: Lee Yeung ist ein Koreaner, der ein kleines Temperamentproblem hat, aber im Grunde seines Herzens ein überfürsorglicher Schnuffel ist. Dieses Settig ist ein AU, das sich gemeinsam mit
Grausame Praktiken
Yeung konnte es immer noch nicht fassen. Er hatte es geschafft. Er spürte immer noch jeden seiner Muskeln. Er hatte hart schuften müssen, um so weit zu kommen. Viel härter als jeder andere Soldat in der koreanischen Armee.
Innerlich spuckte er auf die Kommandanten und insbesondere auf die Regierung. Das Land litt unter dem Krieg, der nun schon elf Jahre dauerte. Yeung konnte sich nicht vorstellen, dass irgendwer auf der Welt für gut und gerechtfertig befand, was hier passierte. Hier in dem Land, das einstmals eigentlich sehr fortschrittlich gewesen war. Nun litt es an Armut und hinter jeder Ecke lauerten Grausamkeiten, die sich kaum in Worte fassen ließen. Er hatte sie gesehen, während er auf den kargen Äckern wie ein Schwein geschuftet hatte, angetrieben von den Wachen, die jede Nachlässigkeit mit äußerster Härte bestraften.
Ihre eigenen Männern. Koreanische Bürger - versklavt und geschunden.
Aber das war es ihm Wert gewesen. Er war auf groteske Weise sogar stolz darauf. Es war die Bedingung des Oberkommandos gewesen, dafür dass er studieren ging. Dafür, dass er dem Militär als Soldat insofern den Rücken kehrte, indem er die Schulbank drückte, um ins medizinische Corps wechseln zu können. Korea hatte schon zu Anfang des Krieges begonnen, willenlose Drohnen heranzuziehen. Soldaten, die nichts weiter kannten als blinden gehorsams.
Vielleicht war er dazu zu intelligent oder zu dumm gewesen. Er hatte sich dem jedenfalls nie unterwerfen können. Und er hatte dafür gebüßt. Für jedes einzelne Mal, wo er den Mund aufgemacht hatte und Dinge gesagt hatte, die keiner von den Bastarden hören wollte. Für jede Weigerung, die er nicht hatte aufhalten können. Er hatte immer wieder Widerstand geleistet, obgleich er genau gewusst hatte, was passieren würde.
Und doch war er immer ein Kämpfer geblieben. Er hatte die Strafen ertragen und war für seine persönlichen Wünsche eingestanden. Seit er denken konnte, hatte er nie etwas anderes gewollt, als anderen Menschen zu helfen. Er wollte niemanden töten, foltern oder demütigen. Er wollte Wunden heilen.
Die Jahre des Kriegs und der Ausbildung hatten ihn darin nur bestärkt und egal, was für Schmerzen er dafür ertragen hatte müssen, er war dafür eingestanden.
Jetzt konnte er endlich die Früchte dieser Tortur ernten. Er hatte das Staatsexamen geschafft und erhielt seinen Doktortitel. Dass er mit seinen einundzwanzig Jahren dafür eigentlich sehr jung war, wusste er nicht. Er kannte sich mit anderen Ländern nicht aus und Schulbildung war in diesem Land eigentlich nicht mehr vorhanden. Wie sollte auch, wenn alle Männer mit wenigen Ausnahmen im Grunde Soldaten waren? Er würde diese Logik der Regierung nie verstehen und er wollte sich auch gar nicht darum bemühen.
"Herzlichen Glückwunsch, Doktor Lee. Hier haben Sie ihr neues Einsatzgebiet. Doktor Hyung wird Sie einweisen." Yeung nahm die Befehle entgegen, nachdem ihm die offizielle Bescheinung eines Doktortitels ausgehändigt worden war. Ein Blick wanderte über die Zeilen. Er brauchte nicht viel davon lesen - es hatte im Grunde nur ein Wort gereicht: Yangsan.
Jeder kannte das Gefangenenlager dort. Es galt als Endstation für alle Häftlinge und war mit einer der grausamsten Orte, die in Korea existierten. Aber er würde sich nicht beschweren. Er war weg von der Front und offiziell kein Soldat mehr. Er hatte zwar immer noch einen militärischen Rang, aber als Arzt wurde nicht riskiert, dass er sein Leben riskierte.
Außerdem gab es dort wirklich mehr als genug Menschen, denen er helfen konnte. Es dauerte auch nicht allzu lange, bis ihn der leitende Arzt eingewiesen hatte und ihm zeigte, wo er alles finden konnte. "Ihre Aufgabe wird sich vorerst darauf beschränken, die Verhöre zu überwachen. Die Liste der zu verhörenden Gefangenen finden Sie hier. Wenn Sie sich daran gewöhnt haben und gute Arbeit leisten, werden Sie zusätzlich in der Woche einige Visiten übernehmen. Soweit alles klar? Dann zeige ich ihnen jetzt, wo sich die Verhörräume befinden."
Verhörräume. Yeung schnaufte leise, als sie den ersten betraten. Er konnte sich durchaus denken, was da nun auf ihn zukam. Das waren nicht nur einfach Kämmerchen mit einem Tisch und unbequemen Stühlen. Nein - das hier waren ausgeklügelte Folterkammern. Der muffig-feuchte Geruch untermalte diesen Gedanken nur.
"Denken Sie immer daran, Doktor Lee: Nur ein lebender Gefangener kann Antworten liefern. Als seien Sie achtsam - die Kommandaten mögen es nicht, wenn die Gefangenen, in den Verhörräumen sterben." Yeung wollte kotzen, als er darauf hingewiesen wurde, dass er von nun an dafür zuständig sein würde, das Leiden anderer Menschen zu verlängern. Aber er hatte es doch nicht anders gewollt. Was hatte er auch erwartet, wenn ein Militär bereit war, einen Soldaten als Arzt ausbilden zu lassen? Und er hatte keine andere Wahl. Er musste irgendwie das Beste daraus machen, denn nichts und niemand würde ihn noch einmal dazu bringen, an die Front zu gehen und jetzt würde es auch niemanden mehr geben, der ihn körperlich züchtigen musste. Er hatte die Jahre der Schmerzen nun endlich hinter sich und er würde sich bemühen, dass er in seiner Funktion als Arzt nichts tat, um diesen Posten wieder zu verlieren.
Seine Hände sollten nur noch heilen - nicht mehr töten.