Team: Nutellasalat
Challenge: Sätze – „Noch einen Schritt weiter…“ – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Übliche Anrufe
Inhalt: Billy wird verprügelt und muss seine Väter um Hilfe bitten (modern!family-AU, Billy ist 17. Und ja, die Verprügelnden haben das nicht gut durchdacht. Ich hätte die Finger vom Ziehsohn von Rambo und Crank gelassen…)
Warnung: Blut und Gewalt
Anmerkung: für rei17, weil ich sonst ihre Therapiestunden bezahlen muss
Übliche Anrufe
Billy war kein Feigling, im Gegenteil. Wenn man Lee fragte, dann hatte er ein schrecklich großes Maul und keinen Funken Verstand, doch Lee dachte auch, dass Kätzchen nervig und Pfadfinderinnenkekse das Machwerk des Teufels waren.
Ab und zu konnte Billy schon mal die Geduld verlieren. Zum Beispiel, wenn er gerade aus Tools Werkstatt kam und sechs Typen dabei erwischte, wie sie sein Motorrad stahlen.
„HEY!“
Ein paar wandten die Köpfe, doch ein breitschultriger Kerl in einer braungelben Lederjacke schraubte in aller Seelenruhe weiter am Vorderreifen herum.
„Finger weg!“, schrie Billy, ließ die Lenkerstangen fallen, und rannte auf die Truppe zu. Ein Kerl mit blonden Haaren blickte ihn erschrocken an, doch als er erkannte, dass Billy alleine war, griente er.
„Nun mal langsam, Kleiner! Wenn du näher kommst, muss ich dir leider die Fresse polieren…“, rief er bösartig, als er die Arme ausstreckte, um Billy aufzuhalten.
Billy sparte sich die Antwort, tauchte unter der Hand hinweg und stieß dem Kerl die Faust gegen die Brust. Der grunzte überrascht, fiel nach hinten und riss seinen verblüfft quiekenden Kumpanen mit zu Boden.
„Macht, dass ihr wegkommt!“, fauchte Billy zornig. Blut rauschte in seinen Ohren, er starrte auf die beiden am Boden Liegenden, doch der Typ in der Lederjacke hatte sich immer noch nicht umgedreht. Dem würde er es zeigen!
Jemand packte Billy am Handgelenk und verdrehte seinen Arm auf den Rücken, er trat nach links, warf mit aller Kraft den Kopf zurück und erwischte seinen Angreifer an der Nase. Es knackte, der Kerl schrie. Billy war wieder frei. Wutschnaubend fuhr er herum und stürzte sich auf den Anführer, als ihm jemand die Faust in die Seite hämmerte.
Billy sah noch, dass es der Typ war, den er am Anfang zu Boden geschickt hatte, dann knickte er ein, zwei weitere Schläge landeten in seinem Nacken, er riss die Arme schützend vors Gesicht, doch stattdessen rammte ihm einer das Knie in den Magen und Billy ging endgültig zu Boden.
Das Ganze hatte keine zehn Sekunden gedauert. Was für eine erbärmliche Vorstellung.
Es hagelte Tritte, einer erwischte ihn mitten im Gesicht und sofort füllte sich sein Mund mit Blut. Billy jaulte auf, verschluckte sich und krümmte sich röchelnd zusammen.
„Gentlemen, bitte…“, ertönte es da und plötzlich hörte die Prügel auf. Stöhnend wälzte er sich auf die Seite und spähte nach oben. Der Kerl mit der Lederjacke hockte vor ihm. In der linken Hand hielt er das aufgebrochene Motorradschloss. Verächtlich starrte er auf ihn herab und spuckte ihm ins Gesicht. „Du bist solch ein Idiot. Du hättest dich einfach nur umdrehen und weggehen müssen. Dein Motorrad kann das nicht wert sein.“
„Das wirst du bereuen“, erwiderte Billy mit rauer Stimme und hob die Faust, doch der Kerl fing sie mühelos ab.
„Träum weiter, Arschloch“, antwortete er. Ohne Vorwarnung holte er aus und schlug Billy das verbogene Schloss ins Gesicht. Er fühlte seine Nase brechen, dann stürzten sich die anderen wie Wölfe auf ihn.
„Gott, Ross, kannst du auch was anderes kochen als Nudeln?“
„Spaghetti.“
„Meine Mutter kann besser kochen als du. Und die ist tot!“
„Konnte mit so einer Schande von Sohn wahrscheinlich nicht leben, hm?“
„Du verfluchter…“
Das Telefon klingelte und Barney erhob sich grinsend vom Küchentisch. Lee schenkte ihm eine eindeutige Geste, bevor er sich dann fluchend über seine in Tomatensoße getauchten Nudeln hermachte. Eigentlich verdiente er einen Orden, fand Barney, immerhin ertrug er Lees ständiges Meckern mit perfekter stoischer Ruhe. Das konnte nun wirklich nicht jeder von sich behaupten.
„Koch doch selbst“, murmelte er, dann nahm er immer noch lachend den Hörer ab.
„Ja?“
„Hey…“
Barney runzelte die Stirn.
„Wer ist da…Tool?“
Ein gequältes Husten antwortete ihm. „Nein…nein… ich bin’s. Billy…“
Barney gefror auf der Stelle das Blut in den Adern. Das klang nach gewaltigem Ärger.
„Billy? Wo steckst du? Was ist passiert?“
„Hm? Ja… mir geht’s nicht so gut…da waren so ein paar Typen…“
Der Junge hörte sich erbärmlich an. Barney verstand nur die Hälfte von dem, was er sagte, so gebrochen und heiser klang seine Stimme. Was zur Hölle war passiert? Es kratzte und raschelte am anderen Ende der Leitung, als würde sich jemand schwerfällig auf die Seite drehen.
„Junge. Du musst mir sagen, wo du bist.“ Barney bemühte sich verzweifelt, nicht die Fassung zu verlieren und scheiterte kläglich.
„Ich bin bei… ach Scheiße…“ Billy stöhnte und hustete wieder.
„Was? Was ist passiert?“
„Die Lenkerstangen…tut mir Leid. Haben die Typen wahrscheinlich mitgenommen.“
Das Kind klang als hätte ihm jemand die Lungen mit einem stumpfen Messer aus dem Leib geschnitten. Barney hätte schreien wollen, doch er brachte keinen Ton hervor, als die Panik eine brennende Schneise in seinen Verstand fraß
„Es tut mir so Leid“, fuhr Billy fort und wimmerte leise. „Die wollten mein Motorrad klauen... ich hab’s nicht geschafft…“
Es dauerte einen weiteren, quälenden Moment, bis Barney endlich eins und eins zusammenzählte – gottverdammte Lenkerstangen – dann erwachte er aus seiner Starre.
„Billy. Wir kommen. Bleib ruhig, wir sind gleich da“, murmelte er, hielt rasch die Hand vor die Sprechmuschel und brüllte über die Schulter gewandt nach Lee. „Kannst du dich bewegen? Wo steckt Tool?“
„Ist nicht da… bin selbst rein…“
Barney schloss einen Moment lang die Augen. Er hatte nicht einmal mitbekommen, dass das Motorrad nicht in der Garage stand, als er nach Hause gekommen war.
Oh Gott.
Hinter sich hörte er Lee schimpfen – „Kann ein Mann hier nicht mal in Ruhe zu Abend essen in diesem Irrenhaus!“ – doch er ignorierte es und warf ihm den Autoschlüssel zu.
„Hier“, sagte er, bevor Lee protestieren konnte. „Hol den Wagen. Wir müssen zu Tool.“
„Was? Wieso das denn?“
„Billy.“ Barney sagte nur das, weil er es nicht fertig brachte, zu beschreiben, was er am Telefon hörte, doch es reichte bereits. Lee machte den Mund zu und stürzte zur Haustür.
„Billy…“, sagte Barney leise. „Wir sind gleich da, ja? Bleib wach. Bleib um Himmelswillen wach.“
„Hmm…“ Die Antwort klang zähflüssig wie Teer und Barney spürte, dass Billy bereits halb bewusstlos war. Er seufzte.
„Ich muss jetzt auflegen, Kleiner. Du bleibst wach. Wir sind gleich da.“
„Tut mir so Leid…Dad… tut mir so Leid…“
Barney knallte den Hörer auf und rannte aus dem Haus.
Sie fanden ihn im Hinterhof, wo er zusammengekrümmt in einer Lache seines eigenen Blutes lag. Seine Jacke fehlte genau wie seine Schuhe und der Anblick seiner bloßen, aufgekratzten Füße drehte Barney den Magen um, als er neben ihm auf die Knie ging.
„Kleiner… wach auf“, murmelte er und wischte sanft das Blut von seiner Stirn, obwohl das überhaupt nichts brachte. Billy wimmerte, seine Lider flatterten, doch er wachte nicht richtig auf, sondern hielt die Hände vors Gesicht, als müsse er erneut Schläge abwehren. Ein kleines, halbersticktes Schluchzen entwich seiner Kehle und Barney musste sich auf die Zunge beißen, um nicht lauthals zu schreien.
„Billy, Kleiner, ich bin’s, Barney. Alles ist gut… halt still…“
Lee erschien plötzlich neben ihm, kreidebleich und zitternd.
„Wir müssen ihn ins Krankenhaus bringen“, sagte er rau, als ob Barney das nicht völlig klar sei, er wusste das doch, er würde sich auch jeden Moment bewegen, sobald er sich versichert hatte, dass das zerschlagene, blutende Bündel in seinen Armen wirklich sein Junge war.
„Barney.“
„J-ja.“
Gemeinsam schleppten sie Billy bis zum Auto. Er stöhnte und wehrte sich die ganze Zeit, flehte sie an, ihn in Ruhe zu lassen, doch als sie ihn endlich auf den Rücksitz bugsiert hatten, wurde er ganz still und sackte noch weiter in sich zusammen. Barney kletterte neben ihn und nahm ihn vorsichtig in den Arm. Hoffentlich hatten sie ihn nicht noch weiter verletzt, schoss es ihm durch den Kopf, doch da drückte Lee das Gaspedal durch und sie jagten wie besessen in Richtung Krankenhaus.
In der Notaufnahme herrschte absolutes Chaos, doch sie hatten Glück, denn Lacy bemerkte sie, kaum dass sie zur Tür herein waren. Fünf Minuten später lag Billy auf einem Bett, Nadeln links und rechts im Arm, und zwei Krankenschwestern schoben ihn in Richtung der Fahrstühle. Barney sah ihnen nach und er kam sich auf einmal riesig und unbeholfen vor. Sein Hemd war völlig durchweicht von Speichel und Blut. Es klebte von der Hüfte an aufwärts an seinem Körper. Am liebsten hätte er es sich sofort vom Leib gerissen und verbrannt, doch er konnte sich nicht rühren.
„Barney? Barney!“
Jemand packte ihn am Arm und es kostete ihn unheimlich viel Mühe, den Blick von den grauen Aufzugtüren abzuwenden.
Lacy stand vor ihm, die Haare wild vom Kopf abstehend und mit tiefschwarzen Ringen unter den Augen.
„Du solltest dich hinsetzen“, sagte sie leise, aber bestimmt. „Du kannst nichts mehr tun und stehst hier nur im Weg.“ Als hätte er auf dieses Stichwort gewartet, trat Lee plötzlich vor und zerrte Barney am Handgelenk zu einer Reihe gelber Plastikstühle. Er hätte gern protestiert, doch als er sich hinsetzte, bemerkte er, wie sehr seine Knie zitterten.
Einen Moment lang blieben sie stumm nebeneinander hocken, während das Geschrei immer lauter wurde. Ob es einen Unfall gegeben hatte, überlegte Barney, doch eigentlich war es ihm völlig egal. Er fühlte nichts mehr außer einer schier unbezwingbaren, eiskalten Panik, die ihm langsam die Lungen zerquetschte.
Aus dem Augenwinkel sah er, wie Lee Billys Handy hervorzog. Sachte drehte er es zwischen den Händen, als suche er nach etwas unter all den blutigen Fingerabdrücken. Barney musste den Blick abwenden.
„Ich wusste nicht, wo er ist“, murmelte er schließlich und Lee hielt inne. „Er hatte mir gestern erzählt, dass er bei Tool etwas abholen wollte. Doch ich habe nicht richtig zugehört…ich… ich hab nur genickt, es war… hab an etwas anderes gedacht und…“
„Hab ich ‘nen weißen Kragen an, Idiot?“, kam prompt die wütende Antwort und Barney blinzelte überrascht. Lee funkelte ihn zornig an. „Such dir jemand anderen für deine Schuldgefühle. Du hättest das nicht verhindern können!“
„Er…“
„Der Junge hat auf die Fresse gekriegt, ziemlich übel sogar. Doch wir haben beide schon Schlimmeres gesehen. Er wird’s überleben. Du predigst mir doch immer, dass ich ihn nicht unterschätzen soll, also halt den Rand.“
Bevor Barney irgendetwas erwidern konnte, sprang Lee auf
„Ich brauche einen Kaffee. Mir egal, wie dünn die Plörre hier ist, schlimmer als deine kann sie sowieso nicht sein. Ruf mich an, wenn’s was Neues gibt.“
Barney starrte ihm fassungslos hinterher. Es war selten geworden, dass Lee ihn mit irgendetwas überraschen konnte und normalerweise war er es, der sofort Zeter und Mordio schrie, wenn Billy irgendetwas passierte – Barney erinnerte sich da an diverse Besuche bei Kinderärzten. Dass er jetzt so ruhig und vernünftig blieb, verhieß nichts Gutes.
Doch im Moment blieb ihm nichts anderes übrig als abzuwarten.
Challenge: Sätze – „Noch einen Schritt weiter…“ – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Übliche Anrufe
Inhalt: Billy wird verprügelt und muss seine Väter um Hilfe bitten (modern!family-AU, Billy ist 17. Und ja, die Verprügelnden haben das nicht gut durchdacht. Ich hätte die Finger vom Ziehsohn von Rambo und Crank gelassen…)
Warnung: Blut und Gewalt
Anmerkung: für rei17, weil ich sonst ihre Therapiestunden bezahlen muss
Übliche Anrufe
Billy war kein Feigling, im Gegenteil. Wenn man Lee fragte, dann hatte er ein schrecklich großes Maul und keinen Funken Verstand, doch Lee dachte auch, dass Kätzchen nervig und Pfadfinderinnenkekse das Machwerk des Teufels waren.
Ab und zu konnte Billy schon mal die Geduld verlieren. Zum Beispiel, wenn er gerade aus Tools Werkstatt kam und sechs Typen dabei erwischte, wie sie sein Motorrad stahlen.
„HEY!“
Ein paar wandten die Köpfe, doch ein breitschultriger Kerl in einer braungelben Lederjacke schraubte in aller Seelenruhe weiter am Vorderreifen herum.
„Finger weg!“, schrie Billy, ließ die Lenkerstangen fallen, und rannte auf die Truppe zu. Ein Kerl mit blonden Haaren blickte ihn erschrocken an, doch als er erkannte, dass Billy alleine war, griente er.
„Nun mal langsam, Kleiner! Wenn du näher kommst, muss ich dir leider die Fresse polieren…“, rief er bösartig, als er die Arme ausstreckte, um Billy aufzuhalten.
Billy sparte sich die Antwort, tauchte unter der Hand hinweg und stieß dem Kerl die Faust gegen die Brust. Der grunzte überrascht, fiel nach hinten und riss seinen verblüfft quiekenden Kumpanen mit zu Boden.
„Macht, dass ihr wegkommt!“, fauchte Billy zornig. Blut rauschte in seinen Ohren, er starrte auf die beiden am Boden Liegenden, doch der Typ in der Lederjacke hatte sich immer noch nicht umgedreht. Dem würde er es zeigen!
Jemand packte Billy am Handgelenk und verdrehte seinen Arm auf den Rücken, er trat nach links, warf mit aller Kraft den Kopf zurück und erwischte seinen Angreifer an der Nase. Es knackte, der Kerl schrie. Billy war wieder frei. Wutschnaubend fuhr er herum und stürzte sich auf den Anführer, als ihm jemand die Faust in die Seite hämmerte.
Billy sah noch, dass es der Typ war, den er am Anfang zu Boden geschickt hatte, dann knickte er ein, zwei weitere Schläge landeten in seinem Nacken, er riss die Arme schützend vors Gesicht, doch stattdessen rammte ihm einer das Knie in den Magen und Billy ging endgültig zu Boden.
Das Ganze hatte keine zehn Sekunden gedauert. Was für eine erbärmliche Vorstellung.
Es hagelte Tritte, einer erwischte ihn mitten im Gesicht und sofort füllte sich sein Mund mit Blut. Billy jaulte auf, verschluckte sich und krümmte sich röchelnd zusammen.
„Gentlemen, bitte…“, ertönte es da und plötzlich hörte die Prügel auf. Stöhnend wälzte er sich auf die Seite und spähte nach oben. Der Kerl mit der Lederjacke hockte vor ihm. In der linken Hand hielt er das aufgebrochene Motorradschloss. Verächtlich starrte er auf ihn herab und spuckte ihm ins Gesicht. „Du bist solch ein Idiot. Du hättest dich einfach nur umdrehen und weggehen müssen. Dein Motorrad kann das nicht wert sein.“
„Das wirst du bereuen“, erwiderte Billy mit rauer Stimme und hob die Faust, doch der Kerl fing sie mühelos ab.
„Träum weiter, Arschloch“, antwortete er. Ohne Vorwarnung holte er aus und schlug Billy das verbogene Schloss ins Gesicht. Er fühlte seine Nase brechen, dann stürzten sich die anderen wie Wölfe auf ihn.
„Gott, Ross, kannst du auch was anderes kochen als Nudeln?“
„Spaghetti.“
„Meine Mutter kann besser kochen als du. Und die ist tot!“
„Konnte mit so einer Schande von Sohn wahrscheinlich nicht leben, hm?“
„Du verfluchter…“
Das Telefon klingelte und Barney erhob sich grinsend vom Küchentisch. Lee schenkte ihm eine eindeutige Geste, bevor er sich dann fluchend über seine in Tomatensoße getauchten Nudeln hermachte. Eigentlich verdiente er einen Orden, fand Barney, immerhin ertrug er Lees ständiges Meckern mit perfekter stoischer Ruhe. Das konnte nun wirklich nicht jeder von sich behaupten.
„Koch doch selbst“, murmelte er, dann nahm er immer noch lachend den Hörer ab.
„Ja?“
„Hey…“
Barney runzelte die Stirn.
„Wer ist da…Tool?“
Ein gequältes Husten antwortete ihm. „Nein…nein… ich bin’s. Billy…“
Barney gefror auf der Stelle das Blut in den Adern. Das klang nach gewaltigem Ärger.
„Billy? Wo steckst du? Was ist passiert?“
„Hm? Ja… mir geht’s nicht so gut…da waren so ein paar Typen…“
Der Junge hörte sich erbärmlich an. Barney verstand nur die Hälfte von dem, was er sagte, so gebrochen und heiser klang seine Stimme. Was zur Hölle war passiert? Es kratzte und raschelte am anderen Ende der Leitung, als würde sich jemand schwerfällig auf die Seite drehen.
„Junge. Du musst mir sagen, wo du bist.“ Barney bemühte sich verzweifelt, nicht die Fassung zu verlieren und scheiterte kläglich.
„Ich bin bei… ach Scheiße…“ Billy stöhnte und hustete wieder.
„Was? Was ist passiert?“
„Die Lenkerstangen…tut mir Leid. Haben die Typen wahrscheinlich mitgenommen.“
Das Kind klang als hätte ihm jemand die Lungen mit einem stumpfen Messer aus dem Leib geschnitten. Barney hätte schreien wollen, doch er brachte keinen Ton hervor, als die Panik eine brennende Schneise in seinen Verstand fraß
„Es tut mir so Leid“, fuhr Billy fort und wimmerte leise. „Die wollten mein Motorrad klauen... ich hab’s nicht geschafft…“
Es dauerte einen weiteren, quälenden Moment, bis Barney endlich eins und eins zusammenzählte – gottverdammte Lenkerstangen – dann erwachte er aus seiner Starre.
„Billy. Wir kommen. Bleib ruhig, wir sind gleich da“, murmelte er, hielt rasch die Hand vor die Sprechmuschel und brüllte über die Schulter gewandt nach Lee. „Kannst du dich bewegen? Wo steckt Tool?“
„Ist nicht da… bin selbst rein…“
Barney schloss einen Moment lang die Augen. Er hatte nicht einmal mitbekommen, dass das Motorrad nicht in der Garage stand, als er nach Hause gekommen war.
Oh Gott.
Hinter sich hörte er Lee schimpfen – „Kann ein Mann hier nicht mal in Ruhe zu Abend essen in diesem Irrenhaus!“ – doch er ignorierte es und warf ihm den Autoschlüssel zu.
„Hier“, sagte er, bevor Lee protestieren konnte. „Hol den Wagen. Wir müssen zu Tool.“
„Was? Wieso das denn?“
„Billy.“ Barney sagte nur das, weil er es nicht fertig brachte, zu beschreiben, was er am Telefon hörte, doch es reichte bereits. Lee machte den Mund zu und stürzte zur Haustür.
„Billy…“, sagte Barney leise. „Wir sind gleich da, ja? Bleib wach. Bleib um Himmelswillen wach.“
„Hmm…“ Die Antwort klang zähflüssig wie Teer und Barney spürte, dass Billy bereits halb bewusstlos war. Er seufzte.
„Ich muss jetzt auflegen, Kleiner. Du bleibst wach. Wir sind gleich da.“
„Tut mir so Leid…Dad… tut mir so Leid…“
Barney knallte den Hörer auf und rannte aus dem Haus.
Sie fanden ihn im Hinterhof, wo er zusammengekrümmt in einer Lache seines eigenen Blutes lag. Seine Jacke fehlte genau wie seine Schuhe und der Anblick seiner bloßen, aufgekratzten Füße drehte Barney den Magen um, als er neben ihm auf die Knie ging.
„Kleiner… wach auf“, murmelte er und wischte sanft das Blut von seiner Stirn, obwohl das überhaupt nichts brachte. Billy wimmerte, seine Lider flatterten, doch er wachte nicht richtig auf, sondern hielt die Hände vors Gesicht, als müsse er erneut Schläge abwehren. Ein kleines, halbersticktes Schluchzen entwich seiner Kehle und Barney musste sich auf die Zunge beißen, um nicht lauthals zu schreien.
„Billy, Kleiner, ich bin’s, Barney. Alles ist gut… halt still…“
Lee erschien plötzlich neben ihm, kreidebleich und zitternd.
„Wir müssen ihn ins Krankenhaus bringen“, sagte er rau, als ob Barney das nicht völlig klar sei, er wusste das doch, er würde sich auch jeden Moment bewegen, sobald er sich versichert hatte, dass das zerschlagene, blutende Bündel in seinen Armen wirklich sein Junge war.
„Barney.“
„J-ja.“
Gemeinsam schleppten sie Billy bis zum Auto. Er stöhnte und wehrte sich die ganze Zeit, flehte sie an, ihn in Ruhe zu lassen, doch als sie ihn endlich auf den Rücksitz bugsiert hatten, wurde er ganz still und sackte noch weiter in sich zusammen. Barney kletterte neben ihn und nahm ihn vorsichtig in den Arm. Hoffentlich hatten sie ihn nicht noch weiter verletzt, schoss es ihm durch den Kopf, doch da drückte Lee das Gaspedal durch und sie jagten wie besessen in Richtung Krankenhaus.
In der Notaufnahme herrschte absolutes Chaos, doch sie hatten Glück, denn Lacy bemerkte sie, kaum dass sie zur Tür herein waren. Fünf Minuten später lag Billy auf einem Bett, Nadeln links und rechts im Arm, und zwei Krankenschwestern schoben ihn in Richtung der Fahrstühle. Barney sah ihnen nach und er kam sich auf einmal riesig und unbeholfen vor. Sein Hemd war völlig durchweicht von Speichel und Blut. Es klebte von der Hüfte an aufwärts an seinem Körper. Am liebsten hätte er es sich sofort vom Leib gerissen und verbrannt, doch er konnte sich nicht rühren.
„Barney? Barney!“
Jemand packte ihn am Arm und es kostete ihn unheimlich viel Mühe, den Blick von den grauen Aufzugtüren abzuwenden.
Lacy stand vor ihm, die Haare wild vom Kopf abstehend und mit tiefschwarzen Ringen unter den Augen.
„Du solltest dich hinsetzen“, sagte sie leise, aber bestimmt. „Du kannst nichts mehr tun und stehst hier nur im Weg.“ Als hätte er auf dieses Stichwort gewartet, trat Lee plötzlich vor und zerrte Barney am Handgelenk zu einer Reihe gelber Plastikstühle. Er hätte gern protestiert, doch als er sich hinsetzte, bemerkte er, wie sehr seine Knie zitterten.
Einen Moment lang blieben sie stumm nebeneinander hocken, während das Geschrei immer lauter wurde. Ob es einen Unfall gegeben hatte, überlegte Barney, doch eigentlich war es ihm völlig egal. Er fühlte nichts mehr außer einer schier unbezwingbaren, eiskalten Panik, die ihm langsam die Lungen zerquetschte.
Aus dem Augenwinkel sah er, wie Lee Billys Handy hervorzog. Sachte drehte er es zwischen den Händen, als suche er nach etwas unter all den blutigen Fingerabdrücken. Barney musste den Blick abwenden.
„Ich wusste nicht, wo er ist“, murmelte er schließlich und Lee hielt inne. „Er hatte mir gestern erzählt, dass er bei Tool etwas abholen wollte. Doch ich habe nicht richtig zugehört…ich… ich hab nur genickt, es war… hab an etwas anderes gedacht und…“
„Hab ich ‘nen weißen Kragen an, Idiot?“, kam prompt die wütende Antwort und Barney blinzelte überrascht. Lee funkelte ihn zornig an. „Such dir jemand anderen für deine Schuldgefühle. Du hättest das nicht verhindern können!“
„Er…“
„Der Junge hat auf die Fresse gekriegt, ziemlich übel sogar. Doch wir haben beide schon Schlimmeres gesehen. Er wird’s überleben. Du predigst mir doch immer, dass ich ihn nicht unterschätzen soll, also halt den Rand.“
Bevor Barney irgendetwas erwidern konnte, sprang Lee auf
„Ich brauche einen Kaffee. Mir egal, wie dünn die Plörre hier ist, schlimmer als deine kann sie sowieso nicht sein. Ruf mich an, wenn’s was Neues gibt.“
Barney starrte ihm fassungslos hinterher. Es war selten geworden, dass Lee ihn mit irgendetwas überraschen konnte und normalerweise war er es, der sofort Zeter und Mordio schrie, wenn Billy irgendetwas passierte – Barney erinnerte sich da an diverse Besuche bei Kinderärzten. Dass er jetzt so ruhig und vernünftig blieb, verhieß nichts Gutes.
Doch im Moment blieb ihm nichts anderes übrig als abzuwarten.
no subject
Date: 2013-09-28 09:45 am (UTC)...
...und jetzt mach es wieder gut....
...
...Du kannst mich nicht so zurück lassen!
no subject
Date: 2013-09-28 09:51 am (UTC)ABER ICH ARBEITE DRAN VERSPROCHEN XDDD
no subject
Date: 2013-09-29 09:43 am (UTC)Baby .... ;___; Nicht doch....
Nicht wegen Motorradteilen! Das ist es doch nicht wert, dir dafür in die Fresse hauen zu lassen! Denk doch an den Blutdruck deiner Daddies.
Wo ist die Fortsetzung ???
Ich weiß immer noch nicht, ob Billy das unbeschadet übersteht??? (Du hast ja wieder draufgehauen wie ein Berserker! XD) Und ob Lee jetzt auf einen Rachefeldzug zieht (der ist doch nicht umsonst so ruhig ... das ist sehr verdächtig). Und ob Barney an seinem Bett sitzt wenn er aufwacht (und ihm links und rechts die Ohren lang zieht, weil er sich wegen Motorradteilen hat vermöbeln lassen!!!)
Also bitte mehr und bitte weiter ???