[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Challenge: Tropes: Das abschreckende Beispiel - Für mich
Fandom: Robin Hood
Personen/Pairings: Djaq/Will Scarlett, Allan A Dale/Guy of Gisborne
Wörter: ~1.600
Warnung: Kitsch
Anmerkung: Fortsetzung zu Emergency Chamber. Doktor Djaq muss noch einmal anrücken. Ich könnte nun schlechte Wortspiele um die Begriffe "Doktor" und "Liebe" machen, aber ich erspare sie uns allen lieber.

Sie hatte es nicht übers Herz gebracht, Will zu wecken. Er hatte mit John und Robin den ganzen
Tag damit zugebracht, von Dorf zu Dorf zu eilen und Essensrationen an die Bedürftigen zu verteilen, und Djaq hatte ihm am Abend eine heilende Tinktur auf einen wütenden Sonnenbrand an der Nase verabreicht. Er war auf seiner Pritsche eingeschlafen kaum dass er sich hingelegt hatte.

„Es tut mir leid“, sagte Marian, die neben Djaq auf ihrem vom Mond beglänzten Schimmel aussah wie eine Fee. Eine sehr müde Fee.
„Bist du sicher, dass du nicht umkehren und ihn mitnehmen möchtest?“

Djaq lächelte sie an;
„Nein. Gisborne hat sein Wort das letzte Mal gehalten. Er wird es wieder tun. Du hast es doch auch gesehen.“

Marian nickte, und sie ritten einige Zeit schweigend nebeneinander her.

Als wieder zu sprechen begann, übertönte ihre Stimme kaum das Rauschen der Blätter in den nächtlichen Baumwipfeln.
„Wir haben einiges gesehen in dieser Nacht.“

Bedächtig nickte Djaq. Nach dem Gespräch mit Will auf dem Heimweg vor drei Tagen hatte niemand mehr das Thema angerührt. Es hatte keinen Anlass gegeben. Djaq hatte Marian nicht gesehen und es hatte keine ruhige Minute mit Will allein gegeben, um das, was sie in der Nacht, in der man Allan den Tod prophezeit hatte, gesehen hatten, zu besprechen.
Es war schon schlimm genug, im Allgemeinen keine ruhige Minute mit Will verbringen zu können.

„Ich verstehe es immer noch nicht“, räumte Marian ein.
„Aber ich kann nichts dagegen tun – ich habe das Bedürfnis, dabei zuzusehen, es zu begreifen. Vielleicht, weil es etwas ist, das sich noch verbotener anfühlt als mit Robin verlobt zu sein.“

~

Djaq konnte sich nicht helfen. Es fühlte sich an wie ein ganz normaler Besuch bei einem ganz normalen Patienten. Nachdem sie mit Marian den kleinen Westeingang passiert, sich durch viele dunkle Gänge geschlängelt und die Kammer des Kranken betreten hatte, erschien ihr Gisborne mit einem Mal kaum noch bedrohlich. Er saß wieder auf dem Stuhl neben dem Bett und sein Körper straffte sich für einen Augenblick in der Spannung eines Ritters, der einen Feind oder zumindest einen Kampfgegner erwartet. Als er sah, dass Djaq allein gekommen war, sackte er jedoch schnell wieder zu einem schwarzen Schatten zusammen.

Allan war bei Bewusstsein. Djaq stellte ihre Utensilien neben dem Bett ab und er öffnete die Augen mit der Erschöpfung eines Menschen, den man Tage um seinen Schlaf gebracht hatte. Seine spröden Lippen formten ein tonloses „Oh.“
„Lange nicht gesehen, Allan A Dale“, sagte Djaq und strich ihm eine Strähne seines schweißnasssen Haares aus der Stirn. Er war noch immer blass, aber seine Wangen schimmerten rot. Die entzündete Wunde und das lange Fieber hatten seinen Körper ausgezehrt.
„Du. Hier“, presste er verwirrt heraus. Er blickte erst Guy, dann Marian an.
„Is' sie wirklich...?“
„Ja“, entgegnete Marian. Sie atmete tief ein, ehe sie sich umwandte.
„Ich werde draußen nach dem Rechten sehen.“

~

„Das kann nur eins bedeuten“, murmelte Allan, als sie ihm vorsichtig den Verband abnahm.
„Ich geh drauf.“
„Du gehst gerade weniger drauf als noch vor drei Tagen“, erklärte sie ihm.

Die Wunde starrte sie noch immer zornig rot an, aber wenigstens hatte es keine neue Eiterbildung gegeben. Jetzt erst konnte man sehen, wie tief sich der Pfeil in das Fleisch zwischen der Schulter und dem Schlüsselbein gebohrt haben musste. Der Schütze hatte ihn in einem hohen Bogen abgeschossen. Djaq war sich nicht sicher, ob er einfach nur horrend schlecht gezielt oder Allans Herz absichtlich nicht anvisiert hatte. Es war eine Stelle, die Robin sehr gerne auswählte, wenn er jemanden für eine Weile ausschalten, jedoch nicht töten wollte.

„Du solltest ihn heilen“, polterte Gisborne unwirsch dazwischen.
„Nicht sein Leiden verlängern.“
Djaq richtete sich langsam auf. Jetzt, da er saß, überragte sie ihn sogar ein wenig, und sie konnte ihn mit einem hochmütigen Blick, der die Unbarmherzigkeit eines Christen verspottete, bedenken.
„Du hast mich angefleht, sein Leben zu retten“, sagte sie feierlich.
Sie konnte hören, wie Allan für einen winzigen Augenblick den Atem anhielt.
„Das habe ich getan. Das ist also dein Dank.“

Sie hatte nicht gedacht, dass Gisborne noch mehr zusammensacken könnte, aber er schaffte es.
Djaq seufzte tonlos.
„Die Wunde ist sehr tief und erholt sich erst langsam von der Entzündung.“
Sie wandte sich wieder an Allan.
„Es ist nicht ungewöhnlich, dass du noch etwas Fieber hast.“ Vorsichtig legte sie ihre Hand auf seiner Stirn ab.
„Aber das wird auch noch vergehen.“

Sie schwiegen alle drei, als Djaq die Verletzung mit einer Tinktur benetzte, als Allan sich schwerfällig aufsetzte und sie einen neuen Verband anzulegen begann. Gisborne sah finster zu.
„Wie ist das überhaupt passiert?“, fragte Djaq schließlich.
Allan zuckte die Schultern. Das heißt, er versuchte es, überlegte es sich jedoch schnell anders ob des Schmerzes, der ihn dabei durchzucken musste.
„Ganz normal. Pfeil abgekriegt, Pfeil rausgezogen.“
„Hast du die Wunde gesäubert?“
Er lachte durch die Nase.
„Ich will ja nichts sagen, aber sieht es so aus?“

Gisborne auf der anderen Seite des Bettes wandte entnervt den Blick ab.
„Bauerntölpel“, zischelte er.

„Hey, ich hab sowas schon unzählige Male gemacht“, nuschelte Allan missmutig.
„Bisher is' noch nie was passiert.“
„Jetzt schon“, sagte Djaq. Sie fixierte den Verband vorsichtig.
„Du hättest einen Arzt nachsehen lassen sollen. Du hast mehr Glück als Verstand, aber auch das Glück ist dir nicht immer hold.“ Den Ausspruch hatte sie von Much und sie war stolz, ihn endlich benutzen zu können.
„Du hättest sterben können“, knurrte Gisborne dunkel.
„Du wärst um ein Haar gestorben“, pflichtete Djaq ihm bei.

Der Raum fiel in entsetztes Schweigen.

Allan blinzelte langsam wie ein Träumender und schaute zwischen ihnen hin und her. Djaq wagte es nicht, irgendwo anders hinzusehen als auf den Verband. Gisborne räusperte sich zornig und offenbar peinlich berührt.

„Und wenn schon“, sagte Allan und seine Stimme klang plötzlich sehr spröde.
„Is' ja nicht so, dass euch das groß kümmert.“

Für den Augenblick eines Lidschlages geschah nichts. Dann schepperte der Stuhl neben dem Bett, laut gegen den Steinboden kratzend, als Gisborne hochfuhr und Allan mit einem Blick bedachte, der Djaq Sorgen bereitete, dass er schaffte, was der Pfeil versäumt hatte und Allan auf der Stelle tot in ihren Armen zusammensinken würde. Wutschnaubend, mit den Sohlen seiner Stiefel stampfend, donnerte der Mann durch die Kammer, riss die Tür auf und warf sie hinter sich scheppernd zu.

~

Sie saß am Bettrand und tupfte Allan mit einem feuchten Tuch den Schweiß vom Gesicht. Draußen hing die Nacht über Nottingham und auf den Gängen scheuchte Guy of Gisborne schreiend Palastwachen umher. Für einen Augenblick hatte Djaq Angst gehabt, er würde ihr seine Soldaten auf den Hals hetzen. Dann hatte sie gehört, dass er sie von dem Raum wegtrieb.

„Du weißt genau, dass du mir nicht egal bist“, sagte sie versöhnlich und legte ihm zärtlich die Hand an seine Wange.
Der normale Allan hätte spätestens jetzt einen dummen Witz gerissen, hätte sich womöglich weggedreht, hätte sie vielleicht ausgelacht, wenn er sich getraut hätte.
Der Allan nach über drei Tagen schweren Fiebers lächelte schief und sah zur Seite.

„Du bist nicht einmal ihm egal.“ Sie nickte gen Tür.

„Wenn er in einer Sache selbst seine Erzfeinde um Hilfe bittet, ist sie ihm nicht egal.“

Allan schluckte;
„Er will nur Information. Hätte ich ins Gras gebissen, hätte er die nie bekommen.“

Sie legte den Kopf schief.
„Du weißt, dass das nicht wahr ist. Das ergibt nicht einmal Sinn.“

„Giz' ergibt selten Sinn“, gab er verdrießlich zurück.

Djaq hatte zu viele Menschen unter diesem Himmel getroffen. Sie wusste, dass es die Kategorien Schwarz und Weiß in den seltensten Fällen gab. Sie wusste, dass Guy of Gisborne sich gerne rabenschwarz gab, dass sie ihn hasste, dass sie ihm jederzeit einen Dolch ins Herz rammen würde, wenn es um Robin ging. Aber sie hatte diese andere, völlig unverständliche Seite an ihm gesehen, und sie verstand, dass sie er sie rührte, wenn es um Allan ging.
Vielleicht konnten sich zwei so verlorene Gestalten gegenseitig stützen. Vielleicht konnten sie aneinander wachsen.

„So selten wie du“, sagte sie.

„Als ich vor drei Tagen hier war und deine Wunde gesäubert habe, weißt du, was er da getan hat?“

Zögernd fasste sie nach seiner linken Hand. Seine Fingerspitzen waren kalt und klamm, und obwohl seine Hand viel größer war als die ihre, hatte sie das Gefühl, sie darin zu verschließen.

~

Sie musste an Will denken, als Gisborne in die Kammer zurücktrat und finster auf Allan hinabsah, als Allan, auf dem Rücken liegend und müde einfach zurückschaute, als erwartete er, dass seine Gedanken sich dadurch von ganz allein erklärten.
Was auch immer seine Gedanken waren.

Sie musste an Will denken; daran, wie er gerade auf seiner Pritsche lag und schlief, wie er sein Kissen womöglich enger umschlang, seine Haare zerzaust nach allen Seiten abstanden, wie warm er wohl war. Wie konnte es sein, dass ausgerechnet Gisborne, der seltsam steife, grausame, mordende Gisborne plötzlich wirkte wie jemand mit einem selten weichen Herz? Wie konnte es sein, dass ausgerechnet Allan, der betrügerische, unehrliche, skrupellose Allan auf einmal nervös aussah?

Wenn Liebe solche Dinge bewirkten, waren die beiden ein durchaus abschreckendes Beispiel. Es wirkte, als habe sie jemand durch Parodien ihrer selbst ausgetauscht.

~

Das letzte, was sie sah, nachdem sie Allan vorsichtig zum Abschied umarmt und Gisborne halb zugenickt hatte, war die Ansicht der beiden durch den Türspalt, als sie die Kammer verließ. Gisbornes lederner, langer Rücken. Allans müde Augen. Wie Gisborne sich zaghaft über ihn beugte. Wie Allan seinen Namen murmelte.

Sie kehrte allein zum Camp zurück, als das Morgenrot am Osthimmel hinaufkroch.
Sie musste gewaltsam den Impuls unterdrücken, sofort zu Will ins Bett zu schlüpfen.

Date: 2013-09-21 07:13 am (UTC)
From: [identity profile] akira-san13.livejournal.com
Ich finds immer noch total tollig, dass sich Djaq sich genauso nach Will verzehrt wie andersrum *.* Hach sie sind so süß!

Auch wenn ich gedacht hatte, dass Allan udn Guy schon ein "Item" sind... *grübel* dann möchste ich bitee daszusammensein auch lesen. *.*
(nu fehlt quasie Teil aus sicht von Allan &Guy auf Will &Djaq xD)

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