[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sirius
Challenge: Heldenreise: Sieg in letzter Sekunde ([livejournal.com profile] keksdiebin und [livejournal.com profile] leni_)
Fandom: Original
Wörter: 800
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8





Schon von weitem konnte Ingen die Soldaten sehen. Drei Männer mit breiten Schultern unter breiten Rüstungen die in der aufgehenden Sonne glänzten wie goldenes Feuer. Es wäre ein Leichtes für sie gewesen zu fliehen. Die Wellen zu beschwören, mit ihrem Schiff davon zu fahren und dieses Spiel um Herrschaftsansprüche hinter sich zu lassen. Aber sie blieb wo sie war, wartete geduldig.

Malves Plan musste fehlgeschlagen sein, war der einzige Gedanke, den Ingen noch denken konnte. Malves Plan war fehlgeschlagen und ihre geliebte Schwester in Gefahr. Wer auch immer der Finsteren Fürstin und ihren Anhängern verraten hatte, wo Ingen sich versteckte, wurde in diesem Moment und ihren Augen augenblicklich zu ihrem heimlichen Verbündeten. Ohne es zu wissen hatte er sie doch ihrer geliebten Schwester zur Hilfe gerufen.

Widerstandslos ließ Ingen sich von den Soldaten in Fesseln legen, auch als man ihr eine Kapuze über den Kopf stülpte gab sie nicht einen Mux von sich. Einer der Soldaten warf sie über seine Schulter. Seine Rüstung war so warm, dass Ingen es nur schwer ertragen konnte, doch sie zwang sich, weiterhin still zu bleiben.

Sie hörte seine Schritte, erst knirschend auf Sand, bald scheppernd auf den schweren Steinen der Palastbrücke, hörte wie die Soldaten die Torwächter grüßten, dann ging der Weg weiter, Pflastersteine, Schweine die irgendwo grunzend auf dem Burghof herum liefen, Stimmengewirr das verstummte, sobald die Soldaten mit ihr in die Nähe kamen. Türen quietschten und fielen mit lautem Knallen, das Ingen jedes mal zusammenfahren ließ, ins Schloss. Treppen wurde sie hinauf getragen, und wieder durch eine Tür um endlich, und mit verstörend väterlicher Behutsamkeit, auf kaltem Steinboden abgesetzt zu werden.

Die Kapuze über ihrem Gesicht blieb, ebenso wie die Fesseln.

„Na also“, sprach eine Frauenstimme, warm und rauchig und über Ingens Rücken lief ein tiefer Schauer den sie nicht verstand.

„Bringt mir den Verrückten“, rief sie. Schwere Soldatenschritte bewegten sich durch den Raum, und etwas – oder jemand – wurde über die Steine gezerrt.

„Mein lieber Willamar“, sprach die Finstere Fürstin.

„Du willst doch deinen Prinzen retten, oder nicht?“, sprach sie und ihre Stimme wurde noch dunkler, noch wärmer.

„Hier“ - eine Klinge wurde aus ihrer Scheide gezogen - „hast du deine Gelegenheit.“

Ingen drehte ihren Kopf hin und her und versuchte durch das Gewebe des Stoffs etwas zu sehen. Aber alles was sie erkannte war ein schlacksiger Schatten der sich zögerlich auf sie zu bewegte.

Und dann hörte sie Malve, hörte wie Malve schrie, dass die Worte in ihrer Verzweiflung untergingen.

Der Schatten näherte sich Ingen, beugte sich über sie, und unter Malves Flehen und Betteln, hob er sie hoch. Noch durch ihr Kleid spürte sie die Spitze einer Klinge, die an ihrem Brustkorb schnupperte.

„Ingen?“, flüsterte Willamar. Die Hand mit der er sie festhielt zitterte. Die Klinge zitterte auch.

„Es tut mir Leid“, flüsterte er, während Ingen ihre Hände zu festen Fäusten ballte. Sie konnte nichts sehen. Wie sollte sie das Wasser zu ihrer Hilfe rufen, wenn sie nicht sehen konnten, gegen wen und wo sich diese Hilfe richten sollte.

„Es tut mir Leid, dass ich dir nicht früher gesagt habe, wer du bist.“

Und während Ingen sich noch verfluchte, wie wenig durchdacht ihr Plan gewesen war, zerschnitt Willamar ihre Fesseln und riss ihr die Kapuze vom Kopf.

Für einen Moment herrschte eisige Stille, alle Augen, aber besonders die der Finsteren Fürstin, hingen an Ingen. Dann, ehe Ingen begreifen konnte, was eigentlich vor sich ging, wandte die Fürstin sich Malve zu.

„Du-“, um ihre Fingerspitzen sprühten Funken und die Fackeln hinter Malves Kopf zischten und züngelten gefährlich in ihre Richtung.

Da zersprangen plötzlich alle Gläser in den Fenstern des Turms und ein Sturm wehte die Wolken aus dem Himmel zu ihnen herein, aus denen ein fürchterlicher Regen auf sie nieder stürzte.

Die Rüstungen der Soldaten fielen scheppernd und als leere Hüllen zu Boden. Nur die Finstere Fürstin blieb alleine zurück, vom Regen durchtränkt ging sie in die Knie und krümmte sich, als würde ihr das bloße Wasser auf der Haut Schmerzen bereiten.

Ingen vergeudete keine Sekunde, sie rannte zu ihrer Malve und die Mädchen fielen sich in die Arme. Sie mussten sich erst von der Unversehrtheit der anderen zu überzeugen, ehe sie auch nur einen Gedanken für die Finstere Fürstin übrig hatten.

Anders Willamar, der nun mit einem Schwert ihrer eigenen Wachen über ihr stand.

„Was soll mit ihr geschehen, Hoheit?“, fragte er, während die vom schwerem Regen durchtränkte Fürstin sich vor ihm unter Krämpfen wandt.

„Töte sie!“, war der erste Befehl, den er auf seine Frage bekam. Aber das war nicht Malve, die ihn gesprochen hatte..

Willamar blickte nach Bestätigung suchend von Ingen zu Malve, doch die schüttelte den Kopf.

„Bringt sie in den Kerker. Ich will ihre Geschichte hören, bevor man sie hinrichtet.“

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios