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Team: Nutellasalat
Challenge:Personen – Joker (inspiriert von dieser Geschichte) – fürs Team
Fandom: Original, Akus Superhelden-AU (hoffentlich hab ich deinen Babies kein Unrecht angetan >.<)
Titel: Hilflose Zuschauer
Inhalt: Manchmal steht man genau dazwischen, wenn sich zwei liebe Freunde gegenseitig die Kehle herausreißen. Und wenn es ganz hart auf hart kommt, kann man nur noch sein blutendes Herz hinterherwerfen.


Hilflose Zuschauer

Rachel wusste, dass sie gerade ihr Leben aufs Spiel setzte, doch das gehörte zu ihrem Alltag dazu.
Das einzige, was gerade anders war, war die Tatsache, dass sie nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob die Kugeln aus ihren oder deren Waffen geflogen kommen würden.
Sie schnaubte verächtlich.
Wenn irgendwer aus den oberen Etagen auch nur ein bisschen nachdenken würde, dann hätten sie schon längst verstanden, dass Zac nicht darauf hin arbeitete, alle Supersoldaten zu töten. Die meisten von ihnen aßen Pistolenkugeln schließlich zum Frühstück und die einzigen, die daran starben, waren die schmalbrüstigen Wissenschaftler, die zehn Jahre lang Spritzen in ihren Kopf gerammt hatten.
Sie hatte sich manchmal gefragt, warum die Narben ab und zu weh taten, immerhin konnte sie sonst keinen Schmerz mehr empfinden – bis Zac ihr bedrückt erklärt hatte, dass es einen Unterschied zwischen seelischer und physischer Pein gab.
Ja, dachte Rachel, während sie die Straße überquerte, wenn irgendwer diesen Unterschied verstand, dann war es Zac.
Weil sie sich daran erinnert hatte, hatte sie , als sie ihm vor zwei Monaten die Zähne ausgeschlagen hatte, geflüstert, dass sie sich treffen mussten.
Zac war erstarrt, Rachel konnte ihre geballte Faust nicht mehr abbremsen und brach ihm aus Versehen die Nase. Er schlug ihr zum Dank die Kniescheibe an und warf sie in einen Giftmülltank. Trotzdem lag ihr ein paar Tage später eine Nachricht vor, eingestickt in die Innenseite ihres Trainingsanzug, den sie an diesem Tag gar nicht aus dem Schrank geholt hatte.
Er war solch ein Angeber, dachte sie, aber sie hielt sich natürlich trotzdem minutiös an seine Anweisungen und fand sich in dem schäbigsten Café ganz San Franciscos wieder. Es war dunkel, speckig und roch nach Feuerzeugbenzin. Dass keine Wachdrohnen über ihrem Kopf kreisten, lag wahrscheinlich nur daran, weil sie nicht durch die Tür passten.
Besser für alle Beteiligten.
Sie entdeckte ihn sofort, etwas abseits in einer Nische, und ihr Herz begann zu rasen. Trotzdem zwang sie sich, ganz gelassen zu seinem Tisch hinüber zu schlendern und sich völlig entspannt vor ihn zu setzen.
Er hob nicht einmal den Kopf, doch sie bemerkte, dass er in seinen Kaffee grinste.
„Hallo“, murmelte er mit einer Stimme wie Sandpapier. Er sah miserabel aus, dürr, abgemagert, Ringe unter den Augen, die nicht einmal das Makeup ordentlich verdecken konnte und seine Nase war entweder immer noch oder schon wieder gebrochen. Vor knapp zehn Jahren hatten sie sich das letzte Mal gesehen, ohne dass sie gezwungen waren, einander totzuschlagen und Rachel hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, dass sie gar nicht mehr wusste, wie man mit Menschen außerhalb von explodierenden Sprengladungen und einstürzenden Gebäuden sprach. Dass es mal eine Zeit gegeben hatte, in der sie beinah in der Lage gewesen war, Zacs Gedanken zu lesen, erschien ihr plötzlich wie ein Teil eines anderen Lebens.
Sie wollte es eigentlich nicht, doch sie griff über den Tisch und berührte ihn vorsichtig am Unterarm.
Er zuckte zusammen, als habe sie ihm das Handgelenk gebrochen.
„Ni-nicht“, sagte er hastig. „Mir tut alles weh. Tut mir Leid. Ich funktioniere nur noch dank Koffein und fehlgeleitetem Idealismus.“
Ihr entrang sich ein kurzes, hohes Wimmern, bevor sie es packen und in ein Lachen stopfen konnte, doch sie konnte immer noch nichts sagen.
„Wie geht’s dem Knie?“, fragte Zac.
Früher hätte sie ihm vors Schienbein getreten, um seine Frage zu beantworten, doch jetzt begnügte sie sich mit einem Schulterzucken.
„Du hast schon mal besser zugeschlagen“, sagte sie und wow, das war das Erste, was ihr nach zehn Jahren Trennung einfiel? Sie hätte heulen können, doch Rachel wusste nicht mehr, wie das ging.
Zac lächelte, wobei ihr auffiel, dass ihm der vordere Schneidezahn fehlte. Sie erstickte fast an ihren Schuldgefühlen.
„Es ist schön, dich zu sehen“, murmelte sie hilflos.
„Das würde ich gern zurückgeben, doch momentan frage ich mich eher, warum du mich unbedingt sehen wolltest.“
Eine berechtigte Frage, fand sie, doch sie hatte keine Antwort darauf. Warum jetzt? Warum nicht vor sechs Monaten, oder nach Chicago oder warum nicht schon eine Woche nach Zacs Flucht?
„Er hat nach dir gefragt“, sagte sie schließlich, weil es leichter war, Luke die Schuld zu geben, als sich ihren eigenen verzweifelten Gefühlen zu stellen.
Dass das genau die falsche Methode war, um Zac noch weiteren Schmerz zu ersparen, fiel ihr erst auf, als es zu spät war. Er presste die spröden Lippen aufeinander und wandte den Blick ab.
„Ich hoffe, du hast nichts gesagt?“
„Natürlich nicht. Ich bin nicht völlig bescheuert.“
Zac lächelte, doch es schien, als würde sein ganzes Gesicht daran zerbrechen.
Sie musste den Blick abwenden.
„Hast du jemanden, der sich um dich kümmert?“, fragte sie nach ein paar Augenblicken, bevor sie sich daran hindern konnte.
„Rachel…“
„Ich will keine Namen, du Trottel. Sag mir nur, dass jemand für dich da ist“, murmelte sie und starrte auf ihre dreckigen Fingernägel.
Zac antwortete nicht sofort und als er es tat, zitterte seine Stimme.
„Gott, ich hab dich vermisst.“
Rachel lachte gequält und wischte sich hastig über die trockenen Augen. Er war ihr ausgewichen, was alles bestätigte, was sie im tiefsten Inneren befürchtet hatte.
Oh Gott, war er wirklich ganz allein?
Anstatt ihm zu sagen, dass sie ihn auch schrecklich vermisste, ballte sie die Fäuste.
„Wie lange noch, Zac?“, fragte sie.
„Ach, Rachel…“
„Ich meinte, wie lange noch, bis du endlich mit Luke redest?“
Zac riss die Augen auf und schien in sich zusammenzufallen, als habe er sich diese Frage noch nie gestellt.
Wie konnte jemand, der sonst immer vollkommen umsichtig agierte, nur so verdammt blöd sein?
„Das kann ich nicht“, stammelte er.
„Und warum nicht?“
„Das… das würde ihm das Herz brechen, das weißt du doch.“
Glaubst du denn nicht, dass du das schon längst getan hast, hätte sie am liebsten geschrien, doch ihr war klar, dass er das niemals begreifen würde.
„Er ist stärker, als du glaubst“, erwiderte sie, und dann fügte sie ganz leise hinzu: „Er vermisst dich ebenfalls.“
Zac stöhnte kaum hörbar und schüttelte gequält den Kopf.
„Ich kann nicht“, sagte er und dann, als würde er mit sich selbst sprechen: „Jedenfalls noch nicht.“
Rachel wurde hellhörig. „Wie meinst du das?“
Ein ehrliches, freundliches und beinah sorgenfreies Lächeln erschien auf seinem zerschundenen Gesicht. „Ich hatte es eigentlich nicht vor, aber… wenn alles gut geht, dann kann ich in ein paar Wochen mit Luke reden. Wenn er mir nicht vorher den Hals bricht.“
„Meinst du das ernst?“
Sie war misstrauisch und er musste es ihr angesehen haben, denn er grinste spitzbübisch.
„Ja, tue ich. Und ausnahmsweise kannst du mir glauben.“
„Na klar. Vertrau dem Bösewicht. Ist die erste Lektion, die wir Helden lernen.“
„Erscheint mir sinnvoll. Vor allem, wenn der Bösewicht so gut aussieht wie ich.“
„Spar dir dein Gesülze für Luke“, gab sie zurück und musste lachen, als Zac tatsächlich ein wenig errötete.
Sie wäre gern noch geblieben, vor allem jetzt, da er ihr ein winziges bisschen Hoffnung zurückgegeben hatte, dass vielleicht doch noch alles gut werden würde. Doch je länger sie sich an einem Ort aufhielt, desto größer war die Gefahr für sie beide.
„Ich muss gehen.“
„Ich weiß. Pass auf dich auf.“
Ein letzter langer Blick, dann stand Rachel auf und ging zur Tür.
Kurz davor drehte sie sich noch mal um.
„Alles Gute, übrigens“, sagte sie, „zu deinem siebenundzwanzigsten Geburtstag.“
Er starrte sie verblüfft an. „D-danke!“
Und das war das Letzte, was sie jemals von ihm hören sollte.

Date: 2013-09-18 08:02 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Aaaaaaaaaah! Warum brichst du mir mit meinen eigenen Charakteren das Herz? Dagegen gibt es Regeln!!! ...Glaub ich. Hoffe ich. XD
Aber es passt wunderbar zu ihnen und... aww!! <3 Danke fürs Schreiben. *___*

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