Personen - Held wider Willen - fürs Team
Sep. 10th, 2013 05:43 amTeam: Nutellasalat
Challenge: Personen – Held wider Willen – fürs Team
Fandom: Uncharted (Videospiel)
Titel: Halbe Weihnachten
Inhalt: Sully und Nathan verbringen ein graues, kaltes Weihnachten in Glasgow. Sully leidet und Nate teenage-angstet vor sich hin (er ist etwa 19).
Anmerkung: Nathan Drake und Victor ‚Sully‘ O’Sullivan treffen sich zum ersten Mal, als Nate mit 13 Jahren versucht, Sully zu bestehlen, was nach hinten losgeht. Nach diesem holprigen Start nimmt Sully den Burschen unter seine Fittiche und zusammen werden sie zu einem großartigen Con-Artist- und Schatzjäger-Duo – und der sympathischsten Ersatzpapi/Ersatzsohnemann-Konstellation aller Zeiten. Es sei dieses Video zur visuellen Illustration empfohlen. (Achtung, Spoiler für Uncharted 3: Drake’s Deception, aber keine Angst, nichts ist so wie es auf den ersten Blick scheint ;) )
Warnung: schmoopiger Familienkitsch
Halbe Weihnachten
-November, Karibische See -
„Gott, Junge, halt dich bloß fest!“, schrie Sully über den ohrenbetäubenden Lärm des Helikopters hinweg.
Nate, der an der linken Kufe baumelte und mit jeder Sekunde schwächer wurde, sparte sich eine Antwort und grunzte nur, während er hastig den Kopf noch tiefer zwischen die Schultern zog, um den umherfliegenden Kugeln zu entgehen.
Sully fluchte, beugte sich weiter aus dem gefährlich schwankenden Hubschrauber und streckte die Hand aus.
„Junge, nur noch ein bisschen… gleich hab ich dich…“ Sully keuchte, während er sich Zentimeter für Zentimeter weiter nach unten schob. Ein Scharfschütze (ein schlechter) hatte ihn am Oberarm erwischt und die Mischung aus Blut und Schweiß machte seine Hände schlüpfrig.
„Sully… die werden langsam besser!“, rief Nate panisch, während ihnen weitere Kugeln um die Ohren flogen.
Sully knurrte, verfluchte Nates Stolz und ihr verdammtes Pech, immer auf Hinweise auf genau die Schätze zu stoßen, die auch von paramilitärischen Geheimorganisationen gesucht wurden – und dann warf er sich seiner protestierenden Schulter zum Trotz zur Hälfte aus dem schwankenden Hubschrauber, packte Nate am Gürtel und zerrte ihn mit aller Macht nach oben.
Nate schrie auf, stieß mit dem Kopf gegen den Rand der Luke und fiel stöhnend zu Boden.
"Autsch... das tat weh."
"Hör auf zu flennen, Junge", knurrte Sully und ließ sich auf einen der Sitze fallen. Ihm war schwindelig und als er versuchte, seine Hand auf die Wunde in seinem Arm zu pressen, verfehlte er sie beim ersten Mal. Er runzelte die Stirn und beschloss, sich erst einmal nicht anzuschnallen.
"Macht endlich die verdammte Luke zu, ihr Schafsköpfe!", dröhnte es aus dem Cockpit.
"Freut mich auch dich zu sehen, Polly!", schrie Nate zurück, doch er tat wie ihm geheißen, wenn auch nur unter Fluchen und Murren, woraufhin Polly ihn einen verdammten Bastard nannte und schwor, ihn in den Pazifik zu werfen, sobald sie dem Kugelhagel entkommen wären.
Sully schnaubte amüsiert und setzte sich mühsam das Headset auf. Er fühlte sich wirklich nicht besonders gut. "Du bist unerträglich, Nate", sagte er dennoch schmunzelnd.
Nate grinste. "Man tut, was man kann. Und so im Nachhinein war es doch gar nicht so schlimm..."
"Nicht so schlimm? NICHT SO SCHLIMM?. Junge, du kannst froh sein, dass wir überhaupt da rausgekommen sind!", erwiderte Sully empört, doch er bereute sein Geschrei sofort, denn ihm dröhnte plötzlich der Kopf. Er massierte sich die Schläfen, während er Nate finster ansah.
Auf dessen Gesicht lag ein Ausdruck ungläubigen Staunens.
"Oh", flüsterte er, so als sei ihm jetzt erst klar geworden, wie haarscharf sie einer Exekution entkommen waren. "Stimmt."
Sully seufzte. Nate wirkte plötzlich viel jünger, als er es ohnehin schon war - ein Kind eben, das sich der Konsequenzen seines Handelns nicht bewusst war. Sully hasste diesen Leichtsinn, doch er wusste nicht, wie er ihn Nate austreiben sollte. Die Erkenntnis kam ihm immer erst hinterher und wenn es dann soweit war und es hart auf hart kam, dann war das viel zu spät.
Sie schwiegen eine Weile und Sully konzentrierte sich auf seine Verletzung. Die Blutung war schwächer geworden, doch das Brennen hatte sich auf seinen gesamten Arm ausgeweitet und ihm schien, als trübe sich sein Sichtfeld immer mehr ein. Er wurde unruhig. Das war doch nur ein Streifschuss...
"Wo fliegen wir hin?", fragte Nate plötzlich und riss Sully damit aus seinen Gedanken.
Sully senkte den Arm. "Polly nimmt uns mit bis nach Medellin. Ian Bond hat ein Flugzeug für uns - keine 007-Witze, Nate, du verdammter Bengel, sonst kannst du nach Schottland schwimmen!", schob er hastig hinterher, kaum, dass er das Funkeln in Nates Augen gesehen hatte. Der sank tatsächlich ein wenig in sich zusammen. "Er hat dich das letzte Mal schon beinah aus dem Flugzeug geschmissen."
"Kann ich nachvollziehen!", mischte sich Polly ein, woraufhin Nate ihr die Zunge rausstreckte, was sie natürlich nicht sehen konnte.
Sully drohte ihm mit der Faust. Nate betrachtete ihn einen Moment, dann malte er ein kleines Herz in die Luft. "Oh la la, Sully, du und Polly?", flötete er. "Du hast auch gar keine Scham..."
"Wirst du jetzt endlich still sein, Bursche", antwortete Sully hitzig. Der Junge würde ihn noch mal ins Grab bringen.
"Schon gut, Casanova." Nate tat so als könne ihn kein Wässerchen trüben und lächelte fast charmant. "Wieso Schottland?"
Sully verdrehte die Augen. "Wo warst du die letzten achtzehn Stunden, du Idiot?", knurrte er. "Wir sind komplett aufgeflogen, erinnerst du dich? Wir müssen Gras über die Sache wachsen lassen, oder willst du den gesamten amerikanischen Kontinent am Arsch haben?"
"Glaubst du, die Amerikaner sind wirklich noch sauer wegen der Nummer in Chicago?"
"Nate!"
"Schon gut, schon gut, du hast Recht! Schottland also. Glasgow soll ja toll sein, um diese Jahreszeit..."
"Ja. Weihnachten im Schnee. Ist doch auch mal..."
Weiter kam Sully nicht, denn ihm wurde schwarz vor Augen und der panische Schrei von Nate war alles, was er noch hörte, bevor er aus dem Sitz rutschte und ohnmächtig auf dem Boden aufschlug.
- Dezember, Glasgow-
Nate hasste Krankenhäuser. Insbesondere dann, wenn er mit einem schlecht gefälschten Ausweis in einem lieblos dekorierten Wartezimmer hocken musste, bis Sully endlich wieder kam.
Es war der Morgen des 24. Dezembers und wie immer war es kalt, grau und feucht in Glasgow. Sie lebten seit rund sechs Wochen in einer heruntergekommenen Ein-Zimmer-Wohnung am Stadtrand, die ein "alter Schulfreund" von Ian Bond bereitgestellt hatte. Wahrscheinlich kein sehr guter, wenn der Zustand der Behausung irgendwelche Rückschlüsse zuließ, dachte Nate, doch solange Sully nicht wieder topfit war, hätte er auch in einem Abwasserkanal geschlafen.
Sie wussten immer noch nicht, was genau ihm den Rest gegeben hatte
Nate fröstelte, als er an Sullys wächsernes, schmerzverzerrtes Gesicht zurückdachte. Pollys Lebensgefährtin hatte noch am Flughafen in Medellin einen illegal arbeitenden Arzt aufgetrieben, der zwar betrunken war, Sully aber dennoch soweit zusammengeflicken konnte, dass er den Flug nach Schottland halbwegs wach überstanden hatte.
Nate hatte sich noch nie in seinem Leben so verdammt hilflos gefühlt, als Polly ihm gefälschte Pässe in die Hand drückte.
„Du musst jetzt gut aufpassen“, sagte sie eindringlich, doch Nate konnte seinen Blick nicht von all dem Blut auf Sullys Brust und Arm abwenden.
Bis Polly ihn harsch am Kinn packte. „Hör zu, Nathan. Sully braucht dich jetzt, verstanden? Also konzentrier dich auf das, was ich dir jetzt sagen werde.“
„O-okay.“
Sie nickte und erklärte ihm, dass sie Nate und Sully in eine Zivilmaschine setzen würden. Sie würden mehrmals umsteigen müssen und es war essentiell, dass Nate dafür sorgte, dass der Verband um Sullys Arm alle paar Stunden gewechselt würde.
„Tu so, als sei er dein Großvater, der Hilfe beim Pinkeln braucht oder irgendwas. Übertreib ruhig, heul von mir aus, verstanden. Nathan, hast du mich verstanden?“
„Was? Ja.“
„Gut. In Glasgow wartet ein Freund von Ian auf euch und er wird Sully in ein Krankenhaus fahren und dich in eine sichere Wohnung. Ihr bekommt neue Pässe, dafür werden wir sorgen.“
„Polly!“
„Ich bin beschäftigt, Santiago.“
„Komm her, ich brauche jemanden, der den Verband anlegt. Ich bin zu blau dafür und der Junge sieht aus, als würde er gleich kotzen.“
Nate wollte protestieren, doch er spürte tatsächlich Galle in seinem Mund. Polly seufzte.
„Alles wird gut, Nathan“, murmelte sie schließlich, strich ihm kurz übers Haar und stand rasch auf, um Santiago zur Hand zu gehen.
Ab da hatte Nate nur noch gefroren und von der Flugreise wusste er kaum noch etwas.
„Und vergessen Sie nicht, regelmäßig Ihre Medikamente zu nehmen, Mister O‘Sullivan“, tönte es plötzlich laut über den Flur.
Nathan hob rasch den Kopf und sprang hastig von seinem Stuhl, als die Tür zum Zimmer des Arztes aufging und Sully auf einen Stock gestützt heraustrat.
„Aber klar doch, Doc“, erwiderte er über die Schulter. „Gibt doch nichts Schöneres als Weihnachten ohne Alkohol und Zigaretten.“
„Ich meine es ernst, Mister O’Sullivan.“
„Ich doch auch, Doc. Auf Wiedersehen.“
Die Tür fiel zu und Sully ächzte. Nate war sofort bei ihm.
„Und?“, fragte er leise, während sie gemeinsam in Richtung Ausgang liefen. „Gibt’s was Neues?“
Sully seufzte. „Nein, Kleiner, tut mir Leid. Ich muss noch ein paar Mal hierher.“
„Komm gib‘s zu, du bist doch nur in deine Ärztin verschossen“, murmelte Nate.
„Klar! Ich simuliere eigentlich auch nur.“
„Wusst ich’s doch.“
Sie lachten ein bisschen, doch es klang nicht besonders fröhlich und sie verließen das Krankenhaus mit genau dem gleichen mulmigen Gefühl wie sonst auch.
Nate biss die Zähne zusammen, als ihm eiskalter Wind ins Gesicht schlug und sich mühelos durch seine Jacke und die zwei Pullis fraß. Hastig winkte er ein Taxi heran.
Die Fahrt verbrachten sie schweigend, obwohl es einige Male schien, als wolle Sully etwas sagen, doch jedes Mal wurde er von ihrem fröhlich singenden Taxifahrer unterbrochen, der von „Last Christmas“ bis „Jingle Bells“ alles im Repertoire hatte.
Als die schäbige, braunschwarze Fassade ihres Domizils endlich in Sichtweite kam, beschloss Nate, dass er Weihnachten ab sofort hasste.
Er bezahlte den Mann, dann half er Sully bis ins fünfte Stockwerk hinauf (der Aufzug war schon am zweiten Tag ihres Besuchs ausgefallen) und als sie endlich in ihrer Wohnung ankamen, waren beide völlig erledigt.
Sully ließ sich stöhnend auf die durchgesessene, quietschende Couch fallen und Nate sich am liebsten daneben gepflanzt hätte, doch dann blieb er unsicher im Flur stehen. Er wusste nicht, was er machen sollte, aber er konnte nicht mehr bloß tatenlos rumsitzen. Das machte ihn doch schon im Krankenhaus völlig wahnsinnig.
„Hast du Hunger, Sully?“, fragte er dann und war schon einen halben Schritt in die Richtung der winzigen, kaum funktionellen Küchenzeile getreten. Nicht, dass sie viel da hatten. Bohnen, Toast und einen halben Apfel, wenn er sich recht erinnerte, aber daraus konnte man bestimmt auch etwas kochen. Oder braten. Zubereiten?
„Hm? Nein, Junge.“
Nate stockte.
„Durst? Ich könnte Tee machen. Oder Kaffee. Ach nein, entschuldige, das geht ja nicht. Würde sowieso nicht schmecken, mit dem Kalkstaub, der aus der Leitung kommt. “
Sully lächelte milde, was Nate überhaupt nicht gefiel.
„Beruhig dich. Du rennst rum wie ein aufgescheuchtes Huhn.“
„Tu ich nicht.“
„Wohl.“
„Gar nicht wahr!“
„Willst du dich etwa mit mir streiten? Ich bin schwerkrank, schon vergessen?“
Nate wedelte theatralisch mit den Händen. „Für einen Schwerkranken beschwerst du dich ziemlich viel.“
„Mit dir als Pfleger ist das doch auch kein Wunder, du frecher Bengel. Und jetzt komm her, damit ich dich mit meinem Gehstock vermöbeln kann.“
Trotz allem musste Nate kichern und er trat bereitwillig zum Sofa, doch statt des erwarteten spielerischen Schlags gegen seinen Oberarm spürte er, wie Sully ihn ums Handgelenk packte und neben sich aufs Sofa zog.
Verblüfft sah Nate ihn an – nur um festzustellen, dass Sully diesen halb verlegenen, halb ernsten Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, den Nate wie nichts sonst auf der Welt hasste.
„Hör mal, Junge“, sagte er leise. „Ich weiß, dass die letzten Wochen nicht sonderlich schön für dich waren.“
„Sully…“, jammerte Nate, der das alles nicht hören wollte, doch Sully fuhr unbeirrt fort.
„Sei ruhig. Weder du noch ich hatten geplant, Weihnachten im Krankenhaus zu verbringen, doch jetzt ist es so gekommen und wir müssen das Beste draus machen. Jammern bringt nichts, die Show muss weitergehen und so weiter und so fort.“
Er fragte sich, warum Sully nicht einfach aufhörte, immerhin schien ihm das Ganze genauso unangenehm zu sein wie Nate.
„Du… du hast dich tapfer geschlagen, mein Junge, und mir wahrscheinlich das Leben gerettet.“
„Das waren Polly, Santiago und der Freund von Ian“, warf Nate hastig ein, was Sully dazu veranlasste, ihm eine leichte Kopfnuss zu geben.
„Red kein Blech. Du hast mich sabbernden alten Mann durch zwei Kontinente und fünf Flughäfen geschleust und wir sind nicht erwischt worden. Das hast du großartig gemacht und ich bin sehr, sehr stolz auf dich.“
Nate wurde knallrot und starrte hastig auf seine Knie. Er wusste nicht, was er sagen sollte.
„Deshalb, Junge, finde ich, dass du eine Belohnung verdient hast. Hier.“
Nate fand sich plötzlich mit einer Einhundert-Pfund-Note in der Hand wieder. Verblüfft starrte er Sully an, der liebevoll lächelte.
„Ich möchte, dass du dir einen schönen Weihnachtsabend machst. Geh etwas essen, kauf dir ein Geschenk und tu so, als sei es von mir. Vielleicht findest du sogar ein nettes Mädchen.“
„Sully… nein, das…“ Nate war völlig überfordert. Wie meinte Sully das? „Du willst, dass ich gehe? Jetzt?“
„Sofern du kein Mädchen im Badezimmer versteckt hast, dann ja. Ab mit dir nach draußen. Du solltest unter Menschen sein, Junge, und nicht mit einem senilen alten Knacker wie mir auf der Couch sitzen müssen.“
Nate war sprachlos. Wie konnte Sully denn nicht wissen, dass er an seiner Seite bleiben wollte? Dass sie doch ein Team waren, fast schon ein bisschen Familie und gerade an Weihnachten gehörten sie doch zusammen, oder nicht? Das hatten sie die letzten Jahre doch auch so gemacht, auch wenn sie sich nie etwas geschenkt hatten.
„Na, was ist, Junge? Ich dachte eigentlich, dass du schon längst aus der Tür wärst und ich mir in aller Ruhe Doctor Who anschauen kann.“
„Kl-klar“, hörte Nate sich sagen, doch er schaffte es nicht, Sully anzusehen. Er ballte die Fäuste. Wenn Sully ihn nicht da haben wollte, dann würde er ihn allein lassen. Vielleicht hatte er wirklich gedacht, er könne Nate eine Freude damit machen, wenn er ihn wegschickte. „Ich bin schon weg.“
Er hob den Kopf und grinste, obwohl sich ihm langsam aber sicher die Kehle zuschnürte.
Sullys breites, liebevolles und erleichtertes Lächeln gab ihm endgültig den Rest.
Hastig stand er auf, riss die Jacke vom Haken und hechtete zur Tür.
„Bis… später, Sully!“
„Viel Spaß, Junge! Frohe Weihnachten“
Dann war Nate zur Tür hinaus, die fünf Treppen runter, durch die Haupttür und bis zur anderen Straßenseite gerannt, bevor er weiter drüber nachdenken konnte.
Da stand er, das Geld in der einen Hand zusammengeknüllt, die Jacke in der anderen und er starrte in den bleigrauen Himmel hinauf und holte ein paar Mal zitternd Luft, bis er endlich nicht mehr das Gefühl hatte, losheulen zu müssen.
-Fortsetzung folgt
Liebe Mods, dürfte ich ein uncharted-tag bekommen?
Challenge: Personen – Held wider Willen – fürs Team
Fandom: Uncharted (Videospiel)
Titel: Halbe Weihnachten
Inhalt: Sully und Nathan verbringen ein graues, kaltes Weihnachten in Glasgow. Sully leidet und Nate teenage-angstet vor sich hin (er ist etwa 19).
Anmerkung: Nathan Drake und Victor ‚Sully‘ O’Sullivan treffen sich zum ersten Mal, als Nate mit 13 Jahren versucht, Sully zu bestehlen, was nach hinten losgeht. Nach diesem holprigen Start nimmt Sully den Burschen unter seine Fittiche und zusammen werden sie zu einem großartigen Con-Artist- und Schatzjäger-Duo – und der sympathischsten Ersatzpapi/Ersatzsohnemann-Konstellation aller Zeiten. Es sei dieses Video zur visuellen Illustration empfohlen. (Achtung, Spoiler für Uncharted 3: Drake’s Deception, aber keine Angst, nichts ist so wie es auf den ersten Blick scheint ;) )
Warnung: schmoopiger Familienkitsch
Halbe Weihnachten
-November, Karibische See -
„Gott, Junge, halt dich bloß fest!“, schrie Sully über den ohrenbetäubenden Lärm des Helikopters hinweg.
Nate, der an der linken Kufe baumelte und mit jeder Sekunde schwächer wurde, sparte sich eine Antwort und grunzte nur, während er hastig den Kopf noch tiefer zwischen die Schultern zog, um den umherfliegenden Kugeln zu entgehen.
Sully fluchte, beugte sich weiter aus dem gefährlich schwankenden Hubschrauber und streckte die Hand aus.
„Junge, nur noch ein bisschen… gleich hab ich dich…“ Sully keuchte, während er sich Zentimeter für Zentimeter weiter nach unten schob. Ein Scharfschütze (ein schlechter) hatte ihn am Oberarm erwischt und die Mischung aus Blut und Schweiß machte seine Hände schlüpfrig.
„Sully… die werden langsam besser!“, rief Nate panisch, während ihnen weitere Kugeln um die Ohren flogen.
Sully knurrte, verfluchte Nates Stolz und ihr verdammtes Pech, immer auf Hinweise auf genau die Schätze zu stoßen, die auch von paramilitärischen Geheimorganisationen gesucht wurden – und dann warf er sich seiner protestierenden Schulter zum Trotz zur Hälfte aus dem schwankenden Hubschrauber, packte Nate am Gürtel und zerrte ihn mit aller Macht nach oben.
Nate schrie auf, stieß mit dem Kopf gegen den Rand der Luke und fiel stöhnend zu Boden.
"Autsch... das tat weh."
"Hör auf zu flennen, Junge", knurrte Sully und ließ sich auf einen der Sitze fallen. Ihm war schwindelig und als er versuchte, seine Hand auf die Wunde in seinem Arm zu pressen, verfehlte er sie beim ersten Mal. Er runzelte die Stirn und beschloss, sich erst einmal nicht anzuschnallen.
"Macht endlich die verdammte Luke zu, ihr Schafsköpfe!", dröhnte es aus dem Cockpit.
"Freut mich auch dich zu sehen, Polly!", schrie Nate zurück, doch er tat wie ihm geheißen, wenn auch nur unter Fluchen und Murren, woraufhin Polly ihn einen verdammten Bastard nannte und schwor, ihn in den Pazifik zu werfen, sobald sie dem Kugelhagel entkommen wären.
Sully schnaubte amüsiert und setzte sich mühsam das Headset auf. Er fühlte sich wirklich nicht besonders gut. "Du bist unerträglich, Nate", sagte er dennoch schmunzelnd.
Nate grinste. "Man tut, was man kann. Und so im Nachhinein war es doch gar nicht so schlimm..."
"Nicht so schlimm? NICHT SO SCHLIMM?. Junge, du kannst froh sein, dass wir überhaupt da rausgekommen sind!", erwiderte Sully empört, doch er bereute sein Geschrei sofort, denn ihm dröhnte plötzlich der Kopf. Er massierte sich die Schläfen, während er Nate finster ansah.
Auf dessen Gesicht lag ein Ausdruck ungläubigen Staunens.
"Oh", flüsterte er, so als sei ihm jetzt erst klar geworden, wie haarscharf sie einer Exekution entkommen waren. "Stimmt."
Sully seufzte. Nate wirkte plötzlich viel jünger, als er es ohnehin schon war - ein Kind eben, das sich der Konsequenzen seines Handelns nicht bewusst war. Sully hasste diesen Leichtsinn, doch er wusste nicht, wie er ihn Nate austreiben sollte. Die Erkenntnis kam ihm immer erst hinterher und wenn es dann soweit war und es hart auf hart kam, dann war das viel zu spät.
Sie schwiegen eine Weile und Sully konzentrierte sich auf seine Verletzung. Die Blutung war schwächer geworden, doch das Brennen hatte sich auf seinen gesamten Arm ausgeweitet und ihm schien, als trübe sich sein Sichtfeld immer mehr ein. Er wurde unruhig. Das war doch nur ein Streifschuss...
"Wo fliegen wir hin?", fragte Nate plötzlich und riss Sully damit aus seinen Gedanken.
Sully senkte den Arm. "Polly nimmt uns mit bis nach Medellin. Ian Bond hat ein Flugzeug für uns - keine 007-Witze, Nate, du verdammter Bengel, sonst kannst du nach Schottland schwimmen!", schob er hastig hinterher, kaum, dass er das Funkeln in Nates Augen gesehen hatte. Der sank tatsächlich ein wenig in sich zusammen. "Er hat dich das letzte Mal schon beinah aus dem Flugzeug geschmissen."
"Kann ich nachvollziehen!", mischte sich Polly ein, woraufhin Nate ihr die Zunge rausstreckte, was sie natürlich nicht sehen konnte.
Sully drohte ihm mit der Faust. Nate betrachtete ihn einen Moment, dann malte er ein kleines Herz in die Luft. "Oh la la, Sully, du und Polly?", flötete er. "Du hast auch gar keine Scham..."
"Wirst du jetzt endlich still sein, Bursche", antwortete Sully hitzig. Der Junge würde ihn noch mal ins Grab bringen.
"Schon gut, Casanova." Nate tat so als könne ihn kein Wässerchen trüben und lächelte fast charmant. "Wieso Schottland?"
Sully verdrehte die Augen. "Wo warst du die letzten achtzehn Stunden, du Idiot?", knurrte er. "Wir sind komplett aufgeflogen, erinnerst du dich? Wir müssen Gras über die Sache wachsen lassen, oder willst du den gesamten amerikanischen Kontinent am Arsch haben?"
"Glaubst du, die Amerikaner sind wirklich noch sauer wegen der Nummer in Chicago?"
"Nate!"
"Schon gut, schon gut, du hast Recht! Schottland also. Glasgow soll ja toll sein, um diese Jahreszeit..."
"Ja. Weihnachten im Schnee. Ist doch auch mal..."
Weiter kam Sully nicht, denn ihm wurde schwarz vor Augen und der panische Schrei von Nate war alles, was er noch hörte, bevor er aus dem Sitz rutschte und ohnmächtig auf dem Boden aufschlug.
- Dezember, Glasgow-
Nate hasste Krankenhäuser. Insbesondere dann, wenn er mit einem schlecht gefälschten Ausweis in einem lieblos dekorierten Wartezimmer hocken musste, bis Sully endlich wieder kam.
Es war der Morgen des 24. Dezembers und wie immer war es kalt, grau und feucht in Glasgow. Sie lebten seit rund sechs Wochen in einer heruntergekommenen Ein-Zimmer-Wohnung am Stadtrand, die ein "alter Schulfreund" von Ian Bond bereitgestellt hatte. Wahrscheinlich kein sehr guter, wenn der Zustand der Behausung irgendwelche Rückschlüsse zuließ, dachte Nate, doch solange Sully nicht wieder topfit war, hätte er auch in einem Abwasserkanal geschlafen.
Sie wussten immer noch nicht, was genau ihm den Rest gegeben hatte
Nate fröstelte, als er an Sullys wächsernes, schmerzverzerrtes Gesicht zurückdachte. Pollys Lebensgefährtin hatte noch am Flughafen in Medellin einen illegal arbeitenden Arzt aufgetrieben, der zwar betrunken war, Sully aber dennoch soweit zusammengeflicken konnte, dass er den Flug nach Schottland halbwegs wach überstanden hatte.
Nate hatte sich noch nie in seinem Leben so verdammt hilflos gefühlt, als Polly ihm gefälschte Pässe in die Hand drückte.
„Du musst jetzt gut aufpassen“, sagte sie eindringlich, doch Nate konnte seinen Blick nicht von all dem Blut auf Sullys Brust und Arm abwenden.
Bis Polly ihn harsch am Kinn packte. „Hör zu, Nathan. Sully braucht dich jetzt, verstanden? Also konzentrier dich auf das, was ich dir jetzt sagen werde.“
„O-okay.“
Sie nickte und erklärte ihm, dass sie Nate und Sully in eine Zivilmaschine setzen würden. Sie würden mehrmals umsteigen müssen und es war essentiell, dass Nate dafür sorgte, dass der Verband um Sullys Arm alle paar Stunden gewechselt würde.
„Tu so, als sei er dein Großvater, der Hilfe beim Pinkeln braucht oder irgendwas. Übertreib ruhig, heul von mir aus, verstanden. Nathan, hast du mich verstanden?“
„Was? Ja.“
„Gut. In Glasgow wartet ein Freund von Ian auf euch und er wird Sully in ein Krankenhaus fahren und dich in eine sichere Wohnung. Ihr bekommt neue Pässe, dafür werden wir sorgen.“
„Polly!“
„Ich bin beschäftigt, Santiago.“
„Komm her, ich brauche jemanden, der den Verband anlegt. Ich bin zu blau dafür und der Junge sieht aus, als würde er gleich kotzen.“
Nate wollte protestieren, doch er spürte tatsächlich Galle in seinem Mund. Polly seufzte.
„Alles wird gut, Nathan“, murmelte sie schließlich, strich ihm kurz übers Haar und stand rasch auf, um Santiago zur Hand zu gehen.
Ab da hatte Nate nur noch gefroren und von der Flugreise wusste er kaum noch etwas.
„Und vergessen Sie nicht, regelmäßig Ihre Medikamente zu nehmen, Mister O‘Sullivan“, tönte es plötzlich laut über den Flur.
Nathan hob rasch den Kopf und sprang hastig von seinem Stuhl, als die Tür zum Zimmer des Arztes aufging und Sully auf einen Stock gestützt heraustrat.
„Aber klar doch, Doc“, erwiderte er über die Schulter. „Gibt doch nichts Schöneres als Weihnachten ohne Alkohol und Zigaretten.“
„Ich meine es ernst, Mister O’Sullivan.“
„Ich doch auch, Doc. Auf Wiedersehen.“
Die Tür fiel zu und Sully ächzte. Nate war sofort bei ihm.
„Und?“, fragte er leise, während sie gemeinsam in Richtung Ausgang liefen. „Gibt’s was Neues?“
Sully seufzte. „Nein, Kleiner, tut mir Leid. Ich muss noch ein paar Mal hierher.“
„Komm gib‘s zu, du bist doch nur in deine Ärztin verschossen“, murmelte Nate.
„Klar! Ich simuliere eigentlich auch nur.“
„Wusst ich’s doch.“
Sie lachten ein bisschen, doch es klang nicht besonders fröhlich und sie verließen das Krankenhaus mit genau dem gleichen mulmigen Gefühl wie sonst auch.
Nate biss die Zähne zusammen, als ihm eiskalter Wind ins Gesicht schlug und sich mühelos durch seine Jacke und die zwei Pullis fraß. Hastig winkte er ein Taxi heran.
Die Fahrt verbrachten sie schweigend, obwohl es einige Male schien, als wolle Sully etwas sagen, doch jedes Mal wurde er von ihrem fröhlich singenden Taxifahrer unterbrochen, der von „Last Christmas“ bis „Jingle Bells“ alles im Repertoire hatte.
Als die schäbige, braunschwarze Fassade ihres Domizils endlich in Sichtweite kam, beschloss Nate, dass er Weihnachten ab sofort hasste.
Er bezahlte den Mann, dann half er Sully bis ins fünfte Stockwerk hinauf (der Aufzug war schon am zweiten Tag ihres Besuchs ausgefallen) und als sie endlich in ihrer Wohnung ankamen, waren beide völlig erledigt.
Sully ließ sich stöhnend auf die durchgesessene, quietschende Couch fallen und Nate sich am liebsten daneben gepflanzt hätte, doch dann blieb er unsicher im Flur stehen. Er wusste nicht, was er machen sollte, aber er konnte nicht mehr bloß tatenlos rumsitzen. Das machte ihn doch schon im Krankenhaus völlig wahnsinnig.
„Hast du Hunger, Sully?“, fragte er dann und war schon einen halben Schritt in die Richtung der winzigen, kaum funktionellen Küchenzeile getreten. Nicht, dass sie viel da hatten. Bohnen, Toast und einen halben Apfel, wenn er sich recht erinnerte, aber daraus konnte man bestimmt auch etwas kochen. Oder braten. Zubereiten?
„Hm? Nein, Junge.“
Nate stockte.
„Durst? Ich könnte Tee machen. Oder Kaffee. Ach nein, entschuldige, das geht ja nicht. Würde sowieso nicht schmecken, mit dem Kalkstaub, der aus der Leitung kommt. “
Sully lächelte milde, was Nate überhaupt nicht gefiel.
„Beruhig dich. Du rennst rum wie ein aufgescheuchtes Huhn.“
„Tu ich nicht.“
„Wohl.“
„Gar nicht wahr!“
„Willst du dich etwa mit mir streiten? Ich bin schwerkrank, schon vergessen?“
Nate wedelte theatralisch mit den Händen. „Für einen Schwerkranken beschwerst du dich ziemlich viel.“
„Mit dir als Pfleger ist das doch auch kein Wunder, du frecher Bengel. Und jetzt komm her, damit ich dich mit meinem Gehstock vermöbeln kann.“
Trotz allem musste Nate kichern und er trat bereitwillig zum Sofa, doch statt des erwarteten spielerischen Schlags gegen seinen Oberarm spürte er, wie Sully ihn ums Handgelenk packte und neben sich aufs Sofa zog.
Verblüfft sah Nate ihn an – nur um festzustellen, dass Sully diesen halb verlegenen, halb ernsten Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, den Nate wie nichts sonst auf der Welt hasste.
„Hör mal, Junge“, sagte er leise. „Ich weiß, dass die letzten Wochen nicht sonderlich schön für dich waren.“
„Sully…“, jammerte Nate, der das alles nicht hören wollte, doch Sully fuhr unbeirrt fort.
„Sei ruhig. Weder du noch ich hatten geplant, Weihnachten im Krankenhaus zu verbringen, doch jetzt ist es so gekommen und wir müssen das Beste draus machen. Jammern bringt nichts, die Show muss weitergehen und so weiter und so fort.“
Er fragte sich, warum Sully nicht einfach aufhörte, immerhin schien ihm das Ganze genauso unangenehm zu sein wie Nate.
„Du… du hast dich tapfer geschlagen, mein Junge, und mir wahrscheinlich das Leben gerettet.“
„Das waren Polly, Santiago und der Freund von Ian“, warf Nate hastig ein, was Sully dazu veranlasste, ihm eine leichte Kopfnuss zu geben.
„Red kein Blech. Du hast mich sabbernden alten Mann durch zwei Kontinente und fünf Flughäfen geschleust und wir sind nicht erwischt worden. Das hast du großartig gemacht und ich bin sehr, sehr stolz auf dich.“
Nate wurde knallrot und starrte hastig auf seine Knie. Er wusste nicht, was er sagen sollte.
„Deshalb, Junge, finde ich, dass du eine Belohnung verdient hast. Hier.“
Nate fand sich plötzlich mit einer Einhundert-Pfund-Note in der Hand wieder. Verblüfft starrte er Sully an, der liebevoll lächelte.
„Ich möchte, dass du dir einen schönen Weihnachtsabend machst. Geh etwas essen, kauf dir ein Geschenk und tu so, als sei es von mir. Vielleicht findest du sogar ein nettes Mädchen.“
„Sully… nein, das…“ Nate war völlig überfordert. Wie meinte Sully das? „Du willst, dass ich gehe? Jetzt?“
„Sofern du kein Mädchen im Badezimmer versteckt hast, dann ja. Ab mit dir nach draußen. Du solltest unter Menschen sein, Junge, und nicht mit einem senilen alten Knacker wie mir auf der Couch sitzen müssen.“
Nate war sprachlos. Wie konnte Sully denn nicht wissen, dass er an seiner Seite bleiben wollte? Dass sie doch ein Team waren, fast schon ein bisschen Familie und gerade an Weihnachten gehörten sie doch zusammen, oder nicht? Das hatten sie die letzten Jahre doch auch so gemacht, auch wenn sie sich nie etwas geschenkt hatten.
„Na, was ist, Junge? Ich dachte eigentlich, dass du schon längst aus der Tür wärst und ich mir in aller Ruhe Doctor Who anschauen kann.“
„Kl-klar“, hörte Nate sich sagen, doch er schaffte es nicht, Sully anzusehen. Er ballte die Fäuste. Wenn Sully ihn nicht da haben wollte, dann würde er ihn allein lassen. Vielleicht hatte er wirklich gedacht, er könne Nate eine Freude damit machen, wenn er ihn wegschickte. „Ich bin schon weg.“
Er hob den Kopf und grinste, obwohl sich ihm langsam aber sicher die Kehle zuschnürte.
Sullys breites, liebevolles und erleichtertes Lächeln gab ihm endgültig den Rest.
Hastig stand er auf, riss die Jacke vom Haken und hechtete zur Tür.
„Bis… später, Sully!“
„Viel Spaß, Junge! Frohe Weihnachten“
Dann war Nate zur Tür hinaus, die fünf Treppen runter, durch die Haupttür und bis zur anderen Straßenseite gerannt, bevor er weiter drüber nachdenken konnte.
Da stand er, das Geld in der einen Hand zusammengeknüllt, die Jacke in der anderen und er starrte in den bleigrauen Himmel hinauf und holte ein paar Mal zitternd Luft, bis er endlich nicht mehr das Gefühl hatte, losheulen zu müssen.
-Fortsetzung folgt
Liebe Mods, dürfte ich ein uncharted-tag bekommen?