[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Nutellasalat
Challenge: Situationen – die Underdogs verbünden sich – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Eingewöhnung
Inhalt: Das erste Treffen zwischen Barney und Lee verläuft ganz den Erwatungen entsprechend. (Schlecht).



Eingewöhnung

„Lee Christmas?“
Als sich der Typ hinsetzt und der kleine Stuhl komplett hinter seinem breiten Kreuz verschwindet, ist die Sache für Lee eigentlich schon gelaufen.
„Was ist los, Opa?“, fragt er, was unverschämt ist, denn so alt sieht der Kerl gar nicht aus. Nur verbraucht. „Das Altenheim ist zwei Straßen weiter.“
Der Mann lacht tatsächlich.
„So charmant wie beschrieben“, sagt er und schiebt eines der beiden Gläser Whiskey zu Lee hinüber. „Ich bin Barney Ross.“
„Und mich interessiert das gar nicht“, sagt Lee, doch den Whiskey nimmt er trotzdem. Er hat heute schließlich frei. Wie die letzten sechs Wochen schon. Er trinkt, versucht nicht an die Entlassungspapiere zu denken, die in seiner schäbigen Wohnung immer noch auf dem Schreibtisch liegen. Er hat es selbst so gewollt. Doch trotzdem tut es weh.
„Kommt noch, versprochen“, sagt Barney siegessicher.
Aha. So einer also. Lee verdreht die Augen.
„Was willst du, Barney Ross?“
„Du verlierst keine Zeit, hm?“
„Wenn du nicht gleich zum Punkt kommst…“
„Schon gut.“ Ross grinst wieder. „Ich bin hier auf Wunsch einer gemeinsamen Bekannten.“
Lee runzelt die Stirn und geht im Geiste seine Kontakte durch. Nicht, dass er noch viele hätte, nachdem er den SAS verlassen musste. Niemand gibt sich gern mit Verrätern ab.
„Kenn ich nicht“, sagt er und greift erneut nach seinem Glas, nur um erstaunt festzustellen, dass es bereits leer ist.
„Du bist wirklich zum Schießen“, meint Ross augenverdrehend und Lee muss tatsächlich ein bisschen grinsen.
„Ist bisher keinem gelungen, wie du siehst“, antwortet er. „Obwohl eine Scharfschützin im Kosovo mal ziemlich nah dran war.“
„Du warst im Kosovo?“
„Kosovo, Kolumbien, Bosnien. Suchs dir aus.“
Ross hebt die Augenbrauen, so als sei er tatsächlich beeindruckt. Lee schnaubt. Wieso hat er das überhaupt erzählt? Ross räuspert sich.
„Jedenfalls, diese Bekannte heißt Kveta. Klingelt da was?“
Oh Gott, Kveta. Lee ächzt und reibt sich durchs Gesicht. „Kann sie mich nicht einfach in Ruhe lassen?“, murmelt er. Kveta kommt aus Tschechien und war jahrelang in Schottland stationiert, dem ÚZSI unterstellt, top secret und all der Zirkus. Sie sind ab und zu ausgegangen, wenn es sich ergab, doch Lee findet nicht, dass sie deshalb ständig die Nase in seine Angelegenheiten stecken muss.
Er will sich schließlich in Ruhe in Selbstmitleid suhlen.
„Anscheinend nicht“, antwortet Ross und plötzlich wird sein Blick anders, wacher, blitzender und erst jetzt fällt Lee auf, dass der Kerl ihm gegenüber auch aussieht wie ehemaliges Armeematerial.
Marines vielleicht, denkt er, doch der Akzent ist nicht amerikanisch. Lee lehnt sich zurück, schaut hinüber zur Theke. Die Bar ist leer bis auf Barney und ihn. Wie zum Teufel hat er ihn eigentlich gefunden?
„Ich hab keine Ahnung, was du von mir willst, aber ich kann dir jetzt schon sagen, dass du deine Zeit verschwendest“, sagt er schließlich. Lee hat schließlich genug zu tun. Trinken zum Beispiel. Und seine Wohnung ausräumen. Sein Vermieter ist Kriegsveteran und mag keine unehrenhaft Entlassenen.
Ross breitet die Arme aus und spricht einfach weiter, so als hätte er Lee gar nicht gehört. „Ich baue ein Team auf. Spezialoperationen, sensible Zugriffe und all das.“
Lee runzelt die Stirn. „Für welche Agency?“
„Privater Sektor.“
„Wachdienst?“
„Ein bisschen… anspruchsvoller.“ Barney legt den Kopf schief und grinst. Es scheint ihm zu gefallen, bloß Andeutungen zu machen. Lee bringt es auf die Palme.
„Söldner, also.“
„Hmm… Ja und nein.“
„Würde es dich umbringen, mir eine klare Antwort zu geben? Ich würde dich nämlich umbringen, verlass dich drauf.“
Barneys Augen funkeln plötzlich herausfordernd. Lees Atem geht auf einmal schneller. Ihn hat schon lange niemand mehr so angesehen und es fühlt sich an, als würde ein Licht in seinem Kopf angehen.
„Du hast ein ziemlich großes Maul, Christmas“, sagt Barney gedehnt, aber Lee hat Blut geleckt.
„Hast du dich mal im Spiegel angeschaut?“, sagt er. „Oh warte, die zerspringen immer, nicht wahr?“
Barney schnaubt. „Kosovo hätte besser zielen sollen.“
Lee muss lachen und er kann nicht mehr aufhören. Er lacht und lacht, schlägt sich auf die Oberschenkel und wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Barney stimmt mit ein und es dauert eine ganze Weile, bis sie sich wieder beruhigen und schwer atmend voreinander sitzen.
Er hätte nie geglaubt, dass ihm genau das gefehlt hat. Einer, der ihn beleidigt und aus der Reserve lockt. Lee schüttelt den Kopf, dann reißt er sich am Riemen.
„Dieses Team. Wie soll das aussehen?“
„Oh! Plötzlich doch Interesse?“
„Halt doch die Klappe, Ross. Also. Wie viele Leute hast du?“
Barney tut so, als hätte er ihn nicht gehört. „Bisher zwei. Dich und mich.“
„Was? Das ist kein Team, das ist ein Witz. Wenn überhaupt, immerhin hab ich noch nicht zugesagt!“
„Hey, ich hab doch gesagt, ich baue ein Team auf. Du bist die Grundlage.“
„Und warum ausgerechnet ich?“
Zum ersten Mal zögert der andere, aber nur ganz kurz.
„Weil du gut bist. Und weil ich weiß, warum du beim SAS rausgeflogen bist.“
Lee wird hellhörig. „Wirklich.“
Barney zuckt die Schultern. „Kveta hat mir einiges erzählt.“
„Du solltest nicht alles glauben.“
„Ich dachte, du bist der Weihnachtsmann und nicht Buddha.“
„Haha, Witze mit meinem Namen. Hab ich erst zweitausend Mal gehört, diese Woche.“
Ross grinst ihm zu und Lee bemerkt zu spät, dass sie vom eigentlichen Thema abgekommen sind. Gottverdammt, er muss den Alkohol bleiben lassen. Misstrauisch schaut er den anderen an, doch eigentlich hat er schon aufgegeben, als Barney ihm diesen speziellen Blick zugeworfen hat. Seufzend winkt er der Barfrau und bestellt zwei Bier.
„Du zahlst“, teilt er Barney mit, dann lehnt er sich nach vorne, stützt die Arme auf den Tisch und grinst ihn spöttisch an. „Also, was dieses Team angeht… wie hast du dir das vorgestellt? Rein hypothetisch gefragt, natürlich.“
„Natürlich.“
„Ich bin schließlich nicht bescheuert und laufe dem erstbesten Idioten nach.“
„Natürlich nicht.“
„Also?“
„Tja, also, es gibt da einen Sprengstoffexperten in Schweden…“

-Ende

Date: 2013-09-18 08:30 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
<3 <3 <3
Der Beginn einer wunderbaren Romanze Freundschaft. <3

Date: 2014-07-04 07:14 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
MWHAHAHAHAHA das verlief doch gar nicht mal so schlecht für beide Seiten :D Es ist zwar nicht unbedingt mein Headcanon, dass Barney das Team erst mit Lee aufbaut (VIETNAM UND SO, du weißt das ja alles eh), aber das ist ganz wundervoll. Lass dich nicht die Taschen vollmachen von so nem Dahergelaufenen, Lee.

Es ist so erfrischend, dass er einfach direkt von Anfang an anfängt, Barney zu beleidigen, und Barney ihn direkt ins Herz geschlossen hat, bwahahahaha.

Idioten.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios