Team: Tardis
Fandom: Robin Hood
Challenge: Personen-Tropes: Verkanntes Genie - Für mich
Personen: Guy/Allan
Wörter: ~ 1.500
Anmerkung: Zu Abwechslung nicht zur AU. Und auch völlig eigenständig. Ich habe versucht, irgendwie zu meinem eigentlichen Schreibstil zurückzufinden. Hat leider nur bedingt geklappt. Naja, werde ich später eben Kitschromanautor. 8D
P.S. Die Musikanten sind natürlich Corvus Corax. Hallo Head-canon!
Die Feuer speien lodernd Funken in die Nacht hinaus, als die Musiker erneut aufspielen. Sie knistern und krachen, wärmen den Rücken und das Gemüt. Einige Tische der langen Tafel, die der Sheriff aufbauen ließ, stehen noch und an ihnen sitzen derweil Adelsleute und Pöbel bunt gemischt. Im Halbdunklen roten Schein der Flammen beobachtet Guy stumm, wie Edelherren verstohlen Finger unter Mieder schieben, wie zahnloses Lachen den Burghof erfüllt, wie Diener – mittlerweile alles andere als eifrig – mit Weinkaraffen beladen zwischen der Tafel und den Feuern hin und herschlurfen, mit blanken, rußigen Armen Holz in die Glut nachlegen und sich dabei Schweiß von der Stirn wischen.
Der Sheriff verließ den Platz vor etwa zwei Liedern.
Die Zeiten sind selbst für ihn rauh und hart. In den Straßen von London und York schwellen Gerüchte an und ergießen sich über ganz England. Der König kommt heim. Die schwarzen Ritter sind nervös, das Volk begehrt auf, die Verbündeten werden wankelmütig und entdecken ihre jäh verlorengegangen Treue zur Krone wieder.
Es ist ein Zeichen der Schwäche für den Sheriff von Nottingham, dass der gesamte Schlosshof voll ist von feiernden Bauern, Grafen und fahrendem Volk. Die Musikanten sehen brachial und wettergegerbt aus. Sie spielen auf Instrumenten, die Guy noch nie gesehen hat, tragen Sarrazenentätowierungen und unzählige Ringe in den Ohren. Ihre Blicke sind wild und barbarisch und genauso spielen sie auf ihren Pauken und Lauten und Tröten und Sackpfeifen.
Guy trinkt.
Mehr gibt es für ihn nicht zu tun. Es ist noch zu laut, um sich zurückzuziehen, es ist zu spät, um jetzt noch nach Locksley zu reiten. Marian hat das Fest schon vor langer Zeit verlassen.
Mit schwankenden Gedanken richtet er sich auf, als er neben sich das klirrende Geräusch von Schellen hört. Einer der Spielmänner steht neben ihm und sieht aus schwarzen Augen auf ihn herab.
„Ihr seid allein, Herr“, murmelt er und beugt sich etwas zu ihm herab. Er ist ein Riese mit nackter Brust, er riecht nach Wein, Schweiß und Ruß und seine Arme sind dicker und muskulöser als Guys.
„Ein Herrschender sollte niemals allein sein“, sagt er mit dröhnender Stimme. Zwei seiner Schneidezähne fehlen.
„Aus ihnen werden rasch blutige Balladen, Herr.“
„Lass' gut sein!“
Allan sieht winzig aus hinter dem Mann. Im Licht der knackenden Flammen erscheint er noch kleiner, gekrümmter, fuchsähnlicher als sonst. Seine Augen sind große spiegelnde Murmeln.
„Er is' nich' allein.“
Er schiebt den Musiker gutmütig zur Seite und klopft ihm auf die Schulter, als würde er einen Ochsen tätscheln. Der Fremde betrachtet ihn noch einen winzigen Augenblick mit zahnlosem Grinsen und wendet sich schließlich ab, setzt das Mundstück der Sackpfeife, die er unter den Arm geklemmt hält, an die Lippen und pumpt das Instrument auf. Seine sich entfernenden Schellentöne klingeln in den Ohren.
Allan setzt sich neben Guy an den Tisch. Dass er eine volle Weinflasche dabei hat, bemerkt Guy erst, als er ihm einschenkt und ihm seinen Weinkelch zuschiebt.
„Mylord, mir erscheint, Ihr sitzt auf dem Trockenen“, murmelt er mit übertriebenem Tonfall.
„Das wäre das erste Mal, dass du deine Aufgaben ernst nimmst.“
Guy bedenkt ihn mit einem bösen Lächeln und einer gehobenen Augenbraue. Aber der Wein ist gut, besser als jeder andere, den er heute zuvor trank. Voll, dunkel, schwer und fruchtig.
„Wer weiß, vielleicht is' an mir ein Mundschenk verlor'ngegangen.“
Allan zuckt mit den Schultern und nimmt einen Zug aus der Flasche. Seine Wangen sind rötlich und warm.
Die Musiker stimmen ein schleppendes Lied an mit einer schlurfenden Melodie an. Sie singen leise und raunend in einer Sprache, die Guy nicht kennt und es erinnert ihn an die Gesänge der Mönche in den Kirchen. Aber hier im Schein von mehreren Feuern, die heiß und hoch lodern, als würden sie zu Scheiterhaufen gehören, als hätte man hier Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt, klingt das Lied, als wollten diese Wilden den Satan persönlich beschwören.
Dennoch, ihre Stimmen passen sich der Wirkung des Weines an und sie beginnen, Guy sanft und finster einzulullen.
„Mundschenk“, lacht er verächtlich.
„Nicht doch. Bauer bleibt Bauer.“
„Ich will ja nichts sagen“, Allan setzt sich falsch herum auf die Bank, den Rücken gegen die Tafel gelehnt und mit den Ellenbogen auf der Tischplatte. Der Wein und das Feuer müssen ihn so sehr gewärmt haben, dass er seine schwarze Weste nicht trägt.
„Aber ich bin gar kein Bauer. Mein Vater war Schmied.“
Guy schüttelt den Kopf und lacht durch die Nase.
„Und du bist auch ein Schmied?“
„Nein.“ Allan trinkt aus der Flasche und als er dabei die Augen schließt, bemerkt Guy, dass seine Wimpern so hübsch geschwungen sind wie die mancher Frauen.
Allan hebt in einer betrunkenen Geste einen Zeigefinger.
„Ich bin ein Genie.“
Er weiß nicht, weshalb er sich überhaupt mit seinem Leibdiener unterhält. Guy strengt sich für einen kurzen Moment an, darüber nachzudenken. Doch dann muss er an den Riesen mit den Schellen und der Sackpfeife denken und an dessen Worte.
Einsamkeit ist nicht verwerflich.
„Du bist kein Genie“, sagt Guy düster.
„Du bist ein Wilderer und Dieb, ein Lügner und Taschenspieler. Und dazu noch ein ausgesprochen schlechter.“
„Ich bin ein verkanntes Genie“, erwidert Allan und die Musikanten erheben nun langsam ihre Stimmen, raunend, vibrierend, singen in verschiedenen Tönen nebeneinander und verlieren sich in den dämonischen Tönen ihrer selbstgeschnitzten Pfeifen.
„Warum?“, bellt Guy über sie hinweg.
„Weil du nun auf meiner Seite stehst? Glaub ja nicht, dass du mich damit beeindrucken kannst. Du nimmst dich nur selbst viel zu wichtig.“
„Ich seh' nicht ein, wo da ein Problem sein sollte.“
Allan schenkt Guy Wein nach und für einen Augenblick wirft der Feuerschein rotschwarze Schatten in sein zerzaustes Haar, über seine Wangenknochen und seine immerzu spröden Lippen.
„Jeder will nur seine eigene Haut retten.“
„Das sind die Worte eines Diebes und Bauern, nicht die eines Genies.“
„Ich will ja nichts sagen, aber für meine Verhältnisse bin ich ja wohl schon ziemlich weit gekommen.“
„Ohne mich wärst du nicht hier.“
Guy nimmt ihm den Kelch ab und stürzt den Wein hinunter bis dieser sich samtigweich und schwer über seine Gedanken legt.
„Du würdest vermutlich tot in einem Graben liegen.“
Allan lehnt sich wieder an den Tisch und schaut ihn lange an. Womöglich zum allerersten Mal.
„Du hättest mich auch wegschick'n könn'“, sagt er und in seinen Worten schimmert finster der Alkohol.
„Du bräuchtest mich doch gar nich', Gis'. Nich' wirklich. Aber ich brauchte dich und weil du mich bis jetzt nicht um die Ecke gebracht hast, brauchst du wohl auch mich irgendwie.“
Guy verzieht das Gesicht.
„Ich brauche niemanden“, sagt er scharfkantig.
„Hab ich auch gedacht. Stimmt aber nich'.“
Allan legt den Kopf in den Nacken und schaut in den Himmel.
Die dämonischen Feuer verbergen das Licht der meisten Sterne. Guy schließt die Augen. Ja, das hier muss die Hölle sein. Vaisey hat diese Musikanten hereinkommen lassen, hat sie ihre Feuer aufbauen lassen, lässt sie ihre heidnischen Gesänge grölen. Neben Allan und sich selbst sieht er die nackte Brust eines Weibes aufblitzen. Marian ist nicht da. Marian wird nie da sein. Das flüstert ihm eine schrille Stimme in seinem Kopf zu.
Sie haben den Schlund der Hölle geöffnet. Sie beschwören Sodom und Gomorra herauf und der einzige, der an seiner Seite ist, ist ein listiger, schmieriger Verräter.
„Jeder brauch' irgendwen. Wenn ich was gelernt hab, dann das.“
Guy schüttelt den Kopf. Er möchte Allan von sich wegschubsen, aber seine Hand greift ins Leere, weil er sie schon nicht mehr gescheit koordinieren kann. Der Wein kriecht durch seinen Kopf, sein Fleisch, durch seine Adern und es fühlt sich an, als würde sich der letzte kleine Rest seiner Seele, die sich so sehr nach Marians Erlösung, nach Reinigung sehnte, nun endgültig pechschwarz färben, für immer und ewig verloren.
Einsamkeit ist nicht verwerflich.
Sie bekommt ihm trotzdem nicht.
Allan kann sich nur noch daran erinnern, wie er Guy von der Bank aufhalf. Erinnerungsfetzen, wie aus Papier, und weggeschnitten.
Die Musik blutet in seine Ohren wie heißes Wachs und er kommt wieder zu sich, als er ein Pferd wiehern hört. Er lehnt an der Wand der Stallungen und von nicht allzu weit her ertönt noch immer das Treiben des Festes. Es muss die Stunde der tiefsten Nacht sein.
Guy lehnt an ihm und die Wirklichkeit verschiebt sich. Schwere Glieder, ein rasendes Herz und kriechende Gedanken- und diese elende Müdigkeit. Allan kann die Augen kaum offenhalten. Hat er Guy hierher geführt oder Guy ihn?
Dann pressen sich Lippen gegen seine und er keucht erschrocken auf. Heißes Leder drängt sich an ihn. Guy schmeckt schwer und schwarz, nach Feuer und Ruß und Schuld und Tod. Auf seinem Mund liegt warm der Betrug und das Verderben. Für den Bruchteil eines Momentes denkt Allan, dass der Stall hinter ihm Feuer gefangen hat. Mit einem Mal ist alles hell und heiß, doch als er die Augen öffnet, sind da nur die Nacht und Guys Düsternis; Guys Arme, die sich langsam um ihn legen und Guys Mund, der ihn küsst. Allan hat noch nie zuvor einen Mann geküsst, aber er weiß, dass er das nicht tun sollte. Er weiß von den Bibelstellen, er weiß, dass ein Mann nicht bei einem Manne liegen soll. Aber sie liegen doch nicht. Und ihre Münder passen gut zusammen, findet er. Sogar sehr gut.
Zu Hölle damit denkt er sich, als er genüsslich zurückzuküssen beginnt.
Denn dort wird er ohnehin schon hinkommen.
Am besten zusammen mit Guy of Gisborne. Denn jeder braucht letztlich irgendwen.
Fandom: Robin Hood
Challenge: Personen-Tropes: Verkanntes Genie - Für mich
Personen: Guy/Allan
Wörter: ~ 1.500
Anmerkung: Zu Abwechslung nicht zur AU. Und auch völlig eigenständig. Ich habe versucht, irgendwie zu meinem eigentlichen Schreibstil zurückzufinden. Hat leider nur bedingt geklappt. Naja, werde ich später eben Kitschromanautor. 8D
P.S. Die Musikanten sind natürlich Corvus Corax. Hallo Head-canon!
Die Feuer speien lodernd Funken in die Nacht hinaus, als die Musiker erneut aufspielen. Sie knistern und krachen, wärmen den Rücken und das Gemüt. Einige Tische der langen Tafel, die der Sheriff aufbauen ließ, stehen noch und an ihnen sitzen derweil Adelsleute und Pöbel bunt gemischt. Im Halbdunklen roten Schein der Flammen beobachtet Guy stumm, wie Edelherren verstohlen Finger unter Mieder schieben, wie zahnloses Lachen den Burghof erfüllt, wie Diener – mittlerweile alles andere als eifrig – mit Weinkaraffen beladen zwischen der Tafel und den Feuern hin und herschlurfen, mit blanken, rußigen Armen Holz in die Glut nachlegen und sich dabei Schweiß von der Stirn wischen.
Der Sheriff verließ den Platz vor etwa zwei Liedern.
Die Zeiten sind selbst für ihn rauh und hart. In den Straßen von London und York schwellen Gerüchte an und ergießen sich über ganz England. Der König kommt heim. Die schwarzen Ritter sind nervös, das Volk begehrt auf, die Verbündeten werden wankelmütig und entdecken ihre jäh verlorengegangen Treue zur Krone wieder.
Es ist ein Zeichen der Schwäche für den Sheriff von Nottingham, dass der gesamte Schlosshof voll ist von feiernden Bauern, Grafen und fahrendem Volk. Die Musikanten sehen brachial und wettergegerbt aus. Sie spielen auf Instrumenten, die Guy noch nie gesehen hat, tragen Sarrazenentätowierungen und unzählige Ringe in den Ohren. Ihre Blicke sind wild und barbarisch und genauso spielen sie auf ihren Pauken und Lauten und Tröten und Sackpfeifen.
Guy trinkt.
Mehr gibt es für ihn nicht zu tun. Es ist noch zu laut, um sich zurückzuziehen, es ist zu spät, um jetzt noch nach Locksley zu reiten. Marian hat das Fest schon vor langer Zeit verlassen.
Mit schwankenden Gedanken richtet er sich auf, als er neben sich das klirrende Geräusch von Schellen hört. Einer der Spielmänner steht neben ihm und sieht aus schwarzen Augen auf ihn herab.
„Ihr seid allein, Herr“, murmelt er und beugt sich etwas zu ihm herab. Er ist ein Riese mit nackter Brust, er riecht nach Wein, Schweiß und Ruß und seine Arme sind dicker und muskulöser als Guys.
„Ein Herrschender sollte niemals allein sein“, sagt er mit dröhnender Stimme. Zwei seiner Schneidezähne fehlen.
„Aus ihnen werden rasch blutige Balladen, Herr.“
„Lass' gut sein!“
Allan sieht winzig aus hinter dem Mann. Im Licht der knackenden Flammen erscheint er noch kleiner, gekrümmter, fuchsähnlicher als sonst. Seine Augen sind große spiegelnde Murmeln.
„Er is' nich' allein.“
Er schiebt den Musiker gutmütig zur Seite und klopft ihm auf die Schulter, als würde er einen Ochsen tätscheln. Der Fremde betrachtet ihn noch einen winzigen Augenblick mit zahnlosem Grinsen und wendet sich schließlich ab, setzt das Mundstück der Sackpfeife, die er unter den Arm geklemmt hält, an die Lippen und pumpt das Instrument auf. Seine sich entfernenden Schellentöne klingeln in den Ohren.
Allan setzt sich neben Guy an den Tisch. Dass er eine volle Weinflasche dabei hat, bemerkt Guy erst, als er ihm einschenkt und ihm seinen Weinkelch zuschiebt.
„Mylord, mir erscheint, Ihr sitzt auf dem Trockenen“, murmelt er mit übertriebenem Tonfall.
„Das wäre das erste Mal, dass du deine Aufgaben ernst nimmst.“
Guy bedenkt ihn mit einem bösen Lächeln und einer gehobenen Augenbraue. Aber der Wein ist gut, besser als jeder andere, den er heute zuvor trank. Voll, dunkel, schwer und fruchtig.
„Wer weiß, vielleicht is' an mir ein Mundschenk verlor'ngegangen.“
Allan zuckt mit den Schultern und nimmt einen Zug aus der Flasche. Seine Wangen sind rötlich und warm.
Die Musiker stimmen ein schleppendes Lied an mit einer schlurfenden Melodie an. Sie singen leise und raunend in einer Sprache, die Guy nicht kennt und es erinnert ihn an die Gesänge der Mönche in den Kirchen. Aber hier im Schein von mehreren Feuern, die heiß und hoch lodern, als würden sie zu Scheiterhaufen gehören, als hätte man hier Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt, klingt das Lied, als wollten diese Wilden den Satan persönlich beschwören.
Dennoch, ihre Stimmen passen sich der Wirkung des Weines an und sie beginnen, Guy sanft und finster einzulullen.
„Mundschenk“, lacht er verächtlich.
„Nicht doch. Bauer bleibt Bauer.“
„Ich will ja nichts sagen“, Allan setzt sich falsch herum auf die Bank, den Rücken gegen die Tafel gelehnt und mit den Ellenbogen auf der Tischplatte. Der Wein und das Feuer müssen ihn so sehr gewärmt haben, dass er seine schwarze Weste nicht trägt.
„Aber ich bin gar kein Bauer. Mein Vater war Schmied.“
Guy schüttelt den Kopf und lacht durch die Nase.
„Und du bist auch ein Schmied?“
„Nein.“ Allan trinkt aus der Flasche und als er dabei die Augen schließt, bemerkt Guy, dass seine Wimpern so hübsch geschwungen sind wie die mancher Frauen.
Allan hebt in einer betrunkenen Geste einen Zeigefinger.
„Ich bin ein Genie.“
Er weiß nicht, weshalb er sich überhaupt mit seinem Leibdiener unterhält. Guy strengt sich für einen kurzen Moment an, darüber nachzudenken. Doch dann muss er an den Riesen mit den Schellen und der Sackpfeife denken und an dessen Worte.
Einsamkeit ist nicht verwerflich.
„Du bist kein Genie“, sagt Guy düster.
„Du bist ein Wilderer und Dieb, ein Lügner und Taschenspieler. Und dazu noch ein ausgesprochen schlechter.“
„Ich bin ein verkanntes Genie“, erwidert Allan und die Musikanten erheben nun langsam ihre Stimmen, raunend, vibrierend, singen in verschiedenen Tönen nebeneinander und verlieren sich in den dämonischen Tönen ihrer selbstgeschnitzten Pfeifen.
„Warum?“, bellt Guy über sie hinweg.
„Weil du nun auf meiner Seite stehst? Glaub ja nicht, dass du mich damit beeindrucken kannst. Du nimmst dich nur selbst viel zu wichtig.“
„Ich seh' nicht ein, wo da ein Problem sein sollte.“
Allan schenkt Guy Wein nach und für einen Augenblick wirft der Feuerschein rotschwarze Schatten in sein zerzaustes Haar, über seine Wangenknochen und seine immerzu spröden Lippen.
„Jeder will nur seine eigene Haut retten.“
„Das sind die Worte eines Diebes und Bauern, nicht die eines Genies.“
„Ich will ja nichts sagen, aber für meine Verhältnisse bin ich ja wohl schon ziemlich weit gekommen.“
„Ohne mich wärst du nicht hier.“
Guy nimmt ihm den Kelch ab und stürzt den Wein hinunter bis dieser sich samtigweich und schwer über seine Gedanken legt.
„Du würdest vermutlich tot in einem Graben liegen.“
Allan lehnt sich wieder an den Tisch und schaut ihn lange an. Womöglich zum allerersten Mal.
„Du hättest mich auch wegschick'n könn'“, sagt er und in seinen Worten schimmert finster der Alkohol.
„Du bräuchtest mich doch gar nich', Gis'. Nich' wirklich. Aber ich brauchte dich und weil du mich bis jetzt nicht um die Ecke gebracht hast, brauchst du wohl auch mich irgendwie.“
Guy verzieht das Gesicht.
„Ich brauche niemanden“, sagt er scharfkantig.
„Hab ich auch gedacht. Stimmt aber nich'.“
Allan legt den Kopf in den Nacken und schaut in den Himmel.
Die dämonischen Feuer verbergen das Licht der meisten Sterne. Guy schließt die Augen. Ja, das hier muss die Hölle sein. Vaisey hat diese Musikanten hereinkommen lassen, hat sie ihre Feuer aufbauen lassen, lässt sie ihre heidnischen Gesänge grölen. Neben Allan und sich selbst sieht er die nackte Brust eines Weibes aufblitzen. Marian ist nicht da. Marian wird nie da sein. Das flüstert ihm eine schrille Stimme in seinem Kopf zu.
Sie haben den Schlund der Hölle geöffnet. Sie beschwören Sodom und Gomorra herauf und der einzige, der an seiner Seite ist, ist ein listiger, schmieriger Verräter.
„Jeder brauch' irgendwen. Wenn ich was gelernt hab, dann das.“
Guy schüttelt den Kopf. Er möchte Allan von sich wegschubsen, aber seine Hand greift ins Leere, weil er sie schon nicht mehr gescheit koordinieren kann. Der Wein kriecht durch seinen Kopf, sein Fleisch, durch seine Adern und es fühlt sich an, als würde sich der letzte kleine Rest seiner Seele, die sich so sehr nach Marians Erlösung, nach Reinigung sehnte, nun endgültig pechschwarz färben, für immer und ewig verloren.
Einsamkeit ist nicht verwerflich.
Sie bekommt ihm trotzdem nicht.
Allan kann sich nur noch daran erinnern, wie er Guy von der Bank aufhalf. Erinnerungsfetzen, wie aus Papier, und weggeschnitten.
Die Musik blutet in seine Ohren wie heißes Wachs und er kommt wieder zu sich, als er ein Pferd wiehern hört. Er lehnt an der Wand der Stallungen und von nicht allzu weit her ertönt noch immer das Treiben des Festes. Es muss die Stunde der tiefsten Nacht sein.
Guy lehnt an ihm und die Wirklichkeit verschiebt sich. Schwere Glieder, ein rasendes Herz und kriechende Gedanken- und diese elende Müdigkeit. Allan kann die Augen kaum offenhalten. Hat er Guy hierher geführt oder Guy ihn?
Dann pressen sich Lippen gegen seine und er keucht erschrocken auf. Heißes Leder drängt sich an ihn. Guy schmeckt schwer und schwarz, nach Feuer und Ruß und Schuld und Tod. Auf seinem Mund liegt warm der Betrug und das Verderben. Für den Bruchteil eines Momentes denkt Allan, dass der Stall hinter ihm Feuer gefangen hat. Mit einem Mal ist alles hell und heiß, doch als er die Augen öffnet, sind da nur die Nacht und Guys Düsternis; Guys Arme, die sich langsam um ihn legen und Guys Mund, der ihn küsst. Allan hat noch nie zuvor einen Mann geküsst, aber er weiß, dass er das nicht tun sollte. Er weiß von den Bibelstellen, er weiß, dass ein Mann nicht bei einem Manne liegen soll. Aber sie liegen doch nicht. Und ihre Münder passen gut zusammen, findet er. Sogar sehr gut.
Zu Hölle damit denkt er sich, als er genüsslich zurückzuküssen beginnt.
Denn dort wird er ohnehin schon hinkommen.
Am besten zusammen mit Guy of Gisborne. Denn jeder braucht letztlich irgendwen.
no subject
Date: 2013-08-31 02:12 am (UTC)Ich entdecke ein einheitliches Muster in deinen Nicht-AUs XD
Ansonsten... wie der Wein: süß und fruchtig, aber sehr schwer.
Und Allan trifft es auf den Punkt: "aber sie passen doch so gut zusammen" ^^
no subject
Date: 2013-08-31 11:38 am (UTC)Danke, gut, genauso sollte es sein =D
no subject
Date: 2013-08-31 07:45 am (UTC)Das hier liest sich jedenfalls sehr gut (aber das tut das andere von dir auch ^^ hat es schon immer)
So viele Jahre schon...und immer noch unbeschreiblich gut - kann man das glauben?
Die Stimmung ist auch sehr gut eingefangen, man kann sich das alles sehr gut vorstellen.
Alles in allem ein wirklich sehr schöner Beitrag.
Mir gefällt vor allen Dingen, dass du alle Redewendungen und Wörter benutzt. Und generell finde ich, dass du sehr gut Situationen und Gefühle beschreiben kannst. Ich finde, das sollte auch mal gesagt sein ^^
no subject
Date: 2013-08-31 11:37 am (UTC)Du wirst es selbst bestimmt auch kennen; manchmal hat man das frustrierende Gefühl, dass man ewig auf der Stelle tritt und sich schreibtechnisch überhaupt nicht weiterentwickelt. xD
Im Moment knabbere ich vor allem daran, dass der Stil sich je nach POV ändert, weil einzelne Figuren ja je nach Charakter andere Wörter, Redewendungen und Dialekte benutzen, gerade in Dialogen.
(Und jetzt habe ich aus "Schmidt" auch "Schmied" gemacht, wie es eigentlich sein sollte xD