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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sirius
Challenge: Situative Tropes, Erzrivalen/Nemesis (etwas frei interpretiert *seufz* Aber hey! Spinne! Und für mich)
Fandom: Original, Our Own World
Charaktere: Verena, Liang
Wörter: 807

Alle Glieder von sich gestreckt lag Verena da, die Sonne schien ihr heiß ins Gesicht und auf die nackten Arme und Beine. Und auf den Streifen Bauch, der unter ihrem Top hervorschielte. Sie sollte es wieder zurechtzupfen, aus zwei Gründen. Erstens: sie würde heute abend einen Sonnenbrand haben, der sich sehen lassen konnte und zweitens: eine bessere Einladung für Lan, ihr da einfach Eiswürfel drauf fallen zu lassen gab es nicht.
Letzteres wäre sicher ausschlaggebender, aber sie rührte sich trotzdem nicht. Zu heiß. Eiswürfel wären da eher eine willkommene Abkühlung, auch wenn solche Streiche sie rasend machen konnten.
Wenn sie die Energie dafür hätte.
Die Sonne drang durch ihre geschlossenen Augenlider, unangenehm kräftig. Sie hätte ihre Sonnenbrille vielleicht noch gründlicher suchen sollen. Oder sich einfach eine neue kaufen.
Aber ersteres war einfach nicht möglich und für zweiteres fehlte ihr das Geld.
Außerdem: Sie hatte eine Sonnenbrille! Sie wusste ganz genau, dass sie irgendwo sein musste! Dummerweise war sie aber weder in ihrem Wohnheimzimmer noch in dem bei ihren Eltern. Was sie auch schwer gewundert hätte, schließlich hatte sie sie das letzte Mal aufgehabt, als sie zur Uni gefahren war.
Was sie nicht davon abgehalten hatte, ihr Zimmer komplett auf den Kopf zu stellen. Und was sie erwartete, wenn sie wieder im Wohnheim war, daran wollte sie lieber noch gar nicht denken. Aber immerhin hatte sie so einiges ausmisten können. War nur zu faul gewesen, alles wieder richtig einzuräumen, was nicht im Müll gelandet war. Sie würde das so bedauern, wenn sie das nachholen musste...
Träge drehte sie sich auf die Seite und spürte dabei, wie ein paar Grashalme an ihren Armen und Beinen kleben blieben. Vermutlich hatte sie inzwischen ein nettes Muster, zusammen mit ein paar grünen Flecken, aber das war ihr gerade sowas von egal. Das Gras kitzelte etwas an ihrem Bauch und irgendetwas krabbelte über ihren Fuß, aber auch das störte sie nicht. Vermutlich eine Ameise oder so. Sollte sie krabbeln, wenn sie unbedingt wollte.
In der Nähe summten die Bienen um Lans winzigen Abschnitt wo sie im vergangenen Jahr Wildblumen gesäht hatte. Inzwischen interessierte sie das überhaupt nicht mehr, als da war sie noch Feuer und Flamme dafür gewesen. Teenager.
Aber es sah hübsch aus. Ein Farbklecks. Keiner in der Familie hatte großes Interesse an Gartenarbeit, es blieb bei einer Rasenfläche, den obligatorischen Hecken, die neugierige Blicke abhielten und ein paar Blumenbeeten. Kein Vergleich zu dem Kunstwerk das die Nachbarn jedes Jahr neu zauberten. Aber die waren auch beide in Rente und hatten die Zeit. Was Verena weniger gut fand, wenn dort der Rasenmäher aufjaulte.
Aber nicht heute. Heute war Sonntag.
Es interessierte nur noch wenige, dass man da eigentlich keinen Rasen mähte, aber die Kochs nahmen das ernst. So ernst, dass sie sich lautstark beschwerten, wenn jemand in Horweite es wagte, Sonntags den Rasen zu trimmen. Ansonsten waren sie aber okay. Hatten einen Kirschbaum, der genug Früchte trug um die halbe Nachbarschaft zu versorgen. Als Kinder waren Liang und sie immer im Baum herumgeklettert und hatten ihren Anteil geholt. Einmal war Liang heruntergefallen und hatte sich das Bein gebrochen, aber im nächsten Jahr waren beide wieder im Baum gewesen.
Gott, wie jung sie da gewesen waren... Und inzwischen beschäftigten sie sich ernsthaft mit dem Gedanken, wo es nach dem Studium für sie hinging. Verenas Weg war klar. Auf Grabung nach Ägypten. Ab Winter, wenn sie ihre Masterarbeit fertig hatte. Und dann hoffentlich irgendwo eine Promotion. Nicht hier. Es zog sie ins Ausland.
Liang dagegen nicht. Er hoffte darauf, in einem Jahr auf ein Referendariat in der Heimat. Hier. Wo Verena ums Verrecken nicht den Rest ihres Lebens verbringen wollte.
„Du weißt, dass da gerade eine Spinne ihr Netz an deinem Knie baut, oder?“, hörte sie unvermittelt die Stimme ihres Zwillings, als hätten ihre Überlegungen ihn hergezaubert. Was Quatsch war, er hatte sowieso an diesem Nachmittag kommen wollen.
Nur langsam drangen aber seine Worte gänzlich zu ihr durch und mit einem spitzen Schrei sprang sie auf. Es war nicht so, als ob sie Angst vor Spinnen hatte, sie hasste es aber, wenn sie auf ihr herumkrabbelten. Und in ihrem Zimmer. Und sonstwo in ihrer Nähe. Zu viele Beine, zu schnell zu eklig. Ganz einfach. Außerhalb ihrer Sichtweite konnten die Biester machen, was sie wollten.
Erst als Liang lachte, sah sie auf ihr Knie, wo eine Ameise panisch herumkrabbelte und sie schlug nach ihm. „Lass den Scheiß!“
Lachend schüttelte er den Kopf und hielt ihr ihre Sonnenbrille hin. „Hast du bei uns vergessen.“
Ah. Da hatte das verdammte Ding gelegen. Sie nahm die Brille entgegen und grummelte: „Glaub bloß nicht, dass dich das vor meiner Rache rettet. Hi, Oliver. Willkommen in unserem Irrenhaus.“ Hoffentlich hatte Liang ihn gut auf das Chaos, das hier normalerweise herrschte vorbereitet. Andererseits... wer Liang, Nathalie und Sabine (und sie selbst) überstand, war hierauf wohl bestens vorbereitet.

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