Team: Tardis
Fandom: Robin Hood (AU)
Challenge: Situative Tropes: Zusammen eingesperrt auf engstem Raum - Für mich
Wörter: ~ 1.000
Personen/Pairing: Allan/Guy
Anmerkung: Die Idee kam mir, als
akira_san13 vor kurzem erwähnte, dass Guy bestimmt nicht Debussy hört und ich schließlich zu überlegen begann, welche Komponisten genau er so mag bzw. wie schön metaphorisch der so gegensätzliche Musikgeschmack der beiden für ihre Persönlichkeiten steht. Referenzband für alles nach der ersten Szene ist natürlich Apocalyptica, ferner ihr Song One.
Die Uhr zeigte zweiundzwanzig Uhr dreiundfünfzig an. Guy ertappte sich dabei, wie er um die Kücheninsel herumschlich, immer und immer wieder wie ein Tiger im Käfig. In seiner einen Hand hielt er sein Handy, in der anderen die beinahe leere Weinflasche. Beides schwieg und die Stille zersetzte nach und nach seine Nerven.
Das kommt davon, murmelte eine leise Stimme in seinem Hinterkopf, wenn du dich mit jemand anderem auf engstem Raum einsperrst. Gemeinsam schlafen, gemeinsam essen, gemeinsam arbeiten, Himmel. Es war doch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ihm irgendwann einmal eine Sicherung durchbrennen würde.
Wahrscheinlich hatte es nicht einmal wirklich an Allan gelegen. Seine Metal-Musik hatte lediglich das Fass zum Überlaufen gebracht. Voll aufgedreht und mit dröhnenden Bässen.
„Kannst du diesen barbarischen Krach nicht ausmachen?!“, hatte Guy geschrien und plötzlich hatten sie sich darüber gestritten, was für ein Snob Guy war und wie hinterwäldlerisch Allan. Guy konnte sich nicht mehr daran erinnern, was er gebrüllt hatte, aber er hatte definitiv gebrüllt und Allan hatte mit gefletschten Zähnen und geballten Fäusten dagestanden und in seiner asozialsten Sprache Dinge zurückgezischt. Bis er irgendwann seine Jacke genommen hatte und gegangen war.
Seitdem kein Ton.
Natürlich ging es nicht um Musik. Nun. Ein wenig vielleicht. Wie sollte man mit jemandem auskommen, der Mahler und Tschaikovsky nicht kannte. Mit jemandem, der stundenlanges Gegrunze für Musik hielt.
Zweiundzwanzig Uhr neunundfünfzig.
Guy wählte Allans Nummer im Handy und lauschte dem Klingeln.
Was hatte er sich überhaupt dabei gedacht?
Sie waren zu unterschiedlich. Wer hätte überhaupt damit jemals gerechnet, dass sie es so lange zusammen aushalten würden.
Die Mailbox meldete sich. Guy verzog das Gesicht in eine wütende Grimasse und schleuderte das Telefon quer durch den Raum. Es knallte scheppernd gegen den Couchtisch.
„Schon komisch mit euch beiden“, hatte Marian irgendwann einmal gesagt und leicht gelächelt.
„Ausgerechnet ihr beiden. Euer Geschlecht ist das einzige, was ihr gemeinsam habt, könnte man denken.“
Damals hatte er es schulternzuckend abgetan. Er neigte dazu, die Dinge nicht allzu lange zu überdenken. Wenn man Dinge überdachte, wurden sie unsinnig und nichtig.
Jetzt stand er hier, starrte die Uhr an, schluckte Wein wie Wasser und kam zu der Erkenntnis, dass er seinen Freund verjagt hatte.
Was, wenn an dieser Stelle Schluss war? Was, wenn der Weg nicht weiterging?
Guy konnte streiten. Er hatte nicht einmal etwas dagegen. Aber die plötzliche Vorstellung, dass Allan aus seinem Leben treten, mit seinen hässlichen, schweren Stiefeln auf Nimmerwiedersehen schleichen könnte, raubte ihm für ein paar Sekunden den Atem.
Er wachte auf der Couch auf.
Die Uhr an der Wand war verschwommen und sein Kopf fühlte sich dick und schwer und verklebt an. Zwölf Uhr dreiundzwanzig. Vielleicht auch fünfundzwanzig.
Und eine Hand an seiner Wange.
Ruckartig fuhr er hoch.
„Hey, ganz ruhig. Ich bin's doch nur.“
Allan sah ihn mit großen Augen an.
„'Nur'?“, entfuhr es Guy und dann wusste er nicht mehr, was er sagen sollte. Zögernd blinzelte er Allan an, bis die Welt wieder schärfer wurde.
Sein Freund schob sich neben ihm auf die Couch und betrachtete ihn eine Weile nachdenklich.
„Willst du mich jetzt weiter anbrüllen?“
Guy sah zur Seite. Er versuchte, seine Frustration als genervten Blick zu tarnen. Vielleicht brachte es noch etwas, vielleicht auch längst nicht mehr. Wenn man monatelang auf engstem Raum zusammen war, blieb nicht mehr viel Raum für Scharadespiele.
„Wo warst du?“, brummte er stattdessen und tat so, als würde er sein vollkommen zerknittertes Hemd zurechtzupfen.
„Einkaufen.“
Allan hielt ihm eine CD unter die Nase. Auf dem Cover saßen in Schwarzweiß vier langhaarige Kerle hinter Celli in einem Halbkreis.
„Einkaufen?“
„Jopp. Mitternachtsshopping sozusagen.“
Er hatte keine Ahnung, was Allan bezweckte. Verblüfft und mit verwirrt zusammengezogenen Augenbrauen sah er zu, wie Allan die neue CD in die Stereoanlage einlegte, nach der Fernbedienung fischte und sich wieder neben ihm niederließ.
Die Musik war überraschend gut. Guy mochte das Cello als Instrument an sich. Früher hatte er überlegt, ob er es erlernen solle, es dann aber gelassen. Vielleicht gab es in irgendeinem Paralleluniversum eine Version von ihm, die es konnte.
Das Stück begann mit einem zaghaften Zupfen und wand sich in eine melancholische Melodie. Keine klassische Musik an sich, eher wie Filmmusik moderner trauriger Filme. Guy sah Allan überrascht an.
„So etwas hörst du?“
Allan grinste hell;
„Wart's ab.“
Tatsächlich wurden die Streicher härter, unsauberer, schriller und schneller. Man hörte das Crescendo herannahen wie eine Sturmflut. Und als die Celli begannen, in einem räudigen Staccato zu schrammeln und zu krachen, wunderte Guy nichts mehr.
„Das klingt wie all dein anderes Metal-Gegrunze“, kommentierte er. Allerdings, so befürchtete er, schaffte er es nicht ganz, den Satz so herablassend zu sagen wie er es gerne gehabt hätte.
Da nahm jemand ein Cello und ließ es klingen wie eine E-Gitarre. Man kam nicht umhin, dafür wenigstens ein bisschen Respekt zu empfinden.
„Tut es“, sagte Allan.
„Aber es klingt eben auch wie deine Klassik-Mucke. Hättest du gedacht, dass man beides zu so geiler Musik zusammenstecken kann?“
Er grinste schief und erst in diesem Augenblick begriff Guy, was Allan ihm hier eigentlich versuchte zu erklären.
Sie waren unterschiedlich. Zusammen ergaben sie Krach und Rauch und Zwist. Zusammen ergaben sie aber auch etwas Neues, etwas völlig Unerwartetes. (Wer wusste das besser als Hood, der es noch immer nicht hundertprozentig fassen konnte, dass sie zusammen waren.) Es war chaotisch und voller unerwartetem Staccato, voller Crescendi und Decrescendi. Aber es war gut. So etwas passierte nun einmal, wenn man so intensiv beieinander war.
Als die Musik ihren Weg zurück in harte, aber melodische Harmonien fand, zog er Allan zu sich heran und küsste ihn auf die Stirn.
„So ein Aufwand“, brummte er, als Allan die Arme um ihn legte.
„Aber erstaunlich kohärent für deine Verhältnisse.“
„Hey, beleidigst du mich immer noch?“
Allan grummelte, aber er schien versöhnt, als Guy ihm den Rücken zu streicheln begann.
„Mit dir muss man halt erfinderisch sein.“
„Ich weiß. Ich...“
„Schon gut, ich weiß, dass es dir leid tut. Mir tut's ja auch leid. Wegen der lauten Musik und so.“
Letztlich, und das war erstaunlich, gab es in ihrer Melodie hin und wieder ein Legato.
Fandom: Robin Hood (AU)
Challenge: Situative Tropes: Zusammen eingesperrt auf engstem Raum - Für mich
Wörter: ~ 1.000
Personen/Pairing: Allan/Guy
Anmerkung: Die Idee kam mir, als
Die Uhr zeigte zweiundzwanzig Uhr dreiundfünfzig an. Guy ertappte sich dabei, wie er um die Kücheninsel herumschlich, immer und immer wieder wie ein Tiger im Käfig. In seiner einen Hand hielt er sein Handy, in der anderen die beinahe leere Weinflasche. Beides schwieg und die Stille zersetzte nach und nach seine Nerven.
Das kommt davon, murmelte eine leise Stimme in seinem Hinterkopf, wenn du dich mit jemand anderem auf engstem Raum einsperrst. Gemeinsam schlafen, gemeinsam essen, gemeinsam arbeiten, Himmel. Es war doch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ihm irgendwann einmal eine Sicherung durchbrennen würde.
Wahrscheinlich hatte es nicht einmal wirklich an Allan gelegen. Seine Metal-Musik hatte lediglich das Fass zum Überlaufen gebracht. Voll aufgedreht und mit dröhnenden Bässen.
„Kannst du diesen barbarischen Krach nicht ausmachen?!“, hatte Guy geschrien und plötzlich hatten sie sich darüber gestritten, was für ein Snob Guy war und wie hinterwäldlerisch Allan. Guy konnte sich nicht mehr daran erinnern, was er gebrüllt hatte, aber er hatte definitiv gebrüllt und Allan hatte mit gefletschten Zähnen und geballten Fäusten dagestanden und in seiner asozialsten Sprache Dinge zurückgezischt. Bis er irgendwann seine Jacke genommen hatte und gegangen war.
Seitdem kein Ton.
Natürlich ging es nicht um Musik. Nun. Ein wenig vielleicht. Wie sollte man mit jemandem auskommen, der Mahler und Tschaikovsky nicht kannte. Mit jemandem, der stundenlanges Gegrunze für Musik hielt.
Zweiundzwanzig Uhr neunundfünfzig.
Guy wählte Allans Nummer im Handy und lauschte dem Klingeln.
Was hatte er sich überhaupt dabei gedacht?
Sie waren zu unterschiedlich. Wer hätte überhaupt damit jemals gerechnet, dass sie es so lange zusammen aushalten würden.
Die Mailbox meldete sich. Guy verzog das Gesicht in eine wütende Grimasse und schleuderte das Telefon quer durch den Raum. Es knallte scheppernd gegen den Couchtisch.
„Schon komisch mit euch beiden“, hatte Marian irgendwann einmal gesagt und leicht gelächelt.
„Ausgerechnet ihr beiden. Euer Geschlecht ist das einzige, was ihr gemeinsam habt, könnte man denken.“
Damals hatte er es schulternzuckend abgetan. Er neigte dazu, die Dinge nicht allzu lange zu überdenken. Wenn man Dinge überdachte, wurden sie unsinnig und nichtig.
Jetzt stand er hier, starrte die Uhr an, schluckte Wein wie Wasser und kam zu der Erkenntnis, dass er seinen Freund verjagt hatte.
Was, wenn an dieser Stelle Schluss war? Was, wenn der Weg nicht weiterging?
Guy konnte streiten. Er hatte nicht einmal etwas dagegen. Aber die plötzliche Vorstellung, dass Allan aus seinem Leben treten, mit seinen hässlichen, schweren Stiefeln auf Nimmerwiedersehen schleichen könnte, raubte ihm für ein paar Sekunden den Atem.
Er wachte auf der Couch auf.
Die Uhr an der Wand war verschwommen und sein Kopf fühlte sich dick und schwer und verklebt an. Zwölf Uhr dreiundzwanzig. Vielleicht auch fünfundzwanzig.
Und eine Hand an seiner Wange.
Ruckartig fuhr er hoch.
„Hey, ganz ruhig. Ich bin's doch nur.“
Allan sah ihn mit großen Augen an.
„'Nur'?“, entfuhr es Guy und dann wusste er nicht mehr, was er sagen sollte. Zögernd blinzelte er Allan an, bis die Welt wieder schärfer wurde.
Sein Freund schob sich neben ihm auf die Couch und betrachtete ihn eine Weile nachdenklich.
„Willst du mich jetzt weiter anbrüllen?“
Guy sah zur Seite. Er versuchte, seine Frustration als genervten Blick zu tarnen. Vielleicht brachte es noch etwas, vielleicht auch längst nicht mehr. Wenn man monatelang auf engstem Raum zusammen war, blieb nicht mehr viel Raum für Scharadespiele.
„Wo warst du?“, brummte er stattdessen und tat so, als würde er sein vollkommen zerknittertes Hemd zurechtzupfen.
„Einkaufen.“
Allan hielt ihm eine CD unter die Nase. Auf dem Cover saßen in Schwarzweiß vier langhaarige Kerle hinter Celli in einem Halbkreis.
„Einkaufen?“
„Jopp. Mitternachtsshopping sozusagen.“
Er hatte keine Ahnung, was Allan bezweckte. Verblüfft und mit verwirrt zusammengezogenen Augenbrauen sah er zu, wie Allan die neue CD in die Stereoanlage einlegte, nach der Fernbedienung fischte und sich wieder neben ihm niederließ.
Die Musik war überraschend gut. Guy mochte das Cello als Instrument an sich. Früher hatte er überlegt, ob er es erlernen solle, es dann aber gelassen. Vielleicht gab es in irgendeinem Paralleluniversum eine Version von ihm, die es konnte.
Das Stück begann mit einem zaghaften Zupfen und wand sich in eine melancholische Melodie. Keine klassische Musik an sich, eher wie Filmmusik moderner trauriger Filme. Guy sah Allan überrascht an.
„So etwas hörst du?“
Allan grinste hell;
„Wart's ab.“
Tatsächlich wurden die Streicher härter, unsauberer, schriller und schneller. Man hörte das Crescendo herannahen wie eine Sturmflut. Und als die Celli begannen, in einem räudigen Staccato zu schrammeln und zu krachen, wunderte Guy nichts mehr.
„Das klingt wie all dein anderes Metal-Gegrunze“, kommentierte er. Allerdings, so befürchtete er, schaffte er es nicht ganz, den Satz so herablassend zu sagen wie er es gerne gehabt hätte.
Da nahm jemand ein Cello und ließ es klingen wie eine E-Gitarre. Man kam nicht umhin, dafür wenigstens ein bisschen Respekt zu empfinden.
„Tut es“, sagte Allan.
„Aber es klingt eben auch wie deine Klassik-Mucke. Hättest du gedacht, dass man beides zu so geiler Musik zusammenstecken kann?“
Er grinste schief und erst in diesem Augenblick begriff Guy, was Allan ihm hier eigentlich versuchte zu erklären.
Sie waren unterschiedlich. Zusammen ergaben sie Krach und Rauch und Zwist. Zusammen ergaben sie aber auch etwas Neues, etwas völlig Unerwartetes. (Wer wusste das besser als Hood, der es noch immer nicht hundertprozentig fassen konnte, dass sie zusammen waren.) Es war chaotisch und voller unerwartetem Staccato, voller Crescendi und Decrescendi. Aber es war gut. So etwas passierte nun einmal, wenn man so intensiv beieinander war.
Als die Musik ihren Weg zurück in harte, aber melodische Harmonien fand, zog er Allan zu sich heran und küsste ihn auf die Stirn.
„So ein Aufwand“, brummte er, als Allan die Arme um ihn legte.
„Aber erstaunlich kohärent für deine Verhältnisse.“
„Hey, beleidigst du mich immer noch?“
Allan grummelte, aber er schien versöhnt, als Guy ihm den Rücken zu streicheln begann.
„Mit dir muss man halt erfinderisch sein.“
„Ich weiß. Ich...“
„Schon gut, ich weiß, dass es dir leid tut. Mir tut's ja auch leid. Wegen der lauten Musik und so.“
Letztlich, und das war erstaunlich, gab es in ihrer Melodie hin und wieder ein Legato.
no subject
Date: 2013-08-25 01:08 pm (UTC)Apocalyptica sind schon irgendwie faszinierend ... Obwohl ich sonst weder Metal noch Klassik sonderlich mag. Die Mischung macht's :)
no subject
Date: 2013-08-25 08:00 pm (UTC)no subject
Date: 2013-08-25 04:22 pm (UTC)Aba ja: die beiden sind schon sowas wie musik. :) das beste stück musik, das ich je gesehen habe! ^.~
Sehr süß!
Weiter kuschln. Immer weiterkuschln! ^^
no subject
Date: 2013-08-25 08:04 pm (UTC)Gegenteil vom Staccato, bei dem alles ja sehr abgehackt klingt; die Töne werden gebunden gespielt, was natürlich sehr viel harmonischer klingt.
Awww =) Sehr schön.
Auch wenn das alles eine sehr plumpe Metapher ist. Aber besser als nichts. *g*