Team: Nutellasalat
Challenge: Personen – Stille Wasser sind… – fürs Team
Fandom: Star Wars: The Clone Wars
Titel: Sterngekreuzt
Inhalt: Duchesse Satine erzählt Padmé von ihrer Bekanntschaft mit Obi-Wan Kenobi, Jedi-Meister extraordinaire und galaktischer panty-dropper in einem.
Anmerkung: Herzogin Satine von Mandalore ist als überzeugte Pazifistin die Herrscherin über tausend neutrale Systeme, die es im Klonkrieg nicht gerade leicht haben. Sie ist zudem noch eine alte Freundin von Obi-Wan Kenobi und die sexual tension zwischen den beiden kann man mit bloßem Auge sehen, aber, wie immer im Canon, wird daraus nichts. Diese Story ist der absolut schamlose Versuch, die Ereignisse, die Obi-Wan und sie zusammengeführt haben, aus Satines Sicht zu schildern. Ich bekenne mich schuldig, „show don’t tell“ vollkommen missachtet zu haben, um meinen eigenen headcanon irgendwie in dieses Universum zu quetschen. Das Ende ist etwas sehr hastig, aber erstens lief mir die Zeit davon und zweitens die Ideen.Und außerdem haben wir ja noch tausend weitere Prompts, die es zu beantworten gilt…
Sterngekreuzt
Es war erstaunlich, wie schnell ihr alles aus den Händen geglitten war, kaum, dass sie in Coruscant angekommen war. Ihre Neutralitätserklärung hatte einen Schwarm an Komplikationen mit sich gebracht, den sie gehofft hatte, genau dadurch vermeiden zu können, doch nun stand sie vor den Trümmern dessen, was sie hochtrabend „pazifistische Diplomatie“ getauft hatte.
Satine unterdrückte das Zittern ihrer Hände, indem sie das Holopad fester umfasste. Zum wiederholten Male las sie, welche Debatten am morgigen Tag anstanden und der Name Mandalore tauchte beinah ein Dutzend Mal auf: zwei Handelsembargos, die ihren Heimatplaneten in eine innenpolitische Krise stürzen konnten, wollten abgewiesen werden, sowie neue Zollabkommen mit den äußeren Systemen der Republik verhandelt und erneut der Nicht-Angriffspakt bestätigt werden.
Es war eine einzige Katastrophe und ganz allein ihre Schuld.
Beinah hätte sie erneut geseufzt, als ihr Blick auf eine weitere formelle Abstimmung fiel, die den neutralen Status Mandalores weiter zementieren sollte: unter keinen Umständen durften das gesamte ihr unterstellte System oder auch nur Teile davon auf die Hilfe des Jedi-Ordens zählen, sofern nicht der Status der Neutralität Mandalores zugunsten der Republik aufgehoben würde.
Satine schluckte. Diese Entwicklung war natürlich nicht sonderlich überraschend, doch sie hatte nicht gewusst, dass dieser Punkt öffentlich im Senat diskutiert würde.
Völlig unzeremoniell ließ sie das Holopad auf die Bank neben sich fallen und griff nach ihrem Kommunikator.
„Senatorin Amidala, ich benötigen Euren Rat. Würdet Ihr zu mir kommen?“
„Selbstverständlich, Herzogin.“
„Ich danke Euch, dass Ihr meinem Ruf so schnell gefolgt seid, Senatorin.“
„Nicht doch, Herzogin. Ich hoffe nur, dass ich Euch helfen kann.“
„Bitte, lassen wir das Zeremoniell weg. Nennt mich Satine.“
Ein Lächeln breitete sich auf Padmés freundlichem Gesicht aus. „Mit Vergnügen.“
Satine nickte und gemeinsam nahmen sie Platz. Es freute sie, dass sie sich in Padme nicht getäuscht hatte, und ihr das Angebot, sich beim Vornamen zu nennen, nicht unangenehm war. Die Senatorin lehnte sich sichtlich erschöpft in die Polster zurück und schloss sogar für einen Moment die Augen. Es schien, als habe sie seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen und Satine fragte sich, ob das auf Coruscant zum Alltag gehörte.
„Ich kann mir vorstellen, warum Ihr mich herbestellt habt, Satine“, sagte Padmé nach einer Weile, was Satine mehr als überraschte.
„So?“
Mit einem breiten Lächeln deutete Padmé auf das immer noch aktivierte Holopad auf der Bank neben sich, welches in großen blinkenden Lettern von der Abstimmung bezüglich des Jedi-Rates bestimmte.
Satine rieb sich die Schläfe. „Ich bin leichter zu durchschauen als ich dachte.“
„Oh nein, das mit Sicherheit nicht“, beeilte Padmé sich zu sagen. Satine blinzelte, doch bevor sie klarstellen konnte, dass sie bloß gescherzt hatte, fuhr die andere fort. „Ich habe die Tagesordnung auch gelesen und war drauf und dran, Euch genau deswegen zu kontaktieren.“
„Also ist diese Debatte so keinesfalls üblich?“
„Ganz und gar nicht!“
Padmés helle Wangen hatten sich gerötet und ihre geballten Fäuste ruhten in ihrem Schoß. Satine war verblüfft und gerührt gleichermaßen von so viel Leidenschaft für etwas, dem sie kaum Bedeutung beigemessen hatte. Sie lehnte sich zurück und betrachtete Padmé mit einem leichten Lächeln. Es war so leicht, zu vergessen, dass die Senatorin ein knappes Jahrzehnt jünger war als sie selbst.
„Hm. Ich bin kurz davor, mich geschmeichelt zu fühlen. Der Senat tut wirklich alles, um meinen Aufenthalt auf Coruscant unvergesslich zu machen.“
Beinah augenblicklich verschwand der wütende Ausdruck in Padmés Augen und die Anspannung verließ ihren Körper. Sie warf ihr einen beinah scheuen Blick zu, doch Satine winkte ab.
„Verzeiht, Padmé. Dieses politische Brimborium lässt mich zynisch werden. Ich weiß selbst, dass mir das nicht gut zu Gesicht steht.“
Die Senatorin widersprach nicht. Es gab nichts, was sie hätte sagen können.
Um die unangenehme Stille zu unterbrechen, griff Satine nach dem Holopad. „Zurück zum eigentlichen Problem: was könnt Ihr mir über diese Abstimmung sagen?“
„Es ist ein Affront gegenüber Euch und den Jedi gleichermaßen“, erwiderte Padmé augenblicklich, anscheinend froh, dass sie wieder sicheres Terrain betraten. „Es stimmt zwar, dass die Jedi der Republik dienen, doch ein neutrales System kann und darf von der Hilfe des Ordens nicht so ohne weiteres ausgeschlossen werden und es ist noch nie vorgekommen, dass über die Köpfe des Jedi-Rates hinweg so etwas entschieden wurde. Man legt es darauf an, Euch so sehr unter Druck zu setzen, dass Ihr den Neutralitätsanspruch eventuell zurückzieht. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob die Jedi über diese Abstimmung in Kenntnis gesetzt wurden“, fügte sie zögerlich hinzu. „Sie haben keine ständige Vertretung im Senat und es ist möglich, dass sie nicht informiert wurden.“
„Warum sollte man solch eine Beleidigung des Jedi-Ordens riskieren?“, fragte Satine, doch als sie sah, dass Padmé unruhig hin und her rutschte, konnte sie sich die Antwort denken.
„Nach dem Attentat auf Euch und Meister Kenobis heroischem Einsatz gab es Gerüchte, dass Ihr ihm…näher steht, als es sonst üblich ist. Möglicherweise ist dies weniger ein politisches Manöver und mehr eine wohl gezielte Beleidigung gegenüber Euch… und Meister Kenobi. Seine Erfolge auf dem Schlachtfeld sind vielen kriegstreiberischen Senatoren ein Dorn im Auge“, ergänzte sie hastig, als sie Satines ungläubigen Blick wahrnahm. „Die Schmutzkampagne, die unweigerlich auf diese Abstimmung folgen würde, würde den Jedi-Orden empfindlich treffen.“
Einen Moment lang war es still, dann explodierte die Herzogin.
„Das ist… ungeheuerlich!“, rief sie und ihr war bewusst, dass sie vor Wut dunkelrot angelaufen war. „Was für eine Schande für den galaktischen Senat. Meine persönlichen Beziehungen derartig unter öffentliches Kreuzfeuer zu stellen…“
Fluchend stand sie auf, durchquerte mit langen Schritten das Zimmer und fauchte ihrer Leibwache zu, sofort und auf der Stelle dafür zu sorgen, dass ein Mitglied des Jedi-Ordens zu ihr beordert würde.
Der Mann zögerte kurz, als müsse er sich erst davon überzeugen, dass die Senatorin von Naboo kein Attentat auf seine Herzogin ausüben würde, dann verneigte er sich tief und verschwand aus dem Raum.
Satine wartete einen Moment ab, bis sich ihre Atmung beruhigt hatte, dann schritt sie deutlich würdevoller zu Padmé zurück und ließ sich schwer auf den Sessel fallen.
„Ich entschuldige mich für diesen Ausbruch, Padmé“, murmelte sie und strich sich das Haar aus der Stirn. „Es ist eine Sache, meine Person zu attackieren. Aber Meister Kenobi auf diese Art in den Dreck ziehen zu wollen…“
„Ich bin mir sicher, dass er sich zu verteidigen weiß“, erklärte Padmé mit einem Ausdruck auf dem Gesicht, der für Satines Geschmack viel zu wissend war. „Außerdem… es ist doch keine Schande, wenn er mit Euch bekannt ist?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob er das auch so sieht“, antwortete Satine schnaubend, was Padmé zu einem empörten Blick veranlasste. Satine winkte ab und musste trotz allem lachen.
„Keine Sorge, noch neige ich nicht derart zur Selbstkasteiung. Aber Obi-Wan ist seinem Orden gegenüber loyal bis in den Tod und ich werde mich hüten, ihn in einen Interessenskonflikt zu stürzen, der für alle Parteien nur schmerzhaft ausgehen kann.“
Es schien nicht so, als sei Padmé im Mindesten beruhigt, doch sie sagte nichts und Satine gestattete sich, ein paar Augenblicke lang ihren Gedanken nachzuhängen. Sie musste diese Abstimmung verhindern, doch sie konnte sich vorstellen, dass sie sich einer Rufmordkampagne ohnegleichen gegenüber sehen würde, wenn diesem Debakel zu viel mediale Aufmerksamkeit geschenkt würde. Einzig der Jedi-Orden selbst könnte auf die Unrechtmäßigkeit hinweisen, ohne dass ihr Schaden daraus erwachsen würde. Was für eine verfahrene Situation…
Sie sah zurück zu Padmé. Die Senatorin schien mit sich zu ringen, ob sie ihrer Neugier nachgeben sollte und mit einem Mal fühlte sich Satine müder als je zuvor.
„Satine…Meister Skywalker hat mir gegenüber angedeutet, dass Euch und Meister Kenobi in der Tat eine langjährige … Bekanntschaft verbindet“, sagte Padmé schließlich leise.
Satine runzelte die Stirn. „Wie kommt Meister Skywalker dazu, meine persönlichen Angelegenheiten mit Euch zu diskutieren?“, fragte sie schärfer als beabsichtigt, doch als sie bemerkte, dass Padmé in sich zusammenfiel, bereute sie ihren Ton sofort.
„Es ist nur… Anakin steht Meister Kenobi sehr nah und nachdem sie Euch hierher eskortiert hatten, schien Meister Kenobi außerordentlich aufgewühlt zu sein. Anakin hat mich um Rat gefragt und…“
Satine biss sich auf die Lippen, um nicht loszulachen.
„Aufgewühlt, soso“, unterbrach sie Padmé. „Meine Boshaftigkeit hat ihn also doch tiefer getroffen, als ich es beabsichtigt hatte.“
„Boshaftigkeit?“ Padmé war nun vollends verwirrt und Satine konnte es ihr nicht übel nehmen.
Sie schüttelte lachend den Kopf. „Lasst mich erklären. Dass diese ganze Sache solch weitreichende Folgen haben würde, hätte ich nie vermutet…“ Sie holte tief Luft, um ihre Gedanken zu sortieren.
„Es stimmt. Obi-Wan und ich haben uns bereits vor zwanzig Jahren einmal getroffen. In einem anderen Leben, wie es mir jetzt scheint. Damals wütete der Bürgerkrieg auf Mandalore und ich als Thronfolgerin schwebte in ständiger Lebensgefahr. Ein Jahr vor meiner Vereidigung waren Attentate ein beinah alltägliches Vorkommnis und man ersuchte die Jedi um Hilfe, da unsere eigenen Garden der Aufgabe nicht mehr gewachsen waren.“
Satine hielt inne. Die Erinnerung an diese Zeit war dunkel und voller Leid, Enttäuschung und Entbehrungen und sie wollte nicht allzu lang darin verweilen.
„Qui-Gon Jinn und Obi-Wan Kenobi, damals sein Padawan, wurden nach Mandalore geschickt. Sie hatten den Auftrag, mich nach Coruscant zu bringen, bis die schlimmsten Aufstände vorüber waren, doch ich weigerte mich, mein Volk im Stich zu lassen und schließlich wurde beschlossen, dass wir in die Berge fliehen sollten, bis der Frieden wieder hergestellt sei.“
„Das klingt… nicht sonderlich komfortabel“, warf Padmé diplomatisch ein, was Satine erneut zum Lachen brachte.
„Nein, das war es ganz bestimmt nicht. Ein Jahr lang rannten wir vor Attentätern, Milizen und wilden Tieren davon. Meister Qui-Gon war von Anfang an gegen diese Mission, auch wenn ich nie herausgefunden habe, weshalb, und ich hätte mich manches Mal lieber von einem Bantha fressen lassen, als mich mit seiner eiskalten Höflichkeit auseinander zu setzen. Obi-Wan auf der anderen Seite bekam wochenlang den Mund nicht auf und das tagelange Schweigen machte mich wahnsinnig.“
„Seid Ihr sicher, dass Ihr von Meister Kenobi sprecht?“ Padmés Ton lag irgendwo zwischen gutmütigem Spott und wahrem Unglauben. Satine grinste
„Ja, es ist unvorstellbar, nicht wahr? Aber ich kann Euch versichern, dass dieser Zustand nicht lange anhielt. Wie auch“, erzählte sie weiter und bemerkte, dass sie gegen ihren Willen lächelte, „wir waren beide viel zu jung und hitzköpfig und obwohl wir oft der gleichen Meinung waren, ließen wir irgendwann keine Gelegenheit mehr aus, um uns zu streiten. Leider muss ich zugeben, dass es meine Ungeduld und mein verletzter Stolz waren, die mich dazu veranlassten, kein gutes Haar an Obi-Wan zu lassen, egal, was er tat. An Qui-Gon konnte ich meinen Frust nicht abbauen, er war zu gelassen und zu erfahren für die Eskapaden einer verwöhnten jungen Frau, doch Obi-Wan… er war das perfekte Opfer, weil er bei weitem nicht so geduldig war wie jetzt und dazu noch in einem Alter, in dem viele Männer sich nicht von einer Frau vorführen lassen wollen, schon gar nicht von einer ‚verwöhnten, verzogenen Herzogin, die noch nie auch nur einen Fuß aus ihrem Palast hinaus gesetzt‘ hat.“ Die letzten Worte hatte sie in einer perfekten Imitation von Obi-Wans üblichem vorwurfsvollem Ton herausgebracht, sodass Padmé nicht mehr an sich halten konnte und laut prustete. Satine stimmte in ihre Gelächter mit ein und erst nach einer ganzen Weile konnte sie fortfahren.
„Ich will mir gar nicht ausmalen, wie lächerlich unser kindisches Geplänkel für Meister Qui-Gon gewirkt haben muss. Er hat sich nie eingemischt, zumindest nicht mit Worten, doch ich weiß, dass die Jedi Möglichkeiten haben, miteinander zu kommunizieren, ohne Außenstehende zu involvieren. Selbstverständlich trug das nicht dazu bei, dass zwischen uns eine innige Vertrautheit entstand, im Gegenteil, ich wurde nur noch wütender auf die verfluchten Jedi, die mich, wie es mir damals vorkam, absichtlich ausschlossen.
Einige Monate nach Beginn unserer Reise verschlug es uns nach Draboon, wo wir in eine Falle der Attentäter gerieten. Es war ein grässlicher und blutrünstiger Angriff, bei dem wir nur sehr knapp mit dem Leben davon kamen. Aufgrund einer schwerwiegenden Verletzung konnte ich nicht mehr weiterreisen und so blieben Obi-Wan und ich allein zurück, während Meister Qui-Gon nach Unterstützung suchte.“
Satine stockte und machte eine vage Geste. „Es erstaunt mich immer noch, doch wir verliebten uns während dieser paar Tage Hals über Kopf ineinander. Obi-Wan wurde zwar von Gewissensbissen geplagt, doch ich war so froh, endlich nicht mehr allein zu sein, endlich einen Zugang zu ihm gefunden zu haben, den er nicht mit seinem Meister teilen konnte, dass ich alles daran setzte, sie ihm auszutreiben. Er war interessanterweise mehr als willig, sich überzeugen zu lassen.“
Es sprach für Padmé, dass sie ihre Contenance wahrte – lediglich eine feine Röte zeugte davon, dass es ihr wahrscheinlich ein wenig peinlich war, über ein solch intimes Detail aus Obi-Wans Vergangenheit informiert zu werden. Es gab Dinge, über die man bei hochgeschätzten Bekannten einfach nicht nachdachte, das war Satine klar, deshalb war sie darauf bedacht, schnell das Thema zu wechseln.
„Der Rest der Reise verlief vergleichsweise ruhig, doch vielleicht verkläre ich die Ereignisse auch nur. Die schlimmste Entwicklung war selbstverständlich der unvermeidliche Abschied voneinander…“
Satine unterbrach sich und wandte den Blick von Padmé ab. Es mochten zwanzig Jahre vergangen sein, doch sie spürte, dass die Verzweiflung und Ohnmacht dieser Tage immer noch tief in ihr schlummerten. Wie oft hatte während dieser Zeit mit zitternden Händen nach Obis Gesicht gegriffen, sich eng an ihn geschmiegt und das Vergessen mithilfe seines Körpers gesucht, gequält von Scham und Angst. Sie hatte gewusst, dass sie nicht ewig weglaufen konnten und dennoch hatte sie innerlich darauf gehofft, dass der Bürgerkrieg weiter gehen möge, nur noch ein bisschen, einen Monat oder nur einen halben, damit ihr und Obi ein bisschen mehr Zeit bliebe…
Erneut ergriff ein Zittern ihre Finger und sie schlang hastig die Arme um ihren Leib. Sie brannte immer noch vor Scham, wenn sie an ihre selbstsüchtigen Gedanken dachte. Erschöpft wandte sie sich um, um die Geschichte fertig zu erzählen, doch es wollte ihr nicht gelingen, Padmé dabei anzusehen.
„Mandalore war nicht wieder zu erkennen, als ich in den Palast meiner Eltern zurückkehrte. Der Krieg hatte Spuren hinterlassen, keine Frage, aber insgesamt bot sich ein hoffnungsvolleres Bild als je zuvor. Die Jedi wurden mit allen Ehren und Würden verabschiedet. Ich habe ihn nicht gebeten, bei mir zu bleiben und…“
„Warum?“
Überrascht hob Satine den Kopf – und schaute in Padmés von Mitleid gequältes Gesicht. Ihre Augen glänzten verräterisch und Satine schoss zum allerersten Mal durch den Kopf, dass die Senatorin möglicherweise ein sehr persönliches Interesse an ihren Erfahrungen haben könnte. Immerhin waren auch Gerüchte über sie und ihre enge Freundschaft zu Meister Skywalker in Umlauf… Satine klappte der Mund auf, doch sie fing sich rasch wieder. Das ging sie nichts an. Sie zwang sich zu einem Lächeln.
„Warum? Nun, ich war zwar ein dummes kleines Mädchen, doch selbst ich hatte erkannt, dass Obi-Wan ohne den Jedi-Orden gar nichts war. Unsere Beziehung war nicht mehr als das erste Aufflammen von Leidenschaft und dem, was junge Menschen gern mit Liebe verwechseln, selbst wenn daraus hätte mehr werden können, wenn wir die Zeit gehabt hätten.“
Es war ein hartes Urteil, dass sie mit diesen Worten fällte und Satine musste zugegeben, dass sie selbst nicht vollkommen davon überzeugt war. Padmé schwieg und aus irgendeinem Grund fühlte sich Satine bemüßigt, noch etwas mehr preiszugeben.
„Ich hatte es mir selbstverständlich ausgemalt, eine Allianz zwischen ihm und mir. Er an meiner Seite als Unterstützer für die Herrscherin Mandalores…“ Satine lachte auf, doch es war ein bitteres Geräusch und sie spürte, wie sich ihre Kehle zusammenzog. „Er wäre zu Grunde gegangen. Obi-Wan ist ein romantischer Träumer und Idealist, egal, was er versucht, Euch weißzumachen. Er muss für das große Ganze kämpfen, für ein edles Ziel, größer als er selbst und nicht einmal Mandalore und seine tausend Welten hätten ihm das geben können. Also habe ich ihn weggeschickt. Weggestoßen, eher.“
Natürlich unter Tränen, natürlich nicht ohne zu hoffen, dass er doch wieder zu ihr kommen würde und natürlich zornig und ihn verfluchend, weil er es nicht tat. Doch das waren die Gefühle eines jungen Mädchens und Satine würde sich dieser nicht mehr schämen.
„Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn jemals wieder zu sehen und ich habe meinen Frieden gemacht. Doch während der Reise nach Coruscant…ich habe etwas gesagt, was ihn tief getroffen hat. Er war schon immer ein Grübler und ich schätze, dass ich ihn an Gefühle erinnert habe, die er lieber verdrängt hätte – das war meine Boshaftigkeit.“
Padmé blinzelte, als könne sie sich nur dunkel daran erinnern, womit ihr Gespräch begonnen hatte, doch dann neigte sie den Kopf.
„Euer Vertrauen ehrt mich, Satine. Ihr hättet mir das nicht erzählen müssen.“
Satine winkte ab. „Es tat gut, das loszuwerden. Obi-Wan ist ein lieber Freund und ich würde alles tun, um ihn zu beschützen.“
Padmé sprang plötzlich auf, ging vor Satine auf die Knie und umfasste ihre Hände. „Ich bin mir sicher, dass er das weiß. Wir werden alles tun, um diese Abstimmung zu verhindern“, sagte sie voller Überzeugung und Satine wusste, dass sie es ernst meinte.
Sie lächelte gerührt. „Ich danke Euch, Padmé. Von ganzem Herzen.“
Während sie so voreinander hockten, öffnete sich plötzlich die Tür und ein Soldat der Leibgarde trat ein.
„Herzogin, Meister Kenobi ist hier und wünscht mit Euch zu sprechen.“
Padmé stand hastig auf und strich ihre Robe zurecht, während Satine lachte.
„Meister Kenobi, hm? Was habe ich Euch gesagt, Padmé. Ein Träumer und hoffnungsloser Romantiker, der ständig zur Rettung der Hilflosen eilt.“
Padmé lächelte. „Geht nicht zu hart mit ihm ins Gericht… oder mit Euch.“
Satine nickte. „Ihr habt Recht. Danke, Padme. Für Euer Verständnis.“
Padmé errötete und verabschiedete sich hastig. Satine sah ihr voller Neugier nach, bis Obi-Wan den Raum betrat. Er schaute der Senatorin ebenfalls hinterher, doch er enthielt sich jeglichen Kommentars, obwohl ihm die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
„Ihr habt nach mir geschickt, Herzogin“, sagte er stattdessen und verneigte sich.
„Lass den Blödsinn, Obi“, fuhr Satine ihm über den Mund und sie konnte sehen, wie er zusammenzuckte. „Ich habe nach einem Jedi geschickt. Dass du dich bemüßigt fühltest, selbst zu mir zu kommen, sollte dir zu denken geben“, erklärte sie mit deutlich mehr Schärfe, als sie beabsichtigt hatte.
„Satine…“ Sein Ton war flehend und weil Satine nichts von Gewalt hielt, seufzte sie bloß und bedeutete ihm, Platz zu nehmen.
„Setz dich. Wir haben einiges zu besprechen…“
- Ende?
Challenge: Personen – Stille Wasser sind… – fürs Team
Fandom: Star Wars: The Clone Wars
Titel: Sterngekreuzt
Inhalt: Duchesse Satine erzählt Padmé von ihrer Bekanntschaft mit Obi-Wan Kenobi, Jedi-Meister extraordinaire und galaktischer panty-dropper in einem.
Anmerkung: Herzogin Satine von Mandalore ist als überzeugte Pazifistin die Herrscherin über tausend neutrale Systeme, die es im Klonkrieg nicht gerade leicht haben. Sie ist zudem noch eine alte Freundin von Obi-Wan Kenobi und die sexual tension zwischen den beiden kann man mit bloßem Auge sehen, aber, wie immer im Canon, wird daraus nichts. Diese Story ist der absolut schamlose Versuch, die Ereignisse, die Obi-Wan und sie zusammengeführt haben, aus Satines Sicht zu schildern. Ich bekenne mich schuldig, „show don’t tell“ vollkommen missachtet zu haben, um meinen eigenen headcanon irgendwie in dieses Universum zu quetschen. Das Ende ist etwas sehr hastig, aber erstens lief mir die Zeit davon und zweitens die Ideen.
Sterngekreuzt
Es war erstaunlich, wie schnell ihr alles aus den Händen geglitten war, kaum, dass sie in Coruscant angekommen war. Ihre Neutralitätserklärung hatte einen Schwarm an Komplikationen mit sich gebracht, den sie gehofft hatte, genau dadurch vermeiden zu können, doch nun stand sie vor den Trümmern dessen, was sie hochtrabend „pazifistische Diplomatie“ getauft hatte.
Satine unterdrückte das Zittern ihrer Hände, indem sie das Holopad fester umfasste. Zum wiederholten Male las sie, welche Debatten am morgigen Tag anstanden und der Name Mandalore tauchte beinah ein Dutzend Mal auf: zwei Handelsembargos, die ihren Heimatplaneten in eine innenpolitische Krise stürzen konnten, wollten abgewiesen werden, sowie neue Zollabkommen mit den äußeren Systemen der Republik verhandelt und erneut der Nicht-Angriffspakt bestätigt werden.
Es war eine einzige Katastrophe und ganz allein ihre Schuld.
Beinah hätte sie erneut geseufzt, als ihr Blick auf eine weitere formelle Abstimmung fiel, die den neutralen Status Mandalores weiter zementieren sollte: unter keinen Umständen durften das gesamte ihr unterstellte System oder auch nur Teile davon auf die Hilfe des Jedi-Ordens zählen, sofern nicht der Status der Neutralität Mandalores zugunsten der Republik aufgehoben würde.
Satine schluckte. Diese Entwicklung war natürlich nicht sonderlich überraschend, doch sie hatte nicht gewusst, dass dieser Punkt öffentlich im Senat diskutiert würde.
Völlig unzeremoniell ließ sie das Holopad auf die Bank neben sich fallen und griff nach ihrem Kommunikator.
„Senatorin Amidala, ich benötigen Euren Rat. Würdet Ihr zu mir kommen?“
„Selbstverständlich, Herzogin.“
„Ich danke Euch, dass Ihr meinem Ruf so schnell gefolgt seid, Senatorin.“
„Nicht doch, Herzogin. Ich hoffe nur, dass ich Euch helfen kann.“
„Bitte, lassen wir das Zeremoniell weg. Nennt mich Satine.“
Ein Lächeln breitete sich auf Padmés freundlichem Gesicht aus. „Mit Vergnügen.“
Satine nickte und gemeinsam nahmen sie Platz. Es freute sie, dass sie sich in Padme nicht getäuscht hatte, und ihr das Angebot, sich beim Vornamen zu nennen, nicht unangenehm war. Die Senatorin lehnte sich sichtlich erschöpft in die Polster zurück und schloss sogar für einen Moment die Augen. Es schien, als habe sie seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen und Satine fragte sich, ob das auf Coruscant zum Alltag gehörte.
„Ich kann mir vorstellen, warum Ihr mich herbestellt habt, Satine“, sagte Padmé nach einer Weile, was Satine mehr als überraschte.
„So?“
Mit einem breiten Lächeln deutete Padmé auf das immer noch aktivierte Holopad auf der Bank neben sich, welches in großen blinkenden Lettern von der Abstimmung bezüglich des Jedi-Rates bestimmte.
Satine rieb sich die Schläfe. „Ich bin leichter zu durchschauen als ich dachte.“
„Oh nein, das mit Sicherheit nicht“, beeilte Padmé sich zu sagen. Satine blinzelte, doch bevor sie klarstellen konnte, dass sie bloß gescherzt hatte, fuhr die andere fort. „Ich habe die Tagesordnung auch gelesen und war drauf und dran, Euch genau deswegen zu kontaktieren.“
„Also ist diese Debatte so keinesfalls üblich?“
„Ganz und gar nicht!“
Padmés helle Wangen hatten sich gerötet und ihre geballten Fäuste ruhten in ihrem Schoß. Satine war verblüfft und gerührt gleichermaßen von so viel Leidenschaft für etwas, dem sie kaum Bedeutung beigemessen hatte. Sie lehnte sich zurück und betrachtete Padmé mit einem leichten Lächeln. Es war so leicht, zu vergessen, dass die Senatorin ein knappes Jahrzehnt jünger war als sie selbst.
„Hm. Ich bin kurz davor, mich geschmeichelt zu fühlen. Der Senat tut wirklich alles, um meinen Aufenthalt auf Coruscant unvergesslich zu machen.“
Beinah augenblicklich verschwand der wütende Ausdruck in Padmés Augen und die Anspannung verließ ihren Körper. Sie warf ihr einen beinah scheuen Blick zu, doch Satine winkte ab.
„Verzeiht, Padmé. Dieses politische Brimborium lässt mich zynisch werden. Ich weiß selbst, dass mir das nicht gut zu Gesicht steht.“
Die Senatorin widersprach nicht. Es gab nichts, was sie hätte sagen können.
Um die unangenehme Stille zu unterbrechen, griff Satine nach dem Holopad. „Zurück zum eigentlichen Problem: was könnt Ihr mir über diese Abstimmung sagen?“
„Es ist ein Affront gegenüber Euch und den Jedi gleichermaßen“, erwiderte Padmé augenblicklich, anscheinend froh, dass sie wieder sicheres Terrain betraten. „Es stimmt zwar, dass die Jedi der Republik dienen, doch ein neutrales System kann und darf von der Hilfe des Ordens nicht so ohne weiteres ausgeschlossen werden und es ist noch nie vorgekommen, dass über die Köpfe des Jedi-Rates hinweg so etwas entschieden wurde. Man legt es darauf an, Euch so sehr unter Druck zu setzen, dass Ihr den Neutralitätsanspruch eventuell zurückzieht. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob die Jedi über diese Abstimmung in Kenntnis gesetzt wurden“, fügte sie zögerlich hinzu. „Sie haben keine ständige Vertretung im Senat und es ist möglich, dass sie nicht informiert wurden.“
„Warum sollte man solch eine Beleidigung des Jedi-Ordens riskieren?“, fragte Satine, doch als sie sah, dass Padmé unruhig hin und her rutschte, konnte sie sich die Antwort denken.
„Nach dem Attentat auf Euch und Meister Kenobis heroischem Einsatz gab es Gerüchte, dass Ihr ihm…näher steht, als es sonst üblich ist. Möglicherweise ist dies weniger ein politisches Manöver und mehr eine wohl gezielte Beleidigung gegenüber Euch… und Meister Kenobi. Seine Erfolge auf dem Schlachtfeld sind vielen kriegstreiberischen Senatoren ein Dorn im Auge“, ergänzte sie hastig, als sie Satines ungläubigen Blick wahrnahm. „Die Schmutzkampagne, die unweigerlich auf diese Abstimmung folgen würde, würde den Jedi-Orden empfindlich treffen.“
Einen Moment lang war es still, dann explodierte die Herzogin.
„Das ist… ungeheuerlich!“, rief sie und ihr war bewusst, dass sie vor Wut dunkelrot angelaufen war. „Was für eine Schande für den galaktischen Senat. Meine persönlichen Beziehungen derartig unter öffentliches Kreuzfeuer zu stellen…“
Fluchend stand sie auf, durchquerte mit langen Schritten das Zimmer und fauchte ihrer Leibwache zu, sofort und auf der Stelle dafür zu sorgen, dass ein Mitglied des Jedi-Ordens zu ihr beordert würde.
Der Mann zögerte kurz, als müsse er sich erst davon überzeugen, dass die Senatorin von Naboo kein Attentat auf seine Herzogin ausüben würde, dann verneigte er sich tief und verschwand aus dem Raum.
Satine wartete einen Moment ab, bis sich ihre Atmung beruhigt hatte, dann schritt sie deutlich würdevoller zu Padmé zurück und ließ sich schwer auf den Sessel fallen.
„Ich entschuldige mich für diesen Ausbruch, Padmé“, murmelte sie und strich sich das Haar aus der Stirn. „Es ist eine Sache, meine Person zu attackieren. Aber Meister Kenobi auf diese Art in den Dreck ziehen zu wollen…“
„Ich bin mir sicher, dass er sich zu verteidigen weiß“, erklärte Padmé mit einem Ausdruck auf dem Gesicht, der für Satines Geschmack viel zu wissend war. „Außerdem… es ist doch keine Schande, wenn er mit Euch bekannt ist?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob er das auch so sieht“, antwortete Satine schnaubend, was Padmé zu einem empörten Blick veranlasste. Satine winkte ab und musste trotz allem lachen.
„Keine Sorge, noch neige ich nicht derart zur Selbstkasteiung. Aber Obi-Wan ist seinem Orden gegenüber loyal bis in den Tod und ich werde mich hüten, ihn in einen Interessenskonflikt zu stürzen, der für alle Parteien nur schmerzhaft ausgehen kann.“
Es schien nicht so, als sei Padmé im Mindesten beruhigt, doch sie sagte nichts und Satine gestattete sich, ein paar Augenblicke lang ihren Gedanken nachzuhängen. Sie musste diese Abstimmung verhindern, doch sie konnte sich vorstellen, dass sie sich einer Rufmordkampagne ohnegleichen gegenüber sehen würde, wenn diesem Debakel zu viel mediale Aufmerksamkeit geschenkt würde. Einzig der Jedi-Orden selbst könnte auf die Unrechtmäßigkeit hinweisen, ohne dass ihr Schaden daraus erwachsen würde. Was für eine verfahrene Situation…
Sie sah zurück zu Padmé. Die Senatorin schien mit sich zu ringen, ob sie ihrer Neugier nachgeben sollte und mit einem Mal fühlte sich Satine müder als je zuvor.
„Satine…Meister Skywalker hat mir gegenüber angedeutet, dass Euch und Meister Kenobi in der Tat eine langjährige … Bekanntschaft verbindet“, sagte Padmé schließlich leise.
Satine runzelte die Stirn. „Wie kommt Meister Skywalker dazu, meine persönlichen Angelegenheiten mit Euch zu diskutieren?“, fragte sie schärfer als beabsichtigt, doch als sie bemerkte, dass Padmé in sich zusammenfiel, bereute sie ihren Ton sofort.
„Es ist nur… Anakin steht Meister Kenobi sehr nah und nachdem sie Euch hierher eskortiert hatten, schien Meister Kenobi außerordentlich aufgewühlt zu sein. Anakin hat mich um Rat gefragt und…“
Satine biss sich auf die Lippen, um nicht loszulachen.
„Aufgewühlt, soso“, unterbrach sie Padmé. „Meine Boshaftigkeit hat ihn also doch tiefer getroffen, als ich es beabsichtigt hatte.“
„Boshaftigkeit?“ Padmé war nun vollends verwirrt und Satine konnte es ihr nicht übel nehmen.
Sie schüttelte lachend den Kopf. „Lasst mich erklären. Dass diese ganze Sache solch weitreichende Folgen haben würde, hätte ich nie vermutet…“ Sie holte tief Luft, um ihre Gedanken zu sortieren.
„Es stimmt. Obi-Wan und ich haben uns bereits vor zwanzig Jahren einmal getroffen. In einem anderen Leben, wie es mir jetzt scheint. Damals wütete der Bürgerkrieg auf Mandalore und ich als Thronfolgerin schwebte in ständiger Lebensgefahr. Ein Jahr vor meiner Vereidigung waren Attentate ein beinah alltägliches Vorkommnis und man ersuchte die Jedi um Hilfe, da unsere eigenen Garden der Aufgabe nicht mehr gewachsen waren.“
Satine hielt inne. Die Erinnerung an diese Zeit war dunkel und voller Leid, Enttäuschung und Entbehrungen und sie wollte nicht allzu lang darin verweilen.
„Qui-Gon Jinn und Obi-Wan Kenobi, damals sein Padawan, wurden nach Mandalore geschickt. Sie hatten den Auftrag, mich nach Coruscant zu bringen, bis die schlimmsten Aufstände vorüber waren, doch ich weigerte mich, mein Volk im Stich zu lassen und schließlich wurde beschlossen, dass wir in die Berge fliehen sollten, bis der Frieden wieder hergestellt sei.“
„Das klingt… nicht sonderlich komfortabel“, warf Padmé diplomatisch ein, was Satine erneut zum Lachen brachte.
„Nein, das war es ganz bestimmt nicht. Ein Jahr lang rannten wir vor Attentätern, Milizen und wilden Tieren davon. Meister Qui-Gon war von Anfang an gegen diese Mission, auch wenn ich nie herausgefunden habe, weshalb, und ich hätte mich manches Mal lieber von einem Bantha fressen lassen, als mich mit seiner eiskalten Höflichkeit auseinander zu setzen. Obi-Wan auf der anderen Seite bekam wochenlang den Mund nicht auf und das tagelange Schweigen machte mich wahnsinnig.“
„Seid Ihr sicher, dass Ihr von Meister Kenobi sprecht?“ Padmés Ton lag irgendwo zwischen gutmütigem Spott und wahrem Unglauben. Satine grinste
„Ja, es ist unvorstellbar, nicht wahr? Aber ich kann Euch versichern, dass dieser Zustand nicht lange anhielt. Wie auch“, erzählte sie weiter und bemerkte, dass sie gegen ihren Willen lächelte, „wir waren beide viel zu jung und hitzköpfig und obwohl wir oft der gleichen Meinung waren, ließen wir irgendwann keine Gelegenheit mehr aus, um uns zu streiten. Leider muss ich zugeben, dass es meine Ungeduld und mein verletzter Stolz waren, die mich dazu veranlassten, kein gutes Haar an Obi-Wan zu lassen, egal, was er tat. An Qui-Gon konnte ich meinen Frust nicht abbauen, er war zu gelassen und zu erfahren für die Eskapaden einer verwöhnten jungen Frau, doch Obi-Wan… er war das perfekte Opfer, weil er bei weitem nicht so geduldig war wie jetzt und dazu noch in einem Alter, in dem viele Männer sich nicht von einer Frau vorführen lassen wollen, schon gar nicht von einer ‚verwöhnten, verzogenen Herzogin, die noch nie auch nur einen Fuß aus ihrem Palast hinaus gesetzt‘ hat.“ Die letzten Worte hatte sie in einer perfekten Imitation von Obi-Wans üblichem vorwurfsvollem Ton herausgebracht, sodass Padmé nicht mehr an sich halten konnte und laut prustete. Satine stimmte in ihre Gelächter mit ein und erst nach einer ganzen Weile konnte sie fortfahren.
„Ich will mir gar nicht ausmalen, wie lächerlich unser kindisches Geplänkel für Meister Qui-Gon gewirkt haben muss. Er hat sich nie eingemischt, zumindest nicht mit Worten, doch ich weiß, dass die Jedi Möglichkeiten haben, miteinander zu kommunizieren, ohne Außenstehende zu involvieren. Selbstverständlich trug das nicht dazu bei, dass zwischen uns eine innige Vertrautheit entstand, im Gegenteil, ich wurde nur noch wütender auf die verfluchten Jedi, die mich, wie es mir damals vorkam, absichtlich ausschlossen.
Einige Monate nach Beginn unserer Reise verschlug es uns nach Draboon, wo wir in eine Falle der Attentäter gerieten. Es war ein grässlicher und blutrünstiger Angriff, bei dem wir nur sehr knapp mit dem Leben davon kamen. Aufgrund einer schwerwiegenden Verletzung konnte ich nicht mehr weiterreisen und so blieben Obi-Wan und ich allein zurück, während Meister Qui-Gon nach Unterstützung suchte.“
Satine stockte und machte eine vage Geste. „Es erstaunt mich immer noch, doch wir verliebten uns während dieser paar Tage Hals über Kopf ineinander. Obi-Wan wurde zwar von Gewissensbissen geplagt, doch ich war so froh, endlich nicht mehr allein zu sein, endlich einen Zugang zu ihm gefunden zu haben, den er nicht mit seinem Meister teilen konnte, dass ich alles daran setzte, sie ihm auszutreiben. Er war interessanterweise mehr als willig, sich überzeugen zu lassen.“
Es sprach für Padmé, dass sie ihre Contenance wahrte – lediglich eine feine Röte zeugte davon, dass es ihr wahrscheinlich ein wenig peinlich war, über ein solch intimes Detail aus Obi-Wans Vergangenheit informiert zu werden. Es gab Dinge, über die man bei hochgeschätzten Bekannten einfach nicht nachdachte, das war Satine klar, deshalb war sie darauf bedacht, schnell das Thema zu wechseln.
„Der Rest der Reise verlief vergleichsweise ruhig, doch vielleicht verkläre ich die Ereignisse auch nur. Die schlimmste Entwicklung war selbstverständlich der unvermeidliche Abschied voneinander…“
Satine unterbrach sich und wandte den Blick von Padmé ab. Es mochten zwanzig Jahre vergangen sein, doch sie spürte, dass die Verzweiflung und Ohnmacht dieser Tage immer noch tief in ihr schlummerten. Wie oft hatte während dieser Zeit mit zitternden Händen nach Obis Gesicht gegriffen, sich eng an ihn geschmiegt und das Vergessen mithilfe seines Körpers gesucht, gequält von Scham und Angst. Sie hatte gewusst, dass sie nicht ewig weglaufen konnten und dennoch hatte sie innerlich darauf gehofft, dass der Bürgerkrieg weiter gehen möge, nur noch ein bisschen, einen Monat oder nur einen halben, damit ihr und Obi ein bisschen mehr Zeit bliebe…
Erneut ergriff ein Zittern ihre Finger und sie schlang hastig die Arme um ihren Leib. Sie brannte immer noch vor Scham, wenn sie an ihre selbstsüchtigen Gedanken dachte. Erschöpft wandte sie sich um, um die Geschichte fertig zu erzählen, doch es wollte ihr nicht gelingen, Padmé dabei anzusehen.
„Mandalore war nicht wieder zu erkennen, als ich in den Palast meiner Eltern zurückkehrte. Der Krieg hatte Spuren hinterlassen, keine Frage, aber insgesamt bot sich ein hoffnungsvolleres Bild als je zuvor. Die Jedi wurden mit allen Ehren und Würden verabschiedet. Ich habe ihn nicht gebeten, bei mir zu bleiben und…“
„Warum?“
Überrascht hob Satine den Kopf – und schaute in Padmés von Mitleid gequältes Gesicht. Ihre Augen glänzten verräterisch und Satine schoss zum allerersten Mal durch den Kopf, dass die Senatorin möglicherweise ein sehr persönliches Interesse an ihren Erfahrungen haben könnte. Immerhin waren auch Gerüchte über sie und ihre enge Freundschaft zu Meister Skywalker in Umlauf… Satine klappte der Mund auf, doch sie fing sich rasch wieder. Das ging sie nichts an. Sie zwang sich zu einem Lächeln.
„Warum? Nun, ich war zwar ein dummes kleines Mädchen, doch selbst ich hatte erkannt, dass Obi-Wan ohne den Jedi-Orden gar nichts war. Unsere Beziehung war nicht mehr als das erste Aufflammen von Leidenschaft und dem, was junge Menschen gern mit Liebe verwechseln, selbst wenn daraus hätte mehr werden können, wenn wir die Zeit gehabt hätten.“
Es war ein hartes Urteil, dass sie mit diesen Worten fällte und Satine musste zugegeben, dass sie selbst nicht vollkommen davon überzeugt war. Padmé schwieg und aus irgendeinem Grund fühlte sich Satine bemüßigt, noch etwas mehr preiszugeben.
„Ich hatte es mir selbstverständlich ausgemalt, eine Allianz zwischen ihm und mir. Er an meiner Seite als Unterstützer für die Herrscherin Mandalores…“ Satine lachte auf, doch es war ein bitteres Geräusch und sie spürte, wie sich ihre Kehle zusammenzog. „Er wäre zu Grunde gegangen. Obi-Wan ist ein romantischer Träumer und Idealist, egal, was er versucht, Euch weißzumachen. Er muss für das große Ganze kämpfen, für ein edles Ziel, größer als er selbst und nicht einmal Mandalore und seine tausend Welten hätten ihm das geben können. Also habe ich ihn weggeschickt. Weggestoßen, eher.“
Natürlich unter Tränen, natürlich nicht ohne zu hoffen, dass er doch wieder zu ihr kommen würde und natürlich zornig und ihn verfluchend, weil er es nicht tat. Doch das waren die Gefühle eines jungen Mädchens und Satine würde sich dieser nicht mehr schämen.
„Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn jemals wieder zu sehen und ich habe meinen Frieden gemacht. Doch während der Reise nach Coruscant…ich habe etwas gesagt, was ihn tief getroffen hat. Er war schon immer ein Grübler und ich schätze, dass ich ihn an Gefühle erinnert habe, die er lieber verdrängt hätte – das war meine Boshaftigkeit.“
Padmé blinzelte, als könne sie sich nur dunkel daran erinnern, womit ihr Gespräch begonnen hatte, doch dann neigte sie den Kopf.
„Euer Vertrauen ehrt mich, Satine. Ihr hättet mir das nicht erzählen müssen.“
Satine winkte ab. „Es tat gut, das loszuwerden. Obi-Wan ist ein lieber Freund und ich würde alles tun, um ihn zu beschützen.“
Padmé sprang plötzlich auf, ging vor Satine auf die Knie und umfasste ihre Hände. „Ich bin mir sicher, dass er das weiß. Wir werden alles tun, um diese Abstimmung zu verhindern“, sagte sie voller Überzeugung und Satine wusste, dass sie es ernst meinte.
Sie lächelte gerührt. „Ich danke Euch, Padmé. Von ganzem Herzen.“
Während sie so voreinander hockten, öffnete sich plötzlich die Tür und ein Soldat der Leibgarde trat ein.
„Herzogin, Meister Kenobi ist hier und wünscht mit Euch zu sprechen.“
Padmé stand hastig auf und strich ihre Robe zurecht, während Satine lachte.
„Meister Kenobi, hm? Was habe ich Euch gesagt, Padmé. Ein Träumer und hoffnungsloser Romantiker, der ständig zur Rettung der Hilflosen eilt.“
Padmé lächelte. „Geht nicht zu hart mit ihm ins Gericht… oder mit Euch.“
Satine nickte. „Ihr habt Recht. Danke, Padme. Für Euer Verständnis.“
Padmé errötete und verabschiedete sich hastig. Satine sah ihr voller Neugier nach, bis Obi-Wan den Raum betrat. Er schaute der Senatorin ebenfalls hinterher, doch er enthielt sich jeglichen Kommentars, obwohl ihm die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
„Ihr habt nach mir geschickt, Herzogin“, sagte er stattdessen und verneigte sich.
„Lass den Blödsinn, Obi“, fuhr Satine ihm über den Mund und sie konnte sehen, wie er zusammenzuckte. „Ich habe nach einem Jedi geschickt. Dass du dich bemüßigt fühltest, selbst zu mir zu kommen, sollte dir zu denken geben“, erklärte sie mit deutlich mehr Schärfe, als sie beabsichtigt hatte.
„Satine…“ Sein Ton war flehend und weil Satine nichts von Gewalt hielt, seufzte sie bloß und bedeutete ihm, Platz zu nehmen.
„Setz dich. Wir haben einiges zu besprechen…“
- Ende?
no subject
Date: 2013-08-25 06:20 pm (UTC)Oh wie wunderbar. Ich mag deinen headcanon, ich werde ihn behalten.^^
no subject
Date: 2013-08-25 09:41 pm (UTC)Satine hat im Fandom echt viel Hass abbekommen, so wie ich das mitbekommen habe (also alles wie immer xD), aber sie ist einfach so fierce und großartig, ich liebe sie. <333
OH UND WEIL DU SO NETT GEFRAGT HAST, HIER NOCH EIN PAAR HEADCANONS:
- Satine ist zwei Jahre älter als Obi-Wan because older women rule
- Satine flirtet nach ihrem Wiedersehen wirklich hardcore mit ihm, weil sie tatsächlich über ihn hinweg ist und das Ganze als nettes Spielchen ansieht und denkt, dass es ihm ähnlich geht - erst später merkt sie, dass er immer noch an ihr hängt, was bei ihr wiederum einen Haufen Gefühle auslöst
- Satine hatte eine Menge Liebhaber nach Obi-Wan UND IST DEUTLICH BESSER IM BETT ALS ER XD
- kinky sex in vollem Staatsornat is a thing that happened
- Qui-Gon war nur gegen die Mission, weil er wusste, dass bei seinem Padawan die Hormone verrückt spielen und Satine einfach zu sexy for all her shirts war. Am Ende hat er nur noch kichernd daneben gehockt, wenn die beiden SICH TOTAL UNAUFÄLLIG GLEICHZEITIG WEGGESCHLICHEN HABEN, denn durchgevögelt waren die beiden Kindsköpfe wenigstens ruhig
- Satine ist zwar durch und durch Pazifistin, aber auch sie leckt sich die Lippen, wenn sie Obi-Wan beim Lichtschwerttraining zusieht
- Satine und Padme werden best friends, retten zusammen die Demokratie der Republik und verdrehen die Augen über ihre verklemmten Jedi-Boyfriends