[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Nutellasalat
Challenge: Aussagen/Sätze – Du hast keine Ahnung! – fürs Team
Fandom: The Expendables (modern family AU)
Titel: Einer zu viel
Inhalt: Die Umstände, unter denen Billy in Barneys und Lees Leben kam, sind mehr als diffus. Das findet auch das Jugendamt und stattet der Patchworkfamilie einen Besuch ab, der ungeahnte Konsequenzen hat (oder: Lilo&Stitch mit den Expendables und ohne Aliens). Teil 1 von 2
Anmerkung: für [livejournal.com profile] rei17, weil sie diese Idioten genau so lieb hat, wie ich und für [livejournal.com profile] der_jemand, weil sie die allertollste Muse der Welt ist


Einer zu viel
Er hatte schon viele grässliche, beängstigende, ja sogar lebensbedrohliche Situationen erlebt, doch all das war nichts im Vergleich zu der fiebrigen Ohnmacht, die ihn beim Anblick der unzähligen Formulare und Ordner ergriff, die die Frau vom Jugendamt vor ihm auf dem Küchentisch ausbreitete. Sie hatte sich als Miss McGuire vorgestellt, Beamtin des städtischen Kinder- und Jugendbüros. Ob Mister Ross wohl ein paar Minuten Zeit hätte, es ginge um ein paar sehr ominöse Verwaltungsschwierigkeiten in Zusammenhang mit Billy Timmons, wohnhaft unter dieser Adresse?
Anstatt ihr die Tür vor der Nase zuzuknallen und auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren, wie Lee im Nachhinein empfahl, hatte Barney bloß genickt und die Frau in die Küche geführt.
Die natürlich vor Dreck starrte, wie ihm plötzlich auffiel, genauso wie Barneys Hände. Er war vor kaum fünf Minuten aus der Werkstatt gekommen, hatte nicht einmal vorgehabt, die Tür zu öffnen, doch dass nervende Dauerklingeln hatte ihn schließlich mürbe gemacht und jetzt saß er in diesem Schlamassel und hatte keine Ahnung, wie er sich verhalten sollte.
„So“, sagte Miss McGuire, als sie endlich alle Papiere aus ihrer geblümten Tasche gezogen und wie einen Schlachtplan vor sich ausgebreitet hatte. Sie war eine hagere Person, mit tiefliegenden Augen und einer lila Brille, die gefährlich nah am Rand ihrer langen, dünnen Nase tanzte und dafür sorgte, dass sie einen ständig über die Brillengläser hinweg ansah, meist völlig unbeeindruckt von dem, was ihr Gegenüber darstellte. Ihr rotes Haar biss sich grotesk mit dem grün-orangen Rollkragenpullover, den sie trotz der Juni-Hitze angezogen hatte.
“So?”, fragte Barney zurück, nicht sicher, was von ihm erwartet wurde. Sie hatten natürlich gewusst, dass man ihnen eines Tages auf die Schliche kommen würde, doch sie hatten vermutet, dass sie durch die Finger des Verwaltungsapparates schlüpfen könnten, wenn Billy in ein paar Monaten auf die Junior High School in einem entlegeneren Stadtteil wechseln würde – nie lange genug an einem Ort bleiben, um aufzufallen, eine Regel, die Barney von Jugendtagen an in Fleisch und Blut übergegangen war, auch wenn er nie geglaubt hätte, sie einmal bei seiner eigenen Familie anwenden zu müssen.
„Wenn ich es richtig verstehe, sind Sie als Besitzer dieses Hauses eingetragen, Mister Ross?“, fragte Miss McGuire. „Und die anderen… Parteien zahlen Miete?“
Die Art, wie sie ‚Parteien‘ betonte, machte deutlich, dass sie von diesem Arrangement absolut gar nichts hielt, doch hier bewegten sie sich auf sicherem Grund und Barney brachte sogar ein Lächeln zustande.
„Ja, das ist richtig. Ich habe das Haus vor fünf Jahren gekauft und das Souterrain und den zweiten Stock vermietet“, erklärte er.
„An wen?“
Barney zögerte. Ihm war nicht klar, wie viel die Frau bereits wusste oder ob er solche Fragen überhaupt beantworten musste, doch dann nahm die Sorge um Billy überhand. Es war mit Sicherheit besser, sich von Anfang an kooperativ zu geben.
„Im zweiten Stock wohnen Gunnar Jensen und Yin Yang - “ er konnte sehen, wie sie bei Yins Namen zusammenzuckte, doch was sollte er tun, sein Freund hieß nun einmal so (oder zumindest hatte er genügend Dokumente, die das beweisen konnten), „und das Souterrain gehört Toll Road und Hale Caesar.“
Barney lächelte tapfer weiter, doch die Frau achtete überhaupt nicht auf ihn sondern machte sich Notizen. Verdammt. Hatte er etwas Falsches gesagt?
„Ich sehe hier außerdem noch einen Mister Lee Christmas…“, sagte sie gedehnt.
„Ja. Der wohnt auch hier“, beeilte sich Barney zu fragen und hoffte, dass die Sache damit erledigt war, doch das war sie natürlich nicht.
„Aha. Und wo?“
Barney gab sich geschlagen. „Lee…ich meine Mister Christmas wohnt bei mir. Und Billy.“
Er schämte sich selbstverständlich nicht, dass zuzugeben, sie lebten schließlich nicht mehr im Mittelalter, doch er wusste selbst, wie seltsam ihre chaotischen Verhältnisse für Außenstehende wirkten. Das hätte einer langen Erklärung bedurft, die sich meilenweit auf der falschen Seite des Gesetzes abspielte, und die Barney wohlweißlich für sich behielt.
Da sollte Miss McGuire ruhig denken, dass er und Lee etwas miteinander hätten, sie würde schon nicht danach frag-
„Stehen Sie in einer homosexuellen Beziehung zu Mister Christmas?“
Barney fiel fast vom Stuhl. Normalerweise hätte er ihr gesagt, dass sie das nichts anginge, doch da er immer noch nicht die geringste Ahnung hatte, was genau diese „ominösen Verwaltungsschwierigkeiten“ bezüglich Billy waren, zwang er sich, unbeteiligt zu lächeln.
„Nein. Er ist bloß mein bester Freund.“
Obwohl Miss McGuire ihren starren Blick abwandte, offensichtlich zufrieden mit dieser Antwort, war Barney keinesfalls erleichtert. Im Gegenteil, er kam sich schäbig vor.
Wieso er sich in seinem eigenen Haus so zum Vollidioten machen ließ, war ihm nicht ganz klar, und so sehr er sich auch ein wenig Beistand herbeiwünschte (oder wenigstens ein Gehirn voll mit juristischen Fakten), so sehr hoffte er, dass Miss McGuire verschwinden würde, bevor Lee oder Gott bewahre, Billy selbst hier auftauchen würden.
„Würden Sie mich über Ihren beruflichen Status in Kenntnis setzen, Mister Ross? Und über den Ihrer … Mieter?“
Wenn die Frau wusste, dass ihm dieses Haus hier gehörte, dann stand auf einem ihrer dreihundert Zettel wahrscheinlich auch, womit er den legalen Teil seiner Brötchen verdiente, vermutete Barney, aber er spielte mit. Hier musste er immerhin nicht über Gebühr lügen.
„Ich bin Besitzer einer Autowerkstatt, Lee arbeitet im Hafen. Gunnar ist Angestellter bei CoastMed, dem Chemiebetrieb, der sich auf Medikamente-“
„Ich kenne CoastMed, Mister Ross, kommen Sie zum Punkt“, unterbrach sie ihn. Barney schluckte und rasselte den Rest in halsbrecherischem Tempo herunter.
„Yin ist Fahrer bei einem Geldtransportunternehmen, Hale leitet zwei Fitnessstudios im Westen der Stadt und Toll ist als Streetworker bei der örtlichen Drogenbehörde unterstellt.“
Eigentlich klang das doch ganz solide, fand Barney, daran, dass alle Bewohner dieses Hauses einer Arbeit nachgingen, konnte es doch nichts auszusetzen geben.
„Aha… das heißt also, Billy ist ständig allein, wenn er aus der Schule kommt?“
Offensichtlich doch.
„Nicht für sehr lange“, antwortete er lahm und er fragte sich, warum er immer noch wie ein paralysiertes Kaninchen vor der Schlange saß. Er funktionierte immer so viel besser, wenn er wütend war, doch all der gerechte Zorn, der ihm in dieser Situation geholfen hätte, schien sich hinter den Klarsichtfolien und braunen Pappordnern von Miss McGuire zusammen zu kauern.
„Hmpf.“
Mit einem Mal zog sich alles in Barney zusammen. Sie würden ihm den Jungen wegnehmen, sie würden kommen, mit der ganzen Macht des Gesetzes im Rücken und es gab nichts, was er ihnen entgegen setzen könnte. Gott, er musste weg von hier, Billy und Lee ins Auto packen und wegfahren, die anderen könnten hier alles regeln und nachkommen…
„Mister Ross, ich will ehrlich zu Ihnen sein.“
Miss McGuires Stimme drang bloß noch gedämpft zu ihm hindurch, während er rasch überschlug, was er an Bargeld zusammenraffen konnte, wenn sie morgen Mittag, am besten noch heute Abend fliehen würden.
„Wir haben nicht die geringste Ahnung, warum der Junge bei Ihnen wohnt. Sie sind nicht im Entferntesten verwandt, es gibt keinerlei Hinweise auf legale Vormundschaften, der Junge wurde beinah anderthalbtausend Meilen westlich von hier geboren und ist dort zur Grundschule gegangen, die Steuern, die Sie zahlen, lassen keinen Rückschluss auf ein Kind zu, Sie erhalten nicht einmal Kindergeld und das Einzige, bei dem wir uns einig sind, ist, dass Mister Walter Timmons vor rund zwei Jahren unter bisher ungeklärten, gewaltsamen Umständen zu Tode kam und sein Sohn Billy ab da so gut wie vom Radar verschwand und erst jetzt durch eine Routineüberprüfung der Schule wieder auftauchte.“
Miss McGuire holte tief Luft und schaute Barney lange an. „Sie werden selbst feststellen, dass das alles andere als koscher aussieht.“
Barney wollte schreien. „Der Junge ist glücklich hier, ich schwöre, es geht ihm gut…“, stammelte er und machte hilflose Gesten, als könnte die dreckstarrende Küche irgendetwas retten.
Miss McGuires Blick wurde mit einem Mal sehr weich. „Das glaube ich Ihnen sogar, Mister Ross“, sagte sie. „Doch es gibt nun einmal Regeln und Gesetze, die es zu befolgen gilt. Insbesondere, wenn das Wohl eines Kindes daran hängt“, fügte sie hinzu, als hätte sie seine panischen Gedanken erraten.
Augenblicklich machte sein Verstand eine Vollbremsung. „Ich verstehe“, krächzte er. „Was für … Möglichkeiten gibt es?“
„Nun, Sie könnten damit anfangen, mir zu erklären, warum der Junge bei Ihnen wohnt.“
„Das ist… kompliziert.“
„Das habe ich mir gedacht.“
Seufzend rieb sich Barney durchs Gesicht. Er wollte gern die Wahrheit sagen, doch das war völlig unmöglich. Wenn er es täte, würde man nicht nur Billy ins Heim stecken, sondern auch Gunnar und Lee ins Gefängnis.
„Mister Timmons…Walter, meine ich, war mein bester Freund“, sagte Barney also, als sei das hier Teil vom „Gegenteilsspiel“, das Billy immer an verregneten Sonntagnachmittagen spielte. „Ich hatte ihn kurz vor seinem Tod zusammen mit Lee besucht und… als man uns über den Unfall informierte… der brennende Wagen … da haben wir beschlossen, Billy selbst großzuziehen. Wir wussten, dass seine Mutter schon länger nicht mehr bei ihnen gewesen war.“
Weiter kam Barney nicht. Die Erinnerungen an die Zeit vor zwei Jahren – an die drei Nächte, die er gefesselt in einem pechschwarzen Keller verbracht hatte, an Lees ruhige Hände, mit denen er das Streichholz anriss und es auf die benzingetränkten Polster des Rücksitzes warf, an Billys gebrochenen Arm und seine glanzlosen Augen, als sie auf den Friedhof geschlichen waren, um ihm zu beweisen, dass sein Monster von einem Vater wirklich tot war und niemals wieder kommen würde – er wischte sich über den Mund, so übel war ihm plötzlich wieder. Er sah nicht auf, doch er hörte, dass sich Miss McGuire erneut Notizen machte.
„Hm. Nun gut, Mister Ross. Das wäre es fürs Erste.“
Sie stand auf und mit einigen, wenigen Handgriffen hatte sie den Küchentisch von der Last aus Papier und Folie befreit, als ob nicht soeben Barneys gesamtes Leben auf genau diesem Tisch auf den Kopf gestellt worden wäre.
Sie stand zuerst auf und Barney beeilte sich, es ihr gleich zu tun.
Er führte sie durch den Flur, der mittlerweile in düsterem Zwielicht lag und als Barney die Haustür öffnete, stand Lee davor, den Schlüssel in der Hand.
„Was machst du denn schon hier?“, fragte er, doch Barney ignorierte ihn und ehe Lee ihn wie üblich anknurren konnte, war Miss McGuire an ihnen vorbei geschlüpft.
Sie drehte sich um und streckte Barney die Hand hin.
„Sie hören von uns, verlassen Sie sich drauf.“
Barney ergriff ihre Hand, doch sie berührte ihn kaum, ehe sie auf den Bürgersteig trat und hocherhobenen Hauptes an der nächsten Kreuzung verschwand.
Ein eiskalter Klumpen breitete sich in seinem Magen aus und er sah aus dem Augenwinkel, wie Lee ihn misstrauisch betrachtete.
„Ärger?“
„Du hast ja keine Ahnung.“

Date: 2013-08-06 07:57 am (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHH ?????????????!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAASSSSSS??????????????????????????????
NOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Date: 2013-08-07 06:00 am (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Wann gehts weiter ????????????

Date: 2013-08-06 05:20 pm (UTC)
der_jemand: (rogue)
From: [personal profile] der_jemand
Es ist am Stück sogar noch toller!!!111!!!1elf

Date: 2013-08-17 11:23 am (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Ich beschmeiss dich solange mit Herzchen bis es mehr davon gibt!
~♥
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Date: 2013-08-19 09:22 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Ich bin geduldig. (Du hast meinen Kopf so kaputt gemacht... ich hab den zweiten Teil am Wochenende mit meinem Bruder mal wieder gesehen... und so hab ich ihn noch nie geschaut...)

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