[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sirius
Challenge: Situationen - Ein Augenblick des Ruhms (für mich)
Fandom: Original (Uhrwerkträume)
Charaktere: Elsa, Mirel Firn
Anmerkung: Eigentlich wollte ich mit dem Text ganz wo anders hin, aber dann überrannte mich eine Welle der Nostalgie.
Wörter: 450

Im Chor der Blenstetter Oper gibt es einige Stimmen, die gerne Gesichter wären. Die sitzen an ihrne wenigen freien Abende mit sturer Entschlossenheit im Operncafé herum und warten darauf, dass einer auf sie zukommt, sie mit den Worten: „Habe ich Sie nicht neulich auf der Bühne gesehen?“ begrüßt und mit der selben, schmeichlerischen Neugierde fortfährt, mit der sonst den Solisten und Solistinnen begegnet wird.

Elsa gehört nicht zu ihnen, ist sehr zufrieden damit in der Anonymität eines Chors das Rampenlicht, das sie ja durchaus mag, genießen zu können, ohne dass sie sich dabei jemals wirklich selbst zu erkennen geben muss. Elsa findet dieses Verlangen nach der persönlichen Aufmerksamkeit irgendwelche fremden Menschen sogar durchaus befremdlich. Und trotzdem findet sie sich an den meisten ihrer freien Abende im Operncafé an einem runden Tisch für zwei, nahe der Fensterfront.

Sie selbst bezieht dabei jenen Platz, der etwas mehr im Schatten liegt, ihr freie Sicht auf alles um sie herum und gleichzeitig die Unsichtbarkeit gewährt, die ihr lieb ist, wenn sie gerade nicht singt. Manchmal ist es ihr fast peinlich hier zu sein, würde sie sich wünschen es gäbe irgend etwas, womit sie ihrer Umwelt klar und deutlich mitteilen könnte: „Ja, ich singe im Chor, aber ich bin nicht hier, um von ihnen wiedererkannt zu werden. Ich bin hier nur als Begleitung.“

Trotzdem fällt es ihr schwer, Mirel böse zu sein, wenn sie mal wieder von ihr gepackt und zu ihrem Arbeitsplatz, beziehungsweise dem daran hängenden Lokal, gezerrt wird. Bei jedem und jeder anderen würde sie den Kopf darüber schütteln, aber nicht bei Mirel, die im Übrigen gar nicht so viel hoffen muss, wie manch andere. Auch wenn die meisten, die sie ansprechen, nur wissen wollen ob sie wirklich die Tochter von Der Firn sei.

Tatsächlich enden die wenigsten dieser Abende mit der gewünschten Bewunderung. Meist kommen der die Kollegen zuvor, sobald das Café sich zu leeren beginnt werden Tische zusammen gerückt, wird der Wein gemeinsam in Flaschen bestellt, wird gar nicht mehr bezahlt, sondern gesellt sich zu all den anderen angeschriebenen Speisen und Getränken des Ensembles. Und je länger sie da sitzen, je kälter die Front zwischen ihnen und den Kellnern wird, die eigentlich gerne längst ihre Schicht beendet hätten, um so weiter rückt das Publikum in die Ferne, um so mehr wird es egal wer von wem und wofür wiedererkannt wird. Sie erkennen sich ja gegenseitig und viel besser als irgend so ein Stenz mit seinem Operngucker. Und wenn sie dann, während die Sonne im Osten schon über die Dächer kriechen will, Arm in Arm zu ihrer Wohnung zurück stiefeln, denkt Elsa, dass es vielleicht doch auch ihren Kollegen in Wirklichkeit gar nicht so sehr um die persönliche Aufmerksamkeit irgendwelcher Fremden geht, wenn sie auch ihren freien Tagen zur Oper gerannt kommen.

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