Team: Tardis
Fandom: Robin Hood
Challenge: Tropes: Harte Schale, weicher Kern - Für mich
Personen/Pairings: Will/Djaq, Guy/Allan, Marian
Warnung: gore'ish
Wörter: ~ 1.900
Anmerkung: Djaq ist bamf und kommt bei mir leider immer so kurz. Wahrscheinlich war die Geschichte auch nur in meinem Kopf eher eine Guy/Allan, während sie jetzt eher zu Djaq und Will schwingt, aber nun ja. Und ja, es sind eine Menge Aspekte nicht angesprochen. Aber hätte ich das gemacht, wär das ein Roman geworden.
Der Mond schien hell durch die raschelnden Blätter des nächtlichen Sherwood Forest, als Will herzhaft in die Dunkelheit gähnte, als sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte und er vor Schreck so stark zusammenzuckte, dass er von dem Baumstamm, auf dem er vor dem winzigen rauchlosen Feuer, an dem er seinen Wachposten bezogen hatte, auf den feuchten Waldboden rutschte.
„Still, ich bin's nur!“
Marians Stimme klang leise und fest und sie tätschelte sanft seine Schulter als sie fühlte, dass er einen Augenblick Mühe hatte, seinen Atem wieder in Gang zu bringen. Nicht umsonst hatte man den Nachtwächter noch nicht zu fassen bekommen. Marian war gut, verdammt gut. Vielleicht sogar besser als Robin.
„Ich äh...ich geh ihn wecken.“ Will rappelte sich langsam auf, aber Marian hielt ihn an der Schulter fest.
„Nein, lass ihn schlafen. Ehrlich gesagt wäre es mir lieb, wenn Robin nicht erfährt, dass ich hier bin.“
Will hob erstaunt die Augenbrauen. Das Feuer warf schwelende, zitternde Schatten in Marians Gesicht. Sie sah so angespannt aus, dass Will es für einen kurzen Moment mit der Angst zu tun bekam. Er wandte sich ihr zu, aufmerksam, ihre waldkühle Hand auf seiner Schulter.
„Aber könntest du mir den Gefallen tun und Djaq wecken? Möglichst ohne, dass es jemand anders mitbekommt?“
~
„Das ist der Wahnsinn!“, protestierte Will raunend. Neben ihm stand Djaq, verschlafen und mit zerzausten Haaren, die er insgeheim so niedlich fand, dass er sie am liebsten glattgestrichen und gekämmt hätte. Djaq sah eigentlich immer niedlich aus, was man ihr allerdings niemals im Leben sagen sollte. Djaq mochte es nicht, niedlich zu sein und Djaq kannte mehr Methoden, einen tödlich zu vergiften als Will Wege wusste, Schlösser zu konstruieren.
„Wenn du nach Nottingham gehst, läufst du Gisborne direkt ins Messer! Das kann nur eine Falle sein!“
Djaq gähnte schlaftrunken;
„Aber wäre Marian dann hier?“
„Gisborne könnte sie genausogut reinlegen. Was hast du ihm eigentlich gesagt, Marian?“
„Dass ich Kontakte habe. Dass Djaq sich mit solcherlei Dingen auskennt, weiß Guy doch ohnehin schon.“
Will strich sich durch die Haare, kopfschüttelnd;
„Das ergibt alles überhaupt keinen Sinn! Warum sollte Gisborne – ausgerechnet Gisborne – nach Djaq schicken, weil Allan – ausgerechnet Allan – eine entzündete Wunde hat? Allan ist Gisborne egal und Ärzte haben sie in Nottingham doch selbst!“
Marian seufzte;
„Die Ärzte des Sheriffs sind nicht die besten, das wisst ihr doch. Außerdem steht es wirklich ernst um Allan.“
Djaq kaute auf ihrer Unterlippe herum und sie starrte mit zuckend schwimmenden Pupillen ins Feuer. Ihre Gedanken rasten.
„Wie ernst?“
Marian seufzte erneut, atemlos.
„Alles, was ich weiß, ist, dass diese Wunde tagelang nicht behandelt wurde. Sie hat sich entzündet und er hat sehr hohes Fieber. Sie sagen, er übersteht die Nacht nicht.“
~
„Will, du musst wirklich nicht mitkommen! Sollte es wirklich eine Falle sein und ich komme nicht zurück, kannst du notfalls Alarm schlagen.“
„Kommt nicht in Frage. Ich lass dich nicht allein zu Gisborne.“
Er hatte Mühe, nicht demonstrativ seine Brust herauszurecken. Djaq umfasste ihn von hinten mit ihren kleinen Händen und er spürte ihre Sorge, während er hinter Marian durch den Wald preschte und Füchse, Dachse und anderes Getier aufscheuchte. Zum Glück hatte Marian ein weißes Pferd, in dessen Fell das spärliche Mondlicht reflektiert wurde, so dass er keine große Mühe hatte, ihr zu folgen.
„Das ist alles eine sehr schlechte Idee“, murmelte er.
„Allan hat sich das selbst zuzuschreiben.“
„Sag mir nicht, dass du ihn einfach sterben lassen würdest“, flüsterte Djaq ihm ins Ohr.
„Du würdest lügen.“
Will wusste, dass es da Dinge gab, die er nicht verstand, die er womöglich nie verstehen konnte. Allan und Marian schienen sich einigermaßen zusammengerauft zu haben. Es erschien ihm nur so abwegig, dass Gisborne soweit ging, Marian nach einem der Outlaws schicken zu lassen, um das Leben seines Dieners zu retten, nein, mehr noch, diesem Outlaw das sichere Betreten und anschließende Verlassen des Schlosses zu garantieren. Was waren das für kostbare Informationen, die Allan da an Guy weitergab, dass diesem sein Leben so wichtig war?
~
Gisborne sah schlecht aus.
Will kannte ihn eigentlich nur aus Schwertgefechten und vom Wegrennen her, aber Himmel, sah der Mann schlecht aus. Sein Gesicht war selbst im flackernden Schein von etwa zwanzig Kerzen aschfahl und kaum, dass Marian die Tür zu der kleinen Kammer aufgemacht hatte und Will ihn im Stuhl neben dem Bett, in dem Allan lag, sitzen sehen konnte, fuhr Gisborne von eben diesem hoch, als habe ihn etwas gestochen.
„Was macht der hier?“, keuchte Gisborne Will entgegen.
„Nach ihm habe ich nicht gefragt! Ich habe nicht nach der ganzen Bande gefragt, nur nach der Frau!“
Djaq starrte ihn trotzig an und Marian gab sich Mühe, in ihrer Rolle als Diplomatin schnell dazwischen zu gehen;
„Es ist nur er, keine Sorge, Guy!“
Sie legte die Hände an seine Schultern und drängte ihn zurück auf den Stuhl.
„Er soll rausgehen!“, schäumte Gisborne.
„Ich rufe die Wachen und lass ihn in den Kerker werfen!“
Will bereute es, dass er seine große Axt in Sherwood gelassen hatte. Unbewaffnet zu kommen, war eine der Bedingungen gewesen (auch wenn Marian es als Bitte formuliert hatte) und Will wusste plötzlich nicht, ob der Dolch in seinem Stiefel ihm im Notfall eine große Hilfe sein würde.
Es war Djaq, die Marian sanft an der Hüfte fasste und beiseite schob, die sich vor Gisborne, der etwa doppelt so hoch war wie sie selbst, ausbaute, die Hände in den Hüften, die ihn fest ansah;
„Du hast mich gerufen, dann musst du auch meine Bedingungen akzeptieren. Und eine meiner Bedingungen ist, dass Will mich begleitet. Allan war schließlich auch unser Freund.“
Gisborne funkelte sie für einen Augenblick böse an, aber er schrie immerhin nicht mehr.
„Von mir aus. Aber behandle ihn endlich!“
Und damit ließ er sich wieder auf dem Stuhl nieder.
~
Allan sah noch schlechter aus als Gisborne. Bedeutend schlechter. Will hatte todkranke Menschen gesehen, öfter als ihm lieb war, aber es drehte ihm den Magen um, als Djaq die Decke zurückschlug, den Verband an der linken Schulter löste und darunter eine Stelle von der Größe von Djaqs Handfläche zum Vorschein kam, die ihn wütend weißlich-gelb anstarrte, blau und rot gesäumt, direkt zwischen Schulter und Schlüsselbein. Wahrscheinlich war es ein Pfeil gewesen (womöglich auch zwei), aber warum Allan sich nicht um die Wunde gekümmert hatte, war Will ein Rätsel. Fragen konnte er ihn nicht, denn das Fieber hatte Allan in einen Zustand versetzt, in dem er sinnlose und unverständliche Dinge murmelte und nicht mehr ansprechbar war.
Wenn Will Marian zuvor nicht geglaubt hatte, so überkam ihn jetzt eine ungeglaubte und überwältigende Angst. Angst, dass Allan es wirklich nicht überlebte.
Djaq legte prüfend eine Hand auf Allans feuchte Stirn und blinzelte besorgt. Der ganze Mann war schweißgebadet. Vermutlich hatte der Arzt des Sheriffs ihn deswegen aufgegeben.
„Die Entzündung ist ins Blut übergegangen, daher ist das Fieber so hoch“, sagte Djaq.
„Wir haben versucht, ihn zu kühlen“, erklärte Marian, weil Gisborne so aussah, als würde sein Mund zwischen den zusammengepressten Lippen gleich verschwinden.
„Aber es hat nicht geholfen.“
„Weil ihr die Ursache nicht bekämpft habt. Euer Arzt ist zu bequem.“
Sie betrachtete die Wunde näher mit ihrem ruhigen Heilerblick. Will wusste nicht, wie er es sonst nennen sollte. Der Heilerblick machte ihm ein bisschen Angst, aber er liebte ihn trotzdem. So wie er alles an Djaq liebte.
„Aber du kannst es.“
Gisborne.
Er war wieder aufgestanden und er thronte gegenüber Djaq am Bett, über Allan gebeugt wie ein schwarzer, lederner Totengeist, bleich und finster.
„Ob nun mit deinen sarrazenischen Wundermitteln oder chemischen Gemischen, es ist mir egal, solange du verhinderst, dass er stirbt.“
Will stand am Fußende des Bettes, die Arme verschränkt und er bemerkte, dass Gisborne es wie einen Befehl aussprach, aber dass es klang wie ein Flehen.
~
Als Djaq anfing zu arbeiten, geschah es ganz von allein: Sie wurden eine geheime, eingeschworene Gemeinschaft.
Marian postierte sich an der Tür, ein Ohr dem Holz zugewandt. Niemand außer Gisborne und den Wachen am Westtor wusste, dass Djaq hier war und das sollte auch so bleiben.
Will selbst behielt seine Position am Fußende des Bettes bei. Er redete sich ein, dass er so möglichst schnell eingreifen konnte, wenn Gisborne auf dumme Gedanken kommen sollte.
Nur, dass Gisborne keine dummen Gedanken übrig zu haben schien.
Je länger die Behandlung dauerte, je weiter die Nacht voranschritt, desto seltsamer erschien Will der Mann. Zuerst hatte er drohend Djaq gegenübergestanden und ihr mit Argusaugen beim Arbeiten zugesehen (Will liebte Djaq dafür, dass sie sich von solchen Dingen nicht aus der Ruhe bringen ließ) aber je mehr Zeit verging, desto mehr fühlte es sich an, als würde er sich ihr hilfesuchend entgegenbeugen.
Das war der Moment, in dem Will begriff, warum Gisborne unbedingt wollte, dass Allan überlebte. Es ging nicht um irgendwelche Informationen. Es ging ihm um Allan.
„Das wird ihm jetzt wehtun“, sagte Djaq während sie eine Tinktur umrührte und sich wieder über das Bett beugte.
„Jemand sollte...“
„Ich mach das.“
Gisborne ließ keinen Raum für Diskussionen. Er schälte sich aus seinem Lederrock und warf ihn beiseite. Nur in seinem Hemd sah er plötzlich schmaler und hilfloser aus denn je.
Sie alle taten so, als würden sie es nicht sehen, als er Allan eine verschwitzte Strähne aus der Stirn strich, bevor er sein Gewicht auf dessen Oberkörper verlagerte. Sie alle taten gut daran nicht zu fragen, warum er verstohlen versteckt zwischen seinem Bauch und Matratze nach Allans Hand auf der guten rechten Seite griff und sie in seine nahm.
Unter dieser harten, schwarzen Schale schlug ein weicher Kern. Und wie weich musste der sein, für jemanden wie Allan zu schlagen?
Es rührte Will und als seiner und Djaqs Blick sich aus Augenwinkeln trafen, wusste er, dass es auch Djaq rührte.
Allans fiebergeplagtes Wimmern als sie die Wunde öffnete und säuberte, ließ Will und Marian zur Seite sehen. Sie wussten beide, dass dieser Augenblick so intim war, dass nur Djaq und Gisborne ihn teilen durften; zwei Feinde, die unterschiedlicher nicht sein konnten, geeint durch die Sorge um einen geächteten Verräter.
Wenn Robin wüsste, was sie hier taten, was würde er wohl sagen?
~
Gisborne hatte Will nicht mehr angesehen. Genau genommen hatte er nicht einmal Djaq angesehen, als sie sich zum Gehen abgewandt hatte. Er hatte nur etwas Unverständliches in ihre Richtung gemurmelt, den Blick starr und fest auf den schlafenden Allan gerichtet, dessen Gesicht rot war von Fieber, von Anstrengung, von Schmerz.
„Was für eine seltsame Freundschaft“, sinnierte Will als sie sich im Trab von Nottingham entfernten. Im Osten am Horizont begann es allmählich zu dämmern.
„Ausgerechnet Gisborne und Allan. Ich dachte, das wäre eher so eine Sache zwischen dem Sheriff und Gisborne.“
„Das ist keine Freundschaft“, entgegnete Djaq in ihrem typisch wissenden Tonfall. Den liebte Will nicht ganz so sehr, denn er zeigte ihm viel zu oft, wie dumm er im Grunde war.
„Was dann?“
„Ich würde sagen, es ist Liebe.“
„Liebe? Wie zwischen Brüdern?“
„Nein. Liebe wie zwischen...“ Sie stockte und Will schaute sie ungläubig über seine Schulter an.
„Aber wie soll das gehen?!“
„Manche Menschen sind nun einmal so.“ Djaq gähnte.
„Ich erkläre es dir ein anderes Mal ausführlicher.“
Eine Weile ritten sie schweigend.
„Das ändert alles“, murmelte Will müde.
„Wir haben dem Feind geholfen.“
„Wir erzählen es niemandem. Das bleibt unser Geheimnis. Allan wird sich nicht daran erinnern. Marian ist Marian.“
„Und Gisborne?“
„Gisborne wird mehr noch als wir wollen, dass niemand davon erfährt.“
„Was hat er eigentlich zu dir gesagt ganz am Ende?“
„Dass er in meiner Schuld steht.“
Zufriedenheit schwang in ihrer Stimme mit.
Dann sagte Djaq gar nichts mehr. Sie war an seinem Rücken eingeschlafen.
Welch Ironie, dachte Will traurig, als er das Pferd durch sich langsam erhellende Pfade lenkte, dass böse Menschen wie Gisborne und Allan zueinander fanden, aber er selbst sich immer noch nicht traute, Djaq seine Liebe zu gestehen.
Fandom: Robin Hood
Challenge: Tropes: Harte Schale, weicher Kern - Für mich
Personen/Pairings: Will/Djaq, Guy/Allan, Marian
Warnung: gore'ish
Wörter: ~ 1.900
Anmerkung: Djaq ist bamf und kommt bei mir leider immer so kurz. Wahrscheinlich war die Geschichte auch nur in meinem Kopf eher eine Guy/Allan, während sie jetzt eher zu Djaq und Will schwingt, aber nun ja. Und ja, es sind eine Menge Aspekte nicht angesprochen. Aber hätte ich das gemacht, wär das ein Roman geworden.
Der Mond schien hell durch die raschelnden Blätter des nächtlichen Sherwood Forest, als Will herzhaft in die Dunkelheit gähnte, als sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte und er vor Schreck so stark zusammenzuckte, dass er von dem Baumstamm, auf dem er vor dem winzigen rauchlosen Feuer, an dem er seinen Wachposten bezogen hatte, auf den feuchten Waldboden rutschte.
„Still, ich bin's nur!“
Marians Stimme klang leise und fest und sie tätschelte sanft seine Schulter als sie fühlte, dass er einen Augenblick Mühe hatte, seinen Atem wieder in Gang zu bringen. Nicht umsonst hatte man den Nachtwächter noch nicht zu fassen bekommen. Marian war gut, verdammt gut. Vielleicht sogar besser als Robin.
„Ich äh...ich geh ihn wecken.“ Will rappelte sich langsam auf, aber Marian hielt ihn an der Schulter fest.
„Nein, lass ihn schlafen. Ehrlich gesagt wäre es mir lieb, wenn Robin nicht erfährt, dass ich hier bin.“
Will hob erstaunt die Augenbrauen. Das Feuer warf schwelende, zitternde Schatten in Marians Gesicht. Sie sah so angespannt aus, dass Will es für einen kurzen Moment mit der Angst zu tun bekam. Er wandte sich ihr zu, aufmerksam, ihre waldkühle Hand auf seiner Schulter.
„Aber könntest du mir den Gefallen tun und Djaq wecken? Möglichst ohne, dass es jemand anders mitbekommt?“
~
„Das ist der Wahnsinn!“, protestierte Will raunend. Neben ihm stand Djaq, verschlafen und mit zerzausten Haaren, die er insgeheim so niedlich fand, dass er sie am liebsten glattgestrichen und gekämmt hätte. Djaq sah eigentlich immer niedlich aus, was man ihr allerdings niemals im Leben sagen sollte. Djaq mochte es nicht, niedlich zu sein und Djaq kannte mehr Methoden, einen tödlich zu vergiften als Will Wege wusste, Schlösser zu konstruieren.
„Wenn du nach Nottingham gehst, läufst du Gisborne direkt ins Messer! Das kann nur eine Falle sein!“
Djaq gähnte schlaftrunken;
„Aber wäre Marian dann hier?“
„Gisborne könnte sie genausogut reinlegen. Was hast du ihm eigentlich gesagt, Marian?“
„Dass ich Kontakte habe. Dass Djaq sich mit solcherlei Dingen auskennt, weiß Guy doch ohnehin schon.“
Will strich sich durch die Haare, kopfschüttelnd;
„Das ergibt alles überhaupt keinen Sinn! Warum sollte Gisborne – ausgerechnet Gisborne – nach Djaq schicken, weil Allan – ausgerechnet Allan – eine entzündete Wunde hat? Allan ist Gisborne egal und Ärzte haben sie in Nottingham doch selbst!“
Marian seufzte;
„Die Ärzte des Sheriffs sind nicht die besten, das wisst ihr doch. Außerdem steht es wirklich ernst um Allan.“
Djaq kaute auf ihrer Unterlippe herum und sie starrte mit zuckend schwimmenden Pupillen ins Feuer. Ihre Gedanken rasten.
„Wie ernst?“
Marian seufzte erneut, atemlos.
„Alles, was ich weiß, ist, dass diese Wunde tagelang nicht behandelt wurde. Sie hat sich entzündet und er hat sehr hohes Fieber. Sie sagen, er übersteht die Nacht nicht.“
~
„Will, du musst wirklich nicht mitkommen! Sollte es wirklich eine Falle sein und ich komme nicht zurück, kannst du notfalls Alarm schlagen.“
„Kommt nicht in Frage. Ich lass dich nicht allein zu Gisborne.“
Er hatte Mühe, nicht demonstrativ seine Brust herauszurecken. Djaq umfasste ihn von hinten mit ihren kleinen Händen und er spürte ihre Sorge, während er hinter Marian durch den Wald preschte und Füchse, Dachse und anderes Getier aufscheuchte. Zum Glück hatte Marian ein weißes Pferd, in dessen Fell das spärliche Mondlicht reflektiert wurde, so dass er keine große Mühe hatte, ihr zu folgen.
„Das ist alles eine sehr schlechte Idee“, murmelte er.
„Allan hat sich das selbst zuzuschreiben.“
„Sag mir nicht, dass du ihn einfach sterben lassen würdest“, flüsterte Djaq ihm ins Ohr.
„Du würdest lügen.“
Will wusste, dass es da Dinge gab, die er nicht verstand, die er womöglich nie verstehen konnte. Allan und Marian schienen sich einigermaßen zusammengerauft zu haben. Es erschien ihm nur so abwegig, dass Gisborne soweit ging, Marian nach einem der Outlaws schicken zu lassen, um das Leben seines Dieners zu retten, nein, mehr noch, diesem Outlaw das sichere Betreten und anschließende Verlassen des Schlosses zu garantieren. Was waren das für kostbare Informationen, die Allan da an Guy weitergab, dass diesem sein Leben so wichtig war?
~
Gisborne sah schlecht aus.
Will kannte ihn eigentlich nur aus Schwertgefechten und vom Wegrennen her, aber Himmel, sah der Mann schlecht aus. Sein Gesicht war selbst im flackernden Schein von etwa zwanzig Kerzen aschfahl und kaum, dass Marian die Tür zu der kleinen Kammer aufgemacht hatte und Will ihn im Stuhl neben dem Bett, in dem Allan lag, sitzen sehen konnte, fuhr Gisborne von eben diesem hoch, als habe ihn etwas gestochen.
„Was macht der hier?“, keuchte Gisborne Will entgegen.
„Nach ihm habe ich nicht gefragt! Ich habe nicht nach der ganzen Bande gefragt, nur nach der Frau!“
Djaq starrte ihn trotzig an und Marian gab sich Mühe, in ihrer Rolle als Diplomatin schnell dazwischen zu gehen;
„Es ist nur er, keine Sorge, Guy!“
Sie legte die Hände an seine Schultern und drängte ihn zurück auf den Stuhl.
„Er soll rausgehen!“, schäumte Gisborne.
„Ich rufe die Wachen und lass ihn in den Kerker werfen!“
Will bereute es, dass er seine große Axt in Sherwood gelassen hatte. Unbewaffnet zu kommen, war eine der Bedingungen gewesen (auch wenn Marian es als Bitte formuliert hatte) und Will wusste plötzlich nicht, ob der Dolch in seinem Stiefel ihm im Notfall eine große Hilfe sein würde.
Es war Djaq, die Marian sanft an der Hüfte fasste und beiseite schob, die sich vor Gisborne, der etwa doppelt so hoch war wie sie selbst, ausbaute, die Hände in den Hüften, die ihn fest ansah;
„Du hast mich gerufen, dann musst du auch meine Bedingungen akzeptieren. Und eine meiner Bedingungen ist, dass Will mich begleitet. Allan war schließlich auch unser Freund.“
Gisborne funkelte sie für einen Augenblick böse an, aber er schrie immerhin nicht mehr.
„Von mir aus. Aber behandle ihn endlich!“
Und damit ließ er sich wieder auf dem Stuhl nieder.
~
Allan sah noch schlechter aus als Gisborne. Bedeutend schlechter. Will hatte todkranke Menschen gesehen, öfter als ihm lieb war, aber es drehte ihm den Magen um, als Djaq die Decke zurückschlug, den Verband an der linken Schulter löste und darunter eine Stelle von der Größe von Djaqs Handfläche zum Vorschein kam, die ihn wütend weißlich-gelb anstarrte, blau und rot gesäumt, direkt zwischen Schulter und Schlüsselbein. Wahrscheinlich war es ein Pfeil gewesen (womöglich auch zwei), aber warum Allan sich nicht um die Wunde gekümmert hatte, war Will ein Rätsel. Fragen konnte er ihn nicht, denn das Fieber hatte Allan in einen Zustand versetzt, in dem er sinnlose und unverständliche Dinge murmelte und nicht mehr ansprechbar war.
Wenn Will Marian zuvor nicht geglaubt hatte, so überkam ihn jetzt eine ungeglaubte und überwältigende Angst. Angst, dass Allan es wirklich nicht überlebte.
Djaq legte prüfend eine Hand auf Allans feuchte Stirn und blinzelte besorgt. Der ganze Mann war schweißgebadet. Vermutlich hatte der Arzt des Sheriffs ihn deswegen aufgegeben.
„Die Entzündung ist ins Blut übergegangen, daher ist das Fieber so hoch“, sagte Djaq.
„Wir haben versucht, ihn zu kühlen“, erklärte Marian, weil Gisborne so aussah, als würde sein Mund zwischen den zusammengepressten Lippen gleich verschwinden.
„Aber es hat nicht geholfen.“
„Weil ihr die Ursache nicht bekämpft habt. Euer Arzt ist zu bequem.“
Sie betrachtete die Wunde näher mit ihrem ruhigen Heilerblick. Will wusste nicht, wie er es sonst nennen sollte. Der Heilerblick machte ihm ein bisschen Angst, aber er liebte ihn trotzdem. So wie er alles an Djaq liebte.
„Aber du kannst es.“
Gisborne.
Er war wieder aufgestanden und er thronte gegenüber Djaq am Bett, über Allan gebeugt wie ein schwarzer, lederner Totengeist, bleich und finster.
„Ob nun mit deinen sarrazenischen Wundermitteln oder chemischen Gemischen, es ist mir egal, solange du verhinderst, dass er stirbt.“
Will stand am Fußende des Bettes, die Arme verschränkt und er bemerkte, dass Gisborne es wie einen Befehl aussprach, aber dass es klang wie ein Flehen.
~
Als Djaq anfing zu arbeiten, geschah es ganz von allein: Sie wurden eine geheime, eingeschworene Gemeinschaft.
Marian postierte sich an der Tür, ein Ohr dem Holz zugewandt. Niemand außer Gisborne und den Wachen am Westtor wusste, dass Djaq hier war und das sollte auch so bleiben.
Will selbst behielt seine Position am Fußende des Bettes bei. Er redete sich ein, dass er so möglichst schnell eingreifen konnte, wenn Gisborne auf dumme Gedanken kommen sollte.
Nur, dass Gisborne keine dummen Gedanken übrig zu haben schien.
Je länger die Behandlung dauerte, je weiter die Nacht voranschritt, desto seltsamer erschien Will der Mann. Zuerst hatte er drohend Djaq gegenübergestanden und ihr mit Argusaugen beim Arbeiten zugesehen (Will liebte Djaq dafür, dass sie sich von solchen Dingen nicht aus der Ruhe bringen ließ) aber je mehr Zeit verging, desto mehr fühlte es sich an, als würde er sich ihr hilfesuchend entgegenbeugen.
Das war der Moment, in dem Will begriff, warum Gisborne unbedingt wollte, dass Allan überlebte. Es ging nicht um irgendwelche Informationen. Es ging ihm um Allan.
„Das wird ihm jetzt wehtun“, sagte Djaq während sie eine Tinktur umrührte und sich wieder über das Bett beugte.
„Jemand sollte...“
„Ich mach das.“
Gisborne ließ keinen Raum für Diskussionen. Er schälte sich aus seinem Lederrock und warf ihn beiseite. Nur in seinem Hemd sah er plötzlich schmaler und hilfloser aus denn je.
Sie alle taten so, als würden sie es nicht sehen, als er Allan eine verschwitzte Strähne aus der Stirn strich, bevor er sein Gewicht auf dessen Oberkörper verlagerte. Sie alle taten gut daran nicht zu fragen, warum er verstohlen versteckt zwischen seinem Bauch und Matratze nach Allans Hand auf der guten rechten Seite griff und sie in seine nahm.
Unter dieser harten, schwarzen Schale schlug ein weicher Kern. Und wie weich musste der sein, für jemanden wie Allan zu schlagen?
Es rührte Will und als seiner und Djaqs Blick sich aus Augenwinkeln trafen, wusste er, dass es auch Djaq rührte.
Allans fiebergeplagtes Wimmern als sie die Wunde öffnete und säuberte, ließ Will und Marian zur Seite sehen. Sie wussten beide, dass dieser Augenblick so intim war, dass nur Djaq und Gisborne ihn teilen durften; zwei Feinde, die unterschiedlicher nicht sein konnten, geeint durch die Sorge um einen geächteten Verräter.
Wenn Robin wüsste, was sie hier taten, was würde er wohl sagen?
~
Gisborne hatte Will nicht mehr angesehen. Genau genommen hatte er nicht einmal Djaq angesehen, als sie sich zum Gehen abgewandt hatte. Er hatte nur etwas Unverständliches in ihre Richtung gemurmelt, den Blick starr und fest auf den schlafenden Allan gerichtet, dessen Gesicht rot war von Fieber, von Anstrengung, von Schmerz.
„Was für eine seltsame Freundschaft“, sinnierte Will als sie sich im Trab von Nottingham entfernten. Im Osten am Horizont begann es allmählich zu dämmern.
„Ausgerechnet Gisborne und Allan. Ich dachte, das wäre eher so eine Sache zwischen dem Sheriff und Gisborne.“
„Das ist keine Freundschaft“, entgegnete Djaq in ihrem typisch wissenden Tonfall. Den liebte Will nicht ganz so sehr, denn er zeigte ihm viel zu oft, wie dumm er im Grunde war.
„Was dann?“
„Ich würde sagen, es ist Liebe.“
„Liebe? Wie zwischen Brüdern?“
„Nein. Liebe wie zwischen...“ Sie stockte und Will schaute sie ungläubig über seine Schulter an.
„Aber wie soll das gehen?!“
„Manche Menschen sind nun einmal so.“ Djaq gähnte.
„Ich erkläre es dir ein anderes Mal ausführlicher.“
Eine Weile ritten sie schweigend.
„Das ändert alles“, murmelte Will müde.
„Wir haben dem Feind geholfen.“
„Wir erzählen es niemandem. Das bleibt unser Geheimnis. Allan wird sich nicht daran erinnern. Marian ist Marian.“
„Und Gisborne?“
„Gisborne wird mehr noch als wir wollen, dass niemand davon erfährt.“
„Was hat er eigentlich zu dir gesagt ganz am Ende?“
„Dass er in meiner Schuld steht.“
Zufriedenheit schwang in ihrer Stimme mit.
Dann sagte Djaq gar nichts mehr. Sie war an seinem Rücken eingeschlafen.
Welch Ironie, dachte Will traurig, als er das Pferd durch sich langsam erhellende Pfade lenkte, dass böse Menschen wie Gisborne und Allan zueinander fanden, aber er selbst sich immer noch nicht traute, Djaq seine Liebe zu gestehen.
no subject
Date: 2013-07-29 11:53 pm (UTC)Ob es dazu eine Fortsetzung geben könnte? Allans Erwachen? ^.~
Aba die Sorge kommt richtig schön rüber. Der ganze Text hat so einen leichten, bitteren Beigeschmack... Genau richt dosiert...
no subject
Date: 2013-07-30 09:07 am (UTC)Fortsetzung? Hm... mal sehen. Versucht wäre ich schon, ich wüsste nur nicht, was ich da schreiben sollte außer schon millionen Mal benutzten Worthülsen.
Stimmt, ist mir jetzt auch nochmal aufgefallen. Das mit dem bitteren Beigeschmack war gar nicht so beabsichtigt, aber es passt wohl ganz gut.